Wie alles begann: Die ersten drei James-Bond-Romane von Ian Fleming sind wieder erhältlich – und sogar neu übersetzt

Oktober 5, 2012

Einerseits sind die James-Bond-Romane von Ian Fleming Kalter-Kriegs-Lektüre aus dem letzten Jahrhundert, andererseits sind die literarischen Modernisierungen von verschiedenen Autoren nicht immer unbedingt überzeugend gewesen und die teils hohen Preise für ältere Ausgaben der Bond-Romane zeigen, dass es immer noch ein großes Interesse an den Abenteuern des Geheimagenten gibt.

Jetzt hat Cross Cult (jau, die „The Walking Dead“ und das halbe „Raumschiff Enterprise“-Universum deutschen Lesern nahebringen) Ian Flemings James-Bond-Romane neu übersetzten gelassen, das schicke Retro-Cover der englischsprachigen Penguin-Ausgaben übernommen und, wenige Wochen vor Daniel Craigs drittem Einsatz als James Bond („Skyfall“ startet am 1. November), die ersten drei James-Bond-Romane „Casino Royale“, „Leben und sterben lassen“ und „Moonraker“ veröffentlicht.

Für die Neuübersetzung gibt es einen guten Grund, wie Siegfried Tesche in „Das große James-Bond-Buch“ beim ersten Bond-Roman schreibt: „’Casino Royale’ wurde, wie alle anderen deutschen Ausgaben auch, gekürzt und zum Teil falsch oder lückenhaft übersetzt. Zudem wurden antideutsche Formulierungen, die in einigen Fleming-Romanen auftauchen, schlicht weggelassen. Dr. Jürgen Müller, Cheflektor Taschenbuch bei Ullstein, zu den Kürzungen: ‘Ich kann aus meiner Verlagskenntnis heraus nur anmerken, dass dies damals eine in der gesamten Branche nicht unübliche Usance war: die Taschenbuchbände wurden ganz einfach auf einen Umfang getrimmt, den der angestrebte Ladenpreis zuließ.’ (…) In allen Übersetzungen wurden die Kapitelüberschriften und fast immer auch Produktbezeichnungen, ein wichtiges Element in Flemings Stil, weggelassen.“

Am heftigsten wurde wohl „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ gekürzt. Wegen der antideutschen Tendenzen lehnte der Ullstein-Verlag, der die deutschen Ausgaben von „Casino Royale“ und „Leben und sterben lassen“ veröffentlichte, eine Veröffentlichung von „Moonraker“ ab. Der Scherz-Verlag veröffentlichte 1968 die deutsche Übersetzung des 1955 im Original erschienenen Romans nur in seinem Taschenbuchprogramm.

In „Casino Royale“ soll James Bond am Baccara-Tisch den russischen Agenten ‘Le Chiffre’ ruinieren und ihn so in den Ruhestand schicken. Le Chiffre fügt sich aber nicht klaglos seinem Schicksal.

In „Leben und sterben lassen“ kämpft James Bond gegen Mr. Big, einen Meisterverbrecher und Voodoobaron, der mit Goldmünzen aus einem Piratenschatz die sowjetische Spionage in den USA finanziert.

In „Moonraker“ will der Millionär und Ex-Nazi Sir Hugo Drax (1955 war eine Million mehr wert als heute) den Engländern eine Superrakete schenken. Als Drax in einem Spielkasino falsch spielt, soll James Bond ihm eine Lektion erteilen.

Im Dezember geht es, chronologisch, mit „Diamantenfieber“ weiter. Für März 2013 sind „Liebesgrüße aus Moskau“ und „Dr. No“ angekündigt. Im Juni 2013 erscheinen „Goldfinger“ und „In tödlicher Mission“, im September 2013 „Feuerball“ und „Der Spion, der mich liebte“, im Dezember 2013 „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ und „Man lebt nur zweimal“, und, abschließend, im März 2014 „Der Mann mit dem goldenen Colt“ und „Octopussy“ – und wenn dann alles zwölf James-Bond-Romane und die beiden Kurzgeschichtensammlungen im Regal nebeneinander stehen, sehen sie auch hübsch aus.

Für die Verfilmungen wurden dann nur noch Elemente der Geschichte übernommen. Entsprechend viel gibt es auch für die Fans der Filme in den Vorlagen zu entdecken.

Auch ich werde die Romane wieder lesen. Denn ich kenne ja nur die alten Übersetzungen (auch die Originalausgaben habe ich vor langer, langer Zeit gelesen) und, so die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ vom 19. März 1966: „Man ließ Fleming nicht übersetzen, sondern bearbeiten, das heißt verkürzt nacherzählen. Flemings Geschichten sind unterschiedlicher Länge; sie wurden auf immer das gleiche 190-Seiten-Volumen getrimmt. Was man wegnahm, war gerade das, was den Reiz der Bond-Geschichten ausmachte: Man entfernte Teile der Kulisse und beließ die reine Aktion.“

Nun, bei Cross Cult variiert die Länge der ersten drei Bände zwischen 240 und 352 Seiten und auch wir Deutschen können endlich die James-Bond-Romane so lesen, wie Ian Fleming sie schrieb.

Der erste Eindruck und ein schneller Vergleich zwischen den alten Übersetzungen und den neuen Übersetzungen, überzeugt.

Ian Fleming: Casino Royale

(übersetzt von Stephanie Pannen und Anika Klüver)

Cross Cult, 2012

240 Seiten

11,80 Euro

-

Originalausgabe

Casino Royale, 1953

-

Erste deutsche Übersetzung von Günter Eichel

Ullstein Taschenbuchverlag, 1960

-

Ian Fleming: Leben und sterben lassen

(übersetzt von Stephanie Pannen und Anika Klüver)

Cross Cult, 2012

336 Seiten

12,80 Euro

-

Originalausgabe

To live and let die, 1954

-

Erste deutsche Übersetzung von Günter Eichel

Ullstein Taschenbuchverlag, 1961

-

Ian Fleming: Moonraker

(übersetzt von Stephanie Pannen und Anika Klüver)

Cross Cult, 2012

352 Seiten

12,80 Euro

-

Originalausgabe

Moonraker, 1955

-

Erste deutsche Übersetzung von M. F. Arnemann

007 James Bond Mondblitz

Scherz Verlag, 1968

(Ullstein lehnte eine Veröffentlichung wegen antideutscher Tendenzen ab)

-

Hinweise

Homepage von Ian Fleming

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte


Ian Fleming hat Geburtstag, Neuer Bond-Roman veröffentlicht

Mai 28, 2008

In England sind die Medien schon seit Wochen im Ian-Fleming-Fieber (The Rap Sheet bietet einen guten Überblick). Höhepunkt war heute mit dem hundertsten Geburtstag von Bond-Schöpfer Ian Fleming und der weltweiten Veröffentlichung des neuen (und ersten) James-Bond-Romans “Der Tod ist nur der Anfang” (Devil may care) von Sebastian Faulks. Die ersten Seiten lesen sich ganz gut (das heißt: es gibt demnächst eine Besprechung).

Davor stelle ich die heute erschienenen Geburtstagsartikel zusammen: Frankfurter Rundschau, Morgenpost, Süddeutsche Zeitung, Tagesspiegel, Die Welt, Thüringer Allgemeine, Focus, Berliner Literaturkritik und 3sat. Bereits am Wochenende erschien in der NZZ eine Würdigung.

Spiegel Online über die Vorstellung von Faulks Roman in London (Wie der Spiegel darauf kommt, dass “Der Tod ist nur der Anfang” der 15. Bond-Roman ist, kann ich mir nur mit einem vollständigen Ignorieren von allen nicht von Ian Fleming geschriebenen Bond-Romanen erklären). Über das gleiche Ereignis, aber informativer ist der Focus.

Die Welt hält den Roman (Woher haben die ihr Vorabexemplar erhalten?) für nicht gut: Der Geheimagent such den Anschluss an unsere Gegenwart – und wirkt doch ziemlich altmodisch.

