Neue Drehbücher: “New Moon”, Schätze, Straßen und ein sinkendes Schiff

November 30, 2009

Für einen guten Film braucht man ein gutes Drehbuch. Ob diese Weisheit stimmt, kann bei einigen Drehbüchern überprüft werden:

demächst im Kino

Joe Penhall: The Road (die, wie man hört, sehr düstere Verfilmung von Cormac McCarthys gleichnamigem Roman)

Terry Gilliam/Charles McKeown: The Imaginarium of Doctor Parnassus (Fassung vom 26. Mai 2007)

Peter Morgan: The Damned United (Fassung vom 2. Juli 2008, nach dem Roman von David Peace)

 

schon im Kino

Melissa Rosenberg: The Twilight Saga: New Moon (2. Fassung, 21. Dezember 2008; ist zwar kein Film für mich, aber…)

Pedro Almodóvar: Broken Embraces (Los Abrazos Rotos – Vierte Fassung; lief bei uns als „Zerrissene Umarmungen“)

Michael Haneke: Das weiße Band (Ähem, übersetzt und deshalb „The white Ribbon“)

William Monahan: Body of Lies (Pink Revisions, 21. September 2007)

Sofia Coppola: Lost in Translation (Fassung vom 2. September 2002)

Stephen Gaghan: Traffic (Nicht datierte Fassung)

Stephen Gaghan: Traffic (Fassung vom 3. Dezember 1999)

Drew Goddard: Cloverfield (Fassung vom 8. Juni 2007)

Scott Derrickson: The day, the earth stood still (Nicht datierte Fassung des Remakes mit Keanu Reeves; offiziell stammt das Drehbuch von David Scarpa und Derrickson führte Regie)

Josh Friedman/David Koepp: War of the Worlds (1st rewrite draft, – und noch ein SF-Remake)

 

Klassiker

James Cameron: Titanic (nicht datiert)

Steven Spielberg: Close Encounters of the third Kind (Fassung vom 12. Mai 1976)

Robert Rossen: The Treasure of the Sierra Madre (Fassung vom 1. Januar 1947)

John Ridley: U-Turn (Zweite Fassung vom Oktober 1994)

John Pogue: U. S. Marshals (Fassung vom 29. Februar 1997; die Fortsetzung von „Auf der Flucht“ hieß bei uns „Auf der Jagd“ und Tommy Lee Jones spielte wieder U. S. Marshal Samuel Gerard)

William Goldman: Butch Cassidy and Sundance Kid (das müsste schon länger im Netz sein, aber weil der Film zu meinen Lieblingen gehört…)

 

 

 


TV-Tipp für den 30. November: Ghost Dog – Der Weg des Samurai

November 30, 2009

Arte, 21.00

Ghost Dog – Der Weg des Samurai (USA 1999, R.: Jim Jarmusch)

Drehbuch: Jim Jarmusch

Poetisch-meditativer, mit Hip-Hop-Klängen unterlegter Gangsterfilm über einen nach dem Kodex der Samurai lebendem Killer, der auf die Abschussliste seiner Auftraggeber gerät. Jarmusch ist dabei gänzlich desinteressiert an der Story, aber sehr interessiert an dem Spiel mit Stimmungen, Symbolen, Zeichen und Motiven.

Durch ‘Ghost Dog’ hindurch blicken wir wie durch ein Vergrößerungsglas in die Filmgeschichte. (…) Mit ‘Ghost Dog’ variiert Jarmusch einmal mehr sein Lieblingsthema, die Differenz der Kulturen und die wunderbaren, auch komischen Momente, die durch den Zusammenstoß verschiedener Mentalitäten entstehen können. Besonders bizarr sieht seine filmische Synthese von HipHop und italienischer Vorstadt-Mafia aus.“ (Nils Meyer in Rolf Aurich/Stefan Reinecke, Hrsg.: Jim Jarmusch, 2001 – ein empfehlenswertes Buch)

mit Forest Whitaker, John Tormey, Cliff Gorman, Henry Silva, Isaach de Bankolé, Gary Farmer, The RZA (Cameo; er schrieb auch die Musik)

Wiederholung: Freitag, 4. Dezember, 00.40 Uhr (VPS 00.34, Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Ghost Dog“ (deutsch, englisch)

Arte über „Ghost Dog“

Senses of Cinema: Marco Lanzagorta über “Ghost Dog” (September 2002)

The Jim Jarmusch Resource Page



Wochenendvergnügen

November 29, 2009

TV-Tipp für den 29. November: Monsieur Klein

November 29, 2009

Arte, 20.15

Monsieur Klein (F/I 1976, R.: Joseph Losey)

Drehbuch: Franco Solinas, Fernando Morandi, Joseph Losey

Paris 1942: Robert Klein verdient als Kunsthändler gut an der Not der Juden. Eines Tages liegt vor seiner Haustür ein an ihn adressiertes Exemplar der „Les informations juives“. Klein will herausfinden, warum er die Zeitung zugeschickt bekommen hat. Er erfährt von einem gleichnamigen Juden, der sich anscheinend seiner Identität bemächtigen will.

Kafkaesker Alptraum ohne die Hoffnung auf ein Happy End, von Losey karg und sehr stilbewusst inszeniert. Delons zurückhaltendes Spiel passt perfekt zur Rolle des emotionslosen Mitläufers, der nur an sich denkt und dabei zielsicher ins Verderben läuft.

Delon war für einen Cesar als bester Schauspieler nominiert, Losey erhielt einen für die Regie und der Film gewann den Cesar für bester Film.

mit Alain Delon, Jeanne Moreau, Michel Lonsdale, Juliet Bertot, Suzanne Flon, Jean Bouise

Wiederholung: Montag, 30. November, 14.45 Uhr

Hinweise

Wikipedia über „Monsieur Klein“ (deutsch, englisch, französisch)


Die Krimiwelt-Bestenliste Dezember 2009

November 28, 2009

Die letzte KrimiWelt-Bestenliste für dieses Jahr bietet kaum Überraschungen:

 

1 (3) David Peace: Tokio im Jahr Null

2 (1) Wolf Haas: Der Brenner und der liebe Gott

3 (4) Linus Reichlin: Der Assistent der Sterne

4 (-) Don Winslow: Frankie Machine

5 (-) Heinrich Steinfest: Gewitter über Pluto

6 (-) Gerard Donovan: Winter in Maine

7 (6) Friedrich Ani: Totsein verjährt nicht

8 (7) Malla Nunn: Ein schöner Ort zum Sterben

9 (8) Håkan Nesser: Das zweite Leben des Herrn Roos

10 (-) William Boyd: Einfache Gewitter

-

In ( ) ist die Platzierung des Vormonats.

-

Tja, Ken Bruens „Jack Taylor flieg raus“ ist schon wieder draußen. Sallis ebenso. Peace, Haas und Ani bleiben drin. Winslow ist drin und Donovan hat ein interessantes Buch geschrieben, das wirklich nicht für jeden ist. Mich hat es eher kalt gelassen.


TV-Tipp für den 28. November: Der Obrist und die Tänzerin

November 28, 2009

WDR, 23.45

Der Obrist und die Tänzerin (USA/E 2002, R.: John Malkovich)

Drehbuch: Nicholas Shakespeare

LV: Nicholas Shakespeare: The Dancer upstairs, 1995 (Der Obrist und die Tänzerin)

Irgendwo in den Anden: Polizist Augustin soll eine Gruppe von Terroristen bekämpfen und gerät zwischen die Fronten.

Malkovichs Regiedebüt ist ein, trotz gewisser Schwächen, beeindruckender Politthriller.

Die Verfilmung von Nicholas Shakespeares gleichnamigem Roman ist eine politisch und psychologisch spannende Auseinandersetzung mit Gewalt und Gegengewalt, Terror und Gegenterror. In jedem Moment spürt man die Spirale der Hoffnungslosigkeit, auch die Ursachen des Übels werden nicht verschwiegen. Javier Bardem brilliert als zwischen Staatsloyalität und Liebe zerrissener Mann.“ (Margret Köhler, Film-Jahrbuch 2004)

Mit Javier Bardem, Laura Morante


PI Spenser will April Kyle – wieder einmal – helfen

November 27, 2009

Spenser war schon immer auch ein Sozialarbeiter. In „Early Autumn“ (Finale im Herbst) übernahm er die Erziehung von Paul Giacomin. Er entwickelte sich prächtig. Bei April Kyle war das etwas schwieriger. In „Ceremony“ (Einen Dollar für die Unschuld) sollte er sie suchen. Weil April Kyle nicht zu ihren Eltern zurückwollte, schickte er sie nach New York zu Patricia Utley. Die Edelprostituierte nahm sich des Mädchens an. In „Taming a Sea-Horse“ (Wer zähmt April Kyle?) musste er April wieder helfen und jetzt betritt sie sein Büro und bittet ihn um Hilfe.

