Cover der Woche: Tony Hillerman Sonderausgabe

Oktober 28, 2008


R. i. P. Tony Hillerman

Oktober 28, 2008

R. i. P. Tony Hillerman (27. Mai 1925 – 26. Oktober 2008)

Als Tony Hillerman das Manuskript für “The Blessing Way” (Wolf ohne Fährte) herumreichte, rieten die Verleger ihm, das Indianerzeug wegzukürzen und sich auf den Kriminalfall zu konzentrieren. Hillerman tat’s nicht, fand schließlich einen Verleger und mit der Serie um die Navajo-Polizisten Joe Leaphorn und Jim Chee, die anfangs allein und später gemeinsam auftraten, wurde er ab 1970 zu dem Chronist einer untergehenden Kultur. In seinen besten Indianerromanen waren die Verbrechen und die Mythen der Navajos und der benachbarten Indianerstämme untrennbar miteinander verbunden. Seine letzten Romane erreichten nicht mehr die Qualität der ersten Romane. Für seine Romane erhielt er unter anderem den Edgar, den Anthony, den Macavity, den Nero Wolfe Award, den Western Writers Silver Spur und 1991 wurde er zum Grandmaster der Mystery Writers of America (MWA). Aber am meiste bedeutete Hillerman der ihm 1987 von den Navajos verliehene “Special Friends of the Dine”-Preis.

“Tony Hillerman was one of the great writers and great gentlemen of mystery fiction.” sagt Ed Gorman.

Hillermans letzter Leaphorn/Chee-Roman “The Shape Shifter” erschien 2006 und ist noch nicht ins Deutsche übersetzt worden.

Bei “The Rap Sheet” gibt es neben einem Nachruf weitere Links.  Ebenso bei Sarah Weinman. Sie verlinken auch auf den Nachruf der AP-Journalistin Amanda Lee Myers (abgedruckt in der Washington Post oder Huffington Post),

In Deutschland wird Hillermans Tod (nach dem James-Crumley-Armutszeugnis) nicht nur in den einschlägigen Seiten, wie Alligatorpapiere und Krimiblog, sondern auch in einigen Tageszeitungen, wie der Frankfurter Rundschau (dpa-Meldung),  erwähnt.


TV-Tipp für den 28. Oktober

Oktober 28, 2008

ARD, 02.05

Haben und Nichthaben (USA 1944, R.: Howard Hawks)

Drehbuch: Jules Furthman, William Faulkner

LV: Ernest Hemingway: To have and have not, 1937 (Haben und Nichthaben)

Kutterkapitän Morgan kümmert sich um seine Geschäfte und den regelmäßigen Zufluss von Alkohol. Da lernt er Marie kennen und lieben. Sie kämpft gegen die Vichy-Regierung und reißt ihn aus seiner Passivität.

Hawks Abenteuerfilm hat mit dem Buch nichts mehr zu tun. Ist trotzdem die bekannteste Verfilmung des Romans – wegen Bogart und Bacall, die sich während der Dreharbeiten ineinander verliebten und zu einem von Hollywoods Traumpaaren wurden.

Mit Humphrey Bogart, Lauren Bacall, Walter Brennan


Straßenfeger, die Erste

Oktober 27, 2008

Als vor zwei Jahren die letzte offizielle Francis-Durbridge-Verfilmung „Die Kette“ auf DVD erschien, schrieb ich, es sei nur eine Frage der Zeit, bis alle Durbridge-Verfilmungen der ARD, die vor allem in den Sechzigern „Straßenfeger“ waren, auf DVD veröffentlicht würden.

Jetzt ist es soweit. Mit „Der Andere“, „Es ist soweit“, „Das Halstuch“ und „Die Schlüssel“ liegen in der dafür eigens von ARD-Video/Studio Hamburg initiierten zehnteiligen Straßenfeger-Reihe die ersten vier Durbridge-Verfilmungen vor. Die restlichen sechs Durbridge-Verfilmungen, „Percy Stuart“, „Butler Parker“ „Es muss nicht immer Kaviar sein“ und die Wilkie-Collins-Verfilmungen „Die Frau in Weiß“ und „Der rote Schal“ werden bis Mitte Febuar veröffentlicht.

Als erstes fällt bei den DVDs auf, wie kurz die damaligen Straßenfeger waren. „Der Andere“ und „Es ist soweit“ wurden jeweils als Sechsteiler ausgestrahlt und jede Folge dauerte keine vierzig Minuten. Als zweites fällt auf, dass im Gegensatz zu fast allen DVD-Veröffentlichungen von deutschen TV-Serien, die Filme nicht einfach auf die DVDs geklatscht wurden. Die Filme wurden restauriert. Bei dem fast fünfzig Jahre altem Mehrteiler „Der Andere“ ist die Bildqualität trotzdem immer noch historisch. Bei dem ein Jahr später ausgestrahlten „Es ist soweit“ ist sie deutlich besser. Und es gibt extra für die DVD-Ausgabe produziertes Bonusmaterial! „Der Andere“ enthält ein gut einstündiges Interview mit Siegurd Fitzek. „Es ist soweit“ ein gut fünfundvierzigminütiges Interview mit Eva-Ingeborg Scholz und ein Featurette über die Restaurierung. Außerdem wurden noch einige Trailer für andere Straßenfeger und TV-Krimioldies draufgepackt; – diese Art der Werbung ist bei deutschen Serien- und Film-DVDs immer noch so selten, dass sie extra erwähnt werden muss.

Die erste deutsche Verfilmung eines Buches von Francis Durbridge war 1959 „Der Andere“. Es ist die deutsche Version eines drei Jahre vorher inszenierten britischen Fernsehspiels und, wie wahrscheinlich auch das Original, ist es ein bebildertes Hörspiel. Denn niemals wird sich um eine Visualisierung bemüht. Die meiste Zeit stehen oder sitzen die Schauspieler, wie in einem Theaterstück, in geschlossenen Räumen und reden. Auch wenn der eine dem anderen ein Buch mit einer Inschrift zeigt, dann liest der andere die Inschrift vor. Kamerabewegungen gibt es kaum. Schnitte innerhalb einer Szene sind ebenfalls eine Seltenheit. So können die Schauspieler oft mehrere Minuten lang durchspielen.

Die Außenaufnahmen des gesamten Mehrteilers können locker an einer Hand abgezählt werden.

Die Story beginnt mit dem Tod des italienischen Tauchers und Wissenschaftlers Paolo Rocello. Er wurde auf dem Hausboot des spurlos verschwundenen James Cooper gefunden. Der erste Verdacht des ermittelnden Detective Inspektor Mike Ford fällt auf den ehrbaren Internatslehrer David Henderson. Immerhin wurde er ungefähr zur Tatzeit von Katherine Walters auf dem Boot beobachtet. Wir Zuschauer wissen allerdings, dass Henderson als er von Walters beobachtet wurde, nicht Rocello umbrachte, sondern seine Armbanduhr mit der des Opfers austauschte.

Und damit sind bereits nach wenigen Minuten die zwei großen Fragen für die restlichen gut zweihundert Minuten etabliert: Wer ist der Mörder? Und warum tauscht Henderson die Uhr aus?

„Es ist soweit“, ein Jahr später ausgestrahlt, markiert einen wahren Quantensprung. Während für „Der Andere“ anscheinend überhaupt nicht in England gedreht wurde, wurde jetzt gleich drei Wochen in England gedreht. Innerhalb von Szenen wird wesentlich öfter geschnitten – meist wird traditionell mit Schuss und Gegenschuss gearbeitet. Die Kamera bewegt sich, verfolgt einzelne Schauspieler und die Schauspieler mussten nicht mehr erklären, dass in einem Schulheft Worte stehen. Jetzt werden uns die Worte gezeigt. Kurz: es wird alles das gemacht, was auch schon damals seit langem zu einem Spielfilm gehörte.

Die von Francis Durbridge erfundene Geschichte ist noch einen Tick absurder als in „Der Andere“. Die zehnjährige Tochter des Wissenschaftlers Clive Freeman verschwindet. Die Polizei findet keine Spur. Die Entführer melden sich nicht. Das ist, gleich in der ersten Folge, ein typisches Durbridge-Rätsel. Denn während der restlichen fünf Folgen wird die Frage nach dem Motiv der Entführer (Geld ist es nicht) nicht beantwortet.

Ziemlich schnell beginnen Clive Freeman und seine Frau Lucy, die sich am Anfang scheiden lassen wollten, oft ohne die Hilfe der Polizei ihre Tochter zu suchen. Die erste Spur führt sie, dank einer sehr assoziativen Deduktion aufgrund einiger Worte in einem Schulheft, in das Fotoatelier von Pelford. Und irgendwann, wie in „Der Andere“ mischt sich der Geheimdienst in die Angelegenheit ein.

Die ersten beiden Durbridge-Verfilmungen der Straßenfeger-Edition sind mit ihrem langsamen Erzähltempo auch heute noch ansehbar. Denn die Geschichte bewegt sich immer voran. Durbridge sorgt für genug Verwirrung, um einem weiterrätseln zu lassen, ohne dass man den Überblick verliert und die Namensnennugen allzu penetrant ausfallen. Und jede Folge endet mit einem Cliffhanger.

Allerdings wird ein großer Teil der Spannung dadurch gewonnen, dass am Anfang von „Der Andere“ der Internatslehrer David Henderson und am Anfang von „Es ist soweit“ die Entführer sich irrational verhalten (Haben Sie schon einmal Entführer gesehen, die ein Kind wochenlang versteckt halten und keine Forderung an die Eltern richten, in der Hoffnung sie so weichzukochen?) und so dem Zuschauer ein Rätsel aufgeben, das erst nach sechs Folgen gelöst wird. Außerdem agieren die einzelnen Charaktere oft psychologisch unplausibel. Manchmal, weil sie ein doppeltes Spiel spielen. Manchmal, weil Durbridge so den Verdacht in eine falsche Richtung lenken will. Dabei entwickeln sich die Geschichten in „Der Andere“ und „Es ist soweit“ nicht aus den einzelnen Charakteren heraus, sondern aus einem Spiel mit Überraschungen und Tricks. Insofern ist Francis Durbridge weniger ein Magier als ein Bluffer.

Aber in der beschaulichen Welt des britischen Cozy (Alle Menschen bei Durbridge benehmen sich immer furchtbar gesittet und höflich.) ist er ein unterhaltsamer Bluffer, der in Deutschland, wie Edgar Wallace, bekannter als in seiner Heimat ist.

Straßenfeger 01: Der Andere/Es ist soweit

Studio Hamburg

Sprache/Ton: Deutsch (2.0 Mono)

Bild: 4:3, SW

Bonusmaterial: Kurzdokumentation Straßenfeger – Das Phänomen, Interview mit Darsteller Siegurd Fitzek,

TV Juwelen – Die Straßenfeger im neuen Glanz, Interview mit Hauptdarstellerin Eva-Ingeborg Scholz

Freigegeben ab 12 Jahre

-

Enthält

Der Andere (Deutschland 1959, 200 Minuten)

Regie: Joachim Hoene

Drehbuch: Francis Durbridge (Übersetzung: Marianne de Barde)

Mit Albert Lieven, Wolf Frees, Heinz Klingenberg, Helmuth Rudolph, Ingeborg Körner, Sigurd Fitzek, Werner Schumacher

-

Es ist soweit (Deutschland 1960, 236 Minuten)

Regie: Hans Quest

Drehbuch: Francis Durbridge (Übersetzung: Marianne de Barde)

Mit Jürgen Goslar, Eva-Ingeborg Scholz, Gaby Jaeger, Peter Pasetti, Siegfried Lowitz, Annemarie Holtz, Benno Sterzenbach, Karl Lieffen, Wolf Petersen

-

Die Straßenfeger-Editon im Überblick:

1) Der Andere/Es ist soweit

2) Das Halstuch/Die Schlüssel

3) Percy Stuart – Folge 1 – 26

4) Percy Stuart – Folge 27 – 52

5) Tim Frazer/Tim Frazer: Der Fall Salinger

6) Melissa/Ein Mann namens Harry Brent

7) Wie ein Blitz/Das Messer

8) Butler Parker – Folge 1 – 26

9) Es muss nicht immer Kaviar sein

10) Die Frau in Weiß/Der rote Schal

-

Hinweise

Homepage zur Straßenfeger-Edition

Meine Besprechung der Francis-Durbridge-Verfilmung „Die Kette“

Krimi-Couch über Francis Durbridge

Wikipedia über Francis Durbridge (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 27. Oktober

Oktober 27, 2008

Das Vierte, 23.20

Der Einzelgänger (USA 1981, R.: Michael Mann)

Drehbuch: Michael Mann

LV: Frank Hohimer: The home invaders: Confessions of a Cat Burglar, 1975

Musik: Tangerine Dream

Ganove Frank will mit dem letzten, großen Coup seine Verbrecherlaufbahn beenden. Dafür lässt sich Frank auch mit einem Gangstersyndikat ein. Und das hätte er nicht tun sollen.

Das Kino-Debüt des „Miami Vice“-Machers ist ein perfekt durchgestylter Gangsterthriller.

„Anstelle des Einbruchs rückt die melodramatische Komponente des Plots in den Mittelpunkt, was ‚Thief’ gemeinsam mit der von Mann kultivierten Neon-Ästhetik zu einem prägenden Vertreter des Noir der frühen 1980er Jahre macht.“ (Andreas Rauscher in „Filmgenres: Film noir“, 2008)

Mit James Caan, Tuesday Weld, Willie Nelson, James Belushi, Dennis Farina, Chuck Adamson, William Petersen

Auch bekannt als “Thief – Der Einzelgänger”

Hinweise

Senses of Cinema über Michael Mann

Drehbuch “Thief” von Michael Mann (Final Draft, März 1980)

Und hier, weil der Trailer nicht so toll ist, die erste Minuten des Films (den Rest gibt es auch bei YouTube):


KrimiWelt-Bestenliste November 2008

Oktober 26, 2008

Etwas später als erwartet trudelte die November-Bestenliste der KrimiWelt bei mir ein. Im Gegensatz zu meiner Prognose haben es Ian Rankin und George Pelecanos nicht auf die aktuelle Liste geschafft. Aber dafür ist Allan Guthries Debüt „Post Mortem“ (Two-Way Split, 2005) auf der Liste vertreten. Ebenfalls, wenig überraschend, der neue Jerome Charyn und der neue Norbert Horst; – Besprechungen demnächst.

Die gesamte, nicht allzu überraschende Liste sieht so aus:

1 (1) Heinrich Steinfest: Mariaschwarz

2 (3) Jean-François Vilar: Die Verschwundenen

3 (-) Jerome Charyn: Citizen Sidel

4 (-) Norbert Horst: Sterbezeit

5 (4) Deon Meyer: Weißer Schatten

6 (6) Leonardo Padura: Der Nebel von gestern

7 (-) Allan Guthrie: Post Mortem

8 (9) Bernhard Jaumann: Die Augen der Medusa

9 (2) Richard Stark: Fragen Sie den Papagei

10 (-) Fred Vargas/Baudoin: Das Zeichen des Widders

Oh, der zehnte Platz ist eine Überraschung. Denn bis jetzt hat es noch kein Comic auf die Liste geschafft. Ein einmaliges Versehen oder der Beginn einer Erweiterung des Begriffes Kriminalroman? In einigen Monaten werden wir’s wissen. Ich melde schon mal vorsorglich die nächsten Werke von Ed Brubaker an.


TV-Tipp für den 26. Oktober

Oktober 26, 2008

ARD, 00.05

Good Night, and Good Luck (USA 2005, R.: George Clooney)

Drehbuch: George Clooney, Grant Heslov

In den Fünfzigern veranstaltet US-Senator Joseph McCarthy eine Hetzjagd gegen wenige Kommunisten und viele vermeintliche Kommunisten. 1954 beginnt CBS-Moderator Edward R. Murrow die Politik von McCarthy in seiner Sendung „See it now“ zu hinterfragen. Mit den von ihm präsentierten Reportagen und, später, von ihm gemachten Interviews mit McCarthy trug er zu dessen Sturz bei.

Böswillig gesagt ist “Good Night, and Good Luck” Schulfernsehen, bei dem zuerst die historischen Fakten vermittelt und anschließend die Botschaft hinausposaunt wird. Objektiv gesehen ist Clooneys Film gutes altmodisches Kino mit einer zeitlos aktuellen Botschaft über die Verantwortung der Medien (hier des Fernsehens). Denn selbstverständlich wurde der in dem Film geschilderte wahre Fall des TV-Moderators Edward R. Murrow gegen Senator Joseph McCarthy auch als Diagnose des Verhaltens der US-amerikanischen Medien vor dem Irak-Krieg gesehen und der historisch verbürgte Aufruf von Murrow an seine Kollegen am Ende des historisch genauen Films kritisch gegen die Machthaber zu sein, konnte 2005 nur tagespolitisch verstanden werden.

Abgesehen davon ist „Good Night, and Good Luck“ mit seiner eleganten SW-Kamera (Robert Elswit, auch „Michael Clayton“, „There will be Blood“ und, uh, „James Bond – Der Morgen stirbt nie“), dem stimmungsvollen Soundtrack, den pointierten Dialogen und den guten Schauspielern einfach ein Fest für Filmfreunde – und, dank der Sendezeit, ein Pflichttermin für den Videorekorder.

Mit David Strathairn, George Clooney, Patricia Clarkson, Alex Borstein, Robert Downey Jr., Jeff Daniels, Ray Wise, Robert Knepper, Dianne Reeves, Frank Langella

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über “Good Night, and Good Luck

Wikipedia über Edward R. Murrow (deutsch, englisch [viel umfangreicher])

The Museum of Broadcast Communication über Edward R. Murrow

PBS über Edward R. Murrow


Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 41 Followern an

%d Bloggern gefällt das: