Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Über David Finchers Gillian-Flynn-Verfilmung „Gone Girl – Das perfekte Opfer“

Oktober 2, 2014

Viel Zeit lässt David Fincher sich nicht. Gleich in den ersten Minuten von „Gone Girl“ verschwindet Amy, die Ehefrau von Nick Dunne, spurlos. Im Wohnzimmer gab es einen Kampf. Die Polizei beginnt mit der Suche. Schnell gerät der Ehemann in den Fokus der Ermittlungen. Denn es meldet sich kein Entführer. Es gibt auch keine Spur von Amy. Aber es gibt viele Indizien, die dafür sprechen, dass Nick Amy ermordete. In der Küche wurde eine Blutlache weggewischt. Nick hat eine deutlich jüngere Geliebte. Er hat kein Geld. Aber seine Frau verfügt über ein ordentliches Vermögen. Immerhin haben ihre Eltern ihr Leben in einer idealisierten Version als „Amazing Amy“ in einer erfolgreichen Kinderbuchreihe versilbert und einen Teil davon für ihre Tochter angelegt. Vor der Finanzkrise war die finanzielle Reserve sogar noch größer.
Nachdem sie in New York ihre Jobs in der Zeitungsbranche verloren und sich die teure Wohnung in Manhattan nicht mehr leisten konnten, zogen sie nach North Carthage, Missouri, zu Nicks gebrechlichen Eltern um. Während die statusbewusste Großstädterin Amy mit der Kleinstadt fremdelte und ungewollt zur Hausfrau mutierte, eröffnete Nick mit seiner Zwillingsschwester die Bar „The Bar“. Gleichzeitig kam das Eheleben des kinderlosen Paares zum Erliegen. Alltag eben.
Als die von den Medien begleiteten Suchaktionen nach Amy nichts bringen und die Polizei ihn als Mörder verdächtigt, versucht Nick seine Unschuld zu beweisen. Aber wie soll man seine Unschuld beweisen, wenn es keine Leiche gibt und alle Beweise gegen einen sprechen? Und ist Nick wirklich unschuldig oder will er nur mit einem Mord davonkommen?
Nach der Stieg-Larsson-Verfilmung „Verblendung“ ist „Gone Girl“ David Finchers nächste Bestsellerverfilmung, die gediegen den gleichnamigen Bestseller illustriert. Die Änderungen zur gut sechshundertseitigen Vorlage sind minimal, verbessern sie aber durchgehend und es gibt eine erkennbar satirische Haltung zu dem Hipster-Ehepaar in der Kleinstadthölle, ergänzt um drei alptraumhafte Szenen, in denen „Nine Inch Nails“-Mastermind Trent Reznor und Atticus Ross, die bereits für die vorherigen Fincher-Filme den Soundtrack einspielten, sich akustisch austoben konnte.
Das ist, trotz der Länge von 150 Minuten, kurzweilig und spannend, auch wenn einiges, wie im Roman, nicht besonders glaubwürdig ist. Denn Fincher treibt die Geschichte unerbittlich voran. Weil bereits in der ersten Hälfte gezeigt wird, wie die Polizei immer wieder über Beweise für Nicks Schuld stolpert, wirkt Nick auch viel verdächtiger als im Roman. Und je mehr über die Beziehung von Nick und Amy bekannt wird, desto mehr wird deutlich, wie aus Liebe eine besonders unappetitliche Form von gegenseitiger Abhängigkeit wurde. In seiner grandiosen und grandios gemeinen Cornell-Woolrich-Verfilmung „Martha“ erzählte Rainer Werner Fassbinder von einem Ehepaar, das ähnlich voneinander abhängig ist und „Gone Girl“ erinnerte mich immer wieder an „Martha“.


Der gleichnamige Roman von Gillian Flynn, der auf dreihundert Seiten ein fieser, kleiner Noir hätte werden können, leidet dagegen unter seiner epischen Länge von gut sechshundert Seiten und seiner weitgehend vorhersehbaren Geschichte. So vermutete ich nach wenigen Seiten, nachdem Amy verschwunden ist, dass sie eine Variante von „The Game“ inszeniert. Ihr wisst schon, der David-Fincher-Film, in dem Sean Penn seinen Filmbruder Michael Douglas, wie wir am Filmende erfahren, mit einem Spiel beglückte, das ihn zu einem besseren Menschen machen soll. In Flynns Roman erfahren wir auf Seite 30, dass die verschwundene Amy zu jedem Hochzeitstag eine Schnitzeljagd für ihren Ehemann inszeniert, die zu einem Geschenk führt. Außerdem ist Nick vollkommen verstört von ihrem Verschwinden. Und weil Nick in diesem Teil der Ich-Erzähler ist, kann auch nicht an seinen Worten gezweifelt werden. Außer, natürlich, wenn Flynn irgendwann erklärt, dass Nick eine gespaltene Persönlichkeit hat. Aber eine solche Erklärung wäre eine ärgerliche Variante des Alles-nur-geträumt-Endes, das zeigt, dass der Autor selbst nicht wusste, wie er seine Geschichte beenden soll.
Bis zur Buchmitte, zum Nachschlagen Seite 307, gab es keinen Hinweis, der mich an meiner These zweifeln ließ. Dann gibt es eine Enthüllung – und die zweite Hälfte des Buches verläuft ebenso überraschungsarm auf das Ende der Geschichte zu. Dabei wechselt Flynn kapitelweise zwischen Nick und Amy als Erzähler, wobei Amys Tagebuch uns die Vergangenheit des Paares verrät. Im Buch nimmt diese Rückschau einen breiten Raum ein. Im Film wird sich auf die wichtigsten Tagebucheinträge konzentriert.
Diese Struktur mit dem beiden Erzählern wurde im Film weitgehend beibehalten und sie funktioniert, überraschenderweise, ausgezeichnet. Im Roman erfarhen wir erst langsam, dass Nick und Amy unzuverlässige Erzähler sind. Im Film überwiegt dagegen der satirische Ton, der ätzende Blick in die Ehehölle der Thirty-Somethings, die glauben, dass die Welt sich nur um sie dreht, und die Thriller-Mechanik, in der ein Unschuldiger versucht seine Unschuld zu beweisen.

Gone Girl - Plakat

Gone Girl – Das perfekte Opfer (Gone Girl, USA 2014)
Regie: David Fincher
Drehbuch: Gillian Flynn
LV: Gillian Flynn: Gone Girl, 2012 (Gone Girl – Das perfekte Opfer)
mit Ben Affleck, Rosamund Pike, Neil Patrick Harris, Tyler Perry, Carrie Coon, Kim Dickens, Patrick Fugit, David Clennon, Lisa Banes, Missi Pyle, Emily Ratajkowski, Casey Wilson, Sela Ward
Länge: 150 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
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Die Vorlage

Flynn - Gone Girl - Movie Tie-In

Gillian Flynn: Gone Girl – Das perfekte Opfer
(übersetzt von Christine Strüh)
Fischer, 2014
592 Seiten
9,99 Euro
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Die Hardcover-Ausgabe erschien 2013 bei Fischer.
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Originalausgabe
Gone Girl
Crown Publishers, 2012
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Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Gone Girl“
Moviepilot über „Gone Girl“
Metacritic über „Gone Girl“
Rotten Tomatoes über „Gone Girl“
Wikipedia über „Gone Girl“ (deutsch, englisch)
Homepage von Gillian Flynn
Meine Besprechung von David Finchers Stieg-Larsson-Verfilmung „Verblendung“ (The Girl with the Dragon Tatoo, USA 2011)


Neu im Kino/Filmkritik: „Dracula Untold“ erzählt, wie alles begann

Oktober 2, 2014

Graf Dracula ist zurück im Kino. Sein letzter erinnerungswürdiger Kinoauftritt war 1992 in „Bram Stokers Dracula“. Zuletzt gab es, nur auf DVD, von Dario Argento „Dracula 3D“, aber der war nicht so toll. Und es gibt spaßige Neuinterpretationen der Geschichte, wie in „Abraham Lincoln, Vampirjäger“; wobei das Buch, das sich wie eine stinknormale Biographie über Abraham Lincoln liest, besser ist.
Gary Shores „Dracula Untold“ setzt setzt sich zwischen die Stühle. Einerseits will er die Geschichte von Graf Dracula, dem allseits bekanntem Vampir, erzählen. Also die Geschichte, wie Graf Dracula, der Herrscher über ein Fürstentum in Transsylvanien, Graf Dracula, der Fürst der Dunkelheit, wurde. Und es soll die echte Geschichte von Prinz Vlad III, auf seinen Wunsch „Dracula“ (Sohn des Drachen) genannt, erzählt werden. Dieser äußerst blutdurstige und brutale Herrscher ist das historische Vorbild für Bram Stokers Dracula. Naja, irgendwie. Immerhin gibt es über Vlad nur einige Legenden. Historisch verbürgt ist weniges. Also nahmen sie die Macher einige Freiheiten, wie halt die Behauptung, dass es Vampire wirklich gibt.
Einen solchen Vampir entdeckt Vlad (Luke Evans) in einer unzugänglichen Höhle in einem Berg. Als kurz darauf die eroberungswilligen Türken eine Hundertschaft seiner Untertanenkinder und seinen Sohn wollen, entschließt Vlad sich, gegen ihren Anführer Mehmed (Dominic Cooper) zu kämpfen. Als Kinder kämpften sie als gut ausgebildete Kindersoldaten unter dem Kommando von Mehmeds Vater, der immer Vlad bevorzugte, gegen fremde Völker.
Vlads einzige Möglichkeit, den Kampf im Alleingang gegen die türkische Übermacht zu gewinnen ist, dass er sich mit dem Monster in der Höhle verbündet. Der Master Vampire gibt ihm etwas von seinem Blut. Vlad ist jetzt unbesiegbar und er hat eine starke Sonnenallergie. Er kann allerdings tagsüber noch herumlaufen. Innerhalb von drei Tagen kann er die Transformation rückgängig machen, wenn er auf ein bestimmtes Nahrungsmittel verzichtet.
Ein Machthaber, der für seine Untertanen einen Pakt mit dem Teufel eingeht, der sich auf die Seite des Bösen begibt, um Gutes zu tun und um seine Familie zu beschützen. Was für ein Filmstoff – und was für ein vorhersehbarer Film, der sich mal wieder, wie es sich inzwischen für einen Blockbuster gehört, in dunklen Farben suhlt und Humor wie der Teufel das Weihwasser vermeidet. Ich gebe zu, inzwischen sehne ich mich wieder nach dem Comic Relief aus älteren Abenteuerfilmen.
Dabei kommt ein großer Teil der Vorhersehbarkeit von „Dracula Untold“ aus dem Wissen, wie die Geschichte ausgeht: der Fürst wird zum Vampir. Nur der Weg dorthin und wie er seine Familie verliert ist unklar, folgt aber den bekannten Blockbusterkinoregeln.
Dennoch ist „Dracula Untold“ ein überraschend gelungener Fantasy-Mittelalter-Film, der zwar nichts neu erfindet, aber seine düstere Geschichte ordentlich erzählt. Eigentlich ist sein größtes Problem, dass der Graf, der hier zum Vampir wird, der allseits bekannte Graf Dracula sein soll und daher im Rahmen einer Origin-Story vieles viel zu vorhersehbar ausfallen muss.
Wer etwas über das wahre historische Vorbild von Dracula erfahren möchte, sollte in einem Sachbuch nachschlagen. Denn um historische Wahrheiten kümmert „Dracula Untold“ sich nicht.

Dracula Untold - Plakat

Dracula Untold (Dracula Untold, USA 2014)
Regie: Gary Shore
Drehbuch: Matt Sazama, Burk Sharpless
mit Luke Evans, Sarah Gadon, Dominic Cooper, Art Parkinson, Charles Dance, Diarmaid Murtagh, Paul Kaye, William Houston
Länge: 92 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Dracula Untold“
Moviepilot über „Dracula Untold“
Metacritic über „Dracula Untold“
Rotten Tomatoes über „Dracula Untold“
Wikipedia über „Dracula Untold“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Nur Jungs im „Männerhort“

