Captain Future nimmt „Die Herausforderung“ an

April 16, 2014

Hamilton - Captain Future - Die Herausforderung - 2

Als Edmond Hamilton die „Captain Future“-Geschichten schrieb, hätte er sich in seinen kühnsten Träumen nicht ausgemalt, dass wir diesen Charakter heute immer noch kennen und es immer noch Pläne für eine Verfilmung gibt, wie Christian Alvart in Interviews anlässlich seines neuen Films „Banklady“ bestätigte. Denn als Hamilton die „Captain Future“-Geschichten schrieb, erschienen die meisten Romane der Serie im zwischen 1940 und 1944 vierteljährlich erschienenem „Captain Future Magazine“ und als Pulps waren sie, nun, potentielles Altpapier. Sie waren nicht für die Ewigkeit bestimmt und irgendwelche höheren literarische Ansprüche, geschweige denn Zeitungskritikerherzen, sollten auch nicht befriedigt werden. Es ging um Ablenkung von der rauhen Wirklichkeit. Unterhaltung eben.
In den Fünfzigern gab es einige deutsche Übersetzungen von „Captain Future“-Romanen als „Captain Zukunft“ im Erich Pabel Verlag. Die Romane dürften kaum noch erhältlich sein. Besser sieht es in den Antiquariaten mit den in den frühen Achtzigern erschienenn „Captain Future“-Romanen bei Bastei Lübbe aus, aber auch da muss man manchmal tief in den Geldbeutel greifen.
Am Bekanntesten dürfte bei uns natürlich die 1978/1979 entstandene japanische Zeichentrickserie sein, die ab September 1980 im ZDF ausgestrahlt wurde und sehr beliebt war; – was dann auch zur Veröffentlichung der Romane bei Bastei Lübbe führte.
Und seit einigen Jahren gibt der Golkonda-Verlag die „Captain Future“-Geschichten in originalgetreuen Ausgaben mit den Zeichnungen und ergänzenden Materialien aus dem „Captain Future Magazin“ heraus.
Jetzt ist der dritte „Captain Future“-Roman „Die Herausforderung“ erschienen. In ihm zerstören mehrere schwarze Raumkreuzer fast gleichzeitig die Gravium-Minen auf dem Merkur, dem Mars und dem Saturn. Gravium ist für die interplanetare Raumfahrt überlebenswichtig, weil mit Gravium die Schwerkraftregler hergestellt werden. Mit ihnen bewegt man sich auf jedem Planeten mit dem von seinem Heimatplaneten vertrautem Körpergewicht und ohne Schwerkraftregler würde man auf fremden Planeten krank.
Gleichzeitig wird Curtis Newton, auch bekannt als Captain Future, aus seiner Mondbasis entführt. Er ist die einzige Person, die den Plan der Angreifer vereiteln kann.
Dennoch gelingt Newton die Flucht aus dem Raumschiff seiner Entführer und er beginnt mit seinen treuen Gefährten, den Futuremen, die unbekannten Bösewichter und ihren Hintermann zu verfolgen.
Dabei führt die Spur ihn zum Neptun, wo die letzten verbliebenen Gravium-Minen sind.
Edmond Hamilton ist einer der Begründer der Space Opera, diesen Science-Fiction-Abenteuergeschichten, in denen Raumfahrer exotische Welten in der ganzen Galaxis besuchen und oft haarsträubende Abenteuer erleben.
Die Charaktere sind ziemlich eindimensional und klischeefest: der tapfere Captain Future, der keine Gefahr fürchtet und der ein Wissenschaftsgenie in allen Disziplinen ist. Seine ebenso tapferen Gefährten, die Futuremen, die mit wenigen Worten zum Leben erweckt werden: der Androide Otho und der Roboter Grag, die sich immer zanken. Und natürlich das Gehirn Simon Wright, das nur ein Gehirn in einem durchsichtigen, es am Leben erhaltenden Kasten ist.
Aber die 1940 geschriebene Geschichte bewegt sich mit Sieben-Planeten-Stiefeln vorwärts, ist voller Überraschungen und Ideen über Welten, Wesen und technische Erfindungen, die heute teilweise Alltag sind. Einiges ist aus heutiger Sicht auch herrlich falsch, weil bestimmte Probleme, mit denen Captain Future und seine Männer kämpfen, längst gelöst sind oder kein Problem sind.
Die Sprache steht der Handlung nie im Weg und die Geschichte ist ein wirklich kurzweiliger Spaß mit echten Pageturner-Qualitäten.
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Edmond Hamilton: Captain Future – Die Herausforderung
(übersetzt von Frauke Lengermann)
Golkonda, 2014
220 Seiten
14,90 Euro
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Originalausgabe
Captain Future’s Challenge
Captain Future Magazine, Sommer 1940
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Hinweise

Tangent: Interview mit Edmond Hamilton und seiner Frau Leigh Brackett (vom April 1976)

PulpGen über Edmond Hamilton
Fiction Fantasy über Edmond Hamilton
Deutsche “Captain Future”-Fanseite
Wikipedia über Edmond Hamilton (deutsch, englisch) und Captain Future (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 16. April: Storyseller – Wie Amazon den Buchmarkt aufmischt

April 16, 2014

Arte, 22.30
Storyseller – Wie Amazon den Buchmarkt aufmischt (D 2014, Regie: Brigitte Kleine)
Drehbuch: Brigitte Kleine
Gut einstündige Doku über Amazons neuen Anschlag auf die deutsche Buchwelt: der Buchhändler will jetzt auch Bücher verlegen – und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels ist davon nicht begeistert.
Aber das war, glaube ich, auch nicht, als Amazon den deutschen Markt betrat und als erstes dafür sorgte, dass englische Bücher überall in Deutschland schnell und zu vernünftigen Preisen erhältlich waren. Und dann warf Amazon diesen E-Book-Reader auf den Markt…
Hinweis
Arte über die Doku


Cover der Woche

April 15, 2014

Brand - Destry rides again

 

weil demnächst meine Besprechung von “Der große Bluff” erscheint


Der erste Trailer von David Finchers “Gone Girl”

April 15, 2014

Da isser, der erste Trailer für “Gone Girl”:

Sehr stimmungsvoll, aber wenn ich nicht wüsste, dass es der neue David-Fincher-Film ist, würde mich der Film danach nicht besonders interessieren.


TV-Tipp für den 15. April: Kalifornia

April 15, 2014

Tele 5, 23.00
Kalifornia (USA 1993, Regie: Dominic Sena)
Drehbuch: Tim Metcalfe
Ein junges Paar unternimmt eine Überlandreise, auf der sie – für ein Buch – Orte besuchen, an denen Serienkiller mordeten. Um Benzingeld zu sparen, nehmen sie ein junges Paar mit. Was sie nicht wissen: sie haben das Objekt ihres Buches als Mitfahrer eingeladen.
„’Kalifornia’ ist ein Roadmovie und variiert ohne eigene Qualitäten das zur Zeit im amerikanischen Kino beliebte Serienmörderthema.“ (Fischer Film Almanach 1994)
„Wir raten ab.“ (Lexikon des internationalen Films)
Nun, mir gefiel der kleine, gemeine Thriller mit dem genreüblichen Action-Showdown. In den USA gab es drei Saturn-Nominierungen der Academy of Science Fiction, Fantasy & Horror Films, unter anderem als bester Horrorfilm und für das Drehbuch.
mit Brad Pitt, Juliette Lewis, David Duchovny, Michelle Forbes, Sierra Pecheur
Wiederholung: Freitag, 18. April, 00.20 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Kalifornia“
Wikipedia über „Kalifornia“ (deutsch, englisch)


Pat Metheny Group in Hamburg – 1980

April 14, 2014

Das lief im Fernsehen wahrscheinlich zu der Zeit, zu der sogar Nachtarbeiter den Fernseher ausschalten, und eine so benutzerfreundliche Mediathek, wie der WDR für die Rockmusik hat, kenne ich für den Jazz nicht.

Die Band:

Pat Metheny (Gitarre)
Lyle Mays (Piano)
Mark Egan (Bass)
Dan Gottlieb (Schlagzeug)

Aufgezeichnet am 8. Juli 1980 im Onkel Pö, Hamburg.

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Feine Musik, die gegen alles (auch Erkältung!) hilft.


Don Winslow demnächst bei Droemer Knaur

April 14, 2014

Don Winslow wechselt den Verlag. Mal wieder, denkt der langjährige Fan, während sein Blick über das Don-Winslow-Regal wandert. Piper, Goldmann, Heyne (sein Trevanian-Ausflug) und Suhrkamp, der ihn in Deutschland in den vergangenen Jahren, nach einer elend langen Publikationspause, in der Don Winslow in den USA wichtige Preise erhielt und abgefeiert wurde, wieder aufbaute und erfolgreich machte. Als Winslow 2012 in Berlin sein neuestes Buch vorstellte, war der ziemlich große Saal bis auf den letzten Stehplatz ausverkauft. Muss ich noch mehr sagen?
Nun wechselt er von Suhrkamp zu Droemer Knaur, dem aktuellen Verlag von Michael Connelly und Friedrich Ani.
Don Winslow sagt zum Verlagswechsel: „Ich blicke gerne auf die jahrelange Zusammenarbeit mit Suhrkamp zurück und bin den Mitarbeitern sehr dankbar für alles, was sie für mich getan haben. Trotzdem haben mich die aktuellen Entwicklungen sowie der Abgang meiner zentralen Ansprechpartner dort veranlasst, mir einen neuen Verlagspartner in Deutschland zu suchen. Ich freue mich sehr darauf, mit Hans-Peter Übleis und dem Team von Droemer Knaur zusammenzuarbeiten. Ich freue mich außerdem bekanntzugeben, dass bei Droemer Knaur zahlreiche neue Bücher von mir erscheinen werden, darunter auch die Fortsetzung von Tage der Toten.“
Und Droemer Knaur freut sich über diesen Fang.


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