Neu im Kino/FIlmkritik: Zu David Finchers Version von Stieg Larssons „Verblendung“

Januar 12, 2012

Welche neuen Aspekte kann David Fincher Stieg Larssons Roman „Verblendung“ für das Kino abgewinnen? Immerhin wurde der Krimi bereits vor zwei Jahren von Niels Arden Oplev mit Michael Nyqvist als Mikael Blomkvist und Noomi Rapace als Lisbeth Salander verfilmt. Die Drehbuchautoren Nikolaj Arcel und Rasmus Heisterberg hatten die Geschichte für die 152-minütige Kino-Version (es gibt auch eine dreißig Minuten längere TV-Version) sinnvoll entschlackt und sich auf den Rätselplot konzentriert, in dem
Enthüllungsjournalist Mikael Blomkvist im Auftrag von Henrik Vanger herausfinden soll, wer vor vierzig Jahren seine Nichte Harriet Vanger auf einer einsam gelegenen Insel ermordete und ihm seitdem jedes Jahr eine getrocknete Blume schickt.
Blomkvist arbeitet sich tief in die Familiengeschichte der Vangers, einer schwedischen Großindustriellenfamilie, die auch gute Kontakte zu den Nazis hatte, ein. Denn Henrik Vanger vermutet, dass Harriet von einem Familienmitglied ermordet wurde.
Als Blomkvist mit seinen Ermittlungen nicht weiterkommt, nimmt er Kontakt zu Lisbeth Salander, einer begnadeten, aber auch ziemlich verhaltensgestörten jungen Hackerin mit einer problematischen Vergangenheit auf. Gemeinsam entdecken sie eine Mordserie, die anscheinend schon kurz nach dem Ende des zweiten Weltkrieges begann.
An dem feinem schwedischen Film war nichts auszusetzen. Jedenfalls für uns Europäer und auch die Larsson-Fans, die im Zweifelsfall eine werkgetreue Umsetzung fordern, waren zufrieden.


Für das US-Remake nahm sich Steve Zaillian (Der Falke und der Schneemann, Schindlers Liste, Gangs of New York, Die Dolmetscherin, American Gangster) den Schmöker vor – und bis auf einige kleine Details, folgte er Larssons Roman und Arcels und Heisterbergs Drehbuch fast schon sklavisch.
So werden im Original die Recherchen von Mikael und Lisbeth ausführlicher gezeigt. Es gibt einige Rückblenden in Lisbeths Jugend, die erklären, warum sie entmündigt wurde. Bei Fincher erzählt Lisbeth das nur. Sowieso erhält Lisbeth, wenn man „Verdammnis“ und „Vergebung“, die nächsten beiden Romane von Stieg Larsson nicht kennt, erstaunlich viel Filmzeit. In „Verblendung“ ist sie ja noch eine Nebenfigur, die aber auch im Roman mit vielen Buchseiten bedacht wird.
Am Ende, wenn Mikael entdeckt, was mit Harriet geschah, änderten Fincher und Zaillian eine Kleinigkeit, die immerhin dazu führte, dass die Macher des Remakes sagen konnten: „Wir haben ein anderes Ende.“ Ja, nur bewegt sich diese Änderung auf dem Niveau von „anstatt des gelben Kleides ziehen wir das Grüne an“.
Und bei Fincher deuten einige Szenen bereits auf einen Director’s Cut hin. Am deutlichsten wird das, wenn Mikaels Tochter ihn bei den Vangers besucht, sie ihm wohl etwas wichtiges sagen will (was dann aber wohl geschnitten wurde) und sie ihm bei der Abfahrt sagt, dass die rätselhaften Buchstaben und Zahlen in Harriets Tagebuch auf Bibelstellen hinweisen. Diesen entscheidenden Hinweis, der in Oplevs Film von Lisbeth kommt, konnte Fincher nicht wegschneiden. Auch die Übernahme von Mikaels Zeitschrift „Millennium“ durch die Vangers und Lisbeths Überwachung von Wennersström (einem bösen Kapitalisten, der Mikael böse reinlegte) werden im Remake als Subplots zuerst groß eingeführt und dann so lieblos fallengelassen, dass ich den Verdacht nicht los wurde, dass Fincher hier für die Kinoauswertung einiges schneiden musste.
Dafür ist das Ende von Finchers Film, nachdem der Serienmörder enttarnt ist und bekannt ist, was mit Harriet geschah, gefühlt noch länger als in der Erstverfilmung und fast so zäh wie in Larssons Roman, der da noch einen halbgaren Wirtschaftskrimi samt enervierend langer Rehabilitation von Mikael auftischt.
Abgesehen von solchen Kleinigkeiten orientiert David Fincher sich fast schon peinlich genau, auch visuell, an dem schwedischen Film, nur mit einem höherem Budget und bekannteren Schauspielern, wie Daniel Craig (der inzwischen als James Bond einfach zu bekannt ist, um einen biederen Reporter zu spielen), Christopher Plummer, Stellan Skarsgård und Robin Wright.
So bleibt als größter Gewinn von Finchers Film gegenüber Oplevs Film, dass „Nine Inch Nails“-Mastermind Trent Reznor und Atticus Ross, die auch die Musik für Finchers „The Social Network“ schrieben, für den grandiosen Sound des Unwohlseins verantwortlich sind.


Insgesamt ist David Finchers „Verblendung“ kein schlechter Film. Die Zeit vergeht bei dem überlangen Film sogar ziemlich schnell, aber er kann nie beantworten, warum das Remake gemacht werden musste; – abgesehen natürlich von den blanken kommerziellen Erwägungen.
Und, für einen US-Film, der sich an ein breites Publikum richtet, gibt es ziemlich viel nackte Haut zu sehen (Daniel Craig und Rooney Mara gemeinsam im Bett) zu sehen, Vulgärsprache („Fuck“) zu hören und gefährliche Substanzen (Alkohol! Zigaretten!) werden in rauen Mengen genossen. Oh, und eine Katze überlebt den Film nicht. Insofern ist das R-Rating „for brutal violent content including rape and torture, strong sexuality, graphic nudity, and language“ wohlverdient und der Film wurde für eine kommerziellere Freigabe nicht verharmlost.
Doch das alles kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass „Verblendung“ ein Werk ist, auf das Kenner des ersten Films durchaus verzichten können und das einfach nur, wie schon die erste Verfilmung, den Roman mit all seinen Schwächen illustriert.
Wer allerdings die schwedische Verfilmung nicht kennt, dem wird Finchers Version gefallen.

Verblendung (The Girl with the Dragon Tatoo, USA 2011)
Regie: David Fincher
Drehbuch: Steve Zaillian
LV: Stieg Larsson: Män son hatar kvinnor, 2005 (Verblendung)
mit Daniel Craig, Rooney Mara, Christopher Plummer, Stellan Skarsgård, Steven Berkoff, Robin Wright, Yorick van Wageningen, Joely Richardson, Geraldine James, Goran Visnjic, Julian Sands
Länge: 158 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
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Zum Film wurde Larssons Roman mit einem neuen Cover veröffentlicht

Stieg Larsson: Verblendung
(übersetzt von Wibke Kuhn)
Heyne, 2011 (Movie-Tie-In)
704 Seiten
9,99 Euro
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Originalausgabe
Män son hatar kvinnor
Norsteds Förlag, Stockholm 2005
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Deutsche Erstausgabe
Heyne, 2006
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Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Verblendung“
Rotten Tomatoes über „Verblendung“
Wikipedia über „Verblendung“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verblendung“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verdammnis“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Vergebung“ (Buch/Film)

Homepage von Stieg Larsson

Heyne über Stieg Larsson

Krimi-Couch über Stieg Larsson

Wikiepedia über Stieg Larsson (deutsch, englisch)

Stieg Larsson in der Kriminalakte

Meine Besprechung der Stieg-Larsson-Parodie „Verarschung“ (The Girl with the Sturgeon Tattoo, 2011) von Lars Arffssen

Meine Besprechung von Dan Burstein/Arne de Keijzer/John-Henri Holmbergs “Die Welt der Lisbeth Salander” (The Tattooed Girl, 2011)


TV-Tipp für den 24. April: Panic Room

April 24, 2013

Sat.1, 22.45

Panic Room (USA 2002, R.: David Fincher)

Drehbuch: David Koepp

Die frisch geschiedene Meg Altman entdeckt mitten in Manhattan ihr Traumhaus. In ihm ist sogar, letzter Schrei der Sicherheitsindustrie für ängstliche, stinkreiche Großstädter, ein Panic Room. In diesen sicheren Raum kann sich der Hausbesitzer während eines Einbruchs zurückziehen und abwarten bis die Polizei anrückt. Meg hält den Raum für überflüssig, aber als in der Nacht drei Einbrecher auftauchen, flüchtet sie mit ihrer Tochter in den Panic Room. Dummerweise wollen die Einbrecher die in diesem Zimmer versteckten Millionen des Vorbesitzers stehlen.

Das mag jetzt neu klingen, aber im Kern erzählt „Panic Room“ eine uralte, aus jedem zweiten Western bekannte Story. Tauschen Sie einfach den Panic Room gegen ein Fort oder eine Wagenburg; die Einbrecher gegen Indianer aus und Sie wissen genau, in welchem Moment die Kavallerie auftaucht. Oh, und in welchem Zustand das Haus ist.

David Koepp und David Fincher machen daraus einen spannenden Hightechthriller.

Oder sagen wir es mit den Worten von Georg Seeßlen: Panic Room „ist vor allem ein reduzierter, ebenso brillant konstruierter wie fotografierter Thriller, ein Kammerspiel des Terrors, das alle Elemente, die am Anfang eingeführt wurden, beständig transponiert, wendet und variiert. Insofern ist Panic Room ein Stück reiner Film-Komposition, in der Sujets, Objekte und Einstellungen die Rollen von Melodien, Takten und Tönen übernehmen (…). Und wie für eine musikalische Komposition, so gilt auch für Panic Room: Es kommt nicht allein auf die Erfindung einer Melodie an, sondern auch darauf, was ein Interpret mit ihr anzustellen weiß.“ (in Frank Schnelle [Hrsg.]: David Fincher)

Mit Jodie Foster, Kristen Stewart, Forest Whitaker, Dwight Yoakam, Jared Leto, Patrick Bauchau, Andrew Kevin Walker (der „Se7en“-Drehbuchautor spielt den verschlafenen Nachbarn)

Wiederholung: Donnerstag, 25. April, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über David Fincher (deutsch, englisch) und „Panic Room“ (deutsch, englisch)

Die Welt: Interview mit David Fincher zu „Panic Room“

Süddeutsche Zeitung: Interview mit David Fincher zu „Panic Room“

Drehbuch „Panic Room“ von David Koepp

The Works and Genius of David Fincher (Fan-Blog – mit einem „Panic Room“-Special)

Meine Besprechung von David Finchers “Verblendung” (The Girl with the Dragon Tatoo, USA 2011)

David Fincher in der Kriminalakte


Denise Mina überzeugt mit der Comic-Version von Stieg Larssons „Verblendung“

April 1, 2013

Mina - Stieg Larssons Verblendung 1 - HardcoverMina - Stieg Larssons Verblendung 1 - Softcover

Nachdem die „Millenniums“-Trilogie, also die drei Romane „Verblendung“, „Verdammnis“ und „Vergebung“ von Stieg Larsson sich wie geschnitten Brot verkauft, die schwedische Verfilmung sehr erfolgreich war und aus der bis dahin unbekannten Noomi Rapace einen Star machte, der seitdem in etlichen Blockbustern mitspielen durfte, und für das US-Remake von „Verblendung“ David Fincher als Regisseur und Daniel Craig als Hauptdarsteller gewonnen werden konnten, ist die Graphic Novel (neben den Parodien) wahrscheinlich der folgerichtig nächste Schritt in der Verwertungskette.

Mit der Edgar-nominierten Krimiautorin Denise Mina, deren Romane den John Creasey Dagger for Best First Crime Novel 1998 und den Theakstons Crime Novel of the Year 2012 erhielten und die auch schon einige „Hellblazer“-Geschichten schrieb, und den Zeichnern Leanardo Manco (u. a. „Deathlok“ und „Hellblazer“) und Andrea Mutti (u. a. „DMZ“ und „The Executor“) wurde auch ein hochkarätiges Team engagiert.

Die Story von „Verblendung“ dürfte inzwischen ja bekannt sein: der renommierte Enthüllungsjournalist Mikael Blomkvist hat gerade eine Story so in den Sand gesetzt, dass er dafür demnächst eine Haftstrafe verbüßen muss. Bis dahin soll er im Auftrag von Henrik Vanger herausfinden, wer 1966 seine Nichte Harriet Vanger ermordete. Denn sie verschwand damals spurlos von der Insel, auf der die Familie ein Familientreffen hatte und damit kann der Täter nur jemand aus der Familie sein. Blomkvist übernimmt den gut dotierten Recherecheauftrag. Auch weil Henrik Vanger ihm Informationen anbietet, die seinen Ruf wieder herstellen können. Bei seinen Recherchen hilft ihm Lisbeth Salander; – aber noch nicht im ersten Band von „Verblendung“.

Denn Larssons umfangreiche und auch längliche Geschichte wird in zwei Teilen auf insgesamt 288 Seiten erzählt und „Tartan Noir“-Autorin Denise Mina folgt der bekannten Geschichte auch weitgehend, allerdings mit einigen kleineren Umstellungen und, schließlich ist in einem Comic die Textmenge begrenzt, gelungenen dramaturgischen Verdichtungen. So betont sie am Anfang stärker die Verbindung zwischen Blomkvists misslungener Enthüllungsgeschichte und dem Angebot von Vanger. Außerdem gibt es ziemlich früh Hinweise auf die Mordserie, die mit Harriet Vangers Verschwinden zusammen hängt, und sie deutet an, dass auf den Fotografien, die an dem Tag auf der Insel gemacht wurden, etwas Wichtiges zu sehen ist. Lisbeth Salanders Geschichte ist hier noch vollkommen getrennt von Mikael Blomkvists Recherchen. Dafür darf sie sich aber schon an ihrem neuen Vormund Nils Bjurman eindrucksvoll rächen. Gerade in ihrer Geschichte liegt das Hauptgewicht auf den Bildern und die düsteren Panels von Leonardo Manco und Andrea Mutti lassen ein echtes Noir-Gefühl aufkommen.

Da freue ich mich, obwohl wahrlich kein großer Stieg-Larsson-Fan, schon auf den zweiten und abschließenden Teil von „Verblendung“ und die folgenden Teile der „Millennium“-Trilogie, die auch von Denise Mina als insgesamt sechsteilige Comic-Serie geschrieben werden.

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Denise Mina (Autor)/Leonardo Manco/Andrea Mutti (Zeichner): Stieg Larsson – Millennium: Verblendung – Band 1

(übersetzt von Joachim Körber)

Panini, 2013

144 Seiten

16,95 Euro (Softcover)

24,95 Euro (Hardcover)

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Originalausgabe

The Girl with the Dragoon Tattoo – Book One

Vertigo/DC Comics, 2012

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Vorlage

Larsson - Verblendung Movie-Tie-In-Fincher

Stieg Larsson: Verblendung

(übersetzt von Wibke Kuhn)

Heyne, 2011 (Movie-Tie-In zur Fincher-Version)

704 Seiten

9,99 Euro

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Originalausgabe

Män son hatar kvinnor

Norsteds Förlag, Stockholm 2005

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Deutsche Erstausgabe

Heyne, 2006

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Verfilmungen

Verblendung (Män som hatar kvinnor, Schweden/Deutschland/Dänemark 2009)

Regie: Niels Arden Oplev

Drehbuch: Nikolaj Arcel, Rasmus Heisterberg

LV: Stieg Larsson: Män son hatar kvinnor, 2005 (Verblendung)

mit Michael Nyqvist, Noomi Rapace, Lena Endre, Peter Haber, Sven-Bertil Taube, Peter Andersson, Ingvar Hirdwall, Marika Lagercrantz, Björn Granath

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Verblendung (The Girl with the Dragon Tatoo, USA 2011)

Regie: David Fincher

Drehbuch: Steve Zaillian

LV: Stieg Larsson: Män son hatar kvinnor, 2005 (Verblendung)

mit Daniel Craig, Rooney Mara, Christopher Plummer, Stellan Skarsgård, Steven Berkoff, Robin Wright, Yorick van Wageningen, Joely Richardson, Geraldine James, Goran Visnjic, Julian Sands

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Hinweise

Homepage von Denise Mina

Mullholland Books: Interview mit Denise Mina über “Verblendung” (12. November 2012)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verblendung“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verdammnis“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Vergebung“ (Buch/Film)

Homepage von Stieg Larsson

Heyne über Stieg Larsson

Krimi-Couch über Stieg Larsson

Wikiepedia über Stieg Larsson (deutsch, englisch)

Stieg Larsson in der Kriminalakte

Meine Besprechung der Stieg-Larsson-Parodie „Verarschung“ (The Girl with the Sturgeon Tattoo, 2011) von Lars Arffssen

Meine Besprechung von Dan Burstein/Arne de Keijzer/John-Henri Holmbergs “Die Welt der Lisbeth Salander” (The Tattooed Girl, 2011)

Meine Besprechung von David Finchers Stieg-Larsson-Verfilmung “Verblendung” (The Girl with the Dragon Tattoo, USA 2011)


TV-Tipp für den 27. Februar: Fight Club

Februar 27, 2013

Kabel 1, 22.15

Fight Club (USA 1999, R.: David Fincher)

Drehbuch: Jim Uhls

LV: Chuck Palahniuk: Fight Club, 1996 (Fight Club)

Yuppie Jack findet das Leben unglaublich öde. Kurzzeitige Kicks verschafft er sich mit dem Besuch von x-beliebigen Selbsthilfegruppen. Da trifft er Tyler Durden, der seinem Leben mit der Idee des „Fight Club“ (in dem Männer sich die Fresse polieren) den nötigen Kick verschafft. Bald nimmt der „Fight Club“ größere Dimensionen an.