Oktober 2, 2014

Die Jungs brauchen ihre Freiräume. Einen „Männerhort“ eben. Früher war das Vereinsheim, das Wohnzimmer (Samstags beim Fußball) oder eben der liebevoll ausgebaute Keller ein solches Refugium. Heute, so behauptet Franziska Meyer Price in ihrer Boulevard-Komödie „Männerhort“, gibt es diesen von den inzwischen so furchtbar anspruchsvollen Frauen geduldeten Ort des reinen und wahren Mannseins nicht mehr. Also müssen die Männer sich konspirativ in einem verdächtig gut geputztem Heizungskeller treffen, den sie mit einigen Sperrmüllmöbeln, Kühlschrank, Playboy-Bildern und einem Dixi-Klo wohnlich einrichteten. Es gibt sogar einige Zimmerplanzen. Dort sehen sich der ziemlich entspannte Software-Entwickler Eroll (Elyas M’Barek), der dauergeile Dixi-Klo-Vertreter Lars („Stromberg“ Christoph Maria Herbst) und der arbeitslose Berufspilot Helmut (Detlev Buck) Fußballspiele an und spielen Computerspiele, während ihre Frauen das tun, was Frauen halt so tun. Nämlich einkaufen.
Als der neue Hausmeister Aykut (Serkan Cetinkaya) das pubertäre Pennälerparadies in der Vorstadtsiedlung entdeckt, will er es gleich auf der nächsten Müllkippe entsorgen. Obwohl er Türke ist, benimmt er sich wie der typische deutsche Hausmeister in einer klischeetriefenden Komödie. Sowieso wechselt Aykut ganz nach Belieben zwischen typisch türkischer und typisch deutscher Identität, was ihn vor allem gegen die Bestechungsversuche der drei Heizungskellerbesetzer immun macht.
Die drei Musketiere Eroll, Lars und Helmut müssen jetzt um ihren mietfreien Rückzugsort kämpfen. Gleichzeitig haben sie noch einige Probleme mit ihren Frauen. Neben Kaufrausch und Selbstfindung sind es Schwangerschaft und Seitensprung. Halt das Programm für einen boulevardesken Schwank, dessen Humor primär unter die Gürtellinie zielt.
Und Helmut ist mit einem Mann verheiratet, was aber seine Saufkumpanen, die alle in der gleichen langweiligen, sich noch im Bau befindlichen Reihenhausvorstadtsiedlung wohnen, nicht wissen.
„Männerhort“ basiert auf einem erfolgreichem Boulevard-Theaterstück von Kristof Magnussen und während in einem Theaterstück, wenn es nur schnell genug gespielt wird und das Publikum ämusierwillig jeden Auftritt beklatscht, die Klischees für Lacher sorgen, fallen in einem Film eben diese unreflektiert wiedergekäuten Uralt-Klischees negativ auf. „Männerhort“ spielt zwar in der Gegenwart, aber es versprüht den Muff der fünfziger Jahre.
Eine irgendwie erinnerungswürdige Geschichte hat die substanzlose Nummernrevue nicht. Sie pendelt unentschlossen zwischen wenig engagiertem Kampf um den Kellerraum und vorhersehbarem Beziehungsgedöns. Auch die Klischees von den ewig pubertierenden Männern, die Witzeleien gegen „emanzipierte“ und „moderne“ Frauen (shoppen, Kinder kriegen, ständig Sex haben wollen, weil der Mann das doch so will, und auf den Beruf des Uniform-tragenden Mannes fliegen sind nicht gerade das, was sich der Feminismus auf die Agenda geschrieben hat) und die weinerliche Selbstvergewisserung von Eroll (am wenigsten), Lars (am großmäuligsten) und Helmut (am feigsten), dass wir Männer doch unbedingt einen Raum brauchen, in dem wir uns entfalten können, fischen einfach nur beifallheischend nach der erstbesten Pointe, ohne dass bei den Machern jemals eine eigene Position, eine durchgehende erzählerische Haltung erkennbar wird. Außer die von Larmoyanz und Pantoffelheldentum; was wir ja aus gut abgehangenen Boulevard-Komödien, in denen Frauen schon vor Jahrzehnten die Hosen anhatten, kennen.

Männerhort - Plakat
Männerhort (Deutschland 2014)
Regie: Franziska Meyer Price
Drehbuch: Rainer Ewerrien, David Ungureit
LV: Kristof Magnusson: Männerhort, 2003 (Theaterstück)
mit Elyas M’Barek, Christoph Maria Herbst, Detlev Buck, Serkan Cetinkaya, Cosma Shiva Hagen, Lisa Maria Potthoff, Jasmin Schwiers, Dominic Boeer, Michael Gwisdek
Länge: 98 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Hinweise
Facebook-Seite zum Film
Film-Zeit über „Männerhort“
Moviepilot über „Männerhort“
Wikipedia über Kristof Magnusson
Homepage von Kristof Magnusson


