Neu im Kino/Filmkritik: Bei Quentin Tarantino ist „Django Unchained“ – und Dr. King Schultz hat die besten Sätze

Januar 16, 2013

Django Unchained“ ist ein typischer Quentin-Tarantino-Film.

Sodele, das wäre die allerkürzeste Fassung meiner „Django Unchained“-Besprechung. Aber es geht auch länger.

Immerhin konnte ich, „Cowboys & Aliens“ war ja ein halber Science-Fiction-Film, als Westernfan wieder einmal einen waschechten Western auf der großen Leinwand sehen. Mit guten Schauspielern und guten Dialogen. Wobei Dr. King Schultz (Christoph Waltz) die besten Sätze sagen darf und letztendlich das dramaturgische und auch emotionale Zentrum des Films ist. Der deutschstämmige Schultz verdient zwei Jahre vor dem Bürgerkrieg in den Südstaaten der USA sein Geld als Kopfgeldjäger, der die Formel „Tod oder Lebendig“ als „Tod oder viele unnötige Probleme, die man mit einer wohlplatzierten Kugel elegant und legal vermeiden kann“ interpretiert und deshalb die gesuchten Verbrecher ohne Diskussion erschießt. Danach kann er den Anwesenden ja immer noch erklären, warum er geschossen hat.

Er befreit in einer Szene, die ähnlich gelungen wie der erste Auftritt von Hans Landa in „Inglourious Basterds“ ist, den Sklaven Django (Jamie Foxx), weil dieser ihn zu den Brittle-Brüdern, auf die ein beträchtliches Kopfgeld ausgesetzt ist, führen kann. Nachdem sie das Kopfgeld kassiert haben, schlägt Schultz Django vor, dass sie gemeinsam Djangos verschwundene Frau Broomhilda von Shaft (Kerry Washington) suchen. Das Paar wurde bei einer Sklavenauktion getrennt und sie ist jetzt auf einer anderen Farm. Nach einer längeren Suche finden sie sie auf der Farm von Calvin Candie (Leonardo DiCaprio), einem reichlich dekadenten Südstaatler, der sich bemüht, das ererbte Vermögen durchzubringen. Immerhin hat er den altgedienten Haussklaven Stephen (Samuel L. Jackson), der als kriecherisches Faktotum letztendlich die Farm führt und der Schultz und Django ziemlich schnell durchschaut.

Bis Django dann endlich mit seiner Frau Broomhilda, einer Afroamerikanerin, die von Deutschen erzogen wurde (was Tarantino die Möglichkeit gibt, Dr. King Schultz zuerst Django die Geschichte von Brunhilde und Siegfried zu erzählen und später, in der Originalfassung, mit ihr Deutsch zu sprechen), zusammen ist, gibt es, Tarantino-typisch, viele Verweise auf andere Filme, dieses Mal vor allem Italo-Western, spitzfindige Dialoge und eine ordentliche Portion Gewalt. Aber nicht so übertrieben und episch wie in „Kill Bill 1“.

Es gibt aber auch eine eher spannungsfreie Dramaturgie, die sich schnell in einem episodischen „Und dann“-Erzählen ergeht. Denn anstatt die Geschichte zu straffen und sie ziemlich konsequent auf das finale Duell zulaufen zu lassen, plätschert sie oft vor sich hin und mit fast drei Stunden Laufzeit ist „Django Unchained“, weil Tarantino, wie auch in seinen anderen Filmen, seine Geschichte einfach an allen Ecken und Enden ausfransen lässt, einfach zu lang geraten.

Wie ein kleines Kind will er sich nicht von einer guten Szene trennen, wenn die Szene für sich gut ist. Zum Beispiel die absurd-komische Diskussion einer Vigilantengruppe, die mit ihren Klu-Klux-Klan-Masken nicht zurechtkommen. Dass sie dann im Gesamtkontext wenig bringt, ist ihm egal. Auch dass dadurch der Erzählfluss teilweise zum Stillstand kommt, so zum Beispiel auf Candyland, ist ihm egal.

Dabei, und das ist bei „Django Unchained“ auffallend, hätte die Geschichte durch einige Umstellungen und Straffungen viel kraftvoller werden können.

So sterben die Brittle-Brüder ziemlich früh. Danach könnten sich die Wege von Schultz und Django trennen, aber aus einem moralischen Verantwortungsgefühl heraus (vulgo dem Willen des Autors), will Schultz Django bei der Suche nach seiner Frau helfen. Spannender wäre gewesen, wenn sie die Brittle-Brüder erst auf Candyland getroffen hätten. Denn Django geht es nicht nur um die Befreiung seiner Frau, sondern auch um Rache.

Und Django ist als Held der Geschichte einfach ein blasser, weitgehend passiver Charakter, der immer im Schatten des charismatischen Dr. King Schultz steht. Dummerweise stirbt er in dem Film, mit einem herrlich selbstironischen letzten Satz, viel zu früh ungefähr zu Beginn des letzten Filmdrittels – und damit stirbt auch das emotionale Zentrum des Films.

Mit dem Original-“Django“ hat „Django Unchained“ allerdings, abgesehen von Spurenresten, nichts zu tun. Eher schon mit den vielen anderen Italo-Western, die nach dem Erfolg von „Django“ alle einen verkaufsträchtigen „Django“ im Titel hatten und die ihre Geschichte auch oft als ekletische, teils barock ausufernde Nummernrevue mit schwarzem Humor, derber Gewalt und offensichtlichem politischen Subtext erzählten.

Wie gesagt: „Django Unchained“ ist ein typischer Quentin-Tarantino-Film, mit vielen bekannten Gesichtern, teilweise in Kleinstrollen, die dieses Mal unter der Maske von Bart und Dreck kaum bis überhaupt nicht erkennbar sind. Als Tarantino- und Western-Fan hat mir die Nummernrevue, bei der Tarantino einfach die vertrauten Pfade in einem anderen Setting abschreitet, durchaus gefallen.

Django Unchained - Hauptplakat 2

Django Unchained (Django Unchained, USA 2012)

Regie: Quentin Tarantino

Drehbuch: Quentin Tarantino

mit Jamie Foxx, Christoph Waltz, Leonardo DiCaprio, Samuel L. Jackson, Kerry Washington, Walton Goggins, Dennis Christopher, Don Johnson, Laura Cayouette, James Remar, James Russo, Nichole Galacia, Dana Gourrier, Don Stroud, Bruce Dern, Lee Horsley, Zoe Bell, Michael Bowen, Robert Carradine, Tom Savini, Rex Linn, Ned Bellamy, Michael Parks, Quentin Tarantino, Franco Nero

Länge: 165 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Django Unchained“

Metacritic über „Django Unchained“

Rotten Tomatoes über „Django Unchained“

Wikipedia über „Django Unchained“ (deutsch, englisch)

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Kriminalakte über Quentin Tarantino und „Django Unchained“ (Bilder, Pressekonferenz)


Quentin Tarantinos „My Best Friend’s Birthday“

März 17, 2010

Vor allem für die Menschen, die sich wirklich alles von Quentin Tarantino ansehen müssen, ist „My Best Friend’s Birthday“; ein unvollendetes Werk, das er von 1985 bis 1987 mit seinen Kollegen von Video Archives für lau drehte. Als im Labor die letzten beiden Akte zerstört wurden, beerdigte man das Projekt. Tarantino verwandte einige Ideen aus dem Film für seine späteren Drehbücher und Filme.

My Best Friend’s Birthday“, gedreht auf 16mm in Schwarzweiß, sollte eine Screwball-Comedy werden. Die Story: ein Mann verliert einen Tag vor seinem dreißigsten Geburtstag seinen Job und seine Freundin. Sein bester Freund versucht ihn aufzuheitern.

Tarantino plante den Film nicht als Regiedebüt, sondern als schauspielerische Talentprobe. Aber später nannten sie das unvollendete Werk ihre Filmschule.

Tarantinos allererste Regiearbeit „Lovebirds in Bondage“ (USA 1983) existiert nicht mehr. Die wenigen gedrehten Szenen wurden zerstört.

So, und jetzt: Vorhang auf für „My Best Friend’s Birthday“

(via Die fünf Filmfreunde)


Kurzmeldungen: Quentin Tarantino, Mehmet Murat Somer, Buddy Giovinazzo, Shutter Island

August 29, 2009

Quentin Tarantino unterhält sich mit Charlie Rose eine Stunde über seinen neuen Film “Inglourious Basterds”.

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Mehmet Murat Somer (aktuell “Der Kuss-Mord – Ein Hop-Cika-Yaya-Thriller”) beantwortet bei Crime Always Pay einige Fragen.

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Buddy Giovinazzos neuer Film “Life is hot in cracktown” (eine Verfilmung seines Romandebüts “Cracktown”)  ist in den USA auf DVD erschienen. Schnittberichte vergleicht die Kinofassung mit den Director’s Cut – und sagt, dass über eine deutsche Veröffentlichung noch nichts bekannt ist.

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Variety erklärt, warum die Dennis-Lehane-Verfilmung “Shutter Island” von Martin Scorsese mit Leonardo Di Caprio in der Hauptrolle erst 2010 in die Kinos kommt:

It’s Hollywood bookkeeping gone nuts: A studio can increase its profits by not releasing a film.


Neu im Kino/Filmkritik: Geh nicht in „Zimmer 205“! Da geschehen schlimme Dinge.

April 4, 2013

Studieren ist die Hölle. Da bekommt man als Erstsemester nur in einem Studentenwohnheim, das die Bausünden der siebziger Jahre unter einem anderen Licht erscheinen lässt und schon von außen Depressionsschübe auslöst, ein Zimmer, das trister als ein Mehrbettzimmer in einem seit anno dunnemals nicht mehr renoviertem Schullandheim mit Gemeinschaftsküche ist. Die anderen Studenten schneiden einen. Blicken sogar gehässig auf den Neuling und alle deuten an, dass in Zimmer 205 etwas schlimmes geschah. Dass das Zimmer, das man gerade bezogen hat, verflucht ist.

Nicht schön, vor allem wenn man, wie die neunzehnjährige Katrin (Jennifer Ulrich) noch einen Psychoknacks hat, deshalb Medikamente nehmen muss und entsprechend fürsorglich von ihrem alleinerziehenden Vater umsorgt wird. Trotzdem versucht Katrin sich das Zimmer schönzureden und dann lernt sie auch noch einen netten Kommilitonen kennen.

Damit könnten sich die Eingewöhnungsprobleme erledigen, wenn nicht die Geschichte mit ihrer Vormieterin wäre. Die verschwand nämlich spurlos. Katrin findet einige Aufzeichnungen von ihr im Zimmer (da hat der Hausmeister beim Aufräumen aber kräftig geschlampt) und entdeckt ihr Videotagebuch, in dem sie berichtet, wie sie zunehmend von einer Studentengruppe, die auch sie schlecht behandelt, bedroht wird und sie glaubt, dass die Clique sie töten will.

Katrin glaubt nun, dass mit ihr etwas ähnliches geschieht. Vor allem weil mehrere Menschen in ihrem Umfeld mysteriöse Unfälle haben oder ermordet werden. Außerdem stoßen ihr mehr mysteriöse Dinge zu als dem Protagonisten eines Sebastian-Fitzek-Romans.

Ihr ahnt es: „Zimmer 205 – Traust du dich rein?“ ist ein Psychothriller mit einer satten Portion Horror.

Leider kein guter. Denn die Macher von „Zimmer 205“ bieten immer mindestens zwei, sich widersprechende Erklärungen an: nach der einen ist das Zimmer verflucht und der Geist ihrer Vormieterin will sich an ihren Mördern rächen, nach der anderen ist Katrin die zunehmend verrückt werdende Mörderin. Aber es könnte auch ganz anders sein. Diese Ungewissheit könnte bis zur Auflösung spannungsfördernd sein, wenn nicht viele Szenen so vorhersehbar wären. Wenn das erste Mal aus einem Abfluss eine dunkle Masse blubbert, wissen wir, was einige Minuten später geschehen wird – und es geschieht. Wenn eine Frau allein auf einen Dachboden geht und die durchsichtigen Plastikplanen sich stylisch im Wind bewegen, wissen wir, was geschehen wird – und es geschieht. Wenn ein Mann – Na, ich glaube, ihr habt das Prinzip verstanden, das während des Sehens für eifriges Miträtseln sorgen soll; am Ende, wenn die Macher versuchen, das ganze irgendwie logisch und sinnvoll aufzulösen, aber nicht aufgeht.

Vor allem wenn einem die Damsel in Distress, die bedrohte, sich Genre-konform blöde benehmende Jungfrau, herzlich egal ist.

Da hilft es auch nicht, dass Regisseur Rainer Matsutani und Drehbuchautor Eckhard Vollmar in ihrem Remake des bei uns nicht veröffentlichten dänischen Horrorfilms „Kollegiet“ von Martin Barnewitz die Geschichte in jeder Szene mit einem mysteriösem Rätsel aufluden und sie in ausgesucht abschreckendem Siebziger-Jahre-Gebäuden inszenierten. Vor allem bei den Inneneinrichtungen und den Gebäuden, – es wurde unter anderem in einer ehemaligen SED-Parteischule, auf einem Berliner Campus und einem Fabrikgelände, auf dem auch Quentin Tarantino einige Szenen für „Inglourious Basterds“ drehte, gedreht -, inszenierten sie lustvoll eine dicke Patina vergangener Zeiten, die schon auf den ersten Blick ordentliche Ekelgefühle auslöst.

Am Ende ist „Zimmer 205“ doch nur ein formelhafter, unlogischer Horrorfilm mit einem entsprechend unbefriedigendem Ende.

Zimmer 205 - Plakat

Zimmer 205 – Traust du dich rein? (D 2011)

Regie: Rainer Matsutani

Drehbuch: Eckhard Vollmar (nach einer Vorlage von Jannik Tai Mosholt)

mit Jennifer Ulrich, Julia Dietze, Inze Björg David, Marleen Lohse, Florian Jahr, Tino Mewes, Daniel Roesner, Hans Uwe Bauer, André Hennicke, Gitta Schweighöfer, Dennis Gansel

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Zimmer 205“

Wikipedia über „Zimmer 205“

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Unnützes Wissen

Gedreht wurde „Zimmer 205“ zwischen dem 27. Januar und dem 19. März 2010.

Die FSK prüfte den Film als „205 – Zimmer der Angst“ bereits im Oktober 2011.

Rainer Matsutani und Eckhard Vollmar arbeiteten bereits bei „Feuerläufer – Der Fluch des Vulkans“ und „Einladung zum Mord“ zusammen.

Eine Zwerg mit einem roten Umhang kennen wir aus „Wenn die Gondeln Trauer tragen“.


TV-Tipp für den 28. März: Pulp Fiction

März 28, 2013

Vox, 22.25

Pulp Fiction (USA 1994, R.: Quentin Tarantino)

Drehbuch: Quentin Tarantino

Tausendmal gesehen, tausendmal hat’s Spaß gemacht.

„Im Stil der Pulp Fiction, der Groschenromane und B-Pictures aus den 30er und 40er Jahren, komprimiert Quentin Tarantino eine Handvoll Typen und Storys zu einem hochtourigen Film noir (…) Ein ausgezeichnetes Darsteller-Ensemble, eine intelligente Inszenierung und ein gutes Timung durch flotte Schnitte tragen dazu bei, dass Blutorgien mit Slapstick und bitterer Zynismus mit leichter Ironie so raffiniert ineinander übergehen oder aufeinander folgen, dass die Brüche und Übergänge nicht stören.“ (Fischer Film Almanach 1995)

Tarantino erzählt von zwei Profikillern, die zuerst Glück und dann Pech bei ihrer Arbeit haben, einem Boxer, der entgegen der Absprache einen Boxkampf gewinnt und sich dann wegen einer Uhr in Lebensgefahr begibt, einem Gangsterpärchen, das ein Schnellrestaurant überfällt, einem Killer, der die Frau seines Chefs ausführen soll und in Teufels Küche gerät, einer Gangsterbraut, die eine Überdosis nimmt, einem Killer, der zum Christ wird und von einem Tanzwettbewerb.

Kurz: wir haben mit einem Haufen unsympathischer Leute eine verdammt gute Zeit.

Der Kassenknüller erhielt zahlreiche Preise, aber für Krimifans zählt natürlich nur der gewonnene Edgar.

Mit Tim Roth, Harvey Keitel, Uma Thurman, Amanda Plummer, John Travolta, Samuel L. Jackson, Bruce Willis, Rosanna Arquette, Ving Rhames, Eric Stoltz, Christoper Walken, Quentin Tarantino, Steve Buscemi

Wiederholung: Samstag, 30. März, 22.05 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Pulp Fiction”

Wikipedia über “Pulp Fiction”

Pulp Fiction (deutsche Fanseite zum Film)

Drehbuch “Pulp Fiction” von Quentin Tarantino und Roger Avary

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos “Django Unchained” (Django Unchained, USA 2012)

Kriminalakte über Quentin Tarantino und „Django Unchained“ (Bilder, Pressekonferenz)


DVD-Kritik: Mord und Totschlag, überall und jederzeit

März 13, 2013

Nach der fantastischen Welt von Oz, vor „Hitchcock“ und zwischen „Vega$“ (muss sein, für mich als PI-Junkie) und Peter Weir (muss sein, für alle Filmfans) stapeln sich Bücher und Filme, die ich teilweise schon vor Weihnachten gelesen habe und ausführlich besprechen wollte. Aber bis jetzt kam ich nicht dazu und in den nächsten Tagen sieht es auch nicht viel besser aus. Bevor meine Notizen auch für mich vollkommen unlesbar werden, gibt es jetzt einen Schwund kurzer Kritiken. Ich würde ja sagen Drei-Satz-Kritiken, aber dann werden es doch vier, fünf oder noch mehr Sätze.

Beginnen wir mit einigen Gangsterfilmen:

Black’s Game“ führt uns in die Unterwelt von Island. Student Stebbi hat Angst vor einer drohenden Gefängnisstrafe. Doch dann trifft er seinen Jugendfreund Toti, der inzwischen als Gangster sein Geld verdient und ihm bei diesem Problemchen helfen will. Er gibt Stebbi eine kleine Aufgabe, die er mit Bravour erledigt und fortan verfolgen wir gespannt seinen Aufstieg in der isländischen Gangsterhierarchie, in der die Protagonisten jünger und brutaler als bei Martin Scorsese sind.

Das ist mitreisend hartes Kino mit überzeugenden Schauspielern, die teilweise hier ihr Leinwanddebüt gaben. Óskar Thór Axelssons Film basiert auf einem Roman von Stefán Máni, der in einem Featurette von den Recherchen für den Roman erzählt. Wobei allerdings unklar bleibt, wie sehr der, bis auf den Epilog, 1999/2000 spielende Film „Black’s Game“ auf Tatsachen beruht oder verschiedene Vorfälle und Personen aus der isländischen Unter- und Halbwelt zu einer spannenden Geschichte verdichtet.

Black's Game - DVD-Cover

Black’s Game – Kaltes Land (Svartur á leik, Island 2012)

Regie: Óskar Thór Axelsson

Drehbuch: Óskar Thór Axelsson

LV: Stefán Máni: Svartur á leik, 2004

mit Þorvaldur Davið Kristjánsson, Jóhannes Haukur Jóhannesson, Damon Younger, Maria Birta Bjarnadóttir, Vignir Rafn Valþórsson, Egill Einarsson, Björn Jörundur Friðbjörnsson

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DVD

Koch Media

Bild: 2.35:1 (16:9)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1, DTS), Isländisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Diverse Featurettes und Interviews (19 Minuten), Originaltrailer, Wendecover

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Rotten Tomatoes über „Black’s Game“

Wikipedia über „Black’s Game“

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Bei „Mr. Nice“ stellt sich die Frage nicht. Denn Bernard Roses Film erzählt, basierend auf der Biographie von Howard Marks, dessen Lebensgeschichte und wie er vom begabten, aus ärmlichen Verhältnissen kommendem Kleinstadtjungen während der Swinging Sixties an der Universität Oxford mit Drogen und freier Liebe in Berührung kam und ratzfatz zum größten Dope-Dealer Englands aufstieg, mit dem Gesetz Probleme hatte und heute, das ist die dramaturgische Klammer, auf der Bühne locker-flockig von seinem Leben erzählt.

Mr. Nice“ ist eine mäßig unterhaltsame Selbstinszenierung von Howard Marks. Aber die Einzel-DVD ist mit einem Audiokommentar von Bernard Rose und einem von Howard Marks gut ausgestattet. Wer mehr Infos will, muss die Doppel-DVD kaufen.

Mr. Nice

Mr. Nice (Mr. Nice, GB 210)

Regie: Bernard Rose

Drehbuch: Bernard Rose

LV: Howard Marks: Mr. Nice, 1996 (Mr. Nice)

mit Rhys Ifans, Chloe Sevigny, David Thewlis, Omid Djalili, Crispin Glover

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DVD

Koch Media

Bild: 1.85:1 (16:9)

Ton: Deutsch (DTS, Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Zwei Audiokommentare, Deutscher Trailer, Originaltrailer

Länge: 118 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Film-Zeit über „Mr. Nice“

Metarcritic über „Mr. Nice“

Rotten Tomatoes über „Mr. Nice“

Wikipedia über „Mr. Nice“ (deutsch, englisch)

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Wesentlich gelungener ist Bernard Roses 1944 in London spielendes, heute fast vergessenes Frühwerk „Chicago Joe und das Showgirl“, nach einem Drehbuch von David Yallop, mit Kiefer Sutherland und Emily Lloyd in den Hauptrollen.

Emily Lloyd spielt das titelgebende Showgirl Georgina Grayson, die sich ein Leben auf der großen Bühne und als Gangsterbraut erträumt und als sie Rick ‘Chicago Joe’ Allen (Kiefer Sutherland) kennenlernt, ist sie sofort in ihn verliebt. Denn er ist ein waschechter Gangster aus Chicago! Das Liebespaar beginnt schnell ihre Version von Bonnie und Clyde zu spielen. Dummerweise ist Chicago Joe kein Gangster, sondern ein kleiner, fahnenflüchtiger Soldat und notorischer Aufschneider.

Rose spielt in diesem Film sehr interessant und für einen über zwanzig Jahre alten Mainstream-Film sehr avantgardistisch mit den verschiedenen Wahrnehmungsebenen. Denn er wechselt ständig zwischen der Realität und Georginas Träumen von der großen Hollywood-Karriere (so beginnt und endet der Film mit einer Fantasie von ihr bei der Premiere ihres großen Films [Remember „Sunset Boulevard“?]) und ihrem, aus den Hollywood-Gangsterfilmen entlehntem Bild der Wirklichkeit. Die Kulissen sind überdeutlich als Kulissen erkennbar, das Filmformat erinnern an einem Dreißiger-Jahre-Gangsterfilm, die Farben an das damals gebräuchliche Technicolor. Und auch Chicago Joe hat seine Probleme mit der schnöden Realität. Denn er steht zwischen zwei Frauen, die er beide belügt.

Ach ja: „Chicago Joe und das Showgirl“ basiert auf einem wahren Fall: dem „Cleft Chin Murder“. Am 3. Oktober 1944 lernten sich die am 5. Juli 1926 in South-Wales geborene Elizabeth ‘Betty’ Maud Jones (die als Georgina Grayson als Striptease-Tänzerin arbeitete) und der 1922 in Schweden geborene, in Massachusetts aufgewachsene Karl Hulten, der sich Ricky nannte und damals seit einem halben Jahr fahnenflüchtig war, kennen. Der Film folgt den damaligen Ereignissen anscheinend ziemlich genau.

Beide wurden zum Tode verurteilt. Hulten wurde als einziger G. I. der je in Großbritannien hingerichtet wurde, am 8. März 1945 erhängt. Jones wurde 1954 begnadigt.

Chicago Joe und das Showgirl - DVD-Cover

Chicago Joe und das Showgirl (Chicago Joe and the Showgirl, GB 1989)

Regie: Bernard Rose

Drehbuch: David Yallop

mit Emily Lloyd, Kiefer Sutherland, Patsy Kensit, Keith Allen, Liz Fraser, Alexandra Pigg

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DVD

Koch Media (Film Noir Collection 11)

Bild: 1.37:1 (4:3)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: 12-seitiges Booklet, Bildergalerie, Trailer

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Rotten Tomatoes über “Chicago Joe und das Showgirl”

Wikipedia über „Chicago Joe und das Showgirl“

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Dass „The Take – Zwei Jahrzehnte in der Mafia“ nicht das Budget von „Der Pate“ oder „Goodfellas“ hatte, sieht man und dass „The Take“ ursprünglich eine vierteilige TV-Serie war, sieht man ebenfalls. Denn der Film teilt sich in vier Blöcke, die 1984, 1988 und 1994 (der dritte und vierte Teil) spielen und die Länge einer TV-Episode haben. Und dass die Geschichte weitgehend den bekannten Genrepfaden folgt, merkt man schnell.

The Take“ erzählt die Geschichte von Freddy Jackson (Tom Hardy) und seinem Freund und Cousin Jimmy Jackson (Shaun Evans), zwei Londoner Verbrecher, die sich seit Ewigkeiten kennen. Freddie verbrachte einige Jahre im Gefängnis und kaum ist er draußen, beginnt er mit einer fiebrigen Energie, die Scarface vor Neid erblassen lassen würde, sein Imperium aufzubauen. Gleichzeitig wird er zunehmend psychopathisch und man fragt sich spätestens ab der Filmmitte, wie ein so durchgeknallter Verbrecher die letzten zehn Jahre (und die Jahre vor dem Filmbeginn) überleben konnte. Währenddessen festigt Jimmy seinen Ruf als Geschäftsmann, der zwar illegale Geschäfte betreibt, aber zunehmend verbürgerlicht.

Das folgt alles bis zum Ende, durchaus kraftvoll und für eine TV-Serie sehr brutal, den bekannten Genrekonventionen. Aber schon von Anfang spielen die Frauen an der Seite von Freddy und Jimmy, teils als Schwester, teils als Ehefrau, eine wichtige Rolle, die zwar zunächst irritiert, weil sie mit dem verbrecherischen Leben der Gangster nichts zu tun haben, aber sie sorgt auch für ein überraschendes und ungewöhnliches Ende, das auch eine Verschiebung innerhalb des Genres anzeigt. Denn im Spiel zwischen Gangstern und Gangstern und Gangstern und Polizisten ist ein weiterer Mitspieler hinzugekommen.

Und dann ist da noch Tom Hardy in Bad-Ass-Bad-Ass-Mode. Für sein Spiel war er für den 2009er Crime Thriller Award als bester Darsteller nominiert. Danach spielte er, um nur seine bekannteste Rolle zu nennen, in „The Dark Knight Rises“ den Bösewicht.

The Take - DVD-Cover

The Take – Zwei Jahrzehnte in der Mafia (The Take, GB 2009)

Regie: David Drury

Drehbuch: Neil Biswas

LV: Martina Cole: The Take, 2005 (Die Schwester)

mit Tom Hardy, Shaun Evans, Charlotte Riley, Kierston Wareing, Margot Leicester, Brian Cox, Jane Wood

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DVD

Koch Media

Bild: 1.78:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digitial 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: –

Länge: 178 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Sky1 über “The Take”

Wikipedia über „The Take“ 

Homepage von Martina Cole

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Dank „Drive“ ist Nicolas Winding Refn inzwischen wohl bekannt genug, dass mit seinem Namen geworben werden kann. Bei „Black’s Game – Kaltes Land“ war er Executive Producer, aber auf dem DVD-Cover wird er groß erwähnt. Der englische Gangsterfilm „Pusher“ basiert auf Nicholas Winding Refns gleichnamigem, rauhen Debütfilm von 1996 über einen kleinen Drogendealer, der gerade eine Pechsträhne hat und innerhalb weniger Tage viel Geld besorgen muss, das er nicht hat. Er lässt sich auf zunehmend riskante Geschäfte ein und bei einem Noir können wir uns denken, wie die Geschichte ausgeht.

Diese nicht sonderlich spektakuläre Geschichte (sie wurde durch Nicholas Winding Refns Regie, die Kamera und die Schauspieler zu etwas Besonderem) hat jetzt Drehbuchautor Matthew Read (Produzent bei „Miss Marple“, „Aurelio Zen“ und „Kommissar Wallander“) mit kleinen Änderungen ins heutige London übertragen, der Spanier Luis Prieto gab sein UK-Debüt und Richard Coyle übernahm die Hauptrolle in dieser Version von „Pusher“, die die altbekannte Geschichte in einer anderen Stadt erzählt. Das ist als eigenständiger Film gelungen, interessant im Vergleich zwischen Original und Remake und ähnelt dem US-Remake von Stieg Larssons „Verblendung“, das auch gut, aber für die Kenner des Originals auch ziemlich überflüssig ist.

Pusher - DVD-Cover

Pusher (Pusher, GB 2012)

Regie: Luis Prieto

Drehbuch: Matthew Read

mit Richard Coyle, Agyness Deyn, Bronson Webb

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DVD

Sunfilm

Bild: 16:9 (1:1,85)

Ton: Deutsch (DTS, DD 5.1), Englisch (DD 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Trailer

Länge: 88 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Metacritic über “Pusher”

Rotten Tomatoes über „Pusher“

Wikipedia über „Pusher“

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Die „Briefe aus dem Jenseits“ haben mächtig Patina angesetzt. Die Geschichte ist auch mehr ein Gruselfilm als ein Noir. Allerdings einer, der zwar einige gelungene, also unheimliche Szenen hat, aber insgesamt eher den Eindruck von verwirrend zusammengesetztem, sich als Liebesdrama viel zu ernst nehmendem Stückwerk hinterlässt.

Denn als Literaturagent Lewis Venable (Robert Cummings) in Venedig in der Villa der über hundertjährigen Juliana Bordereau (Agnes Moorehead) unter einem Vorwand die anscheinend unglaublich beeindruckenden Liebesbriefe des verschollenen Poeten Jeffrey Ashton an sie sucht, wird er in ein Spiel um Identitäten, Schein und Sein hineingezogen und er verliebt sich in die Nichte der Hausherrin (Susan Hayward), die nach Sonnenuntergang zu einer anderen Frau wird.

Briefe aus dem Jenseits - DVD-Cover

Briefe aus dem Jenseits (The Lost Moment, USA 1947)

Regie: Martin Gabel

Drehbuch: Leonardo Bercovici

LV: Henry James: The Aspern Papers, 1888 (Asperns Nachlass)

mit Robert Cummings, Susan Hayward, Agnes Moorehead, Joan Lorring, John Archer

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DVD

Koch Media (Film Noir Collection 10)

Bild: 1.37:1 (4:3)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: 12-seitiges Booklet, Bildergalerie

Länge: 85 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Rotten Tomatoes über “Briefe aus dem Jenseits”

Turner Classic Movies über “Briefe aus dem Jenseits

Wikipedia über „Briefe aus dem Jenseits“ 

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P. S.: Der Trailer ist ein Fan-Made-Trailer.

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Zurück in die Fast-Gegenwart.

Der Mann mit der Stahlkralle“. Das klingt doch nach zünftiger, gehirnbefreiter Action mit vielen schlagenden und tretenden Asiaten. Vor allem weil der Film erst 1980, drei Jahre nach dem US-Kinostart, in die deutschen Kinos kam und in den Bahnhofkinos gerade gefühlt jeder zweite Film einen „Bruce Lee“ im Titel hatte. Da konnte „Der Mann mit der Stahlkralle“ nur ein weiterer billiger Action-Film sein, der auch bei der Kritik schlecht ankam: „übles Kinostück“ (Fischer Film Almanach 1981), „blutrünstiger Film“ (Lexikon des internationalen Films).

Nun, blutrünstig ist der Film in einigen Momenten und natürlich im Showdown. Und ein Mann mit einer Stahlkralle kommt auch vor. Aber der Originaltitel „Rolling Thunder“ trifft es schon eher. Denn wie ein Donnergrollen bewegt sich die Noir-Geschichte langsam und sehr fatalistisch voran. Paul Schrader, der Autor von „Taxi Driver“, hatte die Idee für die Geschichte von einem Kriegsheimkehrer, der sich in seiner alten Heimat nicht mehr zurechtfindet. Eine Geschichte, die in vielen Momenten in einem interessanten Verhältnis zu „Taxi Driver“ steht und damals, – wir sind in der Prä-“Rambo“-Zeit und auch auch vor den kritischen Vietnam-Filmen „Sie kehren heim“ (Coming Home) und „Die durch die Hölle gehen“ (The Deer Hunter) -, im Kino noch Terra Incognita war. Heywood Gould (The Bronx, Cocktail) wurde dann als zweiter Drehbuchautor genommen und John Flynn, der davor die unterschätzte Richard-Stark-Verfilmung „Revolte in der Unterwelt“ (The Outfit) drehte, übernahm die Regie. Flynn drehte später unter anderem „Bestseller“ und „Lock Up – Überleben ist alles“.

Erzählt wird die Geschichte von Major Charles Raine (William Devane) der 1973 nach einer siebenjährigen Gefangenschaft in einem Vietcong-Gefangenenlager wieder in seine alte Heimat San Antonio, Texas zurückkehrt. Aber der introvertierte Mann, der überall als Kriegsheld gefeiert wird, hat Probleme, in sein altes Leben, das es auch nicht mehr gibt, zurückzukehren. Für seinen Sohn ist er ein fremder Mann. Seine Frau hat sich in einen anderen Mann verliebt. Er hat keinen Job.

Erst als einige Verbrecher ihm einige Münzen, die er als Anerkennung für seine Gefangenschaft erhielt, klauen, seine Familie umbringen und ihm in einem Küchenabfallzerkleinerer (in Texas ein übliches Haushaltsgerät) seine Hand zerhäckseln, hat er wieder eine Mission und die titelgebende Stahlkralle als Ersatz für die fehlende Hand.

Raine will die Mörder seiner Frau und seines Sohnes finden.

Dabei hilft ihm Johnny Vohden (Tommy Lee Jones), der mit ihm in Gefangenschaft war und daran ebenfalls zerbrochen ist.

Tommy Lee Jones hat zwar nur wenige Szenen in dem Film, aber wie er in ihnen die Verlorenheit seines Charakters zeigt, ist großes Schauspiel.

Denn Raine und Vohden sind zutiefst gebrochene Charaktere, die in der Gesellschaft ihren Platz nicht mehr finden. Genau wie Travis Bickle (Robert De Niro) in „Taxi Driver“ oder William James (Jeremy Renner) in „The Hurt Locker“.

Das gesagt, muss allerdings auch gesagt werden, dass „Der Mann mit der Stahlkralle“ sogar nach damaligem Standard sehr langsam erzählt ist, die wenigen Schnitte, die dunklen Bilder und die introvertierten Charaktere dieses Gefühl der Langsamkeit noch verstärken und so „Der Mann mit der Stahlkralle“ sich zäher als nötig ansieht. Jedenfalls wenn man auf die Action gespannt ist. Die gibt es erst in der zweiten Hälfte und sie ist immer noch ziemlich graphisch. Wobei die schlimmste Szene, gerade weil wir sie uns so gut vorstellen können, wohl das Zerkleinern von Raines’ Hand ist.

Das Bonusmaterial ist sehr gelungen. Es gibt eine Bildergalerie, ein elfminütiges Interview mit Linda Haynes über die Dreharbeiten und ihr Leben nach dem Film abseits der Filmindustrie und einen sehr interessanten und sehr informativen Audiokommentar, bei dem Drehbuchautor Heywood Gould im lockeren Gespräch mit Roy Frumkes aus seinem Leben und über den Film erzählt. Wer also einen Blick hinter die Kulissen werfen will, ist hier ziemlich gut bedient. Und wer wissen will, warum „Der Mann mit der Stahlkralle“ einer der Lieblingsfilme von Quentin Tarantino und Eli Roth ist, sollte sich Eli Roths „Trailer from Hell“-Audiokommentar zum Trailer anhören.

Ach ja: „Der Mann mit der Stahlkralle“ war bis 2001 auf dem Index und diese DVD/Blu-ray ist die erste ungekürzte Veröffentlichung des Films in Deutschland.

Der Mann mit der Stahlkralle - DVD-Cover

Der Mann mit der Stahlkralle (Rolling Thunder, USA 1977)

Regie: John Flynn

Drehbuch: Paul Schrader, Heywood Gould

mit William Devane, Tommy Lee Jones, Linda Haynes, James Best, Lisa Richards

-

DVD

Koch Media

Bild: 1.85:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Audiokommentar mit Drehbuchautor Heywood Gould, Interview mit Darstellerin Linda Haynes (11 Minuten), Trailer mit Kommentar von Eli Roth, Trailer, TV-Spot, Bildergalerie

Länge: 96 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

-

Hinweise

Noir of the Week: Krimiautor Wallace Stroby über „Der Mann mit der Stahlkralle“

Rotten Tomatoes über „Der Mann mit der Stahlkralle”

Turner Classic Movies über “Der Mann mit der Stahlkralle”

Wikipedia über „Der Mann mit der Stahlkralle“ 

Homepage von Heywood Gould


TV-Tipp für den 9. März: Kill Bill Vol. 1

März 9, 2013

Pro7, 23.05

Kill Bill Vol. 1 (USA 2003, R.: Quentin Tarantino)

Drehbuch: Quentin Tarantino

Die Braut will sich an ihrem Ex-Boss Bill und ihren alten Arbeitskolleginnen, einer Bande Auftragskiller, die sie umbringen wollten, rächen. Leichter gesagt, als getan – und Quentin Tarantino durfte in seinem vierten Spielfilm, der als Zweiteiler in die Kinos kam, kräftig im Blut baden. Im ersten Teil eher in Richtung Eastern, im zweiten Teil in Richtung Italowestern; weshalb die Teilung des Films auch Sinn macht.

Pro7 zeigt „Kill Bill Vol. 2“ am Sonntag um 22.30 Uhr und 02.10 Uhr.

mit Uma Thurman, Lucy Liu, Vivica A. Fox, Daryl Hannah, David Carradine, Michael Madsen, Sonny Chiba, Michael Parks

Wiederholung: Sonntag, 10. März,

Hinweise

Metacritic über „Kill Bill Vol. 1“

Rotten Tomatoes über „Kill Bill Vol. 1“

Wikipedia über „Kill Bill Vol. 1“ (deutsch, englisch)

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos “Django Unchained” (Django Unchained, USA 2012)

Kriminalakte über Quentin Tarantino


„Tough Sh*t“ von „Clerks“-Regisseur Kevin Smith über „Cop Out“, „Red State“ und den ganzen Rest

März 1, 2013

Die Fans von Kevin Smith, dem Regisseur von den typischen Kevin-Smith-Filmen „Clerks“, „Chasing Amy“, „Dogma“, seinem Hollywood-Mainstream-Debüt „Cop Out“ und seinem Quentin-Tarantino-Film „Red State“, haben „Tough Sh*t“ sicher schon gekauft.

Die anderen sollten die folgenden Zeilen über diese Mischung aus Autobiographie, Erlebnissen und ausführlichen Betrachtungen über Dies und Das lesen. Denn „Tough Sh*t“ liest sich wie eine eher lieblos-hastige Zusammenstellung von einigen, kaum zusammenpassenden Texten. So hätte ich nach dem ersten Kapitel „Na, dann wollen wir mal loslegen, oder, Leute?!“ am liebst gleich wieder aufgehört. Aber ich hatte in der U-Bahn nur dieses Buch dabei. Denn Kevin Smiths Eloge an seinen Vater und wie toll es ist, dass er der Sohn seiner ganz tollen Eltern ist, und dass er schon ein Gewinner ist, weil er überhaupt auf die Welt gekommen ist, ist letztendlich nur ein Stück Pennälerhumor der unwitzigen Sorte, die sich darin gefällt, möglichst oft „Wichse“ zu sagen und das für witzig hält.

Danach folgen die besten Kapitel des Buches. In „Was sind eigentlich Pig Newtons? Oder wie die ganze Kiste ins Rollen kam“ erzählt er von seinem ersten Kinobesuch in New York, die Premiere von „The Dark Backward“ von Adam Rifkin im Kultkino Angelika, und dass er dadurch und vor allem Richard Linklaters „Slackers“ das Vertrauen bekam, selbst Regisseur zu werden. Er fasst in „Scheiß, der auf meinen Mist gewachsen ist“ kurz seine Filme zusammen. Das ist okay, aber auch nicht viel tiefgründiger als ein Wikipedia-Artikel. Er erzählt unter anderem in „Miramaxtiere und so Scheiß“, aber auch in jedem Kapitel, das sich mit seinen Filmen beschäftigt, von seinen Jahren bei Miramax und was für ein Denken in der Firma der Weinstein-Brüder herrschte. In „Scheiße, ich dreh durch“ erzählt er von „Zack and Miri make a Porno“, der Werbekampagne für den Film (Hach, in Amiland kann man schon mit einem Titel für gewaltige Wellen sorgen.) und wie er von Warner-Brothers-Manager Jeff Robinov das Angebot erhielt, einen Film zu drehen. Es wurde „Cop Out“.

In „Was redest du da eigentlich, Willis? Und anderer Scheiß, den ich erst nach zwanzig Jahren geschnallt habe“ erzählt er von den katastrophalen Dreharbeiten für den Buddy-Copfilm „Cop Out“. Dabei rechnet er gnadenlos mit Bruce Willis ab, der bei den Dreharbeiten wohl nur sein Star-Ego heraushängen ließ (In einem Interview mit Empire bestätigte John Moore das durch die Blume, indem er sagte, dass man Mick Jagger ja auch nicht sage, wie er sich auf der Bühne zu bewegen habe. Man stelle einfach die Kamera in die richtige Position.).

Den größten Teil des Buches, nämlich siebzig Seiten, widmet Kevin Smith seinem neuesten und, wie er im Buch sagt, auch letzten Film „Red State“. Er erzählt von den Dreharbeiten, der Premiere in Sundance (lästert dabei Til-Schweiger-würdig über die Filmjournalisten ab) und dem Screening bei Quentin Tarantino, der von „Red State“ begeistert war.

Die restlichen hundertdreißig Seiten wird es wieder uninteressanter. Jedenfalls für den Filmfan. Kevin Smith erzählt in „Der beschissenste Flug meines Lebens“ auf fast vierzig Seiten, wie er aus einem Flugzeug geworfen wird, weil er zu dick sei, in „Meine Frau ist der ganz heiße Scheiß“ wie er seine Frau Jenny Schwalbach kennenlernte , in „Scheiße labern“ wie er mit einem Podcast und Gesprächsabenden Geld verdient und in „Gras, Gretzky und wie ich meinen Scheiß auf die Reihe bekam“ über den bei uns gänzlich unbekannten Eishockeyspieler Wayne Gretzky.

Das lässt sich zwar flott weglesen, aber das Versprechen des Untertitel „Ein Fettsack mischt Hollywood auf“ wird nicht gehalten. Denn gerade seine Erlebnisse als Regisseur machen nur einen kleinen Teil von „Tough Sh*t“ aus. Der Rest sind x-beliebige Erlebnisse und persönliche Bekenntnisse und Einsichten, die doch arg banal sind.

Smith - Tough Shit - 2

Kevin Smith: Tough Sh*t – Ein Fettsack mischt Hollywood auf

(übersetzt von Daniel Müller)

Heyne Hardcore 2013

336 Seiten

16,99 Euro

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Originalausgabe

Tough Sh*t – Life Advice from a fat, lazy Slob who did good

Gotham Books, 2012

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Die Spielfilme von Kevin Smith

Clerks (1994)

Mallrats (1995)

Chasing Amy (1997)

Dogma (1999)

Jay and Silent Bob Strike Back (2001)

Jersey Girl (2004)

Clerks II (2006)

Zack and Miri make a Porno (2008)

Cop Out (2010)

Red State (2011)

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Hinweise

Homepage von Kevin Smith

Wikipedia über Kevin Smith (deutsch, englisch)

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Und jetzt noch einige Worte von Kevin Smith über Bruce Willis und die Dreharbeiten für “Cop Out”

 


Prämierte Drehbücher online verfügbar

Februar 11, 2013

Kurz bevor wichtige Filmpreise, wie die Golden Globes und die Oscars, vergeben werden, machen die Produktionsfirmen etliche  der prämierten Drehbücher online verfügbar und Filmfans around the Globe können sich bedienen:

Chris Terrio: Argo (meine Besprechung)

Rian Johnson: Looper (meine Besprechung - und demnächst auch einige Worte zur DVD)

John McLaughlin: Hitchcock (meine Besprechung der Vorlage; der Film startet demnächst)

Bridget O’Connor/Peter Straughan: Tinker, Tailer, Soldier, Spy (meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “Dame, König, As, Spion”)

Michael Haneke: Liebe (Amour – englische Fassung; meine Besprechung)

Quentin Tarantino: Django Unchained (meine Besprechung)

John August: Frankenweenie (meine Besprechung des tollen Tim-Burton-Films)

Ronald Harwood: Quartet (meine Besprechung von Dustin Hoffmans Regiedebüt)

John Gatins: Flight (meine Besprechung)

Tony Kushner: Lincoln (meine Besprechung)

Mark Boal: Zero Dark Thirty (meine Besprechung)

Evan Daugherty, John Lee Hancock, Hossein Amini: Snow White and the Huntsman (meine Besprechung dieser Variante von Schneewittchen)

John Krasinski/Matt Damon: Promised Land

David Magee: Life of Pi

Richard Nelson: Hyde Park on Hudson (deutscher Titel: Hyde Park am Hudson, Kinostart: 28. Februar)

Nicholas Jarecki: Arbitrage (Drama mit Richard Gere und Susan Sarandon, deutscher Kinostart unklar)

Cinco Paul/Ken Daurio: Dr. Seuss’ The Lorax

Rashida Jones/Will McCormack: Celeste and Jesse Forever (deutscher Titel: “Celeste & Jesse – Beziehungsstatus: Es ist kompliziert”, Kinostart: 14. Februar)

Ol Parker: The Best Exotic Marigold Hotel

Lucy Alibar/Benh Zeitlin: Beasts of the Southern Wild

Tom Stoppard: Anne Karenina

James Ponsoldt/Susan Burke: Smashed

David O. Russell: Silver Linings Playbook (deutscher Titel: Silver Linings)

Jacques Audiard/Thomas Bidegain: Rust and Bone (na, das müsste “De Rouille et D’Os” bzw. “Der Geschmack von Rost und Knochen” sein)

David Lindsey-Abaire: Rise of the Guardians

Stephen Chbosky: The Perks of being a Wallflower

Christopher Butler: ParaNorman

Phil Johnson/Jennifer Lee: Wreck it Ralph

Wes Anderson/Roman Coppola: Moonrise Kingdom

Ava DuVernay: Middle of Nowhere

Paul Thomas Anderson: The Master

William Nicholson, Alain Boublil, Claude-Michel Schönberg, Herbert Kretzmer: Les Misérables (ein Musical, Kinostart: 21. Februar)

Judd Apatow: This is 40

Seth MacFarlane/Alec Sulkin/Wellesly Wild: Ted

Ben Lewin: The Sessions

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Und hier, bei den 2012 nominierten Drehbüchern, gibt es auch noch einige Treffer.


TV-Tipp für den 17. Januar: Reservoir Dogs

Januar 17, 2013

Heute läuft Quentin Tarantinos neuester Film “Django Unchained” an.

Das ist doch eine gute Gelegenheit, wieder einen Blick auf sein Debüt zu werfen:

WDR, 23.15

Reservoir Dogs (USA 1992, R.: Quentin Tarantino)

Drehbuch: Quentin Tarantino

Buch zum Film (Drehbuch): Quentin Tarantino: Reservoir Dogs – Das Buch zum Film/Zweisprachige Ausgabe (rororo 1997)

Einige Gangster überfallen einen Juwelier. Der Überfall geht schief. Sie flüchten in eine Garage. Mr. Orange (sie kennen sich nur unter Farb-Pseudonymen) liegt schwerverletzt auf dem Boden und kämpft um sein Leben. Die anderen Gangster versuchen währenddessen die 100.000-Dollar-Frage „Wer hat uns verraten?“ zu klären.

Der Einfluss von Quentin Tarantinos Kinodebüt auf das Kino der Neunziger Jahre kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Ich sage nur nicht-chronologisches Erzählen (Bis dahin galt die eiserne Regel: Keine Rückblenden!), lustvoll zelebrierte Gewalt, coole Dialoge und oft ebenso coole Monologe.

Mit Harvey Keitel, Tim Roth, Michael Madsen, Chris Penn, Steve Buscemi, Lawrence Tierney, Edward Bunker, Quentin Tarantino

Hinweise

Metacritic über “Reservoir Dogs”

Rotten Tomatoes über “Reservoir Dogs”

Wikipedia über „Reservoir Dogs“

Drehbuch „Reservoir Dogs“ von Quentin Tarantino

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Meine Besprechung von “Quentin Tarantinos “Django Unchained” (Django Unchained, USA 2012)

Quentin Tarantino in der Kriminalakte


Cover der Woche

Januar 15, 2013

Bernard - Quentin Tarantino

Am Donnerstag startet “Django Unchained”, der neue Film von Quentin Tarantino.


Berlin: Die „Django Unchained“-Pressekonferenz

Januar 8, 2013

Heute, vor einigen Stunden, war in Berlin eine Pressekonferenz zu „Django Unchained“ mit Regisseur und Autor Quentin Tarantino und fast allen Hauptdarstellern des Westerns, nämlich Jamie Foxx, Christoph Waltz, Kerry Washington und Samuel L. Jackson.

Die Bildstrecke mit einigen weiterführenden Links gibt es hier und die Besprechung zu dem guten Film (Oh heiliges Understatement!) gibt es dann zum Filmstart am 17. Januar.


TV-Tipp für den 4. Januar: Sin City – Recut & Extended

Januar 4, 2013

Pro7, 23.30

Sin City (USA 2005, R.: Frank Miller, Robert Rodriguez, Quentin Tarantino [special guest director])

Drehbuch: Frank Miller

LV: Frank Miller: Sin City (verfilmte Geschichten: The Hard Goodbye [1991], The Big Fat Kill [1994], That Yellow Bastard [1996], The Customer is Always Right[1994])

Kongeniale Verfilmung einiger Geschichten aus der düsteren „Sin City“-Welt.

Heute läuft nicht die Kinofassung, sondern die etwas längere „Recut & Extended“-Version, mit einer Betonung auf „Recut“.

Mit Jessica Alba, Powers Boothe, Jude Ciccolella, Rosario Dawson, Benicio Del Toro. Josh Hartnett, Rutger Hauer, Jamie King, Michael Madsen, Frank Miller, Brittany Murphy, Clive Owen, Mickey Rourke, Nick Stahl, Bruce Willis, Elijah Wood

Wiederholung: Samstag, 5. Januar, 03.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Film-Zeit über “Sin City”

Metacritic über “Sin City”

Rotten Tomatoes über “Sin City”

Wikipedia über “Sin City” (deutsch, englisch)

Schnittberichte vergleicht die Kino- mit der Recut-Version

Meine Besprechung von Frank Miller/Geoff Darrows „Hard Boiled“ (Hard Boiled, 1990/1992)

Meine Besprechung von Frank Miller/Dave Gibbons’ “Martha Washington – Ein amerikanischer Traum (Band 1)” (Give me liberty, 1990)

Meine Besprechung von Frank Miller/Jim Lee/Scott Williams’ “All-Star Batman” (All Star Batman & Robin: The Boy Wonder, 2005 – 2008)

Meine Besprechung von Frank Millers “Holy Terror” (Holy Terror, 2011)


Kein Wiener Schmäh: Ein schönes Buch über Fritz Lang und sein Werk

Dezember 13, 2012

Viennale - Retrospektive Fritz Lang3

Der am 2. August 1976 verstorbene Fritz Lang ist immer noch einer der einflussreichsten Regisseure. In Deutschland drehte der am 5. Dezember 1890 in Wien geborene Regisseur „Dr. Mabuse, der Spieler“, „Die Nibelungen“, „Metropolis“, „Spione“ (zu Unrecht arg unbekannt), „Frau im Mond“, „M“ und „Das Testament des Dr. Mabuse“. In Hollywood musste er, nach seiner Flucht aus Deutschland über Frankreich (wo er 1933/1934 „Liliom“ drehte; deutsche Premiere war am 17. März 1973 im NDR; Kinopremiere war am 29. Oktober 1984 in Hof), mit kleineren Budgets auskommen; was gerade für seine vielen Noirs kein Nachteil war. Es entstanden „Blinde Wut“ (Fury), „Gehetzt“ (You only live once), „Du und ich“ (You and me), „Rache für Jesse James“ (The Return of Jesse James), „Menschenjagd“ (Man Hunt), „Auch Henker sterben“ (Hangman also die; nach einem Drehbuch von Bertold Brecht), „Gefährliche Begegnung“ (The Woman in the Window), „Engel der Gejagten“ (Rancho Notorious), „Gardenia – Eine Frau will vergessen“ (The blue Gardenia), „Heißes Eisen“ (The Big Heat) und, als sein letzter Hollywood-Film, „Jenseits aller Zweifel“ (Beyond a reasonable Doubt).

1958 kehrte er für den Doppelfilm „Der Tiger von Eschnapur/Das indische Grabmal“ und „Die 1000 Augen des Dr. Mabuse“, sein letzter Film, nach Deutschland zurück.

In Deutschland gibt es im Buchhandel, abgesehen den Sammelbänden über „Metropolis“ (anlässlich der Aufführung der fast vollständigen Fassung auf der Berlinale 2010) und „M“ und der rororo-Bildmonographie „Fritz Lang“ (von 1985), nichts über Fritz Lang. Der Band „Fritz Lang“ der legendären Hanser Reihe Film von 1976 (1986 gab es eine ergänzte Auflage), in dem alle Filme von Fritz Lang chronologisch besprochen wurden, ist schon lange nur noch antiquarisch erhältlich – und das Internet ist bei toten Künstlern, wenn man einen umfassenden und gründlichen Einblick in deren Werk erhalten will, verglichen mit den offiziellen und Fanseiten zu Joel & Ethan Coen, David Lynch und Quentin Tarantino (um nur einige zu nennen), nicht unbedingt eine große Hilfe.

Die Veröffentlichung von „Fritz Lang“ von Astrid Johanna Ofner und Stefan Flach, die die Texte für den Sammelband auswählten, anlässlich einer Retrospektive der Viennale und des Österreichischen Filmmuseums vom 18. Oktober bis 29. November 2012, schließt diese Lücke, für die nächste Zeit, mit einem Sammelband, der zu einem großen Teil aus bislang nicht übersetzten Texten besteht.

Alle Filme von Fritz Lang, bis auf seine beiden verschollenen, 1919 gedrehten Stummfilme „Halbblut“ und „Der Herr der Liebe“, werden chronologisch vorgestellt, indem zeitgenössische und neuere Filmkritiken (unter anderem von Graham Greene, Francois Truffaut, Jean-Luc Godard, Eric Rohmer, Enno Patalas, Norbert Grob und Frieda Grafe) und etliche Ausschnitte aus Peter Bogdanovichs Interview mit Fritz Lang (erschienen 1967 als „Fritz Lang in America“, nie übersetzt und auch im Original nur antiquarisch erhältlich) zusammengestellt wurden. Ergänzt werden diese Texte natürlich immer mit den Stabangaben und Film- und Setbildern. Das ist so gelungen, dass bei Langs Hollywood-Filmen der konsequente Verzicht auf die deutschen Filmtitel vollkommen unverständlich bleibt.

Ergänzt werden die über die Hälfte des Buches einnehmenden Filmvorstellungen um mehrere Essays, die anscheinend jetzt alle erstmals auf Deutsch erschienen, und einem langen Monolog von Fritz Lang, der 1965 und 1966 in der Cahiers du Cinéma abgedruckt wurde (Gretchen Berg: Die Wiener Nacht – Ein Bekenntnis von Fritz Lang) und seine „Erinnerungen an Wien“, die bislang nur in Bruchstücken veröffentlicht wurden.

Die anderen Essays sind „Über einige Begegnungen mit Fritz-Lang-Filmen“ von Peter Nau (Originalbeitrag), „Meine Begegnung mit Fritz Lang“ von Michel Piccoli, der ihn bei den Dreharbeiten von Jean-Luc Godards „Le Mépris“ (Die Verachtung) traf (Originalabdruck Cahiers du Cinéma, November 1990), „Fritz Langs Stil“ von Georges Franju (erstmals 1937 in Cinématographe, überarbeitet im November 1959 im Cahiers du Cinéma), „Hinter der Kamera“ von Otis Ferguson (Originalabdruck New Republic, Juni/Juli 1941), „Die Tragödie des Lang’schen Helden“ von Jean Douchet (Originalabdruck in Cahiers du Cinéma, November 1990), „Briefe von Bertolt Brecht an Fritz Lang“ von Bernard Eisenschitz und „Das Monster von Hollywood“ von Mary Morris (Originalausgabe Picture Magazin, Februar 1945).

Ich erspare mir jetzt den Satz „das Buch gehört in jede gutsortierte Filmbibliothek“, sondern sage: setzt dieses Schnäppchen gefälligst auf eure Weihnachtswunschliste.

-

Astrid Johanna Ofner (Hrsg.): Fritz Lang – Eine Retrospektive der Viennale und des Österreichischen Filmmuseums

Viennale, 2012 (Vertrieb Schüren Verlag)

208 Seiten

19,90 Euro

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Hinweise

Wikipedia über Fritz Lang (deutsch, englisch)

Senses of Cinema: Dan Shaw über Fritz Lang

BFI über Fritz Lang

MovieMaker: Interview von 1972 mit Fritz Lang

Manhola Dargis: Making Hollywood Films Was Brutal, Even for Fritz Lang (New York Times, 21. Januar 2011)

Meine Besprechung von Fritz Langs „Du und ich“ (You and me, USA 1938)

Meine Besprechung von Fritz Langs “Auch Henker sterben” (Hangmen also die, USA 1943)

Fritz Lang in der Kriminalakte

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Bonusmaterial

eine 45-minütige, deutschsprachige Doku über Fritz Lang


“Django Unchained” in Bild und Ton

Dezember 10, 2012

Bis zum Kinostart von Quentin Tarantinos neuem Film “Django Unchained” dauert es noch einige Tage (und wir müssen Weihnachten und Silvester heil überstehen), aber der 17. Januar 2013 wird kommen. Jetzt hat Sony Pictures einige Bilder aus dem Western veröffentlicht.

Ach ja, darum geht es in “Django Unchained”:

Angesiedelt in den Südstaaten, zwei Jahre vor dem Bürgerkrieg, erzählt DJANGO UNCHAINED die Geschichte von Django (Oscar®-Preisträger JAMIE FOXX), einem Sklaven, dessen brutale Vergangenheit mit seinen Vorbesitzern dazu führt, dass er dem deutschstämmigen Kopfgeldjäger Dr. King Schultz (Oscar®-Preisträger CHRISTOPH WALTZ) Auge in Auge gegenübersteht. Schultz verfolgt gerade die Spur der mordenden Brittle-Brüder und nur Django kann ihn ans Ziel führen. Der unorthodoxe Schultz sichert sich daher Djangos Hilfe, indem er ihm verspricht, ihn zu befreien, nachdem er die Brittles gefangen genommen hat – tot oder lebendig. Nach erfolgreicher Tat löst Schultz sein Versprechen ein und setzt Django auf freien Fuß. Dennoch gehen die beiden Männer ab jetzt nicht getrennte Wege. Stattdessen nehmen sie gemeinsam die meistgesuchten Verbrecher des Südens ins Visier. Während Django seine überlebensnotwendigen Jagdkünste weiter verfeinert, verliert er dabei sein größtes Ziel nicht aus den Augen: Er will seine Frau Broomhilda (KERRY WASHINGTON) finden und retten, die er einst vor langer Zeit an einen Sklavenhändler verloren hat. Ihre Suche führt Django und Schultz zu Calvin Candie (der für einen Oscar® nominierte LEONARDO DICAPRIO). Candie ist der Eigentümer von “Candyland”, einer berüchtigten Plantage. Als Django und Schultz das Gelände der Plantage unter Vorgabe falscher Identitäten auskundschaften, wecken sie das Misstrauen von Candies Haussklaven und rechter Hand Stephen (der für einen Oscar® nominierte SAMUEL L. JACKSON). Jede ihrer Bewegungen wird fortan genau überwacht und eine heimtückische Organisation ist ihnen bald dicht auf den Fersen. Wenn Django und Schultz mit Broomhilda entkommen wollen, müssen sie sich zwischen Unabhängigkeit und Solidarität, zwischen Aufopferung und Überleben entscheiden…

Die Teaserplakate (die mir fast noch besser als die Hauptplakate gefallen)

Django Unchained - Teaserplakat 1

Django Unchained - Teaserplakat 2

Die Hauptplakate

Django Unchained - Hauptplakat 1

Django Unchained - Hauptplakat 2

Das zweite gefällt mir aber ziemlich gut.

Impressionen von den Dreharbeiten

Ein Stuhl, ein Buch, kein Regisseur (Bild: Sony Pictures)

Ein Stuhl, ein Buch, kein Regisseur (Bild: Sony Pictures)

Quentin Tarantino (Bild: Sony Pictures)

Quentin Tarantino (Bild: Sony Pictures)

Leonardo DiCaprio am Set (Bild: Sony Pictures)

Leonardo DiCaprio am Set (Bild: Sony Pictures)

Nach der Arbeit (Bild: Sony Pictures)

Nach der Arbeit (Bild: Sony Pictures)

Die Charaktere

Jamie Foxx als Django (Bild: Sony Pictures)

Jamie Foxx als Django (Bild: Sony Pictures)

Jamie Foxx als Django und ein namenloses Pferd (Bild: Sony Pictures)

Jamie Foxx als Django und ein namenloses Pferd (Bild: Sony Pictures)

Kerry Washington als Broomhilda von Shaft, aka Djangos Frau (Bild: Sony Pictures)

Kerry Washington als Broomhilda von Shaft, aka Djangos Frau (Bild: Sony Pictures)

Christoph Waltz als Dr. King Schultz (Bild: Sony Pictures)

Christoph Waltz als Dr. King Schultz (Bild: Sony Pictures)

Leonardo DiCaprio als Calvin Candie (Bild: Sony Pictures)

Leonardo DiCaprio als Calvin Candie (Bild: Sony Pictures)

Leonardo DiCaprio als Calvin Candie (Bild: Sony Pictures)

Leonardo DiCaprio als Calvin Candie (Bild: Sony Pictures)

Action! – Ohne aussagekräftige Bildunterschriften, aber mit einigen weiteren Charakteren

Christoph Waltz und Jamie Foxx (Bild: Sony Pictures)

Christoph Waltz und Jamie Foxx (Bild: Sony Pictures)

Jamie Foxx (Bild: Sony Pictures)

Jamie Foxx (Bild: Sony Pictures)

Not quite "Miami Vice". Don Johnson als Spencer Gordon Bennet (Bild: Sony Pictures)

Not quite “Miami Vice”. Don Johnson als Spencer Gordon Bennet (Bild: Sony Pictures)

Leonardo DiCaprio (Bild: Sony Pictures)

Leonardo DiCaprio (Bild: Sony Pictures)

Samuel L. Jackson als Stpehen und Kerry Washington als Broomhilda von Shaft (Bild: Sony Pictures)

Samuel L. Jackson als Stephen und Kerry Washington als Broomhilda von Shaft (Bild: Sony Pictures)

Jamie Foxx und Kerry Washington (Bild: Sony Pictures)

Jamie Foxx und Kerry Washington (Bild: Sony Pictures)

Christoph Waltz und Jamie Foxx (Bild: Sony Pictures)

Christoph Waltz und Jamie Foxx (Bild: Sony Pictures)

Leonardo DiCaprio, Christoph Waltz, Samuel L. Jackson, Jamie Foxx (Bild: Sony Pictures)

Leonardo DiCaprio, Christoph Waltz, Samuel L. Jackson, Jamie Foxx (Bild: Sony Pictures)

Jamie Foxx und noch (?) ein Pferd (Bild: Sony Pictures)

Jamie Foxx und noch (?) ein Pferd (Bild: Sony Pictures)

Jamie Foxx (Bild: Sony Pictures)

Jamie Foxx (Bild: Sony Pictures)

Christoph Waltz und Jamie Foxx (Bild: Sony Pictures)

Christoph Waltz (Bild: Sony Pictures)

Christoph Waltz und Jamie Foxx (Bild: Sony Pictures)

Christoph Waltz und Jamie Foxx (Bild: Sony Pictures)

Leonardo DiCaprio (Bild: Sony Pictures)

Leonardo DiCaprio (Bild: Sony Pictures)

Jamie Foxx und Leonardo DiCaprio (Bild: Sony Pictures)

Jamie Foxx und Leonardo DiCaprio (Bild: Sony Pictures)

Jamie Foxx und "Django", äh Franco Nero (Bild: Sony Pictures)

Jamie Foxx und “Django”, äh, Franco Nero (Bild: Sony Pictures)

Einen Trailer gibt es auch

Eine frühe Fassung des Drehbuchs ist auch online; – jedenfalls heißt es, dass das das Drehbuch sei, aber genaues wissen wir noch nicht. Aber diskutiert wird schon.

Es gibt einen “Django Unchained Blog” mit vielen Infos.  Außerdem natürlich, immer noch The Quentin Tarantino Archives und Everthing Tarantino.


Neu im Kino/Filmkritik: Viel Gerede, etwas Gewalt und keine Frauen in „Killing them softly“

November 29, 2012

Wie gerne hätte ich Andrew Dominiks neuen Film „Killing them softly“ gnadenlos abgefeiert, aber es war wohl ein Fehler, vor dem Besuch der deutschen Fassung den Roman „Cogan’s Trade“, die Vorlage zum Film, zu Lesen.

Cogan’s Trade“ erschien bereits 1974 und George V. Higgins, der mit seinem ersten Roman „Die Freunde von Eddie Coyle/Hübscher Abend bis jetzt“ (The Friends of Eddie Coyle, 1971) einen Kriminalromanklassiker, Unterabteilung Gangsterkrimi, schuf, weil er ein ungeschöntes Bild des Kleingangstertums zeichnete und die Dialoge sich wie Abhörprotokolle lasen. Dieses Ohr für den Slang der Verbrecher hatte er vorher als Anwalt und Staatsanwalt in Boston geschärft. Das war eine Sprechweise, die teilweise auch von US-Amerikanern kaum verstanden wurde (und es den Übersetzern nicht leicht machte). Außerdem entfaltet sich die Geschichte nicht in den Taten der Verbrecher, sondern in ihren Gesprächen darüber.

Auch Higgins’ dritter Roman „Cogan’s Trade“ besteht fast nur aus Dialogen. Über Seiten reden die Gangster ohne Punkt und Komma. Die Gespräche kreisen oft, mit Wiederholungen, um sich selbst. Oft ist lange Zeit nicht klar, wo das Gespräch hinführen soll. Gerade das macht den Roman einerseits mühsam zu lesen (Oh man, warum geht die Story nicht im Richard-Stark-Tempo weiter?), aber auch faszinierend (Uh, das ist die Wirklichkeit.). Higgins’ erste Romane, vor allem sein Debüt, wurde von der Kritik abgefeiert und auch heute noch zählt er zu den Innovatoren des Genres. Elmore Leonard änderte danach seinen Schreibstil und er wird nicht müde, Higgins’ stilistischen Einfluss auf sein Werk zu betonen. Quentin Tarantinos Endlosdialoge sind ebenfalls von Higgins beeinflusst.

Und Hollywood glaubt wohl, wegen der vielen Dialoge und den spärlichen Beschreibungen, fast schon ein Drehbuch vor sich zu haben.

Aber, und das zeigt sich in Dominiks sehr werkgetreuer Verfilmung von „Cogan’s Trade“, es ist auch nicht besonders filmisch. Denn die meiste Zeit sitzen mittelalte Männer in Autos, an Tischen und in Sesseln und reden über Dinge, die sie getan haben, oder von jemand gehört haben. Als Lektüre ist das faszinierend. In einem Film würde ich aber genau diese Erzählungen lieber sehen, anstatt immer nur von ihnen zu hören.

Dabei ist die Geschichte denkbar einfach: zwei Kleingangster rauben ein illegales Kartenspiel aus. Cogan, der Troubleshooter des Syndikats, soll die beiden Gangster finden. Schnell ist er auf der richtigen Spur und er will sie, als Denkzettel, umbringen. Kompliziert wird sie nur durch ihre Erzählweise.

Auch die Schauspieler sind gut. Brad Pitt als Cogan. James Gandolfini als physisches Wrack. Richard Jenkins als Verbindungsmann des Syndikats. Ray Liotta als Leiter der Spielhalle (die er selbst bereits einmal ausraubte), Sam Shepard (leider viel zu kurz) als Vollstrecker des Mobs. Scott McNairy und Ben Mendelsohn als die die beiden Räuber. Und Vincent Curatola als der Organisator des Coups. Sie haben erkennbar ihren Spaß an den Dialogen.

Es sind Dialoge und eine Geschichte, die tief in den siebziger Jahren steckt und über weite Teile auch wie ein aus der Zeit gefallener Siebziger-Jahre-Gangsterthriller aussieht, in dem die Gangster, die bis dahin in Büchern und Filmen normalerweise über kein nennenswertes Privatleben verfügten, sich stundenlang über die ganz normalen Probleme von mittelalten Männern unterhalten: das Einkommen, die Ehefrau, die Kinder und die kleinen Zipperlein, die die Arztrechnungen in ungeahnte Höhen treiben. Der Profi-Killer Mickey (James Gandolfini) zeigt eine mögliche Zukunft für Cogan auf: als larmoyanter, ängstlicher Alkoholiker, der an seinem Beruf zerbrach. Gangster als normale Menschen mit alltäglichen Problemen und, oft, dem Habitus eines kleinen oder mittleren Angestellten. Das war damals neu. Heute haben wir „Die Sopranos“ gesehen.

Dominik, der zuletzt den Western „Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“ (The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford, USA 2007, den ich elend langweilig fand) drehte und dort die Charaktere ihn ihrer historischen Zeit leben ließ, verlegt in „Killing them softly“ Higgins’ Geschichte aus den frühen siebziger Jahren in die Fast-Gegenwart. Sie spielt jetzt 2008, während der letzten Amtstage von George W. Bush, im vom Hurrikan Katrina verwüsteten New Orleans, in der Hochphase des Präsidentschaftswahlkampfes von John McCain und Barack Obama. Immer wieder weisen TV-Nachrichten mit Redeausschnitten darauf hin. Die USA werden – mit einem erhobenen, „Tatort“-würdigem Zeigefinger – als ein sich ökonomisch im freien Fall befindendes Land, in dem jeder nur noch um das eigene Überleben kämpft, porträtiert. Diese Aktualisierung, als ob Gangsterkrimis nicht auch immer Kapitalismuskritik wären, wirkt allerdings die ganze Zeit wie ein vollkommen unpassender Fremdkörper in einem Männerfilm, der überdeutlich in den siebziger Jahren (und vor dem damaligen historischen Hintergrund, der von Higgins auch deutlich gezeichnet wird) spielt.

Killing them softly (Killing them softly, USA 2012)

Regie: Andrew Dominik

Drehbuch: Andrew Dominik

LV: George V. Higgins: Cogan’s Trade, 1974 (Neuauflage als „Killing them softly“, keine deutsche Übersetzung)

mit Brad Pitt, James Gandolfini, Ray Liotta, Richard Jenkins, Scoot McNairy, Ben Mendelsohn, Vincent Curatola, Trevor Long, Max Casella, Sam Shepard

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Killing them softly“

Metacritic über „Killing them softly“

Rotten Tomatoes über „Killing them softly“

Wikipedia über „Killing them softly“ (deutsch, englisch) und George V. Higgins

Weekly Lizard: Andrew Dominik über “Killing them softly”

Krimi-Couch über George V. Higgins

Fantastic Fiction über George V. Higgins

New York Times über George V. Higgins

Mulholland Books: Brian Greene über George V. Higgins

Elmore Leonard über George V. Higgins

Weekly Lizard: Justin Peacock über George V. Higgins und das Must-Read-Book “The Friends of Eddie Coyle”


DVD-Kritik: Gina Gershon ist „Breathless“

November 7, 2012

Lorna (Gina Gershon) glaubt, dass ihr Mann Dale (Val Kilmer) eine Bank ausgeraubt hat. Er beteuert zwar seine Unschuld, aber das tut der notorische Lügner sowieso immer. Mitten im Wortgefecht löst sich ein Schuss (Val Kilmers Auftritt ist nach wenigen Minuten beendet) und Lorna will zusammen mit ihrer besten Freundin Tiny (Kelli Giddish) die Leiche in der Wüste zu vergraben und mit der Beute Texas verlassen. Doch dann klopft Sheriff Cooley (Ray Liotta), der ebenfalls Dale als Bankräuber verdächtigt, an die Tür des riesigen Trailers, der in einem einsamen Tal zu einem Wohnhaus umfunktioniert wurde. Lorna kann ihn abwimmeln, aber jetzt müssen die beiden Südstaaten-Schönheiten Dales Leiche in der Wohnung zerstückeln.

Währenddessen beobachtet Cooley von einem Hügel aus Dales Haus.

Breathless – Immer Ärger mit Dale“ ist eine Schwarze Komödie, die in der Tradition der Coen-Brüder und Quentin Tarantinos stehen will, aber „Breathless“ ist, trotz einiger gelungener Momente, einfach nicht witzig. Die Geschichte ist weniger schwarzhumorig, als geschmacklos-abgeschmackt. Die unsympathisch-dummen Charaktere sind uns herzlich egal. Dafür ist die Geschichte einfach zu unlogisch (Herrje, es hätte ein kleiner, guter schwarzhumoriger Noir werden können, aber in „Breathless“ gibt es einfach zu viele Zufälle und Twists, die sich im Nachhinein als Bullshit herausstellen.) und die Charaktere sind zu sprunghaft. Besonders die beiden Hauptdarstellerinnen Gina Gershon und Kelli Giddish nerven mit ihrem exaltiertem Gehabe. So muss Gina Gershon, die hier endlich mal wieder eine Hauptrolle hat und sich überzeugend in eine dieser aufgetakelten Südstaaten-Schönheiten verwandelte, von Szene zu Szene ihren Charakter vollkommen anders anlegen. Fast so, als habe man zwei, drei Filme von ihr zusammengeschnitten.

Kelli Giddish hinterlässt als hysterische Blondine, die dann aber doch Dale mit einem elektrischem Küchenmesser zerstückelt, keinen tieferen Eindruck.

Wayne Duvall hat einen kurzen, herrlich grotesken Auftritt, der aber auch eine „geschnittene Szene“ aus dem Debütfilm „Blood Simple“ der Coen-Brüder sein könnte.

Also: besser noch einmal „Blood Simple“ oder „Bound“ (mit Gina Gershon und Jennifer Tilly) ansehen und auf den nächsten Gina-Gershon-Film warten.

Breathless – Immer Ärger mit Dale (Breahtless, USA 2012)

Regie: Jesse Baget

Drehbuch: Jesse Baget, Stefania Moscato

mit Gina Gershon, Kelli Giddish, Wayne Duvall, Val Kilmer, Ray Liotta

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DVD

Ascot Elite

Bild: 2.35:1/16:9

Ton: Deutsch (DTS 5.1/Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Making of, Originaltrailer, Wendecover

Länge: 88 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

-

Hinweise

Facebook-Seite zum Film

Rotten Tomatoes über „Breathless“

Examiner: Interview mit Jesse Baget und Kelli Giddish über “Breathless” (13. August 2012)

The Movie Pool: Interview mit Jesse Baget über “Breathless”  (28. September 2012)

 


TV-Tipp für den 28. September: Das Gesetz bin ich

September 27, 2012

Tele 5, 00.15

Das Gesetz bin ich (USA 1974, Regie: Richard Fleischer)

Drehbuch: Elmore Leonard

Buch zum Film: Elmore Leonard: Mr. Majestyk, 1974

Okayer Thriller über die Mafia unter Melonenfarmern, mit Charles Bronson, der zuerst seine Ruhe haben will, später rot sieht.

Von Elmore Leonards Homepage: „Before Joe Kidd was released, Clint Eastwood called Elmore and asked for a Dirty Harry like story of a guy with a big gun. Elmore told Eastwood the story of what was to become Mr. Majestyk. Eastwood said, write it up. But, by the time Elmore finished the outline, Eastwood had acquired High Plains Drifter and bowed out. Swanson then sold Walter Mirisch on the project, who interested Charles Bronson. Mr Majestyk was the story of Vince Majestyk, a Vietnam veteran and now peaceful watermelon farmer whose workers are threatened by the local mob lead by hit man, Frank Renda (Al Lettieri).

But typically in an Elmore story, Bronson represents the workers and incurs the wrath of and delivers vengeance on the mob boys. Bronson nailed his role but Al Lettieri was over the top, playing essential the same role he did in The Getaway. Elmore saw Renda as the majority of his characters, more subtle and laid back. After completing the screenplay, Elmore Leonard novelized Mr. Majestyk. The most well known scene in Mr. Majestyk is of the bad guys shooting up the watermelons. (Shot in eastern Colorado – not Northern California as in the script.) Colorado was the only place in the West the producers could find such a crop, in season. Elmore’s script called for cantaloupes. Quentin Tarantino, Elmore’s great fan, pays homage to Mr. Majestyk in True Romance (1991).

Hinweise

Homepage von Elmore Leonard

Meine Besprechung von Elmore Leonards “Raylan” (2012)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Dschibuti“ (Djibouti, 2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Djibouti“ (2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Road Dogs“ (Road Dogs, 2009)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Up in Honey’s Room“ (2007)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Gangsterbraut“ (The hot Kid, 2005)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Callgirls“ (Mr. Paradise, 2004)

Mein Porträt „Man nennt ihn Dutch – Elmore Leonard zum Achtzigsten“ erschien im „Krimijahrbuch 2006“

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Sie nannten ihn Stick“ (Stick, USA 1983)

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Killshot“ (Killshot, USA 2008)

Elmore Leonard in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 27. September: From Dusk Till Dawn

September 27, 2012

Vox, 23.00

From Dusk Till Dawn (USA 1996, R.: Robert Rodriguez)

Drehbuch: Quentin Tarantino

Die Bankräuber Seth und Richard nehmen auf ihrer Flucht vor der Polizei eine Pfarrersfamilie als Geisel. Als sie in der abgewrackt-ranzigen Truckerkneipe „Titty Twister“ als Mahlzeit für die Stammgäste dienen sollen, verbünden sie sich gegen die Vampire.

Zwei Filme zum Preis von einem: die erste Hälfte ist ein Road-Movie-Geiseldrama, die zweite Hälfte ein extrem blutiger und saukomischer Horrorfilm, der heute wohl wieder in einer gekürzten Fassung gezeigt wird.

mit Harvey Keitel, George Clooney, Quentin Tarantino, Juliette Lewis, Cheech Marin, Fred Williamson, Salma Hayek, Marc Lawrence, Michael Parks, Tom Savini, John Saxon, Danny Trejo, John Hawkes und die Titty Twisters House Band (aka Tito & Tarantula)

Wiederholung: Freitag, 28. September, 01.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “From Dusk Till Dawn”

Wikipedia über “From Dusk Till Dawn” (deutsch, englisch)

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Quentin Tarantino in der Kriminalakte

Robert Rodriguez in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 2. September: Natural Born Killers

September 2, 2012

Arte, 23.05

Natural Born Killers (USA 1994, R.: Oliver Stone)

Drehbuch: Oliver Stone, Richard Rutowski, David Veloz (nach einer Idee von Quentin Tarantino)

Mickey und Mallory morden sich als Killerpärchen durch die USA – und Oliver Stone feuert ein beeindruckendes, aber auch betäubendes Schnitt- und Soundgewitter, garniert mit ätzender Medienkritik, ab.

2540 Schnitte und 75 Soundtrack-Titel in zwei Stunden: keine formale Innovation, sondern Delirium eines vom Thema faszinierten anstatt es beherrschenden Regisseurs, der auch keine echte Satire schafft, weil diese Distanz, Coolness (…) und Treffsicherheit verlangt, wo Stone zum Vollstrecker der Killer-Ideologie mit kinetischen Mitteln wird.“ (Fischer Film Almanach 1995)

Ein typischer Oliver-Stone-Film mit Botschaft eben.

Quentin Tarantino war von der Verfilmung, die mit seinem Drehbuch fast nichts mehr gemein hat, nicht begeistert.

mit Woody Harrelson, Juliette Lewis, Robert Downey jr., Tommy Lee Jones, Tom Sizemore, Rodney Dangerfield, Pruitt Taylor Vince, Balthazar Getty, Jared Harris

Wiederholung: Dienstag, 4. September, 02.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über „Natural Born Killers“

Rotten Tomatoes über „Natural Born Killers“

Wikipedia über „Natural Born Killers“ (deutsch, englisch)

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Quentin Tarantino in der Kriminalakte

Oliver Stone in der Kriminalakte


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