Neu im Kino/Filmkritik: Michael Haneke denkt über die „Liebe“ nach

September 19, 2012

Georg und Anna sind Musikprofessoren und nicht mehr die Jüngsten. Sie genießen schon seit einigen Jahren ihren Ruhestand und besuchen gelegentlich Konzerte von ehemaligen Zöglingen. Als Anna eines Tages einen Schlaganfall hat, ruft Georg den Notarzt – und es beginnt der alltägliche Horror des Alters. Das langsame Sterben eben.

Denn Anna kommt aus dem Krankenhaus zurück und Georg versucht ihr in ihrer Wohnung zu helfen. So gut er kann. Aber sie kann sich immer weniger alleine bewegen. Das Sprechen wird auch immer schwieriger. Musizieren kann sie schon lange nicht mehr. Sie ist jetzt in einer Lage, in die sie nie kommen wollte.

Liebe“ erzählt wie einige andere Filme, die in den letzten Jahren im Kino liefen, vom Alt-Werden und den Problemen des Alt-Werdens.

Aber weil es ein Film von Michael Haneke ist, erzählt er nicht von rüstigen Rentnern, die Jungspunden zeigen, dass sie noch nicht zum alten Eisen gehören, oder vom wiedererwachten Liebesglück. Er erzählt vom Alltag, in dem einfach nur noch auf das letzte große Ereignis, den Tod, gewartet wird. Und das in der Detailgenauigkeit, Konsequenz und objektiv-beobachtenden Erzählhaltung, wie wir sie aus seinen früheren Werken, wie „Bennys Video“, „Funny Games“ (von dem er sogar ein US-Remake drehte, das bei uns weitgehend ignoriert wurde) und seinem Überraschungserfolg „Das weiße Band“, für den er, unter anderem, in Cannes die Goldene Palme und den Golden Globe als bester fremdsprachiger Film erhielt, kennen. Für „Liebe“ erhielt er vor wenigen Monaten die Goldene Palme. Weitere Preise werden – dafür muss man kein Prophet sein – folgen.

Die Hauptrollen übernahmen Jean-Louis Trintignant (Jahrgang 1930), nach einer mehrjährigen Leinwandabstinenz, und Emmanuelle Riva (Jahrgang 1927), die in „Hiroshima, mon Amour“ von Alain Resnais, „Eva und der Priester“ von Jean-Pierre Melville und „Drei Farben: Blau“ von Krzysztof Kieslowski mitspielte und die bei uns nicht so bekannt ist, und sie spielen das alte Ehepaar beängstigend glaubwürdig; vor allem Emmanuelle Riva, die den körperlichen Verfall von Anna spielt, kann nicht genug gelobt werden.

Und weil es ein Film von Michael Haneke ist, geht es in „Liebe“ auch um Einsamkeit, Verlust, Schuld und Sühne. Denn gerade weil Georg seine Frau liebt, ruft er den Notarzt; gerade weil er sie liebt, pflegt er sie und setzt sich über ihren Wunsch zu Sterben hinweg. Sie will vielleicht nur deshalb sterben, weil sie ihn liebt und ihm keine Belastung sein will. Und die Geschichte steuert ohne Umwege und Atempausen auf ihr tödliches Ende, das bereits in den ersten Bildern gezeigt wird, zu. Diesen Weg schildert Haneke mit einer solchen bitteren Konsequenz, als ob er mit jedem Filmmeter beweisen möchte, dass Alt-Werden nichts für Feiglinge ist und dass es im Alter vielleicht noch Liebe, aber keine Freude mehr gibt.

Weil wir alle Alt-Werden, kann man sich dem formvollendet inszeniertem Film, seinem Thema und seiner Aussage wesentlich schwerer als Hanekes anderen Filmen entziehen. In „Funny Games“ konnte man sich sagen, dass man kein Haus am See habe. „Das weiße Band“ spielt in der Vergangenheit. „Bennys Video“ war ja ein Extrembeispiel von Jugendgewalt und dem schädlichen Einfluss von Videos.

In „Liebe“ haben wir nur den nackten Alltag eines seit Ewigkeiten verheirateten Ehepaares, das in einer großen Mietwohnung lebt und das unregelmäßig von ihrer glücklich verheirateten Tochter (Isabelle Huppert) besucht wird.

Liebe (Amour, Frankreich/Deutschland/Österreich 2012)

Regie: Michael Haneke

Drehbuch: Michael Haneke

mit Jean-Louis Trintignant, Emmanuelle Riva, Isabelle Huppert, Alexandre Tharaud, William Shimell, Ramón Agirre, Rita Blanco

Länge: 125 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Liebe“

Metacritic über „Liebe“

Rotten Tomatoes über „Liebe“

Wikipedia über „Liebe“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Thomas Assheuers Interviewbuch “Nahaufnahme: Michael Haneke” (2010)

Michael Haneke in der Kriminalakte


Im Verhörzimmer nebenan: Thomas Assheuer befragt Michael Haneke

Juni 18, 2010

Mit seinem neuesten Film „Das weiße Band“ ist Michael Haneke wahrscheinlich an einem Ort angekommen, an dem er nie ankommen wollte. Denn der Schwarzweiß-Film wird von den Kritikern abgefeiert (bei Haneke normal), mit Preisen überhäuft (auch bei Haneke nicht ungewöhnlich, aber die Menge ist dann doch besorgniserregend: Cannes, Golden Globe, Deutscher Filmpreis,…) und auch vom Publikum geliebt. In Österreich haben über 100.000 Menschen den Film gesehen. In Deutschland über 600.000. Hier in Berlin hält der Film sich seit Monaten in den Kinos. Und dabei kann man dem Film alles vorwerfen, außer dass er leichte Kost ist.

Leichte Kost waren die Filme von Michael Haneke noch nie. Meistens geht es um Gewalt: wie sie entsteht und wie sie in den Medien vermittelt wird. „Bennys Video“, „Funny Games“, „Code unbekannt“, „Die Klavierspielerin“, „Wolfzeit“ und „Caché“ sind seine bekanntesten und auch kontroversesten Filme. Seine früheren, vor allem für das Fernsehen gedrehten, Filme sind dagegen, auch weil sie kaum gezeigt werden, unbekannter.

So ein Filmemacher lädt natürlich zu einer eingehenderen Betrachtung ein. „Zeit“-Journalist Thomas Assheuer wählte in „Nahaufnahme Michael Haneke“ den direkten Weg. Er interviewte Haneke zu seinem Werk. Den Hauptteil des Buches bildet dabei ein vom 14. bis zum 16. Juni 2007 in Wien geführtes Interview in dem Assheuer mit Haneke über dessen Leben, seine ästhetischen Vorstellungen und sein Werk, vor allem das Spätwerk, sprach. Sie unterhielten sich vor allem über wiederkehrende Themen in Hanekes Filmen und weniger über einzelne Filme.

Ich sage immer: Was unter den Teppich gekehrt wird, wird den Teppich irgendwann in Bewegung setzen. Wir leben alle mit Schuldgefühlen. Man kann gar nicht anders, denn es scheint die condition humaine zu sein. Man wird immer, willentlich oder unwillentlich, schuldig an anderen. Schuld ist immer dort, wo Leid entsteht. Wir können nicht schuldfrei leben, als Teil einer Gemeinschaft und eines Systems wird man zwangsläufig schuldig. Die Frage ist nur, wie wir damit umgehen. Meistens drücken wir uns.

Michael Haneke, S. 65

Dabei, und das macht den Österreicher Michael Haneke in dem Gespräch sympathisch, wehrt er sich gegen platte Interpretationen. Ebenso rigoros wehrt er viele persönliche Fragen und (vulgär-)psychologische Interpretationen seiner Filme ab. Er präsentiert sich als einen sehr nachdenklichen Menschen, der durchaus selbstironisch über seine Filme und die verschiedenen Reaktionen des Publikums spricht. So sind einige Filme in Frankreich (seinem zweiten Land, in dem er regelmäßig dreht) erfolgreich, aber nicht in Österreich oder Deutschland – und in den USA sieht es wieder anders aus.

Wenn mich die Leute in New York auf der Straße an sprechen und mir sagen, Caché habe sie bewegt wie noch lange kein Film mehr, dann freut mich das natürlich. Und in Frankreich passiert mir das auch oft. In Frankreich kennt man mich ohnehin besser als hier. Dort gibt es ein Kinopublikum, das wirklich enthusiastisch ist, und die Leute zeigen es einem auch. Natürlich gibt’s dann auch Lob von der falschen Seite. Mir sind die kritischen Äußerungen eines intelligenten Kritikers lieber als die Begeisterung von Dummköpfen. Aber selbst die freut einen – wer ist schon frei von Eitelkeit?

Michael Haneke, S. 126

Für die zweite Auflage von „Nahaufnahme Michael Haneke“ interviewte Assheuer am 7. November 2009 den Regisseur über seinen neuen Film „Das weiße Band“. Dabei geht Haneke vor allem auf die Schwierigkeiten vor und während des Drehs ein: die langwierige Suche nach den Kinderdarstellern und dem richtigen Drehort und die ebenfalls langwierige Überzeugungsarbeit bei Geldgebern, dass „Das weiße Band“ in Schwarzweiß gedreht wird. Eine Entscheidung, die aus ästhetischen Gründen nachvollziehbar ist, aber normalerweise den Tod an der Kasse bedeutet.

Als nette Beigabe gibt es die beiden von Michael Haneke geschriebenen Texte „Schrecken und Utopie der Form – Bressons ‘Au hasard Balthazar’“ und der Vortrag „Gewalt und Medien“ zu einer Vorführung von „Bennys Video“.

Die Interviews laden zum Nachdenken über das eigene Sehen und zum wiederholten (?) Sehen der Filme von Michael Haneke, die ja ziemlich regelmäßig im Fernsehen laufen und auf DVD erhältlich sind, ein.

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Nahaufnahme Michael Haneke – Gespräche mit Thomas Assheuer

(Zweite, aktualisierte Auflage)

Berlin, 2010

224 Seiten

14,90 Euro

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Hinweise

Wikipedia über Michael Haneke (deutsch, englisch)

Arte: Interview mit Michael Haneke zu “Das weiße Band”



Zitat des Tages: Michael Haneke über innere Spannung

Mai 10, 2010

Wenn der Zuschauer auch nur einen Moment stockt, weil die innere Spannung nachläßt, dann ist er draußen und kommt nicht mehr rein. Das Timing im Drama ist unendlich viel wichtiger als bei einem Roman. Dort kann man weiterblättern, wenn’s langweilig wird – im Kino steigt man aus. Deshalb ist dort eine zwingende Konstruktion notwendig.

Michael Haneke

(aus Nahaufnahme Michael Haneke

Alexander Verlag, 2010, S. 36)


Prämierte Drehbücher online verfügbar

Februar 11, 2013

Kurz bevor wichtige Filmpreise, wie die Golden Globes und die Oscars, vergeben werden, machen die Produktionsfirmen etliche  der prämierten Drehbücher online verfügbar und Filmfans around the Globe können sich bedienen:

Chris Terrio: Argo (meine Besprechung)

Rian Johnson: Looper (meine Besprechung - und demnächst auch einige Worte zur DVD)

John McLaughlin: Hitchcock (meine Besprechung der Vorlage; der Film startet demnächst)

Bridget O’Connor/Peter Straughan: Tinker, Tailer, Soldier, Spy (meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “Dame, König, As, Spion”)

Michael Haneke: Liebe (Amour – englische Fassung; meine Besprechung)

Quentin Tarantino: Django Unchained (meine Besprechung)

John August: Frankenweenie (meine Besprechung des tollen Tim-Burton-Films)

Ronald Harwood: Quartet (meine Besprechung von Dustin Hoffmans Regiedebüt)

John Gatins: Flight (meine Besprechung)

Tony Kushner: Lincoln (meine Besprechung)

Mark Boal: Zero Dark Thirty (meine Besprechung)

Evan Daugherty, John Lee Hancock, Hossein Amini: Snow White and the Huntsman (meine Besprechung dieser Variante von Schneewittchen)

John Krasinski/Matt Damon: Promised Land

David Magee: Life of Pi

Richard Nelson: Hyde Park on Hudson (deutscher Titel: Hyde Park am Hudson, Kinostart: 28. Februar)

Nicholas Jarecki: Arbitrage (Drama mit Richard Gere und Susan Sarandon, deutscher Kinostart unklar)

Cinco Paul/Ken Daurio: Dr. Seuss’ The Lorax

Rashida Jones/Will McCormack: Celeste and Jesse Forever (deutscher Titel: “Celeste & Jesse – Beziehungsstatus: Es ist kompliziert”, Kinostart: 14. Februar)

Ol Parker: The Best Exotic Marigold Hotel

Lucy Alibar/Benh Zeitlin: Beasts of the Southern Wild

Tom Stoppard: Anne Karenina

James Ponsoldt/Susan Burke: Smashed

David O. Russell: Silver Linings Playbook (deutscher Titel: Silver Linings)

Jacques Audiard/Thomas Bidegain: Rust and Bone (na, das müsste “De Rouille et D’Os” bzw. “Der Geschmack von Rost und Knochen” sein)

David Lindsey-Abaire: Rise of the Guardians

Stephen Chbosky: The Perks of being a Wallflower

Christopher Butler: ParaNorman

Phil Johnson/Jennifer Lee: Wreck it Ralph

Wes Anderson/Roman Coppola: Moonrise Kingdom

Ava DuVernay: Middle of Nowhere

Paul Thomas Anderson: The Master

William Nicholson, Alain Boublil, Claude-Michel Schönberg, Herbert Kretzmer: Les Misérables (ein Musical, Kinostart: 21. Februar)

Judd Apatow: This is 40

Seth MacFarlane/Alec Sulkin/Wellesly Wild: Ted

Ben Lewin: The Sessions

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Und hier, bei den 2012 nominierten Drehbüchern, gibt es auch noch einige Treffer.


Etwas Kleinkram

Dezember 5, 2012

Nicht sortiert, teilweise schon etwas älter, aber einen Blick wert:

Die Dezemberausgabe von “The Big Thrill“, die Zeitung der International Thriller Writers (ITW), ist online.

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Bill Massey über George V. Higgins (dessen Roman “Cogans Trade” jetzt als Killing them softly” verfilmt wurde):

In a typical Higgins novel, mobsters, hitmen, shylocks, thieves, and other assorted sleazeballs – along with the cops and lawyers who are pursuing them – sit together in bars and diners and dingy offices in the less salubrious parts of Boston and talk. Talk in a way that only a lawyer who had himself spent many hours in these same bars and dingy offices listening, could recreate. And out of that talk, almost without you being aware of it, emerge his stories – acutely observed, by turns shocking and hilarious stories of Boston lowlife at its lowest. And that, in the end, is what makes Higgins such a great writer.

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Wie man einen großartigen Kriminalroman schreibt wird hier (Teil 1, Teil 2) verraten.

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Der Noir of the Week ist “The Las Vegas Story” (USA 1952); wohl kein Meisterwerk, aber mit Jane Russell.

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Alle Gewinner des Europäischen Filmpreises. Der große Abräumer war Michael Haneke mit “Liebe”.

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Wer noch ein Weihnachtsgeschenk sucht, sollte mal im Katalog für die Hollywood Auction blättern. Da gibt es gefühlt tausend Dinge, die etwas mit Film zu tun haben und jetzt versteigert werden. Wer also eine alte Fotografie, ein Storyboard, Filmkleider, Filmmodelle undundund will,…

Zum Glück kann der Katalog kostenlos runtergeladen werden.

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Neu bei Mulholland Books:

- Duane Swierczynski (aka Duane Louis) über Judge Dredd

- Ein Gespräch mit Denise Mina über ihren Stieg-Larsson-Comic “The Girl with the Dragoon Tatoo” (bei uns erschien der Roman als “Verblendung”); deutsche Veröffentlichung unklar

- Anthony Horowitz verrät “10 Rules to write a Sherlock Holmes Novel” (und wir können prüfen, welche er in seinem grandiosen Sherlock-Holmes-Roman “Das Geheimnis des weißen Bandes” wirklich beherzigte)

- Jo Nesbo verrät, warum man Jim Thompsons “Pop. 1280″ (1280 schwarze Seelen) lesen muss.

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Peter Bogdanovich veröffentlicht weitere Kurzkritiken zu Filmen von Howard Hawks. Im fünften Teil auch seine beiden Bewertungen des John-Wayne-Westerns “Rio Lobo”.

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Martin Compart feiert die zweite Staffel von “Strike Back” ab.

“The Losers” gefällt ihm auch.

Er schreibt etwas über den Spionageroman (Teil 1, Teil 2) und spricht mit Frank Festa über die im Fest Verlag gestartete neue Krimireihe (für die Freunde der härteren Kost).

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Brian Greene schreibt über Ted Lewis (Ähem; GET CARTER)

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Zum Abschluss noch etwas für’s Auge:

Das Plakat für die Lee-Child-Verfilmung

Jack Reacher - Plakat4

Und für den nächsten “Star Trek”-Film

Star Trek - Into Darkness - Teaser

Einerseits gefällt mir das Teaser-Plakat, andererseits hat es so überhaupt nichts mit Raumschiff Enterprise zu tun.


Neu im Kino/Filmkritik: Hat Matthias Glasner „Gnade“ mit Jürgen Vogel und Birgit Minichmayr?

Oktober 19, 2012

Gnade“, der neueste Film von Regisseur Matthias Glasner mit Jürgen Vogel ist ein sperriger Film. Doch das überrascht bei einem Blick auf ihre früheren Filme, wie „Sexy Sadie“, „Der freie Wille“ und „This is Love“, nicht.

Eine Frau überfährt auf dem Heimweg von einer anstrengenden Schicht im Hospiz in der Dunkelheit zufällig etwas. Als ihr Mann zur Unfallstelle fährt, entdeckt er nichts. Am nächsten Tag erfahren sie, dass sie ein Mädchen überfuhr. Jetzt versuchen die beiden Eheleute mit dieser Schuld zu leben und ihr Sohn soll nichts davon erfahren. Die Nachbarn auch nicht.

Denn das Ehepaar ist erst vor kurzem nach Hammerfest gezogen. Vor allem Niels (Jürgen Vogel) will dort mit seiner Familie, seiner Frau Maria (Birgit Minichmayr) und ihrem Sohn Markus (Henry Stange), ein neues Leben beginnen. Er hofft auch, seine Ehe wieder in Ordnung zu bringen. Das hindert ihn aber nicht daran, sich, wie an den seinen früheren Arbeitsorten (zu denen er nicht von seiner Familie begleitet wurde), gleich eine Geliebte zu nehmen.

Marias Unfall mit Fahrerflucht stellt ihre kriselnde Ehe auf die Probe. Denn sie, die in ihrem Beruf von allen geliebte, hilfsbereite, einfühlsame Krankenschwester, möchte nicht als Mörderin aus dem Dorf gejagt werden. Er beginnt wieder Gefühle für sie zu entwickeln.

Ihr pubertierender Sohn zieht sich währenddessen immer weiter in die Welt der Videospiele zurück. Außerdem nimmt er seine Eltern bei ihren Gesprächen über den Unfall und ihre Schuld heimlich auf.

Gnade“ ist kein leichter Film. Es ist sogar ein Film, der zu einem Verriss einlädt. So sind die Dialoge oft sehr spröde und wenn sich Niels und Maria am Küchentisch unterhalten, sind sie unerträglich gekünstelt. Es gibt zu viele Subplots, die im Nichts enden. Das Ende ist eher seltsam als befriedigend. Vor allem aus psychologischer Sicht. Die von Glasner und seinem Autor Kim Fupz Aakeson (u. a. „Kleiner Soldat“, „Ein Mann von Welt“, „Eine Familie“, „Perfect Sense“) verfochtene Moral ist nicht besonders einleuchtend. Und mit über zwei Stunden ist der Film arg lang geraten.

Aber trotzdem hat mir „Gnade“ gefallen. Da sind einmal die Bilder von Hammerfest, einer Gegend, in der ich keine fünf Minuten bleiben möchte, die aber auf der großen Leinwand atemberaubend sind. Dann ist da die Wucht der Inszenierung, die Schauspieler und die konsequente Behandlung seines Themas: der Frage nach Schuld und Sühne, nach Vergebung und Gnade. Denn die Charaktere verhalten sich immer wieder, ohne Erklärung, konträr zu ihrem Charakter und ihrem vorherigen Verhalten. So verlässt die Geliebte Niels freiwillig und erpresst ihn nicht mit ihrem Wissen über die Fahrerflucht. Der Sohn, der sich im Lauf des Films fast zum idealtypischen Psychopathen entwickelt, benutzt die Videoaufnahmen nicht gegen seine Eltern, Niels kehrt, nach dem tödlichen Unfall, wieder zu seiner Frau zurück und als Niels und Maria den Eltern des toten Mädchens die Tat beichten, sind diese zuerst ratlos, aber Monate später, während der gemeinsamen Feier der Mittsommernacht nimmt Markus sie mit seiner Kamera auf, wie sie friedlich nebeneinander feiern.

All das zeigt Matthias Glasner mit einem Blick, der eher ein düsteres Ende erwarten lässt. Aber bei „Gnade“ geht es immer wieder um Vergebung und nie um Rache, allerdings ohne jeglichen süßlichen Schmelz oder religiöse Überhöhung, den wir aus anderen Filmen kennen.

Plakativ ist „Gnade“ nur in seinen Landschaftsaufnahmen. Der Rest ist, wie Michael Hanekes „Liebe“ eine Anregung zur Diskussion mit einigen schwerverdaulichen Thesen.

Gnade (Deutschland/Norwegen 2012)

Regie: Matthias Glasner

Drehbuch: Kim Fupz Aakeson

mit Jürgen Vogel, Birgit Minichmayr,Henry Stange, Anne Dahl Torp, Maria Bock, Stig Henrik Hoff, Iren Reppen

Länge: 131 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Gnade“

Wikipedia über „Gnade“

Berlinale: Pressekonferenz zu „Gnade“

 


DVD-Kritik: Wer ist der „King of Devil’s Island“?

August 20, 2012

Vor hundert Jahren wurde in der auf der Insel Bastøy liegenden Haftanstalt, wo der bedrückende Film „King of Devil’s Island“ spielt, versucht, Jugendlichen mit harter Hand zu wertvollen Mitgliedern der Gemeinschaft zu machen. Dafür wurden sie auf der kleinen Insel uniformiert, mit Nummern angesprochen und nach rigiden Regeln erzogen. Wer sich unterordnete, hatte die Chance, irgendwann die Insel zu verlassen.

Eines Tages trifft Erling (Benjamin Helstad) ein. Er passt nicht wirklich zu den anderen Sträflingen. Denn er ist anscheinend älter als die anderen Jugendlichen, die teilweise noch Kinder sind oder als Kinder auf die Insel kamen, und er arbeitete vorher schon als Seemann. Viel mehr erfahren wir nicht über ihn. Auch nicht, weshalb er, oder irgendein anderer der inhaftierten Jugendlichen, nach Bastøy geschickt wurde.

Er befreundet sich mit Olav (Trond Nilssen), versucht zu fliehen, erkennt schnell, dass das über den Fjord fast nicht möglich ist.

Sein Gegenspieler ist der von Stellan Skarsgård gespielte Anstaltsleiter. Es gelingt ihm, den gläubigen Heimleiter in wenigen Szenen als einen Mann zu zeichnen, der zwar Gutes tun will, der dafür aber die falschen Mittel einsetzt und durch seinen Führungsstil und seine Entscheidungen letztendlich eine Revolte der Jugendlichen provoziert.

In diesen Momenten erinnert er an den von Burghart Klaußner in Michael Hanekes „Das weiße Band“ gespielten Pastor. Sowieso hat Marius Holsts „King of Devil’s Island“ mehr Ähnlichkeiten mit Hanekes fast zeitgleich spielendem Film, als mit Hollywoodfilmen wie „Gesprengte Ketten“, „Papillon“ oder „Flucht von Alcatraz“, die den Kampf des Individuums gegen ein unterdrückerisches System feiern.

Marius Holst erzählt in nüchternen, ruhigen Bildern, die sich den offensichtlichen Dramatisierungen verschließen, von den Bastøy-Jugendlichen. Durch eben diese distanzierte Erzählweise, die auch die meisten Klischees des Gefängnisfilms meidet, ist man allerdings auch immer ein eher objektiver Beobachter des Geschehens. Die in den Bildern liegende Anklage gegen das damalige Bastøy-Regime kann man intellektuell gut nachvollziehen.

Emotional bleibt man allerdings eher unbeteiligt und weil die Geschichte auch keine großen Überraschungen hat, wird „King of Devil’s Island“ auch etwas zäh.

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King of Devil’s Island (Kongen av Bastøy, Norwegen 2010)

Regie: Marius Holst

Drehbuch: Dennis Magnusson, Eric Schmid (nach einer Geschichte von Mette M. Bølstad und Lars Saabye Christensen)

mit Stellan Skarsgård, Benjamin Helstad, Kristoffer Joner, Trond Nilssen, Morten Løvstad, Daniel Berg, Odin Gineson Brøderud, Magnar Botten, Magnus Langlete

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DVD

Alamode Film

Bild: 2,35:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Norwegisch

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: ?

Länge: 115 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Norwegische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „King of Devil’s Island“

Rotten Tomatoes über “King of Devil’s Island”

Wikipedia über „King of Devil’s Island“ (deutsch, englisch, norwegisch)

 

 


TV-Tipp für den 21. August: Funny Games U. S.

August 21, 2011

Pro7, 23.15

Funny Games U. S. (USA 2007, R.: Michael Haneke)

Drehbuch: Michael Haneke

Michael Haneke macht ein eins-zu-eins-Remake von seinem 1997er Film. Das verschaffte ihm sicher in den USA einige Zuschauer, aber für die Kenner des Originals stellt sich die Frage, warum sie sich Naomi Watts und Tim Roth statt Susanne Lothar und Ulrich Mühe ansehen sollen. Und Haneke liefert auch keinen Grund: „Habe ich es zu aktualisieren? Eigentlich nicht. Die Aktualität ist innerhalb dieser zehn Jahre gewachsen, und inhaltlich fiel mir nichts Neues dazu ein.“

Mit Naomi Watts, Tim Roth, Michael Pitt, Brady Corbet, Devon Gearhart

Wiederholung: Montag, 22. August, 02.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Funny Games U. S.“

Meine Besprechung von Thomas Assheuers Interviewbuch “Nahaufnahme: Michael Haneke” (2010)


R. i. P. Frank Giering

Juni 24, 2010

R. i. P.: Frank Giering (23. November 1971 – 23. Juni 2010)

Via Zeit Online habe ich erfahren, dass Frank Giering am Mittwochabend gestorben ist. Die Todesursache ist noch nicht bekannt.

Die Berliner Zeitung schreibt:

Giering wurde von dessen Stiefvater in seiner Wohnung an der Kantstraße in Berlin-Charlottenburg gefunden, der die Polizei alarmierte. In der Wohnung im 6. Obergeschoss diagnostizierten Feuerwehrsanitäter einen Herz- und Kreislaufstillstand und alarmierten einen Notarzt. Dieser versuchte noch eine Stunde und 14 Minuten lang, den Leblosen zu reanimieren. Um 22.13 Uhr gab er schließlich auf.

Die Polizei hat nach Angaben eines Sprechers bisher keine Anhaltspunkte für ein „Fremdverschulden“.

In jedem Fall hat uns einer der beeindruckensten jungen Schauspieler verlassen. Er debütierte in „Ebbies Bluff“. Mit Michael Hanekes „Funny Games“ hatte er seinen Durchbruch als psychopathischer Killer. Später spielte er in „Absolute Giganten“ eine vollkommen andere Rolle. Danach kamen „Gran Paradiso“, „Ein mörderischer Plan“, „Baader“, „Gangster“, „Die Spielerin“, „Störtebeker“, eine Gastrollen in der Crime-Comedy-TV-Spielfilmserie „Blond, Eva Blond“, der Lena-Odenthal-Tatort „Der glückliche Tod“ (über Sterbehilfe) und ein Ensemblepart in der Krimiserie „Der Kriminalist“.

Die ersten Nachrufe gibt es im Tagesspiegel, Die Welt, Süddeutsche Zeitung, Berliner Zeitung, FocusFrankfurter Allgemeine Zeitung und Frankfurter Rundschau.


Kleinkram

Mai 28, 2010

Der neue Trailer für Michael Winterbottoms Jim-Thompson-Verfilmung “The Killer inside me” gefällt mir wirklich gut. Leider gibt es immer noch keinen deutschen Starttermin.

Über den Film habe ich ja bereits einige Male geschrieben.

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The Hollywood Interview hat sich mit Sydney Pollack (1999 und 2006) und Peter Bogdanovich (2002) unterhalten.

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The Bat Segundo Show hat sich zuletzt unter anderem mit Barry Gifford (Wild at heart), Sue Grafton (A is for…, B is for…, C is for…) und Michael Haneke (zuletzt “Das weiße Band”) unterhalten.

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Bei Spinetingler erzählt Brian Lindenmuth, mit vielen Videos, die Geschichte der Fluchtwagenfahrer (aka “Driver”) im Krimi.

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Robert Gregory Browne schreibt über seine Erfahrungen mit der Verfilmung seines Romans “Kiss her goodbye” (deutscher Titel ist “Devil’s Kiss – Dir bleiben 48 Stunden”).

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Solche Filme machen sie nicht mehr:

(Dank an Spinetingler für den Hinweis, dass in den USA vor vierzig Jahren diese Chester-Himes-Verfilmung startete. Deutschlandstart war am 26. Januar 1971.)


Kleinkram – mit vielen Drehbüchern

Februar 23, 2010

Spinetingler ist wieder zurück, unter anderem mit dem Hinweis, dass Dennis Lehane die Einleitungen für drei Neuveröffentlichungen von Parker-Romanen von Richard Stark geschrieben hat, einer Besprechung der Graphic Novel “The Chill” von Jason Starr und Mick Bertilorenzi, einer Besprechung der Dennis-Lehane-Verfilmung “Shutter Island“, zwei neuen Poster für die Jim-Thompson-Verfilmung “The Killer inside me” und einem Poster und mehreren Trailern für die demnächst im US-TV startende, auf einer Geschichte von Elmore Leonard basierende Serie “Justified”.

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Bei BSC gibt es ein knapp 15-minütiges Interview mit T. Jefferson Parker.

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Das hat wohl kaum jemand mitbekommen: Der Verband der deutschen Filmkritik hat den Preis der deutschen Filmkritik verliehen. Der große Gewinner war Michael Haneke mit “Das weiße Band” in den Kategorien Spielfilm, Drehbuch, Kamera und bester Schauspieler.

Michael Haneke bedankt sich.

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Zum Abschluss gibt’s einige DREHBÜCHER:

Andrew Kevin Walker/Will Self: The Wolfman

Robert Harris, Roman Polanski: The Ghostwriter (aka The Ghost) (nach dem Roman von Robert Harris)

Laeta Kalogridis: Shutter Island (nach dem Roman von Dennis Lehane) (oder hier)

William Monahan/Andrew Bovell: Edge of Darkness (“Auftrag Rache”, Deutscher Kinostart am 11. März 2010)

William Monahan: The Departed (nicht datierte Fassung)

William Monahan: The Departed (Fassung vom 23. Mai 2005)

William Monahan: The Departed (Fassung vom 7. Juli 2006)

Harold Pinter: Sleuth (“1 Mord für 2″, nach dem Theaterstück von Anthony Shaffer)

Larry Cohen: Phone Booth (“Nicht auflegen!”)

Michael Ferris/John D. Brancato: Terminator Salvation (Terminator – Die Erlösung [nur wegen der Vollständigkeit])

Tedi Sarafian: Terminator 3 – Rise of the Machines (Fassung vom 10. Juli 1997, “Terminator 3 – Rebellion der Maschinen”; keine Ahnung wie nah am Film diese Fassung ist)

James Cameron/William Wisher jr.: Terminator 2 – Judgment Day (Terminator 2 – Tag der Abrechnung)

James Cameron: The Terminator

Hampton Fancher/David Peoples: The Blade Runner (Final Script vom 23. Februar 1981, nach dem Roman von Philip K. Dick)

William Goldman: All the president’s men (“Die Unbestechlichen”)

Waldo Salt/Norman Wexler: Serpico

Billy Wilder/Raymond Chandler: Double Indemnity (“Frau ohne Gewissen”, nach dem Roman von James M. Cain; Seite 32 fehlt)

Julius J. Epstein/Philip G. Epstein/Howard Koch: Casablanca (Fassung vom 1. Juni 1942)

William Faulkner/Leigh Brackett/Jules Furthman: The Big Sleep (nach dem Roman von Raymond Chandler)


Kleinkram mit Stieg Larsson, Sue Grafton, Peter Straub, Stefan Arndt, Walton Goggins, Robert Rodriguez, James Ellroy und einem Rückblick auf die TV-Serien des Jahrzehnts

Dezember 22, 2009

Stieg Larsson

Die Verfilmung seines zweiten Romans “Verdammnis” startet am 4. Februar 2010. Die Besprechung gibt’s zum Filmstart. Den Trailer jetzt:

Ali Karim sich in London die erste Larsson-Verfilmung “Verblendung” angesehen:

You can put me down right now as saying, the Swedish film version of The Girl with the Dragon Tattoo is going to be a “sleeper hit” in 2010. Even at 2.5 hours in length, the movie seemed to jet by. Afterward, the buzz was overwhelmingly enthusiastic. The only thing we all agreed upon was that the level of violence in this picture was disturbing.

Die Filmrechte für eine amerikanische Version der Romane von Stieg Larsson sind an Sony verkauft. Scott Rudin soll produzieren und Steve Zaillian das Drehbuch schreiben. Ich bin zwar skeptisch, ob Larssons Geschichte auch in den USA funktioniert (jedenfalls gehe ich davon aus, dass die Story in die USA verlegt wird), aber bei der Sjöwall/Wahlöö-Verfilmung “Massenmord in San Fanzisco” (nach ihrem Roman “Endstation für neun”), mit Walter Matthau in der Hauptrolle, hat es ja prächtig funktioniert.

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Sarah Weinman porträtiert Sue Grafton (A is for Alibi, B is for Burglar, C is for…).

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Tom Piccirilli unterhält sich mit Peter Straub.

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Die Süddeutsche unterhält sich mit X-Filme-Gründer Stefan Arndt (zuletzt Michael Hanekes “Das weiße Band”).

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Peter Mühlbauer blickt bei Telepolis auf das Jahrzehnt der Serien zurück. Im ersten Teil “The Wire”, “Rome”, “The Shield”, “House MD” und “Jericho”; im zweiten “Dexter”, “Drawn Together”, “American Dad”, “24″ und “Aqua Teen Hunger Force”.

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Apropos “The Shield”: Walton Goggins (er spielte Detective Shane Vendrell und war Mitglied in Vic Mackeys Strike Team) erzählt Steve Weintraub (Collider), was er vom Ende der grandiosen Cop-Show hält und was seine künftigen Pläne sind.

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Robert Rodriguez verrät Steve Weintraub (Collider) einiges über “Sin City 2″ und “Machete”.

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Im neuen “Rolling Stone” gibt es ein vierseitiges Interview von Sean Wood mit James Ellroy. Lesenswert, aber leider nur offline.


Neue Drehbücher: “New Moon”, Schätze, Straßen und ein sinkendes Schiff

November 30, 2009

Für einen guten Film braucht man ein gutes Drehbuch. Ob diese Weisheit stimmt, kann bei einigen Drehbüchern überprüft werden:

demächst im Kino

Joe Penhall: The Road (die, wie man hört, sehr düstere Verfilmung von Cormac McCarthys gleichnamigem Roman)

Terry Gilliam/Charles McKeown: The Imaginarium of Doctor Parnassus (Fassung vom 26. Mai 2007)

Peter Morgan: The Damned United (Fassung vom 2. Juli 2008, nach dem Roman von David Peace)

 

schon im Kino

Melissa Rosenberg: The Twilight Saga: New Moon (2. Fassung, 21. Dezember 2008; ist zwar kein Film für mich, aber…)

Pedro Almodóvar: Broken Embraces (Los Abrazos Rotos – Vierte Fassung; lief bei uns als „Zerrissene Umarmungen“)

Michael Haneke: Das weiße Band (Ähem, übersetzt und deshalb „The white Ribbon“)

William Monahan: Body of Lies (Pink Revisions, 21. September 2007)

Sofia Coppola: Lost in Translation (Fassung vom 2. September 2002)

Stephen Gaghan: Traffic (Nicht datierte Fassung)

Stephen Gaghan: Traffic (Fassung vom 3. Dezember 1999)

Drew Goddard: Cloverfield (Fassung vom 8. Juni 2007)

Scott Derrickson: The day, the earth stood still (Nicht datierte Fassung des Remakes mit Keanu Reeves; offiziell stammt das Drehbuch von David Scarpa und Derrickson führte Regie)

Josh Friedman/David Koepp: War of the Worlds (1st rewrite draft, – und noch ein SF-Remake)

 

Klassiker

James Cameron: Titanic (nicht datiert)

Steven Spielberg: Close Encounters of the third Kind (Fassung vom 12. Mai 1976)

Robert Rossen: The Treasure of the Sierra Madre (Fassung vom 1. Januar 1947)

John Ridley: U-Turn (Zweite Fassung vom Oktober 1994)

John Pogue: U. S. Marshals (Fassung vom 29. Februar 1997; die Fortsetzung von „Auf der Flucht“ hieß bei uns „Auf der Jagd“ und Tommy Lee Jones spielte wieder U. S. Marshal Samuel Gerard)

William Goldman: Butch Cassidy and Sundance Kid (das müsste schon länger im Netz sein, aber weil der Film zu meinen Lieblingen gehört…)

 

 

 


Neu im Kino: Remakes, oh Remakes!!!

Mai 29, 2008

Eins davon können wir mit gutem Gewissen unter Krimi verbuchen, die zwei anderen nicht (einmal Horror, einmal Geschlechterkampf), aber es passt so schön zusammen.

Funny Games U. S. (USA 2007, R.: Michael Haneke)

Drehbuch: Michael Haneke

Michael Haneke macht ein eins-zu-eins-Remake von seinem 1997er Film. Das verschafft ihm sicher in den USA einige Zuschauer, aber für die Kenner des Originals stellt sich die Frage, warum sie sich Naomi Watts und Tim Roth statt Susanne Lothar und Ulrich Mühe ansehen sollen. Und Haneke liefert auch keinen Grund: „Habe ich es zu aktualisieren? Eigentlich nicht. Die Aktualität ist innerhalb dieser zehn Jahre gewachsen, und inhaltlich fiel mir nichts Neues dazu ein.“

Mit Naomi Watts, Tim Roth, Michael Pitt, Brady Corbet, Devon Gearhart

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Funny Games U. S.“

Tip: Interview mit Michael Haneke (Oder „Das Remake eines Interviews” – Extended Version ist angekündigt, aber derzeit ist nur der Promo-Cut vorhanden)

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The Eye (USA 2008, R.: David Moreau, Xavier Palud)

Drehbuch: Sebastian Gutierrez

Ein weiteres US-Remake eines asiatischen Horrorfilms. Dieses Mal muss „Gin Gwai“ (China 2002) dran glauben. Jessica Alba spielt eine blinde Violinistin, die mit ihren neuen Augen plötzlich Geister sieht. Dass das nicht gut enden wird, erfordert keine hellseherischen Fähigkeiten.

Mit Jessica Alba, Parker Posey

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Eye“

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Interview (USA/NL 2007, R.: Steve Buscemi)

Drehbuch: Steve Buscemi, David Schechter

Remake Nummer 3: 2003 kreuzten Pierre Bokma und Katja Schuurman in Theo van Goghs (er wurde 2004 von islamischen Extremisten ermordet) Film „Interview“ die Klingen. Jetzt fetzen sich Steve Buscemi und Sienna Miller als abgefuckter Reporter und dumme Soapblondine. Natürlich ist sie nicht so dumm und gefühllos, wie der Journalist glaubt – und dieses Remake (natürlich im Wesentlichen ein Zwei-Personen-Theaterstück) scheint wirklich auch für die, die das Original kennen, einen Blick wert zu sein.

Mit Steve Buscemi, Sienna Miller

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Interview“


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