Spero Lucas ist ein Kriegsveteran, der jetzt in Washington, D. C., seine Brötchen als Ermittler für den Anwalt Tom Petersen und als Wiederbeschaffer verdient. Er verlangt, wenn er erfolgreich ist, vierzig Prozent des Wertes des verlorenen Gegenstandes. Ältere Krimifans dürften sich an John D. MacDonalds Wiederbeschaffungsexperten Travis McGee erinnern.
Jetzt übernimmt Lucas für den im Gefängnis sitzenden Drogenhändler Anwan Hawkins den Auftrag, zwei verschwundene Dreißig-Pfund-Drogenpakete zu finden. Sie wurden, im Abstand von drei Wochen, von einem Paketboten vor einer Haustür abgelegt und geklaut, bevor die Hawkins’ unterstehenden, etwa zwanzigjährigen Drogenkuriere Tavon Lynch und Edwin Davis sie sich nehmen konnten.
Kurz darauf verschwindet ein drittes Paket, Lynch und Davis werden erschossen und ein filmbegeisterter Schuljunge hat gesehen, dass die beiden Drogenkuriere einem Polizisten das Paket gegeben haben. Auch die Spur in dem Doppelmord führt Lucas zur Polizei.
Mit „Ein schmutziges Geschäft“ will George Pelecanos, der Chronist Washingtons abseits der großen Politik, eine neue Serie beginnen und im ersten Band werden Pelecanos-Fans viele bekannten Themen und Elemente erkennen. Die ausführlichen Schilderungen des Lebens der kleinen Leute, der Fokus auf Probleme im heutigen Amerika (wobei Pelecanos, wie Bruce Springsteen in seinen Liedern, in seinen in verschiedenen Jahrzehnten spielenden Romanen auch eine Geschichte des Verfalls von Werten und dem Verlust des amerikanischen Traums erzählt), der sozialarbeiterische Touch, die Frage, wie die verschiedenen Ethnien miteinander umgehen, die Bedeutung der Populärkultur für seine Charaktere, die Nennungen von Liedern, Filmen, Büchern und Autoren, die Frage nach der Verantwortung des Individuums für seine Familie, vor allem die Beziehungen zwischen Vätern und Söhnen, die Frage, wie man mit den Folgen seiner Entscheidungen umgeht und sein Leben gestaltet, wie man anständig bleibt in einer Welt, in der die eigenen moralischen Werte mit den Umständen kollidieren. Und, selbstverständlich, die Darstellung des Verbrechens als integralen Teil des Lebens in einer multiethischen Großstadt, die vor zwanzig Jahren auch die Mordhauptstadt der USA genannt wurde und in der 2011 immer noch über hundert Morde verübt wurden.
So versucht der ebenfalls filmbegeisterte Spero Lucas dem Schuljungen zu helfen, obwohl er selbst keine Ahnung hat, was er aus seinem Leben machen soll. Er findet die Drogenkuriere und seinen Auftraggeber, einen Drogenhändler der als Vater eines fast erwachsenen Sohnes aus dem Geschäft aussteigen will, durchaus sympathisch. Und der korrupte Polizist wurde wegen seines Vaters korrupt. Am Ende mündet alles, ohne dass sich wirklich etwas ändert, in einem Western-Showdown.
Das ist Pelecanos pur.
Ebenso steht in Pelecanos, der auch für die TV-Serien „The Wire“ und „Treme“ schrieb, fein konstruierter Geschichte „Ein schmutziges Geschäft“ nicht der nach den Thriller-Bestseller-Regeln formulierte überraschende Plot à la Jeffery Deaver oder Harlan Coben, sondern die Beschreibung des Alltags der Charaktere, die sich wie abgelauscht zu lesenden Gespräche und die sich daraus ergebenden Verwicklungen im Zentrum. Das erinnert dann eher an Elmore Leonard und Leonards Klassiker „Nr. 89 unbekannt“ (Unknown Man No. 89, 1977) wird von Pelecanocs auch mehrmals erwähnt.
Nachdem Pelecanos seine vorherigen Romanen immer durchgehend mulitperspektivisch erzählte, beschränkt er sich in „Ein schmutziges Geschäft“, bis auf wenige Szene, auf Spero Lucas’ Perspektive; – fast wie in seinen frühen Romanen, den in der ersten Person erzählten, nicht übersetzten Nick-Stefanos-Privatdetektivromanen,
So ist „Ein schmutziges Geschäft“ auch eine Rückkehr zu einem einfacheren Erzählen mit weniger offensichtlich autobiographischen Elementen. Denn während in „Kein Weg zurück“ (The Way Home, 2009), „The Turnaround“ (2008) und „Der Totengarten“ (The Night Gardener, 2006) die Probleme von liebevollen Eltern und ihren pubertierenden Kindern, immerhin ist Pelecanos dreifacher Vater, stark im Vordergrund standen, ist der 29-jährige Spero Lucas noch ein Drifter ohne feste Beziehungen, aber mit Freunden und Bekannten, für die er freiwillig Verantwortung übernimmt. Fast wie die klassischen Privatdetektive.
-
George Pelecanos: Ein schmutziges Geschäft
(übersetzt von Jochen Schwarzer)
rororo Taschenbuch, 2012
384 Seiten
9,99 Euro
-
Originalausgabe
The Cut
Regan Arthur Books/Little, Brown and Company, 2011
„Thriller“ steht auf dem Cover. Aber jeder der „Kein Weg zurück“ von George Pelecanos in der Erwartung von zünftiger Thriller-Spannung liest, wird enttäuscht sein. Es gibt zwar die eine Reihe von Verbrechen auslösende Tat, eine erkleckliche Zahl von Toten, die zunehmende Gefahr für die Hauptperson und am Ende das Duell zwischen den mehr oder weniger Guten und den Bösen. Das alles qualifiziert den Noir „Kein Weg zurück“ auf den ersten Blick sicher als Krimi, aber George Pelecanos benutzt diese Genrekonventionen nur, um wieder einmal eine kleine Geschichte aus dem Leben der kleinen Leute zu erzählen.
Im Mittelpunkt des Romans steht Chris Flynn. In seiner Jugend war er ein Kleinkrimineller, dem es als Weißen und aus einer guten Familie stammend, gelang, zu einer Haftstrafe im Jugendknast Pine Ridge verurteilt zu werden. Jetzt arbeitet er in Washington, D. C., als Teppichverleger im Betrieb von seinem Vater Thomas Flynn. Als Chris und der Ex-Sträfling Ben Braswell in einem Haus einen neuen Teppich verlegen, entdecken sie eine Tasche mit fast 50.000 herrenlosen Dollars. Sie lassen das Geld liegen. Am Abend erzählt Ben seinem Kumpel Lawrence Newhouse davon. Der klaut das Geld und kurze Zeit später tauchen zwei Männer auf, die das Geld wollen.
Langjährige George-Pelecanos-Leser werden in seinem neuesten Roman viele vertraute Themen finden. Schließlich erzählt er wieder eine Geschichte aus dem Leben der kleinen Leute, ihren Werten und dem damit verbundenen Arbeitsethos. Er erzählt von der Verantwortung und der Liebe der Eltern für ihre Kinder, auch wenn sie Probleme verursachen. Er erzählt davon wie Menschen, die Konflikte mit dem Gesetz hatten, versuchen, ein ehrliches Leben zu leben. Und er fragt sich immer wieder, wie man sein Ideal von einem guten Leben im heutigen Amerika in einer Großstadt leben kann.
Denn selbstverständlich müssen die einzelnen Charaktere sich für ihre Taten verantworten. Auch wenn sie mit diesen Folgen nicht gerechnet haben oder nichts damit zu tun haben. So hat Chris zwar das Geld nicht gestohlen, aber er hat auch nicht die Polizei informiert. Er muss sich, wie alle Charaktere in „Kein Weg zurück“, zwischen verschiedenen Verpflichtungen entscheiden. Wem und welchen Werten gegenüber soll er sich loyal verhalten? Was bedeutet das für ihn? Was setzt er dafür aufs Spiel? Das sind die Fragen, die die sich langsam entwickelnde Geschichte vorantreiben.
Mit „Kein Weg zurück“ schreibt George Pelecanos seine Chronik der innerstädtischen Kampfzonen fort. In seinen Romane in Washington, D. C.. Im Fernsehen, als Drehbuchautor für „The Wire“ und „Treme“ in Baltimore und New Orleans.
Das TV probiert’s mal wieder mit Elmore Leonard: “Lawman” heißt die 13-teilige Serie und Timothy Olyphant wird Marshal Raylan Givens spielen. Hier ein Foto, hier die Fakten und hier nochmal auf Deutsch.
-
Eine kleine Ausbeute von der Comic Con (ist irgendwie wie Kindergeburtstag):
Bones (auch in Deutschland beliebt)
Dexter (die zweite Staffel wird bei uns wohl nie gezeigt werden – und in Amiland sind sie schon bei der vierten)
Sherlock Holmes (die Welt muss noch bis Jahresende warten; – das dürfte jetzt der umfangreichste Mitschnitt sein)
Burn Notice (die Amis lieben die Serie; bei uns will Vox die Burn Notice im Herbst ausstellen)
Das Drehbuch für einen Klassiker: John Michael Hayes: To Catch a Thief (nach dem Roman von David Dodge). Bei uns ist Alfred Hitchcocks Film als “Über den Dächern von Nizza” bekannt.
Die ersten beiden “Der Pate”-Filme von Francis Ford Coppola sind Klassiker. Ziemlich unbekannt ist dagegen die von ihm angefertigte TV-Version der ersten beiden “Paten”-Filme, in denen er die Geschichte chronologisch und mit vielen, in den beiden Spielfilmen nicht enthaltenen Szenen erzählte. Bei Schnittberichte gibt es jetzt einen Vergleich zwischen der Kino- und der TV-Fassung. Hier geht’s zum ersten, hier zum zweiten Teil und der Rest kommt auch noch.
In Morrell’s judgment, most first-person novels could be improved by a shift to the third person. First person is very hard to do — harder than third person limited — and should only be done with great care by the writer, and only when the story demands it. Otherwise, especially for new writers, they’re probably better off going with third person.
Barbara Nadel, Christopher G. Moore, Colin Cotterill und Matt Beynon Rees schreiben:
We are four international award-winning authors who have set a crime fiction series in a country very different from the one where we were raised and educated. The books we’ve written have been translated into many languages. Our success as authors has, in part, grown because we take considerable pride in getting the detailed reality of the human situation in our part of the world and the perception of that reality into synch.
In this blog we will be discussing how we go about researching our books, creating characters in a foreign setting, dealing with language and history, and making it all accessible to readers who may have never traveled to the places we write about. We will also discuss books set in the places we know and give our opinions. None of us are shy in expressing those. We hope to stimulate lively discussions from readers, and we also have lined up a number of guest bloggers whose books, like ours, are set abroad.
Ebenfalls sehr lehrreich sind natürlich auch die Drehbücher für Pilotfolgen von TV-Serien. Hier gibt es eine sehr umfangreiche Liste. Dabei sind unter anderem die Drehbücher der ersten Folge von “24″, “Battlestar Galactica”, “Bones”, “Burn Notice” (RTL II will’s, glaube ich, dieses Jahr ausstrahlen), “The Closer”, “Dark Angel”, “Dexter”, “Hill Street Blues”, “The Mentalist”, “Monk”, “N. Y. P. D. Blue”, “Prison Break”, “The Shield”, “The Sopranos”, “The Wire”, undundund.
-
Bei AMC können etliche B-Movies angesehen werden. Natürlich als Original in Englisch und ohne Untertitel. Die meisten Filme haben eher historischen Wert, aber auch “Dark Star” und einige Edward-L.-Cahn- und Roger-Corman-Streifen sind dabei.
Pünktlich zum Monatsersten geht die aktuelle Ausgabe von The Big Thrill online. Die September-Ausgabe des Magazins der ITW berichtet unter anderem über die neuen Bücher von Tess Gerritsen und Larry Beinhart (Ja, er hat ein neues Buch geschrieben und eine deutsche Übersetzung ist, wie bei “The Librarian”, sehr unwahrscheinlich), Interviews mit Stephen Hunter (der Mann hat die Vorlage für den Mark-Wahlberg-Film “Shooter” geschrieben) und Michael Palmer (zuletzt “Mörderisches Spiel”) – und, das muss extra angekündigt werden, ein Gespräch mit Veteran Book Reviewer Oline Cogdill (Sun-Sentinel).
Gegen Jahresende erscheint im Mira Verlag die deutsche Ausgabe von “Thriller”. Der von James Patterson herausgegebene Sammelband war 2006 die erste Veröffentlichung der International Thriller Writers und enthält neue Kurzgeschichten von Lee Child, James Grippando, J. A. Konrath, Heather Graham, James Siegel, James Rollins, Gayle Lynds, Michael Palmer und Daniel Palmer, David Morrell, Chris Mooney, Dennis Lynds, John Lescroart und M. J. Rose, David Liss, Gregg Hurwitz, Eric Van Lustbader, Christopher Rice, Alex Kava, F. Paul Wilson, Christopher Reich, Brad Thor, Steve Berry, Douglas Preston und Lincoln Child und anderen. Das verspricht einige hundert Seiten Lesevergnügen.
Dort gibt es auch ein Interview mit George P. Pelecanos zu seinem neuen Buch “The Turnaround”. (Pelecanos vorletztes Buch “The Night Gardener” erschien vor wenigen Tagen als “Der Totengarten” bei Rowohlt. Ich werde es demnächst abfeiern. Denn es ist, lassen Sie sich nicht von dem Etikett “Thriller” irritieren, einfach ein guter Roman.)
Eine dritte Staffel ist schon bestellt; was bei dem Erfolg kein Wunder ist. Die Kritiker sind begeistert. Die Quote toll. Und die Holmisianer sagen auch nichts dagegen.
-
Der Spiegel hat sich mit Pete Dexter unterhalten. Sein “neuer” Roman “Deadwood” erschien jüngst bei Liebeskind und inspirierte auch die Westernserie “Deadwood”. Lest die ganze Geschichte hier.
Ende Februar erscheint “Unter dem Schatten des Todes” (Nautilus), der neue historische Kriminalroman von Robert Brack und der Autor verrät auch schon einiges
Mit fünfjähriger Verspätung erschien die deutsche Ausgabe von Jason Starrs „Lights Out“ und, soviel kann schon jetzt verraten werden, das Warten hat sich gelohnt. Denn nachdem Jason Starr in seinen letzten beiden Romanen „Stalking“ und „Panik“ sich mehr in mainstreamige Gefilde bewegte (sein neuester Roman „The Pack“ ist sogar ein Horrorroman) und er zusammen mit Ken Bruen in „Flop“, „Crack“ und „Attica“ hemmungslos abgedrehte Pulp-Noirs schrieb, ist „Brooklyn Brothers“, so der deutsche Titel, eine Rückkehr in die noirischen Gefilde, mit denen er bekannt wurde. Denn für Jake Thomas und Ryan Rossetti gibt es nur den Weg ins Verderben. Auch wenn dieser manchmal von fast aberwitzigen Zufällen, wie der Genuss von zu viel Alkohol in der falschen Bar, und dem ständigem und konsequentem Ausmalen der schlimmsten aller möglichen Konsequenzen gepflastert ist.
Jake Thomas und Ryan Rossetti sind zwar „Brooklyn Brothers“, aber obwohl sie in ihrer Jugend immer zusammen waren, auch gemeinsam Baseball spielten und von einer Profikarriere träumten, mögen sie sich nicht. Jake stieg dann zum allseits geachteten Baseball-Star auf. Dass er hinter seiner höflichen Fassade ein arrogantes, ichbezogenes Arschloch ist, wissen nur wenige. Und noch weniger Menschen wissen, dass er gerade vom Vater der vierzehnjährigen Marianna Fernandez erpresst wird. Jake hatte sie mindestens für eine Achtzehnjährige gehalten, sprang mit ihr ins Bett und, wenn das bekannt würde, wäre seine Karriere, inclusive der vielen Werbeverträge und der angedachten Hollywood-Karriere, vorbei.
Deshalb will er sich jetzt, während eines ruhigen Wochenendes in Brooklyn, mit seiner Highschoolliebe und Verlobten Christina Mercado, die er wegen seines Jet-Set-Lebens und seiner zahlreichen Affären bevorzugt links liegen lässt, versöhnen und die Hochzeit medienwirksam möglichst groß ankündigen.
Sie hat sich inzwischen allerdings in Ryan Rossetti verliebt. Der musste nach einem Unfall seine Profikarriere aufgeben. Jetzt arbeitet er als Maler und er ist ziemlich verärgert über den großen Empfang, der Jake bereitet wird. Denn eigentlich, so meint Ryan, sollte er der Baseball-Star sein.
Christina ist inzwischen zwar mit Ryan zusammen und sie will mit Jake auch Schluss machen, aber durch die Heirat hätte sie die Chance Canarsie zu verlassen und auch für ihren kränkelnden Vater wären die in der Zukunft exorbitant hohen Arztkosten gedeckt. Also versöhnt sie sich mit Jake.
Als Ryan von der geplanten Hochzeit erfährt, sieht er rot.
Bereits in den ersten Zeilen von „Brooklyn Brothers“ setzt Jason Starr den Ton für die folgenden 450 pechschwarzen Seiten. Und wenn dann noch der mehrfach Vorbestrafte Saiquan Harrington, der einen angeschossenen Freund rächen will, auftaucht, begibt Jason Starr sich mit „Brooklyn Brothers“ tief und äußerst gelungen in George-Pelecanos-Land. Denn Starr porträtiert in „Brooklyn Brothers“ nicht nur das kleinbürgerliche Leben in Canarsie, sondern auch das Leben der Afroamerikaner in der heruntergekommenen Breukelen-Siedlung.
Aber während bei George Pelecanos, der seine Geschichten in Washington, D. C., spielen lässt und der auch Drehbücher für die grandiose Polizeiserie „The Wire“ schrieb, die gesellschaftlichen Strukturen einen großen Einfluss auf die Taten seiner Protagonisten haben und es bei ihm immer auch die Möglichkeit einer zweiten Chance gibt, ist Jason Starr gnadenloser. Bei ihm sind Jake, Ryan, Christina und Saiquan von ziemlich eigennützigen Motiven angetrieben und, bis auf Saiquan, der immerhin, angetrieben von der Angst vor einem weiteren Gefängnisaufenthalt, den Versuch eines ehrlichen Lebens mit seiner Frau und seinen drei kleinen Kindern unternahm, wollen sie sich auch überhaupt nicht ändern.
So führen Gier, Neid, Dummheit, Lügen und falsch verstandene Freundschaft zu einem tödlichem Wochenende in Canarsie.
„Brooklyn Brothers“ ist eine weitere grandiose Verliererstudie von Noir-Autor Jason Starr.
- Jake Hinkson warnt vor unglaublich schlechten Noirs (Das Dumme bei solchen Warnungen ist, dass ich danach wissen will, ob die Filme wirklich so schlecht sind.)
Newton Thornburg (Harvey, Illinois, 13, Mai 1929 – Bothell, Washington, 9. Mai 2011)
Via The Rap Sheet habe ich erfahren, dass Newton Thornburg bereits am 9. Mai gestorben ist. Am bekanntesten ist sein 1976 erschienener Roman „Cutter and Bone“, der damals wegen seiner literarischen Qualitäten im Rahmen einer spannend erzählten Genregeschichte (also kein „literarischer Kriminalroman“) gelobt wurde.
George Pelecanos sagt: „There are very few novels, in fact, that have rocked my world to the degree that ‘Cutter and Bone’ did the first time I read it.“
Heute ist das Buch vor allem als die Vorlage für den Film „Bis zum bitteren Ende“ (Cutter’s Way, USA 1981) von Ivan Passer mit Jeff Bridges, John Heard, Lisa Eichhorn und Stephen Elliott bekannt. Jeffrey Alan Fiskins Drehbuch erhielt den Edgar und inzwischen ist der Krimi ein kleiner Klassiker.
Nach einem Schlaganfall 1998 konnte Thornburg keine weiteren Bücher mehr schreiben und er verschwand aus dem öffentlichen Bewusstsein.
Peter Falk (New York City, New York, 16. September 1927 – Beverly Hills, Kalifornien, 23. Juni 2011)
Lieutenant Columbo ist tot.
Neben dieser Rolle, die Peter Falk erstmals 1968 in dem TV-Film „Mord nach Rezept“ (Prescription: Murder) spielte und ab 1971 in der „Columbo“-Serie fast siebzigmal bis 2003 verkörperte, spielte er auch in zahlreichen kleinen Filmen, wie „Ehemänner“ (Husbands, USA 1970) und „Eine Frau unter Einfluss“ (A woman under the influence, USA 1974), beide inszeniert von seinem Freund John Cassavetes (ein weiterer Grenzgänger zwischen klassischem Hollywood- und radikalem Independent-Kino), Wim Wenders „Der Himmel über Berlin“ (D 1987), und, nun, normalen Hollywood-Filmen, wie „Eine Leiche zum Dessert“ (Murder by Death, USA 1976), „Das große Ding bei Brinks“ (The Brink’s Job, USA 1978) und „Die Braut des Prinzen“ (The Princess Bride, USA 1987), mit. Peter Falks letzter Filmauftritt war 2009 in der schwarzen Komödie „American Cowslip“.
Aber er wird immer der scheinbar trottelige Lieutenant Columbo bleiben, der mit seiner Schusseligkeit, seinen schlecht sitzenden Kleidern und „Eine Frage hätte ich noch“ die von ihrem Status, ihrem Geld und ihrer Macht überheblich gewordenen Mörder fängt. Insofern sind die „Columbo“-Filme Klassenkampf.
Und Super RTL zeigt am Sonntag, den 26. Juni, um 22.15 Uhr die für drei Golden Globes nominierte Columbo-Folge „Der Tote in der Heizdecke“ (USA 1993). Peter Falk schrieb das Drehbuch, Faye Dunaway (die einen Emmy für ihre Rolle erhielt) ist der Bösewicht und Columbo hat da noch eine Frage.
Es ist toll, dass „Die Zeit“ dem Kriminalroman fast eine ganze Beilage der „Zeit Literatur“ widmet.
Dass ich für mich nicht viel neues entdecke, ist okay.
Aber dass Redaktionsleiter Jens Jessen den Einleitungstext „Wann ist ein Krimi ein Krimi?“ (noch nicht online) schreiben musste ist nicht okay. Er hätte den Platz besser für den Kollegen Tobias Gohlis und dessen sich im Heft unmittelbar anschließenden Text „Auf Leben und Tod“ räumen sollen.
So müssen wir aber, wieder einmal einen Text lesen, in dem der Kriminalroman zum Detektivroman verkürzt wird, sich episch über das Rätsel und die Auflösung ausgelassen wird und die üblichen Verdächtigen (Eric Ambler [ein Brite und kein Ami], Agatha Christie, Raymond Chandler, Patricia Highsmith und die Hohe Literatur mit Fjodor Dostojewskij [Schuld und Sühne], Joseph Conrad [Chance], Johann Wolfgang von Goethe [Wahlverwandschaften], Friedrich Schiller [Der Geisterseher]) aufgefahren werden.
Der Text hätte so auch schon vor dreißig Jahren erscheinen können und war bereits vor fünfzig Jahren veraltet.
Dabei ist der Kriminalroman viel mehr als der Detektivroman.
In einem Kriminalroman steht ein Verbrechen und die verschiedenen Reaktionen der Charaktere darauf im Mittelpunkt. Das Verbrechen kann der Anfang oder das Ende der Geschichte sein. Es kann sich um Mord handeln. Oder um ein anderes Verbrechen, wie Raub oder Verrat.
Das geschieht so James Ellroy, David Peace, George Pelecanos, Elmore Leonard, James Sallis, Carl Hiaasen – und ich höre jetzt auf. Denn die Namen stehen ja alle in der rechten Spalte.
Außerdem ist ein Kriminalroman immer eine moralische Erzählung.
Bei Mulholland Books (einem Imprint von Little, Brown and Company, das ab 2011 Krimis veröffentlicht) gibt es bereits jetzt viel zu lesen. Zum Beispiel:
Und The Rap Sheet sieht sich in San Francisco (als Vorbereitung für die Bouchercon, aber auch einfach so als Empfehlungen für einige spannende Stunden) um:
Auf der Suche nach einem möglichst eindringlichen Beispiel berichtet der ZDF-Mann, dass gerade erst der O-Ton von Josef Ackermann aus der ZDF-Mediathek geflogen sei, in dem der Deutsche Bank-Chef im Mai bei Maybrit Illner daran gezweifelt habe, ob Griechenland jemals seine Schulden zurückzahlen könne. Nach drei Monaten ist für Videos der Kategorie Gesprächssendung das Ende gekommen. (…)
Fragt man sich durch die Anstalten, welche Inhalte aufgrund des “Verweildauerkonzeptes” entfernt wurden, wird man geradezu unter Zahlen begraben: Der BR meldet 69 Prozent des Gesamtinhaltes, darunter überwiegende Teile der Bildungsangebote, Dokumentationen und Reportagen. Der HR gibt eine Löschquote von 58 Prozent für hr-online.de an, bei boerse.ARD.de seien es 72 Prozent gewesen. Beim RBB heißt es, allein im Angebot des Portals kulturradio.de gingen 80 Prozent der Rezensionen von Filmen, Büchern und CDs offline, die älter als zwölf Monate seien. Der SR listet auf: Unter sr-online.de seien in der Rubrik Kultur nur noch sieben Prozent der Inhalte verfügbar.
Jetzt können die Zeitungs- und Zeitschriftenverlage ja so richtig loslegen.
Du hast die Kriminalakte Blog-Archive nach ‘"George Pelecanos"’ durchsucht. Falls dir die Ergebnisse nicht weiterhelfen, schau mal bei einem der folgenden Links nach: