„Finsterau“ ist nur eine „Tannöd“-Kopie

Nachdem ihr letzter Roman „Bunker“ (naja, von der Länge her eigentlich Novelle oder etwas längere Kurzgeschichte) ein komplettes Desaster war, hat Andrea Maria Schenkel sich wahrscheinlich gesagt „back to basics“.

Denn ihr neuester Roman, wieder in der typischen Schenkel-Länge von 128 Seiten, nimmt sich wie in ihrem Debüt „Tannöd“ einen historischen Kriminalfall vor. In „Finsterau“ wird kurz nach dem zweiten Weltkrieg auf einem bayerischen Dorf eine junge Frau und ihr uneheliches Kind auf dem Hof ihres Vaters ermordet. Der wahre Fall, über den ich auf die Schnelle nichts gefunden habe, geschah in Kempten. Wieder wird der Fall erst Jahre nach der Tat aufgeklärt und die Ermittlungsarbeit wird auf den Leser verlagert. In „Tannöd“ war diese Erzählweise ein interessantes literarisches Experiment, weil die verschiedenen Berichte der Dorfbewohner gegenüber einer unbekannten Person langsam ein vollständiges Bild des Tathergangs gaben und am Ende der Täter enthüllt wurde. „Finsterau“ ist nur eine leicht variierte Wiederholung, indem sich aus verschiedenen Perspektiven, die von einem auktorialem Erzähler reichlich distanziert erzählt werden, und den Aussagen eines Polizisten und eines Hausierers 18 Jahre nach der Tat langsam die Tat (denn wer nicht den Klappentext gelesen hat, wird sich über viele Seiten fragen, wohin die einzelnen, eher unzusammenhängenden Kapitel führen sollen) und der Tathergang herausschält. Dafür bedient Andrea Maria Schenkel sich wieder der altbekannten Whodunit-Struktur, nach der der Reihe nach einige Verdächtige aufgebaut werden und man als Leser milde rätselt, wer von den wenigen Verdächtigen denn nun der Täter ist.

Weggelassen hat sie in ihrem neuesten Buch die Gebete, die in „Tannöd“ von vielen kritisiert wurden, und sie verzichtet auf ihre sprachlichen Marotten, die mit „Kalteis“ und „Bunker“ immer nerviger wurden.

Aber das ändert nichts daran, dass „Finsterau“ als Selbstplagiat eine exakte Kopie von „Tannöd“ ist.

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Andrea Maria Schenkel: Finsterau

Hoffman und Campe, 2012

128 Seiten

16,99 Euro

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Hinweise

Homepage von Andrea Maria Schenkel

Meine Besprechung von Andrea Maria Schenkels „Kalteis“ (2007)

Meine Besprechung von Andrea Maria Schenkels “Bunker” (2009)

Andrea Maria Schenkel in der Kriminalakte

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3 Antworten zu „Finsterau“ ist nur eine „Tannöd“-Kopie

  1. [...] 6 (-) Andrea Maria Schenkel: Finsterau [...]

  2. [...] 9 (6) Andrea Maria Schenkel: Finsterau [...]

  3. Krimis als Zeitreisen…

    In den letzten Wochen sind einige Krimis erschienen, die den Leser auf Zeitreisen schicken, sei es in die Vergangenheit oder in die Zukunft. Robert Bracks Kriminalroman „Unter dem Schatten des Todes“ beginnt Ende Februar 1933 mit dem Reichstagsbrand. D…

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