Parker besucht Neu-England

Endlich wird Richard Stark wieder ins Deutsche übersetzt. Denn Donald E. Westlake schreibt bereits seit 1997 unter dem Pseudonym Richard Stark neue Parker-Romane. Parker, für die, die ihn noch nicht kennen, ist ein eiskalter Profigangster. Seinen ersten Auftritt hatte er 1962 in „The Hunter“ (Jetzt sind wir quitt; Payback). Der Roman wurde, für die Älteren 1967 von John Boorman mit Lee Marvin als „Point Blank“ (Klassiker), für die Jüngeren 1999 von Brian Helgeland mit Mel Gibson als „Payback“ (Schrottfilm), verfilmt. Bis 1974 schrieb Richard Stark fünfzehn weitere Parker-Geschichten. Etliche wurden, mehr oder weniger erfolgreich, mit verschiedenen, oft bekannten Schauspielern, die alle wegen der von Stark abgeschlossenen Verträge nie „Parker“ hießen, verfilmt. Dann schrieb er über zwanzig Jahre keine weiteren Parker-Abenteuer und auch keine weiteren Bücher als „Richard Stark“. Seit der Rückkehr 1997, ganz unspektakulär „Comeback“ betitelt, erschienen acht weitere Parker-Abenteuer, die sich nur in der Länge von den früheren Parker-Geschichten unterscheiden. Sie sind etwas länger, aber nach heutigem Standard immer noch unglaublich kurz und gefüllt mit mehr Handlung als ein halbes Dutzend Bestseller.

Zsolnay veröffentlichte jetzt – und das ist der kleine Wermutstropfen bei seinem neuen Auftritt in Deutschland – mit „Fragen Sie den Papagei“ den vorletzten Parker-Roman. Der bislang letzte, „Dirty Money“, erschien in den USA im April. Zusammen mit „Nobody runs forever“ bilden die drei Romane eine kleine Trilogie. Denn „Fragen Sie den Papagei“ schließt sich unmittelbar an „Nobody runs forever“ an.

Parker flüchtet nach einem teilweise fehlgeschlagenen Überfall vor den Polizeihunden in die Berge. Er trifft den Einzelgänger Tom Lindahl, der einen todsicheren Plan zum Stehlen der Rennbahn-Wettgelder bei seinem früheren Arbeitgeber hat. Parker ist nicht sonderlich begeistert, während die Polizei ihn jagt, zusammen mit einem Amateur einen Diebstahl zu begehen. Doch Lindahl erpresst ihn und in dem kleinen, beschaulichen Ort, in dem Lindahl lebt und die Bewohner als Höhepunkt ihrer kriminellen Karriere eine Ampel bei Rot überfahren, geraten die Dinge schnell außer Kontrolle, es gibt Tote und Parker wünscht sich wieder zurück in die Gesellschaft von Gangstern. Denn diese sind immerhin berechenbar.

„Dirty Money“ spielt wenige Tage nach „Fragen Sie den Papagei“. Parker kehrt gerade zu seiner Freundin Claire zurück, als er erfährt, dass Nick Dalesia einen U. S. Marshal ermordete und flüchtig ist. Dalesia hatte in „Nobody runs forever“ zusammen mit Parker und Nelson McWhitney den Geldtransporter der Bank überfallen. Während McWhitney entkommen konnte, wurde Dalesia, als er einen Teil der Beute ausgab, verhaftet.

Parker weiß, dass er jetzt die in einer verlassenen Kirche versteckte Beute holen muss. Denn Nick Dalesia wird sie wahrscheinlich für sich hohlen und – was noch wahrscheinlicher ist, weil er an der Ostküste niemanden kennt – vorher von der Polizei geschnappt werden und dann, für eine geringere Strafe, seine Mitverbrecher und das Versteck der Beute verraten.

Parker, Claire, Nelson McWhitney und die ebenfalls bereits aus „Nobody runs forever“ bekannte Kopfgeldjägerin Sandra Loscalzo machen sich auf den Weg in das beschaulich-herbstliche Neu England. Offiziell wollen sie sich als „leaf peepers“ (Laubbeobachter) unter die Touristen mischen. Doch überall hängen Fahndungsplakate mit Parkers Bild herum und Detective Gwen Reversa sucht immer noch das gestohlene Geld und die Diebe.

„Dirty Money“ ist, wie auch alle vorherigen Parker-Romane, ein schneller, amoralischer, schwarzhumoriger Hardboiled-Gangsterkrimi, der eine überragende Serie spannend fortsetzt.

Und, für Neueinsteiger, das Gute bei den Parker-Romanen ist, dass sie vollkommen unabhängig voneinander gelesen werden können. Die letzten drei sind (wie die ersten Parker-Romane) nur deshalb eine Trilogie, weil der Verleger das für verkaufsfördernder hält und Richard Stark einige Charaktere und lose Fäden aus den vorherigen Büchern wieder aufgenommen hat. Ansonsten ist, für die Deutschen, „Fragen Sie den Papagei“ einfach der neue Parker-Roman.

Deshalb ist der Wermutstropfen nur für die Kenner der Originale erkennbar. Und Zsolnay will mit weiteren Parker-Romanen Abhilfe schaffen (natürlich nur, wenn die Zahlen stimmen).

Nachtrag, 8. 8. 08: Im Frühjahr 2009 erscheint die deutsche Ausgabe von “Nobody runs forever”. Der deutsche Titel steht noch nicht fest.

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Richard Stark: Fragen Sie den Papagei

(übersetzt von Dirk van Gunsteren)

Zsolnay, 2008

256 Seiten

16,90 Euro

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Originalausgabe

Ask the Parrot

Mysterious Press, 2006

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Richard Stark: Dirty Money

Grand Central Publishing, 2008

288 Seiten

17 Euro (circa)

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Hinweise

Homepage von Donald E. Westlake

Meine ausführliche Vorstellung von Parker und seinen Erben in der Spurensuche

Meine Besprechung von Richard Starks „Ask the Parrot“

Richard-Stark-Seite des Zsolnay Verlages

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11 Antworten zu Parker besucht Neu-England

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  2. [...] 1 (7) Richard Stark: Fragen Sie den Papagei [...]

  3. [...] 2 (1) Richard Stark: Fragen Sie den Papagei [...]

  4. [...] 1. Platz: Richard Stark: Fragen Sie den Papagei (Original: Ask the Parrot) Deutsch von Dirk van Gunsteren [...]

  5. [...] 1 Richard Stark: Fragen Sie den Papagei [...]

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  7. [...] 2 (4) Richard Stark: Das Geld war schmutzig [...]

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  9. [...] Meine Doppelbesprechung von Richard Starks Parker-Romanen „Fragen Sie den Papagei“ (Ask the Parr… [...]

  10. [...] kann, und Parker (Beth Riesgraf), einer Einbrecherin und Fassadenkletterin (und sie könnte wirklich Parkers Tochter sein), bestehende „Leverage“-Team die Bühne. Bei einigen Jobs in der zweiten Staffel hilft [...]

  11. [...] über Buch und Autor beim Verlag sowie der Website zur Kampagne (mit Gewinnspiel). ++ Berichte im Kriminalakte-Blog, bei welt.de und spiegel.de sowie auf literaturcafe.de [...]

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