Erst unappetitliches, dann langweiliges „Shanghai Dinner“

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Viele halten Nury Vittachis vierten Wong-Roman „Shanghai Dinner – Der Fengshui-Detektiv rettet die Welt“ für eine spannende Krimikomödie mit gelungenen Seitenhieben auf die internationale Politik. Ich halte „Shanghai Dinner“ für ein quälend langatmiges Buch mit einem dünnen Plot und nur wenigen mäßig witzigen Betrachtungen über das Leben und kulturelle Unterschiede, die mich an Heinz Erhardt erinnern.

Dabei ist der Anfang genial. Fengshui-Detektiv C. F. Wong eröffnet in der boomenden Stadt Shanghai ein neues Büro. Doch bereits am ersten Tag, in der ersten Zeile, bricht das Unheil über ihn herein. Das Gebäude neben seinem frisch bezogenen Büro wird abgerissen und er kann die Abrissarbeiten nur solange aufhalten, bis sie die noch nicht ausgepackten Kisten wieder aus seinem Büro gebracht haben.

Danach wird’s zäh. Wong geht zu einem exquisiten Dinner, bei dem Tiere lebendig gekocht und gegessen werden. Für Wong ist das okay. Aber nicht für den radikalen Veganer Vega. Er nimmt die erlauchte Gästeschar als Geisel und zahlt gleiches mit gleichem heim.

Während wir noch darüber rätseln, was Vega mit dieser unappetitlichen, von Vittachi in epischer Breite geschilderten Aktion erreichen will (Müssen wir wirklich über mehrere Seiten lesen, wie Menschen gekocht und frittiert werden?), erfahren wir, dass Vega am nächsten Tag einen Anschlag auf den Präsidenten der Vereinigten Staaten plant. Wong kann mit seiner veganen Assistentin Joyce McQuinnie flüchten. Sie versuchen die Sicherheitsbeamten des Präsidenten von dem Anschlag zu überzeugen. Nachdem Secret Service-Mann Dooley in dem Elefanten, der an der Bühne der Regierungshäupter vorbeigehen soll, das Ticken einer Bombe hört, ist er überzeugt. Doch jetzt müssen Wong und seine veganen Mitstreiterinnen erschreckt feststellen, dass Thomas Dooley den Elefanten umbringen will, weil für andere Maßnahmen keine Zeit mehr bleibt. Wong entführt den Elefanten.

Tja, und dann laufen Wong, seine Assistentin Joyce und die Veterinärin Lu Linyao, verfolgt von den Sicherheitsleuten, fast über die gesamte zweite Hälfte des Buches mit dem trägen Elefanten durch die abendliche Rush-Hour von Shanghai. Ihnen bleibt nur noch eine knappe Stunde, bis die Bombe explodiert.

Während dieser eher statischen Verfolgungsjagd bleibt genügend Zeit über den Sinn und Unsinn von Wongs Aktion zu sinnieren.

Denn Wong hat objektiv das Dümmste gemacht, was ein Mensch tun kann. Anstatt, wie es auch die Tierärztin vor der Entführung versuchte, die Sicherheitsleute zu überzeugen, die Bombe aus dem Elefant zu entfernen oder ihn mit einem Hubschrauber an einen entlegenen Platz zu fliegen, flüchtet Wong mit ihm. Dabei will er einmal den Elefanten auf einem menschenleeren Platz explodieren lassen, ein anderes Mal, weil es ihm als Fengshui-Meister verboten ist, Tiere zu töten, das Leben des Elefanten retten. Doch so kann es ihm nicht gelingen.

Nury Vittachi: Shanghai Dinner – Der Fengshui-Detektiv rettet die Welt

(übersetzt von Ursula Ballin)

Unionsverlag, 2007

320 Seiten

19,90 Euro

Originalausgabe:

The Shanghai Union of Industrial Mystics

Allen & Unwin, Crows Nest, Australien, 2006

336 Seiten

Der Unionsverlag über Nury Vittachi:

http://www.unionsverlag.com/info/person.asp?pers_id=1720

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