JAMES BOND: Der Spion, der mich liebte (GB 1977, R.: Lewis Gilbert)
Drehbuch: Richard Maibaum, Christopher Wood
LV: Ian Fleming: The spy who loved me, 1962 (Der Spion, der mich liebte)
Buch zum Film: Christopher Wood: The spy who loved me, 1977 (James Bond und sein größter Fall)
Mitten im Kalten Krieg muss Bond mit den Russen (nun, mit einer verdammt gut aussehenden Agentin) zusammenarbeiten. Denn Milliardär Stromberg will die Welt vernichten.
Der Film hat mit dem Buch nur eine Gemeinsamkeit: den Titel. Kein Wunder, denn in dem Buch erzählt Fleming aus der Perspektive einer jungen Frau, die einen Job als Hauswärterin eines einsam gelegenen Motels annimmt, wie sie von zwei Verbrechern als Geisel genommen und von James Bond befreit wird. Fleming hielt das stark kritisierte Buch für „offensichtlich schiefgegangen“ und sprach sich – erfolglos – gegen weitere Auflagen aus. Er bestand beim Verkauf der Filmrechte an Eon Productions darauf, dass für einen Film eine andere Geschichte gefunden werde.
Und das taten sie! Der Film glänzt mit Pyramiden, einem unter Wasser fahrendem Auto, Beißer (der bei Moonraker seinen zweiten Auftritt hatte) und einer grandiosen Schlussschlacht in dem Bauch eines Schiffes. Für diesen Kampf wurde in den Pinewood-Studios die größte Filmhalle der Welt, die „007-Stage“, gebaut. Roger Moore spielt Bond, Curd Jürgens den Bösewicht, Barbara Bach eine Russin.
Wiederholung: ZDFneo, Sonntag, 19. Mai, 22.05 Uhr
Hinweise
Wikipedia über „James Bond: Der Spion, der mich liebte” (deutsch,englisch)
Als der Thriller „Das Kommando“ vor über dreißig Jahren gedreht wurde, war Lewis Collins dank der heute immer noch bekannt-beliebten Serie „Die Profis“ (The Professionals), die bei uns nur selten, in England fast ständig läuft, ein bekannter TV-Star, der von einer großen Kinokarriere träumte. Auch als James Bond war er im Gespräch – und er wäre, nach dem witzigen Roger Moore sicher wieder ein Schritt zurück zu dem Sean-Connery-James-Bond gewesen.
Ian Sharps Kinodebüt sollte, nachdem er bereits einige Folgen für „Die Profis“ drehte, für Collins der erste Schritt in diese Richtung sein und wenn man sich heute „Das Kommando“ ansieht, sieht es wie eine überlange Folge von „Die Profis“ aus, ohne Doyle (sein von Martin Shaw gespielter Partner, der danach eine beachtliche Karriere hatte und heute George Gentley ist), aber mit Frau und Baby. Denn der von Lewis Collins gespielte SAS-Agent Peter Skellen wird in einem Undercover-Einsatz in eine Gruppe Terroristen eingeschleust, die in der Öffentlichkeit als Pazifisten auftreten und von der jungen Frankie Leith (Judy Davis), die Dank ihrer Erbschaft keine Geldsorgen hat und sich als Künstlerin selbst verwirklicht, angeführt. Sie erinnerte mich spontan an Patty Hearst, die 1974 von Terroristen entführte Millionärstochter, die selbst zur Terroristin wurde. Skellen erschleicht schnell und mühelos ihr Vertrauen. Ihre Freunde bleiben misstrauisch und haben auch einige Beweise.
Dennoch nimmt die verliebte Terroristin ihn mit zu ihrem großen Coup: der Geiselnahme des US-amerikanischen Außenministers Arthur Currie (Richard Widmark in einem seiner letzten Filmauftritte) und seiner hochrangigen Diner-Gäste. Skellen will natürlich das Schlimmste verhindern und wir können einen der ersten Filme sehen, in denen die Arbeit der SAS und der damals in anderen Ländern gegründeten Spezialeinheiten, wie der GSG 9 in Deutschland, realistisch, aber auch glorifizierend gezeigt wird.
Denn die Inspiration für den Film war für Produzent Euan Lloyd („Die Wildgänse kommen“, „Die Seewölfe kommen“) die Geiselnahme in der iranischen Botschaft am 30. April 1980 in London und die erfolgreiche Geiselbefreiung durch die SAS am 5. Mai. Die SAS, die damals noch verschwiegener als heute war, half bei „Das Kommando“ auch hinter den Kulissen. Einige der Actionszenen bei der Geiselbefreiung, vor allem das Herabseilen der SAS-Männern aus den Hubschraubern, wurden von SAS-Männern gespielt.
Damals wurde der Thriller – der noch vor den vielen reaktionären 80er-Jahre-Actionfilme, ungefähr parallel zu dem ziemlich langweiligem Sylvester-Stallone-Terroristenthriller „Nachtfalken“ (Nighthawks, USA 1981) entstand – von Kritikern vor allem wegen seiner konservativen Botschaft verrissen. Zwei Beispiele:
„Unterhaltungskino als Träger reaktionärer, rechter politischer Inhalte. Es ist schon beängstigend, dass und wie ungute Traditionen wieder zum Leben erweckt werden.“ (Fischer Film Almanach 1983)
„Ein zynischer Film, der nur durch seine Menschenverachtung auffällt.“ (Lexikon des internationalen Films)
Und, heute absolut rätselhaft, in Deutschland landete die Videocassette des Films auf dem Index.
In den USA war der damalige Präsident der USA, Ronald Reagan, von dem Film begeistert, sein Lob wurde für die Werbung benutzt – und, so Euan Lloyd im Audiokommentar, damit wurde der Film zu einem Flop in den USA, weil die Filmkritiker ihn verrissen und er, als „The Final Option“, nur einen kleinen US-Start erhielt. Es gab vor Kinos Proteste gegen den Film. In England protestierte vor allem die People for Nuclar Disarmament (PND), die sich zu Unrecht als Terroristen porträtiert sah. Dabei, so Lloyd im Audiokommentar, hätten sie doch immer deutlich zwischen den Protestlern und den Terroristen, die Anarchisten seien und die ahnungslosen Atomwaffengegner unterwandert hätten, unterschieden.
Hm.
Denn selbstverständlich ist „Das Kommando“ eine bei der SAS und SAS-Fans sehr beliebte Glorifizierung der SAS, die hier alles richtig macht (Nordirland kommt nicht vor) und die hehren Werte der Demokratie gegen Atomwaffengegner und Friedensbewegung, die alle Naivlinge sind, mit der MP verteidigt. So ist der Disput zwischen Frankie und dem Außenminister über ihre Ziele und Methoden schon schmerzhaft dümmlich; – was auch an dem Plan der Terroristen liegt: sie wollen, dass eine Atombombe über einem bewohnten Gebiet gezündet wird, um vor den Gefahren und Folgen eines Atomkriegs zu warnen.
Dennoch gelingt Ian Sharp bei seinem ersten Spielfilm durchaus ein Sittenbild der damaligen Zeit: die Befehlshaber, die anscheinend noch den zweiten Weltkrieg erlebten; die Soldaten, die trainieren, trainieren und im Einsatz eiskalt ihre Mission erfüllen, manchmal auch mit etwas Undercover-Arbeit; die alternative Szene, die ein buntes Gemisch aus Linksintellektuellen, Geistlichen, Protestlern und, auch, Terroristen ist, die hier im Hintergrund von mächtigen Männern unklarer Herkunft (sagen wir mal: Araber, Banker und hochrangige Politiker), die eine bestimmte Stimmung erzeugen wollen, „gelenkt“ werden. Das ist dann schon ziemlich zynisch, gepaart mit einem Schuss Verschwörungstheorie.
Hier zeigt sich die britische TV-Schule, die immer wieder spektakuläre Serien hervorbrachte. Allerdings ist die vor einem ähnlichen Hintergrund spielende BBC-Serie „Am Rande der Finsternis“ (Edge of Darkness), geschrieben von Troy Kennedy-Martin, in ihrer Durchleuchtung von Machtstrukturen um Längen besser – und sie hat auch eine vollkommen konträre Botschaft.
Insofern ist „Das Kommando“, das natürlich entlang einer spannenden Geschichte mit eindeutigen Zuschreibungen von Gut und Böse und einigen Unwahrscheinlichkeiten (wie dass sich die Terroristin sofort in den SAS-Agenten verliebt) geplottet wurde, teilweise gar nicht so reaktionär, wie er damals von der Kritik wahrgenommen wurde und für einen altmodisch-spannenden Thrillerabend mit etwas Action, der mehr in den Siebzigern als in den Achtzigern verwurzelt ist, taugt er allemal.
Und Lewis Collins? Er drehte danach noch drei Söldner-Filme, die damals ein sehr populäres Subgenre waren, und verschwand von der Bildfläche.
Als Bonusmaterial gibt es den schon mehrfach angesprochenen, 2010 aufgenommenen Audiokommentar mit Produzent Euan Lloyd und Regisseur Ian Sharp, der einen wirklich guten Einblick in die gesamte Entstehungsgeschichte des Films, die Dreharbeiten und die Reaktionen liefert. Dort erfahren wir auch, dass auch Stanley Kubrick und Steven Spielberg sich lobend über den Thriller äußerten.
