TV-Tipp für den 20. Oktober: Die letzte Versuchung Christi

Oktober 19, 2014

Arte, 20.15
Die letzte Versuchung Christi (USA/Kanada 1988, Regie: Martin Scorsese)
Drehbuch: Paul Schrader
LV: Nikos Kazantzakis: O Teleutaios Peirasmos, 1951 (Die letzte Versuchung)
Als der Film damals in die Kinos kam, schämten die konservativen Christen – und übersahen dabei geflissentlich (falls sie den Film überhaupt gesehen haben), dass Martin Scorsese und Paul Schrader nicht die Bibel sondern einen Roman (der 1954 in das „Index der verbotenen Bücher“ der katholischen Kirche aufgenommen wurde) über das Leben von Jesus verfilmten – und obwohl der Film 160 Minuten lang ist, habe ich mich damals im Kino nicht gelangweilt. Als ich eben die Filmlänge sah, war ich erstaunt. Denn ich hatte ihn gar nicht als so lang in Erinnerung. Und dabei bin ich wahrlich kein Freund von Bibelschinken.
„’The last Temptation of Christ’ ist ein Film der herausfordernden Ideen und nicht der aufreizenden Provokationen. Er bietet eine kraftvolle und sehr moderne Neuinterpretation Jesu als eines Mannes, den Ängste und Zweifel angesichts der ihm zugewiesenen Rolle plagen.“ (Variety)
Die Musik ist von Peter Gabriel.
Von Paul Schrader gibt es demnächst den Nicolas-Cage-Thriller „Dying of the Light“, für den er das Drehbuch schrieb und Regie führte, aber ihm der Endschnitt aus der Hand genommen wurde. Der jetzt veröffentlichte Trailer sieht wie der Trailer für einen 08/15-Thriller, den man sich nicht ansehen muss, aus.
mit Willem Dafoe, Harvey Keitel, Barbara Hershey, Verna Bloom, David Bowie, Paul Greco, Steven Shill, Harry Dean Stanton, Irvin Kershner, John Lurie
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Die letzte Versuchung Christi“
Wikipedia über „Die letzte Versuchung Christi“ (deutsch, englisch)

Wikipedia über Martin Scorsese (deutsch, englisch)

Martin-Scorsese-Fanseite

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “The Wolf of Wall Street” (The Wolf of Wall Street, USA 2013) und ein Infodump dazu

Martin Scorsese in der Kriminalakte

Paul Schrader in der Kriminalakte

-

Ach ja, hier ist der Trailer für den neuen Cage-Flick


Neu im Kino/Filmkritik: Pierce Brosnan und Emma Thompson tun es „Wie in alten Zeiten“

Oktober 19, 2014

Die Scheidung von Richard (Pierce Brosnan) und Kate (Emma Thompson) liegt schon acht Jahre zurück und, abgesehen von kleinen Sticheleien, verstehen sie sich gut. Außerdem haben sie zwei Kinder,zu denen sie eine gute Beziehung haben und die inzwischen, studienbedingt, flügge sind.
Richard hat jetzt seine Firma verkauft und er sieht entspannt seinem Ruhestand entgegen, bis er erfährt, dass der Käufer seiner Firma eine Heuschrecke ist. Sein Vermögen, das seiner Angestellten und auch Kates Altersvorsorge sind weg.
In Paris wollen sie mit diesem betrügerischem Finanzmanager Vincent Kruger (Laurent Lafitte) ein ernstes Wort reden und an seine edlen Gefühle und Versprechen, die er beim Firmenkauf abgab, appellieren. Selbstverständlich haben sie keinen Erfolg, aber nachdem sie erfahren, dass Kruger demnächst in Cannes heiratet und seiner Künftigen eine wertvolle Halskette als Hochzeitsgeschenk umhängen will, beschließen sie, zusammen mit ihren Uralt-Freunden Jerry (Timothy Spall, demnächst „Mr. Turner“) und Pen (Celia Imrie), die Kette zu klauen.
Dafür müssen sie nur auf die Hochzeitsfeier in einem Schloss, das natürlich bestens gesichert ist, gelangen. Auf der einen Seite gibt es Wachleute mit Fingerabdruck-Scannern, auf der anderen Seite eine wirklich atemberaubende Klippe.
„Wie in alten Zeiten“ von Joel Hopkins („Liebe auf den zweiten Blick“) ist eine Romantic Comedy für die Generation 50+, in der das Klauen der Kette nur das Wiedervereinigungsprogramm für Richard und Kate ist. Denn selbstverständlich erwachen während des Abenteuers ihre alten Gefühle füreinander wieder.
Der Diebstahl ist allerdings erstaunlich schlampig vorbereitet und ohne unglaublich viele glückliche Umstände, hätten Richard, Kate, Jerry und Pen noch nicht einmal die Hochzeitsgesellschaft beehren können. Dabei hat Jerry zum Erstaunen seiner Frau, die ihn bislang nur als Biedermann kannte, sehr interessante und sehr halbseidene Freunde, die er aus seiner ihr unbekannten Zeit bei der Fremdenlegion und der Marine kennt. Da war er wohl so eine Art James Bond. In dem Film gibt es auch einige Anspielungen auf den Geheimagenten Ihrer Majestät, der für die in „Wie in alten Zeiten“ geplante Aktion allerdings ein schlechter Ratgeber ist. Besser hätte Richard sich vorher einige Folgen „Remington Steele“ angesehen. Dann hätte er keinen Plan ersonnen, der nur dank absurder Zufälle funktioniert, sondern er hätte einen perfekten Plan, der an der Realität scheitert.
Hopkins’ Film ist, dank der gut aufgelegten Schauspieler, die man immer wieder gerne sieht, eine nette Caper-Komödie, die natürlich den Klassikern des Genres Tribut zollt und deutlich besser als „Gambit – Der Masterplan“ ist.

