Dominik Graf spricht über seine Filme

Dezember 20, 2010

Von der zehnteiligen Krimiserie „Im Angesicht des Verbrechens“ war ich enttäuscht.

Von dem die Serie begleitendem Buch bin ich begeistert.

Denn das von Johannes F. Sievert herausgegebene Buch „Im Angesicht des Verbrechens“ ist kein Roman zum Film, kein Abdruck des Drehbuchs und kein blindes Abfeiern der Serie als Meisterwerk. Es ist ein Interviewband, der „Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“ (so der Untertitel) zeigen will und deshalb einen tiefen Einblick in die Produktion eines Films von den ersten Ideen bis zur Premiere gibt. Gleichzeitig, weil das Herzstück des Buches ein zweihundertseitiges Interview mit Regisseur Dominik Graf ist, ist es auch ein Rückblick auf sein Leben, wie er Regie führt und wie sich sein Stil änderte. Dabei kommt er in dem Gespräch immer wieder auf „Der Fahnder“ (die Serie, in der er seine ersten Meriten sammelte), „Die Katze“ (der erfolgreiche Banküberfallthriller mit Götz George und Gudrun Landgrebe) und „Die Sieger“ (ein erfolgloser Thriller über ein SEK-Team) zurück. Gerade „Die Sieger“ wird von Graf in dem Gespräch immer wieder genannt. Denn an diesem Film, den er für gescheitert hält, könne man einfach am Besten erklären, was er erreichen wollte, was schiefging und welche Folgen die falschen Kompromisse und Budgetbeschränkungen auf einen Film haben können. Die knappen und oft zu knappen Budgets, was sich vor allem an Action- und Massenszenen zeigt, sind ein wiederkehrendes Thema in dem Buch. Ein anderes wiederkehrendes Thema ist Grafs Suche nach dem Schmutz und dem bisschen Leben im Film. Denn er möchte in seinen Filmen nicht nur eine in jeder Beziehung perfekte Traumwelt zeigen, sondern auch Überraschungen und Improvisationen Raum geben. So wies er, als beim Dreh einer komplizierten Restaurantszene von „Im Angesicht des Verbrechens“, in der verschiedene Gruppen von Polizisten Gangster beobachten sein Team an, einen herumstreunenden Hund nicht aus dem Bild zu entfernen.

Im Anschluss an das ausführliche Interview mit Dominik Graf führte Johannes F. Sievert kürzere Interviews mit Drehbuchautor Rolf Basedow (das hätte ruhig ausführlicher sein können), den WDR-Redakteuren Wolf-Dietrich Brücker und Frank Tönsmann, Arte-Redakteur Andreas Schreitmüller, Producerin Kathrin Bullemer, Kameramann Michael Wiesweg, Szenenbildner Claus-Jürgen Pfeiffer, den Musikern Florian Van Volxem und Sven Rosenbach, der Cutterin Claudia Wolscht und den Hauptdarstellern. Diese Statements, die nach vertrauten Promo-Sätzen klingen, hätte man ruhig streichen können.

Eine euphorische Kritik der Serie von Peter Körte, ein Episodenguide, ein Glossar, eine detaillierte Filmographie von Dominik Graf und 75 Abbildungen runden das für Filmfans essentielle Werk ab.

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Johannes F. Sievert (Hrsg.): Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie

Alexander Verlag, 2010

392 Seiten

29,90 Euro

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Hinweise

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung von „Im Angesicht des Verbrechens“

Dominik Graf in der Kriminalakte

 


Dominik Graf liest

September 20, 2010

Dominik Graf liest einen Text aus seinem Buch “Schläft ein Lied in allen Dingen” vor:


Erster Eindruck: Dominik Graf: Schläft ein Lied in allen Dingen

November 12, 2009

Graf - Schläft ein Lied in allen Dingen

Unbestritten ist Dominik Graf einer von Deutschlands besten Regisseuren. Außerdem ist er einer der ganz wenigen deutschen Regisseure, der über seine Filme und die von Kollegen schreibt. Er outet sich dann immer wieder als hoffnungsloser Filmfan, der seine Passion zum Beruf gemacht hat, und in einer guten Tradition steht. Hans-Christoph Blumenberg, Rainer Werner Fassbinder, Wim Wenders, Volker Schlöndorff, Jean-Pierre Melville, Francois Truffaut, Claude Chabrol und Martin Scorsese, um nur einige zu nennen, haben offen über ihre Einflüsse gesprochen und so die Liste der Filme, die ich sehen will, verlängert. Einige sind über das Schreiben zur Regie gekommen.

Bei Dominik Graf war es umgekehrt. Er inszenierte einige Kinofilme, wie „Treffer“, „Die Katze“ und „Die Sieger“. Gleichzeitig arbeitete er für’s Fernsehen. Vor allem für die legendäre Vorabendserie „Der Fahnder“. Nachdem sein etwas zu lang geratener, unterschätzter Polizeifilm „Die Sieger“ an der Kasse floppte, arbeitete er fast nur noch für das Fernsehen und drehte etliche Filme, die den meisten heimischen Kinoproduktionen meilenweit überlegen sind. Denn Dominik Graf hat nicht nur eine eigene Handschrift, sondern er will explizit Filme für ein denkendes Publikum machen. Deshalb bedient er sich gerne des Genrekinos. In ihm kann er innerhalb bestimmter Regeln eine maximale Freiheit erreichen. Zuletzt gelang ihm das mit „Kommissar Süden und der Luftgitarrist“. Parallel dazu veröffentlichte er zahlreiche Texte über von ihm geliebte Filme und bewunderte Regisseure. Sie rechtfertigen sein eigenes Schaffen und offenbaren seine Einflüsse.

Filmjournalist Michael Althen hat jetzt für den schön gestalteten Sammelband „Schläft ein Lied in allen Dingen“ 56 Texte von Dominik Graf ausgewählt. Die meisten Essays erschienen in der FAZ oder der SZ, zehn an anderen Orten und zwei sind bislang unveröffentlicht. Sortiert sind die Texte nach Ländern (Deutschland, Amerika, England, Frankreich, Italien, Osteuropa). Außerdem gibt es fünf Porträts.

Graf erinnert in ihnen an die Arten des Filmemachens, die heute weitgehend untergegangen sind. Es ist das alte Hollywood-Genrekino und das Hollywood-Kino der Siebziger Jahre, auf das sich inzwischen wieder vermehrt Regisseure von Polit- und Polizei-Thrillern beziehen. Er macht immer wieder auf das mal mehr, mal weniger vergessene Kino jenseits des Mainstreams aufmerksam. Es sind auch vergessene Filme von bekannten Regisseuren, wie George Roy Hills „Die Libelle“, dabei. Damals ein Flop und heute vergessen. Aber nach Grafs Liebeserklärung will man sich den Film wieder ansehen.

Und das ist auch bei den anderen Filmen, wie „Die dritte Genration“, „Das Privatleben des Sherlock Holmes,“, „The Dead Zone“, „New Rose Hotel“, „Ein mörderischer Sommer“ und „Allein gegen die Mafia“, so.

Außerdem gibt es einen 14-seitigen Anhang, in dem Graf etliche DVDs empfiehlt und kurz kommentiert.

Damit ist „Schläft ein Lied in allen Dingen“ eine Einladung zum Entdecken und Wiedersehen von Filmen. Ein feines Buch für lange Abende.

Anmerkung 1: Jetzt fehlt nur noch ein Buch, das die verschiedenen Texte von Dominik Graf über seine Filme und Interviews mit ihm versammelt.

Dann kann ich mein altes Projekt, ein Filmbuch über Dominik Graf, in der Schublade verschwinden lassen.

Anmerkung 2: Die DVD-Produzenten sollten endlich mal etwas Geld in die Hand nehmen und die Filme von Dominik Graf in einer wenigstens halbwegs anständigen Version auf den Markt bringen. Ein Audiokommentar oder ein Gespräch mit Graf als Bonusmaterial wären schon mal ein Anfang.

Denn bis jetzt sind die meisten seiner Filme in absolut lieblosen Ausgaben, oft mit einem gruseligen Cover und ohne Bonusmaterial, erschienen.

 

Dominik Graf: Schläft ein Lied in allen Dingen – Texte zum Film

(Herausgegeben von Michael Althen)

Alexander Verlag, 2009

376 Seiten

19,90 Euro

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Buchpräsentation

Mittwoch, 18. November

Buecherbogen am Savignyplatz (Stadtbahnbogen 593, Berlin, S-Bahnhof Savignyplatz)

19.00 Uhr

Eintritt frei

Eine Veranstaltung im Rahmen der 18. Berlin-Brandenburgischen Buchwochen


TV-Tipp für den 11. Mai: Hotte im Paradies

Mai 10, 2013

 

Eins Festival, 22.00

Hotte im Paradies (D 2003, R.: Dominik Graf)

Drehbuch: Rolf Basedow

Der kleine Zuhälter Hotte träumt von einem besseren Leben. Mit seiner neuen Hure könnte es klappen.

Grandioser Film über einen Berliner Zuhälter

mit Misel Maticevic, Nadeshda Brennicke, Birge Schade, Stefanie Stappenbeck

Wiederholung: Sonntag, 12. Mai, 01.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Meine Besprechung von Chris Wahl/Jesko Jockenhövel/Marco Abel/Michael Wedel (Hrsg.) “Im Angesicht des Fernsehens – Der Filmemacher Dominik Graf”

Dominik Graf in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 26. April: Das unsichtbare Mädchen

April 26, 2013

ZDFneo, 02.35

Das unsichtbare Mädchen (D 2011, R.: Dominik Graf)

Drehbuch: Friedrich Ani, Ina Jung

Vor elf Jahren verschwand die achtjährige Sina. Obwohl ihre Leiche nie gefunden wird, ist ihr Mörder, ein geistig behinderter junger Mann, schnell gefunden. Als Tanner bei aktuellen Ermittlungen über diesen alten Fall stolpert, zweifelt er immer mehr, ob damals wirklcih der richtige Mann verurteilt wurde.

Gewohnt guter Krimi von Dominik Graf, nach einem Drehbuch von Friedrich Ani und Ina Jung, die für eine Doku über die 2001 spurlos in Oberfranken verschwundene Peggy recherchierte. Ihre Recherchen bildeten die Grundlage für „Das unsichtbare Mädchen“.

mit Elmar Wepper, Ulrich Noethen, Ronald Zehrfeld, Silke Bodenstein, Tim Bergmann

Wiederholung: Sonntag, 28. April, 21.45 Uhr

Hinweise

Arte über „Das unsichtbare Mädchen“

Tagesspiegel, Spiegel Online über “Das unsichtbare Mädchen”

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Meine Besprechung von Chris Wahl/Jesko Jockenhövel/Marco Abel/Michael Wedel (Hrsg.) “Im Angesicht des Fernsehens – Der Filmemacher Dominik Graf”

Dominik Graf in der Kriminalakte

Homepage von Friedrich Ani

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Wer lebt, stirbt“ (2007)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der verschwundene Gast“ (2008)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Totsein verjährt nicht” (2009)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Die Tat” (2010)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden“ (2011, mit Interview)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Süden und die Schlüsselkinder” (2011)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Süden und das heimliche Leben” (2012)

Friedrich Ani in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 15. April: Polizeiruf 110: Der scharlachrote Engel

April 15, 2013

RBB, 22.45

 

Polizeiruf 110: Der scharlachrote Engel (D 2005, R.: Dominik Graf)

 

Drehbuch: Günter Schütter

 

Flo Engelhard ruft bei der Polizei an und sagt, sie habe einen Einbrecher erschossen. Die Kommissare Tauber und Obermaier finden allerdings keine Leiche und kurz darauf taucht der Einbrecher quicklebendig wieder auf. Er will sich anscheinend an Flo rächen.

 

Hier arbeitet wieder das bewährte Team Schütter-Graf zusammen. Ihm verdanken wir unter anderem folgende Sternstunden des deutschen Films: „Der Skorpion“, „Tatort: Frau Bu Lacht“, „Die Sieger“, die Fahnder-Folgen „Nachtwache“ und „Baal“ und zuletzt den Spielfilm „Der rote Kakadu“.

 

Der scharlachrote Engel“ ist ein intensiver „Polizeiruf 110“ über Stalking und die Unfähigkeit der Polizei etwas dagegen zu tun. Gegen diesen Polizeithriller wirken viele Kinofilme wie Ramschware.

 

Mit Edgar Selge, Michaela May, Nina Kunzendorf, Claudia Messner, Martin Feifel

 

Hinweise

 

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

 

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

 

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Meine Besprechung von Chris Wahl/Jesko Jockenhövel/Marco Abel/Michael Wedel (Hrsg.) “Im Angesicht des Fernsehens – Der Filmemacher Dominik Graf”

 

Dominik Graf in der Kriminalakte


Akademisches Fanbuch

März 9, 2013

Wahl HRSG - Im Angesicht des Fernsehens

Auf dieses Buch habe ich lange gewartet.

Naja, fast. Denn „Im Angesicht des Fernsehens“, herausgegeben von Chris Wahl, Jesko Jockenhövel, Marco Abel und Michael Wedel beschäftigt sich zwar mit dem Regisseur Dominik Graf und analysiert auch, wie ein Blick in das Inhaltsverzeichnis zeigt, seine Filme:

Ich bedauere viele Dinge“ – Interview mit Dominik Graf

Chris Wahl: Dominik Grafs Karriere als Filmemacher zwischen Kino und Fernsehen – Eine Einführung

Judith Früh: „Lächerlicher kleiner Sensibilist“ – Dominik Graf an der HFF München

Marco Abel: Sehnsucht nach dem Genre – „Die Sieger“ von Dominik Graf

Sarah Kordecki: „Das unsichtbare Mädchen“ als „ultimativer Heimatfilm“? – Von Landschaftsthrillern, Heimatkomödien und Provinzdramen

Jesko Jockenhövel: Von Morlocks und Kakadus – Deutsch-deutsche Gesellschaftspolitik in den Filmen von Dominik Graf

Michaela Krützen: „Der Fahnder“, 2011 gesehen

Felix Lenz: Urelemente und Milieu – Die Coming-of-Age-Filme von Dominik Graf

Julian Hanich: Des Knaben wunder Zorn – Über das Motiv des Vater-Sohn-Konflikts in Dominik Grafs „Der Skorpion“

Daniel Eschköter: Außer Fassung – Drei Firmen-Familien-Melodramen: „Bittere Unschuld“, „Deine besten Jahre“, „Kalter Frühling“

Brad Prager: Gegenspieler und innere Dämonen – Dominik Grafs „Im Angesicht des Verbrechens“

Chris Wahl: Stilistische Muster in den Filmen von Dominik Graf – Off-Kommentar, Zwischenbild, Freeze Frame und transparente Reflexion

Tobias Ebbrecht: Geschichte im Transit – „Bei Thea“ oder: Orte, die in die Vergangenheit hineinziehen

Laura Frahm: Urbane Archäologie – Kartografie und Geschichte in „Das Wispern im Berg der Dinge“ und „München – Geheimnisse einer Stadt“

Jaimey Fisher: „Die Ehrlichkeit der Stadt“ – Skalierungen in Dominik Grafs und Martin Gressmans „Der Weg, den wir nicht zusammen gehen“

Chris Wahl: Kommentierte Filmografie

Das sieht doch ganz gut aus. Aber die Aufsätze sind von Wissenschaftlern geschrieben, die sich um eine entsprechend dröge wissenschaftliche, aber lesbare Sprache bemühen, die Bezüge und Vergleiche in einigen Aufsätzen sind weit hergeholt und der wissenschaftlichen Praxis des Vergleichens geschuldet. Die „Kommentierte Filmographie“ ist nur eine ziemlich knapp gehaltene Filmographie. Dafür ist die Bibliographie der von Dominik Graf geschriebenen Texte angenehm umfangreich geraten. Es werden nicht nur die im Buch zitierten Texte genannt und sie dürfte alle seine publizierten Texte umfassen.

Im Angesicht des Fernsehens“ ist insgesamt ein informatives und auch sehr lesenswertes Buch, aber mein Traumbuch über Dominik Graf würde sich an den bewährten Filmbüchern, die wir aus dem Carl Hanser Verlag, Bertz + Fischer und Heyne (vor allem die Bücher, die sich an der Hanser Reihe Film orientierten) kennen, orientieren: ein Interview mit Dominik Graf, eine Zusammenstellung von Zitaten von Dominik Graf, einige Einzelanalysen zu ausgewählten Filmen und Aspekten seines Werkes (gut, das ist „Im Angesicht des Fernsehens“ enthalten) und, das fehlt, eine kritische Vorstellung von jedem seiner Filme.

Denn im „Im Angesicht des Fernsehens“ ist ein akademisches Fanbuch, bei dem die Autoren gar nicht ernsthaft auf den Gedanken kommen, dass Graf auch einen schlechten Film inszenieren könnte. Hier reiht sich quasi ein Meisterwerk an das nächste.

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Chris Wahl/Jesko Jockenhövel/Marco Abel/Michael Wedel (Hrsg.): Im Angesicht des Fernsehens – Der Filmemacher Dominik Graf

edition text + kritik, 2012

356 Seiten

26 Euro

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Hinweise

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Dominik Graf in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 22. Februar: Polizeiruf 110: Cassandras Warnung

Februar 22, 2013

ARD, 22.00

Polizeiruf 110: Cassandras Warnung (D 2011, R.: Dominik Graf)

Drehbuch: Günter Schütter

Kaum beginnt Kommissar Hanns von Meuffels seinen Dienst in München, muss er auch gleich im Kreis der Kollegen ermitteln. Denn auf die Frau von Gerry Vogt wurde ein Anschlag verübt, bei dem ihre Freundin starb. Diana Vogt erhält Polizeischutz und von Meuffels und Vogt suchen die Mörderin, die wahrscheinlich eine verschmähte Verehrerin ist.

Der erste Auftritt von Matthias Brandt als Kommissar Hanns von Meuffels ist ein starkes Stück Kino, mitreisend erzählt mit kleinen Abschweifungen. Dass die Lösung, rückblickend, einige kleine Logikfehler hat, kann nach neunzig atemlosen Minuten verziehen werden.

mit Matthias Brandt, Ronald Zehrfeld, Philipp Moog, Alma Leiberg, Anna Maria Sturm, Tobias van Dieken

Hinweise

ARD über “Polizeruf 110″

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Dominik Graf in der Kriminalakte

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Bonushinweis

Der Sammelband „Im Angesicht des Fernsehens“ versammelt Aufsätze, die sich mit verschiedene Aspekten von Dominik Grafs umfangreichem Werk und einzelnen Filmen beschäftigten, es gibt einen kurzen Überblick über sein Schaffen (in der „Einführung“), selbstverständlich eine Filmografie, eine Bibliografie und ein Filmtitelindex (wenn man alles zu einem Film sucht) und ein Interview mit Dominik Graf.

Die ausführliche Besprechung ist in Arbeit.

Chris Wahl/Jesko Jockenhövel/Marco Abel/Michael Wedel (Hrsg.): Im Angesicht des Fernsehens – Der Filmemacher Dominik Graf

edition text + kritik, 2012

356 Seiten

26 Euro


TV-Tipp für den 14. November: Eine Stadt wird erpresst

November 14, 2012

3sat, 20.15

Eine Stadt wird erpresst (D 2006, R.: Dominik Graf)

Drehbuch: Dominik Graf, Rolf Basedow

Eigentlich sagt der Titel schon alles: Unbekannte erpressen Leipzig. Die einzige Spur führt Kommissar Kalinke und sein Team in ein Dorf, das dem Tagebau geopfert werden soll.

Auch diese Zusammenarbeit des Teams Basedow/Graf war ein Höhepunkt des TV-Jahres: gute Geschichte, gute Inszenierung und Schauspieler, die endlich zeigen dürfen, dass sie mehr als sprechende Kleiderständer sind.

„Es ist ein guter, alter Polizeifilm, ein Thriller, modern inszeniert. Und wie jeder gute Krimi ist es auch ein Sozialdrama.“ (Björn Wirth,Berliner Zeitung, 23. Februar 2007)

Mit Uwe Kockisch, Misel Maticevic, Julia Blankenburg

Hinweise

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Dominik Graf in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 19. September: Lawinen der Erinnerung

September 19, 2012

Arte, 21.55

Lawinen der Erinnerung (D 2012, R.: Dominik Graf)

Drehbuch: Dominik Graf

Spielfilmlange Doku über Oliver Storz, der als Autor und Regisseur neben seriösen Werken auch die „Raumpatrouille Orion“ schrieb.

mit Oliver Storz, Eva Kruijssen

Wiederholung: Montag, 24. September, 11.00 Uhr

Hinweise

Arte über „Lawinen der Erinnerung“

Süddeutsche Zeitung: Matthias Brandt über „Lawinen der Erinnerung” (16. September 2012)

Wikipedia über Oliver Storz

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Dominik Graf in der Kriminalakte

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Bonushinweis

Seit Jahren hatte ich meinen Buchhändler mit der Frage, wann es denn endlich ein Buch über Dominik Graf gibt, genervt.

Seit einigen Tagen kann er sagen „Da isses“ und mir und allen Graf-Jüngern ein 356-seitiges, reichhaltig bebildertes Werk in die Hand drücken.

Der Sammelband „Im Angesicht des Fernsehens“ versammelt Aufsätze, die sich mit verschiedene Aspekten seines umfangreichen Werkes oder einzelnen Filmen beschäftigten, es gibt einen kurzen Überblick über sein Schaffen (in der „Einführung“), selbstverständlich eine Filmografie, eine Bibliografie und ein Filmtitelindex (wenn man alles zu einem Film sucht) und ein Interview mit Dominik Graf.

Die ersten Seiten gefallen mir ziemlich gut.

Chris Wahl/Jesko Jockenhövel/Marco Abel/Michael Wedel (Hrsg.): Im Angesicht des Fernsehens – Der Filmemacher Dominik Graf

edition text + kritik, 2012

356 Seiten

26 Euro

 


TV-Tipp für den 3. Juni: Im Angesicht des Verbrechens – Teil 1/2

Juni 3, 2012

Dann mach ich mal einen Repost von meiner Kritik zur Premiere im Ersten, empfehle einen Blick in die unten stehenden Links und verschweige das traurige Ende der großen TV-Premiere

3sat, 23.10

Im Angesicht des Verbrechens: Berlin ist das Paradies/Wo wir sind, ist vorne (D 2010, R.: Dominik Graf)

Drehbuch: Rolf Basedow

Nach der Premiere von „Im Namen des Verbrechens“ auf der Berlinale schrieben die Kritiker Jubelarien. Das kann allerdings auch einfach daran gelegen haben, dass sie sich beglückwünschten in zwei, jeweils gut fünfstündigen Sitzungen, den TV-Zehnteiler gemeinsam im Kinosaal gesehen zu haben. Ich kann mir vorstellen, dass nach dem letzten Bild im Saal ein ähnliches Gefühl herrschte, wie bei einer Wandergruppe, die den Gipfel erstürmte. Geschafft und stolz auf die eigene Leistung.

Die TV-Premiere im Frühling auf Arte wurde dann auch mit mehr als wohlwollenden Artikeln begleitet und jetzt, zur ARD-Premiere zu einer durchwachsenen Uhrzeit (aufgrund der vielen nackten Haut kann der Film nicht um 20.15 Uhr gezeigt werden und einen späteren Serienslot hat das Erste nicht mehr), gibt es wieder seitenlange Jubelarien.

Dabei ist eines unbestritten: „Im Namen des Verbrechens“ ist das bislang umfangreichste Werk von Regisseur Dominik Graf und Drehbuchautor Rolf Basedow.

Und sehr wahrscheinlich werden Graf und Basedow nie wieder zehn Millionen Euro erhalten und die Tortur eines 500-minütigen Films mit 120 Drehtagen und 140 Sprechrollen und unzähligen Komparsen auf sich nehmen.

Allein dafür gebührt ihnen Respekt und natürlich gibt es in „Im Angesicht des Verbrechens“ viele grandiose Szenen. Aber insgesamt, vor allem wenn man sich den Zehnteiler in einem Rutsch ansieht (und nicht vom Gruppengefühl beeinflusst wird), enttäuscht die Serie.

Denn die Serie wirkt niemals wie ein in einem Stück gedrehtes Werk, sondern wie die von verschiedenen Autoren und Regisseuren gedrehten Folgen für eine Serie, die nach der ersten Folge lange nach der episodenübergreifenden Geschichte sucht.

Da kann man dann auch damit Leben, dass Subplots fallengelassen werden, es Irrwege gibt, die im Nachhinein, weil die Folge bereits gezeigt wurde, nicht mehr korrigiert werden können und einige für das Verständnis der Geschichte wichtige Punkte in jeder Episode wiederholt werden. Das kennt jeder, der sich US-amerikanische Serien, die fast in Echtzeit produziert werden, ansieht. Ich sage nur „24“.

Aber „Im Angesicht des Verbrechens“ wurde geschrieben, gedreht, geschnitten und erst dann der Öffentlichkeit präsentiert. Da müsste der episodenübergreifende Plot viel deutlicher sein und sich in jeder Folge weiterentwickeln.

Außerdem scheint Dominik Graf hier mit jeder Folge einen anderen Stil ausprobieren zu wollen. Da wird plötzlich exzessiv mit Split-Screens gearbeitet. Andere Folgen und Szenen erinnern mal an einen Horrorfilm, mal an einen Polizeifilm, mal an einen kitschigen Heimatfilm und mal an einen Märchenfilm. Außerdem feiern die russischen Gangster ungefähr einmal pro Folge ein rauschendes Fest mit Wein, Weib, Gesang und Tanz. Und ungefähr alle zehn Minuten gibt es eine das Herz des Berliners erfreuende Panoramaaufnahme von seiner Stadt.

Entsprechend verfranst wirkt vieles. So sollen nach dem vor jeder Folge gezeigten Vorspann (es spricht einiges dafür, dass das auch die für die Macher wichtigen Geschichten und Themen sind) der junge Polizist Marek Gorsky (Max Riemelt), seine Liebe zu Jelena (Alina Levshin), die Suche nach dem Mörder seines Bruders Grischa und die enge Beziehung zu seiner Schwester Stella (Marie Bäumer), die einen russischen Gangsterboss Mischa (ungewohnt blass: Misel Maticevic) geheiratet hat, im Mittelpunkt der Serie stehen.

Nur Mareks Wunsch, den Mörder seines vor zehn Jahren ermordeten Bruders zu finden, bezeichnet ein konkretes Ziel. Das ist allerdings über weite Strecken nicht handlungstreibend. Stattdessen jagen Marek und sein Polizistenkumpel Sven Lottner (Ronald Zehrfeld, der als draufgängerischer Polizist viel präsenter als Riemelt ist) russische Gangster, verfolgen einen halbseidenen Spediteur in den Osten und haben viel Spaß bei ihrer Arbeit. Doch auch der Kampf gegen die Russenmafia bleibt episodisches Stückwerk. Hier mal eine Razzia, da mal ein Zugriff auf ein Lagerhaus. Denn es wird nie deutlich, welcher Gangster am Ende der Staffel verhaftet werden soll. Entsprechend abrupt endet dann auch der Zehnteiler mit einer weiteren Razzia im benachbarten Brandenburg.

Die Liebesgeschichte zwischen Marek und Jelena spielt in der ersten Hälfte der Serie keine Rolle, in der zweiten Hälfte wird sie wichtiger. Aber sie erscheint psychologisch unmotiviert (jaja, Liebe macht blind und Wer verliebt ist, reagiert nicht vernünftig) und es ist auch nicht nachvollziehbar, weshalb Marek plötzlich versucht Jelenas Freundin Swetlana aus einem letztklassigem Puff in Weißrussland zu befreien.

Und Mareks Beziehung zu seiner Schwester Stella wird zwar immer wieder angesprochen. Aber es wird nie deutlich, wo denn genau der Konflikt für den superehrlichen, fast schon 150-prozentig korrekten (und entsprechend langweiligen) Polizisten Marek liegt. Denn er hat keine Ahnung, wie sehr Stellas Mann Mischa in die Geschäfte der Russenmafia verwickelt ist. Daher muss Marek sich über viele Folgen nicht zwischen seinem Beruf und seiner Schwester beziehungsweise seiner Familie entscheiden. Dieser Konflikt könnte, vor allem nach den in mehrfacher Hinsicht überraschenden Ereignissen in den letzten beiden Episoden von „Im Angesicht des Verbrechens“, in einer zweiten Staffel von „Im Angesicht des Verbrechens“ wichtig werden.

Aber ob es eine zweite Staffel gibt, werden die Fernsehredakteure erst nach der Ausstrahlung der ersten Staffel entscheiden. Dass die DVD, mal wieder mit einem ausgesucht hässlichem Cover und wenig Bonusmaterial (Herrje, warum darf Dominik Graf nicht mal einen Audiokommentar sprechen? Warum gibt es keine Doku über die Russenmafia?), bereits für den 16. November angekündigt ist, sagt allerdings einiges über die Erwartungen der Macher aus. Denn dann läuft die Serie noch im Ersten.

Trotz aller Kritik spricht für die Serie, dass hier endlich einmal mehr als Dienst nach Vorschrift gemacht wurde, dass versucht wurde ein großes Epos zu drehen und dass sich nicht an die biederen Konventionen des neunzigminütigen TV-Films gehalten wurde.

Die weiteren Folgen von „Im Angesicht des Verbrechens“ werden, immer als Doppelfolgen, am Dienstag um 22.25 Uhr, Mittwoch um 22.25 Uhr, Donnerstag um 22.40 Uhr und Freitag um 22.25 Uhr gezeigt.

mit Max Riemelt (Marek Gorsky), Marie Bäumer (Stella), Misel Maticevic (Mischa), Ronald Zehrfeld (Sven Lottner), Alina Levshin (Jelena), Katja Nesytowa (Swetlana)

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Hinweise

ARD über „Im Angesicht des Verbrechens“

Berliner Zeitung/Frankfurter Rundschau: Klaudia Wick über “Im Angesicht des Verbrechens” (21. Oktober 2010)

Tagesspiegel: Markus Ehrenberg über “Im Angesicht des Verbrechens” (21. Oktober 2010)

Kriminalakte: Links zu Artikeln über die Serie und das Gespräch mit dem Publikum nach der Berlinale-Premiere

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Dominik Graf in der Kriminalakte


DVD-Kritik: Und noch ein guter französischer Krimi: „R. I. F. – Ich werde dich finden!“

April 20, 2012

Auch wenn „R. I. F. – Ich werde dich finden!“ anders als erwartet ist, reiht sich Franck Mancusos Film nahtlos in die Reihe der guten französischen Kriminalfilme ein, die seit einigen Jahren bei uns vor allem als DVD veröffentlicht werden und im TV meist zu publikumsunfreundlichen Zeiten laufen. In Frankreich sind sie dagegen äußerst beliebt. Auch „R. I. F.“ gelang der Sprung in die Kino-Top-10. Dabei ist der düstere Polizeikrimi nicht gerade das typische Kinohitfutter, das sich normalerweise irgendwo zwischen hirnlosen Blockbustern und anspruchslosen Komödien bewegt.

R. I. F.“ ist ein realistisch erzähltes Drama über Stéphane Monnerau (Yvan Attal [Die Schlange, Fluchtpunkt Nizza]), einen Pariser Kriminalpolizisten mit Borderline-Tendenzen. Als er mit seiner Frau Valérie und ihrem sechsjährigem Sohn in Urlaub fährt, haben sie eine Autopanne. Er lässt sie für wenige Minuten an einer Tankstelle zurück. Als er wiederkommt, ist Valérie spurlos verschwunden.

Regisseur Franck Mancuso, der selbst viele Jahre Polizist war, die Drehbücher für die grandiosen Polizeithriller „36 – Tödliche Rivalen“ und „Counter Investigation – Kein Mord bleibt ungesühnt“ schrieb und „Counter Investigation“ auch inszenierte, konzentriert sich in „R. I. F.“ auf die realistische Beschreibung der Arbeit der Polizei bei einem Routinefall. Aus dem genauen Beobachten der Ermittlungsroutine der Polizei, kombiniert mit dem Drama eines Vaters, der sich fragt, warum seine Frau verschwunden ist und der, als Polizist, etwas mehr in die Ermittlungen involviert ist als ein Normalbürger, entwickelt Mancuso eine gehörige Spannung. Anfangs, weil wir uns fragen, warum Valérie spurlos verschwunden ist. Später, wenn Stéphane in Verdacht gerät, das spurlose Verschwinden seiner Frau inszeniert zu haben, weil wir uns fragen, ob er ein falsches Spiel spielt und wir alles bisher Gesehene neu betrachten.

R. I. F.“ ist, gedreht mit einer Handkamera, die immer nah bei den Charakteren ist, in rauen, meist etwas zu dunklen Bildern, ein noirischer Polizeikrimi, wie er in Deutschland höchstens von Dominik Graf gedreht wird und natürlich ist dieser Noir tausendmal besser als das, was uns wöchentlich als „Tatort“ angeboten wird.

Als Bonusmaterial gibt es ein informatives vierzigminütiges „Making of“, das auf dem DVD-Cover nicht erwähnt wird.

R. I. F. – Ich werde dich finden! (R. I. F. [Recherche dans l'Intérêt des Familles], Frankreich 2011)

Regie: Franck Mancuso

Drehbuch: Franck Mancuso, Herve Albertazzi

mit Yvan Attal, Pascal Elbé, Armelle Deutsch, Valentina Cervi, Eric Ruf,

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DVD

Atlas Film/Koch Media

Bild: 16:9 (2,35:1)

Ton: Deutsch, Französisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Making of, Deutscher und Originaltrailer

Länge: 84 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Allocine.fr über den Film

Meine Besprechung von Franck Mancusos „Counter Investigation – Kein Mord bleibt ungesühnt“ (Hey, es ist eine Lawrence-Block-Verfilmung!)

 


TV-Tipp für den 30. März: Das unsichtbare Mädchen

März 30, 2012

Arte, 20.15

Das unsichtbare Mädchen (D 2011, R.: Dominik Graf)

Drehbuch: Friedrich Ani, Ina Jung

Vor elf Jahren verschwand die achtjährige Sina. Obwohl ihre Leiche nie gefunden wird, ist ihr Mörder, ein geistig behinderter junger Mann, schnell gefunden. Als Tanner bei aktuellen Ermittlungen über diesen alten Fall stolpert, zweifelt er immer mehr, ob damals wirklcih der richtige Mann verurteilt wurde.

TV-Premiere des neuen Krimis von Dominik Graf, nach einem Drehbuch von Friedrich Ani und Ina Jung, die für eine Doku über die 2001 spurlos in Oberfranken verschwundene Peggy recherchierte. Ihre Recherchen bildeten die Grundlage für „Das unsichtbare Mädchen“.

mit Elmar Wepper, Ulrich Noethen, Ronald Zehrfeld, Silke Bodenstein, Tim Bergmann

Wiederholung: Freitag, 6. April, 02.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Arte über „Das unsichtbare Mädchen“

Tagesspiegel, Spiegel Online über “Das unsichtbare Mädchen”

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Dominik Graf in der Kriminalakte

Homepage von Friedrich Ani

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Wer lebt, stirbt“ (2007)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der verschwundene Gast“ (2008)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Totsein verjährt nicht” (2009)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Die Tat” (2010)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden“ (2011, mit Interview)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Süden und die Schlüsselkinder” (2011)

Friedrich Ani in der Kriminalakte

 


Gerne „Die Lust am Genre“

März 7, 2012

Als auf der Berlinale „Im Schatten“, „Im Angesicht des Verbrechens“, „Die Räuber“ und „Jerichow“ liefen, entdeckten die Kritiker eine neue „Lust am Genre“ bei den von ihnen hoch angesehenen deutschen Regisseuren. Wenige Monate später richtete die Deutsche Kinemathek im Oktober 2010 die Tagung „Die Lust am Genre“ aus und jetzt, nachdem die Lust am Genre wieder der Vergangenheit angehört, liegt der hochinteressante Tagungsband vor. In ihm sind alle Vorträge, teilweise ergänzt und überarbeitet und einige weitere Aufsätze, die für diesen absolut lesenswerten Sammelband geschrieben wurden, dokumentiert:

 

Rainer Rother: Die Lust am Genre (Vorwort)

Malte Hagener: Der Begriff Genre

 

Entwicklungen in Deutschland

Michael Wedel: Schuld und Schaulust – Formen und Funktionen des deutschen Kriminalfilms bis 1960

Ralf Schenk: Mörder unter uns – Die DEFA und der Kriminalfilm: Eine Spurensuche 1953–71

Jan Distelmeyer:»Das war deutsch, wenn ich mich nicht irre« – Mit dem besten Mann vom BND zum Genrekino der 1960er Jahre

Ulrich Kriest: Großes Kino – die Diktatur des Mittelmaßes – Notizen zum Genrediskurs im deutschen Film 1964–87

Stefan Pethke: Von Wellen und Schulen – Wiederannäherung an Genre durch Poptheorie

Andreas Kilb: Der deutsche Kinothriller findet nicht statt – Notizen zum Stand der Dinge

 

Fallbeispiele

Chris Wahl: Die Stimme des Verbrechens: „Das Testament des Dr. Mabuse“

Hans-Christoph Blumenberg: Gerechtigkeit für Gerd Oswald

Julia Pattis: Gangster im Kiez – Mafia, Migranten und Subkulturen

Bert Rebhandl: Prinzipielle Gesetzlosigkeit – Neuere deutsche Genrefilme reflektieren die Grundlagen des Erzählens

Britta Hartmann: »Berlin ist das Paradies« – Inszenierung der Stadt in Dominik Grafs „Im Angesicht des Verbrechens“ und Thomas Arslans „Im Schatten“

Kathi Gormász: »All in the game yo, all in the game« – Die Polizeiserie „The Wire“ als Anti-Cop-Show und TV-Roman

Kathrin Rothemund: „KDD – Kriminaldauerdienst“ – Das Brüchige im Krimigenre

 

Die Qualität der Vorträge ist natürlich verschieden. Einige sind arg wissenschaftlich geraten. Wenn Malte Hagener Genre definiert, spürt man in jeder Zeile den akademischen Diskurs und eine Wortklauberei mit minimalem Erkenntnisgewinn. Immerhin liest sich der Vortrag interessanter, als er sich während der Tagung anhörte, und er erspart den Griff zum Lexikon.

Stefan Pethke gibt in „Von Wellen und Schulen“ einen schönen Einblick in das Leben und Studieren an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB) in den Achtzigern. Was das allerdings mit dem Kriminalfilmgenre, außer dass sie an der Uni auch Kriminalfilme sahen, zu tun hat, war mir damals, während der Tagung, und heute, während der Lektüre, schleierhaft.

Wesentlich interessanter sind die historischen Abrisse, die oft für den Sammelband erstellt wurden, und die Hinweise auf vergessene Werke, wie, als Beispiel für die große Krimiproduktion der sechziger Jahre, den „Mr. Dynamit“-Film mit Lex Barker als taffen Agenten des Bundesnachrichtendienstes und Hans-Christoph Blumenbergs launig-liebevolle Eloge „Gerechtigkeit für Gerd Oswald“. Auf der Tagung konnten wir uns danach Oswalds Berlin-Gangsterfilm „Am Tag, als der Regen kam“ ansehen – und ich fand ihn verdammt gut.

Bei vielen Aufsätzen fällt auf, dass es in den letzten Jahren, ungefähr seit 1970, im Kino fast keine Genrefilme mehr gab. Denn, so Andreas Kilb, in seiner präzisen Abrechnung mit dem deutschen Kriminalfilm: „Der deutsche Kinothriller findet nicht statt“. Denn: „die kinetische Energie, die ein Thriller erfordert, ist mit dem Bedürfnis von Fernsehredakteuren und Fördergremien nach Sinnstiftung, Charakterzeichnung, Familienfreundlichkeit und Positivität prinzipiell unvereinbar. (…) Die finanzielle Schere, die zugleich eine ästhetische ist, steckt eben in allen Köpfen, sie hat mit einer Haltung zu tun, die vom deutschen Kino von vornherein nicht mehr erwartet als das, was man im deutschen Fernsehen zu sehen bekommt. Und schließlich sind die Regisseure, von denen man das deutsche Thrillerwunder erwartet, in der Mehrzahl selbst beim Fernsehen groß geworden.“

Entsprechend oft kreisen die Vorträge um die gleichen Filme, vor allem um Thomas Arslans „Im Schatten“ und Dominik Grafs „Im Angesicht des Verbrechens“. Beide Regisseure waren auch bei der Tagung dabei, beteiligten sich intensiv an den im Buch nicht dokumentierten Diskussionen und die Filme wurden gezeigt.

Dominik Grafs „Im Angesicht des Verbrechens“ ist allerdings eine zehnteilige TV-Serie, die auf der Berlinale im Kino gezeigt wurde. „KDD – Kriminaldauerdienst“ ist auch eine TV-Serie, die es als Prestigeprodukt auf beachtliche drei Staffeln brachte. Beide Serien wurden von der Kritik abgefeiert und floppten im Fernsehen. „The Wire“ ist eine US-amerikanische Polizeiserie und damit hat sie wirklich nichts mehr mit „Verbrechensgeschichten aus Deutschland“, so der Untertitel des Buches, zu tun. Denn bis auf „Im Angesicht des Verbrechens“ und „KDD – Kriminaldauerdienst“ stehen Kinofilme im Fokus.

Und, was sehr seltsam ist, weil Julia Pattis in „Gangster im Kiez“ sich mit Fatih Akins „Kurz und schmerzlos“ und Detlev Bucks „Knallhart“ beschäftigt, Lars Becker, der „Nachtschicht“-Macher, der auch für das Kino die Kriminal- und Ghettofilme „Kalte Sonne“, „Schattenboxer“, „Bunte Hunde“ und „Kanak Attack“ (nach dem Roman von Feridun Zaimoglu) inszenierte, wird nicht erwähnt.

Doch das sind eher kleine Mäkeleien. Insgesamt bietet „Die Lust am Genre“ nämlich einen sehr guten Ein- und Überblick über die Geschichte des deutschen Kriminalfilms und den derzeitigen Stand der Dinge des Kriminalfilms im Kino, mit einem Seitenblick auf das Fernsehen, der dort allerdings über das Abfeiern der eigenen Lieblinge nicht hinauskommt.

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Rainer Rother/Julia Pattis (Hrsg.): Die Lust am Genre – Verbrechergeschichten aus Deutschland

Bertz + Fischer 2011

224 Seiten

19,90 Euro

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Hinweise

Homepage der Deutschen Kinemathek

Bertz + Fischer über das Buch


TV-Tipp für den 10. Januar: Tatort: Frau Bu lacht

Januar 10, 2012

BR, 21.45 (VPS 21.44)

Tatort: Frau Bu lacht (D 1996, R.: Dominik Graf)

Drehbuch: Günter Schütter

Konditor Mauritz wird ermordet. Seine thailändische Katalog-Frau Sita schweigt und die Kommissare Batic und Leitmayr haben einen neuen Fall.

Dieser Tatort ist unbestritten einer der besten Batic/Leitmayr-Tatorte. Und sie hatten in den Neunzigern wirklich eine Reihe wirklich guter Fälle gehabt!

Mit Udo Wachtveitl, Miro Nemec, Michael Fitz, Barbara-Magdalena Ahrens,Ulrich Noethen, Petra Kleinert, Anna Villadolid

Hinweise

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Dominik Graf in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 17. Dezember: Polizeiruf 110: Der scharlachrote Engel

Dezember 17, 2011

Arte, 22.00

Polizeiruf 110: Der scharlachrote Engel (D 2005, R.: Dominik Graf)

Drehbuch: Günter Schütter

Flo Engelhard ruft bei der Polizei an und sagt, sie habe einen Einbrecher erschossen. Die Kommissare Tauber und Obermaier finden allerdings keine Leiche und kurz darauf taucht der Einbrecher quicklebendig wieder auf. Er will sich anscheinend an Flo rächen.

Hier arbeitet wieder das bewährte Team Schütter-Graf zusammen. Ihm verdanken wir unter anderem folgende Sternstunden des deutschen Films: „Der Skorpion“, „Tatort: Frau Bu Lacht“, „Die Sieger“, die Fahnder-Folgen „Nachtwache“ und „Baal“ und zuletzt den Spielfilm „Der rote Kakadu“.

Der scharlachrote Engel“ ist ein intensiver „Polizeiruf 110“ über Stalking und die Unfähigkeit der Polizei etwas dagegen zu tun. Gegen diesen Polizeithriller wirken viele Kinofilme wie Ramschware.

Mit Edgar Selge, Michaela May, Nina Kunzendorf, Claudia Messner

Wiederholung: Freitag, 23. Dezember, 01.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Dominik Graf in der Kriminalakte


Die Weihnachtsgeschichte in der Version von Friedrich Ani mit Tabor Süden in der Hauptrolle

November 18, 2011

Warum wollte er verschwinden?“

Damit jemand nach ihm sucht, glaub ich.“

 

2005 verschwand Tabor Süden, Ermittler in der Vermisstenstelle der Münchner Polizei, nach Köln. Sein Erfinder, Friedrich Ani, wandte sich anderen Charakteren zu. Aber keiner kam beim Publikum so gut an, wie Tabor Süden, der seinen Vater nicht finden konnte und der als Polizist vermisste Menschen suchte. In diesen Geschichten interessierte Friedrich Ani sich nie für elaborierte Mordkomplotte, sondern für die kleinen Leute und ihre Geschichten. Menschen, deren Verschwinden keine Schlagzeilen heraufbeschwören.

Im Frühjahr kehrte Tabor Süden in dem tollen Roman „Süden“, in dem er als Privatdetektiv einen verschwundenen Gastwirt sucht, zurück und Friedrich Ani versprach weitere Süden-Geschichten, in denen Süden dann als Privatdetektiv in der Detektei von Edith Liebergesell arbeitet. In den kommenden Romanen will Ani auch ausführlicher über die anderen Angestellten der Detektei schreiben.

Aber in „Süden und die Schlüsselkinder“ steht Tabor Süden im Mittelpunkt. Er soll kurz vor Weihnachten den zehnjährigen Adrian suchen. Der Junge verschwand aus einem Kinderschutzhaus. In einer SMS sagt er, dass er zu seinem Opa gehen will. Aber dieser ist tot. Süden beginnt in seiner unnachahmlichen Art in dem Leben von Adrian und seiner kaputten Familie herumzustochern. Dabei wird er von Fanny, einer ebenfalls im Heim lebenden Freundin von Adrian, begleitet.

Süden und die Schlüsselkinder“ ist natürlich eine gut ausgehende Weihnachtsgeschichte, bei der vor allem durch die Charakterzeichnungen, das Porträt einer erschreckend normal-dysfunktionalen Familie und natürlich Südens Erinnerungen an seinen verstorbenen Freund Martin Heuer gefallen. Die Suche nach dem Jungen ist das literarische Äquivalent zu einer Countryrock-Jamsession, bei der die Musiker sich, weil die Stimmung gerade so gut ist, bei ihrem Instrumentalpart unglaublich viel Zeit lassen. So lässt auch Süden sich viel Zeit bei seinen Ermittlungen. Oft wirkt es, als ob er einfach nicht in seine Junggesellenwohnung zurück will, er aber auch nicht einfach so in einer Gaststätte ein Bier trinken will. Also nimmt er dankbar die Aufgabe an, die ihn unter die Leute bringt, und er sucht den Jungen. Weil sie telefonisch miteinander in Kontakt stehen, macht er sich keine allzu großen Sorgen über Adrian. Vielleicht wusste Süden sogar von Anfang an, wo Adrian sich versteckt hat, aber er wollte von der ersten Minute an auf das kindische Versteckspiel eingehen und ihm zeigen, dass einige Menschen ihn suchen werden. Dass er für jemand wichtig ist.

Parallel zur Veröffentlichung von „Süden und die Schlüsselkinder“ erschien der erste Schwung der „Süden“-Neuveröffentlichungen mit „Süden und die Frau mit dem harten Kleid“, „Süden und der glückliche Winkel“ und „Süden und das verkehrte Kind“. Für die nicht chronologische Neuauflage wurde lediglich das Cover geändert.

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Friedrich Ani: Süden und die Schlüsselkinder

Knaur, 2011

192 Seiten

8,99 Euro

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Die „Süden“-Neuauflagen, erste Lieferung

Friedrich Ani: Süden und die Frau mit dem harten Kleid

Knaur, 2011

208 Seiten

8,99 Euro

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Erstausgabe

Knaur, 2002

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Friedrich Ani: Süden und der glückliche Winkel

Knaur, 2011

192 Seiten

8,99 Euro

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Erstausgabe

Knaur, 2003

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Friedrich Ani: Süden und das verkehrte Kind

Knaur, 2011

192 Seiten

8,99 Euro

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Erstausgabe

Knaur, 2004

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Die „Süden und“-Romane (denn Tabor Süden ist auch in anderen Romanen von Friedrich Ani dabei)

Süden und das Gelöbnis des gefallenen Engels, 2001

Süden und der Straßenbahntrinker, 2002

Süden und die Frau mit dem harten Kleid, 2002

Süden und das Geheimnis der Königin, 2002

Süden und das Lächeln des Windes, 2003

Süden und der Luftgitarrist, 2003

Süden und der glückliche Winkel, 2003

Süden und das verkehrte Kind, 2004

Süden und das grüne Haar des Todes, 2005

Süden und der Mann im langen schwarzen Mantel, 2005

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Die weiteren Romane mit Tabor Süden

Die Erfindung des Abschieds. Martin Heuer begeht Selbstmord, 1998

German Angst, 2000

Verzeihen, 2001

Gottes Tochter, 2003

Süden, 2011

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Dann gab es noch zwei Verfilmungen

Kommissar Süden und das Geheimnis der Königin (D 2009, R.: Martin Enlen)

Drehbuch: Claus Cornelius Fischer

LV: Friedrich Ani: Süden und das Geheimnis der Königin, 2002

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Kommissar Süden und der Luftgitarrist (D 2009, R.: Dominik Graf)

Drehbuch: Friedrich Ani

LV: Friedrich Ani: Süden und der Luftgitarrist, 2003

mit Ulrich Noethen ( Tabor Süden), Martin Feifel (Martin Heuer), Jeanette Hain (Sonja Feyerabend), Johanna Bantzer (Freya Epp), Hubertus Hartmann (Volker Thon)

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Und einige kürzere Geschichten und Hörspiele…

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Hinweise

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Wer lebt, stirbt“ (2007)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der verschwundene Gast“ (2008)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Totsein verjährt nicht” (2009)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Die Tat” (2010)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden“ (2011, mit Interview)

Friedrich Ani in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik (und Buchtipp): David Cronenberg hat „Eine dunkle Begierde“

November 10, 2011

Einen solchen Film hätte ich von David Cronenberg nicht erwartet. Nicht wegen des Themas, sondern wegen der Machart. Denn in seinem neuesten Film „Eine dunkle Begierde“ erzählt er eine Dreiecksliebesgeschichte und die Geschichte von einem Bewunderer und seinem Mentor als sei es eine Arte-Auftragsproduktion. Es ist die Geschichte von Sigmund Freud (Viggo Mortensen), Carl Gustav Jung (Michael Fassbender) und Sabina Spielrein (Keira Knightley) und die geht so: C. G. Jung ist ein junger Nervenarzt in einem Züricher Sanatorium, der Sigmund Freud und dessen Theorien bewundert. Bei der unter heftigen Sexualneurosen leidenden russischen Kaufmannstochter Sabina Spielrein probiert er ab 1904 Freuds Thesen aus. Er stößt dabei auf Probleme, die er in Wien mit dem von ihm bewundertem Sigmund Freud, dem er bis dahin noch nicht begegnet ist, besprechen kann. Zwischen beiden entwickelt sich schnell eine Freundschaft, in der jeder auch glaubt, dass er von dem anderen profitieren kann. Denn Freud hat sich zu diesem Zeitpunkt mit einer Schar ihn bedingungslos bewundernder Jünger umgeben, er neigt zur Selbstgefälligkeit und ein Arier wäre, um die Ideen weiter zu verbreiten, eine hochwillkommene Ergänzung in der überwiegend jüdischen psychoanalytischen Bewegung.

Jung ist dagegen ein, auch dank eigener Forschungen, durchaus kritischer Bewunderer. Er möchte die Psychoanalyse bekannter machen und tiefer erforschen. Gleichzeitig glaubt er, im Gegensatz zu Freud, nicht, dass man in der Analyse alles auf den Sexualtrieb reduzieren kann.

Und, obwohl Jung verheiratet ist, beginnt er eine Beziehung mit Spielrein, die von einer Patientin immer mehr zu einer Psychologin wird, 1911 promovierte und in Wien Mitglied von Freuds Mittwoch-Gesellschaft wurde.

Das ist alles historisch verbürgt und wird von David Cronenberg mit der Gediegenheit und erzählerischen Gemächlichkeit inszeniert, die wir aus Literaturverfilmungen, bevorzugt mit Beteiligung öffentlich-rechtlicher Sender, kennen. Da stimmt dann jedes Kostüm und die Innenausstattung erinnert an historische Aufnahmen. Die Schauspieler sind grandios (Fassbender! Mortensen!! Knightley!!!). Das Drehbuch von Christopher Hampton ist eine ökonomisch erzählte, vielschichtige Versuchsanordnung mit einem Touch Uni-Seminar und viel Raum für die Schauspieler. So beobachtet Cronenberg die erste Therapiesitzung von Spielrein (Knightley im totalen Overacting-Modus), die mit ihren inneren Dämonen kämpft, minutenlang und fast ohne Schnitte. Auch später, wenn Freud und Jung sich unterhalten, schneidet Cronenberg äußerst spartanisch. Er vermeidet alles, was von den Dialogen und den Schauspielern ablenken könnte.

Cronenberg verfilmte die Geschichte, ähnlich einer Therapiesitzung, bewusst distanziert. Denn er urteilt nicht über seine Charaktere. Er glorifiziert sie auch nicht und er lässt sie auch nicht als Vorkämpfer erscheinen; was auch dazu führt, dass wir uns heute nicht mehr vorstellen, gegen welche Konventionen sie verstießen.

Für Cronenbergs Verhältnisse ist der Ausstattungsfilm „Eine dunkle Beziehung“ ein seltsam musealer Film.

Eine dunkle Begierde (A dangereous method, Deutschland/Kanada/Großbritannien/Schweiz 2011)

Regie: David Cronenberg

Drehbuch: Christopher Hampton (nach dem Roman „A dangerous method“ und John Kerr und dem Theaterstück „The talking cure“ von Christopher Hampton)

mit Viggo Mortensen, Keira Knightley, Michael Fassbender, Vincent Cassel, Sarah Gadon, André Hennicke, Arndt Schwerin-Sohnrey, Anna Thalbach

Länge: 100 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Eine dunkle Begierde“

Wikipedia über „Eine dunkle Begierde“ (deutsch, englisch)

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Der ultimative Buchtipp

Auf dieses Buch habe ich eine gefühlte Ewigkeit gewartet. Denn es wurde schon vor Jahren angekündigt. Mit Sicherheit zu „Eastern Promises“, aber vielleicht auch schon zu „A history of violence“.

Aber jetzt ist „David Cronenberg“ als sechzehnter Band in der uneingeschränkt lobenswerten „film“-Reihe des „Bertz + Fischer“-Verlages erschienen. Marcus Stiglegger fungierte als Herausgeber und als Autoren sind die üblichen Verdächtigen dabei: Stefan Höltgen, Norbert Grob (natürlich über Cronenbergs Noir-Fantasien), Gerhard Midding (über „The Fly“), Sascha Westphal, Fritz Göttler, Frank Arnold, Oliver Nöding, Lars Penning, Ivo Ritzer, Annette Kilzer, Lars-Olaf Beier (ebenfalls über „The Fly“), Frank Schnelle, Thomas Groh, Jan Distelmeyer, Cristina Nord, Rudolf Worschech, Georg Seeßlen, Elisabeth Bronfen, Barbara Schweizerhof (über „A dangerous method“) und Dominik Graf (über „The Dead Zone“). Um nur einige der bekannteren Namen zu nennen.

Am bewährten Aufbau wurde selbstverständlich nichts geändert. Auf den ersten 140 Seiten gibt es umfassendere Analysen von David Cronenbergs Werk und bestimmter Aspekte in seinem Werk, wie sein Körperbild, seine Bilderwelten, seine Noir-Fantasien und sein Verhältnis zur Literatur (immerhin sind „The Dead Zone“, „Dead Ringers“, „Naked Lunch“, „Crash“, „Spider“ und „A dangerous method“ Literaturverfilmungen).

Auf den folgenden gut 120 Seiten wird chronologisch jeder seiner Filme besprochen. Abschließend, auf fast 50 Seiten, gibt es eine umfassende Filmo- und Bibliografie, allerdings ohne Hinweise auf DVD-Ausgaben, die gerade bei Cronenberg, weil viele seiner Filme in verschieden zensierten Fassungen, teils in in bescheidener Bildqualität veröffentlicht wurden, hilfreich gewesen wäre (aber die OFDB hilft). Garniert wird das alles mit über 220 Fotos und Bildsequenzen, die einen guten Eindruck von den Filmen vermitteln.

Da kann ich nur sagen: Kaufen (oder zu Weihnachten schenken lassen) und lesen.

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Marcus Stiglegger (Hrsg.): David Cronenberg

Bertz + Fischer, 2011

320 Seiten

19,90 Euro

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Hinweise

Bertz + Fischer über „David Cronenberg“ (mit Leseproben)

David Cronenberg in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 15. Oktober: Eine Stadt wird erpresst

Oktober 15, 2011

Arte, 22.00

Eine Stadt wird erpresst (D 2006, R.: Dominik Graf)

Drehbuch: Dominik Graf, Rolf Basedow

Eigentlich sagt der Titel schon alles: Unbekannte erpressen Leipzig. Die einzige Spur führt Kommissar Kalinke und sein Team in ein Dorf, das dem Tagebau geopfert werden soll.

Auch die neueste Zusammenarbeit des Teams Basedow/Graf gehört zu den TV-Höhepunkten des Jahres: gute Geschichte, gute Inszenierung und Schauspieler, die endlich zeigen dürfen, dass sie mehr als sprechende Kleiderständer sind.

„Es ist ein guter, alter Polizeifilm, ein Thriller, modern inszeniert. Und wie jeder gute Krimi ist es auch ein Sozialdrama.“ (Björn Wirth,Berliner Zeitung, 23. Februar 2007)

Mit Uwe Kockisch, Misel Maticevic, Julia Blankenburg

Hinweise

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Dominik Graf in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 13. September: Polizeiruf 110: Er sollte tot

September 13, 2011

BR 3, 21.45

Polizeiruf 110: Er sollte tot (D 2006, R.: Dominik Graf)

Drehbuch: Rolf Basedow

Die junge Prostituierte Maria ermordet den Rentner Waller. In dem Verhör will Kommissar Tauber herausfinden, warum sie das tat.

Für sein Drehbuch stützte Rolf Basedow sich auf die Protokolle eines wahren Falles aus Schleswig-Holstein. Und Dominik Graf inszenierte das Zusammentreffen zwischen dem ruppigen, einarmigen Kommissar Tauber und der jungen Mörderin mit seiner gewohnten Meisterschaft.

Dominik Graf und Rolf Basedow sind nach „Sperling und das Loch in der Wand“, „Sperling und der brennende Arm“ und „Hotte im Paradies“ ein erprobtes Team für erstklassige Unterhaltung. Zuletzt arbeiteten sie bei der TV-Serie “Im Angesicht des Verbrechens” zusammen.

Mit Edgar Selge, Michaela Mey, Rosalie Thomas

Hinweise

ARD zum „Polizeiruf 110″

„Polizeiruf 110″-Fanseite

Wikipedia über „Polizeiruf 110″

Cargo: Gespräch mit Dominik Graf

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Dominik Graf in der Kriminalakte


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