R. i. P. Ray Bradbury

Juni 6, 2012

Ray Bradbury (22. August 1920 – 5. Juni 2012)

Ich hab’s eben erfahren: der Science-Fiction-Autor Ray Bradbury ist tot.

Er schrieb unter anderem “Fahrenheit 451″ (verfilmt von Francois Truffaut), “Die Mars-Chroniken”, zahlreiche Kurzgeschichten und auch Drehbücher, unter anderem für “Alfred Hitchcock präsentiert”.

Demnächst werden wohl weitere Nachrufe folgen.

Bis dahin hilft ein Blick auf seine Homepage, Wikipedia (deutsch, englisch) und in der Kriminalakte wurde er auch einige Male erwähnt.

Die ersten Nachrufe gibt es bei People, SpiegelOnline und Hollywood Reporter.

 


„Das Science-Fiction-Jahr 2012“ ist gewohnt informativ

Oktober 24, 2012

Das kommt jetzt vielleicht für einige wie ein Schock: die Macher des Jahrbuchs „Das Science-Fiction-Jahr“ haben den Aufbau des Buches geändert.

Aber keine Panik: das bedeutet nur eine kleine Umstellung. Früher gab es einen großen Schwerpunkt und dann einzelne Rubriken, wie Interviews, Kunst und „Science & Speculation“, viele Besprechungen von Büchern, Filmen, Hörspielen und Computerspielen, immer auch mit längeren Aufsätzen, Marktberichte aus der deutschen, amerikanischen und britischen Science-Fiction-Szene und Listen der wichtigen Preisen.

Jetzt gibt es am Anfang einen großen Teil, in dem alle diese Aufsätze gesammelt sind („Feature“ genannt) und danach die Rezensionen und die Marktberichte.

In den längeren Aufsätzen schreibt Rainer Eisfeld über den am 5. Juni 2012 verstorbenen Ray Bradbury („Fahrenheit 451“), Gary K. Wolfe schreibt über Science-Fiction als Frontierliteratur, Margaret Atwood (eigentlich Ernste Literatur, aber auch die Dystopie „Der Report der Magd“) über ihre Kindheitserinnerungen an Science-Fiction-Geschichten, David Hughes über Edgar Rice Burroughs’ John Carter und seinen langen Weg ins Kino, Dietmar Dath über Philip K. Dick, Peter M Gaschler über Rainer Werner Fassbinders Science-Fiction-Film „Welt am Draht“, Hartmut Kasper unterhält sich mit Heinrich Steinfest, Sascha Mamczak und Sebastian Pirling mit Cory Doctorow, Uwe Neuhold mit Professor Klaus Mainzer über Künstliche Intelligenz und Christian Enders schreibt über die Crowd-Funding-Finanzierung von „Iron Sky“.

Nach diesen dreihundert Seiten gibt es vierhundertfünzig Seiten mit Besprechungen von Büchern, Comics, Hörspielen, Filmen und Computerspielen.

Es gibt den Marktbericht im gewohnten Umfang aus den bekannten Ländern, einige Nachrufe und die Preisträgerlisten.

Und es gibt eine beruhigende Meldung: die Herausgeber Sascha Mamczak, Sebastian Pirling und Wolfgang Jeschke wollen „Das Science-Fiction-Jahr“ auch in den kommenden Jahren als Wundertüte für den Science-Fiction-Fan veröffentlichen. In gedruckter Form.

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Sascha Mamczak, Sebastian Pirling, Wolfgang Jeschke (Hrsg.): Das Science-Fiction-Jahr 2012

Heyne, 2012

992 Seiten

32,99 Euro

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Hinweise

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Wolfgang Jeschke (Hrsg.) „Das Science Fiction Jahr 2008″

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Wolfgang Jeschke (Hrsg.) „Das Science Fiction Jahr 2009“

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Wolfgang Jeschke (Hrsg.) „Das Science Fiction Jahr 2010“

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Sebastian Pirling/Wolfgang Jeschke (Hrsg.) „Das Science-Fiction-Jahr 2011“


TV-Tipp für den 18. April: Fahrenheit 451

April 18, 2012

3sat, 22.25

Fahrenheit 451 (GB 1966, R.: Francois Truffaut)

Drehbuch: Francois Truffaut, Jean-Louis Richard

LV: Ray Bradbury: Fahrenheit 451, 1953 (Fahrenheit 451)

Im Rahmen des heutigen Thementages „Spirit of the Sixties: Die 60er Jahre“ zeigt 3sat heute Truffauts selten gezeigten Anti-Utopie, in der Bücher, weil sie subversive Gedanken enthalten, verboten sind. Feuerwehrmann Montag erfüllt brav seine Pflicht und verbrennt Bücher, bis er Clarissa kennenlernt und zunehmend an seinem Leben und seinem Tun zweifelt.

Der spätere Regisseur Nicholas Roeg war der Kameramann und Alfred-Hitchcock-Komponist Bernard Herrmann komponierte den Soundtrack

mit Julie Christie, Oskar Werner, Cyril Cusack, Anton Diffring, Jeremy Spenser

Hinweise

Wikipedia über Ray Bradbury (deutsch, englisch), „Fahrenheit 451“ (deutsch, englisch) und Francois Truffaut (deutsch, englisch, französisch)

Homepage von Ray Bradbury

Tagesspiegel: Denis Scheck interviewt Ray Bradbury (20. August 2008)

Arte über Francois Truffaut

Erster Teil meines Francois-Truffaut-Porträts (mit einer Besprechung von Emmanuel Laurents “Godard trifft Truffaut”)

Zweiter Teil meines Francois-Truffaut-Porträts: Die Antoine-Doinel-Filme

Francois Truffaut in der Kriminalakte

 


Die Nebula-Nominierungen 2012

Februar 26, 2012

Die Science Fiction and Fantasy Writers of America (SFWA) hat die Nominierungen für die diesjährigen Nebula Awards, den Ray Bradbury Award und den Andre Norton Award bekannt gegeben:

Novel

Among Others, Jo Walton (Tor)

Embassytown, China Miéville (Macmillan (UK); Del Rey; Subterranean Press) (als „Stadt der Fremden“ von Bastei-Lübbe für August 2012 angekündigt)

Firebird, Jack McDevitt (Ace Books) (als „Firebird“ von Bastei-Lübbe für September 2012 angekündigt)

God’s War, Kameron Hurley (Night Shade Books)

Mechanique: A Tale of the Circus Tresaulti, Genevieve Valentine (Prime Books)

The Kingdom of Gods, N.K. Jemisin (Orbit US; Orbit UK)

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Novella

Kiss Me Twice, Mary Robinette Kowal (Asimov’s Science Fiction, June 2011)

Silently and Very Fast, Catherynne M. Valente (WFSA Press; Clarkesworld Magazine, October 2011)

The Ice Owl, Carolyn Ives Gilman (The Magazine of Fantasy and Science Fiction, November/December 2011)

The Man Who Bridged the Mist, Kij Johnson (Asimov’s Science Fiction, October/November 2011)

The Man Who Ended History: A Documentary, Ken Liu (Panverse Three, Panverse Publishing)

With Unclean Hands, Adam-Troy Castro (Analog Science Fiction and Fact, November 2011)

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Novelette

Fields of Gold, Rachel Swirsky (Eclipse 4, Night Shade Books)

Ray of Light, Brad R. Torgersen (Analog Science Fiction and Fact, December 2011)

Sauerkraut Station, Ferrett Steinmetz (Giganotosaurus, November 2011)

Six Months, Three Days, Charlie Jane Anders (Tor.com, June 2011)

The Migratory Pattern of Dancers, Katherine Sparrow (Giganotosaurus, July 2011)

The Old Equations, Jake Kerr (Lightspeed Magazine, July 2011)

What We Found, Geoff Ryman (The Magazine of Fantasy and Science Fiction, September/October 2011)

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Short Story

Her Husband’s Hands, Adam-Troy Castro (Lightspeed Magazine, October 2011)

Mama, We are Zhenya, Your Son, Tom Crosshill (Lightspeed Magazine, April 2011)

Movement, Nancy Fulda (Asimov’s Science Fiction, March 2011)

Shipbirth, Aliette de Bodard (Asimov’s Science Fiction, February 2011)

The Axiom of Choice, David W. Goldman (New Haven Review, Winter 2011)

The Cartographer Wasps and the Anarchist Bees, E. Lily Yu (Clarkesworld Magazine, April 2011)

The Paper Menagerie, Ken Liu (The Magazine of Fantasy and Science Fiction, March/April 2011)

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Ray Bradbury Award for Outstanding Dramatic Presentation

Attack the Block, Joe Cornish (Drehbuch/Regie) (Optimum Releasing; Screen Gems)

Captain America: The First Avenger, Christopher Markus, Stephen McFeely (Drehbuch), Joe Johnston (Regie) (Paramount)

Doctor Who: The Doctor’s Wife, Neil Gaiman (Drehbuch), Richard Clark (Regie) (BBC Wales)

Hugo Cabret (Hugo), John Logan (Drehbuch), Martin Scorsese (Regie) (Paramount)

Midnight in Paris, Woody Allen (Drehbuch/Regie) (Sony)

Source Code, Ben Ripley (Drehbuch), Duncan Jones (Regie) (Summit)

Der Plan (The Adjustment Bureau), George Nolfi (Drehbuch/Regie) (Universal)

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Andre Norton Award for Young Adult Science Fiction and Fantasy Book

Akata Witch, Nnedi Okorafor (Viking Juvenile)

Chime, Franny Billingsley (Dial Books; Bloomsbury)

Daughter of Smoke and Bone, Laini Taylor (Little, Brown Books for Young Readers; Hodder & Stoughton)

Everybody Sees the Ants, A.S. King (Little, Brown Books for Young Readers)

The Boy at the End of the World, Greg van Eekhout (Bloomsbury Children’s Books)

The Freedom Maze, Delia Sherman (Big Mouth House)

The Girl of Fire and Thorns, Rae Carson (Greenwillow Books)

Ultraviolet, R.J. Anderson (Orchard Books; Carolrhoda Books)

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Die Preisverleihung ist während des SFWA’s 47th Annual Nebula Awards Weekend, das vom Donnersag, den 17. Mai, bis Sonntag, den 20. Mai im Hyatt Regency Crystal City in Arlington, Virginia stattfindet.

Einige der nominierten Autoren sind auch bei uns bekannt und einige nominierte Werke dürften auch übersetzt werden. Zwei Übersetzungen sind ja schon angekündigt.

(via Tor)


Kleinkram

August 27, 2011

Bei Spinetingler schreibt der Nerd of Noir über die Ken-Bruen-Verfilmung “Blitz” mit Jason Statham in der Hauptrolle.

Vern hat den Film ebenfalls gesehen und beiden hat er gefallen.

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Bei Mulholland Books hat Brian Lindenmuth eine Liste der zehn besten Noirs der letzten zehn Jahre (oder so) zusammengestellt. Daniel Woodrell und Rick DeMarinis sind dabei.

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Bei CrimeMag schreibt Roland Osswald, anläßlich der deutschen Veröffentlichung von Jim-Thompson-Debüt “Jetzt und auf Erden”, über Jim Thompson und das Buch.

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Dort gibt es auch ein Interview mit Thriller-Autor Jeremy Robinson.

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Mal sehen, wann es dieses Q&A über “Scarface” (das Remake) auch auf YouTube gibt. Bis dahin kann man es Crimespree Magazine ansehen.

Hier die Infos:

On Tuesday, August 23, 2011 at 8:15pm PT/11:15pm ET, Universal Studios Home Entertainment reunites the cast and filmmakers of the iconic underworld epic, SCARFACE in a special Q&A live from Los Angeles via Livestream. Stars Al Pacino, Steven Bauer, Robert Loggia, F. Murray Abraham and producer Martin Bregman will come together to celebrate the upcoming Blu-ray launch and legacy of the film that redefined the gangster genre forever and became a cultural touchstone for an entire generation.

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Bei IndieWire hat man sich Gedanken über das derzeitige Action-Kino gemacht: Chaos Cinema.

Sehenswert!

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Und hier gibt es eine kleine Sammlung von Filmenden, die so vom Studio gewünscht waren.

Mich hat bei der Sammlung überrascht, wie viele alte Filme aufgenommen wurden.

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In der taz denkt Thomas Groh über Science-Fiction-Filme als Stimmungsbarometer nach.

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Der Science-Fiction-Preis “Hugo” ist verliehen. Die glücklichen Gewinner sind:

Best Fan Artist

Presented by Stu Shiffman

  • Winner: Brad W. Foster
  • Randall Munroe
  • Maurine Starkey
  • Steve Stiles
  • Taral Wayne

Best Fanzine
Presented by David Cake

  • Winner: The Drink Tank, edited by Christopher J. Garcia and James Bacon
  • Banana Wings, edited by Claire Brialey and Mark Plummer
  • Challenger, edited by Guy H. Lillian III
  • File 770, edited by Mike Glyer
  • StarShipSofa, edited by Tony C. Smith

Best Fan Writer
Presented by John Coxon

  • Winner: Claire Brialey
  • James Bacon
  • Christopher J. Garcia
  • James Nicoll
  • Steven H. Silver

Best Semiprozine
Presented by David G. Hartwell

  • Winner: Clarkesworld, edited by Neil Clarke, Cheryl Morgan, Sean Wallace; podcast directed by Kate Baker
  • Interzone, edited by Andy Cox
  • Lightspeed, edited by John Joseph Adams
  • Locus, edited by Liza Groen Trombi and Kirsten Gong-Wong
  • Weird Tales, edited by Ann VanderMeer and Stephen H. Segal

Best Professional Artist
Presented by Boris Vallejo

  • Winner: Shaun Tan
  • Daniel Dos Santos
  • Bob Eggleton
  • Stephan Martiniere
  • John Picacio

Best Editor, Short Form
Presented by Ellen Datlow

  • Winner: Sheila Williams
  • John Joseph Adams
  • Stanley Schmidt
  • Jonathan Strahan
  • Gordon Van Gelder

Best Editor, Long Form
Presented by Ellen Asher

  • Winner: Lou Anders
  • Ginjer Buchanan
  • Moshe Feder
  • Liz Gorinsky
  • Nick Mamatas
  • Beth Meacham
  • Juliet Ulman

Best Dramatic Presentation, Short Form
Presented by George R. R. Martin

  • Winner: Doctor Who: “The Pandorica Opens/The Big Bang,” written by Steven Moffat; directed by Toby Haynes (BBC Wales)
  • Doctor Who: “A Christmas Carol,” written by Steven Moffat; directed by Toby Haynes (BBC Wales)
  • Doctor Who: “Vincent and the Doctor,” written by Richard Curtis; directed by Jonny Campbell (BBC Wales)
  • Fuck Me, Ray Bradbury, written by Rachel Bloom; directed by Paul Briganti
  • The Lost Thing, written by Shaun Tan; directed by Andrew Ruhemann and Shaun Tan (Passion Pictures)

Best Dramatic Presentation, Long Form
Presented by Bill Willingham

  • Winner: Inception, written and directed by Christopher Nolan (Warner)
  • Harry Potter and the Deathly Hallows: Part 1, screenplay by Steve Kloves; directed by David Yates (Warner)
  • How to Train Your Dragon, screenplay by William Davies, Dean DeBlois & Chris Sanders; directed by Dean DeBlois & Chris Sanders (DreamWorks)
  • Scott Pilgrim vs. the World, screenplay by Michael Bacall & Edgar Wright; directed by Edgar Wright (Universal)
  • Toy Story 3, screenplay by Michael Arndt; story by John Lasseter, Andrew Stanton & Lee Unkrich; directed by Lee Unkrich (Pixar/Disney)

Best Graphic Story
Presented by Trixe Pixie: Alexander James Adams, Betsy Tinney, S. J. Tucker

  • Winner: Girl Genius, Volume 10: Agatha Heterodyne and the Guardian Muse, written by Phil and Kaja Foglio; art by Phil Foglio; colors by Cheyenne Wright (Airship Entertainment)
  • Fables: Witches, written by Bill Willingham; illustrated by Mark Buckingham (Vertigo)
  • Grandville Mon Amour, by Bryan Talbot (Dark Horse)
  • Schlock Mercenary: Massively Parallel, written and illustrated by Howard Tayler; colors by Howard Tayler and Travis Walton (Hypernode)
  • The Unwritten, Volume 2: Inside Man, written by Mike Carey; illustrated by Peter Gross (Vertigo)