WieInAltenZeiten_A1.indd

Wie in alten Zeiten (The Love Punch, Frankreich/USA 2013)
Regie: Joel Hopkins
Drehbuch: Joel Hopkins
mit Pierce Brosnan, Emma Thompson, Timothy Spall, Celia Imrie, Louise Bourgoin, Laurent Lafitte
Länge: 95 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
-
Hinweise
Englische Facebook-Seite zum Film
Deutsche Facebook-Seite zum Film

Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Wie in alten Zeiten“
Moviepilot über „Wie in alten Zeiten“
Metacritic über „Wie in alten Zeiten“
Rotten Tomatoes über „Wie in alten Zeiten“
Wikipedia über „Wie in alten Zeiten“


TV-Tipp für den 19. Oktober: Shooter

Oktober 18, 2014

Pro7, 23.05

Shooter (USA 2007, Regie: Antoine Fuqua)

Drehbuch: Jonathan Lemkin

LV: Stephen Hunter: Point of Impact, 1993 (Im Fadenkreuz der Angst; Shooter)

Actionhaltiger Thriller über den desillusionierten Ex-Marine-Scharfschützen Bob Lee Swagger, der als Strohmann für einen Anschlag auf ein Staatsoberhaupt herhalten soll. Er kann vor seiner Verhaftung flüchten und beginnt die wahren Täter zu jagen.

Viele tolle Actionszenen, grandiose Landschaftsaufnahmen (ein Treffen auf einem schneeweißen Berggipfel sieht schon toll aus) und eine Story, die ziemlich vorhersehbar den Konventionen des Verschwörungssthrillers folgt, machen „Shooter“ zu einem Thriller, bei dem man nicht vollkommen auf das Denken verzichten muss. Am Ende gibt es dann einige unnötige Twists.

mit Mark Wahlberg, Michael Peña, Danny Glover, Kate Mara, Elias Koteas, Rhona Mitra, Rade Sherbedgia, Ned Beatty

Wiederholung: Montag, 20. Oktober, 03.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über “Shooter”

Moviepilot über “Shooter”

Metacritic über “Shooter”

Rotten Tomatoes über “Shooter”

Wikipedia über “Shooter” (deutsch, englisch)

Stephen-Hunter-Fanseite

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Training Day” (Training Day, USA 2001)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest” (Brooklyn’s Finest, USA 2009)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Olympus has fallen – Die Welt in Gefahr” (Olympus has fallen, USA 2013)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “The Equalizer” (The Equalizer, USA 2014)

Meine Besprechung von Stephen Hunters “Shooter” (Point of Impact, 1993)


TV-Tipp für den 18. Oktober: Die Braut trug Schwarz

Oktober 18, 2014

Das ist, wenn ich mich jetzt nicht sehr irre, der einzige Film, der im Fernsehen zum dreißigsten Todestag von Francois Truffaut (21. Oktober) gezeigt wird.


