Neu im Kino/Filmkritik: Steven Soderberghs (vorläufig) letzter Kinospielfilm: „Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen“

April 24, 2013

 

Das soll also der letzte Spielfilm von Steven Soderbergh sein: ein verschachtelter Neo-Noir, garniert mit einer Anklage gegen die Pharma-Industrie. Obwohl es in „Side Effects“, Nebenwirkungen, lange Zeit genau anders aussieht: der Psychiater Dr. Jonathan Banks (Jude Law) trifft in der Notaufnahme Emily Taylor (Rooney Mara), die nach einem Autounfall, der offensichtlich ein missglückter Selbstmordversuch war, in der Klinik liegt. Sie behauptet, sie habe nur einen kurzen Aussetzer gehabt, aber jetzt sei wieder alles in Ordnung. Banks entlässt sie, wenn sie gleichzeitig eine Therapie bei im beginnt. In der Therapie erzählt sie ihm, dass ihr Mann Martin (Channing Tatum) nach einer vierjährigen Haftstrafe wegen Insiderhandels wieder frei ist, dass sie ihren ehemals mondänen Lebensstil auf ein Apartment in Upper Manhattan reduzieren mussten, dass auch sie arbeiten muss und dass sie Angst hat, jetzt in der Ehe zu versagen.

Von ihrer früheren Therapeutin, Dr. Victoria Siebert (Catherine Zeta-Jones), erfährt er von einem neuen Medikament, das ihr helfen könne. Nach einem kurzen Zögern – einerseits ist das Medikament noch nicht erprobt, aber andererseits bekommt er, wenn er bei der Erprobung mithilft, dringend benötigtes Geld und Nebenwirkungen soll es auch nicht haben – verschreibt er ihr das Medikament.

Kurz darauf ersticht sie ihren Mann. Sie behauptet, dass sie während der Tat, wegen der Medikamente, in einem nicht zurechnungsfähigem Trancezustand war.

Und was jetzt zu einem spannenden Gerichtsthriller, in dem die unmoralischen Geschäfte der Pharma-Industrie angeprangert werden, werden könnte, – immerhin wurde bis jetzt in fast jeder Szene auf die Geschäfte der Pharma-Industrie und den erschreckend sorglosen, hohen Tablettenkonsum, der anscheinend ohne Nebenwirkungen, jeden gewünschten Gemütszustand herstellen kann, hingewiesen -, entwickelt sich nach einer kurzen Atempause zu einem veritablen Noir, in dem Jonathan Banks um seine Existenz kämpft. Immerhin soll er durch die Verschreibung des noch nicht zugelassenen Medikaments für den Tod von Martin Taylor verantwortlich sein. Er glaubt allerdings, dass Emily den Mord eiskalt inszenierte, sie mit einem Plädoyer auf Unzurechnungsfähigkeit freikommen und er das Bauernopfer sein soll.

Side Effects“ ist, wie gewohnt bei Steven Soderbergh, lässig inszeniert mit einigen Zeitsprüngen und, dieses Mal, einigen Wendungen mehr als nötig. Denn was als Pharma-Thriller beginnt, wird in der zweiten Hälfte mit seinen vielen Intrigen und Gegenintrigen zu einem etwas übertrieben kompliziertem Noir. Das in der ersten Hälfte als gesellschaftlich relevantes Thema breit eingeführte Problem des Medikamentenmissbrauchs und des allzu sorglosen Umgangs mit Medikamenten in den USA wird dann zu einem zwar wichtigem, aber x-beliebigem Element in einem Mordplan, der so ähnlich auch schon vor einigen Jahrzehnten funktioniert hätte.

Das ist auch genau das, was Drehbuchautor Scott Z. Burns (Das Bourne-Ultimatum, Der Informant!, Contagion) , der auch als Regisseur im Gespräch war, wollte: „Ich wollte einen Thriller im Stil des Film Noir schreiben, der den Zuschauer in die Geschichte hineinzieht und ihn dann mit vielen Wendungen den Halt verlieren lässt. Einen Thriller wie etwa ‘Frau ohne Gewissen’ (Double Indemnity, USA 1944) oder ‘Heißblütig – Kaltblütig’ (Body Heat, USA 1981), der sich aber in der Welt der Pharmakologie entfalten würde. Mich inspirierten Filme mit geschickt konstruierten und cleveren Szenarien über Betrug und Intrigen, die in einer Welt spielten, in der auch der Zuschauer lebte. Es scheint so, als würden solche Filme heute nicht mehr gedreht werden, aber ich habe dieses Genre immer geliebt.“

Und als Genre-Übung, wie auch die vorherigen Filme von Steven Soderbergh, in denen er anderen Genres seinen Stempel aufdrückte, ist „Side Effects“ durchaus gelungen. Dieses Mal ist es eben ein Neo-Noir mit einem hübsch zynischem Ende. Als ziemlich lange angekündigter letzter Spielfilm wirkt er dagegen seltsam deplatziert, weil Steven Soderbergh nicht seine Themen und Obsessionen einer abschließenden Betrachtung unterzieht, er keine Coda zu seinem bisherigen Werk liefert und er kein offensichtlich persönliches Statement macht, sondern er einen kühlen, fast schon unterkühlten Thriller inszenierte, in dem letztendlich kein Charaktere wirklich sympathisch ist.

Aber natürlich glaubt niemand ernsthaft, dass der experimentierfreudige Soderbergh sich mit „Side Effects“ endgültig aus dem Filmgeschäft zurückzieht. Für HBO drehte er inzwischen „Behind the Candelabra“ mit Michael Douglas, Matt Damon und Rob Lowe über den Musiker Liberace und in Interviews sagt Soderbergh, dass er vielleicht demnächst eine TV-Serie drehe.

Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis der nächste Soderbergh-Film im Kino läuft.

Side Effects - Plakat

Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen (Side Effects, USA 2013)

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: Scott Z. Burns

mit Jude Law, Rooney Mara, Catherine Zeta-Jones, Channing Tatum, Vinessa Shaw

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Side Effects“

Metacritic über „Side Effects“

Rotten Tomatoes über „Side Effects“

Wikipedia über „Side Effects“ (englisch)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls” (The Girlfriend Experience, USA 2009)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte


DVD-Kritik: Steven Soderbergh wagt das „Girlfriend Experience“ mit Sasha Grey

März 23, 2013

Als Steven Soderbergh „The Girlfriend Experience“ ankündigte, sorgte vor allem die Besetzung der Hauptrolle für Aufsehen. Denn Sasha Grey war Adult Actress, vulgo Pornodarstellerin. Der Film sollte auch, so hieß es, in dem Milieu spielen. Einen deutschen Kinostart erlebte der Film nie und jetzt, vier Jahre nach der US-Premiere, liegt der Film auf DVD vor – und er wirkt inzwischen wie eine Vorstudie zu seinem letzten Film „Magic Mike“.

In beiden Filmen geht es um Menschen, die mit ihrem Körper Geld verdienen. Einmal um eine Escortdame, einmal um einen Stripper. Aber während „Magic Mike“ seine Geschichte, sehr züchtig, im gepflegten New-Hollywood-Stil erzählt und der Film ein Kinohit war, ist „Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls“ einer von Soderberghs experimentellen Filme. Wie „Voll Frontal“ (lief sogar in deutschen Kinos) und „Bubble“ (den er in den USA gleichzeitig im Kino, auf DVD und im Fernsehen präsentierte und in Deutschland noch nicht veröffentlicht wurde) improvisierten die Schauspieler und die Kameraführung und Bildqualität ist teilweise so schlecht, dass sogar ein Dokumentarfilmer vor Scham im Boden versinken würde. Eine herkömmliche Geschichte gibt es auch nicht. In „Girlfriend Experience“ gibt es Impressionen aus dem Leben einer von Sasha Grey glaubhaft gespielten Escortdame, die für ihre reichen Freier in der Öffentlichkeit die Freundin mimt, und ihres Umfeldes. Dabei drehen sich die Gespräche die sie mit Kunden, ihrem Freund, einer Freundin, einem Interviewer und möglichen Geschäftspartnern führt, letztendlich immer ums Geld. Beziehungen scheinen nur über ihren ökonomischen Nutzen und ihr ökonomisches Potential möglich zu sein. Diese, durchaus sehr amerikanische, Verkürzung aller Beziehungen auf eine Dimension macht die Charakterstudie zu einem ziemlich deprimierendem Gesellschaftsporträt.

Trotzdem sieht „Girlfriend Experience“ weniger wie ein durchdachter Film, sondern wie eine Notizsammlung, eine Skizze, aus, die keinen Anspruch auf eine letzte und gültige Aussage erhebt an. Deshalb schnitt Soderbergh in dem „Alternativen Director’s Cut“, der fast genausolang wie die Kinofassung ist, das Material, das er hatte, anders zusammen.

Diese Schnittfassung ist neben der Kinofassung auf der jetzt erschienenen DVD enthalten. Außerdem gibt es einen informativen Audiokommentar von Steven Soderbergh und Sasha Grey, in dem er sie ziemlich geschickt ausfragt, und ein kurzes Featurette, das sich in den üblichen Lobhuddeleien ergeht und wahrscheinlich als Werbematerial für den Film erstellt wurde.

Für die echten Steven-Soderbergh-Fans ist mit dieser DVD eine Lücke in ihrer Sammlung geschlossen. Für die Fans von Filmen wie „The Good German“, „Ocean’s Eleven“, den beiden Fortsetzungen und „Magic Mike“ (trotz thematischer Nähe) dürfte „Girlfriend Experience“ nichts sein. Dafür ist dieser Film dann doch zu experimentell und nicht-narrativ.

Girlfriend Experience

Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls (The Girlfriend Experience, USA 2009)

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: David Levien, Brian Koppelman

mit Sasha Grey, Chris Santos, Philip Eytan, T. Colby Trane, Peter Zizzo, David Levien

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DVD

Koch Media

Bild: 2.40:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1, DTS)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Alternativer Director’s Cut (73 Minuten), Audiokommentar mit Steven Soderbergh und Sasha Grey, Ein Blick hinter The Girlfriend Expererience, Original Kinotrailer, Wendecover

Länge: 75 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Homepage zum Film

Metacritic über „Girlfriend Experience“

Rotten Tomatoes über „Girlfriend Experience“

Wikipedia über „Girlfriend Experience“

Schnittberichte: Vergleich Kinofassung und Alternativer Director’s Cut

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Frauen wollen „Magic Mike“, Cineasten wollen Steven Soderbergh

August 16, 2012

Es könnte inzwischen der gar nicht so falsche Eindruck entstehen, dass Steven Soderbergh den Herren Allen und Eastwood in punkto Produktivität nacheifert. Denn kaum hat man den einen Film gesehen, wird schon der nächste angekündigt. Dabei sieht Soderbergs neuester Film oft wie die Negation des vorherigen aus. Er wagt dabei immer wieder stilistische Experimente und er probiert der Reihe nach die Filmgenres aus.

Während „Haywire“ ein actionreicher Agententhriller war, dessen Handlung sich über den halben Globus erstreckte und seine Heldin sich von den Männern nichts vormachen ließ, wenn sie sie nicht gerade als Punchingball oder Zielscheibe benutzte, spielt „Magic Mike“ in Tampa, Florida, und dort die halbe Zeit in einer Bar, in der Männer vor Frauen strippen.

Das heißeste Pferd im Stall von Dallas (Matthew McConaughey, der sich schamlos zum Affen macht) ist der Dreißigjährige Mike (Channing Tatum, der selbst als 18/19-jähriger acht Monate Stripper war), der noch den Traum von einer eigenen Möbelschreinerei hat. Aber das Nachtleben mit Drogen und Frauen ist reizvoller. Während seiner Tagesarbeit lernt er den 19-jährigen, bei seiner älteren Schwester lebenden Slacker Adam (Alex Pettyfer) kennen, den er auch gleich in die Welt der Stripper einführt.

Adams bodenständige Schwester Brooke (Cody Horn) ist davon absolut nicht begeistert. Dennoch, oder gerade weil Brooke nicht sofort mit ihm ins Bett steigen will, verliebt Mike sich in sie und er verspricht ihr, auf ihren Bruder aufzupassen.

Steven Soderbergh inszenierte seine Variante der Geschichte vom amerikanischen Traum im semidokumentarischen New-Hollywood-Stil, bei dem die Charaktere und ihr Leben im Mittelpunkt stehen. Dabei driften die Stripper alle mehr oder weniger ziellos durch ihr Leben und ihre Komfortzonen mit den kleinen Träumen von einem eigenen kleinen Geschäft, einem Stripclub in Miami oder einfach nur etwas mühelos erworbenem Geld durch Kleindealerei und einer heißen Tanznummer. Diese zahlreichen, knallig-glamourös inszenierten Tänze zu pointiert ausgewählten Hits wie „Like a Virgin“, beim ersten Auftritt von Adam, oder „It’s raining Men“ gehören zu den optischen Höhepunkten des Films. Allerdings fällt bei dem Blick hinter die Kulissen des Striplokals auf, wie wenig glamourös, oft sogar bieder, das Leben der Stripper ist. In diesen Szenen werden die männlichen Sexsymbole dann zu Menschen mit Sorgen, Gefühlen und Ängsten.

Diesen Widerspruch zwischen Schein und Sein unterstreicht Soderbergh auch indem er die Auftritte der Stripper und deren Leben abseits des Rampenlichts verschieden inszeniert: ersteres fast schon in edler Werbefilmästhetik, letzteres schmuddelig dokumentarisch mit warmen, ausgewaschenen Farben.

Und es fällt immer wieder auf, wie prüde Hollywood inzwischen ist. Denn obwohl die ganze Geschichte im Stripper-Milieu spielt, sehen wir – was die deutsche „ab 12 Jahre“-Freigabe erklärt – nie mehr als bei einem gewöhnlichen Schwimmbadbesuch. In den USA reichte es trotzdem für ein R-Rating und die IMDB listete die schockierenden „Nacktszenen“ akribisch auf:

Magic Mike does include a lot of nudity, both male and female, however, it does not include any direct shots of genitalia, male or female. There are two shots where penis shown, but in both scenes, the penis is difficult to make out. There is quite a bit of female nudity, but only breasts and buttocks. The film also contains it’s fair share of male buttocks. (This is the main portion of the nudity section.)

Well, well, einmal habe ich sogar eine unverhüllte weibliche Brust gesehen…

Allerdings kann diese eklatante Kluft zwischen dem Versprechen auf hemmungslosen Sex und dem konsequenten Vorenthalten von entsprechenden Bildern auch ein subtiler Kommentar von Steven Soderbergh zur US-amerikanischen Bigotterie sein. Dann hätte diese züchtig erzählte Geschichte sogar einen sehr gemeinen Subtext.

Magic Mike – Die ganze Nacht (Magic Mike, USA 2012)

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: Reid Carolin

mit Channing Tatum, Alex Pettyfer, Matthew McConaughey, Cody Horn, Olivia Munn, Matt Bomer, Riley Keough, Joe Manganiello, Kevin Nash, Adam Rodriguez, Gabriel Iglesias

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Magic Mike“

Metacritic über „Magic Mike“

Rotten Tomatoes über „Magic Mike“

Wikipedia über „Magic Mike“

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Steven Soderberghs grandioser Old-School-Agententhriller „Haywire“

März 8, 2012

Die Story von Steven Soderberghs neuem Film „Haywire“ ist ein luftiges Nichts. Eher eine Entschuldigung, um eine Reihe toller Action-Szenen aneinanderzureihen, als ein ausgefuchster Plot mit Twists und erinnerungswürdigen Dialogen.

Mallory Kane (Gina Carano) ist eine Special-Ops-Agentin auf der Flucht. Ihr Chef, der als internationaler Kontraktor seine Dienste meistbietend den verschiedenen Geheimdiensten anbietet, will sie umbringen. Sie versucht herausfinden, warum sie sterben soll und reist dabei um die halbe Welt.

Mehr Story brauchen Drehbuchautor Lem Dobbs und Regisseur Steven Soderbergh, die bereits bei „Kafka“ und „The Limey“ zusammen arbeiteten, nicht, um Gina Carano in ihrem Filmdebüt gut in Szene zu setzen. Die erfolgreiche Mixed-Martial-Arts-Kämpferin erledigt ihren Job, auch dank des für sie sehr dialogarmen Drehbuchs, gut. Sie muss vor allem kämpfen, klettern, über Dächer springen und kämpfen, kämpfen, kämpfen und das kann sie.

Im Gegensatz zu den derzeit üblichen Schnittgewittern bei Action-Szenen, schnitt Soderbergh die Action-Szenen so angenehm altmodisch, dass man die Kämpfe wirklich verfolgen und die Leistungen der Schauspieler und Stuntmen bewundern kann. Das hat dann wieder die Faszination älterer Filme, in denen die Action noch ohne Computerhilfe erledigt wurde. Soderbergh nennt als einen der Einflüsse für die Mischung aus Story und Action in „Haywire“ den James-Bond-Film „Liebesgrüße aus Moskau“. Ein anderer, ebenso unübersehbarer Einfluss ist Alfred Hitchcock. So sollte das Haus in dem Mallorys Vater wohnt, an das Haus des Bösewichts in „Der unsichtbare Dritte“ (North by Northwest) erinnern.

Neben Carano spielen, was bei Soderbergh nicht ungewöhnlich ist, viele Stars mit. Michael Fassbender, Ewan McGregor, Michael Douglas, Antonio Banderas, Bill Paxton und Channing Tatum verleihen dem Film damit eine besondere Klasse und sie helfen, Carano wie eine bessere Schauspielerin aussehen zu lassen.

Haywire“ ist ein angenehm altmodischer, im Agentenmilieu spielender Action-Thriller, der durch die leicht unchronologische Erzählweise, der hypnotischen Musik von David Holmes (der mit Soderbergh bereits bei „Out of Sight“ und den „Ocean’s“-Filmen zusammenarbeitete), die Kürze (nach knackigen neunzig Minuten ist der Spaß vorbei) und den zynischen Spitzen der Geheimdienstler (gespielt mit spürbarer Lust von Ewan McGregor, Antonio Banderas und Michael Douglas) richtig Spaß macht und dank der Intelligenz der Macher deutlich besser als die gängigen B-Movies der 80-Jahre-Action-Stars (also der Kämpfer Chuck Norris, Jean-Claude van Damme und Steven Seagal) ist und seine teilweise überbudgetierten Nachfolger locker auf die Ersatzbank verweist.

Für traditionsbewusste Genrejunkies ist „Haywire“ ein Pflichttermin.

Haywire (Haywire, USA 2011)

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: Lem Dobbs

mit Gina Carano, Michael Fassbender, Ewan McGregor, Bill Paxton, Channing Tatum, Antonio Banderas, Michael Douglas, Michael Angarano, Mathieu Kassovitz, Anthony Wong

Länge: 93 Minuten

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Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Haywire“

Rotten Tomatoes über „Haywire“

Wikipedia über „Haywire“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)


Kleinkram

April 1, 2013

Bei Evolver hat Martin Compart sich mit “Pulp Master”-Mastermind Frank Nowatzki unterhalten.

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Die April-Ausgabe von The Big Thrill ist online. Diese Mal unter anderem mit Interviews mit Jonathan Maberry, Linda Barnes (die ja leider seit Ewigkeiten nicht mehr übersetzt wird), Iris Johanson, Raymond Benson, Tom Bale und T. Jefferson Parker.

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Wes Miller fragt sich: “What is a Mystery?”

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Bis ich Ian Rankins neuen REBUS-Roman “Mädchengrab” (Manhattan, 512 Seiten, Originaltitel: Standing in Another Man’s Grave) gelesen habe, könnt ihr die Besprechung von Ro Cuzon studieren.

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Der deutsche Trailer für den neuen Film “Side Effects” von Steven Soderbergh (der im Moment behauptet, dass das sein letzter Spielfilm sei) ist online:

So sieht das Plakat aus

Side Effects - Plakat

Besprechung, nach Sichtung, zum Kinostart am 25. April.

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Gleiches gilt für “Oblivion”, den neuen Film von Tom Cruise (dessen Rollenauswahl in den vergangenen Jahren deutlich besser als die von Bruce Willis war; deshalb freue ich mich auch schon auf diesen Science-Fiction-Film), inszeniert von “Tron: Legacy”-Regisseur Joseph Kosinski und ab dem 11. April im Kino

Für den Film entwarfen die Jungs von Universal Pictures auch einige schöne Plakate

Oblivion - Teaser Tom Cruise

Oblivion - Teaser Brücke

Oblivion - Teaser Wasserfall

 

 

 


DVD-Kritik: Über John Hillcoats grandiosen 30er-Jahre-Gangsterfilm „Lawless – Die Gesetzlosen“

März 28, 2013

Es ist – - – verdammt ärgerlich. Da kommt nach einigen enttäuschenden Prä-1955-Gangsterfilmen, wie Michael Manns „Public Enemies“ und Ruben Fleischers „Gangster Squad“ (nach dem Kritikerkonsens ein verheerend uninteressanter Film), endlich ein richtig gutes, top-besetztes Gangsterdrama heraus und dann findet sich aus unerfindlichen Gründen kein Verleih.

Am Film kann es nicht liegen. Denn „Lawless“ ist das, was „Public Enemies“ sein wollte und vor elf Jahren „Road to Perdition“ war: eine glaubwürdige Geschichte aus der Prohibitionszeit, als in den Großstädten in Speakeasies Schnaps verkauft wurde und Gangsterimperien entstanden und im Hinterland einige noch heute bekannte Gangster, die quasi Volkshelden waren, wie Bonnie Parker, Clyde Barrow, John Dillinger und Pretty Boy Floyd, von FBI-Agenten gnadenlos verfolgt und Schnaps gebrannt wurde.

In Franklin County, Virginia, scheint fast jeder irgendwie in die Schnapsbrennerei involviert gewesen zu sein. Zuerst legal, später, wegen der Prohibition, illegal. Das änderte aber nichts am freundlichen Umgang zwischen Schnapsbrennern und örtlichen Polizisten, die gerne auch einen Schluck tranken. Auch die Bondurant-Brüder verdienten damit um 1930 ihr Geld – und „Lawless“ erzählt, basierend auf wahren Ereignissen, angenehm unaufgeregt, fast schon beschaulich, wenn da nicht immer wieder die Gewaltausbrüche wären, aus ihrem Leben. Forrest Bondurant (Tom Hardy) und sein Bruder Howard (Jason Clarke) sind die maulfaulen Oberhäupter der Familie. Ihnen eilt, nachdem sie den Krieg und mehrere Mordanschläge überlebten, der Ruf voraus, unsterblich zu sein. Ihr jüngerer Bruder Jack (Shia LaBeouf) beginnt sich gerade die ersten Sporen im Schnapsbrennergeschäft zu verdienen. Gleichzeitig bewundert er den aus der Großstadt kommenden Gangster Floyd Banner (Gary Oldman), der sich mit seinem Maschinengewehr, mit dem er am hellichten Tag, mitten auf der Straße die Insassen eines sich ihm nähernden Autos erschießt, einen denkwürdigen ersten Auftritt verschafft.

Dieses ruhige Landleben, in dem Polizisten und Schnapsbrenner biotopisch-friedlich zusammenleben, wird durch das Auftauchen des skrupellosen und psychopathischen Bundesagenten Charlie Rakes (Guy Pearce) gestört. Er will die Bondurant-Brüder vernichten.

In diese Geschichte weben Drehbuchautor Nick Cave (Ja, der Musiker, der mit Warren Ellis auch die stimmige Musik für den Film schrieb.) und Regisseur John Hillcoat in ihrer dritten Zusammenarbeit zwei zarte Liebesgeschichten. Jack verliebt sich in die Pfarrerstochter Bertha Minix (Mia Wasikowska, die wir demnächst im Kino neben Nicole Kidman in Chan-wook Parks „Stoker“ bewundern können). Tom verliebt sich in die neue, wie Rakes aus Chicago kommende, bei ihnen im Lokal arbeitende Kellnerin Maggie Beauford (Jessica Chastain), die letztendlich die Initiative ergreift.

Das alles mündet in einem historisch verbürgten Schusswechsel an einer Brücke, der für Matt Bondurant die Initialzündung für seinen Roman „The wettest County in the World“ war, in dem er, anscheinend nur leicht fiktionalisiert, von seinen Vorfahren erzählt und der jetzt als „Lawless“ verfilmt wurde. Den Titel habe man, so John Hillcoat im informativen Audiokommentar, geändert, weil die Leute bei dem Titel nicht an ein Gangsterdrama, sondern einen Dokumentarfilm oder einen Porno dachten. Denn die Bondurant-Brüder haben sich nicht als Gesetzlose gesehen.

Aber selbstverständlich waren sie es und sie verteidigten ihr Eigentum auch mit Gewalt. Gewalt, die von John Hillcoat ungeschönt gezeigt wird. Im Gegensatz zu den Dreißiger-Jahre-Gangsterfilmen, die „Lawless“ auch inspirierten, spritzt hier das Blut, wenn ein Fausthieb im Gesicht landet oder mit einem Messer zugestochen wird. Wir sehen die Wunden, die blauen Flecken und Schwellungen und auch einen von Rakes’ als Warnung an die Bondurants geteerten und gefederten Mann. Doch Gewalt, die teilweise atemberaubend schnell vorbei ist, wird in „Lawless“ nie zum Selbstzweck, sondern sie reflektiert auch die damalige Zeit, in der im Zweifelsfall das wenige Jahrzehnte früher im Wilden Westen erprobte Faustrecht herrschte.

Dennoch ist „Lawless“ in erster Linie ein brillant fotografierter Schauspielerfilm, in dem auch Shia LaBeouf überzeugt. Er kann wirklich mehr, als in „Transformers“ vor irgendwelchen Robotern davonzulaufen oder in „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ sich die Haartolle zu kämmen. Tom Hardy, Guy Pearce, Jason Clarke, Jessica Chastain und Rising-Star Mia Wasikowska sind gewohnt gut und Gary Oldman, der nur zwei größere Szenen hat, bringt, auch wenn er hier so zurückgenommen wie in „Dame, König, As, Spion“ spielt, den Wahnsinn seiner früheren Filme, wie „Bram Stokers Dracula“, „True Romance“, „Romeo is bleeding“, „Leon – Der Profi“ und „Air Force One“, ein.

Damit stellt sich der traditionell erzählte Ensemble-Film gelungen in der Tradition der klassischen Gangsterfilme, wie Arthur Penns „Bonnie & Clyde“, John Milius’ „Jagd auf Dillinger“ (Dillinger) und Richard Quines sträflich unterschätzten Elmore-Leonard-Verfilmung „Whisky brutal“ (The moonshine war).

 

Das Bonusmaterial

 

Als Bonusmaterial gibt es einen hörenswerten Audiokommentar von Regisseur John Hillcoat und Romanautor Matt Bondurant, die in einem lockeren Gespräch den Film kommentieren und viele interessante Informationen zum Film, zu den Unterschieden zwischen Film und Buch und den wahren Hintergründen liefern. Wahrscheinlich ist es eine gute Idee, einen Audiokommentar nicht von einer Person, die sich manchmal fragt, was sie wem erzählen soll, sondern von zwei Leuten, die sich miteinander über den Film unterhalten, bestreiten zu lassen. Bei „Girlfriend Experience“ funktionierte das Gespräch zwischen Regisseur Steven Soderbergh und Hauptdarstellerin Sasha Grey ja auch gut. Und wenn mehr als zwei Personen den Audiokommentar bestreiten wird es leicht chaotisch.

Es gibt einige geschnittene Szenen und drei ausführliche Featurettes, – eines über den Film, zwei über die wahren Hintergründe -, die den Film gelungen und informativ abrunden.

Lawless - DVD-Cover

Lawless – Die Gesetzlosen (Lawless, USA 2012)

Regie: John Hillcoat

Drehbuch: Nick Cave

LV: Matt Bondurant: The wettest County in the World, 2008

mit Shia LaBeouf, Tom Hardy, Jason Clarke, Guy Pearce, Jessica Chastain, Mia Wasikowska, Dane DeHaan, Chris McGarry, Tim Tolin, Gary Oldman, Lew Temple, Marcus Hester , Bill Camp

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DVD

Koch-Media

Bild: 2.35:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Audiokommentar mit John Hillcoat und Matt Bondurant, Entfallene Szenen, Die wahre Geschichte des feuchtesten Landes in der Welt, Franklin Country: Damals & Heute, Die Geschichte der Bondurant Family, Trailer (deutsch, englisch)

Länge: 111 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Es gibt den Film auch in einer schicken Blechdose

Lawless - Blu-ray Steelbook

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Hinweise

Homepage zum Film

Metacritic über „Lawless“

Rotten Tomatoes über „Lawless“

Wikipedia über „Lawless“ (deutsch, englisch)

Süddeutsche Zeitung: Interview mit John Hillcoat (27. März 2013)

Meine Besprechung von John Hillcoats Cormac-McCarthy-Verfilmung „The Road“ (The Road, USA 2009)

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Ein Gespräch mit Matt Bondurant über seinen Roman und den Film

Ein Gespräch mit John Hillcoat über den Film

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Bonushinweis

Wer mehr über die Prohibition erfahren will, sollte sich die gerade erschienene DVD „Prohibition – Eine amerikanische Erfahrung“ (Polyband) anschaffen. Auf ihr ist die fünfteilige, mit einem Primetime Emmy ausgezeichnete PBS-Dokuserie von Ken Burns und Lynn Novick in der Arte-Fassung enthalten.

Prohibition - DVD-Cover

Prohibition – Eine amerikanische Erfahrung (Prohibition, USA 2011)

Polyband

Bild: 16:9 (1,78:1)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Im Studio, Bonusszenen, Interview Outtakes (90 Minuten, im Original mit deutschen Untertiteln)

Länge: 260 Minuten (5 x 52 Minuten) (3 DVDs)

FSK: Infoprogramm

 


TV-Tipp für den 11. Januar: Erin Brockovich – Eine wahre Geschichte

Januar 11, 2013

ZDFneo, 20.15

Erin Brockovich – Eine wahre Geschichte (USA 1999, R.: Steven Soderbergh)

Drehbuch: Susannah Grant

Erin Brockovich ist eine wandelnde Katastrophe: keine Ausbildung, drei Kinder, alleinerziehend, quasi pleite, nicht auf den Mund gefallen und mit Kleidungsvorstellungen, die nicht eine Anwaltskanzlei passen. Dennoch hilft sie in der Kanzlei von Ed Masry aus und stößt zufällig auf einen Umweltskandal, in den sie sich verbeißt. Der Fall wird zu einem der größten Schadenersatzprozesse der USA.

Auf einem wahren Fall beruhende, märchenhafte David-gegen-Goliath-Geschichte, die Soderbergh locker-leicht inszenierte. Er landete damit einen Kassen- und Kritikererfolg.

Soderbergh (…) gibt einem jedenfalls den Glauben an Hollywood wieder. Als ich das Kino verließ, dachte ich: It’s a wonderful life!“ (Hans Schifferle, Schnitt 2/2000)

Julia Roberts erhielt einen Oscar als beste Hauptdarstellerin. Außerdem war der Film in den Kategorien „Bester Film“, „Beste Regie“, „Bestes Drehbuch“ und „Bester Nebendarsteller“ (Albert Finney) nominiert.

Außerdem war Susannah Grants Drehbuch für den Edgar Allan Poe Award und den Preis der Writers Guild of America nominiert.

mit Julia Roberts, Albert Finney, Aaron Eckhart, Marg Helgenberger, Cherry Jones, Peter Coyote, Erin Brockovich (Cameo als Kellnerin)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Erin Brockovich“

Wikipedia über „Erin Brockovich“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte

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Hinweis

Girlfriend Experience

Mit vierjähriger Verspätung ist jetzt Steven Soderberghs „Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls“ mit der Porno-Darstellerin Sasha Grey (die damals auch als Musikerin und Denkerin für Furore sorgte) bei Koch Media als deutsche DVD-Premiere erschienen.

Die DVD enthält neben dem Film auch den Alternativen Director’s Cut, einen Audiokommentar von Soderbergh und Grey und einen „Blick hinter die Kulissen“.

 


TV-Tipp für den 15. September: Der Informant!

September 14, 2012

Pro7, 20.15

Der Informant!(The Informant!, USA 2009)

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: Scott Z. Burns

LV: Kurt Eichenwald: The Informant, 2000

Biotechniker und Topmanager Mark Whitacre steckt dem FBI, dass sein Arbeitgeber, der Agrarkonzern Archer Daniels Midland, mit den Japanern illegale Preisabsprachen tätigt. Das FBI ist begeistert und lässt Whitacre als Maulwurf arbeiten. Allerdings ist Whitacre nicht so unschuldig-doof, wie er auf den ersten Blick erscheint.

Die Big-Business-Posse basiert auf einem wahren Fall aus den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

New-York-Times-Finanzreporter Kurt Eichenwald schrieb auch die Enron-Geschichte „Conspiracy of Fools“ (Verschwörung der Narren).

mit Matt Damon, Scott Bakula, Joel McHale, Melanie Lynskey, Ludger Pistor, Clancy Brown

Wiederholung: Sonntag, 16. September, 02.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Der Informant!“

Rotten Tomatoes über “Der Informant!”

Wikipedia über “Der Informant!” (deutsch, englisch)

New York Times über Kurt Eichenwald

Movie Web: Kurzes Interview mit Drehbuchautor Scott Z. Burns

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 12. Juni: Solaris

Juni 12, 2012

RTL Nitro, 20.15

Solaris (USA 2002, R.: Steven Soderbergh)

Drehbuch: Steven Soderbergh

LV: Stanislaw Lem: Solaris, 1961 (Solaris)

Dr. Chris Kelvin soll herausfinden, was auf der abgelegenen Raumstation Prometheus geschah. Die überlebenden Besatzungsmitglieder verhalten sich seltsam und eines Tages wacht Kelvin neben seiner quicklebendigen Frau auf. Dummerweise ist sie seit Jahren tot.

Das US-Remake von Andreij Tarkowskis Science-Fiction-Klassiker „Solaris“, den heute Zwanzigjährige nie gesehen haben. Dreißigjährige mit viel Glück. Denn nach der OFDB (und meinem Gedächtnis) lief der Film zuletzt vor sechs Jahren um Mitternacht auf Arte und die deutschen DVDs sind nicht empfehlenswert (Ton, Bild, Bonusmaterial).

Soderberghs Version ist Science-Fiction für denkende Menschen. Nicht perfekt, aber interessant.

Als Teenager war ich von Lems Roman mächtig begeistert. Tarkowskis Film sah ich erst Jahre später im TV.

mit George Clooney, Natascha McElhone, Jeremy Davies, Viola Davis, Ulrich Tukur

Wiederholung: Mittwoch, 13. Juni, 23.20 Uhr

Hinweise

Wikipedia über „Solaris“ (deutsch, englisch)

Rotten Tomatoes über „Solaris“

Stanislaw Lem über das Remake

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 16. Februar: The Good German – In den Ruinen von Berlin

Februar 16, 2012

ZDF, 01.00

The Good German – In den Ruinen von Berlin (USA 2006, R.: Steven Soderbergh)

Drehbuch: Paul Attanasio

LV: Joseph Kanon: The Good German, 2001 (In den Ruinen von Berlin)

Als der in Schwarzmarktgeschäfte verwickelte Fahrer des US-JOurnalisten Jake Geismar umgebracht wird und die Alliierten den Mord nicht aufklären wollen, beginnt er auf eigene Faust den Mörder zu suchen.

Soderbergh verfilmte den Roman im Noir-Stil der vierziger Jahre. “The Good German” unterscheidet sich dann auch nicht von einem damaligen Hollywood-Film. Nur wer braucht das heute?

Mit George Clooney, Tobey Maguire, Cate Blanchett, Beau Bridges

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Good German“

Wikipedia über Joseph Kanon (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Contagion” (Contagion, USA 2011)


„Out of sight“ ist wieder in sight

Januar 30, 2012

Wer in den vergangenen Jahren, immer, wenn George Clooney sich in der stilvollen Krimikomödie „Out of sight“ in Jennifer Lopez verliebte, fragte, was davon bereits in dem Roman „Out of sight“, auf dem der Steven-Soderbergh-Film basiert, steht, kann sich jetzt die neue Ausgabe des Krimis besorgen.
Über die Geschichte muss wohl nicht viel gesagt werden: bei einem Gefängnisausbruch verliebt der Bankräuber Jack Foley sich, während sie gemeinsam im Kofferraum liegen, in Deputy US Marshall Karen Sisco. Foley will später noch ein großes Ding drehen. Sisco will ihn schnappen. Denn Verbrecher gehören hinter Gitter. Auch wenn sie außergewöhnlich charmant sind.
Karen Sisco trat auch in der Kurzgeschichte „Karen makes out“ auf und es entstand eine kurzlebige TV-Serie, die anscheinend sogar ziemlich gut ist, aber niemals bei uns gezeigt wurde.
Jack Foley trat 2009 in dem außergewöhnlich schwachen „Road Dogs“, der sich unmmittelbar an „Out of sight“ anschließt, wieder auf. In dem Krimi erzählt Elmore Leonard, wie Foley (der sich jetzt an dem von George Clooney gespieltem Foley orientiert) dieses Mal aus dem Knast entkommt und was danach geschieht.
Doch zurück zur Neuauflage von „Out of sight“. Sie unterscheidet sich nicht von den vorherigen Ausgaben. Wer also bereits „Zuckerschnute“ (so hieß die Erstausgabe) oder „Out of sight“ (so hieß dann die Filmausgabe) in seinem Regal stehen hat, muss nicht zuschlagen.
Alle anderen sollten sich diesen Elmore-Leonard-Klassiker schleunigst besorgen.

Elmore Leonard: Out of sight
(übersetzt von Jörn Inversen)
Suhrkamp, 2012
256 Seiten
8,99 Euro
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Originalausgabe
Out of sight
Delacorte Press, New York 1996
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Deutsche Erstausgabe
Zuckerschnute
Goldmann, 1998
-
Spätere Auflagen, wegen des Films, unter „Out of sight“
-
Verfilmung
Out of sight (Out of sight, USA 1998)
Regie: Steven Soderbergh
Drehbuch: Scott Frank
mit George Clooney, Jennifer Lopez, Ving Rhames, Don Cheadle, Dennis Farina, Luis Guzman

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Hinweise

Homepage von Elmore Leonard

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Dschibuti“ (Djibouti, 2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Djibouti“ (2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Road Dogs“ (Road Dogs, 2009)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Up in Honey’s Room“ (2007)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Gangsterbraut“ (The hot Kid, 2005)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Callgirls“ (Mr. Paradise, 2004)

Mein Porträt „Man nennt ihn Dutch – Elmore Leonard zum Achtzigsten“ erschien im „Krimijahrbuch 2006“

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Sie nannten ihn Stick“ (Stick, USA 1983)

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Killshot“ (Killshot, USA 2008)

Elmore Leonard in der Kriminalakte


Kleinkram

Januar 28, 2012

oder bevor ich endgültig den Überblick verliere:

Bei Telepolis gibt es ein Gespräch mit Mathew D. Rose über sein letztes Buch “Korrupt – Wie unsere Politiker und Parteien sich bereichern – und uns verkaufen” (Lesenswert!).

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BuzzFed nennt 27 Filme, die toll sind, aber keine Oscar-Nominierung als bester Film erhielten und illustrieren ihre okaye Auswahl (Die üblichen Verdächtigen, Psycho, Frühstück bei Tiffanys, Blade Runner, Easy Rider, King Kong, Vertigo,…ach, ich will nicht alles verraten) mit vielen alten Filmplakaten (und das ist definitiv einen Klick wert).

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Ach, nominiert für die Oscars sind…

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Gary Oldman und Jack English fotografierten eifrig beim Dreh von “Dame, König, As, Spion” (Sehbefehl! Kinostart ist am Donnerstag.)

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Film School Rejects hat vierzehn Filmmonologe aufgelistet. Da fehlen einige gute Monologe (unter anderem sind Pulp Fiction, No Country for Old Men, Network und Glengarry Glen Ross dabei), aber so als Eindruck von der Kraft des gesprochenen Wortes ist es ein guter Anfang.

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Der A. V. Club unterhält sich mit Steven Soderbergh über seinen neuen Film, den Thriller “Haywire”.

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NPR macht sich Gedanken über “The Art of Modern Movie Trailers” (mit Beispielen).

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Ebenfalls bei NPR: Drehbuchautor Dustin Lance Black spricht gute vierzig Minuten über “J. Edgar” (verfilmt von Clint Eastwood mit Leonardo DiCaprio)

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Immer noch NPR: Aber jetzt mit Francis Ford Coppola, der eine halbe Stunde über seine Karriere spricht.

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Bei First Showing begründet David Fincher, warum er jeden seiner Filme drehte.

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Lee Goldberg verrät einige Hintergründe über seinen Monk-Roman “Mr. Monk on patrol”.

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Und die Weinstein Company hat einige Drehbücher von für wichtige Preise nominierte Filme online gestellt:

The Artist von Michel Hazanavicius

Coriolinus von John Logan

The Iron Lady von Abi Morgan

My Week with Marylin von Adrian Hodges

Da dürften noch einige weitere Drehbücher in der Pipeline sein.

 

 

 

 


DVD-Kritik: „The Assault“ verschenkt seinen Stoff

November 16, 2011

Was für ein Stoff!

Am Heiligabend 1994 kapern vier Mitglieder der Groupe Islamique Armé (GIA, Bewaffnete Islamische Gruppe) in Algier den Air France Flug 8969. Nach längeren Verhandlungen und nachdem die Terroristen mehrere Geisel erschossen haben, startet das Passagierflugzeug in Richtung Paris. In Marseille muss der Airbus am 26. Dezember zum Tanken landen. Die GIGN (Groupe d’Intervention de la Gendarmerie Nationale), der französische Pendant zur GSG 9, stürmt mit dreißig Mann die Maschine und kann in einem zwanzigminütigem Feuergefecht die Geiselnahme blutig beenden. Es gab 25 Verwundete. Die Terroristen wurden erschossen.

Später wurde gesagt, dass die Terroristen die Maschine in den Eiffelturm fliegen sollte.

Was für eine enttäuschende Umsetzung.

Das beginnt mit der modischen, aber meist einfach nur nervenden Wackelkamera. So auch in „The Assault“. Denn anstatt ein Gefühl von „dabei sein“ zu vermitteln, reißt sie einen immer wieder aus der Geschichte heraus. Das geht weiter mit der absolut bescheuerten Idee, den Film in einer so farbentsättigten, viel zu dunklen Version zu zeigen, dass er wie ein Schwarz-Weiß-Film wirkt. Der Regisseur dachte sich wohl, was bei „Schindlers Liste“, „The good German“ und „Sin City“ funktionierte, funktioniert auch bei mir. Aber „Schindlers Liste“ war ein historisches Drama, aus einer Zeit, als es kaum Farbfilme und Farbfotos gab und Steven Spielberg wollte so auch an unser Bild von dieser Zeit anknüpfen. Steven Soderbergh wollte in seinen Period Piece „The good German“ die späten vierziger Jahre und die damaligen Hollywood-Filme, die erkennbar in Kulissen gedreht wurden, wieder aufleben lassen. Ich sage nur „Casablanca“ und, obwohl in Wien gedreht, „Der dritte Mann“. Und in „Sin City“ wurde ein betont kunstvoller Comic von Frank Miller sehr werkgetreu von Robert Rodriguez und Frank Miller in ein anderes Medium übertragen und, zur allgemein Überraschung, funktionierte das Experiment.

In „The Assault“ fragt man sich dagegen nur, was das soll. Auch weil die wenigen Farbtupfer, im Gegensatz zu denen in „Schindlers Liste“ und „Sin City“, absolut beliebig sind.

Dazu kommt noch ein Drehbuch, das aus dem Stoff nichts macht. Ziemlich zusammenhanglos springt Regisseur Julien Leclerq zwischen den Terroristen im Flugzeug, dem französischen Krisenstab, der Spezialeinheit beim Training für irgendwelche anderen Einsätze und den besorgten Frauen der Polizisten. Der Film plätschert bis zur Erstürmung des Flugzeugs vor sich hin. Die vielen Charaktere bleiben weitgehend austauschbar und wenn dann am Filmende das Flugzeug gestürmt wird, dürfen wir einen unglaublich schlecht geplanten Einsatz eines Spezialkommandos und eine höchst dilettantisch inszenierte Action-Szene erleiden.

Gerade im Vergleich mit dem ähnlich gelagerten deutschen Film „Mogadischu“ von Roland Suso Richter über die Entführung der Lufthansa-Maschine „Landshut“ 1977 fallen die Defizite von „The Assault“, der seinen großartigen Stoff vollkommen verschenkt, noch deutlicher auf.

The Assault (L’Assaut, Frankreich 2010)

Regie: Julien Leclercq

Drehbuch: Simon Moutairou, Julien Leclercq

LV: Roland Môntins, in Zusammenarbeit mit Gilles Cauture: L’assaut, 2007

Mit Vincent Elbaz, Mélanie Bernier, Philippe Bas, Marie Guillard

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DVD

Atlas Film

Bild: 1.85:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Französisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Trailer

Länge: 90 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

(Blu-ray identisch)

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Hinweise

Französische Homepage zum Film

Wikipedia über „The Assault“ und über die Entführung (englisch, französisch)

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Contagion“ oder Was wäre, wenn ein Virus…

Oktober 20, 2011

Der Trailer für Steven Soderberghs neuen Film „Contagion“ sieht nach einem 08/15-Thriller der Marke „Krieg der Welten“ (die deprimierende Steven-Spielberg-Version mit Tom Cruise) aus.

Aber dass Soderbergh, der mit seinem Debütfilm „Sex, Lügen und Video“ einen weltweiten Independent-Hit hatte, sich seitdem zwischen Mainstream-, Arthouse- und Experimentalfilmen bewegt und einige ungewöhnliche Krimis wie „Kafka“, „The Limey“, „Out of Sight“, „Traffic“ und „The Good German“ drehte, einen 08/15-Thriller abliefert, dürfte niemand ernsthaft erwarten. Denn auch wenn seine Mainstream-Filme, wie „Erin Brokovich“ und die starbesetzten „Ocean’s“-Filme, wesentlich bekannter als seine Experimentalfilme, wie „Voll Frontal“ (naja, die Stars hatten wohl ihren Spaß), sind, sind auch seine Mainstream-Filme Filme für denkende Menschen.

Deshalb ist „Contagion“ auch kein normaler Seuchenthriller, in dem ein Held letztendlich im Alleingang den Virus besiegt, sondern ein quasi-dokumentarisches Werk in der Tradition von „Traffic“ oder „Syriana“ (das von „Traffic“-Autor Stephen Gaghan ist).

Soderbergh und sein Drehbuchautor Scott Z. Burns („Der Informant!“, „Das Bourne-Ultimatum“) erzählen den Verlauf einer weltweiten Pandemie von ihren Anfängen bis zu ihrem Ende und wie, an verschiedenen Orten auf dem Globus normale Menschen, Journalisten, Politiker und Wissenschaftler auf den Virus reagieren.

Die Geschichte beginnt mit Beth Emhoff (Gwyneth Paltrow), die sich in Hongkong infiziert und zwei Tage später im Krankenhaus stirbt. Ihr Ehemann Mitch (Matt Damon) versucht ihren Tod und, kurz darauf, den Tod seines Stiefsohns zu verarbeiten. Nachdem die Seuche immer mehr Menschen infiziert, will er seine 15-jährige Tochter Jory (Anna Jacoby-Heron) und sich vor dem Virus schützen. Das gelingt am Besten, indem man jeden Kontakt mit Infizierten vermeidet und sich letztendlich in seiner Wohnung einsperrt.

Zur gleichen Zeit suchen Deputy Director Ellis Cheever (Laurence Fishburne) von dem amerikanischem Zentrum für Seuchenbekämpfung und Vorbeugung (Centers for Disease Control and Prevention [CDC]), seine Untergebenen und weitere Wissenschaftler nach einem Gegenmittel. Dabei reagieren sie verschieden auf die moralischen Fragen, die der Umgang mit der extrem schnell verlaufenden und extrem tödlichen Pandemie an sie und ihre Familien und Freunde stellt.

Cheever schickt Dr. Erin Mears (Kate Winslet) zu ihrem ersten Außeneinsatz nach Minneapolis, wo die Emhoffs leben. Sie soll dort herausfinden, wie der Virus in die USA gelangte und möglichst eine weitere Verbreitung des Viruses verhindern. Dr. Ally Hestall (Jennifer Ehle), die in einem CDC-Hochsicherheitslabor arbeitet, sucht ein Gegenmittel. Dr. Leonora Orantes (Marion Cotillard) von der Weltgesundheitsbehörde in Genf, reist nach Hongkong, um dort herauszufinden, wo Beth Emhoff sich ansteckte. Sie werden dabei, wie es auch in der Wirklichkeit wäre, von vielen anderen Wissenschaftlern unterstützt – und teilweise von Politikern behindert.

Das führt für Mears zu einem Disput mit Lokalpolitikern, den schon Polizeichef Brody (Roy Scheider) in „Der weiße Hai“ führen musste, als seine Warnungen wegen wirtschaftlicher Bedenken ignoriert wurden. Cheever muss sich fragen, ob er mit seinem Wissen seine Familie schützt oder ob er auch vor ihr, wie vor der Öffentlichkeit, schweigt. Hestall probiert das Gegenmittel an sich aus.

Auf der anderen Seite steht Alan Krumwiede (Jude Law), ein regierungskritischer, zunehmend paranoider Aktivist und Blogger, dessen Story über den Virus von den Medien zuerst nicht beachtet wird. Doch dann explodieren die Zugriffszahlen auf seinen Blog.

Diese Menschen, die sich nie begegnen, und ihre Geschichten stehen im Mittelpunkt von „Contagion“. Sie ermöglichen es Drehbuchautor Burns und Regisseur Soderbergh die Pandemie, die unterschiedlichen Reaktionen darauf und wie sich verschiedene Gesellschaften damit arrangieren, in knappen Szenen aus verschiedenen Perspektiven und einem souveränem Wechseln zwischen den verschiedenen Erzählsträngen zu erzählen. Langeweile entsteht so niemals, aber man betrachtet auch die Ereignisse durch das analytische Auge eines Forschers.

Dazu gehört auch, dass es Soderbergh wieder einmal gelang, einen beeindruckenden Cast vor der Kamera zu versammeln und, weil so viele bekannte Gesichter dabei sind, ist auch unklar, wer in dem Ensemblefilm überlebt und wer stirbt. Daraus entsteht so etwas wie Spannung. Denn die Semi-Dokumentation „Contagion“ verweigert sich konsequent der normalen Hollywood-Spannungsdramaturgie. Dafür loben Wissenschaftler die Faktentreue des Films.

Contagion (Contagion, USA 2011)

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: Scott Z. Burns

mit Marion Cotillard, Matt Damon, Laurence Fishburne, Jude Law, Gwyneth Paltrow, Kate Winslet, Bryan Cranston, Jennifer Ehle, Sanaa Lathan, John Hawkes, Armin Rohde, Elliott Gould, Enrico Colantoni, Chin Han

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Contagion“

Wikipedia über “Contagion” (deutsch, englisch)


Elmore Leonard langweilt in „Dschibuti“

Oktober 9, 2011

Als eine seiner vielleicht letzten Taten hat der insolvente Eichborn-Verlag (denn der Insolvenzantrag soll eine Sanierung ermöglichen) jetzt die Übersetzung von Elmore Leonards Roman „Dschibuti“ ausgeliefert und von der Covergestaltung erinnert Leonards neuester Krimi „Dschibuti“ an seinen vorherigen „Road Dogs“. Inhaltlich leider auch. „Road Dogs“ war eine mehr als durchwachsene Wiederbegegnung mit dem charmanten Bankräuber Jack Foley, den die meisten inzwischen sicher aus Steven Soderberghs fantastischer Thrillerkomödie „Out of Sight“ mit George Clooney in der Hauptrolle kennen. „Dschibuti“ liest sich wie eine ganz schlechte Elmore-Leonard-Parodie.

Die erste Hälfte ist fast unlesbar, weil Leonard, der schon immer seine Charaktere gerne über ihre Taten reden ließ, auf die bescheuerte Idee verfiel, die Dokumentarfilmerin Dara Barr und ihren Freund Xavier LeBo in einem Hotelzimmer einzusperren. Dort sichten sie die von ihnen in den vergangenen Wochen gemachten Aufnahmen für eine Reportage über die derzeitige Piraterie am Golf von Aden und dem Horn von Afrika. Dabei reden sie über die Ereignisse, die sie sich gerade ansehen und ob sie das Material als Dokumentarfilm schneiden oder als Filmidee an Hollywood verkaufen sollen. Das kann mit viel Wohlwollen als zähe Meditation über die Realität in den Medien und über die Prinzipien des filmischen Erzählens gelesen werden.

In der zweiten Hälfte ist ein zum Islamismus und Terrorismus konvertierten Amerikaner, der jeden, der seinen echten Namen kennt, umbringt, und außerdem ein Attentat plant, die die Geschichte bestimmende Kraft. Diese Jagd nach einem Serienmörder sorgt dann für etwas Krimispannung, ohne das Buch zu retten. Denn die zweite Hälfte hat mit der ersten eigentlich nichts zu tun und der Terrorist ist wahrscheinlich Elmore Leonards langweiligster Charakter. Das mag auch daran liegen, dass Elmore Leonard kein Interesse an einer Serienkiller- oder einer Post-9/11-Terroristenjagd hatte. Denn seine Krimis sind mehr oder weniger gut getarnte Western, in denen Gangster und Polizisten gegeneinander antreten und es, für einen Hardboiled-Kriminalroman, oft erstaunlich wenige Leichen gibt. Diese Verbrecherwelt hat aber nichts mit Serienkillern und Terroristen zu tun.

In den USA ist für Ende Januar 2012 bereits ein neuer Roman von Elmore Leonard angekündigt. „Raylan“ heißt er, Deputy US Marshal Raylan Givens ist der Held und anscheinend besteht das Buch aus drei neuen, kürzeren Geschichten, in denen Raylan Givens Ärger mit drei verschiedenen Frauen hat. Beim amerikanischem Publikum ist Raylan Givens inzwischen auch wegen der erfolgreichen TV-Serie „Justified“ (Uh, wann läuft die endlich bei uns an?) bekannt.

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Elmore Leonard: Dschibuti

(übersetzt von Conny Lösch)

Eichborn, 2011

320 Seiten

19,95 Euro

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Originalausgabe

Djibouti

William Morrow, New York, 2010

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Hinweise

Homepage von Elmore Leonard

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Djibouti“ (2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Road Dogs“ (Road Dogs, 2009)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Up in Honey’s Room“ (2007)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Gangsterbraut“ (The hot Kid, 2005)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Callgirls“ (Mr. Paradise, 2004)

Mein Porträt „Man nennt ihn Dutch – Elmore Leonard zum Achtzigsten“ erschien im „Krimijahrbuch 2006“

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Sie nannten ihn Stick“ (Stick, USA 1983)

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Killshot“ (Killshot, USA 2008)

Elmore Leonard in der Kriminalakte


Kleinkram

Juli 18, 2011

Bei Complex könnt ihr die Kurzgeschichte “Naked Angel” von Joe R. Lansdale lesen. Sie erschien in dem Sammelband “L. A. Noire” (yep, zum abgefeierten PC-Game) und auf der “L. A. Noire”-Seite gibt es noch einige weitere Geschichten zum kostenlosen Download.

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Die “L. A. Noire”-Geschichte “See the Woman” von Lawrence Block gibt es bei Mulholland Books.

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Lawrence Block ist jetzt auch ein Blogger.

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Tom Piccirilli schreibt, schon vor dem Erscheinungstermin, lobende Worte über das neue alte Lawrence-Block-Buch “Getting Off” (erscheint September) und über “Choke Hold” von Christa Faust (erscheint Oktober).

Beide Bücher erscheinen bei Hard Case Crime, das nach einer Pause mit neuer Kraft weitermacht. Schaut euch einfach die Vorschau an.

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Max Allan Collins schreibt über “Target Spillane”:

I can’t imagine MYSTERY SCENE publishing a piece about any other major writer in the field that takes the approach of this one. “Agatha Christie wrote tripe, but she was a fun old gal at parties.” Who was it that said, “Pfui?”

Sixty-four years later, and the attacks on Mickey just never end, this one published in a magazine I admire and respect, from a writer I have long admired and respected.

Aber dieser neue Artikel über Mickey Spillane hat Max Allan Collins gefallen.

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Crimefactory Magazine hat sich mit Duane Swierczynski (aka Duane Louis) unterhalten.

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Der Trailer für den neuen “Sherlock Holmes”-Film “A Game of Shadows” sieht toll aus:

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Der Trailer für “Contagion”, den neuen Film von Steven Soderbergh, sieht ebenfalls vielversprechend aus:

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Auch wenn es nicht so aussieht: die neue Version von “The Thing” soll die Vorgeschichte zu John Carpenters “The Thing” (Das Ding aus einer anderen Welt, USA 1982) erzählen und kein Remake sein.

Also: Gääähn.

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Mark Billinghams, Tom Thorne, sein neuer Krimi “Bloodline” (gerade in den USA erschienen) und die Verfilmungen:

Central-Crime-Zone-Ruth gefällt “Bloodline” und zu den Thorne-Filmen meint sie:

Tom Thorne is an over the top every man cop with layers and baggage. He is Jimmy Smit’s Simone from NYPD Blues. He is Timothy Olyphant in Justified. He is Rudy Carazzo from the 57th Precinct series. He is Lucas Davenport without the cash. He is Harry Bosch with all the bad political savy.
Mark Billingham and Tom Thorne are the best of reads. There’s a depth of character and plot written with the pacing of an airport best seller.

Bei Mulholland Books gibt es die Kurzgeschichte “The Walls” von Mark Billingham (Teil 1, Teil 2) und Lee Child unterhält sich mit Mark Billingham (Teil 1, Teil 2).

Die Verfilmung des ersten Thorne-Krimis “Sleepyhead”, “Der Kuss des Sandmanns”, erscheint am 28. Juli (Verleih; Verkauf ab dem 11. August) bei Eurovideo. David Morrissey spielt Detective Inspector Tom Thorne:

Eine mysteriöse Mordserie, bei der mehrere Frauen getötet wurden, beschäftigt Ermittler Tom Thorne (David Morrissey). Seine Aufklärungsarbeit verläuft schleppend, bis plötzlich eine Überlebende (Sara Lloyd-Gregory) auftaucht und schwer verletzt ins Krankehaus eingeliefert wird. Thorne hofft auf eine Zeugin, doch er muss mit Erschrecken feststellen, dass sie am Locked-In-Syndrom leidet: einer Krankheit, bei der ihr wacher Geist in einem vollständig gelähmten Körper steckt. Dann erreicht Thorne eine grausame Nachricht des Mörders und die Ermittlung wird für ihn zu einer persönlichen Angelegenheit. Als ein weiterer Mord geschieht, ist ihm jedes Mittel recht, den Täter zur Strecke zu bringen.

Hier ein Ausschnitt aus dem Film:

Die Verfilmung des zweiten Tom-Thorne-Romans “Sacredy Cat”, “Die Tränen des Mörders” (Eurovideo) gibt es ab dem 8. August im Verleih und dem 15. September im Verkauf.

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Und von Ken Bruen gibt es inzwischen Teil XXV von “Black Lens”.


TV-Tipp für den 10. Mai: Out of sight

Mai 10, 2011

ZDFneo, 21.00

Out of sight (USA 1998, R.: Steven Soderbergh)

Drehbuch: Scott Frank

LV: Elmore Leonard: Out of sight, 1996 (Zuckerschnute, Out of sight)

Auf der Flucht verbringt Jack Foley im Kofferraum einige Zeit mit Debputy U. S. Marshal Karen Sisco. Zwischen ihnen funkt es gewaltig. Als Jack in Detroit seinen letzten Coup plant, erscheint auch Karen auf der Bildfläche.

Hochgelobte und uneingeschränkt empfehlenswerte Leonard-Verfilmung mit George Clooney, Jennifer Lopez, Ving Rhames, Don Cheadle, Dennis Farina, Luis Guzman

Von Elmore Leonards Homepage: “Out of Sight, like Get Shorty, was a totally happy film experience for Elmore. The Get Shorty production team and writer: Danny DeVitos Jersey Films and screenwriter Scott Frank, once again collaborated on an Elmore Leonard project. Jersey signed Steven Soderbergh to direct and he cast George Clooney and Jennifer Lopez in the lead roles. (…) Clooney and Lopez added considerable sizzle to Out of Sight. Steve Zahn is hilarious as a stoner car thief; Ving Rhames, Don Cheadle and Isaiah Washington are all deadly and cool. Albert Brooks was a pleasant surprise. He makes the most out of the Ripley character. It was Scott Frank who took Ripley, off-stage in the book, and made him a key character. After Scott finished his screenplay, Elmore disagreed with the Ripley move and the ´happy´ movie ending, but admitted he was right after seeing the finished film. Out of Sight has a great look thanks to Steven Soderberghís masterful direction and Scott Frank’s savvy script. The film was a critical success but a box office so-so because of an unfortunate summer release date.”

Wiederholung: Mittwoch, 11. Mai, 04.05 Uhr

Hinweise

Homepage von Elmore Leonard

Meine Besprechung von Elmore Leonards “Djibouti” (2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards “Road Dogs” (Road Dogs, 2009)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Up in Honey’s Room“ (2007)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Gangsterbraut“ (The hot Kid, 2005)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Callgirls“ (Mr. Paradise, 2004)

Mein Porträt „Man nennt ihn Dutch – Elmore Leonard zum Achtzigsten“ erschien im „Krimijahrbuch 2006“

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Sie nannten ihn Stick“ (Stick, USA 1983)

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Killshot“ (Killshot, USA 2008)

Elmore Leonard in der Kriminalakte


Neue TV-Krimi-Buch-Tipps online

April 22, 2011

Wegen des Karfreitags hat Alligator-Alfred meine TV-Krimi-Buch-Tipps bereits einen Tag früher veröffentlicht. Welche Krimiverfilmungen laufen die nächten Tage im TV?

Hier meine Einleitung:

Wer die nächsten Tage nicht mit dem Verstecken und Suchen von Ostereiern beschäftigt ist, findet einige Perlen im TV-Programm. Es beginnt mit Steven Soderberghs Elmore-Leonard-Verfilmung “Out of sight” und geht mit “Kommissarin Lucas: Am Ende muss Glück sein” (nach einem Drehbuch von Friedrich Ani), Francis Ford Coppolas Mario-Puzo-Verfilmungen “Der Pate II” und “Der Pate III”, Sidney Lumets Agatha-Christie-Verfilmung “Mord im Orient-Express”, Jacques Derays Derek-Raymond-Verfilmung “Mörderischer Engel”, Bertrand Taverniers Jim-Thompson-Verfilmung “Der Saustall”, Roger Spottiswoodes Patricia-Highsmith-Verfilmung “Mr. Ripley und die Kunst des Tötens” (nach einem Drehbuch von Donald Westlake), Oliver Stones John-Ridley-Verfilmung “U-Turn – Kein Weg zurück”, Richard Brooks Evan-Hunter-Verfilmung “Die Saat der Gewalt” und, als TV-Premiere, Béla Tarrs Georges-Simenon-Verfilmung “Der Mann aus London” weiter.


TV-Tipp für den 24. August: Explosion in Cuba

August 24, 2010

BR, 21.45

Explosion in Cuba (USA 1979, R.: Richard Lester)

Drehbuch: Charles Wood

Cuba, 1959: Wenige Tage vor dem Sturz der Batista-Diktatur soll ein britischer Ex-Offizier die Regierung bei der Bekämpfung der Rebellen beraten. Da trifft er eine frühere Freundin und wir befinden uns tief im Graham-Greene-Land.

Damals ein weiterer Flop für den am 25. August 1930 geborenen Sean Connery. Als der Politthriller 1986 seine deutsche Premiere im TV erlebte, gefiel er mir ziemlich gut. „Heute ist dieses Politdrama teilweise rehabilitiert. Es hatte sein Thema bemerkenswert differenziert und ohne Klischees gestaltet und inzwischen nostalgische Patina angesetzt.“ (Adolf Heinzlmeier: Sean Connery, 2001)

Heute sieht man den Film mit anderen Augen; und wie das oft der Fall ist, wenn kein Druck mehr besteht, die Produktionskosten einzuspielen, und wenn die Stimmen der Kritiker verhallt sind, scheint er eigentlich ganz annehmbar. Trotz der Schwierigkeiten ist Connery gut, und während die historischen Ereignisse verblassen wird ‘Explosion in Cuba’ als Film seltsamerweise sehenswerter.“ (John Parker: Sean Connery, 1995)

Regisseur Lester, der von der bizarren Komik seiner frühen Jahre immer mehr Abstand gewinnt, erreicht hier eine dennoch witzig-sarkastische und bis ins Detail genaue Bestandsaufnahme einer ausbeuterischen Gesellschaftsschicht, die mühsam ihre Augen vor dem herannahenden Untergang verschlossen hält.“ (Fischer Film Almanach 1987)

“That’s a fascinating movie. Flawed, but really the things that people disliked about it when it came out are what makes it interesting now, it’s refusal to sort of play to the idea of a war-torn romance. An absolute refusal to be sentimental or easy about anything. Brooke Adams’ character was really fascinating. Here’s a woman who says ‘Look, I don’t know what little fantasy you’ve got in your head, but don’t play it out on me, because I’m not that.’ And this guy (Sean Connery) who’s wrestling with the fact that the kind of guy he is, is obsolete now…It’s a really interesting movie.” (Steven Soderbergh, in einem Interview mit Alex Simon, 1998)

Charles Wood und Richard Lester arbeiteten bereits bei „Der gewisse Kniff“, „Help“, „Wie ich den Krieg gewann“ und „Danach“ zusammen.

mit Sean Connery, Brooke Adams, Louisa Moritz, Jack Weston, Martin Balsam, Chris Sarandon, Hector Elizondo

Wiederholung: RBB, Mittwoch, 25. August, 23.30 Uhr

Hinweise

Wikipedia über „Explosion in Cuba“ (deutsch, englisch)

Senses of Cinema über Richard Lester

Sean Connery in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Moon

Juli 15, 2010

Beim Sehen ist das Science-Fiction-Kammerspiel „Moon“, wie „Matrix“, ein toller Trip, der zum Nachdenken und zum Diskutieren über die im Film angesprochenen philosophischen Fragen einlädt. Aber, wie „Matrix“, hat „Moon“ auch mit einigen scheunentorgroßen Plotlöchern (die hier, weil sie wichtige Plottwists verraten würden, nicht diskutiert werden) zu kämpfen. Dass man diese gerne ignoriert, spricht wiederum für das Filmdebüt von Duncan Jones mit dem grandiosen Sam Rockwell in einer Doppelrolle.

Er spielt den Zeitarbeiter Sam Bell, der seit fast drei Jahren als Hausmeister auf einer Mondstation arbeitet und den Vertrag auch als Gelegenheit nutzen will, sein Leben in Ordnung zu bringen. Der Konzern Lunar baut dort den Rohstoff Helium-3 für saubere Energie ab. In wenigen Tagen darf er auf die Erde zurückfliegen und selbstverständlich freut er sich auf die Begegnung mit seiner Frau und seiner Tochter. Denn in den vergangenen Jahren hatte er, weil die Live-Übertragung unterbrochen war, nur einige Videobotschaften von ihr erhalten. Sowieso ist die Technik auf der Mondstation nicht gerade auf dem neuesten Stand.

Bells einziger Gefährte ist der ihm helfende Computer Gerty (Der im Original von Kevin Spacey wundervoll emotionslos gesprochen wird.).

Trotzdem sieht Bell plötzliche eine Frau in seinem Sessel sitzen. Später bei einer Routineinspektion der riesigen Helium-3-Abbauanlage, glaubt er wieder eine Frau zu sehen und baut einen Unfall bei dem er sich schwer verletzt.

Kurz darauf wacht er in der Krankenstation auf. Seine Kopfwunde ist verheilt. Dafür stolpert er jetzt wie ein Neugeborener durch die Raumstation. Doch das ist nicht sein schlimmstes Problem. Denn er trifft einen Doppelgänger und fragt sich, ob er nicht komplett durchgeknallt ist. Vorläufig wird er den Doppelgänger wie den sprichwörtlichen Freund Harvey behandeln.

Außerdem ist ein Rettungsteam angekündigt, das ihn, so vermutet sein Doppelgänger, vielleicht gar nicht retten soll.

Für diese Thrillerelemente interessieren sich Duncan Jones und Drehbuchautor Nathan Parker kaum. Auch die Anklage gegen das menschenverachtende Gebaren eines Konzerns, der anscheinend skrupellos Menschen opfert, ist den Machern egal. Lunar ist einfach nur ein austauschbarer, Menschen opfernder Konzern. Sein Verhalten ist sogar, ähnlich der Roboter in „Matrix“, letztendlich vollkommen irrational.

Jones und Parker stellen in ihrem langsam erzählten Film von Anfang an, wie bereits Andrei Tarkowski und Steven Soderbergh in ihren Stanislaw-Lem-Verfilmungen „Solaris“ und Douglas Trumbell in „Lautlos im Weltall“, Fragen nach dem Menschsein, seinen Wünschen und wie ein Mensch mit der Einsamkeit umgeht.

Mit diesen Fragen richten sie sich an ein erwachsenes Publikum, das Science-Fiction nicht nur als Entschuldigung zum fotogenen Zerstören von Städten, Kontinenten und Welten versteht.

Und Sam Rockwell zeigt wieder einmal sein Können. Der immer noch sträflich unterschätzte Schauspieler stemmt den Film im Alleingang. Er bereichert mit dieser Doppelrolle, nach „Frost/Nixon“, „Choke – Der Simulant“, „Per Anhalter durch die Galaxis“, „Geständnisse – Confessions of a dangerous mind“ und „Heist – Der letzte Coup“, sein schon jetzt reichhaltiges Repertoire von aufregenden Charakterstudien um eine weitere schräge Charakterstudie. In „Moon“ zeigt er dabei eine beeindruckende Studie eines körperlichen Verfalls und porträtiert den gleichen Menschen in verschiedenen Entwicklungsstufen, der sich immer wieder fragt, ob er noch normal ist und was die Realität ist.

Moon (Moon, GB 2009)

Regie: Duncan Jones

Drehbuch: Nathan Parker (nach einer Idee von Duncan Jones)

mit Sam Rockwell, Kevin Spacey, Dominique McElligott, Kaya Scodelario, Benedict Wong, Matt Berry, Malcolm Stewart

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Hinweise

Englische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Moon“

Wikipedia über „Moon“ (deutsch, englisch)



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