Sarah Weinman hat einige Kritiken gesammelt.


TV-Tipp für den 18. Mai: James Bond: Der Spion, der mich liebte

Mai 17, 2013

ZDF, 23.15

JAMES BOND: Der Spion, der mich liebte (GB 1977, R.: Lewis Gilbert)

Drehbuch: Richard Maibaum, Christopher Wood

LV: Ian Fleming: The spy who loved me, 1962 (Der Spion, der mich liebte)

Buch zum Film: Christopher Wood: The spy who loved me, 1977 (James Bond und sein größter Fall)

Mitten im Kalten Krieg muss Bond mit den Russen (nun, mit einer verdammt gut aussehenden Agentin) zusammenarbeiten. Denn Milliardär Stromberg will die Welt vernichten.

Der Film hat mit dem Buch nur eine Gemeinsamkeit: den Titel. Kein Wunder, denn in dem Buch erzählt Fleming aus der Perspektive einer jungen Frau, die einen Job als Hauswärterin eines einsam gelegenen Motels annimmt, wie sie von zwei Verbrechern als Geisel genommen und von James Bond befreit wird. Fleming hielt das stark kritisierte Buch für „offensichtlich schiefgegangen“ und sprach sich – erfolglos – gegen weitere Auflagen aus. Er bestand beim Verkauf der Filmrechte an Eon Productions darauf, dass für einen Film eine andere Geschichte gefunden werde.

Und das taten sie! Der Film glänzt mit Pyramiden, einem unter Wasser fahrendem Auto, Beißer (der bei Moonraker seinen zweiten Auftritt hatte) und einer grandiosen Schlussschlacht in dem Bauch eines Schiffes. Für diesen Kampf wurde in den Pinewood-Studios die größte Filmhalle der Welt, die „007-Stage“, gebaut. Roger Moore spielt Bond, Curd Jürgens den Bösewicht, Barbara Bach eine Russin.

Wiederholung: ZDFneo, Sonntag, 19. Mai, 22.05 Uhr

Hinweise

Wikipedia über „James Bond: Der Spion, der mich liebte” (deutsch, englisch)

Homepage von Ian Fleming

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung des James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 8. April: James Bond: Der MORGEN stirbt nie

April 7, 2013

ZDF, 22.15

James Bond: Der MORGEN stirbt nie (GB/USA 1997, R.: Roger Spottiswoode)

Drehbuch: Bruce Feirstein

LV: Charakter von Ian Fleming

Buch zum Film: Raymond Benson: Tomorrow never dies, 1997 (Der MORGEN stirbt nie)

Die Zeiten ändern sich: Bonds Gegner ist ein Pressezar, der für eine Schlagzeile einen Weltkrieg riskiert.

Brosnans zweiter Einsatz war an der Kinokasse selbstverständlich ein Erfolg. Der Rest war auch wie gewohnt; – auch die zahlreichen Drehbuchentwürfe und Veränderungen während der Dreharbeiten. Da arbeitete ein Team von vier Autoren in einem Londoner Hotel an neuen Ideen und den Wünschen von Spottiswoode. Entsprechend zerfällt der Film immer wieder in Einzelteile. Es gibt dazu einen bissigen Artikel von Feirstein.

Mit Pierce Brosnan, Michelle Yeoh, Jonathan Pryce, Götz Otto, Teri Hatcher, Judi Dench, Samantha Bond (nicht verwandt mit James Bond), Desmond Llewelyn

Hinweise

Rotten Tomatoes über „James Bond: Der MORGEN stirbt nie“

Wikipedia über „Der MORGEN stirbt nie“ (deutsch, englisch)

Drehbuch von Bruce Feirstein

Homepage von Ian Fleming

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung des James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 30. März: James Bond: Lizenz zum Töten

März 30, 2013

ARD, 01.10

James Bond: Lizenz zum Töten (GB 1989, R.: John Glen)

Drehbuch: Richard Maibaum, Michael G. Wilson

LV: Figur von Ian Fleming

Nachdem Drogenbaron Sanchez seinen Freund Felix Leiter während der Hochzeit schwer verletzt und dessen Künftige umbringt, sieht Bond rot. Im Alleingang bringt er Sanchez um seine Existenzgrundlage.

Der zweite Einsatz von Timothy Dalton war realistischer und härter als die vorherigen Bonds. An der Kasse war er damit nicht so erfolgreich – und die Bond-Macher legten eine mehrjährige Pause ein. Pierce Brosnan beendete die Produktionspause 1995 mit dem kommerziell äußerst erfolgreichen „GoldenEye“.

In „Lizenz zum Töten“ ist die Mischung aus klassischem Bond und modernem us-amerkanischen Action-Kino nicht überzeugend. In Erinnerung bleiben vor allem, dass alles viel brutaler als gewohnt ist. Der nächste Versuch eines härteren Bonds gelang mit „Casino Royale“ wesentlich besser.

Das Drehbuch war für einen Edgar nominiert.

Mit Timothy Dalton, Robert Davi, Talisa Soto, Benicio Del Toro

Hinweise

Rotten Tomatoes über “James Bond: Lizenz zum Töten”

Wikipedia über “James Bond: Lizenz zum Töten” (deutsch, englisch)

Homepage von Ian Fleming

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung des James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 23. März: Casino Royale

März 23, 2013

ARD, 20.15

James Bond: Casino Royale (USA 2006, R.: Martin Campbell)

Drehbuch: Paul Haggis, Neal Purvis, Robert Wade

LV: Ian Fleming: Casino Royale, 1953 (Casino Royale)

James Bond soll Le Chiffre, den Finanzier eines weltweiten Terrornetzwerkes, ausschalten.

Nach allgemeiner Einschätzung ist der einundzwanzigste James-Bond-Film (Offizielle Zählung) einer der fünf besten, vielleicht sogar – vor “Skyfall” – der beste Bond-Film. Niemand hatte mit dieser umfassenden Revitalisierung des Mythos James Bond für das neue Jahrhundert gerechnet.

Der erste Auftritt von Daniel Craig als Geheimagent ihrer Majestät ist ein spannender Thriller mit einem viel zu langen Ende. Denn nachdem Le Chiffre tot ist, ist der Film noch lange nicht zu Ende.

Das Drehbuch war für einen Edgar nominiert.

Mit Daniel Craig, Eva Green, Mads Mikkelsen, Jeffrey Wrigth, Judi Dench, Giancarlo Giannini

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Casino Royale“

Wikipedia über „Casino Royale“ (deutsch, englisch)

Homepage von Ian Fleming

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung des James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte


Robert Littell und Charles Cumming denken in „Philby“ und „Die Trinity-Verschwörung“ über die Cambridge Five nach

Januar 12, 2013

Die Bücher habe ich schon vor einigen Tagen gelesen, aber ich weiß immer noch nicht, wie ich meine Buchbesprechung beginnen soll. Denn ich hatte mir vorgenommen, „Philby – Porträt des Spions als junger Mann“ von Robert Littell und „Die Trinity-Verschwörung“ von Charles Cumming gemeinsam zu besprechen.

Immerhin sind beide Werke Spionageromane (was noch kein Grund wäre), beide spielen in England (schon eher ein Grund), sind von hochgelobten Spionageroman-Autoren (dito), beschäftigen sich mit den Cambridge Five – und das ist der Grund.

Die Cambridge Five, wie die Doppelspione genannt wurden, waren Kim Philby, Guy Burgess, Anthony Blunt, Donald Maclean und John Cairncross. Sie studierten am Trinity College der Universität Cambridge, arbeiteten bereits während des zweiten Weltkriegs für den sowjetischen Geheimdienst und teilweise für den englischen Geheimdienst. Nach dem zweiten Weltkrieg erlangten sie wichtige Positionen im Geheimdienst und Außenministerium und einer wurde Leiter der königlichen Gemäldegalerie.

Ihre Enttarnung war ein großer Geheimdienstskandal und auch heute noch sind die Namen der Cambridge Five einer breiten Öffentlichkeit als Doppelagenten (oder Trippelagenten?) bekannt.

Wenn fast zeitgleich zwei Spionageromane erscheinen, die sich mit diesem Fall beschäftigen, dann lädt das natürlich zum Vergleich ein. Auch wenn der eine Roman in der Vergangenheit, der andere in der Gegenwart spielt.

Littell - Philby - 2

Robert Littell, hochgelobt, seit Jahren im Geschäft und immer noch viel zu unbekannt, schrieb über die Vergangenheit. In „Philby – Porträt des Spions als junger Mann“ erzählt er von Harold Adrian Russell ‘Kim’ Philbys Jahren als junger Mann: wie er 1933 nach Wien fuhr um den dortigen Kommunisten gegen Kanzler Dollfuß zu helfen und er sich in Litzi Friedmann, eine ungarischstämmige, jüdische Kommunistin, verliebte und sie später, um sie vor der Judenverfolgung zu schützen, heiratete. Danach ging es zurück nach England, wo er zusammen mit Guy Burgess, einem homosexuellem Mitstudenten am Trinity College, die Idee hatte, als Spion für den sowjetischen Geheimdienst zu arbeiten. Aufgrund ihrer Herkunft und der damit verbundenen glänzenden Kontakte in die Oberschicht war der NKWD interessiert und Kim Philbys Rehabilitierungsprogramm begann, indem er als Times-Journalist betont deutschlandfreundlich über den spanischen Bürgerkrieg schrieb.

1940 wurde Philby, weil er ja seine jugendliche Phase als Kommunist hinter sich gelassen hatte, vom MI6 angeworben – und seine Karriere als Doppelagent begann. Wobei die Sowjets sich fragten, ob er nicht vielleicht sogar ein Trippelagent sei.

Robert Littell hielt sich, wie er im Nachwort sagt, eng an die historischen Fakten, die ja schon fantastisch genug sind, und er bietet am Ende eine Erklärung für Kim Philbys Verhalten an, die sowohl fantastisch, irrwitzig und logisch ist. Jedenfalls in der Welt der Geheimdienste, in denen jeder jeden als Falschspieler verdächtigt und Intrigen und Komplotte oft von so langer Hand vorbereitet werden, dass am Ende keiner mehr weiß, wem er noch vertrauen kann.

Anstatt diese wahre Geschichte jetzt aus einer Perspektive zu schildern oder als allwissender Erzähler die endgültige Wahrheit zu verkünden, wählte Littell einen anderen Zugang. Er lässt Kim Philbys Leben aus der Sicht von anderen Menschen, mit denen er mehr oder weniger gut vertraut war, schildern. Dabei hat nicht nur jeder Ich-Erzähler einen eigenen Blick auf Kim Philby, sondern auch auf die anderen Charaktere. Gleichzeitig führt Littell so auch auf erzählerische Ebene in die Spiegelwelt der Spione ein. Denn es ist unklar, ob eine Sicht die wahre Sicht auf Philby ist oder ob sich aus den verschiedenen Perspektiven das Bild des wahren Philby oder nur ein weiteres Trugbild entsteht.

Philby – Porträt des Spions als junger Mann“ ist, wie auch die anderen Romane von Robert Littell, ein intellektuelles, gut zu lesendes Vergnügen.

Cumming - Die Trinity-Verschwörung 2

Das kann von Charles Cummings „Die Trinity-Verschwörung“ nicht behauptet werden. In England hat er vor „Die Trinity-Verschwörung“ bereits vier und danach einen Spionage-Roman veröffentlicht. Mail on Sunday nannte ihn, den „Meister des modernen Spionageromans“. Library Journal meinte „Charles Cumming kann es jederzeit mit John le Carré aufnehmen“. Die Kirkus Reviews und die Washington Post hielten „Die Trinity-Verschwörung“ für einen der besten Thriller des Jahres. Und Hollywood hat die Filmrechte bereits gekauft; aber das macht Hollywood ja ständig. Für seinen neuesten Roman „A foreign Country“ erhielt er den CWA Ian Fleming Steel Dagger.

Und dennoch war, vor allem nach dem grandiosen „Philby – Porträt des Spions als junger Mann“, „Die Trinity-Verschwörung“ ein rechter Langweiler.

Dabei beginnt die Geschichte vielversprechend.

Der Anfang Vierzigjährige Sam Gaddis ist Uni-Professor und Russlandexperte mit einem Berg Schulden, die er mit einem Bestseller abbauen könnte. Zum Beispiel über ein bis heute unbekanntes sechstes Mitglied der legendären Cambridge Five, das sogar noch lebt.

Diese gut gepflegte Geheimdienstlegende und Verschwörungstheorie von einem sechsten Mann erhält neue Nahrung, als Gaddis von Holly Levette, einer jungen Frau, die er während einer Lesung kennen lernt, den Nachlass ihrer Mutter, die vor ihrem Tod an einer Geschichte des KGB arbeitete, erhält und seiner Freundin Charlotte Berg, die Journalistin ist und gerade an einer Reportage über den sechsten Mann der Cambridge Five arbeitet, anbietet, mit ihm ihre Rechercheergebnisse zu teilen. Am nächsten Tag hat sie, so steht es in ihrem Totenschein, einen tödlichen Herzanfall.

Gaddis beginnt mit ihren bisherigen Rechercheergebnissen nach dem sechsten Mann zu suchen. Dabei muss er, während seiner Hatz durch halb Europa, feststellen, dass jemand alle Mitwisser ausschaltet und der englische Geheimdienst eine junge Agentin, die ihm später hilft, auf ihn angesetzt hat.

Dummerweise versumpft Charles Cummings Roman nach einem verheißungsvollen Auftakt schnell in einer episodischen Reise durch halb Europa, die zwar die Seiten füllt, unseren Helden Sam Gaddis aber nicht wirklich näher an die Lösung, die dann doch erschreckend banal ist, bringt.

Außerdem, und das ist das größte Problem, von „Die Trinity-Verschwörung“, verhält Gaddis sich als Wissenschaftler absolut unvernünftig. Anstatt sich wenigstens einmal den Nachlass von Levettes Mutter anzusehen, hetzt er durch die Welt und, nachdem er einige Morde mitansehen durfte (der super effektive Killer weiß nichts von seiner Existenz) und der englische Geheimdienst (auch nicht gerade mit Geistesgrößen gesegnet) ihm mehrmals aus der Patsche geholfen hat, sieht er sich endlich, kurz vor dem Ende des Romans, den Nachlass an und – Oh, Wunder! – findet in diesen Dokumenten die Lösung.

Die Trinity-Verschwörung“ hat einen fast schon klassischen Idiotenplot.

-

Robert Littell: Philby – Porträt des Spions als junger Mann

(übersetzt von Werner Löcher-Lawrence)

Arche, 2012

288 Seiten

19,95 Euro

-

Originalausgabe

Philby: Portrait de l’espion en jeune homme

Éditions Baker Street, Paris, 2011

-

Charles Cumming: Die Trinity-Verschwörung

(übersetzt von Walter Ahlers)

Goldmann, 2012

448 Seiten

9,99 Euro

-

Originalausgabe

The Trinity Six

Harper Collins, London, 2011

-

Hinweise

Meine Besprechung von Robert Littels „Zufallscode“/“Der Gastprofessor“ (The Visiting Professor, 1993)

Meine Besprechung von Robert Littels „Die Söhne Abrahms“ (Vicious Circle, 2006)

Robert Littell in der Kriminalakte

Homepage von Charles Cumming

Wikipedia über die Cambridge Five (deutsch, englisch)

Crime Library über die Cambridge Spione


TV-Tipp für den 8. Januar: James Bond: Ein Quantum Trost

Januar 8, 2013

ZDF, 20.15

James Bond 007 – Ein Quantum Trost (GB 2008, R.: Marc Forster)

Drehbuch: Paul Haggis, Neal Purvis, Robert Wade

LV: Ian Fleming: Quantum of Solace, 1960 (Das Minimum an Trost, Ein Minimum an Trost [Kurzgeschichte])

Die Story aka Der Vorwand für ganz viele, ganz doll im schlechten Jason-Bourne-Stil zerschnipselten Verfolgungsjagden und Actionszenen: James Bond will den Tod von seiner Geliebten Vesper Lynd rächen und legt sich mit der geheimnisvollen Organisation Quantum (ist wahrscheinlich ein Nachfolger von Spectre) an.

Auch wenn der zweite Einsatz von Daniel Craig als James Bond nicht der schlechteste Bond aller Zeiten ist, hat er jedenfalls einen Platz in den Top Drei. Denn „Octopussy“ ist auch ziemlich mies und „Der Mann mit dem goldenen Colt“ hat bei mir den Einer-der-ersten-Bond-Filme-die-ich-gesehen-habe-Bonus. Die anderen waren „Diamantenfieber“, „In tödlicher Mission“ und, ich glaube, „Feuerball“ – und immer im Kino; ach, das wissen die Jüngeren wahrscheinlich nicht: bis in die neunziger Jahre liefen auch ältere Filme auch in der Provinz immer wieder in normalen Kinos

Mit Daniel Craig, Olga Kurylenko, Mathieu Amalric, Judi Dench, Giancarlo Giannini, Gemma Arterton, Jeffrey Wright, Jesper Christensen, Rory Kinnear

Wiederholung: Mittwoch, 9. Januar, 00.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Film-Zeit über “James Bond: Ein Quantum Trost”

Metacritic über “James Bond: Ein Quantum Trost”

Rotten Tomatoes über “James Bond: Ein Quantum Trost”

Wikipedia über “James Bond: Ein Quantum Trost” (deutsch, englisch)

Homepage von Ian Fleming

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung des James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 22. Dezember: James Bond: Stirb an einem anderen Tag

Dezember 22, 2012

ARD, 23..15

James Bond: Stirb an einem anderen Tag (USA/GB 2002, R.: Lee Tamahori)

Drehbuch: Neal Purvis, Robert Wade

LV: Charakter von Ian Fleming

Buch zum Film: Raymond Benson: Die Another Day, 2002

Nachdem James Bond kurzzeitig von M gefeuert wird, darf er wieder die Welt retten. Aktuelle Schauplätze sind Nordkorea, Hongkong, Kuba, London und Island.

Vierter und letzter Bond-Film mit Pierce Brosnan, der sich nicht sonderlich von den vorherigen unterscheidet: kurzweiliges Popcornkino für die ganze Familie.

Mit Pierce Brosnan, Halle Berry, Rick Yune, Judi Dench, John Cleese, Toby Stephens, Michael Madsen, Rosamund Pike, Michael G. Wilson, Madonna

Hinweise

Rotten Tomatoes über “James Bond: Stirb an einem anderen Tag”

Wikipedia über “James Bond: Stirb an einem anderen Tag” (deutsch, englisch)

Homepage von Ian Fleming

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung des James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 24. November: James Bond: In tödlicher Mission

November 24, 2012

ARD, 00.50

James Bond: In tödlicher Mission (GB 1981, R.: John Glen)

Drehbuch: Richard Maibaum, Michael G. Wilson

LV: Ian Fleming: For you eyes only, 1960 (Für Sie persönlich, Kurzgeschichte), Risico, 1960 (Riskante Geschäfte, Kurzgeschichte)

James Bond sucht im Mittelmeer ein verschwundenes Gerät zur Steuerung der U-Boot-Flotte, das ATAC. Es wurde von dem griechischen Millionär Kristatos geklaut, der es an die Sowjets verkaufen will.

Einer der besseren Roger-Moore-Bonds. „Variety“ hielt „In tödlicher Mission“ sogar für einen der durchgehend erfreulichsten aller bis dahin gedrehten zwölf Bond-Filme. Andere Kritiker meinten, es sei ein Remake von „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ (Hm.) und eine einzige Verfolgungsjagd (Gut!) mit viel Werbung (Schlecht!). Jedenfalls kam diese Mischung dem Talent von John Glen entgegen und Roger Moore bewältigte seine Arbeit mit der Hilfe von fast fünfzig Stuntmännern.

Mit Roger Moore, Carole Bouquet, Julian Glover, Chaim Topol, Lois Maxwell, Desmond Llewelyn

Hinweise

Rotten Tomatoes über “James Bond: In tödlicher Mission”

Wikipedia über “James Bond: In tödlicher Mission” (deutsch, englisch)

Homepage von Ian Fleming

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung des James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte

 


Neu im Kino/Filmkritik: Daniel Craig, James Bond, „Skyfall“ und M

Oktober 31, 2012

Skyfall“, der neue James-Bond-Film mit Daniel Craig als Geheimagent ihrer Majestät, ist nach dem Desaster „Ein Quantum Trost“ (A Quantum Solace) nicht nur eine Rückkehr zur alten Stärke, sondern „Skyfall“ ist auch der beste Craig-Bond und er steht definitiv im oberen Drittel der James-Bond-Filme.

Allerdings ist er mit 143 Minuten etwas zu lang geraten. Neben „Casino Royale“ (144 Minuten) und „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ (On her Majesty’s Secret Service, 142 Minuten) gehört er zu den längsten Bond-Filmen.

Und, was für Bond-Fans schlimmer ist: es gibt letztendlich keine Bondine. Es gibt zwar zwei junge, gutaussehende Frauen, aber deren Rollen sind arg kurz geraten und zur Handlung tragen sie auch wenig bei; – wobei Eve (Naomi Harris), eine MI6-Kollegin von James Bond, ihren großen Auftritt am Filmanfang hat, wenn sie Bond erschießt. Es war zwar ein bedauerlicher Fehler, aber M (Judi Dench) muss in London betrübt den Nachruf auf ihren besten Agenten schreiben und um ihren Job als Geheimdienstchefin kämpfen.

Denn in Istanbul sollten Bond und Eve verhindern, dass eine Datei mit den Namen aller Undercover-Agenten, die in Terrororganisationen sind, in die falschen Hände fällt. Sie versagen – und wir können einen grandiosen zwölfminütigen Actionauftakt, der mit dem Tod von James Bond endet, erleben.

Danach wird es ruhiger, bis Terroristen die Computer von MI6 infiltrieren und in Ms Büro eine Bombe zünden.

Als Bond davon hört, meldet er sich zurück zum Dienst und er hat auch gleich eine heiße Spur zu einem der Killer, der ihn in Istanbul mit einer speziellen Munition angeschossen hat. Der eiskalter Killer hat in Shanghai einen neuen Auftrag – und mehr soll hier von der Handlung nicht verraten werden.

Jedenfalls gibt es wieder prächtige Schauplätze, auch wenn sich nicht alle als Urlaubsort eignen, angenehm altmodisch gefilmte Action und mit Javier Bardem einen herrlich exaltierten Bösewicht, der wirklich ‘larger than life’ ist und als ehemaliger MI6-Agent eine persönliche Rechnung mit M begleichen will. Es gibt einige Diskussionen über das Wesen und die Zukunft der Geheimdienste und eine bislang ungeahnte psychologische, fast schon psychopathologische Grundierung der Geschichte. Denn vor allem James Bond nennt seine Vorgesetzte fast immer „Ma’am“ und es hört sich, in der Originalversion, durchaus gewollt, wie „Mutter“ an. Regisseur Sam Mendes („American Beauty“, „Road to Perdition“) ist der richtige Mann, um dem Charakter James Bond eine bislang nicht vermisste Tiefe zu verleihen und trotzdem der Action genug Raum zu geben.

Es gibt einen Schlusskampf im malerischen Schottland, der wirklich so auch schon zu Sean Connerys Zeiten hätte stattfinden können und ein Filmende, das ein Ende der psychologischen Phase andeutet. Denn bei aller Liebe zu psychologischen Vertiefungen ist der Film-James-Bond doch immer ein jetsettender Playboy, der das Leben genießt und der während seiner Arbeit eine eskapistische Spur der Verwüstung hinterlässt. Vor allem, wenn in den letzten Filmminuten die riesige Zentrale des größenwahnsinnigen Bösewichts zerstört wird.

Der nächste James-Bond-Film könnte wirklich wieder ein altmodischer Kampf gegen einen Superschurken sein. Mir würde das jedenfalls gefallen.

Skyfall (Skyfall, GB/USA 2012)

Regie: Sam Mendes

Drehbuch: Neal Purvis, Robert Wade, John Logan

LV: Charakter von Ian Fleming

mit Daniel Craig, Judi Dench, Javier Bardem, Ralph Fiennes, Naomie Harris, Bérénce Marlohe, Ben Whishaw, Albert Finney,Rory Kinnear, Ola Rapace

Länge: 143 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

-

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Skyfall“

Metacritic über „Skyfall“

Rotten Tomatoes über „Skyfall“

Wikipedia über „Skyfall“ (deutsch, englisch – Vorsicht: es werden wichtige Teile der Handlung verraten!)

Homepage von Ian Fleming

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 30. Oktober: Goldeneye – Der Mann, der James Bond war

Oktober 30, 2012

3sat, 20.15

Goldeneye – Der Mann, der James Bond war (GB 1989, R.: Don Boyd)

Drehbuch: Reg Gadney

LV: John Pearson: The Life of Ian Fleming, 1966

TV-Biopic über Ian Fleming, den Erfinder von James Bond und dessen abenteuerliches Leben.

Im Anschluss gibt es um 22.00 Uhr die halbstündige Doku „Der Mann, der 007 war“.

mit Charles Dance, Phyllis Logan, Lynsey Baxter, Patrick Ryecart

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Goldeneye – Der Mann, der James Bond war”

Homepage von Ian Fleming

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte


„Casino Royale“ – die Version mit Barry Nelson als James Bond

Oktober 26, 2012

Ihr habt ja alle die Jubelfeiern zum fünfzigsten Geburtstag von James Bond mitbekommen. Dabei wurde dann galant ignoriert, dass die Romane von Ian Fleming schon etwas älter sind und dass James Bond bereits 1954 sein Filmdebüt hatte.

Das Filmdebüt hatte allerdings, im Gegensatz zu dem ersten James-Bond-Spielfilm „James Bond – 007 jagt Dr. No“ (Dr. No, GB 1962) von Terence Young mit Sean Connery als Geheimagent ihrer Majestät, keine großen Auswirkungen. Es galt sogar lange Zeit als verschollen, bis der Filmsammler Jim Shoenberger 1981 in Chicago eine Kopie des Films entdeckte. Es handelt sich dabei um ein „Kinesope“, eine mit einer Filmkamera vom Bildschirm abgefilmte Fassung.

Barry Nelson spielte James Bond in dem fünfzigminütigem CBS-TV-Film „Casino Royale“, der am 21. Oktober 1954 als vierter Film des „Climax Mystery Theatre“ ausgestrahlt wurde. In dem Film soll James Bond, wie in dem Roman, in einem Casino den russischen Agenten Le Chiffre (Peter Lorre) am Spieltisch ruinieren.

Der Film spielt eigentlich nur im Casino und Bonds Hotelzimmer – und weil es sich um eine US-Produktion handelt, wurde aus James Bond Jimmy Bond und aus Felix Leiter Clarence Leiter.

Regie führte William H. Brown. Das Drehbuch ist von Antony Ellis und Charles Bennet.

An dem Film gibt es, außer dass es sich um den ersten Filmauftritt von James Bond handelt, nichts bemerkenswertes. Es ist ein typischer Live-TV-Film mit dem Charme eines abgefilmten Theaterstücks.

Für James-Bond-Fans lohnt sich gerade deshalb ein Blick. Die Bildqualität des Films ist bescheiden und wird am Ende noch bescheidener.

Vorhang auf:

P. S.: “Skyfall”, der neue James-Bond-Film, ist ziemlich grandios. Besprechung demnächst.

 


Dagger 2012: die Gewinner der Hauptkategorien und der Film-Daggers

Oktober 20, 2012

Am Donnerstag wurden die letzten drei CWA Daggers der ehrenwerten britischen Crime Writers’ Association (CWA) vergeben:

The CWA Gold Dagger

The Rage von Gene Kerrigan (Vintage)

-

The CWA Ian Fleming Steel Dagger

A Foreign Country von Charles Cumming (HarperCollins)

-

The CWA John Creasey (New Blood) Dagger

A Land More Kind than Home von Wiley Cash (Transworld/Bantam)

-

Außerdem wurden verliehen

The Specsavers Bestseller Dagger (public vote)

Kathy Reichs

-

The Film Dagger

Tinker Tailor Soldier Spy (Dame, König, As, Spion) (Studio Canal)

-

The TV Dagger

Sherlock: Series 2 (Hartswood Films/BBC1)

-

The International TV Dagger

The Bridge (Die Brücke – Transit in den Tod) (Danmarks Radio, Sveriges Television/BBC4)

-

The Best Actress Dagger

Claire Danes für Homeland (Teakwood Lane Productions, Showtime Productions, Cherry Pie Productions, Keshet Media Group, Fox 21/Channel 4)

-

The Best Actor Dagger

Benedict Cumberbatch für Sherlock (Hartswood Films/BBC1)

-

The Best Supporting Actress Dagger

Kelly Macdonald für Boardwalk Empire (HBO/Sky Atlantic)

-

The Best Supporting Actor Dagger

Martin Freeman for Sherlock (Hartswood Films/BBC1)

-

Best Detective Duo (public vote)

Lewis, DI Robbie Lewis und DS James Hathaway

-

Die CWA-Dagger-Preisverleihung war im Grosvenor House in London als Teil der „Specsavers Crime Thriller Awards“-Verleihung.

ITV 3 wird am 23. Oktober eine Zusammenfassung der Preisverleihung präsentieren. Wer von uns das englische Fernsehen empfängt, kann es sich ansehen.

-

Die Nominierungsliste findet ihr hier.

Ansonsten: eine beeindruckende Gewinnerliste.

Von Charles Cumming erscheint im November als Goldmann Taschenbuch „Die Trinity-Verschwörung“ (The Trinity Six).

(via The Rap Sheet; einige Bilder von dem Abend)

 

 


Einige Dagger-Shortlists und weitere britische Nominierungen

September 3, 2012

Die British Crime Writers’ Association (CWA) hat in einigen Kategorien die Dagger-Finalisten veröffentlicht (Longlist hier) und es gibt die Nominierungslisten für die Specsavers Crime Thriller Awards. Die Preise werden am 18. Oktober in London im Grosvenor House Hotel vergeben und der UK-Sender ITV3 zeigt am 23. Oktober die Verleihung.

Im blutigen Rennen um die renommierten Preise sind:

CWA Gold Dagger

Vengeance in Mind, von N.J. Cooper (Simon & Schuster)

The Flight, von M.R. Hall (Mantle)

The Rage, von Gene Kerrigan (Harvill Secker)

Bereft, von Chris Womersley (Quercus)

-

CWA John Creasey (New Blood) Dagger

Heart-Shaped Bruise, von Tanya Byrne (Headline)

Land More Kind than Home, von Wiley Cash (Bantam)

Good People, von Ewart Hutton (Blue Door)

What Dies in Summer, von Tom Wright (Canongate)

-

CWA Ian Fleming Steel Dagger

Dare Me, von Megan Abbott (Picador)

A Foreign Country, von Charles Cumming (HarperCollins)

The Fear Index, von Robert Harris (Hutchinson)

Reamde, von Neal Stephenson (Atlantic Books)

-

Specsavers Bestseller Dagger (public vote)

Ann Cleeves

Anthony Horowitz

Stuart MacBride

Jo Nesbø

Kathy Reichs

-

Film Dagger

Drive (Icon)

The Dark Knight Rises (Warner Bros)

The Girl with the Dragon Tattoo (Verblendung) (Sony)

The Guard (Optimum)

Tinker Tailor Soldier Spy (Dame, König, As, Spion) (Studio Canal)

-

TV Dagger

Appropriate Adult (ITV Studios/ITV1)

Line of Duty (BBC/BBC2)

Sherlock: Series 2 (Hartswood Films/BBC1)

Wallander (Left Bank Pictures, Yellow Bird/BBC1)

Whitechapel: Series 3 (Carnival/ITV1)

-

The International TV Dagger

Boardwalk Empire: Season 2 (HBO/Sky Atlantic)

Dexter: Season 6 (Showtime Networks, John Goldwyn Productions, The Colleton Company, Clyde Phillips Productions/FX)

Homeland (Teakwood Lane Productions, Showtime Productions, Cherry Pie Productions, Keshet Media Group, Fox 21/Channel 4)

The Bridge (Danmarks Radio, Sveriges Television/BBC4)

The Killing II: Forbrydelsen (Arrow Films/BBC4)

-

Best Actress Dagger

Brenda Blethyn für Vera (ITV Studios/ITV1)

Claire Danes für Homeland (Teakwood Lane Productions, Showtime Productions, Cherry Pie Productions, Keshet Media Group, Fox 21/Channel 4)

Sofie Gråbøl für The Killing II (Arrow Films/BBC4)

Sofia Helin für The Bridge (Danmarks Radio, Sveriges Television/BBC4)

Maxine Peake für Silk (BBC/BBC1)

-

Best Actor Dagger

Kenneth Branagh für Wallander (Left Bank Pictures,Yellow Bird/BBC1)

Steve Buscemi für Boardwalk Empire (HBO/Sky Atlantic)

Benedict Cumberbatch für Sherlock (Hartswood Films/BBC1)

Damien Lewis für Homeland (Teakwood Lane Productions, Showtime Productions, Cherry Pie Productions, Keshet Media Group, Fox 21/Channel 4)

Dominic West für Appropriate Adult (ITV Studios/ITV1

-

Best Supporting Actress Dagger

Frances Barber für Silk (BBC/BBC1)

Kelly Macdonald für Boardwalk Empire (HBO/Sky Atlantic)

Archie Panjabi für The Good Wife (Scott Free Productions, King Size Productions, Small Wishes, CBS Productions/More 4)

Sarah Smart für Wallander (Left Bank Pictures, Yellow Bird/BBC1)

Una Stubbs für Sherlock (Hartswood Films/BBC1)

-

Best Supporting Actor Dagger

Alun Armstrong für Garrow’s Law (Shed Media/BBC1)

Alan Cumming für The Good Wife (Scott Free Productions, King Size Productions, Small Wishes, CBS Productions/More 4)

Phil Davis für Silk und Whitechapel (Silk: BBC/BBC1; Whitechapel: Carnival/ITV1)

Laurence Fox für Lewis (ITV Studios/ITV1)

Martin Freeman für Sherlock (Hartswood Films/BBC1)

-

Best Detective Duo (public vote)

DCI Banks

DCI Alan Banks und DS Annie Cabbot

Above Suspicion

DC Anna Travis und DCS James Langton

Scott and Bailey

DC Jane Scott und DC Rachel Bailey

Lewis

DI Robbie Lewis und DS James Hathaway

Whitechapel

DI Joseph Chandler und DS Ray Miles

Vera

DCI Vera Stanhope und DS Joe Ashworth

 

(via The Rap Sheet)


Dagger-Preise, die Erste – und einige weitere Dagger-Nominierungen

Juli 8, 2012

Die britische Autorenvereinigung Crime Writers’ Association (CWA) hat die ersten Dagger-Preise des 2012er Jahrgangs verliehen:

CWA International Dagger

The Potter’s Field, von Andrea Camilleri, übersetzt von Stephen Sartarelli (Mantle)

nominiert

I Will Have Vengeance, von Maurizio de Giovanni, übersetzt von Anne Milano Appel (Hersilia Press)

Until Thy Wrath Be Past, von Åsa Larsson, übersetzt von Laurie Thompson (Quercus/MacLehose)

Trackers, von Deon Meyer, übersetzt von T.K.L Seegers (Hodder & Stoughton)

Phantom, von Jo Nesbø, übersetzt von Don Bartlett (Harvill Secker)

The Dark Valley, von Valerio Varesi, übersetzt von Joseph Farrell (Quercus/MacLehose)

-

CWA Non-fiction Dagger

The Eleventh Day, von Anthony Summers und Robbyn Swan (Transworld/Doubleday)

nominiert

To Live Outside the Law, von Leaf Fielding (Serpent’s Tail)

Dark Market, von Misha Glenny (Vintage)

Hood Rat, von Gavin Knight (Pan Macmillan)

The Negotiator, von Ben Lopez (Little, Brown)

Witness, von David Smith, mit Carol Ann Lee (Mainstream)

-

CWA Short Story Dagger (zusammen)

The Message, von Margaret Murphy (aus „Murder Squad: Best Eaten Cold and Other Stories“, herausgegeben von Martin Edwards; The Mystery Press)

Laptop, von Cath Staincliffe (aus „Murder Squad: Best Eaten Cold and Other Stories“)

nominiert

The Golden Hour, von Bernie Crossthwaite (aus „Guilty Consciences“, herausgegeben von Martin Edwards; Severn House)

Hixton, von William Kent Krueger (aus „Crimes by Moonlight“, herausgegeben von Charlaine Harris; Gollancz)

He Did Not Always See Her, von Claire Seeber (aus „Guilty Consciences“)

A Long Time Dead, von Mickey Spillane und Max Allan Collins (aus „The Best American Mystery Stories 2011“, herausgegeben von Harlan Coben und Otto Penzler; Corvus)

-

CWA Ellis Peters Historical Dagger

Icelight, von Aly Monroe (John Murray)

nominiert

The Crown, von Nancy Bilyeau (Orion)

I Will Have Vengeance, von Maurizio de Giovanni (Hersilia Press)

Bitter Water, von Gordon Ferris (Corvus)

Prague Fatale, von Philip Kerr (Quercus)

Sacrilege, von S.J. Parris (HarperCollins)

A Willing Victim, von Laura Wilson (Quercus)

-

CWA Dagger in the Library

Steve Mosvon

nominiert

Belinda Bauer

S.J. Bolton

Susan Hill

Peter May

Imogen Robertson

-

CWA Debut Dagger

Beached, von Sandy Gingras

nominiert

Death von Glasgow, von Jon Breakfield

Easy to Die, von Sean Carpenter

The Watchers, von Karen Catalona

One Man Army, von Bram E. Gieben

Trick, von Sean Hancock

Broken-Winged Bird, von Renata Hill

Death Knell, von Rob Lowe

Chasing Shadows, von Lesley McLaren

The Wrong Domino, von Simon Miller

Message from Panama, von Britt Vasarhelyi

Port of Spain, von Elizabeth Wells

-

Aber das ist noch nicht alles. Denn es gibt noch Longlists für drei weitere Dagger-Kategorien:

The John Creasey (New Blood) Dagger

The Doll Princess, von Tom Benn (Jonathan Cape)

Heart-Shaped Bruise, von Tanya Byrne (Headline)

A Land More Kind than Home, von Wiley Cash (Bantam)

So Much Pretty, von Cara Hoffman (Century)

Good People, von Ewart Hutton (HarperCollins)

Turn of Mind, von Alice LaPlante (Harvill Secker)

The Expats, von Chris Pavone (Faber and Faber)

What Dies in Summer, von Tom Wright (Canongate)

-

The Ian Fleming Steel Dagger

Dare Me, von Megan Abbott (Picador)

The Shadow Patrol, von Alex Berenson (Headline)

A Foreign Country, von Charles Cumming (HarperCollins)

The Fear Index, von Robert Harris (Hutchinson)

The Dispatcher, von Ryan David Jahn (Macmillan)

Uncommon Enemy, von Alan Judd (Simon & Schuster)

The Child Who, von Simon Lelic (Mantle)

Reamde, von Neal Stephenson (Atlantic)

-

The Gold Dagger

A Land More Kind than Home, von Wiley Cash (Bantam)

Vengeance in Mind, von N.J. Cooper (Simon & Schuster)

Grandad, There’s a Head on the Beach, von Colin Cotterill (Quercus)

The Flight, von M.R. Hall (Mantle)

The Rage, von Gene Kerrigan (Vintage)

Turn of Mind, von Alice LaPlante (Harvill Secker)

The Child Who, von Simon Lelic (Mantle)

Bereft, von Chris Womersley (Quercus)

-

Wer diese Dagger-Preise erhält, wird in einigen Monaten bekannt gegeben.

(via The Rap Sheet)

 


TV-Tipp für den 26. Mai: James Bond: Man lebt nur zweimal

Mai 26, 2012

SWR, 22.50

JAMES BOND: Man lebt nur zweimal (GB 1967, R.: Lewis Gilbert)

Drehbuch: Roald Dahl

LV: Ian Fleming: You only live twice, 1964 (Man lebt nur zweimal)

Blofeld kapert Raumkapseln. James Bond wird losgeschickt dem schändlichen Treiben ein Ende zu bereiten. In Blofelds Zentrale, einem erloschenen Vulkan, treffen beide aufeinander.

Die erste Begegnung zwischen den Herren Bond und Blofeld (im Film – in den Büchern war die Reihenfolge etwas anders). Der Film ist eine ziemlich ermüdende Materialschlacht mit einem als Japaner verkleideten Bond.

You only live twice“ ist das vorletzte Bond-Buch von Ian Fleming. Für den Film wurde eine vollkommen neue Story entworfen. Nur der Gegner (Blofeld) und der Ort der Handlung (Japan) sind gleich.

Ein interessanten Blick auf den damaligen Presserummel findet sich in Erich Kocians Buch „Die James Bond Filme“ (Heyne Filmbibliothek, Auflage egal). Kocian berichtete damals aus Japan über die Dreharbeiten unter ständiger Belagerung von Reportern und Fans.

Mit Sean Connery, Karin Dor, Donald Pleasence, Akiko Wakabayashi, Bernard Lee, Lois Maxwell, Desmond Llewelyn, Charles Gray

Hinweise

Wikipedia über „James Bond: Man lebt nur zweimal” (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

James Bond in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 14. April: James Bond: Sag niemals nie

April 14, 2012

ARD, 22.15

Sag niemals nie (USA 1983, R.: Irvin Kershner)

Drehbuch: Lorenzo Semple jr.

LV: Ian Fleming: Thunderball, 1961 (Feuerball)

James Bond bei seiner Lieblinsbeschäftigung: Welt retten. Aktuelle Einsatzorte: Bahamas, Südfrankreich und Nordafrika.

Nach einer langen Pause (und bei einer anderen Produktionsfirma) spielte Sean Connery wieder Bond; Klaus Maria Brandauer den Bösewicht, Kim Basinger das ´love interest´ der beiden Männer. Außerdem sind Barbara Carrera, Max von Sydow, Edward Fox, Bernie Casey und Rowan Atkinson dabei.

„Sag niemals nie“ konnte entstehen, weil Ian Fleming zusammen mit Kevin McClory und Jack Whittingham für einen Film die Geschichte „Longitude 78 West“ entwarf. Fleming verarbeitete sie später in dem Bond-Roman „Feuerball“. McClory, der bei „Feuerball“ Co-Produzent war, hatte die Rechte für weitere Verfilmungen dieser Geschichte. Die Auflage war, dass er sich möglichst eng an das gemeinsam entworfene Story-Gerüst halten müsse. Die juristischen Streitigkeiten und der Konkurrenzkampf zwischen dem Ur-Bond Connery und dessen Nachfolger Roger Moore waren ein gefundenes Fressen für die damalige Presse. Denn „Octopussy“ (mit Moore) startete fast zeitgleich in den Kinos. An der Kinokasse war der Moore-Bond etwas erfolgreicher, bei der Kritik war es – zu Recht – umgekehrt.

Hinweise

Wikipedia über „James Bond: Sag niemals nie” (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

James Bond in der Kriminalakte


James Bond erhält bei Jeffery Deaver die „Carte Blanche“

März 17, 2012

Carte Blanche“ von Jeffery Deaver ist, das sieht man sofort, der bislang längste James-Bond-Roman. Während Ian Fleming weniger als 200 Seiten brauchte und auch die anderen James-Bond-Autoren nicht wesentlich längere Bücher schrieben, hat „Carte Blanche“ mit über 500 Seiten die typische Deaver-Länge,

Auf den ersten Seiten, wenn James Bond in der Nähe von Novi Sad einen Anschlag auf einen mit Gefahrgut beladenen Güterzug verhindert und wenn er, kurz darauf in London, M trifft, erinnerte mich dieser James Bond nicht an Sean Connery, Roger Moore, Pierce Brosnan oder Daniel Craig und auch nicht an die unbekannteren Bonds George Lazenby und Timothy Dalton. Die Ian-Fleming-James-Bond-Romane habe ich vor so vielen Jahren gelesen, dass ich mich kaum noch an sie erinnere. Aber den posthum erschienenen „Mann mit dem goldenen Colt“ fand ich als untypischen Bond-Roman sehr schwach.

Auch auf den folgenden Seiten ist Deavers James Bond niemals der altbekannte Lebemann, der sich Wodka Martini schlürfend dem Bösewicht nähert und dabei einige Frauen und Verbrecher flach legt. Dieser Sechziger-Jahre-Jet-Set-Spion gehört der Vergangenheit an. Der neue James Bond arbeitet in England mit den inländischen Geheimdiensten zusammen. In Südafrika mit der dortigen Polizei und dass sein Gegner ein Müllmogul ist, trägt natürlich nicht gerade zum Glamourfaktor bei. Immerhin trifft sich James Bond mit Severan Hydt bevorzugt auf dessen Müllkippen in England und Südafrika und versucht herauszubekommen, ob Hydt hinter einem geplanten Anschlag mit mehreren tausend Toten, der in wenigen Tagen stattfinden soll, steckt und er versucht natürlich den Anschlag, über den der Geheimdienst nichts genaues weiß, zu verhindern.

Wie bei Deaver nicht anders zu erwarten, ist „Carte Blanche“ sauber recherchiert; – was auch dazu führt, dass dank der ausführlichen Darstellung der modernen Überwachungstechnik die klassische Agententätigkeit immer überflüssiger und so der Agent als Frontkämpfer immer mehr zu einer Marionette der Zentrale wird. Damit James Bond dann doch eigenständig handeln kann, gibt es auf den riesigen Müllkippen von Hydt ein totales Handyverbot und die Computer haben auch keinen Internetanschluss. Selbstverständlich ist der Roman gut geplottet. Es gibt etliche Überraschungen und auch das Ende ist bei weitem nicht so vorhersehbar, wie man zuerst denkt und daher auch nicht so formelhaft wie in den James-Bond-Filmen.

Allerdings arbeitet Deaver mir in diesem Thriller etwas zu oft mit Taschenspielertricks. So führt er auf Seiten 252 Gene Theron als Söldner, der Hydt ein großes Geschäft anbietet, ein. Einige Seiten später verrät Deaver, dass Theron James Bond ist und wie innerhalb kurzer Zeit seine Tarnung aufgebaut wurde. Hundert Seiten später soll Bond als Bewährungsprobe einen Arbeiter von Hydt erschießen. Nach kurzem Zögern, weil unser 00-Agent Skrupel hat, tut er es – und sofort darauf erklärt Deaver, dass Bond von Anfang an wusste, dass die Waffe nicht mit echter Munition geladen war. Da fühlt man sich dann doch immer wieder, vor allem weil Deaver diesen Trick zu oft anwendet, veräppelt.

Außerdem ist lange unklar, was Severan Hydt warum plant. So ist er als Bösewicht deutlich weniger beeindruckend als die altbekannten, größenwahnsinnigen James-Bond-Bösewichter oder die nach der Weltherrschaft gierenden Sowjets, denen jede Schandtat zuzutrauen war, und die inzwischen ja von den Chinesen und Islamisten abgelöst wurden. Ach, um ehrlich zu sein, habe ich inzwischen sogar das Motiv des Bösewichts schon wieder vergessen.

Trotz aller Kritik ist „Carte Blanche“ ein flott zu lesender Agententhriller. Allerdings hatte ich bei der Kombination aus Jeffery Deaver und James Bond mehr erwartet.

Jeffery Deaver: Carte Blanche – Ein James-Bond-Roman

(übersetzt von Thomas Haufschild)

Blanvalet, 2012

544 Seiten

14,99 Euro

-

Originaltitel

Carte Blanche

Hodder & Stoughton, London 2011

-

Hinweise

Homepage von Jeffery Deaver

Deutsche Homepage von Jeffery Deaver

Meine Besprechung von Jeffery Deavers Kurzroman „Auf ewig“ (Forever, 2005)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers Kurzgeschichtensammlung “Gezinkt” (More twisted, 2006)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers „Die Menschenleserin“ (The sleeping doll, 2007)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers „Lautloses Duell“ (The blue nowhere, 2001)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers “Der Täuscher” (The broken window, 2008)

Jeffery Deaver in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

James Bond in der Kriminalakte

Martin Comparts Besprechung von Jeffery Deavers “Carte Blanche”

-

Noch ein Hinweis

Eben ist als Taschenbuchpremiere „Schutzlos“ (Edge, 2010, Blanvalet, 512 Seiten, 9,99 Euro) von Jeffery Deaver erschienen. In dem Standalone jagt Cortez, ein Personenschützer, der Aufträge übernimmt, die für alle anderen Personenschützer zu schwierig sind, Henry Loving, einen Erpresser, Folterer und alten Bekannten von Cortez.


DVD-Krtik: Die Barry-Eisler-Verfilmung „Rain Fall“

März 2, 2012

Lassen wir den Roman von Barry Eisler, der als Vorlage für den Film „Rain Fall“ genannt wird, links liegen. Immerhin sagt Eisler selbst zur Verfilmung: „It’s very different from the book. I can’t take any credit or blame for the movie because other than selling the rights to the book, I had no involvement.“

Betrachten wir den Film also als ein vollkommen eigenständiges Werk. Immerhin vergleicht ja auch niemand ernsthaft die James-Bond-Romane von Ian Fleming mit den Filmen (jedenfalls seit ungefähr 1970) oder die Jason-Bourne-Filme mit dem Büchern von Robert Ludlum.

Also: in dem japanischen Thriller „Rain Fall“ befindet der Auftragskiller John Rain sich plötzlich zwischen den Fronten von Geheimdiensten und der Yakuza. Denn sein letztes Opfer, der Regierungsbeamte Kawamura, hatte einen spurlos verschwundenen USB-Stick mit supergeheimen Informationen (früher war der MacGuffin ein Mikrofilm), den jetzt alle wollen.

Rain, der sich fragt, warum seine Auftraggeber und andere Killer ihn umbringen wollen, beginnt nach den Hintergründen für seinen jüngsten Auftrag zu suchen und er versucht in Tokio die Töchter von Kawamura zu retten. Bei der ersten gelingt ihm das nicht. In die zweite, eine Jazz-Pianistin, verliebt er sich.

Und dann ist da noch ein hartnäckiger, leicht desillusionierter, älterer Polizist, der zwischen den letzten Morden von Rain an wichtigen Japanern, die alle wie Unfälle aussahen, eine Verbindung vermutet.

Das könnte ein spannender Thriller werden, aber Drehbuchautor und Regisseur Max Mannix findet nie den richtigen Rhythmus und die gesamte Geschichte wird auch eher chaotisch erzählt. Denn zu lange sind die Fronten und auch die Motivationen von einzelnen Charakteren unklar, und, anstatt gespannt der Geschichte zu folgen, fragt man sich, wer warum gegeneinander kämpft und warum der USB-Stick so wichtig ist.

Wenn man in diesen Minuten wenigstens auf der Seite des Protagonisten John Rain stünde, könnte man ihm immerhin die Daumen drücken. Aber dessen Taten und seine plötzliche Wandlung vom eiskalten Profikiller zum edlen Ritter bleiben die meiste Zeit vollkommen rätselhaft und lassen da, wo der Film sein dramaturgisches Zentrum haben sollte, eine große Lücke, die mit Genrewissen leidlich aufgefüllt wird.

Trotzdem ist „Rain Fall“ kein komplett gescheiterter Film, sondern ein interessanter Hybrid zwischen westlichem (Mannix ist Australier) und japanischem Empfinden mit einem internationalen Cast und, in der Originalfassung, einem japanisch-englischem Sprachgemisch. Denn so sehr Mannix sich auch am Hongkong-Action-Kino und den Jason-Bourne-Filmen (mit einer Portion „Leon, der Profi“, der Mannix auch als visuelle Inspiration diente) orientiert, so störend ist das nur rudimentär entwickelte Drehbuch (Die Motivationen! Die Fronten! Der MacGuffin!) und die über weite Teile vorherrschende Jason-Bourne-Ästhetik mit den Sekundenschnitten, die in „Rain Fall“ gerade wenn zwischen John Rain, der CIA-Zentrale und mehreren Überwachungskameras hin- und hergeschnitten wird, durchaus – auch dank Gary Oldman – ordentlich spannend ist, aber bei den wenigen Action-Szenen in einem halbdunklem Schnittchaos versumpft. Meistens täuschen die Sekundenschnitte allerdings nur eine nicht vorhandene Dynamik vor.

Die Folge ist, dass „Rain Fall“ über weite Teile wie ein im Leerlauf dröhnender Formel-1-Motor wirkt: laut, sehr laut und doch auf der Stelle stehen bleibend.

Bei dem Bonusmaterial geben die Interviews, insgesamt eine viertel Stunde, einen Einblick in die Dreharbeiten und die verschiedenen Befindlichkeiten und Arbeitsmethoden von westlichen und asiatischen Crews.

Rain Fall (Rain Fall, Japan 2009)

Regie: Max Mannix

Drehbuch: Max Mannix

LV: Barry Eisler: Rain Fall, 2002 (Tokio Killer)

mit Kippei Shiina, Gary Oldman, Kyoko Hasegawa, Misa Shimizu, Dirk Hunter, Akira Emoto

-

DVD

Ascot Elite

Bild: 2.35:1 (Anamorphic Widescreen 16:9)

Ton: Deutsch (DTS 5.1, Dolby Digital 5.1), Englisch/Japanisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Interviews mit Kippei Shiina, Gary Oldman, Kyoko Hasegawa und Max Mannix, B-Roll, Deutscher Trailer, Originaltrailer, Wendecover

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

-

Hinweise

Japanische Homepage zum Film

Wikipedia über „Rain Fall“

Homepage von Barry Eisler

Blog von Barry Eisler

Evolver: Martin Compart über Barry Eisler und die John-Rain-Romane

Meine Besprechung von Barry Eislers “Riskante Rückkehr” (The last Assassin, 2006)

Barry Eisler in der Kriminalakte

 


Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

%d Bloggern gefällt das: