Alfred Hitchcock (13. August 1899, London – 29. April 1980, Los Angeles)
Und anstatt uns wieder einmal einen oder zwei seiner Klassiker anzusehen, könnten wir auch mal einen Blick auf sein Frühwerk (nicht immer unbedingt Krimis) werfen:
Downhill (GB 1927, Bergab)
The Ring (GB 1927, Der Ring)
The Manxman (GB 1929, Der Mann von der Insel Man)
Die drei Stummfilme werden von YouTube leider ohne Ton präsentiert. Denn ein Stummfilm war niemals stumm.
Mary (GB 1929, Alfred Hitchcock drehte die deutschsprachige Version von “Murder”/”Sir John greift ein” parallel zum englischen Original. Einer seiner ersten Tonfilme.)
Die Filme sind Teil des neuen YouTube-Kanals “Movies” (englisch, deutsch). Die Auswahl ist noch nicht so toll, aber mit etwas Findigkeit findet man auf YouTube auch viele weitere Filme.
Bereits als Stummfilm-Regisseur fand Alfred Hitchcock sein Genre: den Spannungsfilm. Die Auftragsarbeiten, die er während dieser Jahre drehte sind, wie viele Stummfilme, verschollen oder nur für die fanatischen Hitchcock-Fans von Interesse. Schließlich will der devote Fan jeden Film des Meisters gesehen haben.
Später drehte Hitchcock, bis auf wenige Ausnahmen, wie „Riff-Piraten“ (Jamaica Inn; sein letzter englischer Film) und „Sklavin des Herzens“ (Under Capricorn), nur noch Thriller. Meistens war er von der Idee bis zur Premiere in die Produktion involviert und spätestens seitdem er 1955 im TV zehn Jahre Gastgeber der erfolgreichen und langlebigen Reihe „Alfred Hitchcock präsentiert“ (später „Alfred Hitchcock zeigt“) war, kannte jedes Kind den dicklichen englischen Gentleman mit dem schwarzen Humor, der immer korrekt gekleidet war und sich nicht scheute Witze über sich und die Geldgeber zu machen.
„Mr. und Mrs. Smith“ ist da im Hitchcockschen Ouevre eine Ausnahme. Als er den Film drehte, war er auch in den USA nach „Rebecca“ und „Mord“ (Foreign Correspondent) bereits ein bekannter Name, und er übernahm die Regie nur als Gefallen an Hauptdarstellerin Carole Lombard, mit der er befreundet war.
„Ich habe mich mehr oder weniger an das Drehbuch von Norman Krasna gehalten. Da ich die Art von Leuten nicht verstand, die in dem Film gezeigt wurden, habe ich die Szenen fotografiert, wie sie geschrieben waren“, sagt Hitchcock in dem legendären Gespräch mit Francois Truffaut in dem ihm eigenen Understatement über den immer noch fast unbekannten Film, der in Deutschland erstmals am 27. August 1970 im ARD gezeigt wurde. Denn für Hichtcock-Fans hat der Film als Nebenwerk nichts Hitchcock-typisches zu bieten. Es gab auch nichts, was Hitchcock erkennbar an dem Film gereizt hatte. So wollte er in „Das Rettungsboot“ (Lifeboat) die ganze Geschichte in einem Rettungsboot spielen lassen. In „Fenster zum Hof“ (Rear Window) ist der Held an seinen Rollstuhl gefesselt und er verbringt seine Zeit, indem er die Menschen im Hinterhof studiert. In „Cocktail für eine Leiche“ (Rope) spielt die Geschichte in Echtzeit und es wurde ohne einen erkennbaren Schnitt gedreht.
Aber in „Mr. und Mrs. Smith“ gibt es solche Herausforderungen nicht. Denn der Film ist eine waschechte Screwball-Comedy, die vor allem die Erfordernisse des Genres mit einer handelsüblich dünnen Geschichte bedient.
Nach einem Ehestreit erfährt Mr. Smith, dass er, weil er seine überaus temperamentvolle Frau auf dem falschen Standesamt heiratete, überhaupt nicht verheiratet ist. Er freut sich auf einen Abend in wilder Ehe. Sie dagegen erwartet einen Heiratsantrag und nachdem dieser nicht kommt, wirft sie ihren Mann aus der gemeinsamen Wohnung. Er setzt jetzt Himmel und Hölle in Bewegung, um sie wieder zu erobern. Sie beginnt dagegen eine Affäre mit seinem Sozietätspartner Jeff Custer, einem rechten Langweiler vor dem Herrn. Und wir können uns an den Fingern einer abgehakten Hand abzählen, wie die Geschichte nach einigen Wortgefechten und tief fliegenden Gegenständen ausgeht.
Und das hat Hitchcock schön auf den Punkt hin inszeniert. Immerhin hat er, auch wenn er von Screwball-Comedy keine Ahnung hat, viel Humor und ein gutes Timing. Für das Drehbuch kann er dieses Mal nichts. Allein schon die Einführung der beiden von finanziellen Problemen unbelasteten Hauptcharaktere ist ein Kabinettsstück: immer wenn Ann und David Smith sich streiten, sperren sie sich in ihrem Schlafzimmer ein und verlassen den Raum erst, wenn sie sich wieder vertragen. Das kann, wie ihr Personal und Smiths Kanzlei aus leidvoller Erfahrung wissen, Tage dauern. Der Rekord liegt bei acht Tagen. In dem Zimmer schleichen sie wie Katz und Maus umeinander herum und versuchen sich möglichst gut zu ignorieren. Was gar nicht so einfach ist. Oder das Abendessen bei „Mama Lucy“, das unter dem neuen Besitzer zu einem heruntergekommenem Imbiss, in dem die Katzen reihenweise an dem Essen sterben, verkommen ist. Aber die beiden Smiths benehmen sich, als ob sie in einem Nobelrestaurant wären. Oder der erste gemeinsame Abend von Ann Smith und Jeff Custer. Zuerst muss sie in einem Tanzlokal David beobachten, der sich anscheinend glänzend mit anderen Frauen vergnügt. Dann müssen Ann und Jeff stundenlang, im Regen in einer Gondel ausharren. Zum krönenden Abschluss gibt sie Jeff einen Schnaps zum Aufwärmen und Jeff, der noch nie Alkohol getrunken hat, ist ganz schnell stockbesoffen.
Oder wenn David am Filmende einen letzten Versuch unternimmt, sie wieder zurückzugewinnen und er sich in einer einsam gelegenen Skihütte neben Ann und Jeff einquartiert. Er spielt ihnen vor, dass er todkrank, im Delirium und kurz vor dem Erfrieren ist. Sie spielt ihm vor, dass Jeff sich zu einem stürmischem Liebhaber entwickelt hat. Dieses Versteckspiel gehorcht, wie der gesamte Film, keiner rationalen Logik mehr, sondern nur noch der emotionalen Logik eines Liebesfilms und es ist, auch wenn der Film eher zum Schmunzeln als zum Lachen animiert, immer auf die Pointe hin inszeniert.
Natürlich ist „Mr. und Mrs. Smith“ vor allem viel heiße Luft. Aber der Film macht auf eine richtig altmodische Art Spaß; – ganz im Gegensatz zu dem gleichnamigen Film von 2005 mit Angelina Jolie und Brad Pitt, der außer dem Titel nichts mit Hitchcocks Film zu tun hat.
Mr. und Mrs. Smith (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Norman Krasna
mit Carole Lombard, Robert Montgomery, Gene Raymond, Jack Carson, Philip Merivale
“Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?”, die Niederschrift des Gesprächs zwischen Alfred Hitchcock und seinem Bewunderer Francois Truffaut, hat wahrscheinlich jeder Hitchcock-, Krimi- und Filmfan in seinem Regal stehen.
Bei “If Charlie Parker was a gunslinger, there’d be a whole lot of dead copycats” kann das gesamte Gespräch auch angehört werden. Gute fünfzig Stunden Filmgeschichte. Der Ton ist okay (jeder hatte ein Krawattenmikrophon und ein Toningeniuer nahm im Nebenzimmer das Gespräch auf); die Simultanübersetzung von Helen Scott.
Hier geht’s zu den Mitschnitten (die erste Hälfte, die zweite Hälfte – immer in überschaubaren Portionen und mit einigen schönen Bildern).
Damit dürfte der Sonntag (und einige weitere Tage) gerettet sein.
(Dank an Go into the Story, der mich auf die zwischen 2006 und 2008 online gestellten Mitschnitte hinwies.)
Alfred Hitchcock wagte in seinen Filmen immer wieder Experimente. Ein Film, der in einem Rettungsboot spielt. Ein Film, der in Echtzeit spielt und ohne Schnitt inszeniert wurde. Ein Film, der aus der Perspektive eines an seinen Rollstuhl in seinem Zimmer gefesselten Mannes inszeniert wurde.
In der Episode „Scheintot“, die Alfred Hitchcock für „Alfred Hitchcock präsentiert“ inszenierte, treibt er dieses Spiel weiter. Joseph Cotten spielt einen hartherzigen Unternehmer, der auf einer Autofahrt verunglückt. Er liegt so unglücklich, dass er sich überhaupt nicht mehr bewegen kann. Der halbe Film sieht wie ein Standbild aus. Denn die Kamera beobachtet Cotten, der nicht mit der Wimper zuckt und im Voiceover erzählt, was er fühlt und wie er sich (erfolglos) bemerkbar machen will.
In „Die Schlange im Bett“ erzählte Hitchcock eine ähnliche Geschichte. Dieses Mal behauptet Harry Pope, dass in seinem Bett eine Giftschlange ist. Sein Kumpel beschließt, leicht amüsiert, ihm zu glauben. Denn Pope ist ein Trinker.
Die meisten anderen Geschichten, die auf der DVD „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“ versammelt sind, beschränken sich nicht nur auf einen Raum und einen so kurzen Zeitraum. Aber spannend sind sie alle und die Pointe ist auch immer gelungen, oft schwarzhumorig und meistens überraschend. Denn einige Endtwists sind heute doch schon zu bekannt oder, wie in „Der Kristallgraben“, arg vorhersehbar. Einige Geschichten, wie „Der geheimnisvolle Nachbar“ enden auch überraschend harmlos (Nein, ich werde jetzt keine Enden verraten!).
In der sehr Hitchcock-typischen Episode „Nasser Samstag“ zeigt ein Familienoberhaupt auf einem noblen Landsitz, was er alles zum Schutz seiner Familie unternimmt.
In vielen Geschichten soll allerdings nicht der gute Ruf der Familie geschützt werden, sondern ein Ehepartner will den anderen umbringen. Mal geht es um die persönliche Freiheit, aber oft auch nur um den schnöden Mammon, und am Ende macht immer wieder um einen kleinen Fehler, der den schönen Plan zunichte. In „Das zweite Inserat“ zerstört dagegen ein von einem älteren Arbeiter (Oskar Homolka) gefundener, prall gefüllter Geldbeutel seine glückliche Ehe.
Und wenn die Geschichte mal nicht so toll ist, gibt es immer noch die Möglichkeit für einen schauspielerischen Glanzauftritt, wie in „…und so starb Riabouchinska“. In dieser Episode, nach einer Geschichte von Ray Bradbury, spielt Claude Rains einen in seine Puppe verliebten Bauchredner. In „Draußen in der Dunkelheit“ hat Bette Davis als ältliche, allein mit ihrem Pudel in einem Apartment lebende Witwe diesen Auftritt. Es ist, wie viele Geschichten in „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“ auch die Geschichte eines Irrtums mit fatalen Folgen.
Als Bonusmaterial gibt es eine informative, kurze Doku über die Serie „Alfred Hitchcock präsentiert“ und zwei weitere TV-Arbeiten von Alfred Hitchcock, die er für andere Reihen inszenierte. „Zwischenfall an der Straße“ ist eine harmlose, etwas längliche Geschichte mit einem interessanten Anfang (der Zwischenfall wird aus mehreren Perspektiven gezeigt) über falsche Anschuldigungen und das Einstehen für sein Recht. Harmlos ist die Geschichte allerdings nur, weil niemand ermordet wird. Denn üble Nachrede (ein alter Mann, der als Schülerlotse arbeitet, wird anonym beschuldigt, ein Kind unsittlich berührt zu haben) und die Angst des Betroffenen und seiner Familie, sich dagegen zu wehren, sind für eine Gemeinschaft letztendlich viel zerstörerischer.
„Die Bombe im Keller“ ist, nach einer Geschichte von Cornell Woolrich, Suspense pur. Ein Mann will mit einer Bombe, die um vier Uhr losgeht, seine Frau umbringen. Er wird im Keller eingesperrt und versucht nun verzweifelt vor der Explosion aus dem Haus zu entkommen.
„Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“ enthält mit den beiden Bonusfilmen 27 spannende Krimis, die öfters auch ohne einen Mord auskommen und heute immer noch gut unterhalten können. Denn die Charaktere sind genau gezeichnet, die Geschichten stringent zur finalen Überraschung hin entwickelt, die Kamera angenehm zurückhaltend und die Schauspieler spielen gut. Wie schon bei den vorherigen Episoden von „Alfred Hitchcock präsentiert“ und „Alfred Hitchcock zeigt“ gefallen mir die älteren Schauspielerinnen und Schauspieler etwas besser als die damals noch jungen Stars. So bleibt Roger Moore als Ermittler sehr blass und Charles Bronson hat noch nicht seine spätere stoische Form gefunden. Wie bei den vorherigen Hitchcock-Boxen sind auch in „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“ etliche Episoden enthalten, die bislang im deutschen Fernsehen noch nicht gezeigt wurden. Die gibt es dann als Original mit Untertitel.
Außerdem sind jetzt alle Fernseharbeiten von Alfred Hitchcock auf DVD erhältlich.
Bonusmaterial: Zwischenfall an der Straße (Incident at a corner), Die Bombe im Keller (Four O’Clock), Alfred Hitchcock präsentiert: Ein Blick zurück, deutsche Intros, Booklet
FSK: ab 12 Jahre
enthält
Rache (Revenge, USA 1955)
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Francis M. Cockrell
LV: Samuel Blas
mit Ralph Meeker, Vera Miles, Frances Bavier, Ray Montgomery
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Scheintot (Breakdown, USA 1955)
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Francis M. Cockrell, Louis Pollock (auch Geschichte)
mit Joseph Cotten, Aaron Spelling (einer der wenigen Leinwandauftritte des später erfolgreichen TV-Produzenten, hier als Straßenarbeiter)
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Massarbeit (Back for Christmas, USA 1956)
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Francis M. Cockrell
LV: John Collier
mit John Williams, Isobel Elsom
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Nasser Samstag (Wet Saturday, USA 1956)
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Marian B. Cockrell
LV: John Collier
mit Cedric Hardwicke, John Williams, Tita Purdom
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Der geheimnisvolle Nachbar (Mr. Blanchard’s Secret, USA 1956)
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Sarett Rudley
LV: Emily Neff
mit Robert Horton, Meg Mundy, Mary Scott
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Das perfekte Verbrechen (The perfect crime, USA 1957)
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Stirling Silliphant
LV: Ben Ray Redman
mit Vincent Price, James Gregory, Gavin Gordon
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Post Mortem (Post Mortem, USA 1958)
Regie: Arthur Hiller
Drehbuch: Robert C. Dennis
LV: Cornell Woolrich
mit Steve Forrest, Joanna Moore, James Gregory
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Ein riskanter Sprung (A dip in the pool, USA 1958)
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Robert C. Dennis
LV: Roald Dahl
mit Keenan Wynn, Fay Wray, Philip Bourneuf
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Die Schlange im Bett (Poison, USA 1958)
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Casey Robinson
LV: Roald Dahl
mit Wendell Corey, James Donald, Arnold Moss
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Draußen in der Dunkelheit (Out there, darkness, USA 1959)
Regie: Paul Henreid
Drehbuch: Bernard C. Schoenfeld
LV: William O’Farrell
mit Bette Davis, Frank Albertson, James Congdon, Arthur Marshall
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Der Schmuck der Lady Avon (The Avon Emeralds, USA 1959)
Regie: Bretaigne Windust
Drehbuch: William Fay
LV: Joe Piddock
mit Roger Moore, Hazel Court
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Der Kristallgraben (The Crystal Trench, USA 1959)
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Sterling Silliphant
LV: A. E. W. Mason
mit James Donald, Patrick Owens, Werner Klemperer, Patrick Macnee
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Mama, darf ich schwimmen gehen? (Mother, May I go out to swim?, USA 1960)
Regie: Herschel Daugherty
Drehbuch: James P. Cavanagh
LV: Q. Patrick
mit William Shatner, Gia Scala, Jessie Royce Landis
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Die Wette (The Horse player, USA 1961)
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Henry Slesar
LV: Henry Slesar
mit Claude Rains, Ed Gardner
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Die richtige Medizin (The right kind of medicine, USA 1961)
Regie: Alan Crosland Jr.
Drehbuch: Henry Slesar
mit Robert Redford
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Ohne jede Spur (Into thin air, USA 1955)
Regie: Don Medford
Drehbuch: Marian B. Cockrell
mit Patricia Hitchcock, Geoffrey Toone, Alan Napier
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…und so starb Riabouchinska (And so died Riabouchinska, USA 1956)
Regie: Robert Stevenson
Drehbuch: Mel Dinelli
LV: Ray Bradbury
mit Claude Rains, Charles Bronson, Claire Carleton
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Tödliches Rezept (The perfect murder, USA 1956)
Regie: Robert Stevens
Drehbuch: Victor Wolfson
LV: Stacy Aumonier
mit Mildred Natwick, Hurd Hatfield, Philip Coolidge
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Ein Portrait von Jacqueline (Portrait of Jocelyn, USA 1956)
Regie: Robert Stevens
Drehbuch: Harold Swanton
LV: Edgar Marvin
mit Philip Abbott, Nancy Gates, John Baragrey
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Das zweite Inserat (Reward to finder, USA 1957)
Regie: James Neilson
Drehbuch: Frank Gabrielson
LV: F. J. Smith
mit Oskar Homolka, Jo Van Fleet, Claude Akins
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Die ganz Zarte (The young one, USA 1957)
Regie: Robert Altman
Drehbuch: Sarett Rudley
LV: Phillip S. Goodman, Sandy Sax
mit Vince Edward, Carol Lynley, Stephen Joyce, Jeanette Nolan
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Der Unwiderstehliche (The Deadly, USA 1957)
Regie: Don Taylor
Drehbuch: Robert C. Dennis
LV: Lawrence Treat
mit Phyllis Thaxter, Lee Philips, Craig Stevens
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Das ideale Haus (The right kind of house, USA 1958)
Regie: Don Taylor
Drehbuch: Robert C. Dennis
LV: Henry Slesar
mit Robert Emhardt, Jeanette Nolan, James Drury
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Treue um Treue (Mrs. Bixby and the Colonel’s Coat, USA 1960)
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Halsted Welles
LV: Roald Dahl
mit Audrey Meadows, Les Tremayne, Sally Hughes
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Mrs. Chistel – das ist keine Lösung (You can’t trust a man, USA 1961)
Regie:Paul Henreid
Drehbuch: Helen Nielsen
LV: Helen Nielsen
mit Polly Bergen, Frank Albertson, Joe Maross
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Bonusfilme
Zwischenfall an der Straße (Incident at a corner, USA 1960)
In den kommenden Tagen laufen, anlässlich des Geburtstages von Alfred Hitchcock auch einige selten gezeigte Hitchcock-Filme im Fernsehen. Los geht’s heute mit:
ARD, 21.00
Legenden: Alfred Hitchcock (D 2009, R.: Michael Strauven)
Drehbuch: Michael Strauven
45-minütige Doku über den am 13. August 1899 geborenen “Master of Suspense”.
LV: John Buchan: The Thirty-Nine Steps, 1915 (Die neundundreißig Stufen)
Richard Hannay wird verdächtigt einen Spion umgebracht zu haben. Die Suche nach dem Mörder führt ihn durch halb England zu einem mordlüsternem Spionagering.
Schon seit Jahren nicht mehr gezeigter Hitchcock-Klassiker. Der “Anlass” ist der 110. Geburtstag des Meisters der Suspense am 13. August. Wenn das als Anlass genommen wird, einige auch selten gezeigte Hitchcock-Filme zu zeigen, ist es mir sehr recht.
“Was mir bei The 39 Steps gefiel, waren die jähen Umschwünge und das rapide Springen von einer Situation in die nächste. (…) Sollte ich The 39 Steps noch einmal drehen, dann würde ich wieder nach diesem Rezept vorgehen. Aber das kostet wirklich eine Menge Arbeit. Man muss einen Einfall auf den anderen folgen lassen, und das unheimlich schnell.” (Alfred Hitchcock zu Peter Bogdanovich)
Mit Madeleine Carroll, Robert Donat, Lucie Mannheim, Godfrey Tearle, Peggy Ashcroft, John Laurie
O’Shea: When writing a Monk-related plot, how hard is it to come up with a story that has a unique twist and that does not cover ground already addressed in a previous episode?
Goldberg: It’s very hard. So I try to do things I know aren’t going to be possible creatively or financially for the show. But now that the show is nearly over, that’s going to be a lot easier for me…assuming the post-finale books continue to be successful.
O’Shea: What’s the biggest challenge of being a media tie-in writer?
Goldberg: Creatively, it’s capturing the characters, style and feel of the TV series, game or movie while also providing a deeper, richer experience. Professionally, it’s turning in a tight, clean manuscript on time, since the deadlines are brutal…you often have as little as four to six weeks to write the book.
Dort sagt Goldberg auch, dass es nach “Bonjour, Mr Monk” (Mr. Monk is miserable, 2008) noch mindestens vier weitere Monk-Romane geben wird.
Lee Goldberg’s books about Monk never let me down. They’re always good for a some smiles and laughs, but that’s the least of it. I’ve talked before about the themes of loyalty and friendship in books by other writers (…) and Robert B. Parker couldn’t fill up ten pages without writing about them. People take the themes seriously in other books because, well, the books are serious. Goldberg has a lighter touch, but if you don’t think those themes are treated just as seriously in his work, then you should read Mr. Monk and the Dirty Cop.
Inzwischen ist auch der erste Trailer für die, wegen der scheinbar endlosen Postproduktion, langerwartete Verfilmung von “Whiteout” (Regie: Dominic Sena, Drehbuch: Jan Hoeber, Erich Hoeber, Chad Hayes, Carey Hayes, mit Kate Beckinsale, Gabriel Macht, Tom Skerritt) online. In den USA soll der Film am 11. September starten.
Ich bin etwas enttäuscht von dem Trailer. Denn er sieht mir zu sehr nach einem Zeichentrickfilm aus.
Movies were the artform of the 20th century. The traditional concept of movies, a projected image in a dark room of viewers, feels increasingly old. I don’t know what the future of audio-visual entertainment will be, but I don’t think it will be what we used to call movies. Narrative will mutate and endure. Audio-visual entertainment is changing and narrative will change with it.
Alfred Hitchcock erklärte Suspense oft am Beispiel der Männer, die Karten spielen, während unter ihrem Tisch eine Bombe tickt. Sie wissen nichts von der Bombe. Wir wissen, wann die Bombe explodiert und hoffen, dass sie vorher mit ihrem Spiel aufhören, weggehen oder die Bombe entdecken. Alfred Hitchcock hätte Suspense auch anhand fast jeder der jetzt auf DVD erschienenen zwanzig halbstündige Folgen von „Alfred Hitchcock präsentiert“ erklären können.
Wie schon bei den beiden aufwändig gestalteten und absolut empfehlenswerten „Alfred Hitchcock zeigt“-Boxen, die jeweils zehn Folgen der ab 1962 einstündigen Krimiserie enthalten, sind in „Alfred Hitchcock präsentiert“ einige der vom Meister selbst inszenierten Folgen, einige von inzwischen bekannten Regisseuren, die damals noch am Anfang ihrer Karriere standen, einige mit heute bekannten Schauspielern (wie Steve McQueen, Walter Matthau, George Peppard und Burt Reynolds) und, insgesamt, einfach gute Krimis enthalten. Einige Folgen wurden bereits in den Sechzigern, teilweise gekürzt, im deutschen Fernsehen gezeigt. Einige wurden, wozu auch die klassische, für zwei Emmys nominierte Folge „Mordwaffe: Lammkeule“ gehört, erst 1999 im WDR als Originalfassung mit Untertiteln gezeigt und einige, wie Robert Altmans „Auf immer und ewig“ (mit Joseph Cotten), sind DVD-Premieren.
„Mordwaffe: Lammkeule“, vom Meister Alfred Hitchcock selbst nach einem Drehbuch von Roald Dahl inszeniert, ist ein grandioses Beispiel für seinen schwarzen Humor und jeder dürfte die Geschichte kennen: Die schwangere Ehefrau (grandios gespielt von Barbara Bel Geddes) erschlägt, nachdem er ihr sagt, er werde sich von ihr scheiden lassen, mit einer Lammkeule ihren untreuen Ehemann. Anschließend schiebt sie die Lammkeule in den Ofen, verschafft sich ein improvisiertes Alibi und ruft die Polizei an. Während der Detective in der Wohnung ermittelt, hoffen wir, dass sie ungestraft davon kommt. Am Ende serviert sie den ausgehungerten Polizisten das Abendessen. Sie beginnen dankbar zu essen und der Ermittler sagt, während sie genussvoll die Lammkeule verzehren: „Wahrscheinlich haben wir die Mordwaffe direkt vor der Nase.“ Gleichzeitig fährt die Kamera auf die im Nebenzimmer sitzende, lächelnde Mörderin.
Mehr klassische Suspense gibt es in den ebenfalls von Hitchcock inszenierten Folgen„Peng! Du bist tot“ und „Die Leiche im Kofferraum“. In der ersten Geschichte gelangt zufällig ein geladener Revolver in die Hände eines Jungen, der als Cowboy verkleidet durch die Vorstadt läuft und mit dem Revolver immer wieder auf Leute schießt. Die ganze Folge wird von der Frage beherrscht, wann sich ein Schuss löst.
In der zweiten Geschichte versteckt ein Mann seine tote Frau im Kofferraum. Er will ihre Leiche wegbringen. Allerdings ist sein Rücklicht defekt und ein hilfsbereiter Polizist beginnt ihn zu verfolgen.
Robert Altmans „Auf immer und ewig“ ist ein weiteres gutes Beispiel für Suspense. Am Vorabend des langen Weihnachtswochenendes bringt der reich verheiratete Playboy Tony Gould (Joseph Cotten) seine heimliche Geliebte, die ihn unbedingt heiraten will, um. Dummerweise ist er jetzt mit ihr in einem Eckzimmer in einem verlassenen Bürohaus eingesperrt. Er versucht, ohne entdeckt zu werden, aus dem Raum zu entkommen.
Suspense der etwas anderen Art gibt es in „Schweigen ist Silber“. Ein Vater versucht seinen sehr lebhaften Jungen auf einer Zugfahrt für einige Minuten zum Schweigen zu bringen. Die Gelegenheit ergibt sich, als ihnen im auf der Strecke stehen gebliebenen Zug, ein Mitreisender eine Geschichte erzählen will. Der Vater sagt dem Jungen, dass er eine wertvolle Münze nur erhalte, wenn er der Geschichte des Mitreisenden schweigend zuhöre. Während dieser spricht, sieht der Junge, wie jemand von außen an die vereiste Fensterscheibe klopft. Der Junge ist hin und hergerissen, zwischen schweigen oder den anderen von dem draußen Erfrierenden zu erzählen. Dieser Konflikt ist so spannend, dass man der Geschichte des Mitreisenden überhaupt nicht mehr zuhört.
Schwarzhumoriges gibt es nicht nur in den Präsentationen von Alfred Hitchcock. Auch einige Episoden sind schwarzhumorige Kabinettstücke. Da wäre der ultrageizige Gatte in „Wer soll das bezahlen?“. Einerseits möchte er seine plötzlich allzu spendable Frau umbringen. Andererseits sollte das möglichst billig vonstatten gehen.
Oder in „Ein Fressen für die Hühner“. In der von Hitchcock inszenierten Geschichte erzählt Laurence Harvey (Botschafter der Angst) als Chef einer riesigen, modernen Hühnerfarm seelenruhig von dem perfekten Mord.
Besonders „Das gute Geschirr“ ist, wie öfters in „Alfred Hitchcock präsentiert“ und in „Alfred Hitchcock zeigt“, eine (schwarzhumorige) Sternstunde für ältere Schauspielerinnen. In dieser Episode spielen Estelle Winwood (geb. 1883), Elizabeth Patterson (geb. 1875), Ellen Corby (geb. 1911, sie war später die Grandma bei den „Waltons“) und Ida Moore (geb. 1882) noch einmal groß auf. Die Damen verlieben sich in den gegenüber eingezogenen, gut aussehenden Inspektor. Da trifft es sich gut, dass gerade eine von ihnen verschieden ist. Kurz darauf stirbt eine weitere von ihnen und der nette Polizist muss wieder zu ihnen kommen.
Auch „Wohl dem, der lügt“ ist vor allem eine halbe Stunde für Herbert Marshall (geb. 1890), der als alter Schauspieler während eines Abends verzweifelt versucht eine Rolle in einem Theaterstück zu ergattern.
Die Ray-Bradbury-Verfilmung „Eine Marionetten-Bescherung“ ist eigentlich eine Science-Fiction-Geschichte. In ihr ersetzt ein Mann sich durch einen Roboter, der seine Frau abends unterhält, während er in die Kneipe geht. Aber der Roboter entwickelt einen eigenen Willen.
Auch Fredric Browns „Geschichten, die das Leben schreibt“ mit dem jungen Steve McQueen als Zeitungsreporter spielt mit der Wirklichkeit. Denn er soll sich mit einem Mann unterhalten, der behauptet, ein Marsmensch zu sein.
Es gibt sogar einer einen fast klassischen Whodunit in „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“. In „Das Geständnis“, einer weiteren von Hitchcock inszenierten Episode, will ein Inspektor bei einem Abendessen den Mörder überführen, indem er den Geist der Toten wiederauferstehen lässt.
Für Albert Pelham ist in der ebenfalls von Alfred Hitchcock inszenierten Episode „Der Doppelgänger“ dagegen sein Leben der nackte Horror. Denn er glaubt, dass ein Anderer ihm sein Leben stehlen will, indem er sich als Albert Pelham ausgibt. Aber niemand scheint Pelham glauben zu wollen, dass es erstens den Doppelgänger gibt und zweitens er der echte Mr. Pelham ist. Das gewohnt überraschende Ende zeigt dann eine ungeahnte Dimension des Horrors.
Gerne erzählen die Macher von „Alfred Hitchcock präsentiert“ Geschichten aus der Sicht des Täters oder des Opfers; – wobei am Ende oft der Täter das Opfer ist, und umgekehrt. Das gilt für „Vorteil Rückschläger“. In dieser von Arthur Hiller inszenierten Episode soll ein in einem Wettbüro Angestellter herausfinden, warum einer ihrer guten Kunden seit drei Monaten nicht mehr wettete. Er trifft dessen schöne Frau, die ihm sagt, ihr Mann sei vor sechs Monaten gestorben. Er will das Rätsel lösen.
In der von Henry Slesar geschriebenen Folge „Perlen, Perlen“ versucht ein Schmuckhändler an eine zweite Perle, die er teuer verkaufen will, zu gelangen. Aber wer betrügt hier wen? Der distinguierte Händler den Kunden, einen stinkreichen, in eine junge Frau verliebten Gockel? Der Verkäufer, ein heruntergekommener, trinkfreudiger Seefahrer, den Händler? Oder die junge Frau die Männer?
Ebenfalls von Henry Slesar ist die geradlinige Gangstergeschichte „Davie hat keine Nerven“ mit Walter Matthau als Profigangster. Nach einem Überfall muss er mit seinem jungen, nervösem Komplizen untertauchen. Als sie erfahren, dass es eine von der Polizei bewachte Zeugin gibt, will der Ältere herausfinden, was sie genau gesehen hat. Als falscher Polizist, in einer schmucken Uniform, geht er zu ihr.
In „Scheidung auf amerikanisch“, dem Regiedebüt von Gordon Hessler, bereitet ein von seiner herrischen Frau gequälter Mann (Martin Balsam) alles für einen baldigen Todesfall vor. Wie so oft gehören auch hier die Sympathien dem Täter.
„Galgenfrist“ ist dagegen eine handfeste Abenteuergeschichte. In Mexiko versucht ein Bauleiter, trotz unrealistischem Zeitplan, fristgerecht einen Tunnel durch einen Berg zu graben. Mit einem neuen Assistenten könnte das Unternehmen gelingen. Aber der Bauleiter glaubt, dass der ein flüchtiger Mörder ist und alles tun wird, um nicht der Justiz ausgeliefert zu werden.
Flüchtige Verbrecher spielen auch in „Flucht nach Sonoita“ eine Rolle. Die von Stuart Rosenberg inszenierte Folge hat mit Burt Reynolds und Harry Dean Stanton gleich zwei bekannte Namen. Zwei Verbrecher klauen in der Wüste, nach einem Unfall, einen Tanklaster und lassen den alten Fahrer, der die Gegend wie seine Westentasche kennt, seinen Beifahrer und ihre Geisel ohne Wasser zurück. Aber der Fahrer hat noch ein Ass im Ärmel.
Etwas weiter südlich, in Mexiko, hat ein junges amerikanisches Ehepaar in „Eine wertvolle Leiche“ mit ihrer plötzlich verstorbenen Schwiegermutter Probleme. Denn die Engländerin ist illegal mit ihnen nach Mexiko eingereist und das unauffällige zurückbringen der Leiche ist schwieriger als gedacht. George Peppard spielt den netten Schwiegersohn. Peter Lorre den schmierigen, aber dafür gegen Geld umso hilfsbereiteren Privatdetektiv, der, wie alle, mit der Toten seinen Schnitt machen will.
Für ungefähr fünfzig Jahre alte Fernsehsendungen sind das Bild und der Ton, auch verglichen mit den etwa zeitgleich entstandenen deutschen Francis-Durbridge-Verfilmungen, erstaunlich gut. Die Trailer zu vier Hitchcock-Filmen dürften in der Originalfassung bereits bekannt sein. Die deutsche Synchronisation ist dagegen unbekannter und daher sind sie eine nette Beigabe. Sehr lobenswert ist, wie bereits bei „Alfred Hitchcock zeigt“, das informative Booklet.
Und in den zwanzig halbstündigen Episoden werden auch für heutige Sehgewohnheiten noch sehr spannende und effizient erzählte Geschichten mit überraschenden Schlusspointen präsentiert.
In den Sechzigern gehörte die „Alfred Hitchcock Hour“ nach „Alfred Hitchcock presents“ zu den langlebigen und beliebten Programmen des US-amerikanischen Fernsehens. Hitchcock selbst gab seinen Namen und sprach die Zwischentexte. Seine Popularität erreichte ungeahnte Ausmaße. In Deutschland zeigte das Erste nur zwölf von dreiundneunzig Folgen, die jetzt, zusammen mit dem ersten Teil der DVD-Kollektion „Alfred Hitchcock zeigt“, alle auf DVD veröffentlicht sind. Außerdem sind im zweiten Teil der DVD-Ausgabe von „Alfred Hitchcock zeigt“ wieder mehrere bis heute in Deutschland noch nie gezeigte, verdammt gute Episoden enthalten. Ergänzt werden die zehn, jeweils knapp einstündigen Episoden, wie schon im ersten Teil von „Alfred Hitchcock zeigt“, durch die deutschen Originalvorspänne und ein 48-seitiges informatives Booklet, das allerdings erst nach dem Genuss der Filme gelesen werden sollte, weil manchmal die Schlusspointe verraten wird. Und diese ist fast immer sehr gelungen.
Manchmal, wie in „Murder Case“ (Alte Liebe rostet nicht), ist sie heute nicht mehr so überraschend. Gena Rowlands und John Cassavetes spielen ein Liebespaar. Cassavetes will den Ehemann von Rowlands umbringen. Dass sein perfekter Mordplan schief geht, ist keine Überraschung. Das wie schon – wenn Sie lange keinen Krimi mehr gesehen haben. Aber dafür entschädigen natürlich die Schauspieler und die ökonomisch erzählte Geschichte. Immerhin stammt das Drehbuch von James Bridges, einem Stammautor der „Alfred Hitchcock Hour“, und dem damals jungen Team William Link/Richard Levinson, die vor allem als Erfinder von „Columbo“, „Mannix“ und „Murder, She Wrote“ (Immer wenn Sie Krimi schrieb…, Mord ist ihr Hobby) bekannt sind.
„Night Caller“ (Der letzte Anruf), „Ten Minutes from now“, „Body in the Barn“ (Wer andern eine Grube gräbt), „An unlocked Window“, „The Trap“ (Die Falle), „Power of Attorney“ (Generalvollmacht) und „Off Season“ sind spannende Kriminalfilme. „The Sign of Satan“ und „The Life Work of Juan Diaz“ gehen dagegen in Richtung Horrorfilm. Und „Sign of Satan“ ist mit Christopher Lee, bei seinem ersten Hollywood-Ausflug, auch grandios besetzt. Er spielt den österreichischen Schauspieler Karl Jorda, der in einem nur in elitären Kreisen gezeigtem Horrorfilm als Führer eines satanischen Kultes einen Hollywood-Produzenten überzeugte, der ihn für eine ähnliche Rolle engagiert. Jorda nimmt an. Aber am Filmset verhält er sich seltsam. Außerdem behauptet er, dass er von den Satansjüngern verfolgt werde. Die Originalfassung ist für uns Deutsche wegen der vielen deutschsprachigen Dialogpassagen ein Genuss.
„The Life Work of Juan Diaz“ ist eine längliche Episode um den Mexikaner Juan Diaz, der für seine Familie sorgen möchte, sich ein Grab auf dem Friedhof kauft und nach seinem Tod von dem Totengräber um seine Ruhestätte betrogen wird. Seine Frau und sein Sohn wollen sich das nicht gefallen lassen. Außer zwei spannenden Szenen in einer unterirdischen Halle auf dem Friedhof, in der die mumifizierten Leichen an den Wänden aufgebahrt sind, und einen als trunksüchtigen Totengräber lustvoll aufspielenden Frank Silvera, hat diese Folge wenig zu bieten.
Krimifans werden deshalb zu Recht diese beiden Episoden, trotz der bekannten Ideengeber, ignorieren und sich auf die restlichen Episoden freuen. „Night Caller“ (Der letzte Anruf) erzählt von dem jungen Roy Bullock, der einer schönen, mannstollen Ehefrau nachstellt. Sie erwischt ihn zuerst, als er sie heimlich im Garten beobachtet. Als sie später von anonymen Anrufen verängstigt wird und Bullock sich immer mehr in das Leben ihrer Familie einschleicht, wird eine tödliche Dynamik in Gang gesetzt. Denn Bullock ist viel zu höflich und verständnisvoll, um keine Hintergedanken zu haben.
Bruce Dern liefert mit diesem Peeping-Tom-Charakter (so wird er im Film immer wieder genannt, heute würde man ihn Stalker nennen) eine frühe Glanzleistung seines Könnens ab.
In „Ten Minutes from Now“ treibt der Künstler James Bellington (Donnelly Rhodes [unter anderem die neue „Kampfstern Galactica“-Serie]) eine Kleinstadt in den Wahnsinn. Denn nachdem ein Unbekannter mehrere Anschläge auf ein Museum androhte, spaziert er mit einem Karton in das Museum. Selbstverständlich glaubt die Polizei, dass Bellington der Unbekannte ist und in dem Karton eine Bombe ist. Und ebenso selbstverständlich ist keine drin. Aber jetzt ist Bellington für die Polizei der Hauptverdächtige und ein Psychiater analysiert während eines Besuchs in Bellingtons Atelier, dass der Maler äußert gefährlich ist und demnächst wahrscheinlich jemand umbringen werde. Kurz darauf spaziert Bellington wieder in das Museum.
„Body in the Barn“ (Wer andern eine Grube gräbt) ist auf den ersten Blick eine auf dem Land spielende „Fenster zum Hof“-Variante. Die alte Bessie Canby ist eine Mischung aus charmanter, neugieriger alter Dame und Giftzwerg. Als der gutmütige Ehemann ihrer herrsüchtigen Nachbarin spurlos verschwindet, hat Bessie Canby nur noch ein Ziel: die Nachbarin für den Mord hinter Gitter zu bringen.
Auf den zweiten Blick ist „Body in the Barn“ (Wer anderen eine Grube gräbt) eine Sternstunde für die Hauptdarstellerin Lilian Gish. Sie begann ihre Filmkarriere in Stummfilmen, spielte in den D.-W.-Griffith-Klassikern „Geburt einer Nation“ und „Intolerance“ und den Tonfilmen „Duell in der Sonne“, „Die Nacht des Jägers“, „Die Stunde der Komödianten“, „Eine Hochzeit“ und „Wale im August“, ihrem letzten Film 1987, mit und starb 1993 fast hundertjährig. Inszeniert wurde die Folge von Joseph Newman, der auch den S-F-Klassiker „Metaluna IV antwortet nicht“ drehte.
Newman inszenierte auch den Schocker „An unlocked Window“. In ihm sind während einer Gewitternacht zwei Krankenschwestern, eine trunksüchtige Haushälterin und ein krank an sein Bett gefesselter Hausherr in einem abgelegenen Haus eingeschlossen. Draußen geht ein Serienkiller um, der Krankenschwestern umbringt. Dana Wynter (Die Invasion der Körperfresser/Die Dämonischen, Airport) und Louise Latham (Marnie, Sugarland Express) sind die bekannten Damen in Lebensgefahr und das einsam auf einem Hügel stehende Haus kennen Filmfans aus „Psycho“.
„The Trap“ (Die Falle) erzählt, wie schon „Murder Case“, die altbekannte Geschichte von einem älteren Mann (Robert Strauss), seiner jungen Frau (Anne Francis) und dem jungen Nebenbuhler (Donnelly Rhodes). Denn irgendwann verlieben sich die beiden jüngeren ineinander und der Alte soll sterben. Dass dabei die Witwe auch das Vermögen erbt, erhöht nur die kriminelle Energie.
Hier trifft der Titel in mehr als einer Beziehung zu und Robert Strauss als kindisch aufgedrehter Spielehersteller mit einem Sinn für derb-platten Humor überzeugt restlos.
„Power of Attorney“ (Generalvollmacht) bietet wieder einmal einer älteren Schauspielerin die Gelegenheit zu einem großen Auftritt. Fay Bainter spielt eine ältere, vermögende, vertrauensselige Dame, auf die es ein Trickbetrüger abgesehen hat. Richard Johnson (Bis das Blut gefriert, Scoop – Der Knüller) spielt ihn mit dem öligen Charme eines Gebrauchtwagenverkäufers. Und Geraldine Fitzgerald (Die Wacht am Rhein) spielt die skeptische Hausdame, die irgendwann auch von dem Charme des Betrügers eingewickelt wird.
Fay Bainter war, eine Seltenheit in der Oscar-Geschichte, 1938 als beste Hauptdarstellerin und beste Nebendarstellerin für einen Oscar nominiert und erhielt ihn in der zweiten Kategorie für ihre Rolle in „Jezebel – die boshafte Lady“. Einen späten Erfolg hatte sie mit „Infam“. „Power of Attorney“ war ihre letzte Filmrolle.
„Off Season“ ist, nach einigen Dokumentationen, der erste fiktionale Film von WilliamFriedkin. Einige Jahre später inszenierte er „French Connection – Brennpunkt Brooklyn“, „Der Exorzist“, „Atemlos vor Angst“, „Leben und sterben in L. A.“ und „Die Stunde des Jägers“.
In „Off Season“ erzählt er die Geschichte des hitzköpfigen Polizisten Johnny Kendall (John Gavin [Psycho, Spartacus]). Er erschießt nachts einen Obdachlosen und, um einer Entlassung zuvorzukommen, kündigt er den Dienst. Zusammen mit seiner Freundin zieht er in eine Kleinstadt. Kurz darauf arbeitet er wieder als Polizist und als Milt Woodman (Richard Jaeckel [Zähl bis drei und bete, Flammender Stern, Das dreckige Dutzend, Pat Garrett jagt Billy the Kid, Revolte in der Unterwelt, Unter Wasser stirbt man nicht, und die TV-Serien „Spenser“ und „Baywatch – Die Rettungsschwimmer von Malibu“]) mit seiner Freundin flirtet, brennen bei dem eifersüchtigem Kendall die Sicherungen durch.
„Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2“ knüpft nahtlos mit zehn weiteren auch heute noch sehr ansehbaren Episoden an den ersten Teil an. Die meisten Geschichten können, abgesehen von einigen technischen Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte, locker neben neuen Kriminalfilmen bestehen. Und technisch gibt es, für im Schnitt 45 Jahre alte TV-Folgen, nichts zu meckern.
Norman Bates meldet sich bei einem Radiosender und erzählt der Moderatorin von seinem Leben.
Die Fortsetzungen von „Psycho“, die sich teilweise in der Chronologie widersprechen, stehen alle im Schatten von Alfred Hitchcocks Meisterwerk. Dabei sind sie gar nicht so schlecht. „Psycho IV“ zum Beispiel erzählt, durchaus spannend, die Vorgeschichte von „Psycho“ (als würden wir das wirklich wissen wollen).
Joseph Stefano, der auch das Drehbuch für „Psycho“ schrieb, schrieb das Drehbuch. Anthony Perkins spielt zum vierten und letzten Mal Norman Bates. Henry Thomas schlägt sich als junger Norman Bates wacker und Olivia Hussey ist eine ziemlich unangenehme Mutter.
mit Anthony Perkins, Henry Thomas, Olivia Hussey, CCH Pounder, Warren Frost, John Landis
Weihnachten: in allerletzter Sekunde kann ein Mann, der ein Holzkästchen bei sich hat, irgendwo im Nirgendwo einen Zug besteigen. Kurz darauf ist er tot. Seine Mitreisenden erblicken in dem Kästchen Juwelen – und die Gier nach ihnen bestimmt fortan das Handeln der Reisenden.
„Night Train“ ist einer der kleinen Filme, die auf einem begrenzten Raum und mit wenigen Schauspielern eine ordentliche Portion an Thrill herausholen. Früher wäre „Night Train“ als eine Folge der „Twilight Zone“ oder von „Alfred Hitchcock präsentiert“ durchgegangen.
mit Danny Glover, Steve Zahn, Leelee Sobieski, Matthias Schweighöfer, Takatsuna Mukai, Togo Igawa, Richard O’Brien, Jo Marr, Constantine Gregory, Geoff Bell
Bilder aus „Stoker“, den neuen Film von Park Chan-Wook, dem Regisseur von „Joint Security Area“, „Sympathy for Mr. Vengeance“, „Oldboy“, „Lady Vengeance“, „I’m a Cyborg, but that’s okay“ und „Durst“, und auch die Horrorbilder des Jahres. Denn es dürfte schwer sein, das Unwohlsein, das diesen alltäglichen Bildern, dank der Inszenierung, dem Sound, der Musik, dem Spiel der Schauspieler, innewohnt, zu toppen. Jedenfalls nicht mit Blutfontänen, Monstern und übernatürlichen Erscheinungen, die Myriaden von Programmierern beschäftigten. In „Stoker“ taucht nur ein lange verschollener Onkel bei der Beerdigung von Richard Stoker auf. Onkel Charlie war die letzten Jahre auf Weltreise und konnte daher nie zu den Familienfesten kommen. Aber jetzt möchte er sich um die Familie kümmern. Immerhin sei Familie ja das wichtigste. Evelyn Stoker, eine langsam verblühende Südstaatenschönheit, ist fasziniert von dem neuen Hausherrn. Sie verliebt sich auch in ihn.
Die sehr schweigsame und introvertierte achtzehnjährige India Stoker, die immer eine sehr intime Beziehung zu ihrem plötzlich verstorbenem Vater hatte, lehnt dagegen Onkel Charlie als Störenfried ab. Sie will trauern und ihre Mutter soll gefälligst auch trauern. Aber dann geschehen Dinge, die zu einer intimen Beziehung zwischen India und Onkel Charlie führen.
„Stoker“, nach einem Drehbuch von „Prison Break“-Star Wentworth Miller, ist ein sehr intelligentes Update von Alfred Hitchcocks „Im Schatten des Zweifels“ (in dem Klassiker besuchte Onkel Charlie, gespielt von Joseph Cotten, in einer Provinzstadt die liebe Verwandtschaft und seine Nichte Charlie glaubt bald, dass ihr meist abwesender Lieblingsonkel ein gesuchter Frauenmörder ist), mit einer gehörigen Portion „Psycho“. So erinnert der von Matthew Goode gespielte Onkel Charlie durchaus an Norman Bates. Nicht nur optisch. Aber die große Entdeckung, jedenfalls für alle, die „Alice im Wunderland“, „Janet Eyre“ und „Lawless“ verpassten, ist Mia Wasikowska, die fast nichts sagt und dabei doch alles sagt, was wir über die überaus komplexe India, die gerade erwachsen wird und entsprechend unsicher über ihr wahres Wesen ist, wissen müssen.
Das beste Drehbuch und gute Schauspieler nützen allerdings nichts, wenn die Regie es versaubeutelt. Aber Park Chan-Wook inszenierte in seinem US-Debüt, wieder mit seinem aus „Oldboy“, „Lady Vengeance“, „I’m a Cyborg, but that’s okay“ und „Durst“ vertrauten Kameramann Chung-Hoon Chung, jedes Bild wie ein Gemälde, der Sound und die Musik von Clint Mansell tragen zur unheimlichen Atmosphäre bei, und die Schauspieler spielen, als ob sie in einem (Alp)Traum gefangen seien, immer einen kleinen Tick neben der Normalität. Gerade genug, um ein ständiges „Da stimmt irgendetwas nicht“-Gefühl heraufzubeschwören.
„Stoker“ hätte in anderen Händen leicht zu einem 08/15-Thriller werden können, aber hier entstand ein Kunstwerk.
Stoker (Stoker, USA 2012)
Regie: Park Chan-Wook
Drehbuch: Wentworth Miller
mit Mia Wasikowska, Matthew Goode, Dermot Mulroney, Jacki Weaver, Nicole Kidman, Phyllis Sommerville
Perfect Blue (Japan 1997, R.: Satoshi Kon, Hideki Hamazu)
Drehbuch: Sadanuki Murai
LV: Yoshikazu Takenchi
Der Trickfilm lief 1998 auf der Berlinale und 2000 sogar in unseren Kinos, aber die TV-Premiere ist anscheinend erst heute Abend. Seltsame Welt.
Seltsam ist auch die Welt von Mima, einer Popsängerin, die als Schauspielerin eine neue Karriere beginnen will und sie wirklich in Schwierigkeiten gerät: die Fans tolerieren ihren Rollenwandel nicht, ein Stalker mordet ihr nahestehende Menschen und sie kann immer weniger zwischen Schein und Sein trennen.
„höchst komplexer, kulturkritischer Psychothriller mit ständig wechselnden Wahrnehmungsperspektiven und raffiniert durcheinander montierten Handlungsebenen.“ (Ralph Umard, tip 14/2000)
„Ein außerordentlicher Zeichentrickfilm für Erwachsene, der ganz neue Wege für dieses oft so unterschätze Genre aufzeigt.“ (Martin Schwarz, Zitty 14/2000)
Und Roger Corman soll über „Perfect Blue“ gesagt haben: „Wenn Walt Disney mit Alfred Hitchcock zusammengearbeitet hätte, wäre dieser Film dabei herausgekommen.“
Sean Chercover – THE TRINITY GAME (Thomas & Mercer)
Brian Freeman – SPILLED BLOOD (SilverOak)
Lisa Gardner – CATCH ME (Dutton Books)
Gregg Hurwitz – THE SURVIVOR (St. Martin’s Press)
William Landay – DEFENDING JACOB (Delacorte Press)
BEST FIRST NOVEL
Daniel Friedman – DON’T EVER GET OLD (Minotaur Books)
Owen Laukkanen – THE PROFESSIONALS (Putnam Adult)
Chris Pavone – THE EXPATS (Crown)
Matthew Quirk – THE 500 (Reagan Arthur Books)
Michael Sears – BLACK FRIDAYS (Putnam Adult)
BEST PAPERBACK ORIGINAL NOVEL
Blake Crouch – PINES (Thomas & Mercer)
Sean Doolittle – LAKE COUNTRY (Bantam)
Alison Gaylin – AND SHE WAS (Harper)
Alex Marwood – THE WICKED GIRLS (Penguin Books)
Michael W. Sherer – NIGHT BLIND (Thomas & Mercer)
BEST SHORT STORY
David Edgerley Gates – “The Devil to Pay” (Alfred Hitchcock’s Mystery Magazine)
Clark Howard – “The Street Ends at the Cemetery” (Ellery Queen’s Mystery Magazine)
Dennis Lehane – “The Consumers” (Mulholland Books)
Gordon McEachern – “The History Lesson” (Ellery Queen’s Mystery Magazine)
John Rector – “Lost Things” (Thomas & Mercer)
BEST YOUNG ADULT NOVEL
Michelle Gagnon – DON’T TURN AROUND (HarperCollins)
Andrew Klavan – IF WE SURVIVE (Thomas Nelson)
Dan Krokos – FALSE MEMORY (Hyperion Books CH)
Niall Leonard – CRUSHER (Delacorte Books for Young Readers)
William Richter – DARK EYES (Razorbill)
BEST E-BOOK ORIGINAL NOVEL
Jon Land – PANDORA’S TEMPLE (Open Road E-riginal)
CJ Lyons – BLIND FAITH (CJ Lyons)
Alexandra Sokoloff – HUNTRESS MOON (Alexandra Sokoloff)
Allen Wyler – DEAD END DEAL (Astor + Blue Editions)
Allen Wyler – DEAD WRONG (Astor + Blue Editions)
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Die Preisverleihung ist am 13. Juli 2013 im Grand Hyatt Hotel in New York während des Thriller Fest.
Vertigo – Aus dem Reich der Toten (USA 1958, R.: Alfred Hitchcock)
Drehbuch: Alex Coppel, Samuel Taylor
LV: Pierre Boileau/Thomas Narcejac: D´entre les morts, 1954 (Aus dem Reich der Toten, Vertigo)
Scottie verfolgt im Auftrag eines Freundes dessen von einer Toten besessene, selbstmordgefährdete Frau Madelaine. Nach ihrem Tod trifft Scottie auf Judy. Er will sie zu Madelaines Ebenbild formen.
Beim Filmstart erhielt “Vertigo” gemischte Kritiken. Heute wird der Rang von “Vertigo” als eines von Hitchcocks Meisterwerken von niemandem mehr ernsthaft bestritten.
Mit James Stewart, Kim Novak, Barbara Bel Geddes, Henry Jones, Tom Helmore, Raymond Bailey
Wiederholung: Dienstag, 2. April, 03.00 Uhr (Taggenau!)
Die Silhouette von Alfred Hitchcock kennt heute, über dreißig Jahre nach seinem Tod, auch dank der „drei ???“, wohl noch jedes Kind. Und dabei war Hitchcock kein Schauspieler, kein Sänger, sondern ein Regisseur. Seine Thriller, wie „Psycho“, laufen immer noch regelmäßig im Fernsehen. Es dürfte sogar sein bekanntester und erfolgreichster Film sein. Hauptdarsteller Anthony Perkins übernahm danach – Fluch und Segen zugleich – die Rolle des Mörders Norman Bates noch drei weitere Male. Denn egal wen er in den sechziger und siebziger Jahren auch spielte, er blieb immer Norman Bates. Etliche Bücher befassten sich mit den Dreharbeiten und dem Film in all seinen Schattierungen.
Daher macht es durchaus Sinn, bei einem Biopic über Alfred Hitchcock die Entstehungsgeschichte für diesen Film als Filmgeschichte zu nehmen. Jedenfalls wenn man einen Blick auf die möglichen Einspielergebnisse wirft. Immerhin kennt jeder „Psycho“ und auch ohne den Film gesehen zu haben, sind der Duschmord, Mutter, Norman und der Bruch mit den gängigen Erzählregeln (In welchem anderen Film stirbt die Hauptdarstellerin nach 45 Minuten?) bekannt. Aber im Gegensatz zu den anderen Biopics, die in den letzten Monaten im Kino starteten, wie „Hannah Arendt“ und „Lincoln“, und die sich ebenfalls auf ein wichtiges Ereignis im Leben ihres Protagonisten konzentrierten, nehmen es die Macher von „Hitchcock“ mit der historischen Wahrheit nicht so genau. Anstatt ein auch nur halbwegs akkurates Bild von der Entstehungsgeschichte des Films zu geben, mischen sie munter die Entstehungsgeschichte von „Psycho“ mit mehr oder weniger erfundenen Anekdoten, Elementen und Bruchstücken aus Hitchcocks Leben, unter galanter Verleugnung der Realität zu einer Fantasie über Alfred Hitchcock, garniert mit einem Hitchcock-Best-of. Denn damals, Ende der fünfziger Jahre, nach einer Reihe erfolgreicher Filme, der ebenso erfolgreichen TV-Serie „Alfred Hitchcock präsentiert“, seit 1955, und, seit 1956, des in den USA immer noch erscheinenden „Alfred Hitchcock’s Mystery Magazine“, war Hitchcock, der gerade die Einnahmen für „Der unsichtbare Dritte“ (North by Northwest) zählte, scheinbar auf dem Höhepunkt seines Ruhms angelangt.
Er sah, dass einige Schwarzweiß-Filme und einige billig produzierte Horrorfilme an der Kinokasse erfolgreich waren und das war seine Idee für seinen nächsten Film: mit einem billigen Film Geld verdienen. Dabei war „Psycho“ von Anfang an so niedrig budgetiert mit wenigen Schauplätzen, wenigen Drehtagen und der TV-Crew, die an ein schnelles Arbeiten gewohnt war, dass es vollkommen absurd wirkt, wenn in dem Film behauptet wird, dass Alfred Hitchcock sich für den Film verschulden musste. Auch die im Film behauptete große Schaffenskrise des Master of Suspense wirkt einfach weit hergeholt. Zehn Jahre später, nach den Flops „Marnie“, „Der zerrissene Vorhang“ (Torn Curtain) und „Topas“ und vor der gloriosen Rückkehr mit „Frenzy“ (gleichzeitig eine Rückkehr nach London) oder zwanzig Jahre früher, als er sich bei den Dreharbeiten für seinen ersten Hollywood-Film „Rebecca“ ordentlich mit dem Produzenten David O. Selznick zoffte, wären künstlerische Selbstzweifel angebrachter gewesen. Aber „Rebecca“ und „Frenzy“ sind halt nicht so bekannt wie „Psycho“.
Und dass Hitchcocks Frau Alma Reville eine größere Rolle bekommt, dass gezeigt wird, dass hinter dem Genie eine starke und überaus kluge Frau stand, auf deren Meinung er sich blind verließ, war zwar den Hitchcockianern bekannt, aber sicher nicht der breiten Öffentlichkeit. Allerdings wirkt die breit angelegte Ehekrise und ihr Quasi-Seitensprung mit dem Drehbuchautor Whitfield Cook doch weit hergeholt und nur den Regeln des dramatischen Erzählens geschuldet.
Das führt dazu, dass „Hitchcock“ ein gut gespieltes Künstlerbiopic ist, mit pointierten Dialogen, die oft auch sehr Hitchcockian sind und die sich ihren Spaß mit den Charakteren erlauben. So ist Alfred Hitchcock (gespielt von Anthony Hopkins, der Anthony Hopkins spielt, der Alfred Hitchcock spielt) hier ein wahrer Peeping Tom, der sich in seinen Träumen mit Ed Gein, dem realen Vorbild von Norman Bates, unterhält, zu viel isst und trinkt (gerne auch mit nächtlichen Fressattacken am heimischen Kühlschrank) und ein wahrer Snob ist, der von seiner Frau (Helen Mirren gewohnt gut) immer wieder, ebenso britisch, geerdet wird.
Vielleicht hätte „Hitchcock“ Alfred Hitchcock wirklich gefallen als eine weitere Maskerade und Selbstinszenierung, die gut unterhält und mit der Wirklichkeit eher wenig bis nichts zu tun hat. Und genau diese klaffende Lücke zwischen quasi-dokumentarischem Anspruch des Films und den nicht dazu passenden Fakten, störte mich schon beim Ansehen des Films. Und das war, bevor ich Stephen Rebellos grandioses Buch „Hitchcock und die Geschickte von ‘Psycho’“, das Gervasis Film inspirierte, in den Fingern hatte.
mit Anthony Hopkins, Helen Mirren, Scarlett Johansson, Danny Huston, Toni Collette, Michael Stuhlbarg, Michael Wincott, Jessica Biel, James D’Arcy, Kurtwood Smith, Ralph Macchio, Tara Summers
Länge: 98 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Die Vorlage
Stephen Rebello: Hitchcock und die Geschichte von „Psycho“
(mit einem neuen Vorwort von Stephen Rebello)
(übersetzt von Lisa Kögeböhn, Bernhatt Matt und Uli Meyer)
Die Geschichte kennen wir aus den Medien: Am 2. März 1998 wird die zehnjährige Natascha Kampusch in Wien auf offener Straße entführt. Am 23. August 2006 gelingt ihr nach 3096 Tagen die Flucht. Ihr Entführer, Wolfgang Priklopil, bringt sich kurz darauf um.