TV-Tipp für den 2. Oktober: Mit dem Wind nach Westen

Oktober 2, 2014

Disney Channel, 20.15
Mit dem Wind nach Westen (USA 1982, Regie: Delbert Mann)
Drehbuch: John McGreevey
Zwei Familien flüchten im September 1979 in einem Heißluftballon, den sie konspirativ in ihrer Wohnung nähten, über die Grenze aus der DDR in die BRD, also nach Deutschland in das schöne Bayernland.
Der auf einer tatsächlichen Republikflucht basierende, heute fast unbekannte Film ist vor allem als Zeitzeugnis interessant.
Gedreht wurde in Bayern, Baden-Württemberg (Friedrichshafen) und in Berlin und einige deutsche Schauspieler waren auch dabei.
„Stinklangweilig und voller Klischees über die DDR“ (Fischer Film Almanach 1983)
mit John Hurt, Jane Alexander, Doug McKeon, Keith McKeon, Beau Bridges, Ian Bannen, Klaus Löwitsch, Sky du Mont, Günther Meisner, Jan Niklas
Wiederholung: Freitag, 3. Oktober, 22.35 Uhr
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Mit dem Wind nach Westen“
Wikipedia über „Mit dem Wind nach Westen“ (deutsch, englisch)


JPA in Berlin

September 30, 2014

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DVD-Kritik: Die erste Collector’s Box von „Lewis – Der Oxford Krimi“ mit „Inspector Morse“-Bonus

September 30, 2014

Emsige DVD-Käufer kennen das Spiel: zuerst gibt es die Staffelboxen. Dann eine Mehrstaffelbox; jedenfalls wenn man sich schon die Einzelboxen besorgt hat. Und irgendwann eine Komplettbox. Oft, siehe „Dexter“ und „The Walking Dead“, in verschiedenen Ausgaben. Auch bei „Lewis – Der Oxford Krimi“, die ein Spin-off von „Inspector Morse“ ist, wurden jetzt in der ersten Collector’s Box die ersten drei Staffelboxen und, als Bonusfilm, der erste „Inspector Morse“-Film veröffentlicht. Weil man nur die bereits erschienen DVD-Boxen zusammenpackte, spart diese Collector’s Box (jedenfalls die Ausgabe, die ich habe), im Gegensatz zu den schlanken „Inspector Barnaby“-Boxen, keinen Regalplatz.
In der Box sind die ersten zwölf spielfilmlangen „Lewis“-Krimis enthalten:
Der Schlüssel zum Mord (Pilot, GB 2006)
Dämonen der Vergangenheit (Whom the God’s would destroy, GB 2007)
Das Mordkomplott (Old School Ties, GB 2007)
Späte Sühne (Expiation GB 2007)
Partitur des Todes oder Deckname Siegfried (Music to die for, GB 2008)
Der Kuss des Mondes (And the Moonbeams kiss the Sea, GB 2008)
Wer mit dem Feuer spielt (Life Born of Fire, GB 2008)
Mord in bester Gesellschaft (The Great and the Good, GB 2008)
Von Musen und Morden (Allegory of Love, GB 2009)
Mörder in eigener Sache (The Quality of Mercy, GB 2009)
Eine Frage der Perspektive (The Point of Vanishing, GB 2009)
Ein letzter Blues (Counter Culture Blues, GB 2009)
In der Pilotfolge „Der Schlüssel zum Mord“ kehrt Inspector Robert Lewis (Kevin Whately) nach einem längeren Auslandsaufenthalt nach Oxford zurück und er stürzt sich auch gleich in seinen ersten Mordfall. Als Kollegen bekommt er James Hathaway (Laurence Fox), der hier noch wie eine Morse-Kopie wirkt, während Lewis der eher bodenständige Ermittler ist. Seitdem ermitteln sie in der Universitätsstadt und ein Ende ist noch nicht abzusehen.
Gerade in der ersten Folge wird öfters Inspector Morse angesprochen. Auch weil der aktuelle Mordfall mit einem alten Fall von Morse in Verbindung steht und Hathaway etliche Fragen zu dem legendären Inspector hat. Davon abgesehen folgt der erste Fall von „Lewis“ schon den vertrauten „Inspector Barnaby“-Rätselkrimipfaden mit viel Lokalkolorit, aber deutlich weniger Humor.


Einige Fragen über Inspector Endeavor Morse werden auch in dem Bonusfilm „Inspector Morse – Pilotfolge“ (Die Toten von Jericho/The Dead of Jericho) beantwortet. In dem arg betulich erzähltem Rätselkrimi findet der verliebte Ermittler den Mörder seiner Geliebten.
Inspector Morse ist ein von Colin Dexter erfundener Charakter: Ein Denker, ein Einzelgänger, mit einem eher assoziativem Ermittlungsansatz, ein Kreuzworträtselfreak, ein Biertrinker und Opernfan, mit einem Verständnis von den Komplexitäten des Lebens, die im Gesetz nicht abgebildet werden. Dexter schrieb die erfolgreichen Morse-Romane zwischen 1975 (Last Bus to Woodstock) und 1999 (The Remorseful Day), wo Morse starb. Die deutschen Übersetzungen erschienen bei rororo thriller.
Die TV-Serie mit John Thaw (1942 – 2002, „The Sweeney – Die Füchse“) lief von 1987 bis 2000 im englischen TV, brachte es auf 33 spielfilmlange Fälle, war weltweit erfolgreich und lief nie im deutschen TV. Daher ist die jetzige Veröffentlichung der Pilotfolge „Die Toten von Jericho“ und der ersten vier Morse-Filme in der Box „Staffel 1“ (was nicht ganz der englischen Numerierung entspricht) ein längst überfälliger Lückenschluss für die Rätselkrimifans. Auch Cineasten sollten unbedingt einen Blick auf die Pilotfolge werfen. Denn Anthony Minghella schrieb das Drehbuch. Er schrieb noch zwei weitere „Morse“-Drehbücher. Später drehte er „Der englische Patient“, „Der talentierte Mr. Ripley“ und „Unterwegs nach Cold Mountain“.

Lewis Collector s Box 1 - Cover
Lewis – Der Oxford Krimi – Collector’s Box 1
Edel
Bild: 16:9 PAL
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0, Dual Mono)
Untertitel: -
Bonusmaterial: Inspector Morse: Pilotfolge (OmU)
Länge: 1157 Minuten (13 DVDs)
FSK: ab 12 Jahre
-

Inspector Morse - Staffel 1 - DVD-Cover
Inspector Morse – Staffel 1
Edel
Bild: 16:9 PAL
Ton: Englisch (Dual Mono)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: -
Länge: 410 Minuten (4 DVDs)
FSK: ab 12 Jahre
-
enthält
Die Toten von Jericho (The Dead of Jericho, Großbritannien 1987)
Die Stille Welt des Nicholas Quinn (The Silent World of Nicholas Quinn, Großbritannien 1987)
Eine Messe für alle Toten (Service of all the Dead, Großbritannien 1987)
Der Wovercote-Dorn (The Wolvercote Tongue, Großbritannien 1987)
-
Hinweise

ITV über „Lewis“
ZDF über „Lewis“
Wikipedia über „Lewis“ (deutsch, englisch).  Inspector Morse und “Inspector Morse” (deutsch, englisch)
Krimi-Couch über Colin Dexter

Meine Besprechung von „Lewis – Der Oxford Krimi: Staffel 6“


TV-Tipp für den 1. Oktober: Perfect Sense

September 30, 2014

BR, 23.10
Perfect Sense (Deutschland/Großbritannien/Schweden/Dänemark/Irland 2011, Regie: David Mackenzie)
Drehbuch: Kim Fupz Aakeson
Während eine weltweite Seuche die Menschen ihrer Sinneswahrnehmungen beraubt, lernen sich in Glasgow ein Gourmet-Koch und eine Epidemiologin kennen, die versuchen, mit der Krankheit und ihren Gefühlen füreinander umzugehen.
Vor dem zwiespältig aufgenommenen „Perfect Sense“ inszeniert David Mackenzie „Young Adam“ und „Hallam Foe“.
„Die souveräne Inszenierung und die beiden Hauptdarsteller halten die stilvoll überkonstruierte Parabel im Lot.“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Ewan McGregor, Eva Green, Ewen Bremner, Connie Nielsen, Stephen Dillane, Denis Lawson
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Perfect Sense“
Wikipedia über „Perfect Sense“ (deutsch, englisch)


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