Inzwischen: Klassiker, der mich schon damals im Kino verdammt gut gefiel. Naja, das Ende fand ich etwas schwach. Aber die zwei Stunden davor: Wow!

In seinem Roman enthüllt Palahniuk die Pointe früher.

„Handwerklich lässt Fincher keine Wünsche offen: Er hält ein rasantes Tempo, setzt virtuos visuelle Effekte ein und schafft so einen atemberaubenden Alptraum der ausklingenden 90er. Gewiss kann über dieses bemerkenswerte Werk trefflich gestritten werden, doch eines muss ihm jeder attestieren: ‘Fight Club’ ist keine lauwarme Kommerzproduktion, sondern einer der mutigsten, irritierendsten, gleichzeitig aber auch interessantesten Filme der letzten Jahre.“ (W. O. P. Kistner, AZ, 11. November 1999)

Die andere Meinung: „Denn im Grunde ist diese manieristisch heruntergefilmte Möchtegern-Satire von Regisseur David Fincher (‘Sieben’) nicht mehr als grober Unfug: eine große, in die Länge gezogene Luftblase.“ (Albert Baer, Rheinische Post, 12. November 1999)

Mit Brad Pitt, Edward Norton, Helen Bonham Carter, Meat Loaf, Jared Leto, George Maguire

Hinweise

Wikipedia über „Fight Club“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „Fight Club“ von Jim Uhls (Fassung vom 16. Februar 1998)

Drehbuch „Fight Club“ von Jim Uhls (Fassung vom 18. April 1997)

Senses of Cinema über David Fincher

Homepage von Chuck Palahniuk

Meine Besprechung der Chuck-Palahniuk-Verfilmung „Choke“

Meine Besprechung von David Finchers “Verblendung” (The Girl with the Dragon Tatoo, USA 2011)


TV-Tipp für den 5. Oktober: Zodiac – Die Spur des Killers

Oktober 4, 2012

RTL II, 22.05

Zodiac – Die Spur des Killers (USA 2007, R.: David Fincher)

Drehbuch: James Vanderbilt

LV: Robert Graysmith: Zodiac, 1976 (Zodiac – Auf der Spur eines Serienkillers)

Finchers epische, detailversessene Verfilmung über die Jagd nach dem Zodiac-Killer, der auch als Inspiration für den Killer in dem ersten „Dirty Harry“-Film diente. Der Zodiac-Killer versetzte in den späten Sechzigern die Bevölkerung in und um San Francisco in Angst und Schrecken. Dazu trugen neben seinen Taten und dem ausbleibenden Fahndungserfolg der Polizei auch seine verschlüsselten Briefe an die Öffentlichkeit bei. Bis heute ist seine Identität unklar.

Das Drehbuch war für den Edgar den Preis der Writers Guild of America nominiert.

Mit Jake Gyllenhaal, Mark Ruffalo, Anthony Edwards, Robert Downey jr., Brian Cox, Cloe Sevigny, Elias Koteas, Dermot Mulroney

Wiederholung: Sonntag, 7. Oktiber, 01.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zu Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Zodiac – Die Spur des Killers“

Drehbuch „Zodiac von James Vanderbilt (oder hier)

Wikipedia über „Zodiac“ (deutsch, englisch)

Zodiac Killer Facts (eine Gegenüberstellung von Film und Wirklichkeit; - keine Ahnung, wie genau die Auflistung ist)

Meine Besprechung von David Finchers “Verblendung” (The Girl with the Dragon Tattoo, USA 2011)

David Fincher in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Prometheus – Dunkle Zeichen“ – mit ganz viel „Alien“-DNA

August 8, 2012

Für „Alien“, den zweiten Spielfilm von Ridley Scott, war der Werbespruch: „In space no one can hear you scream.“

Das war ein grandioser Satz, der neugierig auf den Film machte und auch sagte worum es geht: um einen Horrorfilm im Weltall.

Der Werbespruch für seinen neuesten Film, das „Alien“-Prequel „Prometheus“ ist: „They went looking for our beginning. What they found could be our end.“

Das ist kein wirklich schlechter, aber auch – wie der Film – ein arg austauschbarer, wenig bleibenden Eindruck hinterlassender Werbespruch, der mit einer ordentlichen Portion Hintergrundwissen verrät, dass „Prometheus“ sich in die Reihe der „Alien“-Filme einreiht, in denen es nur einige wiederkehrende Elemente (das Weltall, die Alien-Kreaturen von H. R. Giger und Sigourney Weaver als Ellen Ripley) gab, aber ansonsten die Regisseure Ridley Scott, James Cameron, David Fincher und Jean-Pierre Jeunet ihre eigene Vision im „Alien“-Kosmos erzählten.

Auch „Prometheus“ übernimmt die Kernelemente aus dem „Alien“-Kosmos, verzichtet auf Sigourney Weaver (immerhin spielt die Geschichte von „Prometheus“ ja vor dem ersten „Alien“-Film), hat mit Noomi Rapace aber einen vollwertigen Ersatz gefunden. Wobei, das sei angemerkt: Damals machte Ridley Scott aus einer unbekannten Schauspielerin einen Star. Heute engagiert er, nach den erfolgreichen Stieg-Larsson-Verfilmungen, eine bereits bekannte Schauspielerin und damit ist von Anfang an klar, dass sie, als Star des Films, nicht stirbt. Auch die Rest-Besatzung der „Prometheus“ besteht größtenteils aus bekannten Schauspielern. Eigentlich fehlt nur Mark Strong („Green Lantern“, „John Carter“). Immerhin hat man für die ersten Minuten einen Lookalike genommen.

Außerdem verrät der Werbespruch, dass Scott hier nicht einfach einen zweiten Horrorfilm im Weltall drehte. „Prometheus“ ist definitiv kein Horrorfilm. Denn dieses Mal wird die Geschichte einer Forschungsreise erzählt und, anstatt dass einige Europäer in eine Pyramide latschen, das seit Jahrhunderten versiegelte Grab das Pharaos öffnen und anschließend an einem Fluch sterben, ist es dieses Mal ein Raumschiff, das einige Jahre vor der nächsten Jahrhundertwende auf einem fremden, weit, weit entferntem Planeten landet und einige Forscher latschen in ein unterirdisches Gewirr von Gängen, wo sie einen verschlossenen Raum entdecken, den sie flugs, wie ein Kind seine Weihnachtsgeschenke, öffnen müssen.

Im Endeffekt wird einfach die „Alien“-DNA an einen altmodischen Entdeckerfilm gekoppelt.

Das ist durchaus unterhaltsam, aber spätestens beim Nachdenken über den saturierten Film, fällt auf, wie schrecklich unlogisch vieles ist, wie oft einzelne Charakter etwas nur tun, weil die Drehbuchautoren es so wollten, und wie viele Handlungsstränge im Nichts enden.

Das Personal der „Prometheus“ wirkt, auch wenn etliche Charaktere an Charaktere aus den vorherigen „Alien“-Filmen erinnern, wie der lieblose Griff in den Klischee-Figurenbaukasten aus dem Handbuch für effektives Storytelling.

Es gibt den taffen Kapitän („Luther“ Idris Elba, auch mal mit Akkordeon und einem doch etwas veraltetem Musikgeschmack [Herrje, gab es seit 1970 wirklich keine guten Bands mehr? Sind die nächsten gut achtzig Jahre Musikgeschichte wirklich für die Tonne?]), die böse Kapitalistin (Charlize Theron wiederholt einfach ihre Rolle der bösen Prinzessin aus „Snow White and the Huntsman“), den, auch aus den anderen „Alien“-Filmen bekannten Androiden, der dieses Mal wie Michael Fassbender aussieht, von ihm herrlich ausdruckslos-selbstironisch gespielt wird, ein großer „Lawrence von Arabien“-Fan ist (Tja, auch in der Filmgeschichte scheint die nächsten Jahrzehnte Ödnis zu herrschen.), auf den Namen „David“ hört und, kleiner Insider-Witz, damit das ABC der Androidennamen in den „Alien“-Filmen von Ash über Bishop und Call zu David fortsetzt und, als große Überraschung, den uralten, an der Schwelle des Todes stehenden Peter Weyland, der die Reise der „Prometheus“ nach dem Ursprung des Lebens aus nicht uneigennützigen Gründen finanzierte (Guy Pearce auf Greis geschminkt, weil auch Szenen mit einem jüngeren Weyland geplant waren), und einige nicht sonderlich intelligente, dafür ziemlich hasenfüßige Raumfahrer, die die Mission – Überraschung! – nur wegen des Geldes mitmachen. Kofferträger und Leichtmatrosen eben, die bei der erstbesten Gelegenheit zu Alienfutter werden.

Es gibt eine Alien-Schwangerschaft, die grotesk-rabiat beendet wird – und die Frage hinterlässt, warum eine vollautomatische OP-Station, die im Zimmer einer Frau steht, auf Operationen an Männern programmiert ist. Aber immerhin gibt das im Kino einen Lacher und wahrscheinlich den Preis für den schnellsten und effektivsten Schwangerschaftsabbruch.

Der gesamte Film fühlt sich letztendlich wie eine All-Inclusive-Reise an, bei der es keine großen Überraschungen und keine Verunsicherung gibt, und man am Ende, einfach weil von den Machern zu sehr auf Nummer Sicher gespielt wird, das Kino auch etwas unbefriedigend verlässt. Denn irgendwie hat man das alles schon einmal gesehen. Oft besser und nur weil Ridley Scott das „Alien“-Menü, jetzt mit Erich-von-Däniken-Schwurbel, schick anrichtet, wird „Prometheus“ definitiv kein Klassiker werden. Dafür ist er einfach zu seelenlos, hat zu wenige Ecken und Kanten, zu wenige Überraschungen und er ist zu konventionell.

Das wäre okay, wenn Ridley Scott und seine Autoren Jon Spaihts und Damon Lindelof („Lost“, „Cowboys & Aliens“) uns nicht ein Ende, das schamlos auf eine Fortsetzung spekuliert, präsentieren würden.

Denn während die vorherigen „Alien“-Filme in sich abgeschlossene Geschichten erzählten, offenbart sich „Prometheus“ in den letzten Minuten, nachdem der Planet atomisiert wurde, nur noch als epischer Prolog für den oder die nächsten (Trilogie, ich hör dich trapsen.) Filme, in denen uns dann alles erklärt werden soll, was im Prolog nur angedeutet wurde.

In dem Moment kam ich mir schon etwas verarscht vor.

Prometheus – Dunkle Zeichen (Prometheus, USA 2012)

Regie: Ridley Scott

Drehbuch: Don Spaihts, Damon Lindelof

mit Noomi Rapace, Michael Fassbender, Guy Pearce, Idris Elba, Logan Marshall-Green, Charlize Theron, Sean Harris, Rafe Spall, Benedict Wong, Patrick Wilson

Länge 124 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Prometheus“

Metacritic über „Prometheus“

Rotten Tomatoes über „Prometheus“

Wikipedia über „Prometheus“ (deutsch, englisch)

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Ach, Weyland Industries hat auch eine Seite

 


TV-Tipp für den 15. März: Zodiac – Die Spur des Killers

März 15, 2012

Vox, 22.50

Zodiac – Die Spur des Killers (USA 2007, R.: David Fincher)

Drehbuch: James Vanderbilt

LV: Robert Graysmith: Zodiac, 1976 (Zodiac – Auf der Spur eines Serienkillers)

Finchers epische, detailversessene Verfilmung über die Jagd nach dem Zodiac-Killer, der auch als Inspiration für den Killer in dem ersten „Dirty Harry“-Film diente. Der Zodiac-Killer versetzte in den späten Sechzigern die Bevölkerung in und um San Francisco in Angst und Schrecken. Dazu trugen neben seinen Taten und dem ausbleibenden Fahndungserfolg der Polizei auch seine verschlüsselten Briefe an die Öffentlichkeit bei. Bis heute ist seine Identität unklar.

Das Drehbuch war für den Edgar den Preis der Writers Guild of America nominiert.

Mit Jake Gyllenhaal, Mark Ruffalo, Anthony Edwards, Robert Downey jr., Brian Cox, Cloe Sevigny, Elias Koteas, Dermot Mulroney

Wiederholung: Freitag, 16. März, 02.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zu Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Zodiac – Die Spur des Killers“

Drehbuch „Zodiac von James Vanderbilt (oder hier)

Wikipedia über „Zodiac“ (deutsch, englisch)

Zodiac Killer Facts (eine Gegenüberstellung von Film und Wirklichkeit; - keine Ahnung, wie genau die Auflistung ist)

Meine Besprechung von David Finchers “Verblendung” (The Girl with the Dragon Tattoo, USA 2011)

David Fincher in der Kriminalakte


Kleinkram

Januar 28, 2012

oder bevor ich endgültig den Überblick verliere:

Bei Telepolis gibt es ein Gespräch mit Mathew D. Rose über sein letztes Buch “Korrupt – Wie unsere Politiker und Parteien sich bereichern – und uns verkaufen” (Lesenswert!).

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BuzzFed nennt 27 Filme, die toll sind, aber keine Oscar-Nominierung als bester Film erhielten und illustrieren ihre okaye Auswahl (Die üblichen Verdächtigen, Psycho, Frühstück bei Tiffanys, Blade Runner, Easy Rider, King Kong, Vertigo,…ach, ich will nicht alles verraten) mit vielen alten Filmplakaten (und das ist definitiv einen Klick wert).

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Ach, nominiert für die Oscars sind…

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Gary Oldman und Jack English fotografierten eifrig beim Dreh von “Dame, König, As, Spion” (Sehbefehl! Kinostart ist am Donnerstag.)

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Film School Rejects hat vierzehn Filmmonologe aufgelistet. Da fehlen einige gute Monologe (unter anderem sind Pulp Fiction, No Country for Old Men, Network und Glengarry Glen Ross dabei), aber so als Eindruck von der Kraft des gesprochenen Wortes ist es ein guter Anfang.

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Der A. V. Club unterhält sich mit Steven Soderbergh über seinen neuen Film, den Thriller “Haywire”.

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NPR macht sich Gedanken über “The Art of Modern Movie Trailers” (mit Beispielen).

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Ebenfalls bei NPR: Drehbuchautor Dustin Lance Black spricht gute vierzig Minuten über “J. Edgar” (verfilmt von Clint Eastwood mit Leonardo DiCaprio)

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Immer noch NPR: Aber jetzt mit Francis Ford Coppola, der eine halbe Stunde über seine Karriere spricht.

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Bei First Showing begründet David Fincher, warum er jeden seiner Filme drehte.

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Lee Goldberg verrät einige Hintergründe über seinen Monk-Roman “Mr. Monk on patrol”.

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Und die Weinstein Company hat einige Drehbücher von für wichtige Preise nominierte Filme online gestellt:

The Artist von Michel Hazanavicius

Coriolinus von John Logan

The Iron Lady von Abi Morgan

My Week with Marylin von Adrian Hodges

Da dürften noch einige weitere Drehbücher in der Pipeline sein.

 

 

 

 


„Filme der 2000er“ wagt einen Rückblick auf das letzte Filmjahrzehnt

Januar 23, 2012

„Filme der 2000er“ setzt die schöne Buchreihe des Taschen Verlags fort, in der die wichtigsten Filme eines Jahrzehnts in einem Buch in kurzen Besprechungen, pro Film einem Triviakasten mit zusätzlichen Information über den Regisseur oder einen Schauspieler und, selten, über etwas Filmtechnisches und vielen, oft unbekannteren Filmbildern, auf um die sechs Seiten zusammengefasst werden. Die opulente Aufmachung lädt zum Blättern und Schwelgen in Erinnerungen ein. Langjährige Filmfans werden freilich, weil sie die Filme meist schon kennen, wenig neues entdecken. Jüngere können sich anhand der „Filme der XYer“ ein solides Filmwissen aufbauen.
Aber während es für frühere Jahrzehnte bereits einen etablierten Kanon gibt, auch weil man die historische Bedeutung eines Films erst mit etwas Abstand einschätzen kann, hat Herausgeber Jürgen Müller jetzt, fast ohne zeitlichen Abstand, in „Filme der 2000er“ auf über achthundert Seiten mit 139 Filmen einen Rückblick auf des vergangene Jahrzehnt, das für das Kino einen großen Umbruch bedeutete, gewagt.
Wie immer wurde versucht zwischen Hollywood-Kino, Kassenschlagern, Arthaus-Kino und dem nationalen Blick einen Kompromiss zu finden, der auch dieses Mal weitgehend gelungen ist. Dabei wurden nur Filme aufgenommen, die auch in Deutschland im Kino liefen; – was insofern wichtig ist, weil in den vergangenen Jahren immer mehr wichtige Filme nur auf DVD veröffentlicht werden, wozu viele französische Kriminalfilme und, obwohl sie etwas schmuddelig für die „Filme der XYer“-Reihe sind, Horrorfilme zählen, und das Fernsehen, vor allem im Serienbereich, immer wichtiger wurde. Gleichzeitig, obwohl diese Entwicklung noch nicht abschätzbar ist, wird das Internet und die damit verbundenen neuen Vertriebswege immer wichtiger.
Natürlich sind die großen Kassenerfolge, wie „Harry Potter“, „Der Herr der Ringe“, „Fluch der Karibik“, „Das Bourne Ultimatum“, „Spider-Man“, „Iron Man“, „The Dark Knight“ und „Avatar“ enthalten. Auch viele, oft mit zahlreichen Preisen überhäufte, Kritikerlieblinge und Publikumslieblinge, mehr natürlich Richtung publikumswirksames Arthaus-Kino und traditionelles Erzählkino, sind drin. Zum Beispiel die grandios deprimierende Daniel-Woodrell-Verfilmung „Winter’s Bone“, „Black Swan“ und „The King’s Speech – Die Rede des Königs“. Aus Frankreich sind „8 Frauen“, „Die fabelhafte Welt der Amelie“, „Ein Prophet“ und „Carlos – Der Schakal“ (wobei die Lang- oder TV-Fassung eindeutig besser ist) dabei.
Aus Deutschland gibt es „Das Leben der anderen“, „Der Baader Meinhof Komplex“, „Yella“ und den Überraschungserfolg „Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte“.
Von einigen Regisseuren wie Pedro Almodovar, Joel & Ethan Coen, David Fincher, Michael Mann, Jason Reitman und Quentin Tarantino wurde fast jeder Film aufgenommen, was dann doch vielleicht etwas zu viel der Liebe ist.
Denn einige wichtige Regisseure wurden teils erstaunlich wenig beachtet. Bei Woody Allen beschränkte man sich mit „Match Point“ und „Vicky Cristina Barcelona“ auf die offensichtliche Wahl. Ebenso bei Clint Eastwood mit „Million Dollar Baby“ und „Gran Torino“. „Mystic River“ fehlt dagegen. Steven Spielberg und Martin Scorsese sind mit nur je einem Film vertreten. Erstgenannter mit „München“, zweitgenannter mit „Departed – Unter Feinden“ (einem Remake des hier nur auf DVD erschienenen Hongkong-Cop-Thrillers „Infernal Affairs“), was so konsensfähig, wie wenig aufregend ist, aber dazu führt, dass „Gangs of New York“ und „Aviator“ fehlen.
Es gibt auch seltsame Entscheidungen wie die Aufnahme von den doch eher belanglosen Komödien „Ricky Bobby – König der Rennfahrer“, „Hangover“ und „Stichtag“. Auch „State of Play – Stand der Dinge“ (nach einer TV-Serie) und „Barney’s Version“, die mir zwar gefallen haben, scheinen mir durch die Aufnahme in das Buch doch etwas überbewertet zu sein.
Dafür fehlen Alexander Paynes „Sideways“, Patty Jenkins’ Serienkillerbiographie „Monster“ mit der Oscar-prämierten Charlize Theron, Robert Altmans „Gosford Park“, Tod Williams’ John-Irving-Verfilmung „The Door in the Floor“ und Antoine Fuquas „Training Day“.
Aber insgesamt ist die Auswahl in Ordnung und, gerade auch wegen der seltsamen Entscheidungen, gibt „Filme der 2000er“ einen gelungenen Rückblick auf die letzten zehn Kinojahre.
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Jürgen Müller (Herausgeber): Filme der 2000er
Taschen, 2011
864 Seiten
29,99 Euro
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Hinweise
Taschen über „Filme der 2000er“ (mit einem Blick ins Buch und der Liste der präsentierten Filme)

Universitätshomepage von Jürgen Müller


TV-Tipp für den 27. Dezember: The Game

Dezember 27, 2011

ZDF, 22.40

The Game – Das Geschenk seines Lebens (USA 1997, R.: David Fincher)

Drehbuch: John Brancato, Michael Ferris

Conrad schenkt seinem stinkreichen, einsamen Arschloch-Bruder Nicholas Van Orton einen Gutschein für ein Spiel, das sein Leben interessanter gestalten soll. Nachdem Nicholas das Rollenspiel beginnt, beginnt er die Kontrolle über sein Leben zu verlieren.

Düsterer Thriller (jedenfalls bis zum Beginn des dritten Aktes), der Fincher zwischen „Se7en“ und „Fight Club“ in Topform zeigt.

„Das Ganze ist ein intellektuelles Spiel mit Genre-Elementen und den Erwartungen eines an unzähligen Filmminuten geschulten Publikums. (…) Die Besonderheit an The Game ist nun, dass Fincher gerade darauf zielt, seinen Film als Spielmaterial kenntlich zu machen; methodisch tut er dies mit Sigmund Freud als Aushilfsregisseur, stilistisch mit den Mitteln des Verfolgungswahns.“ (Michael Kohler in Frank Schnelle, Hrsg.: David Fincher)

Mit Michael Douglas, Sean Penn, Deborah Kara Unger, James Rebhorn, Peter Donat, Carroll Baker, Armin Mueller-Stahl, Jack Kehoe (sein bislang letzter Auftritt, als Lieutenant Sullivan), Spike Jonze (kleine Nebenrolle), Michael Massee (dito kleine Nebenrolle)

Hinweise

Senses of Cinema über David Fincher

Drehbuch „The Game“ von John Brancato und Michael Ferris (19. Oktober 1995)

Drehbuch „The Game“ von John Brancato und Michael Ferris, überarbeitet von Larry Gross und Andrew Kevin Walker (8. Februar 1996 -Shooting Script)


TV-Tipp für den 23. November: Panic Room

November 23, 2011

Kabel 1, 22.40

Panic Room (USA 2002, R.: David Fincher)

Drehbuch: David Koepp

Die frisch geschiedene Meg Altman entdeckt mitten in Manhattan ihr Traumhaus. In ihm ist sogar, letzter Schrei der Sicherheitsindustrie für ängstliche, stinkreiche Großstädter, ein Panic Room. In diesen sicheren Raum kann sich der Hausbesitzer während eines Einbruchs zurückziehen und abwarten bis die Polizei anrückt. Meg hält den Raum für überflüssig, aber als in der Nacht drei Einbrecher auftauchen, flüchtet sie mit ihrer Tochter in den Panic Room. Dummerweise wollen die Einbrecher die in diesem Zimmer versteckten Millionen des Vorbesitzers stehlen.

Das mag jetzt neu klingen, aber im Kern erzählt „Panic Room“ eine uralte, aus jedem zweiten Western bekannte Story. Tauschen Sie einfach den Panic Room gegen ein Fort oder eine Wagenburg; die Einbrecher gegen Indianer aus und Sie wissen genau, in welchem Moment die Kavallerie auftaucht. Oh, und in welchem Zustand das Haus ist.

David Koepp und David Fincher machen daraus einen spannenden Hightechthriller.

Oder sagen wir es mit den Worten von Georg Seeßlen: Panic Room „ist vor allem ein reduzierter, ebenso brillant konstruierter wie fotografierter Thriller, ein Kammerspiel des Terrors, das alle Elemente, die am Anfang eingeführt wurden, beständig transponiert, wendet und variiert. Insofern ist Panic Room ein Stück reiner Film-Komposition, in der Sujets, Objekte und Einstellungen die Rollen von Melodien, Takten und Tönen übernehmen (…). Und wie für eine musikalische Komposition, so gilt auch für Panic Room: Es kommt nicht allein auf die Erfindung einer Melodie an, sondern auch darauf, was ein Interpret mit ihr anzustellen weiß.“ (in Frank Schnelle [Hrsg.]: David Fincher)

Mit Jodie Foster, Kristen Stewart, Forest Whitaker, Dwight Yoakam, Jared Leto, Patrick Bauchau, Andrew Kevin Walker (der „Se7en“-Drehbuchautor spielt den verschlafenen Nachbarn)

Wiederholung: Donnerstag, 24. November, 23.40 Uhr

Hinweise

Wikipedia über David Fincher (deutsch, englisch) und „Panic Room“ (deutsch, englisch)

Die Welt: Interview mit David Fincher zu „Panic Room“

Süddeutsche Zeitung: Interview mit David Fincher zu „Panic Room“

Drehbuch „Panic Room“ von David Koepp

The Works and Genius of David Fincher (Fan-Blog – mit einem „Panic Room“-Special)

Bonushinweis

Am 12. Januar 2012 startet bei uns David Finchers neuer Film, der auf einem Bestseller, der schon einmal verfilmt wurde, basiert


TV-Tipp für den 2. November: Fight Club

November 2, 2011

Sixx, 22.00

Fight Club (USA 1999, R.: David Fincher)

Drehbuch: Jim Uhls

LV: Chuck Palahniuk: Fight Club, 1996 (Fight Club)

Yuppie Jack findet das Leben unglaublich öde. Kurzzeitige Kicks verschafft er sich mit dem Besuch von x-beliebigen Selbsthilfegruppen. Da trifft er Tyler Durden, der seinem Leben mit der Idee des „Fight Club“ (in dem Männer sich die Fresse polieren) den nötigen Kick verschafft. Bald nimmt der „Fight Club“ größere Dimensionen an.

Inzwischen: Klassiker, der mich schon damals im Kino verdammt gut gefiel. Naja, das Ende fand ich etwas schwach. Aber die zwei Stunden davor: Wow!

In seinem Roman enthüllt Palahniuk die Pointe früher.

„Handwerklich lässt Fincher keine Wünsche offen: Er hält ein rasantes Tempo, setzt virtuos visuelle Effekte ein und schafft so einen atemberaubenden Alptraum der ausklingenden 90er. Gewiss kann über dieses bemerkenswerte Werk trefflich gestritten werden, doch eines muss ihm jeder attestieren: ‘Fight Club’ ist keine lauwarme Kommerzproduktion, sondern einer der mutigsten, irritierendsten, gleichzeitig aber auch interessantesten Filme der letzten Jahre.“ (W. O. P. Kistner, AZ, 11. November 1999)

Die andere Meinung: „Denn im Grunde ist diese manieristisch heruntergefilmte Möchtegern-Satire von Regisseur David Fincher (‘Sieben’) nicht mehr als grober Unfug: eine große, in die Länge gezogene Luftblase.“ (Albert Baer, Rheinische Post, 12. November 1999)

Mit Brad Pitt, Edward Norton, Helen Bonham Carter, Meat Loaf, Jared Leto, George Maguire

Wiederholung: Donnerstag, 3. November, 02.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Fight Club“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „Fight Club“ von Jim Uhls (Fassung vom 16. Februar 1998)

Drehbuch „Fight Club“ von Jim Uhls (Fassung vom 18. April 1997)

Senses of Cinema über David Fincher

Homepage von Chuck Palahniuk

Meine Besprechung der Chuck-Palahniuk-Verfilmung „Choke“


Kurzkritik: Eric Powell: The Goon: Chinatown und das Geheimnis von Mr. Wicker

September 13, 2011

In den vorherigen „The Goon“-Sammelbänden von Autor und Zeichner Eric Powell war der Goon ein schlagkräftiger Gangster mit dem Herzen am rechten Fleck, einer Unzahl oft nicht menschlicher Gegner und einer satten Portion Humor. Die eher kurzen Geschichten spielten in einer Retro-Welt, die an die noirischen Hollywood-Krimis und Abenteuerfilme aus den vierziger und fünfziger Jahren erinnerte.

In dem neuesten „The Goon“-Buch „Chinatown und das Geheimnis von Mr. Wicker“ erzählt Eric Powell nur eine Geschichte und besonders witzig ist sie nicht. Eher schon tragisch und auch eine liebevolle Hommage an die klassischen Kriminalfilme der vierziger Jahre, als Chinatown eine exotische Welt voller Geheimnisse und Verbrechen war. Dass es dabei auch um eine Frau ging und dass der Goon in sie verliebt war, versteht sich von selbst. Damals wollte Triaden-Boss Xiang Yao sich in Goons Stadt einnisten und der Goon trifft Isabella, die er noch aus seinen Jugendjahren auf dem Jahrmarkt kennt und die inzwischen für Xiang Yao arbeitet.

Doch der Goon schwelgt nicht nur in Erinnerungen an seine unglückliche Liebe. Denn in der Gegenwart muss er sein Revier gegen den geheimnisvollen Mr. Wicker verteidigen. Und wieder gibt es eine Femme Fatale.

Chinatown“ ist Powells bislang anspruchsvollste Arbeit. Nachdem in den vorherigen „The Goon“-Geschichten die Lacher im Vordergrund standen (wobei die Witze und die Verknüpfung der verschiedenen Ebenen zwischen Wirklichkeit und Comicwelt und die zahlreichen Anspielungen auf andere Werke, zeigten, dass Powell nicht nur „lustige Kack-Witze“ [Powell über Powells Schaffen] erzählte), erzählt er jetzt eine große, auf mehreren Zeitebenen spielende, fantastisch gezeichnete Geschichte, die uns einiges über Goons Vergangenheit und wie er zu dem Mann wurde, der er heute ist, verrät. Und Eric Powell erhielt für „Chinatown und das Geheimnis des Mr. Wicker“ zwei weitere Eisner-Awards, dem Oscar der Comicbranche.

Wie immer bei Cross Cult gibt es auch beim siebten „The Goon“-Band viel informatives Bonusmaterial. Dieses Mal sind es Vorworte von Eric Powell und David Fincher, der auch in die „The Goon“-Verfilmung involviert ist (Anscheinend ist inzwischen alles drehbereit.), einen ausführlichen, von Eric Powell kommentierten Blick in sein Skizzenbuch für diese „The Goon“-Geschichte und ein sechsseitiges Interview mit Eric Powell.

Eric Powell: The Goon: Chinatown und das Geheimnis des Mr. Wicker (The Goon 7)

(übersetzt von Frank Neubauer)

Cross Cult, 2011

144 Seiten

19,80 Euro

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Originalausgabe

The Goon: Chinatown and the mystery of Mr. Wicker

Dark Horse Comics, 2007

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Hinweise

Homepage von Eric Powell

Wikipedia über „The Goon“

Meine Besprechung von Eric Powells „The Goon: Meine mörderische Kindheit (Band 3)“ (The Goon: My murderous childhood [and other grievious yarns], 2004)

Meine Besprechung von Eric Powells „The Goon: Bergeweise Trümmer (Band 4)“ (The Goon: Heaps of Ruination, 2005)

Meine Besprechung von Eric Powells „The Goon: Über die schrecklichen Konsequenzen von Tugend (Band 5)“ (The Goon: Virtue and the grim consequences thereof, 2006/2010)

Meine Besprechung von Eric Powells „The Goon: Böses Blut (Band 6)“ (The Goon: Wicked Inclinations, 2007/2010)

Hier noch einmal die Teaser für die geplante “The Goon”-Verfilmung


HaHa, sehr witzig, die „Verarschung“ von Lars Arffssen

Juli 26, 2011

Dass Lars Arffssen mit „Verarschung“ die Bestseller „Verblendung“, „Verdammnis“ und „Vergebung“ von Stieg Larsson parodiert, dürfte auch dem Dümmsten sofort auffallen.

Larsson erzählt in seinen drei posthum erschienenen Krimis, wie der Enthüllungsjournalist Mikael Blomkvist und die Hackerin Lisbeth Salander das Unrecht in Schweden bekämpfen. Dabei decken sie Frauenverachtung, Frauenhass und staatsgefährdende Umtriebe zwischen Geheimdiensten und Verbrecherbanden bis in die höchsten Ebenen des Landes auf. Das ist moralisch honorig, aber nicht besonders gut geschrieben, absolut humorfrei und bestenfalls mäßig geplottet. Denn Larsson ergeht sich in den jeweils etwa 800-seitigen, anscheinend in einem Schreibrausch geschriebenen Werken in zahllosen, oft auch uferlosen und belanglosen Nebengeschichten, unwichtigen Details (kein Computer, ohne dass gleich das Datenblatt mitgeliefert wird; kein Gespräch, ohne dass gleich mehrere Tassen Kaffee getrunken werden), endlosen Wiederholungen und garniert das ganze mit einer pseudo-verschachtelten Struktur, die nur auf den ersten Blick gedankliche Tiefe vortäuschen kann. Das und der überwältigende Erfolg beim Publikum, denn die Bücher sind weltweit Bestseller, die schwedischen Verfilmungen waren ebenfalls kommerziell erfolgreich und in den USA hat David Fincher gerade das Remake von „Verblendung“ gedreht, forderten natürlich eine Parodie heraus und eigentlich ist nur verwunderlich, dass erst jetzt die „Verarschung“ (der deutsche Titel ist viel deutlicher als der US-Titel) von „Verblendung“, „Verdammnis“ und „Vergebung“ erscheint. In ihr ist, wie es sich für eine Parodie gehört, alles hoffnungslos übertrieben. Denn eine Parodie ist „eine verzerrende, übertreibende oder verspottende Nachahmung“ (Wikipedia).

Die Verzerrung und die Übertreibung gelingt Arffssen auch ziemlich gut. Die Verspottung nur, wenn man Spott nicht mit Lachen verwechselt. Denn wer die Larsson-Bücher „Verblendung“, Verdammnis“ und „Vergebung“ gelesen hat, wird in der Parodie auch viele bekannte Charaktere mit leicht geänderten Namen und Plotwendungen wiedererkennen. Lizzy Salamander ist, wieder einmal, inhaftiert, weil sie einen Mord begangen haben soll (siehe „Verdammnis“ und „Vergebung“). Mikael Blomberg soll für den Möbelkonzern UKEA den Mord an dem Sohn des Inhabers aufklären und sich mit der Nazi-Vergangenheit des Unternehmens beschäftigen (siehe „Verblendung“). Ein Irrer ermordet Rentiere – und alles hängt miteinander und mit der Familiengeschichte von Salamander zusammen (siehe alle Larsson-Bücher). Wenn Sie jetzt verwirrt sind, haben sie die Methode Larsson verstanden.

Gleichzeitig könnte „Verarschung“, auch weil die Geschichte zeitlich nach „Vergebung“ spielt, als vierter „Millennium“-Band durchgehen. Denn bis auf die astronomischen Minusgrade, den schonungslos übertriebenen Männerhass, der jeden Mord rechtfertigt und nur noch durch einige fiktive Gesetze getoppt wird, und Blombergs unglaubliche Anziehungskraft auf Frauen (nein, halt, das war schon so in der Vorlage), einige Übertreibungen (in Salamanders kleine Gefängniszelle wird ein unglaublich großer Computer geschmuggelt und niemand kümmert es) ist alles so, wie wir es aus den Larsson-Büchern kennen: eine absurde Geschichte, eine unglaubliche Detailversessenheit (kein Computer ohne genaueste Speicherangaben), unendlich langweilige Dialoge (gerne auch über Computer geführt), epische Subplots und unwitzige Witze.

Damit erschöpft sich der Witz von „Verarschung“ schon nach zehn Seiten. Der Rest nötigt etwas Bewunderung ab. Denn Arffssen trifft den Ton des Originals ziemlich gut – und damit könnte „Verarschung“, wenn man einige Übertreibungen herausnimmt, gut als viertes Abenteuer von Mikael Blomkvist und Lisbeth Salander fungieren.

Als Parodie ist „Verarschung“ dagegen ziemlich in die Hose gegangen. Denn ich konnte nicht einmal Lachen. Noch nicht einmal lächeln.

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Lars Arffssen: Verarschung – Die Parodie

(übersetzt von Karolina Fell, Silke Jellinghaus, Katharina Naumann)

Rowohlt, 2011

272 Seiten

8,99 Euro

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Originalausgabe

The Girl with the Sturgeon Tattoo

St. Martin’s Press, New York, 2011

(erscheint am 30. August 2011)

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Hinweise

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verblendung“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verdammnis“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Vergebung“ (Buch/Film)

Homepage von Stieg Larsson

Heyne über Stieg Larsson

Krimi-Couch über Stieg Larsson

Wikiepedia über Stieg Larsson (deutsch, englisch)

Stieg Larsson in der Kriminalakte


Kleinkram

Juli 4, 2011

In der “Zeit” erinnert Wim Wenders sich an Peter Falk.

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Bei Mystery Fanfare schreibt Lawrence Block über “A pen name? Really? After all these years?”

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Noch mehr Lawrence Block gibt es bei Mulholland Books: “Canarsie and Westlake: Parker and Stark (and Me)”

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John Lutz (Uh, kennt den noch jemand? Gibt es noch Alo-Nudger-Fans? Ansonsten “Weiblich, ledig, jung, sucht…”) schreibt über “Noir in the Sunshine”.

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Charlie Huston schreibt über den “Paranoia Man”. (Hm, was mich daran erinnert, dass sein neuester Roman noch auf meinem Zu-Lesen-Stapel liegt.)

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Michael Koryta ist “In the Morgue”.

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Duane Swierczynski (aka Duane Louis) unterhält sich mit Josh Bazell über seinen neuen Roman “Fun & Games” (Teil 1, Teil 2). Mit Ed Brubaker hat er sich auch über “Fun & Games” unterhalten (Teil 1, Teil 2).

Und dann hat er noch eine Liste von 15 Büchern, die ihm halfen L. A. zu verstehen, erstellt. Dabei hat er die üblichen Verdächtigen links liegen gelassen.

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Jason Starr war Gastblogger in Duane Swierczynskis Secret Dead Blog – und er durfte nichts über Ken Bruen schreiben.

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Ken Bruen.

Da gibt es doch den deutschen Trailer der Ken-Bruen-Verfilmung “Blitz”:

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Bei Spinetingler gibt es die Reden von SJ Rozan und T. Jefferson Parker, die sie auf der California Crime Writers Conference gehalten haben.

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In der “Welt” ist eine Reportage über Winfried Hörning, den Lektor der Suhrkamp Krimis, erschienen.

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In der F. A. Z. macht man sich Gedanken über die Mafia, oder “Die Ökonomie der kriminellen Dienstleistung”.

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Die Juli-Ausgabe von “The Big Thrill” (der E-Zeitung der International Thriller Writers [ITW]) ist online. Dieses Mal unter anderem Porträts von und Interviews mit Brad Thor, Gregg Hurwitz und Heather Graham. 

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Buchkultur hat die allsommerliche Liste der Besten Krimis der Saison veröffentlicht. Platz 1 gebührt Don Winslows “Tage der Toten”. Wen interessieren da die nächsten neun Krimis?

Und Thomas Wörtche schreibt über politische Kriminalromane:

Politische Krimis meinen ganz einfach solche, in denen Weltsachverhalte vorkommen, die nicht läppisch, nicht nur die dumme Umsetzung von pubertärem oder stammtischhaften Schenkelklopfens sind. Letzteres ergibt, wenn auch keine politischen Krimis in unserem Sinn, dennoch politisch lesbare, textidentische Gebilde. Wie die mit Realitäten umgehen, wie sie die Möglichkeiten literarischer Kommunikation verlottern lassen – das hat in der Tat etwas sehr unangenehm Politisches. Aber das ist schon wieder ein anderes Thema.

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Im Bayerischen Fernsehen (BR) gibt es einen neuen Kinotalk, der wohl versucht, das Konzept des “Literarischen Quartetts” wiederzubeleben. Aber noch ist im “FilmFight – Der ‘Kino Kino’ Talk” (wasfüreintitel) seeeehr viel Luft nach oben:

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Zur Erholung und geistigen Erbauung empfehle ich einen Besuch im “Weekly Lizard”:

Justin Peacock empfiehlt George V. Higgins,

Alex Klava schreibt über verschiedene Standards für Männer und Frauen, wenn sie Thriller schreiben,

Scott Montgomery schreibt über Dashiell Hammett und

es gibt einige Worte über die Hauptdarsteller von David Finchers Stieg-Larsson-Verfilmung.

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Ach ja, hier ist der Trailer:

 

 

 

 

 


TV-Tipp für den 24. Mai: The Game

Mai 24, 2011

ZDFneo, 21.00

The Game – Das Geschenk seines Lebens (USA 1997, R.: David Fincher)

Drehbuch: John Brancato, Michael Ferris

Conrad schenkt seinem stinkreichen, einsamen Arschloch-Bruder Nicholas Van Orton einen Gutschein für ein Spiel, das sein Leben interessanter gestalten soll. Nachdem Nicholas das Rollenspiel beginnt, beginnt er die Kontrolle über sein Leben zu verlieren.

Düsterer Thriller (jedenfalls bis zum Beginn des dritten Aktes), der Fincher zwischen „Se7en“ und „Fight Club“ in Topform zeigt.

„Das Ganze ist ein intellektuelles Spiel mit Genre-Elementen und den Erwartungen eines an unzähligen Filmminuten geschulten Publikums. (…) Die Besonderheit an The Game ist nun, dass Fincher gerade darauf zielt, seinen Film als Spielmaterial kenntlich zu machen; methodisch tut er dies mit Sigmund Freud als Aushilfsregisseur, stilistisch mit den Mitteln des Verfolgungswahns.“ (Michael Kohler in Frank Schnelle, Hrsg.: David Fincher)

Mit Michael Douglas, Sean Penn, Deborah Kara Unger, James Rebhorn, Peter Donat, Carroll Baker, Armin Mueller-Stahl, Jack Kehoe (sein bislang letzter Auftritt, als Lieutenant Sullivan), Spike Jonze (kleine Nebenrolle), Michael Massee (dito kleine Nebenrolle)

Hinweise

Senses of Cinema über David Fincher

Drehbuch „The Game“ von John Brancato und Michael Ferris (19. Oktober 1995)

Drehbuch „The Game“ von John Brancato und Michael Ferris, überarbeitet von Larry Gross und Andrew Kevin Walker (8. Februar 1996 -Shooting Script)


Gratis-Comic-Tag, die zweite

Mai 13, 2011

Am Samstag, den 14. Mai, ist es wieder so weit: der Gratis-Comic-Tag wird gefeiert.

Schon der erste Gratis-Comic-Tag mit 17 teilnehmenden Verlagen, 30 Comics und über 150 Comic- und Buchhandlungen, die die Comics kostenlos verteilten, war ein voller Erfolg.

Dieses Jahr sind 29 Verlage und 44 Comics, teilweise sogar Erstveröffentlichungen, dabei.

Zu den Verlagen gehören bekannten Namen, wie Carlsen, Epaha und Panini, und auch neue, kleine Verlage, wie Comic Culture, Epsilon und Piredda.

Aber auch wer mit den Verlagsnamen wenig anfangen kann, dürfte einige der Comicserien kennen. Andere lohnen mit Sicherheit einen Blick.

Am zweiten Gratis-Comic-Tag werden „Die Peanuts“, „Donald Duck“, Die „Muppets-Show“, „Die Schlümpfe“ „Star Wars: Clone Wars“, „Marvel: Thor & Iron-Man“ und „DC Comics: Grenn Lantern – Secret Origin“ und „Die Simpsons“ verteilt.

Diese Namen dürften auch den Nicht-Comic-Fans etwas sagen. Es gibt aber auch tonnenweise Hefte mit unbekannteren Charakteren. Der „Goon“ schlägt in einer bislang unveröffentlichten Geschichte wieder zu und, spätestens wenn die von David Fincher produzierte 3D-Animationsverfilmung startet, wird auch jeder den „Goon“ kennen.

Es gibt ein Abenteuer von Professor Bell (der, so die Ankündigung, Lehrer von Sir Arthur Conan Doyle war und Doyle zu Sherlock Holmes inspirierte), das komplette siebte Album von dem „Tramp“, ein Science-Fiction-Heft der Dystopie „Golden City“, eines der Dystopie „Wasteland“, eine neu übersetzte und überarbeitete Version von „Canardo: Weiße Vögel sterben leise“, „Weissblechs Gratis-Grusel-Geisterstunde“, mysteriöse Kriminalfälle aus dem viktorianischem England in „Green Manor“ und eine neue Geschichte der deutschen Zombieserie „Die Toten“.

Und natürlich gibt es auch extra ausgezeichnete „Comics für Kids“, Mangas und Witziges.

Da dürfte wirklich für jeden etwas dabei sein. Wenn die kostenlosen Hefte nicht schon verteilt wurden. Denn letztes Jahr war der Andrang groß.

Die Idee für den Gratis-Comic-Tag kommt aus den USA und soll die Bandbreite der Comics von Micky Maus über Superman hin zu Comics, die sich explizit an Erwachsene richten und auch intellektuell herausfordernd sind, zeigen und neue Leser gewinnen.

Weitere Infos zum Gratis-Comic-Tag gibt es auf der Homepage und hier findet ihr den Händler in eurer Nähe.


TV-Tipp für den 11. Mai: Fight Club

Mai 11, 2011

Kabel 1, 22.45

Fight Club (USA 1999, R.: David Fincher)

Drehbuch: Jim Uhls

LV: Chuck Palahniuk: Fight Club, 1996 (Fight Club)

Yuppie Jack findet das Leben unglaublich öde. Kurzzeitige Kicks verschafft er sich mit dem Besuch von x-beliebigen Selbsthilfegruppen. Da trifft er Tyler Durden, der seinem Leben mit der Idee des „Fight Club“ (in dem Männer sich die Fresse polieren) den nötigen Kick verschafft. Bald nimmt der „Fight Club“ größere Dimensionen an.

Inzwischen: Klassiker, der mich schon damals im Kino verdammt gut gefiel. Naja, das Ende fand ich etwas schwach. Aber die zwei Stunden davor: Wow!

In seinem Roman enthüllt Palahniuk die Pointe früher.

Handwerklich lässt Fincher keine Wünsche offen: Er hält ein rasantes Tempo, setzt virtuos visuelle Effekte ein und schafft so einen atemberaubenden Alptraum der ausklingenden 90er. Gewiss kann über dieses bemerkenswerte Werk trefflich gestritten werden, doch eines muss ihm jeder attestieren: ‘Fight Club’ ist keine lauwarme Kommerzproduktion, sondern einer der mutigsten, irritierendsten, gleichzeitig aber auch interessantesten Filme der letzten Jahre.“ (W. O. P. Kistner, AZ, 11. November 1999)

Die andere Meinung: „Denn im Grunde ist diese manieristisch heruntergefilmte Möchtegern-Satire von Regisseur David Fincher (‘Sieben’) nicht mehr als grober Unfug: eine große, in die Länge gezogene Luftblase.“ (Albert Baer, Rheinische Post, 12. November 1999)

Mit Brad Pitt, Edward Norton, Helen Bonham Carter, Meat Loaf, Jared Leto, George Maguire

Hinweise

Wikipedia über „Fight Club“ (deutsch, englisch)

Drehbuch “Fight Club” von Jim Uhls (Fassung vom 16. Februar 1998)

Drehbuch “Fight Club” von Jim Uhls (Fassung vom 18. April 1997)

Senses of Cinema über David Fincher

Homepage von Chuck Palahniuk

Meine Besprechung der Chuck-Palahniuk-Verfilmung „Choke“


TV-Tipp für den 25. April: Zodiac – Die Spur des Killers

April 25, 2011

RTL, 22.00

Zodiac – Die Spur des Killers (USA 2007, R.: David Fincher)

Drehbuch: James Vanderbilt

LV: Robert Graysmith: Zodiac, 1976 (Zodiac – Auf der Spur eines Serienkillers)

Finchers epische, detailversessene Verfilmung über die Jagd nach dem Zodiac-Killer, der auch als Inspiration für den Killer in dem ersten „Dirty Harry“-Film diente. Der Zodiac-Killer versetzte in den späten Sechzigern die Bevölkerung in und um San Francisco in Angst und Schrecken. Dazu trugen neben seinen Taten und dem ausbleibenden Fahndungserfolg der Polizei auch seine verschlüsselten Briefe an die Öffentlichkeit bei. Bis heute ist seine Identität unklar.

Das Drehbuch war für den Edgar den Preis der Writers Guild of America nominiert.

Mit Jake Gyllenhaal, Mark Ruffalo, Anthony Edwards, Robert Downey jr., Brian Cox, Cloe Sevigny, Elias Koteas, Dermot Mulroney

Hinweise

Amerikanische Homepage zu Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Zodiac – Die Spur des Killers“

Drehbuch „Zodiac von James Vanderbilt (oder hier)

Wikipedia über „Zodiac“ (deutsch, englisch)

Zodiac Killer Facts (eine Gegenüberstellung von Film und Wirklichkeit; - keine Ahnung, wie genau die Auflistung ist)


TV-Tipp für den 22. April: Street Kings

April 22, 2011

RTL, 23.05

Street Kings (USA 2007, R.: David Ayer)

Drehbuch: James Ellroy, Kurt Wimmer, Jamie Moss

LV: James Ellroy: Watchman/The night Watchman (Originalgeschichte)

Die Story klingt nach einem typischen Ellroy – oder dem typischen Cop-Thriller der Marke „Korrupter Cop sitzt in der Scheiße; entdeckt, (Überraschung!) dass die Polizei korrupt ist und stellt sich auf die Seite der Guten“. Denken Sie nur an die Ellroy-Verfilmung „Dark Blue“ (für die Ayer das Drehbuch schrieb), ersetzen Kurt Russell durch Keanu Reeves, lassen den Rookie Scott Speedman weg und wir haben den nächsten düsteren, bleihaltigen LA-Copthriller.

Ellroys Story ist eine nicht veröffentlichte Originalgeschichte und sollte bereits vor Jahren als „Watchman“ oder auch „The night Watchman“ verfilmt werden. David Fincher, Spike Lee und Oliver Stone waren als Regisseure im Gespräch. Für den Film wurde Ellroys Drehbuch dann von mehreren Autoren (zwei schafften es in die Credits, aber Ayer soll und John Ridley hat vor Jahren an dem Drehbuch gearbeitet) bearbeitet.

Mit Keanu Reeves, Forest Whitaker, Hugh Laurie, Chris Evans, Martha Higareda, Cedric the Entertainer, Amaury Nolasco

Wiederholung: Montag, 25. April, 02.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Meine Besprechung von James Ellroys Underworld-USA-Trilogie (Ein amerikanischer Thriller, Ein amerikanischer Albtraum, Blut will fließen)

James Ellroy in der Kriminalakte


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