Bernd Eichinger sah in Natascha Kampuschs Schicksal die Geschichte für einen Film und er sicherte sich bei ihr die Rechte für eine Verfilmung. Vor seinem plötzlichen Tod schrieb er ein noch nicht einmal fünfzigseitiges Drehbuchfragment, das von Ruth Toma (Gloomy Sunday; Same Same But Different), ergänzt um Interviews, die teilweise schon Eichinger mit Kampusch geführt hatte, Kampuschs Autobiographie, die Erinnerungen ihrer Mutter und Polizeiberichte, vollendet wurde. Sherry Hormann (Wüstenblume) übernahm die Regie. Ihr Mann Michael Ballhaus die Kamera und auch die Besetzung ist nicht schlecht. Vor allem, weil wir doch eher unverbrauchte Gesichter sehen. Die junge Natascha wird von der Debütantin Amelia Pidgeon, die der echten erstaunlich ähnlich sieht, gespielt. Die Ältere von Antonia Campbell-Hughes (Breakfast on Pluto). Ihr Entführer Wolfgang Priklopil von Thure Lindhardt (Pelle, der Eroberer; Was nützt die Liebe in Gedanken; Illuminati). Ihre Mutter Brigitta Sirny von Trine Dyrholm (Das Fest; In einer besseren Welt; Love is all you need).
Diese sehr internationale Besetzung ist dann das kleinere Problem des deshalb auf englisch gedrehten deutschen Films, der für die deutsche Fassung synchronisiert wurde. Gerade am Anfang, wenn Mutter und Tochter sich streiten, hört es sich wie von einer schlechten Soap-Opera geklaut an. Auch später bleibt der Ton etwas leblos.
Der Grund für die englische Produktion war, so Regisseurin Sherry Hormann im Pressehaft, dass viele deutschsprachige Schauspieler, auch ohne eine Lektüre des Drehbuchs, absagten.
Das größere Problem des Films ist das absolut mutlose Drehbuch und die ebenso mutlose Regie, die sich darin gefallen, einfach brav beobachtend nachzuerzählen, wie Natascha Kampusch im Kellerverlies lebt, sich arrangiert, Freiheiten erkämpft, wie Wolfgang Priklopil sich um sie kümmert, sie anherrscht („Gehorche! Gehorche! Gehorche!…“) und auch quält, vor allem durch Essensentzug. In wenigen Bildern sehen wir dann noch Kampuschs Mutter traurig in ihrer Mietwohnung sitzen.
Für zwei Stunden ist das allerdings zu wenig. Denn es wird keine eigenständige Interpretation der Entführung und des Verhältnisses zwischen Opfer und Täter angeboten. Aber gerade das hätte der Film, der sich vollkommen auf Kampusch und Priklopil konzentriert, leisten müssen. Er hätte eine Erklärung für die Entführung anbieten müssen. Einerlei, ob es ein Fluchtverhalten von einer unterdrückerisch-übervorsorglichen Mutter oder eine verkorkste Kindheit oder unterdrückte Homosexualität oder was auch immer ist. Mit einer solchen Erklärung hätten die Filmemacher das Material dramaturgisch und nicht nur chronologisch strukturieren können. Der Täter hätte ein Motiv für seine Tat gehabt. Ob gut, ob schlecht ist egal. Es hätte dann jedenfalls, wie bei Norman Bates in Alfred Hitchcocks ebenfalls auf einem wahren Fall basierendem „Psycho“, einen Grund für seine Tat gegeben, über den man diskutieren könnte.
Aber weil es keine Erklärung für seine Tat gibt, bleibt auch die Beziehung zu seinem Opfer vollkommen spannungsfrei. Über zwei Stunden sehen wir eine Nicht-Beziehung. Denn gerade eine bei dieser Geschichte auf der Hand liegende tiefere Analyse von Machtverhältnissen, von Macht, Unterdrückung und Gegenwehr, und von dem Wunsch nach einer Flucht aus einer Gefangenschaft fehlt.
Natascha Kampuschs Schicksal hätte auch als Spiegel für die österreichische Mentalität stehen können. Immerhin leiden ja österreichische Dichtern besonders wortgewaltig an ihrem Land.
Das alles wären potentiell interessante Themen gewesen, an denen in einem Zwei-Personen-Stück verschiedene Positionen hätten deutlich werden können. Aber „3096 Tage“ vermeidet jedes Thema, jeden Konflikt, und bleibt so an der Oberfläche. Er erzählt nur das, was wir schon kennen.
„3096 Tage“ ist so mutlos bieder geraten, dass der Eindruck entsteht, bei den Filmemachern habe die Angst vor etwaigen Verleumdungsklagen der Porträtierten das Denken bestimmt. Die dürfen jetzt auch alle mit dem Film zufrieden sein. Nur der Zuschauer nicht. Denn er muss erleben, wie aus einem spannenden Stoff biederes Konsenskino wurde, das niemandem wehtut, niemanden verstört, niemanden zum Nachdenken anregt oder aufregt.
3096 Tage (Deutschland 2012)
Regie: Sherry Hormann
Drehbuch: Ruth Toma (basierend auf dem unvollendeten Drehbuch von Bernd Eichinger), Peter Reichard (Mitarbeit)
LV: Natascha Kampusch: 3096 Tage, 2010
mit Antonia Campbell-Hughes, Thure Lindhardt, Amelia Pidgeon, Dearbhla Molloy, Trine Dyrholm, Roeland Wiesnekker, Ellen Schwiers, Ernie Mangold
„Psycho“ war, vom Budget, vom Team und von der Drehzeit her, ein kleiner, billiger Film. Alfred Hitchcock wollte nach dem Megaerfolg „Der unsichtbare Dritte“ das komplette Gegenteil machen: einen kleinen, billigen SW-Horrorfilm. Er spekulierte damals, immerhin hatten es vorher bereits einige Horrorfilme gezeigt, auf einen satten Gewinn.
Die Rechnung ging auf. „Psycho“ spielte mehr als seine Produktionskosten ein. Viel mehr. Der Thriller wurde auch ein kulturelles Phänomen, beeinflusste etliche Regisseure, das Horror- und Thrillergenre und Hauptdarsteller Anthony Perkins, der während der Dreharbeiten vor allem als jugendlicher Liebhaber bekannt war, war danach nur noch Norman Bates, ein durchgeknallter Mörder, der sich, immer wenn er Frauen umbrachte, als Mutter verkleidete.
In seinem im Original bereits 1990 erschienenem Sachbuch „Hitchcock und die Geschichte von Psycho“ zeichnet Stephen Rebello, basierend auf ausführlichen Interviews (er hatte sogar die Chance Alfred Hitchcock kurz vor seinem Tod zu interviewen) und Aktenstudium, die gesamte Geschichte des Films nach: von den realen Ursprüngen über Robert Blochs Roman „Psycho“, die Vorbereitungen, die Dreharbeiten, den Schnitt, die Premiere bis hin zu den Nachwirkungen. Rebello erzählt das informativ und mit vielen Zitaten, die wirklich einen Blick hinter die Kulissen erlauben.
Für Hitchcock-Fans und „Psycho“-Fans ist Rebellos Buch sowieso eine Pflichtlektüre. Und auch Filmfans sollten einen Blick hineinwerfen. Denn Rebello liefert einen guten Einblick in alle Aspekte des Filmemachens. Eine kleine Sittengeschichte der damaligen Zeit gibt es auch. Denn Alfred Hitchcock hatte Probleme mit der Zensur.
Seit der Erstauflage erschien „Hitchcock und die Geschichte von Psycho“ in den USA in mehreren Ausgaben bei verschiedenen Verlagen und wurde 2012 von Sacha Gervasi verfilmt. Die hochkarätig besetzte Verfilmung ist allerdings mehr eine Fantasie über Alfred Hitchcock, angereichert mit seinen Sprüchen, Leidenschaften und Obsessionen, als ein auch nur halbwegs akkurates Biopic.
Immerhin wurde dank der Verfilmung Stephen Rebellos Buch ins Deutsche übersetzt.
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Stephen Rebello: Hitchcock und die Geschichte von „Psycho“
(mit einem neuen Vorwort von Stephen Rebello)
(übersetzt von Lisa Kögeböhn, Bernhatt Matt und Uli Meyer)
Heyne, 2013
416 Seiten
9,99 Euro
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Erstausgabe
Alfred Hitchcock and The Making of Psycho
Dembner Books, 1990
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Verfilmung
Hitchcock (Hitchcock, USA 2012)
Regie: Sacha Gervasi
Drehbuch: John J. McLaughlin
mit Anthony Hopkins, Helen Mirren, Scarlett Johansson, Danny Huston, Toni Collette, Michael Stuhlbarg, Michael Wincott, Jessica Biel, James D’Arcy, Kurtwood Smith, Ralph Macchio, Tara Summers
Vertigo – Aus dem Reich der Toten (USA 1958, R.: Alfred Hitchcock)
Drehbuch: Alex Coppel, Samuel Taylor
LV: Pierre Bolieau/Thomas Narcejac: D´entre les morts, 1954 (Aus dem Reich der Toten, Vertigo)
Scottie verfolgt im Auftrag eines Freundes dessen von einer Toten besessene, selbstmordgefährdete Frau Madelaine. Nach ihrem Tod trifft Scottie auf Judy. Er will sie zu Madelaines Ebenbild formen.
Beim Filmstart erhielt “Vertigo” gemischte Kritiken. Heute wird der Rang von “Vertigo” als eines von Hitchcocks Meisterwerken von niemandem mehr ernsthaft bestritten.
Mit James Stewart, Kim Novak, Barbara Bel Geddes, Henry Jones, Tom Helmore, Raymond Bailey
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