Servus TV, 22.20
Die Braut trug Schwarz (Frankreich/Italien 1967, Regie: Francois Truffaut)
Drehbuch: Francois Truffaut, Jean-Louis Richard
LV: William Irish (Pseudonym von Cornell Woolrich): The Bride wore black, 1940 (Die Braut trägt Schwarz)
Wenige Sekunden vor der Hochzeit wird der Mann von Julie Kohler erschossen. Sie beschließt, seine Mörder umzubringen.
Truffauts Hommage an Alfred Hitchcock und eine fast schon chabrolhafte Abrechnung mit der Bourgeoisie.
„Truffaut auf einem ersten Höhepunkt seines Könnens“ schreibt Willi Winkler in „Die Filme von Francois Truffaut“ über „Die Braut trug Schwarz“. Davor drehte Truffaut „Sie küssten und sie schlugen ihn“, „Schießen Sie auf den Pianisten“, „Jules und Jim“, „Die süße Haut“ und „Fahrenheit 451“.
Mit Jeanne Moreau, Claude Rich, Jean-Claude Brialy, Michel Bouquet, Michel Lonsdale, Charles Denner

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Die Braut trug Schwarz”

Wikipedia über Francois Truffaut (deutsch, englisch, französisch)

Arte über Francois Truffaut

Erster Teil meines Francois-Truffaut-Porträts (mit einer Besprechung von Emmanuel Laurents “Godard trifft Truffaut”)

Zweiter Teil meines Francois-Truffaut-Porträts: Die Antoine-Doinel-Filme

Kriminalakte über Francois Truffaut

Wikipedia über Cornell Woolrich (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Cornell Woolrich

Mordlust über Cornell Woolrich

DetNovel (William Marling) über Cornell Woolrich

Meine Besprechung von Robert Siodmaks Cornell-Woolrich-Verfilmung “Zeuge gesucht” (Phantom Lady, USA 1943)

Cornell Woolrich in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Über Fatih Akins „The Cut“

Oktober 17, 2014

Wer sich Fatih Akins neuen Film „The Cut“ ansieht, weil er etwas über den Völkermord an dem Armeniern erfahren will, wird enttäuscht werden. Auch wer eine Neuauflage von „Gegen die Wand“ mit seinen hochschwappenden Emotionen erwartet, wird mit „The Cut“ wenig anfangen können. Denn „The Cut“ ist in erster Linie ein ruhig und mit überschaubarer emotionaler Wucht erzähltes Epos über die jahrelange Suche eines Vaters nach seinen beiden Töchtern, das vor gut hundert Jahren spielt. Es ist ein Fest für das Auge, das ein breites Publikum ansprechen soll. Auf der ganzen Welt. Deshalb wurde der Film auf Englisch gedreht, was auch die Suche nach den richtigen Darstellern erleichterte. Obwohl der von Tahar Rahim (Ein Prophet, Black Gold, Le Passé – Das Vergangene) gespielte Protagonist Nazaret Mannoogian, nach einem Mordversuch, die meiste Zeit stumm ist.
Der Film beginnt 1915 in Mesopotamien in Mardin, als der junge, nette Schmied Nazaret von seiner Familie getrennt wird. Die türkische Gendarmerie treibt alle armenischen Männer zusammen. Fortan müssen sie in der Wüste Frondienste leisten. Die meisten sterben. Nazaret überlebt. Allerdings hört er, dass alle Bewohner seiner Heimatstadt tot sind. Erst später erfährt er, dass seine beiden Töchter die Massaker doch überlebten. Er beginnt, sie zu suchen. Seine Reise, die den Hauptteil des Filmes ausmacht, führt ihn immer weiter nach Westen, bis er, via Havanna, in den USA, in North Dakota, ankommt, wo er – das dürfte jetzt wirklich niemand überraschen – nach einer fast zehnjährigen Suche seine Töchter findet.
Akin erzählt, basierend auf einem von ihm und Mardik Martin („Hexenkessel“, „New York, New York“, „Wie ein wilder Stier“) geschriebenem Drehbuch, eine private Geschichte vor einem historischen Hintergrund, der immer nur die austauschbare Kulisse für die Filmgeschichte bleibt. Akins Film ist eine episodische Reiseerzählung mit vielen gelungenen Episoden, Die verzweifelte Suche von Nazaret nach seinen Kindern erinnert an die manische Suche von Ethan Edwards (John Wayne) nach seiner Nichte in John Fords „Der schwarze Falke“. Auch optisch ist „The Cut“ vom Western inspiriert. Immerhin spielen große Teile des Films in der Wüste, in menschenleeren Landschaften, an und auf Eisenbahngleisen (in den USA ist Nazareth auch Gleisbauarbeiter und er hilft einer Indianerin) und die Cinemascope-Aufnahmen erinnern natürlich an die klassischen Westernbilder.
Es ist auch ein Film, der Akins direkte emotionale Betroffenheit vermissen lässt. „The Cut“ ist kein kleiner, persönlicher Film. Er will es auch in keiner Sekunde sein. Er will ein breites Publikum ansprechen und dafür bedient er sich gelungen der Erzähltopoi und Erzählmechanismen des klassischen Hollywood-Kinos, wie es zuletzt Philipp Stölz mit „Der Medicus“ tat.
„The Cut“ ist gelungenes Unterhaltungskino. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

The Cut - Plakat

The Cut (Deutschland/Frankreich 2014)
Regie: Fatih Akin
Drehbuch: Fatih Akin, Mardik Martin
mit Tahar Rahim, Simon Abkarian, Makram J. Khoury, Hindi Zahra, Kevork Malikyan, Bartu Kücükcaglayan, Trine Dyrholm, Moritz Bleibtreu, Akin Gazi, George Georgiou
Länge: 139 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
-
Hinweise
Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Cut“
Moviepilot über „The Cut“
Rotten Tomatoes über „The Cut“
Wikipedia über „The Cut“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Fatih Akins „Müll im Garten Eden“ (Deutschland 2012)


Über Melissa Gira Grants Essay „Hure spielen – Die Arbeit der Sexarbeit“ – und ihre Lesereise

Oktober 17, 2014

Grant - Hure spielen

Während Konservative gerade ihre Vorstellungen zur Prostitution in Gesetzesform gießen, dabei entschieden gegen Zwangsprostitution (Wie erkenne ich eine Zwangsprostitutierte?), Flatrate-Bordelle (Hm?), Gangbang-Partys (Uh, ist das nicht ein freiwilliges Vergnügen von Erwachsenen?) und minderjährige Prostituierte (also: unter 21 Jahren geht käuflicher Sex gar nicht, aber morden für’s Vaterland ist okay) vorgehen will, gerne auch mit einer Anmeldepflicht für Sexarbeiterinnen (weil nur eine angemeldete Prostituierte keine Zwangsprostitutierte ist), ist ein Buch wie Melissa Gira Grants „Hure spielen – Die Arbeit der Sexarbeit“ notwendig und wichtig, auch wenn Grant, die selbst Sexarbeiterin war, teilweise arg akademisch schreibt und sie Fakten (die sie kaum belegt und die daher nicht überprüft werden können) mit ihrer Meinung vermischt. Weil „Hure spielen“ allerdings ein Pamphlet ist, das sich in einem aktuellen Diskurs eindeutig positioniert und Grant vor allem Denkanstöße vermitteln will, ist das akzeptabel. Auch wenn wahrscheinlich genau die Menschen, die ihre Meinung zur Sexarbeit überprüfen sollten, „Hure spielen“ nicht lesen werden.
Außerdem konzentriert die Amerikanerin sich auf die Verhältnisse in ihrem Heimatland. Das ist zwar verständlich, mindert aber den Wert des Buches für uns beträchtlich. Denn viele Kämpfe und Probleme für US-Sexarbeiterinnen, vor allem dort grassierende Bigotterie, gibt es so in Deutschland nicht, obwohl es auch hier entschiedene Prostitutionsgegnerinnen (die gerne mit Fantasiezahlen operieren), massive Probleme mit der Polizei und Ämtern (wie mir einige Berliner Sexarbeiterinnen kürzlich erzählten) und einen Diskurs über Betroffene gibt, bei dem die Betroffenen nicht gefragt werden. So als seinen Huren Menschen, die zu dumm sind, um ihre Lage richtig einzuschätzen. Was in Deutschland besonders für die Zwangsprostitutierten gilt, die natürlich alle aus Osteuropa kommen und hier, zu ihrer eigenen Überraschung, in Bordellen unterdrückt werden. Es muss sich um unglaubliche Zahlen handeln. Denn die eher geringen Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatististik werden von konservativen Politikern nicht genannt. 2013 waren es 542 Opfer von Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung. In den vergangenen Jahren sank die Zahl auf den niedrigsten Stand seit 2006.
In ihrem Vorwort erwähnt Kulturwissenschaftlerin Mithu M. Sanyal auch die vierzigtausend Frauen, die 2006 zur Fußball-Weltmeisterschaft nach Deutschland kommen sollten, um die Fußballfans sexuell zu befriedigen. Zusätzlich zu den bereits in Deutschland lebenden Sexarbeiterinnen. Es gab, wie man im „Bundeslagebild Menschenhandel 2006“ des Bundeskriminalamtes erfährt, 5 (in Worten: Fünf!) Fälle.
In ihrem Buch versucht Melissa Gira Grant einige der Mythen, die sich um die Sexarbeit ranken, zu entmystifizieren. Außerdem betont sie immer wieder die Vielfältigkeit der Sexarbeit zwischen Straßenstrich, Escort, Clubs in all ihren Schattierungen bis hin zum Pornofilmgeschäft. Sie geht auch auf die Repression durch Polizei und Politik ein. Und immer wieder wendet sie sich gegen die selbsternannten Retter von Prostituierten, deren falsche Argumente und wie sie gegen Hurenorganisationen arbeiten.
Bei mir rennt Melissa Gira Grant offene Scheunentore ein, weshalb „Hure spielen – Die Arbeit der Sexarbeit“ mich lediglich in meinen Ansichten bestätigte. Pieke Biermanns Interviewbuch „’Wir sind Frauen wie andere auch!’ – Prostituierte und ihre Kämpfe“ (Argument Verlag, 2014) fand ich da interessanter.

-

Melissa Gira Grant: Hure spielen – Die Arbeit der Sexarbeit (Nautilus Flugschrift)
(übersetzt von Georg Felix Harsch)
Edition Nautilus, 2004
192 Seiten
14,90 Euro
-
Originalausgabe
Playing the Whore – The Work of Sex Work
Verso, London/New York 2014
-
Melissa Gira Grant besucht Deutschland
Berlin: Freitag, 17. Oktober – 19 Uhr im Salon der Rosa-Luxemburg-Stiftung, (Franz-Mehring-Platz 1), Moderation: PG Macioti
Hamburg: Samstag, 18. Oktober – 20 Uhr im GOLEM (Große Elbstraße 14), Moderation: Mithu M. Sanyal
Köln: Montag, 20. Oktober – 19 Uhr im Odonien (Hornstraße 85), Moderation: Susanne Kleinfeld
Bonn: Dienstag, 21. Oktober – 20 Uhr im Buchladen Le Sabot (Breite Straße 76), Moderation: Susanne Kleinfeld
Die Tour findet in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung statt.
-
Hinweise

Homepage der Autorin

Nautilus über Melissa Gira Grant

Wikipedia über Melissa Gira Grant


TV-Tipp für den 17. Oktober: Helden der Nacht

Oktober 17, 2014

3sat, 22.35

Helden der Nacht (USA 2007, Regie: James Gray)

Drehbuch: James Gray

Stilsicherer, an das Kino der Siebziger erinnernder, 1988 in New York spielender Polizeithriller über zwei Brüder: der eine folgt der Familientradition und wird Polizist; der andere Discobesitzer und Verbrecher. Jetzt steht der Discobesitzer vor der Frage, ob er vollständig mit seiner Familie brechen soll.

„Helden der Nacht hat alle Ingredienzien eines Genrethrillers. Mehr noch, Gray scheint einigen dieser Klassiker seine Reverenz erweisen wollen. In seinen besten Momenten ruft Helden der Nacht Erinnerungen an die Korruptionsthriller Sidney Lumets oder die dreckigen kleinen Nachtfilme Scorseses wach.“ (epd Film 2/2008)

Mit Joaquin Phoenix, Mark Wahlberg, Eva Mendes, Robert Duvall, Tony Musante

Hinweise:

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Helden der Nacht“

Rotten Tomatoes über “Helden der Nacht”

Wikipedia über “Helden der Nacht” (deutsch, englisch)

Film & Video: Interview mit James Gray über Stuntmen und digitale Bildbearbeitung

Salon Conversations: Podcast mit James Gray

Dark Horizons: Interview mit James Gray

Meine Besprechung von James Grays „Two Lovers” (Two Lovers, USA 2008)


Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 43 Followern an

%d Bloggern gefällt das: