Neu im Kino/Filmkritik: „The Lady“ – ein Biopic über Aung San Suu Kyi

Wir haben Luc Besson. Der Mann, der „Subway“, „Nikita“, Leon, der Profi“ und „Das fünfte Element“ inszenierte und in den vergangenen Jahren, gefühlt, mindestens jeden zweiten französischen Action-Film produzierte.

Wir haben Michelle Yeoh. Die Hongkong-Action-Schauspielerin, die in „Heroic Trio“ entzückte, kurz darauf in „Der Morgen stirbt nie“ James Bond verkloppte, danach in „Tiger & Dragon“ und „Die Geisha“ mitspielte, inzwischen auch als Schauspielerin anerkannt ist und die treibende Kraft bei „The Lady“ war.

Wir haben ein beeindruckendes Schicksal. Nämlich das von Aung San Suu Kyi, die, mit kurzen Unterbrechungen, über zwanzig Jahre in der Militärdiktatur Birma (bzw. Burma oder Myanmar) im Hausarrest gefangen gehalten wurde, 1991 für ihr gewaltfreies Engagement für die Demokratie und Menschenrechte den Friedensnobelpreis erhielt und jetzt, bei Nachwahlen, endlich triumphierend in das Parlament einziehen dürfte.

Wir haben den Spielfilm „The Lady – Ein geteiltes Herz“, der auf ihrem Leben basiert. Aung San Suu Kyi wird von Michell Yeoh gespielt und Luc Besson setzte sich wieder auf den Regiestuhl. Dass er starke Frauen inszenieren kann, bewies er immer wieder. So auch 1999 in „Johanna von Orleans“. Damals inszenierte er eine bildgewaltige, durchaus umstrittene, Schlachtplatte mit einer jungen Action-Heroine, die auch ein gläubiges Erweckungserlebnis hatte und zur fanatischen Anführerin gegen die Unterdrücker wurde.

Aung San Suu Kyi ist das gewaltfreie Gegenmodell zu Johanna von Orleans und Bessons Film erzählt auch weniger von ihrem politischen Kampf, sondern von ihrer Liebe zu ihrem Mann und ihren Kindern. „The Lady“ ist kein Biopic über eine Politikerin, sondern über eine Ehefrau, die von ihrem Mann getrennt wird.

Und genau das ist die Crux von „The Lady“. Anstatt uns zu erklären, warum die am 19. Juni 1945 geborene Aung San Suu Kyi, nachdem sie jahrelang nicht in ihrer Heimat war, sich als 43-jährige glücklich verheiratete Mutter plötzlich politisch engagiert, nach dem Tod ihrer Mutter nicht wieder nach England zu ihrem über alles geliebten Ehemann (David Thewlis als leicht zerstreuter Wissenschaftler) und ihren beiden Kindern zurückkehrt, sondern in ihrem Heimatland bleibt und die Repressionen erduldet, wird in dem Film vor allem ein erstaunlich intaktes Familienidyll gezeigt. Denn trotz der Trennung stehen sie einmütig zusammen.

Aber so beantworten die Macher von „The Lady“ die für den Film zentrale Frage, was diese Frau antreibt, nicht. Sie versuchen es noch nicht einmal wirklich.

Es wird auch nie genauer auf ihr politisches Programm eingegangen. Stattdessen darf sie, als gut aussehendes Symbol der Demokratiebewegung, schüchtern lächelnd durch das Land ziehen, Hände schütteln und Reden über die Vorzüge von freien Wahlen halten. Dagegen kann nun wirklich niemand, vor allem im demokratischem Westen, etwas haben.

Am Ende des über zweistündigen Films bleibt nur eine gut inszenierte, gut gespielte, arg propagandistische und zu lang geratene Heldenverehrung übrig, der es gelingt, das Leben einer Politikerin gänzlich unpolitisch und reduziert auf das private Drama zu erzählen.

The Lady – Ein geteiltes Herz (The Lady, Frankreich/Großbritannien 2011)

Regie: Luc Besson

Drehbuch: Rebecca Frayn

mit Michelle Yeoh, David Thewlis, Jonathan Raggett, Jonathan Woodhouse, Susan Wooldridge, Benedict Wong

Länge: 127 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Lady“

Rotten Tomatoes über „The Lady“

Wikipedia über „The Lady“ (deutsch, englisch)

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