Das Kommando – Die endgültige Entscheidung (Who dares win, Großbritannien 1982)
Regie: Ian Sharp
Drehbuch: Reginald Rose
„LV“/Original Story: George Markstein: The Tiptoe Boys
Musik: Roy Budd
mit Lewis Collins, Judy Davis, Richard Widmark, Edward Woodward, Robert Webber, Tony Doyle, Ingrid Pitt, Albert Fortell
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DVD
Ascot-Elite
Bild: 1.78:1/16:9
Ton: Deutsch (DTS 2.0, Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: –
Bonusmaterial: Audiokommentar von Euan Lloyd und Ian Sharp, Originaltrailer, Wendecover
Nachdem der erste Clip mittendrin abbricht, auch beim zweiten Clip die Bildqualität historisch ist und beim dritten Clip besser wird, wird es jetzt noch besser
Der Kuß vor dem Tode (USA 1991, R.: James Dearden)
Drehbuch: James Dearden
LV: Ira Levin: A kiss before dying, 1953 (Kuss vor dem Tode)
Student Jonathan hat wenig Geld, aber den unbedingten Willen zu Macht und Reichtum. Dafür geht er über Leichen. Nur die schöne Zwillingsschwester Ellen ahnt etwas.
Nettes Remake.
Mit Matt Dillon, Sean Young, Max von Sydow, James Russo
Nach seinem durchwachsenen Ausflug in internationale Gefilde mit dem James-Bond-Roman „Carte Blanche“ ist Jeffery Deaver wieder zurück in den USA und Kinesik-Expertin Kathryn Dance darf, mit etwas Hilfe von Lincoln Rhyme und Amelia Sachs, ihren dritten Fall lösen.
Dabei wollte sie nur einige Tage Urlaub nehmen und in Fresno eine alte Bekannte, die erfolgreiche Country-Sängerin Kayleigh Towne, besuchen. Kaum ist sie dort eingetroffen, erfährt sie, dass Kayleigh von Edwin Sharp gestalkt wird. In der Nacht wird Bobby Prescott, der Chef der Roadcrew und langjährige Freund von Kayleigh, ermordet und Sharp ist der Hauptverdächtige, der als Stalker von seiner Sicht der Wirklichkeit, nämlich dass Kayleigh ihn liebt und sie von ihrer Entourage beeinflusst und in Quasi-Haft gehalten wird, bedingungslos überzeugt und schlau genug ist, keine Spuren zu hinterlassen.
Aber ist er wirklich der Mörder? Immerhin befinden wir uns in einem Roman von Jeffery Deaver, der für seine wendungsreichen Enden bekannt ist, und Sharp ist eigentlich viel zu verdächtig, um der Mörder zu sein.
Wie Deaver ihn dann über gut fünfhundertfünfzig kurzweilige Seiten immer wieder be- und entlastet und die Gesichtsleserin Kathryn Dance bei der Mörderjagd auch einige andere Übeltäter überführt, die mehr oder weniger Trittbrettfahrer der Taten des Mörders sind, der nach der Ermordung von Bobby Prescott weitere Menschen in Kayleighs Umfeld tötet, ist gutes Spannungshandwerk, bei dem man auch einiges über die Country-Musik, das Musikgeschäft und die Veränderungen des Geschäfts durch das Internet lernen kann. Denn, wie immer, hat Deaver seine Recherche gemacht.
Mir kamen allerdings einige der Wendungen in der zweiten Hälfte von „Die Angebetete“ zu plötzlich, einige Subplots wurden zu schnell abgehandelt und einige Szenen, wie die Begegnung von Kayleigh und Sharp ungefähr in der Buchmitte, hätten gewinnbringender verarbeitet werden können. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau.
Am bewährten Konzept von seinem Jahrbuch „Secret Service“ hat das Syndikat, Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur AIEP/IACW, nichts geändert: es gibt oft erstaunlich kurzweilige Erlebnisberichte von Autoren von ihren Lesungen und Veranstaltungen während der Criminale, dem, hm, jährlichen Klassentreffen der Krimiautoren, Kurzkrimis, etwas Gehirnfutter, dieses Mal vor allem von Prof. Dr. med. Burkhard Madia über „Rechtsmedizin – unerkannte Morde“, Thomas Przybilkas Überblick über „Wichtige Sekundärliteratur zur Kriminalliteratur“ und die immer lesenswerten Befragungen der 2012er Glauser-Preisträger, bei denen die Herausgeber immer noch verschweigen, welche Glauser-Preise Michael Theurillat, Lena Avanzini, Nina George, Maja von Vogel und Thomas Przybilka erhielten.
Also: Michael Theurillauts „Rütlischwur“ (Ullstein) war der beste Roman, Lena Avanzinis „Tod in Innsbruck“ (emons) das beste Debüt, Nina Georges „Das Spiel ihres Lebens“ (in „Scharf geschossen“ [KBV]) der beste Kurzkrimi, Maja von Vogels „Nachtsplitter“ (dtv) erhielt den Hansjörg-Martin-Preis (aka bester Kinder- und Jugendkrimi) und Thomas Przybilka erhielt – verdient – den Friedrich-Glauser-Ehrenpreis für besondere Verdienste um die deutschsprachige Kriminalliteratur.
Witzig ist Andreas Grubers „Wie man keinen erfolgreichen Roman schreibt“. Ich befürchte allerdings, dass einige die ironisch gemeinten Ratschläge für bare Münze nehmen.
Viel zu knapp ist Marc Ritters „Das E-Book: Gestern – Heute – Morgen“. Der auf einem zweistündigem Vortrag basierende Text bleibt nämlich zu sehr an der Oberfläche.
Ziemlich ärgerlich ist „UrhG! Auch das noch“ von Angela Eßer und Nina George, die die Aktionen des Syndikats zum Urheberrecht Revue passieren lassen und marktschreierisch auf dem Debattenstand von vor ungefähr einem Jahr verharren, inclusive Selbstwidersprüchen. So polemisieren sie zuerst über „krude Ideen von der Kulturflatrate, der Kulturmark, ‘Freemium-Geschäftsmodellen’“, die von den „Hardlinern gegen das Urheberrecht“, die da wären „von der Netzpolitik, von einer Handvoll dauerpublizierender Netzaktivisten, unterstützt von Giganten wie Google, Amazon und Apple“, verfochten werden. Wenige Seiten später, nachdem sie das derzeitige Modell von Bibliothekstantiemen und sonstigen Abgaben (dass Studiengebühren auch dazu gehören, war mir neu), die über die VG Wort an die dort gemeldeten Autoren (aufgrund der von ihnen gemeldeten Texte) jährlich ausgeschüttet werden, erläutert haben, fordern sie „die Übertragung dieses Rechte-Kreislaufs auf das Internet“. Hm, klingt irgendwie nach Kulturflatrate.
Der gesamte Text ist nicht besonders zielführend, wenig zukunftsweisend, rennt lautstark mit einem „JA zum Urheberrecht!“ offene Scheunentüre ein, ohne auf die wirklich interessante Frage, wie das Urheberrecht an die digitale Welt angepasst werden soll, einzugehen.
Aber auch die von VG Wort jüngst initiierte und im Netz ziemlich lautlos verhallte Initiative „Wir geben 8“ ist da in ihrem Festhalten am Bestehenden keinen Schritt weiter, spricht sich aber gegen Fair Use (als ob Google Books ein Standard-Fair-Use-Fall wäre) und Remixe (als ob Romane, wie Filme oder Songs, in einer Cut-and-Paste-Technik geremixed würden) aus.
Und gerade nachdem letztes Jahr so engagiert über das Urheberrecht diskutiert wurde, hätte das Syndikat in der diesjährigen Ausgabe seines Jahrbuchs das Thema durchaus mit sich widersprechenden Meinungen in einem Streitgespräch oder verschiedenen Texten behandeln oder einen von diesen „Hardlinern gegen das Urheberrecht“ um einen Text bitten können.
Aber aus den vielen Mafia-Filmen wissen wir, dass das Syndikat keine anderen Meinungen zulässt und Störenfriede gerne in der Wüste verbuddelt oder den nächsten Fluss, gerne mit Betonschuhen, wirft.
Angst über der Stadt (F/I 1974, R.: Henri Verneuil)
Drehbuch: Jean Laborde, Henri Verneuil, Francis Veber
Actionhaltiger, harter Polizeithriller in dem ein Pariser Kommissar, Typ „Dirty Harry“, einen Serienmörder jagt.
Nach dem Genuss von „Matrix“ und „Spider-Man“ wirken die Action-Szenen in „Angst über der Stadt“ zwar bedächtlich, aber Jean-Paul Belmondo ließ sich bei den zahlreichen Verfolgungsjagden, dem Abseilen von einem Hubschrauber und der Kletterei über die Dächer von Paris nicht doubeln. Bei den Schlägereien natürlich auch nicht. Die Story folgt den bekannten Genrekonventionen und Belmondo hatte in seiner ersten Polizistenrolle einen Kassenschlager.
„Angst über der Stadt“ ist „die mythische Dokumentation seiner Konversion von der Seite der Rebellen auf die Seite der Gesetz- und Ordnungsvertreter.“ (Georg Seesslen: Copland)