Best Related Book
Presented by Farah Mendlesohn

  • Winner: Chicks Dig Time Lords: A Celebration of Doctor Who by the Women Who Love It, edited by Lynne M. Thomas and Tara O’Shea (Mad Norwegian)
  • Bearings: Reviews 1997-2001, by Gary K. Wolfe (Beccon)
  • The Business of Science Fiction: Two Insiders Discuss Writing and Publishing, by Mike Resnick and Barry N. Malzberg (McFarland)
  • Robert A. Heinlein: In Dialogue with His Century, Volume 1: (1907–1948): Learning Curve, by William H. Patterson, Jr. (Tor)
  • Writing Excuses, Season 4, by Brandon Sanderson, Jordan Sanderson, Howard Tayler, Dan Wells

Best Short Story
Presented by David D. Levine

  • Winner: “For Want of a Nail” by Mary Robinette Kowal (Asimov’s, September 2010)
  • “Amaryllis” by Carrie Vaughn (Lightspeed, June 2010)
  • “Ponies” by Kij Johnson (Tor.com, November 17, 2010)
  • “The Things” by Peter Watts (Clarkesworld, January 2010)

Best Novelette
Presented by Nancy Kress

  • Winner: “The Emperor of Mars” by Allen M. Steele (Asimov’s, June 2010)
  • “Eight Miles” by Sean McMullen (Analog, September 2010)
  • “The Jaguar House, in Shadow” by Aliette de Bodard (Asimov’s, July 2010)
  • “Plus or Minus” by James Patrick Kelly (Asimov’s, December 2010)
  • “That Leviathan, Whom Thou Hast Made” by Eric James Stone (Analog, September 2010)

Best Novella
Presented by Robert Silverberg

  • Winner: “The Lifecycle of Software Objects” by Ted Chiang (Subterranean)
  • “The Lady Who Plucked Red Flowers beneath the Queen’s Window” by Rachel Swirsky (Subterranean Magazine, Summer 2010)
  • “The Maiden Flight of McCauley’s Bellerophon” by Elizabeth Hand (Stories: All New Tales, William Morrow)
  • “The Sultan of the Clouds” by Geoffrey A. Landis (Asimov’s, September 2010)
  • “Troika” by Alastair Reynolds (Godlike Machines, Science Fiction Book Club)

Best Novel
Presented by TimPowers

  • Winner: Blackout/All Clear by Connie Willis (Ballantine Spectra)
  • Cryoburn by Lois McMaster Bujold (Baen)
  • The Dervish House by Ian McDonald (Gollancz; Pyr)
  • Feed by Mira Grant (Orbit)
  • The Hundred Thousand Kingdoms by N.K. Jemisin (Orbit)

The John W. Campbell Award for Best New Writer
Presented by Stanley Schimdt and Seana McGuire

Award for the best new professional science fiction or fantasy writer of 2009 or 2010, sponsored by Dell Magazines (not a Hugo Award).

  • Winner: Lev Grossman
  • Saladin Ahmed
  • Lauren Beukes
  • Larry Correia
  • Dan Wells

TV-Tipp für den 7. August: Fahrenheit 451

August 7, 2011

3sat, 23.50

Fahrenheit 451 (GB 1966, R.: Francois Truffaut)

Drehbuch: Francois Truffaut, Jean-Louis Richard

LV: Ray Bradbury: Fahrenheit 451, 1953 (Fahrenheit 451)

Im Rahmen des heutigen Thementages „Spirit of the Sixties: Die 60er Jahre“ zeigt 3sat heute Truffauts selten gezeigten Anti-Utopie, in der Bücher, weil sie subversive Gedanken enthalten, verboten sind. Feuerwehrmann Montag erfüllt brav seine Pflicht und verbrennt Bücher, bis er Clarissa kennenlernt und zunehmend an seinem Leben und seinem Tun zweifelt.

Der spätere Regisseur Nicholas Roeg war der Kameramann und Alfred-Hitchcock-Komponist Bernard Herrmann komponierte den Soundtrack

mit Julie Christie, Oskar Werner, Cyril Cusack, Anton Diffring, Jeremy Spenser

Hinweise

Wikipedia über Ray Bradbury (deutsch, englisch), „Fahrenheit 451“ (deutsch, englisch) und Francois Truffaut (deutsch, englisch, französisch)

Homepage von Ray Bradbury

Tagesspiegel: Denis Scheck interviewt Ray Bradbury (20. August 2008)

 


„Alfred Hitchcock präsentiert“ ganz viel Hitchcock

November 13, 2009

Alfred Hitchcock wagte in seinen Filmen immer wieder Experimente. Ein Film, der in einem Rettungsboot spielt. Ein Film, der in Echtzeit spielt und ohne Schnitt inszeniert wurde. Ein Film, der aus der Perspektive eines an seinen Rollstuhl in seinem Zimmer gefesselten Mannes inszeniert wurde.

In der Episode „Scheintot“, die Alfred Hitchcock für „Alfred Hitchcock präsentiert“ inszenierte, treibt er dieses Spiel weiter. Joseph Cotten spielt einen hartherzigen Unternehmer, der auf einer Autofahrt verunglückt. Er liegt so unglücklich, dass er sich überhaupt nicht mehr bewegen kann. Der halbe Film sieht wie ein Standbild aus. Denn die Kamera beobachtet Cotten, der nicht mit der Wimper zuckt und im Voiceover erzählt, was er fühlt und wie er sich (erfolglos) bemerkbar machen will.

In „Die Schlange im Bett“ erzählte Hitchcock eine ähnliche Geschichte. Dieses Mal behauptet Harry Pope, dass in seinem Bett eine Giftschlange ist. Sein Kumpel beschließt, leicht amüsiert, ihm zu glauben. Denn Pope ist ein Trinker.

Die meisten anderen Geschichten, die auf der DVD „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“ versammelt sind, beschränken sich nicht nur auf einen Raum und einen so kurzen Zeitraum. Aber spannend sind sie alle und die Pointe ist auch immer gelungen, oft schwarzhumorig und meistens überraschend. Denn einige Endtwists sind heute doch schon zu bekannt oder, wie in „Der Kristallgraben“, arg vorhersehbar. Einige Geschichten, wie „Der geheimnisvolle Nachbar“ enden auch überraschend harmlos (Nein, ich werde jetzt keine Enden verraten!).

In der sehr Hitchcock-typischen Episode „Nasser Samstag“ zeigt ein Familienoberhaupt auf einem noblen Landsitz, was er alles zum Schutz seiner Familie unternimmt.

In vielen Geschichten soll allerdings nicht der gute Ruf der Familie geschützt werden, sondern ein Ehepartner will den anderen umbringen. Mal geht es um die persönliche Freiheit, aber oft auch nur um den schnöden Mammon, und am Ende macht immer wieder um einen kleinen Fehler, der den schönen Plan zunichte. In „Das zweite Inserat“ zerstört dagegen ein von einem älteren Arbeiter (Oskar Homolka) gefundener, prall gefüllter Geldbeutel seine glückliche Ehe.

Und wenn die Geschichte mal nicht so toll ist, gibt es immer noch die Möglichkeit für einen schauspielerischen Glanzauftritt, wie in „…und so starb Riabouchinska“. In dieser Episode, nach einer Geschichte von Ray Bradbury, spielt Claude Rains einen in seine Puppe verliebten Bauchredner. In „Draußen in der Dunkelheit“ hat Bette Davis als ältliche, allein mit ihrem Pudel in einem Apartment lebende Witwe diesen Auftritt. Es ist, wie viele Geschichten in „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“ auch die Geschichte eines Irrtums mit fatalen Folgen.

Als Bonusmaterial gibt es eine informative, kurze Doku über die Serie „Alfred Hitchcock präsentiert“ und zwei weitere TV-Arbeiten von Alfred Hitchcock, die er für andere Reihen inszenierte. „Zwischenfall an der Straße“ ist eine harmlose, etwas längliche Geschichte mit einem interessanten Anfang (der Zwischenfall wird aus mehreren Perspektiven gezeigt) über falsche Anschuldigungen und das Einstehen für sein Recht. Harmlos ist die Geschichte allerdings nur, weil niemand ermordet wird. Denn üble Nachrede (ein alter Mann, der als Schülerlotse arbeitet, wird anonym beschuldigt, ein Kind unsittlich berührt zu haben) und die Angst des Betroffenen und seiner Familie, sich dagegen zu wehren, sind für eine Gemeinschaft letztendlich viel zerstörerischer.

Die Bombe im Keller“ ist, nach einer Geschichte von Cornell Woolrich, Suspense pur. Ein Mann will mit einer Bombe, die um vier Uhr losgeht, seine Frau umbringen. Er wird im Keller eingesperrt und versucht nun verzweifelt vor der Explosion aus dem Haus zu entkommen.

Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“ enthält mit den beiden Bonusfilmen 27 spannende Krimis, die öfters auch ohne einen Mord auskommen und heute immer noch gut unterhalten können. Denn die Charaktere sind genau gezeichnet, die Geschichten stringent zur finalen Überraschung hin entwickelt, die Kamera angenehm zurückhaltend und die Schauspieler spielen gut. Wie schon bei den vorherigen Episoden von „Alfred Hitchcock präsentiert“ und „Alfred Hitchcock zeigt“ gefallen mir die älteren Schauspielerinnen und Schauspieler etwas besser als die damals noch jungen Stars. So bleibt Roger Moore als Ermittler sehr blass und Charles Bronson hat noch nicht seine spätere stoische Form gefunden. Wie bei den vorherigen Hitchcock-Boxen sind auch in „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“ etliche Episoden enthalten, die bislang im deutschen Fernsehen noch nicht gezeigt wurden. Die gibt es dann als Original mit Untertitel.

Außerdem sind jetzt alle Fernseharbeiten von Alfred Hitchcock auf DVD erhältlich.

Alfred Hitchcock präsentiert - Teil 2

Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2

Koch Media, 2009

Laufzeit: 732 Minuten

Bild: 1,33:1 (4:3)

Sprachen: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Zwischenfall an der Straße (Incident at a corner), Die Bombe im Keller (Four O’Clock), Alfred Hitchcock präsentiert: Ein Blick zurück, deutsche Intros, Booklet

FSK: ab 12 Jahre

 

enthält

Rache (Revenge, USA 1955)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Francis M. Cockrell

LV: Samuel Blas

mit Ralph Meeker, Vera Miles, Frances Bavier, Ray Montgomery

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Scheintot (Breakdown, USA 1955)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Francis M. Cockrell, Louis Pollock (auch Geschichte)

mit Joseph Cotten, Aaron Spelling (einer der wenigen Leinwandauftritte des später erfolgreichen TV-Produzenten, hier als Straßenarbeiter)

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Massarbeit (Back for Christmas, USA 1956)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Francis M. Cockrell

LV: John Collier

mit John Williams, Isobel Elsom

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Nasser Samstag (Wet Saturday, USA 1956)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Marian B. Cockrell

LV: John Collier

mit Cedric Hardwicke, John Williams, Tita Purdom

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Der geheimnisvolle Nachbar (Mr. Blanchard’s Secret, USA 1956)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Sarett Rudley

LV: Emily Neff

mit Robert Horton, Meg Mundy, Mary Scott

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Das perfekte Verbrechen (The perfect crime, USA 1957)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Stirling Silliphant

LV: Ben Ray Redman

mit Vincent Price, James Gregory, Gavin Gordon

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Post Mortem (Post Mortem, USA 1958)

Regie: Arthur Hiller

Drehbuch: Robert C. Dennis

LV: Cornell Woolrich

mit Steve Forrest, Joanna Moore, James Gregory

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Ein riskanter Sprung (A dip in the pool, USA 1958)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Robert C. Dennis

LV: Roald Dahl

mit Keenan Wynn, Fay Wray, Philip Bourneuf

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Die Schlange im Bett (Poison, USA 1958)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Casey Robinson

LV: Roald Dahl

mit Wendell Corey, James Donald, Arnold Moss

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Draußen in der Dunkelheit (Out there, darkness, USA 1959)

Regie: Paul Henreid

Drehbuch: Bernard C. Schoenfeld

LV: William O’Farrell

mit Bette Davis, Frank Albertson, James Congdon, Arthur Marshall

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Der Schmuck der Lady Avon (The Avon Emeralds, USA 1959)

Regie: Bretaigne Windust

Drehbuch: William Fay

LV: Joe Piddock

mit Roger Moore, Hazel Court

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Der Kristallgraben (The Crystal Trench, USA 1959)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Sterling Silliphant

LV: A. E. W. Mason

mit James Donald, Patrick Owens, Werner Klemperer, Patrick Macnee

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Mama, darf ich schwimmen gehen? (Mother, May I go out to swim?, USA 1960)

Regie: Herschel Daugherty

Drehbuch: James P. Cavanagh

LV: Q. Patrick

mit William Shatner, Gia Scala, Jessie Royce Landis

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Die Wette (The Horse player, USA 1961)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Henry Slesar

LV: Henry Slesar

mit Claude Rains, Ed Gardner

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Die richtige Medizin (The right kind of medicine, USA 1961)

Regie: Alan Crosland Jr.

Drehbuch: Henry Slesar

mit Robert Redford

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Ohne jede Spur (Into thin air, USA 1955)

Regie: Don Medford

Drehbuch: Marian B. Cockrell

mit Patricia Hitchcock, Geoffrey Toone, Alan Napier

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…und so starb Riabouchinska (And so died Riabouchinska, USA 1956)

Regie: Robert Stevenson

Drehbuch: Mel Dinelli

LV: Ray Bradbury

mit Claude Rains, Charles Bronson, Claire Carleton

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Tödliches Rezept (The perfect murder, USA 1956)

Regie: Robert Stevens

Drehbuch: Victor Wolfson

LV: Stacy Aumonier

mit Mildred Natwick, Hurd Hatfield, Philip Coolidge

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Ein Portrait von Jacqueline (Portrait of Jocelyn, USA 1956)

Regie: Robert Stevens

Drehbuch: Harold Swanton

LV: Edgar Marvin

mit Philip Abbott, Nancy Gates, John Baragrey

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Das zweite Inserat (Reward to finder, USA 1957)

Regie: James Neilson

Drehbuch: Frank Gabrielson

LV: F. J. Smith

mit Oskar Homolka, Jo Van Fleet, Claude Akins

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Die ganz Zarte (The young one, USA 1957)

Regie: Robert Altman

Drehbuch: Sarett Rudley

LV: Phillip S. Goodman, Sandy Sax

mit Vince Edward, Carol Lynley, Stephen Joyce, Jeanette Nolan

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Der Unwiderstehliche (The Deadly, USA 1957)

Regie: Don Taylor

Drehbuch: Robert C. Dennis

LV: Lawrence Treat

mit Phyllis Thaxter, Lee Philips, Craig Stevens

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Das ideale Haus (The right kind of house, USA 1958)

Regie: Don Taylor

Drehbuch: Robert C. Dennis

LV: Henry Slesar

mit Robert Emhardt, Jeanette Nolan, James Drury

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Treue um Treue (Mrs. Bixby and the Colonel’s Coat, USA 1960)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Halsted Welles

LV: Roald Dahl

mit Audrey Meadows, Les Tremayne, Sally Hughes

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Mrs. Chistel – das ist keine Lösung (You can’t trust a man, USA 1961)

Regie:Paul Henreid

Drehbuch: Helen Nielsen

LV: Helen Nielsen

mit Polly Bergen, Frank Albertson, Joe Maross

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Bonusfilme

Zwischenfall an der Straße (Incident at a corner, USA 1960)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Charlotte Armstrong

LV: Charlotte Armstrong

mit George Peppard, Vera Miles

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Die Bombe im Keller (Four O’Clock, USA 1957)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Francis M. Cockrell

LV: Cornell Woolrich

mit E. G. Marshall, Harry Dean Stanton

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Hinweise

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2“

 


Kleinkram

Oktober 2, 2009

Schnittberichte vergleicht die Kinoversion von “The Big Sleep” (yep, die Raymond-Chandler-Verfilmung “Tote schlafen fest” mit Humphrey Bogart und Lauren Bacall) mit einer früheren Version. Filmhistorisch sehr interessant.

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Die Nordsee-Zeitung hat sich mit den Drehbuchautoren Benedikt Röskau und Syliva Leuker unterhalten. Der aktuelle Anlass waren ihre Filme “Faktor 8″ und “Über den Tod hinaus”. Aber es wird auch über andere Dinge gesprochen.

Röskau: Authentizität ist uns enorm wichtig. Das erwarten die Leute in erzählerischen Medien. Selbst ein Film wie “Wickie und die starken Männer” muss eine gewisse Authentizität haben. Man sieht dann eben nicht den Wikinger, sondern den eigenen Chef in diesem oder jenem grobschlächtigen Kerl. Bei “Faktor 8″ war mir zum Beispiel wichtig, dass nicht amerikanisiert wurde und das Geschehen in einem Airbus spielt. Man spürt einfach, dass das ein deutsches Flugzeug ist.

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Der Independent hat mit Philip Kerr über seine derzeitige Lektüre, sein Schreibzimmer und Vorbilder gesprochen.

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Financial Times mit Ian Banks (der sich bei uns als SF- und Thriller-Autor nie so richig durchsetzen konnte.). Unter anderem über sein Tagespensum:

In theory, yes; I start at 9am and finish at 5pm, five days a week, for two or three winter months. In practice, a lot gets done between 4am and 8am. Then I go back to bed.

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Bei Random House erzählt James Ellroy einiges über sein neues Buch “Blood’s a rover”:

Truth be told, it’s markedly less complex than The Cold Six Thousand and slightly more complex than American Tabloid. The historical period–1968-1972–is less iconic than the periods covered in the first two books; thus, I had greater latitude to fictionalize. Again, this is a novel of outward revolution and revolution of the soul. There is greater dialectic in this novel than in my previous twelve novels combined. How did I keep the storyline straight? I wrote a 397-page outline, that laid out the action, down to the most minute detail. Meticulousness, diligence, profoundly rigorous work habits all contributed to the greatness of this novel.

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Die Oktober-Ausgabe von The Big Thrill (dem Magazin der International Thriller Writers) ist online. Es gibt unter anderem Porträts und Interviews mit Cindy Gerard, Mark Nykanen, Alex Kava, Dave Zeltserman, Tom Piccirilli, Jason Pinter, John Lutz (Yeah, er schreibt immer noch.),  und Jeffery Deaver.

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Via Krimileser Bernd (der die Bücher auch alle gelesen hat) gibt es die Nominierungen für den diesjährigen Hammett-Preis:

- Leading Lady von Heywood Gould

- The Finder von Colin Harrison

- City of the Sun von David Levien

- The Turnaround von George Pelecanos

- South by South Bronx von Abraham Rodriguez

Verliehen wird der Preis am Wochenende von der International Association of Crime Writers/North American Branch.

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Comics am Bildschirm lesen ist zwar blöd, aber bei Tim Hamiltons Adaption von Ray Bradburys Klassiker “Fahrenheit 451″ machen wir eine Ausnahme: Teil 1, Teil 2 - und den dritten Teil gibt es am Dienstag bei Tor (die den Oktober zum Steampunk-Month erklärt haben).

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Wegen der Vollständigkeit: Leonardo DiCaprio spielt vielleicht Travis McGee.


„Alfred Hitchcock präsentiert“ zwanzig mal halbstündige Spannung

April 21, 2009

Alfred Hitchcock erklärte Suspense oft am Beispiel der Männer, die Karten spielen, während unter ihrem Tisch eine Bombe tickt. Sie wissen nichts von der Bombe. Wir wissen, wann die Bombe explodiert und hoffen, dass sie vorher mit ihrem Spiel aufhören, weggehen oder die Bombe entdecken. Alfred Hitchcock hätte Suspense auch anhand fast jeder der jetzt auf DVD erschienenen zwanzig halbstündige Folgen von „Alfred Hitchcock präsentiert“ erklären können.

Wie schon bei den beiden aufwändig gestalteten und absolut empfehlenswerten „Alfred Hitchcock zeigt“-Boxen, die jeweils zehn Folgen der ab 1962 einstündigen Krimiserie enthalten, sind in „Alfred Hitchcock präsentiert“ einige der vom Meister selbst inszenierten Folgen, einige von inzwischen bekannten Regisseuren, die damals noch am Anfang ihrer Karriere standen, einige mit heute bekannten Schauspielern (wie Steve McQueen, Walter Matthau, George Peppard und Burt Reynolds) und, insgesamt, einfach gute Krimis enthalten. Einige Folgen wurden bereits in den Sechzigern, teilweise gekürzt, im deutschen Fernsehen gezeigt. Einige wurden, wozu auch die klassische, für zwei Emmys nominierte Folge „Mordwaffe: Lammkeule“ gehört, erst 1999 im WDR als Originalfassung mit Untertiteln gezeigt und einige, wie Robert Altmans „Auf immer und ewig“ (mit Joseph Cotten), sind DVD-Premieren.

„Mordwaffe: Lammkeule“, vom Meister Alfred Hitchcock selbst nach einem Drehbuch von Roald Dahl inszeniert, ist ein grandioses Beispiel für seinen schwarzen Humor und jeder dürfte die Geschichte kennen: Die schwangere Ehefrau (grandios gespielt von Barbara Bel Geddes) erschlägt, nachdem er ihr sagt, er werde sich von ihr scheiden lassen, mit einer Lammkeule ihren untreuen Ehemann. Anschließend schiebt sie die Lammkeule in den Ofen, verschafft sich ein improvisiertes Alibi und ruft die Polizei an. Während der Detective in der Wohnung ermittelt, hoffen wir, dass sie ungestraft davon kommt. Am Ende serviert sie den ausgehungerten Polizisten das Abendessen. Sie beginnen dankbar zu essen und der Ermittler sagt, während sie genussvoll die Lammkeule verzehren: „Wahrscheinlich haben wir die Mordwaffe direkt vor der Nase.“ Gleichzeitig fährt die Kamera auf die im Nebenzimmer sitzende, lächelnde Mörderin.

Mehr klassische Suspense gibt es in den ebenfalls von Hitchcock inszenierten Folgen „Peng! Du bist tot“ und „Die Leiche im Kofferraum“. In der ersten Geschichte gelangt zufällig ein geladener Revolver in die Hände eines Jungen, der als Cowboy verkleidet durch die Vorstadt läuft und mit dem Revolver immer wieder auf Leute schießt. Die ganze Folge wird von der Frage beherrscht, wann sich ein Schuss löst.

In der zweiten Geschichte versteckt ein Mann seine tote Frau im Kofferraum. Er will ihre Leiche wegbringen. Allerdings ist sein Rücklicht defekt und ein hilfsbereiter Polizist beginnt ihn zu verfolgen.

Robert Altmans „Auf immer und ewig“ ist ein weiteres gutes Beispiel für Suspense. Am Vorabend des langen Weihnachtswochenendes bringt der reich verheiratete Playboy Tony Gould (Joseph Cotten) seine heimliche Geliebte, die ihn unbedingt heiraten will, um. Dummerweise ist er jetzt mit ihr in einem Eckzimmer in einem verlassenen Bürohaus eingesperrt. Er versucht, ohne entdeckt zu werden, aus dem Raum zu entkommen.

Suspense der etwas anderen Art gibt es in „Schweigen ist Silber“. Ein Vater versucht seinen sehr lebhaften Jungen auf einer Zugfahrt für einige Minuten zum Schweigen zu bringen. Die Gelegenheit ergibt sich, als ihnen im auf der Strecke stehen gebliebenen Zug, ein Mitreisender eine Geschichte erzählen will. Der Vater sagt dem Jungen, dass er eine wertvolle Münze nur erhalte, wenn er der Geschichte des Mitreisenden schweigend zuhöre. Während dieser spricht, sieht der Junge, wie jemand von außen an die vereiste Fensterscheibe klopft. Der Junge ist hin und hergerissen, zwischen schweigen oder den anderen von dem draußen Erfrierenden zu erzählen. Dieser Konflikt ist so spannend, dass man der Geschichte des Mitreisenden überhaupt nicht mehr zuhört.

Schwarzhumoriges gibt es nicht nur in den Präsentationen von Alfred Hitchcock. Auch einige Episoden sind schwarzhumorige Kabinettstücke. Da wäre der ultrageizige Gatte in „Wer soll das bezahlen?“. Einerseits möchte er seine plötzlich allzu spendable Frau umbringen. Andererseits sollte das möglichst billig vonstatten gehen.

Oder in „Ein Fressen für die Hühner“. In der von Hitchcock inszenierten Geschichte erzählt Laurence Harvey (Botschafter der Angst) als Chef einer riesigen, modernen Hühnerfarm seelenruhig von dem perfekten Mord.

Besonders „Das gute Geschirr“ ist, wie öfters in „Alfred Hitchcock präsentiert“ und in „Alfred Hitchcock zeigt“, eine (schwarzhumorige) Sternstunde für ältere Schauspielerinnen. In dieser Episode spielen Estelle Winwood (geb. 1883), Elizabeth Patterson (geb. 1875), Ellen Corby (geb. 1911, sie war später die Grandma bei den „Waltons“) und Ida Moore (geb. 1882) noch einmal groß auf. Die Damen verlieben sich in den gegenüber eingezogenen, gut aussehenden Inspektor. Da trifft es sich gut, dass gerade eine von ihnen verschieden ist. Kurz darauf stirbt eine weitere von ihnen und der nette Polizist muss wieder zu ihnen kommen.

Auch „Wohl dem, der lügt“ ist vor allem eine halbe Stunde für Herbert Marshall (geb. 1890), der als alter Schauspieler während eines Abends verzweifelt versucht eine Rolle in einem Theaterstück zu ergattern.

Die Ray-Bradbury-Verfilmung „Eine Marionetten-Bescherung“ ist eigentlich eine Science-Fiction-Geschichte. In ihr ersetzt ein Mann sich durch einen Roboter, der seine Frau abends unterhält, während er in die Kneipe geht. Aber der Roboter entwickelt einen eigenen Willen.

Auch Fredric Browns „Geschichten, die das Leben schreibt“ mit dem jungen Steve McQueen als Zeitungsreporter spielt mit der Wirklichkeit. Denn er soll sich mit einem Mann unterhalten, der behauptet, ein Marsmensch zu sein.

Es gibt sogar einer einen fast klassischen Whodunit in „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“. In „Das Geständnis“, einer weiteren von Hitchcock inszenierten Episode, will ein Inspektor bei einem Abendessen den Mörder überführen, indem er den Geist der Toten wiederauferstehen lässt.

Für Albert Pelham ist in der ebenfalls von Alfred Hitchcock inszenierten Episode „Der Doppelgänger“ dagegen sein Leben der nackte Horror. Denn er glaubt, dass ein Anderer ihm sein Leben stehlen will, indem er sich als Albert Pelham ausgibt. Aber niemand scheint Pelham glauben zu wollen, dass es erstens den Doppelgänger gibt und zweitens er der echte Mr. Pelham ist. Das gewohnt überraschende Ende zeigt dann eine ungeahnte Dimension des Horrors.

Gerne erzählen die Macher von „Alfred Hitchcock präsentiert“ Geschichten aus der Sicht des Täters oder des Opfers; – wobei am Ende oft der Täter das Opfer ist, und umgekehrt. Das gilt für „Vorteil Rückschläger“. In dieser von Arthur Hiller inszenierten Episode soll ein in einem Wettbüro Angestellter herausfinden, warum einer ihrer guten Kunden seit drei Monaten nicht mehr wettete. Er trifft dessen schöne Frau, die ihm sagt, ihr Mann sei vor sechs Monaten gestorben. Er will das Rätsel lösen.

In der von Henry Slesar geschriebenen Folge „Perlen, Perlen“ versucht ein Schmuckhändler an eine zweite Perle, die er teuer verkaufen will, zu gelangen. Aber wer betrügt hier wen? Der distinguierte Händler den Kunden, einen stinkreichen, in eine junge Frau verliebten Gockel? Der Verkäufer, ein heruntergekommener, trinkfreudiger Seefahrer, den Händler? Oder die junge Frau die Männer?

Ebenfalls von Henry Slesar ist die geradlinige Gangstergeschichte „Davie hat keine Nerven“ mit Walter Matthau als Profigangster. Nach einem Überfall muss er mit seinem jungen, nervösem Komplizen untertauchen. Als sie erfahren, dass es eine von der Polizei bewachte Zeugin gibt, will der Ältere herausfinden, was sie genau gesehen hat. Als falscher Polizist, in einer schmucken Uniform, geht er zu ihr.

In „Scheidung auf amerikanisch“, dem Regiedebüt von Gordon Hessler, bereitet ein von seiner herrischen Frau gequälter Mann (Martin Balsam) alles für einen baldigen Todesfall vor. Wie so oft gehören auch hier die Sympathien dem Täter.

„Galgenfrist“ ist dagegen eine handfeste Abenteuergeschichte. In Mexiko versucht ein Bauleiter, trotz unrealistischem Zeitplan, fristgerecht einen Tunnel durch einen Berg zu graben. Mit einem neuen Assistenten könnte das Unternehmen gelingen. Aber der Bauleiter glaubt, dass der ein flüchtiger Mörder ist und alles tun wird, um nicht der Justiz ausgeliefert zu werden.

Flüchtige Verbrecher spielen auch in „Flucht nach Sonoita“ eine Rolle. Die von Stuart Rosenberg inszenierte Folge hat mit Burt Reynolds und Harry Dean Stanton gleich zwei bekannte Namen. Zwei Verbrecher klauen in der Wüste, nach einem Unfall, einen Tanklaster und lassen den alten Fahrer, der die Gegend wie seine Westentasche kennt, seinen Beifahrer und ihre Geisel ohne Wasser zurück. Aber der Fahrer hat noch ein Ass im Ärmel.

Etwas weiter südlich, in Mexiko, hat ein junges amerikanisches Ehepaar in „Eine wertvolle Leiche“ mit ihrer plötzlich verstorbenen Schwiegermutter Probleme. Denn die Engländerin ist illegal mit ihnen nach Mexiko eingereist und das unauffällige zurückbringen der Leiche ist schwieriger als gedacht. George Peppard spielt den netten Schwiegersohn. Peter Lorre den schmierigen, aber dafür gegen Geld umso hilfsbereiteren Privatdetektiv, der, wie alle, mit der Toten seinen Schnitt machen will.

Für ungefähr fünfzig Jahre alte Fernsehsendungen sind das Bild und der Ton, auch verglichen mit den etwa zeitgleich entstandenen deutschen Francis-Durbridge-Verfilmungen, erstaunlich gut. Die Trailer zu vier Hitchcock-Filmen dürften in der Originalfassung bereits bekannt sein. Die deutsche Synchronisation ist dagegen unbekannter und daher sind sie eine nette Beigabe. Sehr lobenswert ist, wie bereits bei „Alfred Hitchcock zeigt“, das informative Booklet.

Und in den zwanzig halbstündigen Episoden werden auch für heutige Sehgewohnheiten noch sehr spannende und effizient erzählte Geschichten mit überraschenden Schlusspointen präsentiert.

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Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1

(Alfred Hitchcock presents)

Koch Media, 2009

Laufzeit: ca. 495 Minuten (3 DVDs)

Bildformat: 1,33:1 (4:3)

Sprachen: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: 12-seitiges Booklet mit Episodenguite, Deutsche Kinotrailer für „Psycho“, „Die Vögel“, „Marnie“ und „Frenzy“

FSK: ab 16 Jahre

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Enthält

Das gute Geschirr (Bull in a China Shop, USA 1958)

Regie: James Neilson

Drehbuch: Sarett Rudley

LV: C. B. Gilford: Bull in a China Shop (in “Ellery Queen’s Mystery Magazine”, September 1957; Elefant im Porzellanladen)

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Vorteil Rückschläger (Disappearing Trick, USA 1958)

Regie: Arthur Hiller

Drehbuch: Kathleen Hite

LV: Victor Canning: Disappearing Trick (in “Argosy”, 1955; Der Trick zu verschwinden)

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Wohl dem, der lügt (Little White Frock, USA 1958)

Regie: Herschel Daugherty

Drehbuch: Stirling Silliphant

LV: Stacey Aumonier: Little White Frock (in „The Love-a-duck and other stories, 1921)

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Schweigen ist Silber (Don’t interrupt, USA 1958)

Regie: Robert Stevens

Drehbuch: Sidney Carroll

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Eine Marionetten-Bescherung (Design for loving, USA 1958)

Regie: Robert Stevens

Drehbuch: Ray Bradbury

LV: Ray Bradbury: Marionettes, Inc. (in „Startling Stories“, März 1949, und „The illustrated man“, 1951; Marionetten, e. V.)

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Galgenfrist (A personal Matter, USA 1959)

Regie: Paul Henreid

Drehbuch: Joel Murcott

LV: Brett Halliday: Human Interest Stuff (in “Ellery Queen’s Mystery Magazine”, September 1946)

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Das Geständnis (Banquo’s Chair, USA 1959)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Francis Cockrell

LV: Rupert Croft-Cooke: Banquo’s Chair (in „Pharoah and his Waggons and other stories”, 1937)

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Wer soll das bezahlen? (Cheap is Cheap, USA 1959)

Regie: Bretaigne Windust

Drehbuch: Albert E. Lewin, Burt Styler

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Scheidung auf Amerikanisch (Final Arrangements, USA 1961)

Regie: Gordon Hessler

Drehbuch: Robert Arthur

LV: Lawrence A. Page: Final Arrangements (in “Alfred Hitchcock’s Mystery Magazine”, September 1957)

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Perlen, Perlen (The matched Pearl, USA 1962)

Regie: Bernard Girard

Drehbuch: Henry Slesar

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Davie hat keine Nerven (Cop for a Day, USA 1961)

Regie: Paul Henreid

Drehbuch: Henry Slesar

LV: Henry Slesar: Cop for a Day (in „Manhunt“, Januar 1957, und „A crime for mothers and others”, 1962)

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Geschichten, die das Leben schreibt (Human Interest Story, USA 1959)

Regie: Norman Lloyd

Drehbuch: Fredric Brown

LV: Fredric Brown: The last Martian (in „Galaxy Science Fiction Magazine“, Oktober 1950, und „Honeymoon in Hell“, 1958)

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Flucht nach Sonoita (Escape to Sonoita, USA 1960)

Regie: Stuart Rosenberg

Drehbuch: James A. Howard, Bill S. Ballinger

LV: James A. Howard: Escape to Sonoita (in “Suspense”, Oktober 1959; Flucht nach Sonoita)

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Eine wertvolle Leiche (The diplomatic Corpse, USA 1957)

Regie: Paul Henreid

Drehbuch: Robert C. Dennis (nach einer Geschichte von Alec Coppel)

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Der Doppelgänger (The Case of Mr. Pelham, USA 1955)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Francis Cockrell

LV: Anthony Armstrong: The Case of Mr. Pelham (in “Esquire”, 1940)

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Die Leiche im Kofferraum (One more Mile to go, USA 1957)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: James P. Cavanagh

LV: George F. J. Smith: One more Mile to go (in „Manhunt“, Juni 1956, und „Best Detective Stories of the Year, 1957)

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Peng! Du bist tot (Bang! You’re dead, USA 1961)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Harold Swanton

LV: Margery B. Vosper: Bang, You’re dead (Hörspiel)

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Mordwaffe: Lammkeule (Lamb to the Slaughter, USA 1958)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Roald Dahl

LV: Roald Dahl: Lamb to the Slaughter (in „Harper’s Magazine“, September 1953, und „Someone like you“, 1953; Lammkeule)

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Ein Fressen für die Hühner (Arthur, USA 1959)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: James P. Cavanagh

LV: Arthur Williams: Being a Murderer myself (in „Ellery Queen’s Mystery Magazine“, August 1948, und „The Queen’s Awards“, 1949)

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Auf immer und ewig (Together, USA 1958)

Regie: Robert Altman

Drehbuch: Robert C. Dennis (nach einer Idee von Alec Coppel)

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Hinweise

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2“


Alfred Hitchcock zeigt weitere Beispiele für schlechtes Benehmen

Oktober 9, 2008

In den Sechzigern gehörte die „Alfred Hitchcock Hour“ nach „Alfred Hitchcock presents“ zu den langlebigen und beliebten Programmen des US-amerikanischen Fernsehens. Hitchcock selbst gab seinen Namen und sprach die Zwischentexte. Seine Popularität erreichte ungeahnte Ausmaße. In Deutschland zeigte das Erste nur zwölf von dreiundneunzig Folgen, die jetzt, zusammen mit dem ersten Teil der DVD-Kollektion „Alfred Hitchcock zeigt“, alle auf DVD veröffentlicht sind. Außerdem sind im zweiten Teil der DVD-Ausgabe von „Alfred Hitchcock zeigt“ wieder mehrere bis heute in Deutschland noch nie gezeigte, verdammt gute Episoden enthalten. Ergänzt werden die zehn, jeweils knapp einstündigen Episoden, wie schon im ersten Teil von „Alfred Hitchcock zeigt“, durch die deutschen Originalvorspänne und ein 48-seitiges informatives Booklet, das allerdings erst nach dem Genuss der Filme gelesen werden sollte, weil manchmal die Schlusspointe verraten wird. Und diese ist fast immer sehr gelungen.

Manchmal, wie in „Murder Case“ (Alte Liebe rostet nicht), ist sie heute nicht mehr so überraschend. Gena Rowlands und John Cassavetes spielen ein Liebespaar. Cassavetes will den Ehemann von Rowlands umbringen. Dass sein perfekter Mordplan schief geht, ist keine Überraschung. Das wie schon – wenn Sie lange keinen Krimi mehr gesehen haben. Aber dafür entschädigen natürlich die Schauspieler und die ökonomisch erzählte Geschichte. Immerhin stammt das Drehbuch von James Bridges, einem Stammautor der „Alfred Hitchcock Hour“, und dem damals jungen Team William Link/Richard Levinson, die vor allem als Erfinder von „Columbo“, „Mannix“ und „Murder, She Wrote“ (Immer wenn Sie Krimi schrieb…, Mord ist ihr Hobby) bekannt sind.

„Night Caller“ (Der letzte Anruf), „Ten Minutes from now“, „Body in the Barn“ (Wer andern eine Grube gräbt), „An unlocked Window“, „The Trap“ (Die Falle), „Power of Attorney“ (Generalvollmacht) und „Off Season“ sind spannende Kriminalfilme. „The Sign of Satan“ und „The Life Work of Juan Diaz“ gehen dagegen in Richtung Horrorfilm. Und „Sign of Satan“ ist mit Christopher Lee, bei seinem ersten Hollywood-Ausflug, auch grandios besetzt. Er spielt den österreichischen Schauspieler Karl Jorda, der in einem nur in elitären Kreisen gezeigtem Horrorfilm als Führer eines satanischen Kultes einen Hollywood-Produzenten überzeugte, der ihn für eine ähnliche Rolle engagiert. Jorda nimmt an. Aber am Filmset verhält er sich seltsam. Außerdem behauptet er, dass er von den Satansjüngern verfolgt werde. Die Originalfassung ist für uns Deutsche wegen der vielen deutschsprachigen Dialogpassagen ein Genuss.

„The Life Work of Juan Diaz“ ist eine längliche Episode um den Mexikaner Juan Diaz, der für seine Familie sorgen möchte, sich ein Grab auf dem Friedhof kauft und nach seinem Tod von dem Totengräber um seine Ruhestätte betrogen wird. Seine Frau und sein Sohn wollen sich das nicht gefallen lassen. Außer zwei spannenden Szenen in einer unterirdischen Halle auf dem Friedhof, in der die mumifizierten Leichen an den Wänden aufgebahrt sind, und einen als trunksüchtigen Totengräber lustvoll aufspielenden Frank Silvera, hat diese Folge wenig zu bieten.

Krimifans werden deshalb zu Recht diese beiden Episoden, trotz der bekannten Ideengeber, ignorieren und sich auf die restlichen Episoden freuen. „Night Caller“ (Der letzte Anruf) erzählt von dem jungen Roy Bullock, der einer schönen, mannstollen Ehefrau nachstellt. Sie erwischt ihn zuerst, als er sie heimlich im Garten beobachtet. Als sie später von anonymen Anrufen verängstigt wird und Bullock sich immer mehr in das Leben ihrer Familie einschleicht, wird eine tödliche Dynamik in Gang gesetzt. Denn Bullock ist viel zu höflich und verständnisvoll, um keine Hintergedanken zu haben.

Bruce Dern liefert mit diesem Peeping-Tom-Charakter (so wird er im Film immer wieder genannt, heute würde man ihn Stalker nennen) eine frühe Glanzleistung seines Könnens ab.

In „Ten Minutes from Now“ treibt der Künstler James Bellington (Donnelly Rhodes [unter anderem die neue „Kampfstern Galactica“-Serie]) eine Kleinstadt in den Wahnsinn. Denn nachdem ein Unbekannter mehrere Anschläge auf ein Museum androhte, spaziert er mit einem Karton in das Museum. Selbstverständlich glaubt die Polizei, dass Bellington der Unbekannte ist und in dem Karton eine Bombe ist. Und ebenso selbstverständlich ist keine drin. Aber jetzt ist Bellington für die Polizei der Hauptverdächtige und ein Psychiater analysiert während eines Besuchs in Bellingtons Atelier, dass der Maler äußert gefährlich ist und demnächst wahrscheinlich jemand umbringen werde. Kurz darauf spaziert Bellington wieder in das Museum.

„Body in the Barn“ (Wer andern eine Grube gräbt) ist auf den ersten Blick eine auf dem Land spielende „Fenster zum Hof“-Variante. Die alte Bessie Canby ist eine Mischung aus charmanter, neugieriger alter Dame und Giftzwerg. Als der gutmütige Ehemann ihrer herrsüchtigen Nachbarin spurlos verschwindet, hat Bessie Canby nur noch ein Ziel: die Nachbarin für den Mord hinter Gitter zu bringen.

Auf den zweiten Blick ist „Body in the Barn“ (Wer anderen eine Grube gräbt) eine Sternstunde für die Hauptdarstellerin Lilian Gish. Sie begann ihre Filmkarriere in Stummfilmen, spielte in den D.-W.-Griffith-Klassikern „Geburt einer Nation“ und „Intolerance“ und den Tonfilmen „Duell in der Sonne“, „Die Nacht des Jägers“, „Die Stunde der Komödianten“, „Eine Hochzeit“ und „Wale im August“, ihrem letzten Film 1987, mit und starb 1993 fast hundertjährig. Inszeniert wurde die Folge von Joseph Newman, der auch den S-F-Klassiker „Metaluna IV antwortet nicht“ drehte.

Newman inszenierte auch den Schocker „An unlocked Window“. In ihm sind während einer Gewitternacht zwei Krankenschwestern, eine trunksüchtige Haushälterin und ein krank an sein Bett gefesselter Hausherr in einem abgelegenen Haus eingeschlossen. Draußen geht ein Serienkiller um, der Krankenschwestern umbringt. Dana Wynter (Die Invasion der Körperfresser/Die Dämonischen, Airport) und Louise Latham (Marnie, Sugarland Express) sind die bekannten Damen in Lebensgefahr und das einsam auf einem Hügel stehende Haus kennen Filmfans aus „Psycho“.

„The Trap“ (Die Falle) erzählt, wie schon „Murder Case“, die altbekannte Geschichte von einem älteren Mann (Robert Strauss), seiner jungen Frau (Anne Francis) und dem jungen Nebenbuhler (Donnelly Rhodes). Denn irgendwann verlieben sich die beiden jüngeren ineinander und der Alte soll sterben. Dass dabei die Witwe auch das Vermögen erbt, erhöht nur die kriminelle Energie.

Hier trifft der Titel in mehr als einer Beziehung zu und Robert Strauss als kindisch aufgedrehter Spielehersteller mit einem Sinn für derb-platten Humor überzeugt restlos.

„Power of Attorney“ (Generalvollmacht) bietet wieder einmal einer älteren Schauspielerin die Gelegenheit zu einem großen Auftritt. Fay Bainter spielt eine ältere, vermögende, vertrauensselige Dame, auf die es ein Trickbetrüger abgesehen hat. Richard Johnson (Bis das Blut gefriert, Scoop – Der Knüller) spielt ihn mit dem öligen Charme eines Gebrauchtwagenverkäufers. Und Geraldine Fitzgerald (Die Wacht am Rhein) spielt die skeptische Hausdame, die irgendwann auch von dem Charme des Betrügers eingewickelt wird.

Fay Bainter war, eine Seltenheit in der Oscar-Geschichte, 1938 als beste Hauptdarstellerin und beste Nebendarstellerin für einen Oscar nominiert und erhielt ihn in der zweiten Kategorie für ihre Rolle in „Jezebel – die boshafte Lady“. Einen späten Erfolg hatte sie mit „Infam“. „Power of Attorney“ war ihre letzte Filmrolle.

„Off Season“ ist, nach einigen Dokumentationen, der erste fiktionale Film von William Friedkin. Einige Jahre später inszenierte er „French Connection – Brennpunkt Brooklyn“, „Der Exorzist“, „Atemlos vor Angst“, „Leben und sterben in L. A.“ und „Die Stunde des Jägers“.

In „Off Season“ erzählt er die Geschichte des hitzköpfigen Polizisten Johnny Kendall (John Gavin [Psycho, Spartacus]). Er erschießt nachts einen Obdachlosen und, um einer Entlassung zuvorzukommen, kündigt er den Dienst. Zusammen mit seiner Freundin zieht er in eine Kleinstadt. Kurz darauf arbeitet er wieder als Polizist und als Milt Woodman (Richard Jaeckel [Zähl bis drei und bete, Flammender Stern, Das dreckige Dutzend, Pat Garrett jagt Billy the Kid, Revolte in der Unterwelt, Unter Wasser stirbt man nicht, und die TV-Serien „Spenser“ und „Baywatch – Die Rettungsschwimmer von Malibu“]) mit seiner Freundin flirtet, brennen bei dem eifersüchtigem Kendall die Sicherungen durch.

„Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2“ knüpft nahtlos mit zehn weiteren auch heute noch sehr ansehbaren Episoden an den ersten Teil an. Die meisten Geschichten können, abgesehen von einigen technischen Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte, locker neben neuen Kriminalfilmen bestehen. Und technisch gibt es, für im Schnitt 45 Jahre alte TV-Folgen, nichts zu meckern.

Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2

(The Alfred Hitchcock Hour)

Koch Media

Laufzeit: 482 Minuten (10 Episoden auf 3 DVDs)

Bildformat: 1,33:1 (4:3)

Tonformat: Dolby Digital 2.0

Sprachen: Deutsch, Englisch

Untertitel: Deutsch

Bonus: Deutsche Originalvorspänne, 48-seitiges Booklet mit Episodenguide

Freigegeben ab 12 Jahren

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Enthält:

Night Caller (Der letzte Anruf, USA 1964)

Regie: Alf Kjellin

Drehbuch: Robert Westerby, Gabrielle Upton (nach einer Idee von Gabrielle Upton)

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Murder Case (Alte Liebe rostet nicht, USA 1964)

Regie: John Brahm

Drehbuch: James Bridges, William Link, Richard Levinson

LV: Max Marquis: Murder Case (London Mystery Magazine, September 1955)

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Ten Minutes from now (USA 1964)

Regie: Alf Kjellin

Drehbuch: Arthur Ross

LV: Jack Ritchie: Ten Minutes from now (Alfred Hitchcock’s Mystery Magazine, Oktober 1963, deutsch „Noch zehn Minuten“)

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The Sign of Satan (USA 1964)

Regie: Robert Douglas

Drehbuch: Barré Lyndon

LV: Robert Bloch: Return to the Sabbath (Weird Tales, Juli 1938, deutsch „Der Star aus dem Grab“)

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Body in the Barn (Wer andern eine Grube gräbt, USA 1963)

Regie: Joseph Newman

Drehbuch: Harold Swanton

LV: Margaret Manners: Body in the Barn (Argosy 1945)

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The Life Work of Juan Diaz (USA 1964)

Regie: Norman Lloyd

Drehbuch: Ray Bradbury

LV: Ray Bradbury: The Life Work of Juan Diaz (Playboy, September 1963, deutsch “Das Lebenswerk von Juan Diaz”)

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An unlocked Window (USA 1965)

Regie: Joseph Newman

Drehbuch: James Bridges

LV: Ethel Lina White: An unlocked Window (My best Mystery Story, 1939, deutsch “Ein unverschlossenes Fenster”/”Das unverriegelte Fenster”)

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The Trap (Die Falle, USA 1965)

Regie: John Brahm

Drehbuch: Lee Kalcheim

LV: Stanley Abbott: The Trap (Alfred Hitchcock’s Mystery Magazine, November 1964, deutsch „Die Todesfalle“)

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Power of Attorney (Generalvollmacht, USA 1965)

Regie: Harvey Hart

Drehbuch: James Bridges

LV: Selwyn Jepson: Letter of the Law (The Evening Standard 1950er – The Evening Standard Detective Book, deutsch „Nach den Buchstaben des Gesetzes“)

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Off Season (USA 1965)

Regie: William Friedkin

Drehbuch: Robert Bloch

LV: Edward D. Hoch: Winter Run (Alfred Hitchcock’s Mystery Magazine, Januar 1965, deutsch „Schüsse um Mitternacht“/“Flucht im Schnee“/“Schneetreiben“)

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Hinweis

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“ (mit weiterführenden Links)


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