Seit gut zwei Jahren betreibt sie in Boston ein Edelbordell. Vor kurzem tauchten zwei Männer bei ihr auf und wollten ein Viertel von ihrem Geschäft. Spenser und sein Kumpel Hawk nehmen sich die Schläger vor und erfahren von ihnen, dass sie von Ollie DeMars geschickt wurden. DeMars kann Spenser allerdings nur verraten, dass er von einem Unbekannten beauftragt wurde und er, bis er eine Gefahrenzulage von ihm erhält, nichts tun werde.

Spenser ruft einige seiner Freunde. Die sollen das Bordell beschützen, während er DeMars’ Auftraggeber sucht.

Hundert Dollar Baby“, der 34. Fall für Privatdetektiv Spenser, unterscheidet sich natürlich kaum von den vorherigen Fällen. Es ist wie ein Abend mit einem alten Freund oder die neue Folge einer langlebigen TV-Serie. Die meisten Gags sind bekannt oder Variationen bekannter Witze, wie die Frotzeleien zwischen Spenser und Hawk. Der schwule Teddy Sapp, einer ihrer schlagkräftigen und furchtlosen Freunde, ist dagegen eine echte Bereicherung. Aber er verschwindet ziemlich schnell wieder aus der Geschichte. Spensers Freundin Susan Silverman scheint immer weniger zu Essen. Spenser verdrückt währenddessen Mahlzeiten für eine halbe Fußballmannschaft. Dabei unterhalten sie sich über Liebe, Sex, Prostitution (Wird die Frau entwürdigt? Oder der Mann? Kann es überhaupt glückliche Huren geben?) und April Kyles Psyche. Immerhin ist Susan Therapeutin und diese Gespräche gehören zu einem Spenser-Roman einfach dazu. Genau wie ihr gemeinsamer Hund Pearl.

Das Plotting ist ebenfalls gewohnt nachlässig. So ist ziemlich offensichtlich, wer Ollie DeMars umgebracht hat und wer hinter allem steckt. Dieses Mal betont Ich-Erzähler Spenser sogar öfters, dass er von allen belogen werde und bei seinen Ermittlungen einfach nicht voran komme. Das liegt allerdings weniger an dem komplizierten Plot, sondern eher an Robert B. Parkers Arbeitsstil. Denn er schreibt die Spenser-Geschichten, neben den Jesse-Stone-, Sunny-Randall- und Virgil-Cole/Everett-Hitch-Romanen, in einem atemberaubenden Tempo. Dieses Jahr veröffentlichte Parker vier neue Romane. Dabei entwickelt er den Plot während des Schreibens und er macht, so sagt er, keine Überarbeitungen. Das führt bei „Hundert Dollar Baby“, wieder einmal, zu einem ziemlich zähen Mittelteil. Auch der Mord an Ollie DeMars bringt kaum Schwung in Spensers sich über mehrere Monate erstreckenden Ermittlungen.

Aber Robert B. Parkers entspannter Schreibstil gefällt immer noch. Und mit zweihundert Seiten ist das Buch auch schnell gelesen.

Robert B. Parker: Hundert Dollar Baby

(übersetzt von Emanuel Bergmann)

Pendragon, 2009

208 Seiten

9,90 Euro

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Originalausgabe

Hundred-Dollar Baby

G. P. Putnam’s Sons, 2006

(Anmerkung: Angekündigt als „Dream Girl“)

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Hinweise

Homepage von Robert B. Parker

Mein Porträt der Spenser-Serie und von Robert B. Parker

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Die blonde Witwe“ (Widow’s walk, 2002)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der stille Schüler“ (School Days, 2005)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der gute Terrorist“ (Now & Then, 2007)


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