Denise Mina überzeugt mit der Comic-Version von Stieg Larssons „Verblendung“

April 1, 2013

Mina - Stieg Larssons Verblendung 1 - HardcoverMina - Stieg Larssons Verblendung 1 - Softcover

Nachdem die „Millenniums“-Trilogie, also die drei Romane „Verblendung“, „Verdammnis“ und „Vergebung“ von Stieg Larsson sich wie geschnitten Brot verkauft, die schwedische Verfilmung sehr erfolgreich war und aus der bis dahin unbekannten Noomi Rapace einen Star machte, der seitdem in etlichen Blockbustern mitspielen durfte, und für das US-Remake von „Verblendung“ David Fincher als Regisseur und Daniel Craig als Hauptdarsteller gewonnen werden konnten, ist die Graphic Novel (neben den Parodien) wahrscheinlich der folgerichtig nächste Schritt in der Verwertungskette.

Mit der Edgar-nominierten Krimiautorin Denise Mina, deren Romane den John Creasey Dagger for Best First Crime Novel 1998 und den Theakstons Crime Novel of the Year 2012 erhielten und die auch schon einige „Hellblazer“-Geschichten schrieb, und den Zeichnern Leanardo Manco (u. a. „Deathlok“ und „Hellblazer“) und Andrea Mutti (u. a. „DMZ“ und „The Executor“) wurde auch ein hochkarätiges Team engagiert.

Die Story von „Verblendung“ dürfte inzwischen ja bekannt sein: der renommierte Enthüllungsjournalist Mikael Blomkvist hat gerade eine Story so in den Sand gesetzt, dass er dafür demnächst eine Haftstrafe verbüßen muss. Bis dahin soll er im Auftrag von Henrik Vanger herausfinden, wer 1966 seine Nichte Harriet Vanger ermordete. Denn sie verschwand damals spurlos von der Insel, auf der die Familie ein Familientreffen hatte und damit kann der Täter nur jemand aus der Familie sein. Blomkvist übernimmt den gut dotierten Recherecheauftrag. Auch weil Henrik Vanger ihm Informationen anbietet, die seinen Ruf wieder herstellen können. Bei seinen Recherchen hilft ihm Lisbeth Salander; – aber noch nicht im ersten Band von „Verblendung“.

Denn Larssons umfangreiche und auch längliche Geschichte wird in zwei Teilen auf insgesamt 288 Seiten erzählt und „Tartan Noir“-Autorin Denise Mina folgt der bekannten Geschichte auch weitgehend, allerdings mit einigen kleineren Umstellungen und, schließlich ist in einem Comic die Textmenge begrenzt, gelungenen dramaturgischen Verdichtungen. So betont sie am Anfang stärker die Verbindung zwischen Blomkvists misslungener Enthüllungsgeschichte und dem Angebot von Vanger. Außerdem gibt es ziemlich früh Hinweise auf die Mordserie, die mit Harriet Vangers Verschwinden zusammen hängt, und sie deutet an, dass auf den Fotografien, die an dem Tag auf der Insel gemacht wurden, etwas Wichtiges zu sehen ist. Lisbeth Salanders Geschichte ist hier noch vollkommen getrennt von Mikael Blomkvists Recherchen. Dafür darf sie sich aber schon an ihrem neuen Vormund Nils Bjurman eindrucksvoll rächen. Gerade in ihrer Geschichte liegt das Hauptgewicht auf den Bildern und die düsteren Panels von Leonardo Manco und Andrea Mutti lassen ein echtes Noir-Gefühl aufkommen.

Da freue ich mich, obwohl wahrlich kein großer Stieg-Larsson-Fan, schon auf den zweiten und abschließenden Teil von „Verblendung“ und die folgenden Teile der „Millennium“-Trilogie, die auch von Denise Mina als insgesamt sechsteilige Comic-Serie geschrieben werden.

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Denise Mina (Autor)/Leonardo Manco/Andrea Mutti (Zeichner): Stieg Larsson – Millennium: Verblendung – Band 1

(übersetzt von Joachim Körber)

Panini, 2013

144 Seiten

16,95 Euro (Softcover)

24,95 Euro (Hardcover)

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Originalausgabe

The Girl with the Dragoon Tattoo – Book One

Vertigo/DC Comics, 2012

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Vorlage

Larsson - Verblendung Movie-Tie-In-Fincher

Stieg Larsson: Verblendung

(übersetzt von Wibke Kuhn)

Heyne, 2011 (Movie-Tie-In zur Fincher-Version)

704 Seiten

9,99 Euro

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Originalausgabe

Män son hatar kvinnor

Norsteds Förlag, Stockholm 2005

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Deutsche Erstausgabe

Heyne, 2006

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Verfilmungen

Verblendung (Män som hatar kvinnor, Schweden/Deutschland/Dänemark 2009)

Regie: Niels Arden Oplev

Drehbuch: Nikolaj Arcel, Rasmus Heisterberg

LV: Stieg Larsson: Män son hatar kvinnor, 2005 (Verblendung)

mit Michael Nyqvist, Noomi Rapace, Lena Endre, Peter Haber, Sven-Bertil Taube, Peter Andersson, Ingvar Hirdwall, Marika Lagercrantz, Björn Granath

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Verblendung (The Girl with the Dragon Tatoo, USA 2011)

Regie: David Fincher

Drehbuch: Steve Zaillian

LV: Stieg Larsson: Män son hatar kvinnor, 2005 (Verblendung)

mit Daniel Craig, Rooney Mara, Christopher Plummer, Stellan Skarsgård, Steven Berkoff, Robin Wright, Yorick van Wageningen, Joely Richardson, Geraldine James, Goran Visnjic, Julian Sands

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Hinweise

Homepage von Denise Mina

Mullholland Books: Interview mit Denise Mina über “Verblendung” (12. November 2012)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verblendung“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verdammnis“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Vergebung“ (Buch/Film)

Homepage von Stieg Larsson

Heyne über Stieg Larsson

Krimi-Couch über Stieg Larsson

Wikiepedia über Stieg Larsson (deutsch, englisch)

Stieg Larsson in der Kriminalakte

Meine Besprechung der Stieg-Larsson-Parodie „Verarschung“ (The Girl with the Sturgeon Tattoo, 2011) von Lars Arffssen

Meine Besprechung von Dan Burstein/Arne de Keijzer/John-Henri Holmbergs “Die Welt der Lisbeth Salander” (The Tattooed Girl, 2011)

Meine Besprechung von David Finchers Stieg-Larsson-Verfilmung “Verblendung” (The Girl with the Dragon Tattoo, USA 2011)


Neu im Kino/FIlmkritik: Zu David Finchers Version von Stieg Larssons „Verblendung“

Januar 12, 2012

Welche neuen Aspekte kann David Fincher Stieg Larssons Roman „Verblendung“ für das Kino abgewinnen? Immerhin wurde der Krimi bereits vor zwei Jahren von Niels Arden Oplev mit Michael Nyqvist als Mikael Blomkvist und Noomi Rapace als Lisbeth Salander verfilmt. Die Drehbuchautoren Nikolaj Arcel und Rasmus Heisterberg hatten die Geschichte für die 152-minütige Kino-Version (es gibt auch eine dreißig Minuten längere TV-Version) sinnvoll entschlackt und sich auf den Rätselplot konzentriert, in dem
Enthüllungsjournalist Mikael Blomkvist im Auftrag von Henrik Vanger herausfinden soll, wer vor vierzig Jahren seine Nichte Harriet Vanger auf einer einsam gelegenen Insel ermordete und ihm seitdem jedes Jahr eine getrocknete Blume schickt.
Blomkvist arbeitet sich tief in die Familiengeschichte der Vangers, einer schwedischen Großindustriellenfamilie, die auch gute Kontakte zu den Nazis hatte, ein. Denn Henrik Vanger vermutet, dass Harriet von einem Familienmitglied ermordet wurde.
Als Blomkvist mit seinen Ermittlungen nicht weiterkommt, nimmt er Kontakt zu Lisbeth Salander, einer begnadeten, aber auch ziemlich verhaltensgestörten jungen Hackerin mit einer problematischen Vergangenheit auf. Gemeinsam entdecken sie eine Mordserie, die anscheinend schon kurz nach dem Ende des zweiten Weltkrieges begann.
An dem feinem schwedischen Film war nichts auszusetzen. Jedenfalls für uns Europäer und auch die Larsson-Fans, die im Zweifelsfall eine werkgetreue Umsetzung fordern, waren zufrieden.


Für das US-Remake nahm sich Steve Zaillian (Der Falke und der Schneemann, Schindlers Liste, Gangs of New York, Die Dolmetscherin, American Gangster) den Schmöker vor – und bis auf einige kleine Details, folgte er Larssons Roman und Arcels und Heisterbergs Drehbuch fast schon sklavisch.
So werden im Original die Recherchen von Mikael und Lisbeth ausführlicher gezeigt. Es gibt einige Rückblenden in Lisbeths Jugend, die erklären, warum sie entmündigt wurde. Bei Fincher erzählt Lisbeth das nur. Sowieso erhält Lisbeth, wenn man „Verdammnis“ und „Vergebung“, die nächsten beiden Romane von Stieg Larsson nicht kennt, erstaunlich viel Filmzeit. In „Verblendung“ ist sie ja noch eine Nebenfigur, die aber auch im Roman mit vielen Buchseiten bedacht wird.
Am Ende, wenn Mikael entdeckt, was mit Harriet geschah, änderten Fincher und Zaillian eine Kleinigkeit, die immerhin dazu führte, dass die Macher des Remakes sagen konnten: „Wir haben ein anderes Ende.“ Ja, nur bewegt sich diese Änderung auf dem Niveau von „anstatt des gelben Kleides ziehen wir das Grüne an“.
Und bei Fincher deuten einige Szenen bereits auf einen Director’s Cut hin. Am deutlichsten wird das, wenn Mikaels Tochter ihn bei den Vangers besucht, sie ihm wohl etwas wichtiges sagen will (was dann aber wohl geschnitten wurde) und sie ihm bei der Abfahrt sagt, dass die rätselhaften Buchstaben und Zahlen in Harriets Tagebuch auf Bibelstellen hinweisen. Diesen entscheidenden Hinweis, der in Oplevs Film von Lisbeth kommt, konnte Fincher nicht wegschneiden. Auch die Übernahme von Mikaels Zeitschrift „Millennium“ durch die Vangers und Lisbeths Überwachung von Wennersström (einem bösen Kapitalisten, der Mikael böse reinlegte) werden im Remake als Subplots zuerst groß eingeführt und dann so lieblos fallengelassen, dass ich den Verdacht nicht los wurde, dass Fincher hier für die Kinoauswertung einiges schneiden musste.
Dafür ist das Ende von Finchers Film, nachdem der Serienmörder enttarnt ist und bekannt ist, was mit Harriet geschah, gefühlt noch länger als in der Erstverfilmung und fast so zäh wie in Larssons Roman, der da noch einen halbgaren Wirtschaftskrimi samt enervierend langer Rehabilitation von Mikael auftischt.
Abgesehen von solchen Kleinigkeiten orientiert David Fincher sich fast schon peinlich genau, auch visuell, an dem schwedischen Film, nur mit einem höherem Budget und bekannteren Schauspielern, wie Daniel Craig (der inzwischen als James Bond einfach zu bekannt ist, um einen biederen Reporter zu spielen), Christopher Plummer, Stellan Skarsgård und Robin Wright.
So bleibt als größter Gewinn von Finchers Film gegenüber Oplevs Film, dass „Nine Inch Nails“-Mastermind Trent Reznor und Atticus Ross, die auch die Musik für Finchers „The Social Network“ schrieben, für den grandiosen Sound des Unwohlseins verantwortlich sind.


Insgesamt ist David Finchers „Verblendung“ kein schlechter Film. Die Zeit vergeht bei dem überlangen Film sogar ziemlich schnell, aber er kann nie beantworten, warum das Remake gemacht werden musste; – abgesehen natürlich von den blanken kommerziellen Erwägungen.
Und, für einen US-Film, der sich an ein breites Publikum richtet, gibt es ziemlich viel nackte Haut zu sehen (Daniel Craig und Rooney Mara gemeinsam im Bett) zu sehen, Vulgärsprache („Fuck“) zu hören und gefährliche Substanzen (Alkohol! Zigaretten!) werden in rauen Mengen genossen. Oh, und eine Katze überlebt den Film nicht. Insofern ist das R-Rating „for brutal violent content including rape and torture, strong sexuality, graphic nudity, and language“ wohlverdient und der Film wurde für eine kommerziellere Freigabe nicht verharmlost.
Doch das alles kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass „Verblendung“ ein Werk ist, auf das Kenner des ersten Films durchaus verzichten können und das einfach nur, wie schon die erste Verfilmung, den Roman mit all seinen Schwächen illustriert.
Wer allerdings die schwedische Verfilmung nicht kennt, dem wird Finchers Version gefallen.

Verblendung (The Girl with the Dragon Tatoo, USA 2011)
Regie: David Fincher
Drehbuch: Steve Zaillian
LV: Stieg Larsson: Män son hatar kvinnor, 2005 (Verblendung)
mit Daniel Craig, Rooney Mara, Christopher Plummer, Stellan Skarsgård, Steven Berkoff, Robin Wright, Yorick van Wageningen, Joely Richardson, Geraldine James, Goran Visnjic, Julian Sands
Länge: 158 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
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Zum Film wurde Larssons Roman mit einem neuen Cover veröffentlicht

Stieg Larsson: Verblendung
(übersetzt von Wibke Kuhn)
Heyne, 2011 (Movie-Tie-In)
704 Seiten
9,99 Euro
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Originalausgabe
Män son hatar kvinnor
Norsteds Förlag, Stockholm 2005
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Deutsche Erstausgabe
Heyne, 2006
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Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Verblendung“
Rotten Tomatoes über „Verblendung“
Wikipedia über „Verblendung“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verblendung“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verdammnis“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Vergebung“ (Buch/Film)

Homepage von Stieg Larsson

Heyne über Stieg Larsson

Krimi-Couch über Stieg Larsson

Wikiepedia über Stieg Larsson (deutsch, englisch)

Stieg Larsson in der Kriminalakte

Meine Besprechung der Stieg-Larsson-Parodie „Verarschung“ (The Girl with the Sturgeon Tattoo, 2011) von Lars Arffssen

Meine Besprechung von Dan Burstein/Arne de Keijzer/John-Henri Holmbergs “Die Welt der Lisbeth Salander” (The Tattooed Girl, 2011)


TV-Tipp für den 5. April: Stieg Larsson: Vergebung

April 5, 2011

ZDFneo, 23.00

Stieg Larsson: Vergebung (Schweden/Dänemark/Deutschland 2009, R.: Daniel Alfredson)

Drehbuch: Ulf Rydberg

LV: Stieg Larsson: Luftslottet som sprängdes, 2007 (Vergebung)

Enthüllungsjournalist Mikael Blomkvist versucht die Unschuld von Lisbeth Salander zu beweisen. Denn sie liegt schwerverletzt im Krankenhaus und ist angeklagt, einen Mordversuch auf ihren Vater verübt zu haben. Dieser wird immer noch von mächtigen Staatsdienern geschützt.

Gegenüber der Kinoversion (die heute ihre TV-Premiere hat) wurde die zweiteilige TV-Version von Stieg Larssons drittem Bestseller auf drei Stunden verlängert. “Vergebung” schließt sich unmittelbar an “Verdammnis” an und, wer “Verdammnis” nicht gesehen oder gelesen hat, dürfte sich ziemlich verloren vorkommen.

Ansonsten ist “Vergebung” nur ein überlanger und zäher Epilog zu “Verdammnis”. Denn hier werden in 150 (Kino) bis 180 Minuten (TV) die Fragen beantwortet, die eigentlich bei dem Abspann von “Verdammnis” klar waren.

mit Michael Nyqvist, Noomi Rapace, Jacob Ericksson, Sofia Ledarp, Mikael Spreitz, Niklas Hjulström, Lena Endre, Michalis Koutsogiannakis, Yasmine Garbi, Per Oscarsson, Anders Ahlborn Rosendahl

Hinweise

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verblendung“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verdammnis“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Vergebung“ (Buch/Film)

Homepage von Stieg Larsson

Heyne über Stieg Larsson

Krimi-Couch über Stieg Larsson

Wikiepedia über Stieg Larsson (deutsch, englisch)

Stieg Larsson in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 29. März: Stieg Larsson: Verdammnis

März 29, 2011

ZDFneo, 23.00

Stieg Larsson: Verdammnis (Schweden 2009, R.: Daniel Alfredson)

Drehbuch: Jonas Frykberg

LV: Flickan Som Lekte Med Eldem, 2006 (Verdammnis)

Die Polizei hält Lisbeth Salander für eine Mörderin. Ihr Freund, der Journalist Mikael Blomkvist, will’s nicht glauben. Und, auf getrennten Wegen, suchen sie den wahren Mörder, decken einiges über Salanders Vergangenheit und einige schmutzige Regierungsgeheimnisse auf.

Verfilmung des zweiten Bandes der “Millenium”-Trilogie von Stieg Larsson. Die TV-Version verlängert die 129-minütige Kinoversion (die heute ihre TV-Premiere hat) um eine gute Stunde auf drei Stunden.

Für den Kinofilm wurde gottseidank viel Ballast aus dem Schmöker gestrichen. Allerdings fällt so auch die sehr windige Konstruktion der Geschichte noch deutlicher auf. Aber den Fans der Romane dürfte die werkgetreue Verfilmung gefallen.

mit Michael Nyqvist, Noomi Rapace, Lena Endre, Peter Andersson, Michalis Koutsogiannakis, Annika Hallin, Yasmine Garbi, Per Oscarsson, Georgi Staykov, Paolo Roberto (als er selbst)

Hinweise

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verblendung“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verdammnis“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Vergebung“ (Buch/Film)

Homepage von Stieg Larsson

Heyne über Stieg Larsson

Krimi-Couch über Stieg Larsson

Wikiepedia über Stieg Larsson (deutsch, englisch)

Stieg Larsson in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 23. Januar: Stieg Larsson: Verblendung (1)

Januar 23, 2011

ZDF, 22.00

Stieg Larsson: Verblendung (1) (Schweden/Deutschland/Dänemark 2009, Regie: Niels Arden Oplev)

Drehbuch: Nikolaj Arcel, Rasmus Heisterberg

LV: Stieg Larsson: Män son hatar kvinnor, 2005 (Verblendung)

Journalist Mikael Blomkvist soll im Auftrag des Industriellen Henrik Vanger herausfinden, was im September 1966 mit seiner Lieblingsnichte Harriet geschah. Das beziehungsgestörte Computergenie Lisbeth Salander hilft ihm beim Stochern in der Geschichte der Familie Vanger.

Um eine halbe Stunde längere TV-Version der Verfilmung des ersten Wälzers von Stieg Larsson. Im Kino hat mir der Whodunit gut gefallen.

Der zweite Teil läuft am kommenden Sonntag. “Verdammnis” und “Vergebung” werden an den darauffolgenden Sonntagen, ebenfalls in der verlängerten TV-Version, gezeigt. Und natürlich wird das ganze auch auf DVD veröffentlicht. Am 10. Februar.

Anschließend, um 23.30 Uhr, läuft die 45-minütige Doku „Die Stieg-Larsson-Story: Was hinter der Milleniums-Trilogie steckt“.

mit Michael Nyqvist, Noomi Rapace, Lena Endre, Peter Haber, Sven-Bertil Taube, Peter Andersson, Ingvar Hirdwall, Marika Lagercrantz, Björn Granath

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Facebook-Seite zum Film

YouTube-Seite zum Film

Film-Zeit über „Verblendung“

ZDF über “Verblendung”

Schnittberichte: Vergleich der Kinofassung mit der TV-Fassung von “Verblendung”

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verblendung“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verdammnis“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Vergebung“ (Buch/Film)

Homepage von Stieg Larsson

Heyne über Stieg Larsson

Krimi-Couch über Stieg Larsson

Wikiepedia über Stieg Larsson (deutsch, englisch)

Stieg Larsson in der Kriminalakte



Buch-/Filmkritik: Stieg Larssons „Vergebung“

Juni 3, 2010

Wer die Millenium-Trilogie von Stieg Larsson verschlungen hat, wird natürlich auch in den dritten Teil gehen und sich an einer romannahen Verfilmung erfreuen können. Auch wenn ein gesamter Subplot entfernt wurde. Aber wie schon in „Verblendung“ und „Verdamnis“ bleibt das Gerüst der Geschichte intakt.

Für die anderen Menschen – nun, sieht das Ganze etwas anders aus.

Vergebung“ schließt nahtlos an den zweiten Teil „Verdammnis“ an. Lisbeth Salander liegt schwer verletzt im Krankenhaus. Ihr Vater Alexander Zalachenko (im Buch Zalatschenko) im Zimmer nebenan und ihr Bruder Ronald Niedermann ist auf der Flucht. Der Staat bereitet die Anklage gegen Lisbeth vor. Immerhin hat sie versucht ihren Vater zu töten. Ihr Freund, der Enthüllungsjournalist Mikael Blomkvist, versucht ihr zu helfen.

Gleichzeitig versuchen die Beamten, die den russischen Überläufer Zalachenko die letzten Jahrzehnte schützten, ihn und damit auch sich weiterhin zu schützen.

Diese Aufräumaktion und wie sie schiefgeht wird im Film und im Buch in epischer und quälend-langatmiger Breite erzählt. Denn anstatt die Karten neu zu verteilen und damit alle Gewissheiten aus „Verdammnis“ wieder zumindest in Frage oder sogar komplett auf den Kopf zu stellen, erzählt Larsson einfach chronologisch weiter, was passiert. Deshalb ist die Hauptstory (Mikael versucht Lisbeth zu rehabilitieren) nur ein dröger Nachklapp zu der vorherigen Geschichte. Es ist, weil eigentlich in „Verdammnis“ bereits alles gesagt wurde und in „Vergebung“ keine neuen Erkenntnisse die alten Gewissheiten in Frage stellen, ein elend langer Epilog, bei dem viel, aber immer mit klarer Rollenverteilung, intrigiert wird. Denn Zalachenkos Freunde von der Sicherheitspolizei (SiPo) wollen Lisbeth Salander jetzt endgültig in die Psychiatrie einweisen lassen.

Auf der Leinwand ist dieses Pläneschmieden von einer Armada sprechender Köpfe oft ziemlich langweilig anzusehen. Denn Kino ist Bewegung und in „Vergebung“ gibt es das nur homöopathische Dosen.

Wenn Larssons Charaktere nicht gerade reden, schreiben und lesen sie. Das ist in einem Roman kein Problem, aber auf der Leinwand, wenn notgedrungen mit Voice-Over und Selbstgesprächen gearbeitet wird, langweilig.

Dagegen fällt immer stärker auf, dass die Bücher von Stieg Larsson Märchen für Erwachsene sind. Es gibt die edlen Guten und die fiesen, teilweise erstaunlich dilettantisch agierenden Bösen. Dazwischen gibt es nichts und am Ende geht die Geschichte gut aus. Denn der edle Ritter (aka Mikael Blomkvist, der nicht Kalle Blomkvist genannt werden möchte) hat die Jungfrau (aka Lisbeth Salander, die zeitgemäße Version von Pippi Langstrumpf mit starken Verhaltensstörungen) gerettet. Dass Salander am Ende noch einmal ihrem untergetauchten Bruder begegnet, ist nur ein Tribut an die gewandelten Zeiten. Immerhin gibt es inzwischen in Buch, Film und Computerspiel genug Frauen, die lustvoll ganze Horden von Männern verprügeln und töten.

So vereint „Vergebung“ das Beste und das Schlechteste von Stieg Larsson jetzt auch im Film. Obwohl wieder viel überflüssiger Ballast gestrichen wurde, ist der Film viel zu lang. Genaugenommen ist „Vergebung“ nur ein Epilog zu „Verdammnis“, der anstatt 5 Minuten fast 150 Minuten dauert und überraschungsfrei und ziemlich humorlos die Stationen eines Strafverfahrens abhakt. Nur die superdoofen Gegner von unserem tapferen Journalisten Blomkvist erstaunen immer wieder.

Für Larsson-Fans ist „Vergebung“ sicher eine probate Illustration des Buches. Wer aber den zweiten Teil der Millenium-Trilogie „Verdammnis“ nicht gelesen oder gesehen hat, wird sich beim Sehen von „Vergebung“, weil die meisten Charaktere und Hintergründe nicht mehr eingeführt werden, öfters sehr verloren fühlen.

In Schweden ist bereits die deutlich TV-Version von „Verblendung“ (dem besten Film der Trilogie), „Verdammnis“ und „Vergebung“ gelaufen. Larsson-Fans sollten sich also überlegen, ob sie sich jetzt die Einzel-DVDs kaufen oder auf den Extended-Cut warten.

Vergebung (Luftslottet som sprängdes, Schweden/Dänemark/Deutschland 2009)

Regie: Daniel Alfredson

Drehbuch: Ulf Rydberg (nach dem Roman von Stieg Larsson)

mit Michael Nyqvist, Noomi Rapace, Jacob Ericksson, Sofia Ledarp, Mikael Spreitz, Niklas Hjulström, Lena Endre, Michalis Koutsogiannakis, Yasmine Garbi, Per Oscarsson, Anders Ahlborn Rosendahl

Vorlage

Stieg Larsson: Vergebung

(übersetzt von Wibke Kuhn)

Heyne 2008

864 Seiten

9,95 Euro (Taschenbuch)

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Originalausgabe

Luftslottet som sprängdes

Norstedts Förlag, Stockholm 2007

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Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über “Vergebung”

Meine Besprechung von „Verblendung“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von “Verdammnis” (Buch und Film)

Homepage von Stieg Larsson

Heyne über Stieg Larsson

Krimi-Couch über Stieg Larsson

Wikiepedia über Stieg Larsson (deutsch, englisch)

Stieg Larsson in der Kriminalakte


Buch-/Filmkritik: Stieg Larssons „Verdammnis“

Februar 4, 2010

Verdammnis“, die Verfilmung des zweiten Romans von Stieg Larsson, ist mit 129 Minuten etwas kürzer als „Verblendung“. Der Regisseur ist neu, ebenso der Drehbuchautor. Aber die Hauptdarsteller blieben gleich: Michael Nyqvist spielt wieder den an das Gute glaubenden Enthüllungsjournalisten Mikael Blomkvist, Noomi Rapace die Hackerin Lisbeth Salander mit ihrer problematischen Vergangenheit, ihrem gestörten Verhältnis zur Umwelt und ihrem eigenen Moralkodex und Lena Endre die „Millenium“-Herausgeberin Erika Berger. Sie hat im Film eine Szene, die ganz nebenbei zeigt, was wir in Hollywood-Filmen schon lange nicht mehr sehen: zuerst hat sie beim Sex keinen BH an und anschließend geht sie nackt durch das Zimmer.

Die Actionszenen unterscheiden sich dagegen kaum von dem gewohnten Hollywood-Standard. Es gibt eine ausufernde Schlägerei in einer einsamen Hütte, Folterungen, blutige Ermordungen, einen schmerzunempfindlichen, blonden, deutschstämmigen, über zwei Meter großen Killer (der einen russischen Vater hat [Puh, sogar Hollywood hat schon lange nicht mehr so tief in die Klischeekiste gegriffen]) und eine eindeutige „Kill Bill“-Referenz. Das alles stand auch schon in der 750-seitigen Vorlage.

Die Geschichte ist, gerade weil Drehbuchautor Jonas Frykberg dem Roman sehr genau folgt, eine mit einer Anklage gegen „Männer, die Frauen hassen“ aufgebretzelter, ins epische gehender Thriller mit Polit-Touch.

Die Zeitschrift „Millenium“ plant eine große Geschichte über Mädchenhandel. Die Freier sind dabei auch renommierte Persönlichkeiten. Als der Jungjournalist Dag Svensson, seine Freundin Mia Bergmann (die über das Thema promoviert) und der Rechtsanwalt Nils Bjurman erschossen werden, vermutet der Journalist Mikael Blomkvist, dass das Motiv für die Morde die geplante Reportage ist. Die Polizei findet auf der Tatwaffe die Fingerabdrücke von Lisbeth Salander und mit ihrer Vorgeschichte ist sie die perfekte Täterin.

Dennoch glaubt Blomkvist an Salanders Unschuld.

Auf getrennten Pfaden suchen Blomkvist und Salander den Mörder, erfahren einiges über schmutzige Geheimdienstgeschäfte während des Kalten Krieges und warum Lisbeth Salander als Kind einen Mann auf offener Straße mit Benzin übergoss und anzündete.

Der Film konzentriert sich auf den Thrillerplot. Larssons Roman ist dagegen, wie „Verblendung“, furchtbar unökonomisch erzählt. Die ersten 250 Seiten sind Vorgeplänkel. Nett zu lesen, aber bis auf wenige Seiten, vollkommen unwichtig für die Geschichte.

Erst auf Seite 257 werden die Leichen von Dag Svenson und Mia Bergmann entdeckt. Fünfzig Seiten später die von Nils Bjurman und dann beginnt die Polizei Lisbeth Salander zu jagen, weil auf der Tatwaffe ihre Fingerabdrücke sind. Die Gejagte nimmt sich währenddessen eine zweihundertseitige Auszeit und taucht bis auf Seite 459 ab. Diese Seiten füllt Larsson, indem er die Ermittlungen der Polizei und deren internen Streitereien schildert. Das lässt sich zwar schnell weglesen, bringt aber den Hauptplot keinen Millimeter voran.

Jonas Frykberg strich für sein Drehbuch viel von diesem Ballast weg. Er strich das erste Drittel des Romans auf wenige Filmminuten zusammen. Er strich die Ermittlungen der Polizei auf wenige Szenen zusammen. Er übernahm aber fast jede Szene aus dem letzten Drittel des Romans. Außerdem arbeitete er an einigen Punkten die Motive der Charaktere klarer heraus und entfaltet die Verschwörung vor unseren Augen. Dafür schrieb er Szenen, die Larsson in seinem Roman wahrscheinlich weg ließ, um die Spannung zu steigern. So wird in dem Roman erst gegen Ende (und ziemlich lieblos) enthüllt, wer der Mörder ist. Im Film werden die Morde gezeigt. In dem Roman wird immer wieder von „all dem Bösen“, das zu Salanders Entmündigung führte, gesprochen. In dem Film wird daraus kein Geheimnis gemacht.

So wird allerdings auch die windige Konstruktion der Geschichte schmerzhaft offensichtlich. Das beginnt mit dem Doppelmord an dem Journalisten und seiner Freundin. Denn gerade der Doppelmord war das Blödeste, was die Verbrecher tun konnten und ihre Blödigkeit toppen sie dann noch, indem sie die Leichen in ihrer Wohnung liegen lassen. Es gibt wahrscheinlich keine bessere Methode, um die maximale Aufmerksamkeit von der Polizei und den Medien für die eigenen illegalen Geschäfte zu erhalten. Zum Glück kommt ihnen der Zufall zu Hilfe. Auf der Tatwaffe sind die Fingerabdrücke einer 1-A-Tatverdächtigen. Dummerweise ist diese Tatverdächtige mit dem Chefredakteur der Zeitung, in der die Reportage erscheinen sollte, freundschaftlich verbunden. Diese fantastische Anhäufung von Dummheit und Zufällen kulminiert am Ende auf einem einsam gelegenen Bauernhof, wenn die familiären Bande zwischen Lisbeth Salander und den Bösewichtern aufgedeckt werden.

Dennoch ist „Verdammnis“ kein schlechter Film. Als Bestsellerverfilmung muss er, um die Fans nicht zu enttäuschen, der Vorlage möglichst genau folgen. Das gelingt Autor Frykberg und Regisseur Alfredson und, dank der Konzentration auf den Thrillerplot, ist der „Film zum Roman“ sogar gelungener als die türstopperdicke Vorlage.

Verdammnis (Flickan som lekte med elden, Schweden 2009)

Regie: Daniel Alfredson

Drehbuch: Jonas Frykberg

mit Michael Nyqvist, Noomi Rapace, Lena Endre, Peter Andersson, Michalis Koutsogiannakis, Annika Hallin, Yasmine Garbi, Per Oscarsson, Georgi Staykov, Paolo Roberto (als er selbst)

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Vorlage

Stieg Larsson: Verdammnis

(übersetzt von Wibke Kuhn)

Heyne, 2007

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Sonderausgabe zum Film (mit Bonusmaterial)

768 Seiten

9,95 Euro

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Originalausgabe

Flickan Som Lekte Med Eldem

Norstedts Förlag, Stockholm, 2006

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Verdammnis“

Meine Besprechung von „Verblendung“ (Buch und Film)

Homepage von Stieg Larsson

Heyne über Stieg Larsson

Krimi-Couch über Stieg Larsson

Wikiepedia über Stieg Larsson (deutsch, englisch)


Kleinkram mit Stieg Larsson, Sue Grafton, Peter Straub, Stefan Arndt, Walton Goggins, Robert Rodriguez, James Ellroy und einem Rückblick auf die TV-Serien des Jahrzehnts

Dezember 22, 2009

Stieg Larsson

Die Verfilmung seines zweiten Romans “Verdammnis” startet am 4. Februar 2010. Die Besprechung gibt’s zum Filmstart. Den Trailer jetzt:

Ali Karim sich in London die erste Larsson-Verfilmung “Verblendung” angesehen:

You can put me down right now as saying, the Swedish film version of The Girl with the Dragon Tattoo is going to be a “sleeper hit” in 2010. Even at 2.5 hours in length, the movie seemed to jet by. Afterward, the buzz was overwhelmingly enthusiastic. The only thing we all agreed upon was that the level of violence in this picture was disturbing.

Die Filmrechte für eine amerikanische Version der Romane von Stieg Larsson sind an Sony verkauft. Scott Rudin soll produzieren und Steve Zaillian das Drehbuch schreiben. Ich bin zwar skeptisch, ob Larssons Geschichte auch in den USA funktioniert (jedenfalls gehe ich davon aus, dass die Story in die USA verlegt wird), aber bei der Sjöwall/Wahlöö-Verfilmung “Massenmord in San Fanzisco” (nach ihrem Roman “Endstation für neun”), mit Walter Matthau in der Hauptrolle, hat es ja prächtig funktioniert.

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Sarah Weinman porträtiert Sue Grafton (A is for Alibi, B is for Burglar, C is for…).

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Tom Piccirilli unterhält sich mit Peter Straub.

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Die Süddeutsche unterhält sich mit X-Filme-Gründer Stefan Arndt (zuletzt Michael Hanekes “Das weiße Band”).

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Peter Mühlbauer blickt bei Telepolis auf das Jahrzehnt der Serien zurück. Im ersten Teil “The Wire”, “Rome”, “The Shield”, “House MD” und “Jericho”; im zweiten “Dexter”, “Drawn Together”, “American Dad”, “24″ und “Aqua Teen Hunger Force”.

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Apropos “The Shield”: Walton Goggins (er spielte Detective Shane Vendrell und war Mitglied in Vic Mackeys Strike Team) erzählt Steve Weintraub (Collider), was er vom Ende der grandiosen Cop-Show hält und was seine künftigen Pläne sind.

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Robert Rodriguez verrät Steve Weintraub (Collider) einiges über “Sin City 2″ und “Machete”.

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Im neuen “Rolling Stone” gibt es ein vierseitiges Interview von Sean Wood mit James Ellroy. Lesenswert, aber leider nur offline.


Kurzmeldungen: Tarantinos Lieblinge, Geschnittene Filme, Neue Drehbücher, Eine Analyse von Hitchcocks “Rope”, Noir of the Week, Trailer zur Verfilmung von Stieg Larssons “Verblendung”, Fantasy Filmfest

August 18, 2009

Quentin Tarantino nennt seine zwanzig Lieblingsfilme von 1992 bis heute.

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Schnittberichte liefert einen Überblick über die neuen Filme, die wir dieses Jahr in Deutschland nur gekürzt sehen durften.

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Simply Scripts weist auf einige neue Drehbücher (naja, neu im Netz) hin. Unter anderem:

Jules Furthman, Leigh Brackett: Rio Bravo

Alan Trustman: The Thomas Crown Affair (das Original)

John Huston, Gladys Hill: The man who would be king (ist natürlich die grandiose Rudyard-Kipling-Verfilmung “Der Mann, der König sein wollte” mit Sean Connery und Michael Caine)

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Sex in a Submarine analysiert Alfred Hitchcocks “Rope” (Cocktail für eine Leiche). Hitchcock drehte die Verfilmung des Theaterstücks ohne einen einzigen Schnitt:

it’s an amazing experiment that actually works.

Warum? Nun, hier ist William Martells ausführliche Antwort.

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Im Kino habe ich eben den Trailer für die Stieg-Larsson-Verfilmung “Verblendung” gesehen. Der Film startet am 1. Oktober. Der Trailer sieht allerdings ziemlich s—, äh, wie ein biederer skandinavischer 08/15-TV-Krimi aus:

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Der Noir of the Week ist “Aufruhr in Santa Sierra” (Try and get me, USA 1950). Regie führte Cy Enfield. Das Drehbuch ist von Joe Pagano nach seinem Roman “The Condemned”.

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Und, uh, nicht vergessen: Fantasy Filmfest. Denn danach gibt’s viele Filme nie wieder auf der großen Leinwand. Ich freue mich auf:

Largo Winch (Comicverfilmung von Jérôme Salle, der vorher “Anthony Zimmer” drehte)

Deliver us from evil (ein neuer Ole Bornedal)

District 9 (der Hit aus den USA, ab 22. Oktober bei uns im Kino)

In the Electric Mist (hab die James-Lee-Burke-Verfilmung von Bertrand Tavernier mit Tommy Lee Jones auf der Berlinale verpasst)

Lesbian Vampire Killers (ist wahrscheinlich doof, hat aber einen genialen Titel)

New Town Killers (in Edinburgh. Schulden, 12.000 Pfund in einem Schließfach und die Jagd geht los.)

Pontypool (ein neuer Film von Bruce McDonald [Raodkill, Highway 61, Hard Core Logo])

Push (von “Lucky Number Slevin”-Macher Paul McGuigan – in einer Gratis-Vorführung)

The Sniper (ein Hongkong-Copthriller von Dante Lam)

Thirst – Durst (“Oldboy” Chan-Wook Parks neuester Streich)

The Tournament (“Ein Battle Royal der Superkiller” steht im Programmheft: alle sieben Jahre treffen sich die weltbesten Auftragskiller und knallen sich ab. Ach ja, es gibt natürlich etwas zu gewinnen. Ving Rhames und Robert Carlyle spielen mit.)

Außerdem sind Dario Argentos “Giallo”, John Woos “Red Cliff”  (erscheint im November auf DVD) und der neue Jackie-Chan-Film “Shinjuki Incident” (erscheint 2010 auf DVD) im Angebot.


DVD-Kritik: Mord und Totschlag, überall und jederzeit

März 13, 2013

Nach der fantastischen Welt von Oz, vor „Hitchcock“ und zwischen „Vega$“ (muss sein, für mich als PI-Junkie) und Peter Weir (muss sein, für alle Filmfans) stapeln sich Bücher und Filme, die ich teilweise schon vor Weihnachten gelesen habe und ausführlich besprechen wollte. Aber bis jetzt kam ich nicht dazu und in den nächsten Tagen sieht es auch nicht viel besser aus. Bevor meine Notizen auch für mich vollkommen unlesbar werden, gibt es jetzt einen Schwund kurzer Kritiken. Ich würde ja sagen Drei-Satz-Kritiken, aber dann werden es doch vier, fünf oder noch mehr Sätze.

Beginnen wir mit einigen Gangsterfilmen:

Black’s Game“ führt uns in die Unterwelt von Island. Student Stebbi hat Angst vor einer drohenden Gefängnisstrafe. Doch dann trifft er seinen Jugendfreund Toti, der inzwischen als Gangster sein Geld verdient und ihm bei diesem Problemchen helfen will. Er gibt Stebbi eine kleine Aufgabe, die er mit Bravour erledigt und fortan verfolgen wir gespannt seinen Aufstieg in der isländischen Gangsterhierarchie, in der die Protagonisten jünger und brutaler als bei Martin Scorsese sind.

Das ist mitreisend hartes Kino mit überzeugenden Schauspielern, die teilweise hier ihr Leinwanddebüt gaben. Óskar Thór Axelssons Film basiert auf einem Roman von Stefán Máni, der in einem Featurette von den Recherchen für den Roman erzählt. Wobei allerdings unklar bleibt, wie sehr der, bis auf den Epilog, 1999/2000 spielende Film „Black’s Game“ auf Tatsachen beruht oder verschiedene Vorfälle und Personen aus der isländischen Unter- und Halbwelt zu einer spannenden Geschichte verdichtet.

Black's Game - DVD-Cover

Black’s Game – Kaltes Land (Svartur á leik, Island 2012)

Regie: Óskar Thór Axelsson

Drehbuch: Óskar Thór Axelsson

LV: Stefán Máni: Svartur á leik, 2004

mit Þorvaldur Davið Kristjánsson, Jóhannes Haukur Jóhannesson, Damon Younger, Maria Birta Bjarnadóttir, Vignir Rafn Valþórsson, Egill Einarsson, Björn Jörundur Friðbjörnsson

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DVD

Koch Media

Bild: 2.35:1 (16:9)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1, DTS), Isländisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Diverse Featurettes und Interviews (19 Minuten), Originaltrailer, Wendecover

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Rotten Tomatoes über „Black’s Game“

Wikipedia über „Black’s Game“

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Bei „Mr. Nice“ stellt sich die Frage nicht. Denn Bernard Roses Film erzählt, basierend auf der Biographie von Howard Marks, dessen Lebensgeschichte und wie er vom begabten, aus ärmlichen Verhältnissen kommendem Kleinstadtjungen während der Swinging Sixties an der Universität Oxford mit Drogen und freier Liebe in Berührung kam und ratzfatz zum größten Dope-Dealer Englands aufstieg, mit dem Gesetz Probleme hatte und heute, das ist die dramaturgische Klammer, auf der Bühne locker-flockig von seinem Leben erzählt.

Mr. Nice“ ist eine mäßig unterhaltsame Selbstinszenierung von Howard Marks. Aber die Einzel-DVD ist mit einem Audiokommentar von Bernard Rose und einem von Howard Marks gut ausgestattet. Wer mehr Infos will, muss die Doppel-DVD kaufen.

Mr. Nice

Mr. Nice (Mr. Nice, GB 210)

Regie: Bernard Rose

Drehbuch: Bernard Rose

LV: Howard Marks: Mr. Nice, 1996 (Mr. Nice)

mit Rhys Ifans, Chloe Sevigny, David Thewlis, Omid Djalili, Crispin Glover

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DVD

Koch Media

Bild: 1.85:1 (16:9)

Ton: Deutsch (DTS, Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Zwei Audiokommentare, Deutscher Trailer, Originaltrailer

Länge: 118 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Film-Zeit über „Mr. Nice“

Metarcritic über „Mr. Nice“

Rotten Tomatoes über „Mr. Nice“

Wikipedia über „Mr. Nice“ (deutsch, englisch)

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Wesentlich gelungener ist Bernard Roses 1944 in London spielendes, heute fast vergessenes Frühwerk „Chicago Joe und das Showgirl“, nach einem Drehbuch von David Yallop, mit Kiefer Sutherland und Emily Lloyd in den Hauptrollen.

Emily Lloyd spielt das titelgebende Showgirl Georgina Grayson, die sich ein Leben auf der großen Bühne und als Gangsterbraut erträumt und als sie Rick ‘Chicago Joe’ Allen (Kiefer Sutherland) kennenlernt, ist sie sofort in ihn verliebt. Denn er ist ein waschechter Gangster aus Chicago! Das Liebespaar beginnt schnell ihre Version von Bonnie und Clyde zu spielen. Dummerweise ist Chicago Joe kein Gangster, sondern ein kleiner, fahnenflüchtiger Soldat und notorischer Aufschneider.

Rose spielt in diesem Film sehr interessant und für einen über zwanzig Jahre alten Mainstream-Film sehr avantgardistisch mit den verschiedenen Wahrnehmungsebenen. Denn er wechselt ständig zwischen der Realität und Georginas Träumen von der großen Hollywood-Karriere (so beginnt und endet der Film mit einer Fantasie von ihr bei der Premiere ihres großen Films [Remember „Sunset Boulevard“?]) und ihrem, aus den Hollywood-Gangsterfilmen entlehntem Bild der Wirklichkeit. Die Kulissen sind überdeutlich als Kulissen erkennbar, das Filmformat erinnern an einem Dreißiger-Jahre-Gangsterfilm, die Farben an das damals gebräuchliche Technicolor. Und auch Chicago Joe hat seine Probleme mit der schnöden Realität. Denn er steht zwischen zwei Frauen, die er beide belügt.

Ach ja: „Chicago Joe und das Showgirl“ basiert auf einem wahren Fall: dem „Cleft Chin Murder“. Am 3. Oktober 1944 lernten sich die am 5. Juli 1926 in South-Wales geborene Elizabeth ‘Betty’ Maud Jones (die als Georgina Grayson als Striptease-Tänzerin arbeitete) und der 1922 in Schweden geborene, in Massachusetts aufgewachsene Karl Hulten, der sich Ricky nannte und damals seit einem halben Jahr fahnenflüchtig war, kennen. Der Film folgt den damaligen Ereignissen anscheinend ziemlich genau.

Beide wurden zum Tode verurteilt. Hulten wurde als einziger G. I. der je in Großbritannien hingerichtet wurde, am 8. März 1945 erhängt. Jones wurde 1954 begnadigt.

Chicago Joe und das Showgirl - DVD-Cover

Chicago Joe und das Showgirl (Chicago Joe and the Showgirl, GB 1989)

Regie: Bernard Rose

Drehbuch: David Yallop

mit Emily Lloyd, Kiefer Sutherland, Patsy Kensit, Keith Allen, Liz Fraser, Alexandra Pigg

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DVD

Koch Media (Film Noir Collection 11)

Bild: 1.37:1 (4:3)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: 12-seitiges Booklet, Bildergalerie, Trailer

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Rotten Tomatoes über “Chicago Joe und das Showgirl”

Wikipedia über „Chicago Joe und das Showgirl“

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Dass „The Take – Zwei Jahrzehnte in der Mafia“ nicht das Budget von „Der Pate“ oder „Goodfellas“ hatte, sieht man und dass „The Take“ ursprünglich eine vierteilige TV-Serie war, sieht man ebenfalls. Denn der Film teilt sich in vier Blöcke, die 1984, 1988 und 1994 (der dritte und vierte Teil) spielen und die Länge einer TV-Episode haben. Und dass die Geschichte weitgehend den bekannten Genrepfaden folgt, merkt man schnell.

The Take“ erzählt die Geschichte von Freddy Jackson (Tom Hardy) und seinem Freund und Cousin Jimmy Jackson (Shaun Evans), zwei Londoner Verbrecher, die sich seit Ewigkeiten kennen. Freddie verbrachte einige Jahre im Gefängnis und kaum ist er draußen, beginnt er mit einer fiebrigen Energie, die Scarface vor Neid erblassen lassen würde, sein Imperium aufzubauen. Gleichzeitig wird er zunehmend psychopathisch und man fragt sich spätestens ab der Filmmitte, wie ein so durchgeknallter Verbrecher die letzten zehn Jahre (und die Jahre vor dem Filmbeginn) überleben konnte. Währenddessen festigt Jimmy seinen Ruf als Geschäftsmann, der zwar illegale Geschäfte betreibt, aber zunehmend verbürgerlicht.

Das folgt alles bis zum Ende, durchaus kraftvoll und für eine TV-Serie sehr brutal, den bekannten Genrekonventionen. Aber schon von Anfang spielen die Frauen an der Seite von Freddy und Jimmy, teils als Schwester, teils als Ehefrau, eine wichtige Rolle, die zwar zunächst irritiert, weil sie mit dem verbrecherischen Leben der Gangster nichts zu tun haben, aber sie sorgt auch für ein überraschendes und ungewöhnliches Ende, das auch eine Verschiebung innerhalb des Genres anzeigt. Denn im Spiel zwischen Gangstern und Gangstern und Gangstern und Polizisten ist ein weiterer Mitspieler hinzugekommen.

Und dann ist da noch Tom Hardy in Bad-Ass-Bad-Ass-Mode. Für sein Spiel war er für den 2009er Crime Thriller Award als bester Darsteller nominiert. Danach spielte er, um nur seine bekannteste Rolle zu nennen, in „The Dark Knight Rises“ den Bösewicht.

The Take - DVD-Cover

The Take – Zwei Jahrzehnte in der Mafia (The Take, GB 2009)

Regie: David Drury

Drehbuch: Neil Biswas

LV: Martina Cole: The Take, 2005 (Die Schwester)

mit Tom Hardy, Shaun Evans, Charlotte Riley, Kierston Wareing, Margot Leicester, Brian Cox, Jane Wood

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DVD

Koch Media

Bild: 1.78:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digitial 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: –

Länge: 178 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Sky1 über “The Take”

Wikipedia über „The Take“ 

Homepage von Martina Cole

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Dank „Drive“ ist Nicolas Winding Refn inzwischen wohl bekannt genug, dass mit seinem Namen geworben werden kann. Bei „Black’s Game – Kaltes Land“ war er Executive Producer, aber auf dem DVD-Cover wird er groß erwähnt. Der englische Gangsterfilm „Pusher“ basiert auf Nicholas Winding Refns gleichnamigem, rauhen Debütfilm von 1996 über einen kleinen Drogendealer, der gerade eine Pechsträhne hat und innerhalb weniger Tage viel Geld besorgen muss, das er nicht hat. Er lässt sich auf zunehmend riskante Geschäfte ein und bei einem Noir können wir uns denken, wie die Geschichte ausgeht.

Diese nicht sonderlich spektakuläre Geschichte (sie wurde durch Nicholas Winding Refns Regie, die Kamera und die Schauspieler zu etwas Besonderem) hat jetzt Drehbuchautor Matthew Read (Produzent bei „Miss Marple“, „Aurelio Zen“ und „Kommissar Wallander“) mit kleinen Änderungen ins heutige London übertragen, der Spanier Luis Prieto gab sein UK-Debüt und Richard Coyle übernahm die Hauptrolle in dieser Version von „Pusher“, die die altbekannte Geschichte in einer anderen Stadt erzählt. Das ist als eigenständiger Film gelungen, interessant im Vergleich zwischen Original und Remake und ähnelt dem US-Remake von Stieg Larssons „Verblendung“, das auch gut, aber für die Kenner des Originals auch ziemlich überflüssig ist.

Pusher - DVD-Cover

Pusher (Pusher, GB 2012)

Regie: Luis Prieto

Drehbuch: Matthew Read

mit Richard Coyle, Agyness Deyn, Bronson Webb

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DVD

Sunfilm

Bild: 16:9 (1:1,85)

Ton: Deutsch (DTS, DD 5.1), Englisch (DD 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Trailer

Länge: 88 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Metacritic über “Pusher”

Rotten Tomatoes über „Pusher“

Wikipedia über „Pusher“

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Die „Briefe aus dem Jenseits“ haben mächtig Patina angesetzt. Die Geschichte ist auch mehr ein Gruselfilm als ein Noir. Allerdings einer, der zwar einige gelungene, also unheimliche Szenen hat, aber insgesamt eher den Eindruck von verwirrend zusammengesetztem, sich als Liebesdrama viel zu ernst nehmendem Stückwerk hinterlässt.

Denn als Literaturagent Lewis Venable (Robert Cummings) in Venedig in der Villa der über hundertjährigen Juliana Bordereau (Agnes Moorehead) unter einem Vorwand die anscheinend unglaublich beeindruckenden Liebesbriefe des verschollenen Poeten Jeffrey Ashton an sie sucht, wird er in ein Spiel um Identitäten, Schein und Sein hineingezogen und er verliebt sich in die Nichte der Hausherrin (Susan Hayward), die nach Sonnenuntergang zu einer anderen Frau wird.

Briefe aus dem Jenseits - DVD-Cover

Briefe aus dem Jenseits (The Lost Moment, USA 1947)

Regie: Martin Gabel

Drehbuch: Leonardo Bercovici

LV: Henry James: The Aspern Papers, 1888 (Asperns Nachlass)

mit Robert Cummings, Susan Hayward, Agnes Moorehead, Joan Lorring, John Archer

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DVD

Koch Media (Film Noir Collection 10)

Bild: 1.37:1 (4:3)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: 12-seitiges Booklet, Bildergalerie

Länge: 85 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Rotten Tomatoes über “Briefe aus dem Jenseits”

Turner Classic Movies über “Briefe aus dem Jenseits

Wikipedia über „Briefe aus dem Jenseits“ 

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P. S.: Der Trailer ist ein Fan-Made-Trailer.

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Zurück in die Fast-Gegenwart.

Der Mann mit der Stahlkralle“. Das klingt doch nach zünftiger, gehirnbefreiter Action mit vielen schlagenden und tretenden Asiaten. Vor allem weil der Film erst 1980, drei Jahre nach dem US-Kinostart, in die deutschen Kinos kam und in den Bahnhofkinos gerade gefühlt jeder zweite Film einen „Bruce Lee“ im Titel hatte. Da konnte „Der Mann mit der Stahlkralle“ nur ein weiterer billiger Action-Film sein, der auch bei der Kritik schlecht ankam: „übles Kinostück“ (Fischer Film Almanach 1981), „blutrünstiger Film“ (Lexikon des internationalen Films).

Nun, blutrünstig ist der Film in einigen Momenten und natürlich im Showdown. Und ein Mann mit einer Stahlkralle kommt auch vor. Aber der Originaltitel „Rolling Thunder“ trifft es schon eher. Denn wie ein Donnergrollen bewegt sich die Noir-Geschichte langsam und sehr fatalistisch voran. Paul Schrader, der Autor von „Taxi Driver“, hatte die Idee für die Geschichte von einem Kriegsheimkehrer, der sich in seiner alten Heimat nicht mehr zurechtfindet. Eine Geschichte, die in vielen Momenten in einem interessanten Verhältnis zu „Taxi Driver“ steht und damals, – wir sind in der Prä-“Rambo“-Zeit und auch auch vor den kritischen Vietnam-Filmen „Sie kehren heim“ (Coming Home) und „Die durch die Hölle gehen“ (The Deer Hunter) -, im Kino noch Terra Incognita war. Heywood Gould (The Bronx, Cocktail) wurde dann als zweiter Drehbuchautor genommen und John Flynn, der davor die unterschätzte Richard-Stark-Verfilmung „Revolte in der Unterwelt“ (The Outfit) drehte, übernahm die Regie. Flynn drehte später unter anderem „Bestseller“ und „Lock Up – Überleben ist alles“.

Erzählt wird die Geschichte von Major Charles Raine (William Devane) der 1973 nach einer siebenjährigen Gefangenschaft in einem Vietcong-Gefangenenlager wieder in seine alte Heimat San Antonio, Texas zurückkehrt. Aber der introvertierte Mann, der überall als Kriegsheld gefeiert wird, hat Probleme, in sein altes Leben, das es auch nicht mehr gibt, zurückzukehren. Für seinen Sohn ist er ein fremder Mann. Seine Frau hat sich in einen anderen Mann verliebt. Er hat keinen Job.

Erst als einige Verbrecher ihm einige Münzen, die er als Anerkennung für seine Gefangenschaft erhielt, klauen, seine Familie umbringen und ihm in einem Küchenabfallzerkleinerer (in Texas ein übliches Haushaltsgerät) seine Hand zerhäckseln, hat er wieder eine Mission und die titelgebende Stahlkralle als Ersatz für die fehlende Hand.

Raine will die Mörder seiner Frau und seines Sohnes finden.

Dabei hilft ihm Johnny Vohden (Tommy Lee Jones), der mit ihm in Gefangenschaft war und daran ebenfalls zerbrochen ist.

Tommy Lee Jones hat zwar nur wenige Szenen in dem Film, aber wie er in ihnen die Verlorenheit seines Charakters zeigt, ist großes Schauspiel.

Denn Raine und Vohden sind zutiefst gebrochene Charaktere, die in der Gesellschaft ihren Platz nicht mehr finden. Genau wie Travis Bickle (Robert De Niro) in „Taxi Driver“ oder William James (Jeremy Renner) in „The Hurt Locker“.

Das gesagt, muss allerdings auch gesagt werden, dass „Der Mann mit der Stahlkralle“ sogar nach damaligem Standard sehr langsam erzählt ist, die wenigen Schnitte, die dunklen Bilder und die introvertierten Charaktere dieses Gefühl der Langsamkeit noch verstärken und so „Der Mann mit der Stahlkralle“ sich zäher als nötig ansieht. Jedenfalls wenn man auf die Action gespannt ist. Die gibt es erst in der zweiten Hälfte und sie ist immer noch ziemlich graphisch. Wobei die schlimmste Szene, gerade weil wir sie uns so gut vorstellen können, wohl das Zerkleinern von Raines’ Hand ist.

Das Bonusmaterial ist sehr gelungen. Es gibt eine Bildergalerie, ein elfminütiges Interview mit Linda Haynes über die Dreharbeiten und ihr Leben nach dem Film abseits der Filmindustrie und einen sehr interessanten und sehr informativen Audiokommentar, bei dem Drehbuchautor Heywood Gould im lockeren Gespräch mit Roy Frumkes aus seinem Leben und über den Film erzählt. Wer also einen Blick hinter die Kulissen werfen will, ist hier ziemlich gut bedient. Und wer wissen will, warum „Der Mann mit der Stahlkralle“ einer der Lieblingsfilme von Quentin Tarantino und Eli Roth ist, sollte sich Eli Roths „Trailer from Hell“-Audiokommentar zum Trailer anhören.

Ach ja: „Der Mann mit der Stahlkralle“ war bis 2001 auf dem Index und diese DVD/Blu-ray ist die erste ungekürzte Veröffentlichung des Films in Deutschland.

Der Mann mit der Stahlkralle - DVD-Cover

Der Mann mit der Stahlkralle (Rolling Thunder, USA 1977)

Regie: John Flynn

Drehbuch: Paul Schrader, Heywood Gould

mit William Devane, Tommy Lee Jones, Linda Haynes, James Best, Lisa Richards

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DVD

Koch Media

Bild: 1.85:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Audiokommentar mit Drehbuchautor Heywood Gould, Interview mit Darstellerin Linda Haynes (11 Minuten), Trailer mit Kommentar von Eli Roth, Trailer, TV-Spot, Bildergalerie

Länge: 96 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Noir of the Week: Krimiautor Wallace Stroby über „Der Mann mit der Stahlkralle“

Rotten Tomatoes über „Der Mann mit der Stahlkralle”

Turner Classic Movies über “Der Mann mit der Stahlkralle”

Wikipedia über „Der Mann mit der Stahlkralle“ 

Homepage von Heywood Gould


Blutig, dieser „Mord(s)kalender 2013“

September 12, 2012

Filmkalender sind ja okay, aber für einen richtigen Krimifan auch irgendwie etwas blutleer. Ein „Mord(s)kalender“ entspricht da schon eher den Bedürfnissen und mit der neuesten Ausgabe kommt der Conte Verlag diesem Bedürfnis auch im besten Hosentaschenformat nach.

Was erwartet den geneigten Krimifan bei diesem Kalender? Außer natürlich einem gültigen Kalender für 2013. Nun, täglich sind, oft mehrere, Geburts- und Todestage von wichtigen Krimischaffenden, normalerweise mit einigen weiterführenden Informationen, aufgelistet.

Warum hab ich „Krimischaffende“ und nicht „Krimiautoren“ geschrieben? Nun, am 12. September wird Johnny Cash, der am 12. September 2003 gestorben ist, erwähnt, weil: er ist „mehrmals in Gefängnissen aufgetreten und hat mit ‘I shot a man in Reno just to watch him die’ eine der prägnantesten Zeilen zum Thema ‘Rock und Mord’ gesungen“. Wolfgang Menge, geb. 10. April 1924, der Drehbücher für „Stahlnetz“ und „Tatort“ schrieb, „Ein Herz und eine Seele“ erfand und eine Institution für den TV-Krimi ist, wird ebenfalls erwähnt. Dummerweise geht es ihm wie vielen Institutionen: man ignoriert sie. Aber das ist eine andere Geschichte.

Es gibt ein kleines Glossar, Linktipps, ein alphabetisches Namensregister, und natürlich eine Übersicht über die Schulferien.

Das Herzstück sind allerdings die 53 Obduktionen. Jede Woche gibt es eine einseitige Kolumne, „die sich mit einem Aspekt der kommenden sieben Tage eingehender befasst“. Manchmal, allerdings viel zu selten, ist dieser Zusammenhang offensichtlich: wenn es um den 50. Geburtstag von Uta-Maria Heim (geb. 14. Oktober 1963), der 50. Geburtstag von Ralf Kramp (geb. 29. November 1963), den 60. Geburtstag von Jan Zweyer (geb. 12. Dezember 1953), der 65. Geburtstag von Henning Mankell (geb. 3. Februar 1948), den 70. Geburtstag von Frank Göhre (geb. 16. Dezember 1943), den 125. Geburtstag von Raymond Chandler (geb. 23. Juli 1888) und den 25. Todestag von Charles Willeford (27. März 1988) geht.

Aber meistens könnten die Texte auch einfach in einem anderen Jahr gedruckt werden. So werden in anderen Obduktionen, relativ willkürlich, irgendwie interessante und wichtige Themen abgegrast, wie unvollendete Romane (ach ja, Max Allan Collins hat nicht zwei, sondern bereits drei Mike-Hammer-Romane von Mickey Spillane vollendet, der vierte „Lady, Go Die!“ erschien im Frühling und dürfte damit am Redaktionsschluss für diesen Kalender vorbeigeschrammt sein – und noch keiner wurde übersetzt), Winterkrimis, Kriminalromane und Literatur, Marianne Bachmeier und ihre Selbstjustiz im Gerichtssaal am 6. März 1981, Kitty Genovese und der Bystander-Effekt (sie wurde am 13. März 1964 auf offener Straße getötet [diese „Obduktion“ hätte daher besser in den 2014er-Kalender gepasst]), Rex Miller und das Monströse, ein Porträt von „Pulp Master“ (Uups, wurde da ein älterer Text verwendet? „dessen ‘Piss in den Wind’ zu einem Höhepunkt des Jahres 2011 wird“), vergessene Bestseller, das Regiophänomen, Sherlock Holmes stirbt nie (Yeah!), die Premiere von „Rashomon“ am 25. August 1950 (deutsche Kinostart war erst zwei Jahre später) oder die von „Fahrstuhl zum Schafott“ am 29. Januar 1958 (allerdings erst in einer November-“Obduktion“,; der deutsche Kinostart war am 29. August 1958), einige Worte über das Gangsterpärchen Bonnie Parker und Clyde Barrow, die sich im Januar 1930 begegneten (nicht 1920, wie es im „Mord(s)kalender“ steht) und am 23. Mai 1934 im Kugelhagel starben, und eine Eloge auf George V. Higgins, der von etlichen wichtigen US-Krimiautoren bewundert wird und bei uns nur noch antiquarisch erhältlich ist.

Und alle vier Wochen gibt es den „Held des Monats“. 2013 sind es Hans Bärlach (von Friedrich Dürrenmatt), Tom Ripley (von Patricia Highsmith), Karin Lietze (von Pieke Biermann), Konstantin Kirchenberg (von Norbert Horst; immerhin war seine erste Ermittlung 2003 in „Leichensache“), Isaac Sidel (von Jerome Charyn), Jean-Baptiste Adamsberg (von Fred Vargas), Mike Hammer (von Mickey Spillane), Richter Di (von Robert van Gulik), Jane Marple (von Agatha Christie), Auguste Dupin (von Edgar Allan Poe), Lisbeth Salander (von Stieg Larsson) und Artie Wu und Quincy Durant (von Ross Thomas).

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Mord(s)kalender 2013 – Deine Tage sind gezählt

Conte Verlag, 2012

256 Seiten

11,90 Euro

 


Die Edgar-Nominierungen 2012

Januar 28, 2012

Die Nominierungen der Mystery Writers of America für den diesjährigen Edgar sind draußen. Die Preisverleihung ist am 26. April im Grand Hyatt Hotel in New York.
Nominiert sind
BEST NOVEL
The Ranger von Ace Atkins
Gone von Mo Hayder
The Devotion of Suspect X von Keigo Higashino
1222 von Anne Holt
Field Gray (Mission Walhalla) von Philip Kerr
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BEST FIRST NOVEL BY AN AMERICAN AUTHOR
Red on Red von Edward Conlon
Last to Fold von David Duffy
All Cry Chaos von Leonard Rosen
Bent Road von Lori Roy
Purgatory Chasm von Steve Ulfelder
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BEST PAPERBACK ORIGINAL
The Company Man von Robert Jackson Bennett
The Faces of Angels von Lucretia Grindle
The Dog Sox von Russell Hill
Death of the Mantis von Michael Stanley
Vienna Twilight von Frank Tallis
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BEST FACT CRIME
The Murder of the Century: The Gilded Age Crime That Scandalized a City and Sparked the Tabloid Wars von Paul Collins
The Savage City: Race, Murder, and a Generation on the Edge von T.J. English
Destiny of the Republic: A Tale of Madness, Medicine and the Murder of a President von Candice Millard
Girl, Wanted: The Chase for Sarah Pender von Steve Miller
The Man in the Rockefeller Suit: The Astonishing Rise and Spectacular Fall of a Serial Imposter von Mark Seal
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BEST CRITICAL/BIOGRAPHICAL
The Tattooed Girl: The Enigma of Stieg Larsson and the Secrets Behind the Most Compelling Thrillers of our Time (Die Welt der Lisbeth Salander) von Dan Burstein, Arne de Keijzer und John-Henri Holmberg
Agatha Christie: Murder in the Making von John Curran
On Conan Doyle: Or, the Whole Art of Storytelling von Michael Dirda
Detecting Women: Gender and the Hollywood Detective Film von Philippa Gates
Scripting Hitchcock: Psycho, The Birds and Marnie von Walter Raubicheck und Walter Srebnick
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BEST SHORT STORY
“Marley’s Revolution” – Alfred Hitchcock Mystery Magazine von John C. Boland
“Tomorrow’s Dead” – Ellery Queen Mystery Magazine von David Dean
“The Adakian Eagle” – Down These Strange Streets von Bradley Denton
“Lord John and the Plague of Zombies” – Down These Strange Streets von Diana Gabaldon
“The Case of Death and Honey” – A Study in Sherlock von Neil Gaiman
“The Man Who Took His Hat Off to the Driver of the Train” – Ellery Queen Mystery Magazine von Peter Turnbull
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BEST JUVENILE
Horton Halfpott von Tom Angleberger
It Happened on a Train von Mac Barnett
Vanished von Sheela Chari
Icefall von Matthew J. Kirvon
The Wizard of Dark Street von Shawn Thomas Odyssey
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BEST YOUNG ADULT
Shelter von Harlan Coben
The Name of the Star von Maureen Johnson
The Silence of Murder von Dandi Daley Mackall
The Girl is Murder von Kathryn Miller Haines
Kill You Last von Todd Strasser
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BEST PLAY
Sherlock Holmes and the Adventure of the Suicide Club von Jeffrey Hatcher (Arizona Theatre Company, Phoenix, AZ)
The Game’s Afoot von Ken Ludwig (Cleveland Playhouse, Cleveland, OH)
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BEST TELEVISION EPISODE TELEPLAY
“Innocence” – Blue Bloods, Drehbuch von Siobhan Byrne O’Connor (CBS Productions)
“The Life Inside” – Justified, Drehbuch von Benjamin Cavell (FX Productions and Sony Pictures Television)
“Part 1″ – Whitechapel, Drehbuch von Ben Court und Caroline Ip (BBC America)
“Pilot” – Homeland, Drehbuch von Alex Gansa, Howard Gordon und Gideon Raff (Showtime)
“Mask” – Law & Order: SVU, Drehbuch von Speed Weed (Wolf Films/Universal Media Studios)
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ROBERT L. FISH MEMORIAL AWARD
“A Good Man of Business” – Ellery Queen Mystery Magazine von David Ingram
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GRAND MASTER
Martha Grimes
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RAVEN AWARDS
M is for Mystery Bookstore, San Mateo, CA
Molly Weston, Meritorious Mysteries
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ELLERY QUEEN AWARD
Joe Meyers, Connecticut Post/Hearst Media News Group
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THE SIMON & SCHUSTER – MARY HIGGINS CLARK AWARD
(präsentiert bei der MWA’s Agents & Editors Party am Mittwoch, den 25. April 2012)
Now You See Me von S.J. Bolton
Come and Find Me von Hallie Ephron
Death on Tour von Janice Hamrick
Learning to Swim von Sara J. Henry
Murder Most Persuasive von Tracy Kiely
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Das sind wirklich nicht die üblichen Verdächtigen.


Dan Burstein entschlüsselt „Die Welt der Lisbeth Salander“

Januar 4, 2012

Dass sich mein Stieg-Larsson-Fantum in sehr überschaubaren Grenzen bewegt, ist bekannt. Deshalb tendierte mein Interesse an Dan Bursteins „Die Welt der Lisbeth Salander – Die Millennium-Trilogie entschlüsselt“ gegen Null. Burstein veröffentlichte in den vergangenen Jahren etliche Bücher, in denen er die Bücher von Dan Brown entschlüsselte und die mich noch weniger als der in China umfallende Sack Reis interessierten.
Daher war mir auch „Die Welt der Lisbeth Salander“ herzlich egal, bis, tja, bis das Buch in meinem Briefkasten landete, ich das Inhaltsverzeichnis überflog, anfing zu lesen (Christopher Hitchens! „Nordic Noir“!) und, upps, kurz darauf, das ganze Buch gelesen hatte.
Denn Burstein beschäftigt sich nicht nur mit Stieg Larssons drei Romanen, sondern auch mit seinem Leben, seinen literarischen Vorbildern, den Verfilmungen und dem skandinavischem Krimi, teils in Überblickartikeln, teils in Interviews. Für den US-amerikanischen Buchmarkt liefern Burstein und seine Ko-Autoren Arne de Keijzer (der bereits mehrere Bücher mit Burstein veröffentlichte) und John-Henri Holmberg (der mit Larsson seit 1972 befreundet war) so auch einige Hintergrundinformationen über den „Schwedenkrimi“ und die dortige Gesellschaft, die für viele Amerikaner wahrscheinlich neu sind. Für uns natürlich weniger, weil die schwedische Gesellschaft doch der deutschen ähnelt und wir in den vergangenen Jahren wahrlich genug Schwedenkrimis lesen konnten. Daher erstaunte mich auch, dass Burstein, de Keijzer und Holmberg noch mehrere Krimiautoren interviewen konnten, die bislang nicht ins Deutsche übersetzt wurden.
Im Zentrum des sechshundertseitigen Sammelbandes steht natürlich Stieg Larsson, seine „Millennium“-Trilogie, mit Spekulationen über den vierten Band, und immer wieder Lisbeth Salander. Mikael Blomkvist kommt eigentlich überhaupt nicht vor. Das kann an den englischen Titeln „The Girl with the Dragon Tattoo“, „The Girl who played with Fire“ und „The Girl who kicked the Hornets Nest“ liegen, die eindeutig den Fokus auf Salander, die junge, verhaltensgestörte, entmündigte Computerspezialistin, legen, das kann auch daran liegen, dass Blomkvist, der unsportliche Enthüllungsjournalist mit dem immensen Kaffeekonsum und Sexualleben das sogar James Bond neidisch macht, einfach der langweiligere Charakter ist. Wobei mir ein Artikel „Warum ich gerne Mikael Blomkvist wäre“ gefallen hätte.
Sehr interessant sind die Interviews mit Freunden, Bekannten und Arbeitskollegen von Stieg Larsson, dessen Zeitschrift „Expo“ das Vorbild für „Millenium“ (die Zeitschrift, für die Blomkvist arbeitete) war. Auch die 120-seitige Stieg-Larsson-Biographie  von Holmberg gibt, ergänzt um die 50 Seiten zu Larssons Fantum zum Science Fiction und zum Krimi,  einen Einblick in die schwedische Gesellschaft der vergangenen vierzig Jahre, den linken Bewegungen (in denen Larsson sich engagierte) und dem Siebziger-Jahre-Science-Fiction-Fantum, mitsamt den internen Streitigkeiten.
Ziemlich uninteressant wird es dagegen, wenn in Larssons drei Romane „Verblendung“, „Verdammnis“ und „Vergebung“ alles möglich hineininterpretiert wird und Laura Gordon Kutnick schön verschwörungstheoretisch Larssons Leben mit seinen Romanen vergleicht und sich fragt, ob Larsson ermordet wurde oder, wie viele seine Charaktere, untergetaucht ist. Abgesehen davon, dass etliche Elemente von Larssons Romanen zum festen Inventar eines Polit-Thrillers gehören (ein Artikel, der einen solchen Vergleich anstellt, fehlt leider), entbehren die Fragen jeder Grundlage. Denn wenn Larsson noch Leben würde und die Aussagen seiner Freunde über ihn stimmen, hätte oder würde er sicher dafür sorgen, dass seine Freundin und nicht seine Familie, zu der er eigentlich keinen Kontakt mehr hatte, die Einnahmen aus seinen Büchern bekommt.
Bei all der Lisbeth-Salander-Verklärung fällt auch auf, dass neben dem augenfälligen und schon von Larsson gebrachten Pippi-Langstrumpf-Vergleich kaum auf literarische, filmische und popkulturelle Vorläufer eingegangen wird, die auch Larsson, der ein eifriger Krimi- und SF-Leser war, kannte. Das wären neben der von Peter O’Donnell bereits in den Sechzigern erfundenen Modesty Blaise (wird erwähnt), die vielen, nur sehr knapp erwähnten, Privatdetektiv-Krimis seit den Achtzigern (beginnend mit den Romanen von Sara Paretsky, Sue Grafton und Linda Barnes), Science-Fiction-Geschichten (neben den Buch erwähnten wären es vor allem Cyberpunk-Autoren, wie William Gibson, Bruce Sterling und Neal Stephenson), diversen Hongkong-Krimis (wie „The Heroic Trio“ mit Michelle Yeoh und Maggie Cheung) und Filmen mit starken Frauen (wie „Strange Days“ und „Matrix“), auch die seit Robert B. Parker im Privatdektivkrimi fest etablierte Teilung von skrupelbehaftetem Detektiv und skrupellosem Freund. Ich sage nur Spenser und Hawk.
„Die Welt der Lisbeth Salander“ ist, wenn man die Lobhuddelei auf Larsson überliest, auch für Nicht-Larsson-Fans eine gewinnbringende Lektüre, die durch ein, zwei ordentliche Verrisse noch besser geworden wäre.
Wer noch mehr über Krimis aus Skandinavien erfahren, sollte sich unbedingt „Fjorde, Elche, Mörder – Der skandinavische Kriminalroman“ von Jost Hindersmann besorgen.
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Dan Burstein/Arne de Keijzer/John-Henri Holmberg (Hrsg.): Die Welt der Lisbeth Salander – Die Millennium-Trilogie entschlüsselt
(übersetzt von Thomas Pfeiffer, Friedrich Pflüger und Ursel Schäfer)
Heyne, 2012
628 Seiten
9,99 Euro
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Originalausgabe
The Tattooed Girl
St. Martin’s, New York 2011
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Hinweise

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verblendung“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verdammnis“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Vergebung“ (Buch/Film)

Homepage von Stieg Larsson

Heyne über Stieg Larsson

Krimi-Couch über Stieg Larsson

Wikiepedia über Stieg Larsson (deutsch, englisch)

Stieg Larsson in der Kriminalakte

Meine Besprechung der Stieg-Larsson-Parodie “Verarschung” (The Girl with the Sturgeon Tattoo, 2011) von Lars Arffssen

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Demnächst im Kino (Besprechung folgt zum Filmstart)


HaHa, sehr witzig, die „Verarschung“ von Lars Arffssen

Juli 26, 2011

Dass Lars Arffssen mit „Verarschung“ die Bestseller „Verblendung“, „Verdammnis“ und „Vergebung“ von Stieg Larsson parodiert, dürfte auch dem Dümmsten sofort auffallen.

Larsson erzählt in seinen drei posthum erschienenen Krimis, wie der Enthüllungsjournalist Mikael Blomkvist und die Hackerin Lisbeth Salander das Unrecht in Schweden bekämpfen. Dabei decken sie Frauenverachtung, Frauenhass und staatsgefährdende Umtriebe zwischen Geheimdiensten und Verbrecherbanden bis in die höchsten Ebenen des Landes auf. Das ist moralisch honorig, aber nicht besonders gut geschrieben, absolut humorfrei und bestenfalls mäßig geplottet. Denn Larsson ergeht sich in den jeweils etwa 800-seitigen, anscheinend in einem Schreibrausch geschriebenen Werken in zahllosen, oft auch uferlosen und belanglosen Nebengeschichten, unwichtigen Details (kein Computer, ohne dass gleich das Datenblatt mitgeliefert wird; kein Gespräch, ohne dass gleich mehrere Tassen Kaffee getrunken werden), endlosen Wiederholungen und garniert das ganze mit einer pseudo-verschachtelten Struktur, die nur auf den ersten Blick gedankliche Tiefe vortäuschen kann. Das und der überwältigende Erfolg beim Publikum, denn die Bücher sind weltweit Bestseller, die schwedischen Verfilmungen waren ebenfalls kommerziell erfolgreich und in den USA hat David Fincher gerade das Remake von „Verblendung“ gedreht, forderten natürlich eine Parodie heraus und eigentlich ist nur verwunderlich, dass erst jetzt die „Verarschung“ (der deutsche Titel ist viel deutlicher als der US-Titel) von „Verblendung“, „Verdammnis“ und „Vergebung“ erscheint. In ihr ist, wie es sich für eine Parodie gehört, alles hoffnungslos übertrieben. Denn eine Parodie ist „eine verzerrende, übertreibende oder verspottende Nachahmung“ (Wikipedia).

Die Verzerrung und die Übertreibung gelingt Arffssen auch ziemlich gut. Die Verspottung nur, wenn man Spott nicht mit Lachen verwechselt. Denn wer die Larsson-Bücher „Verblendung“, Verdammnis“ und „Vergebung“ gelesen hat, wird in der Parodie auch viele bekannte Charaktere mit leicht geänderten Namen und Plotwendungen wiedererkennen. Lizzy Salamander ist, wieder einmal, inhaftiert, weil sie einen Mord begangen haben soll (siehe „Verdammnis“ und „Vergebung“). Mikael Blomberg soll für den Möbelkonzern UKEA den Mord an dem Sohn des Inhabers aufklären und sich mit der Nazi-Vergangenheit des Unternehmens beschäftigen (siehe „Verblendung“). Ein Irrer ermordet Rentiere – und alles hängt miteinander und mit der Familiengeschichte von Salamander zusammen (siehe alle Larsson-Bücher). Wenn Sie jetzt verwirrt sind, haben sie die Methode Larsson verstanden.

Gleichzeitig könnte „Verarschung“, auch weil die Geschichte zeitlich nach „Vergebung“ spielt, als vierter „Millennium“-Band durchgehen. Denn bis auf die astronomischen Minusgrade, den schonungslos übertriebenen Männerhass, der jeden Mord rechtfertigt und nur noch durch einige fiktive Gesetze getoppt wird, und Blombergs unglaubliche Anziehungskraft auf Frauen (nein, halt, das war schon so in der Vorlage), einige Übertreibungen (in Salamanders kleine Gefängniszelle wird ein unglaublich großer Computer geschmuggelt und niemand kümmert es) ist alles so, wie wir es aus den Larsson-Büchern kennen: eine absurde Geschichte, eine unglaubliche Detailversessenheit (kein Computer ohne genaueste Speicherangaben), unendlich langweilige Dialoge (gerne auch über Computer geführt), epische Subplots und unwitzige Witze.

Damit erschöpft sich der Witz von „Verarschung“ schon nach zehn Seiten. Der Rest nötigt etwas Bewunderung ab. Denn Arffssen trifft den Ton des Originals ziemlich gut – und damit könnte „Verarschung“, wenn man einige Übertreibungen herausnimmt, gut als viertes Abenteuer von Mikael Blomkvist und Lisbeth Salander fungieren.

Als Parodie ist „Verarschung“ dagegen ziemlich in die Hose gegangen. Denn ich konnte nicht einmal Lachen. Noch nicht einmal lächeln.

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Lars Arffssen: Verarschung – Die Parodie

(übersetzt von Karolina Fell, Silke Jellinghaus, Katharina Naumann)

Rowohlt, 2011

272 Seiten

8,99 Euro

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Originalausgabe

The Girl with the Sturgeon Tattoo

St. Martin’s Press, New York, 2011

(erscheint am 30. August 2011)

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Hinweise

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verblendung“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verdammnis“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Vergebung“ (Buch/Film)

Homepage von Stieg Larsson

Heyne über Stieg Larsson

Krimi-Couch über Stieg Larsson

Wikiepedia über Stieg Larsson (deutsch, englisch)

Stieg Larsson in der Kriminalakte


Neue TV-Krimi-Buch-Tipps online

Januar 19, 2011

Selbstverständlich sind meine TV-Krimi-Buch-Tipps schon einige Tage online bei den Alligatorpapieren:

Patrica-Highsmith-Fans dürfen sich auf mehrere Verfilmungen ihrer Werke freuen: nämlich Claude Chabrols “Der Schrei der Eule”, Roger Spottiswoodes “Mr. Ripley und die Kunst des Tötens”, Michel Devilles “Stille Wasser”, René Clements “Nur die Sonne war Zeuge”, Jamie Thraves’ “Der Schrei der Eule” (als TV-Premiere) und Claude Autant-Laras “Der Mörder”. Da fehlt nur noch der Fremde im Zug.
Außerdem sehenswert sind Raoul Walshs W.-R.-Burnett-Verfilmung “Vogelfrei”, Martin Scorseses Nicholas-Pileggi-Verfilmung “GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia”, Jean-Luc Godards “Lemmy Caution gegen Alpha 60″, Alfred Hitchcocks Francis-Iles-Verfilmung “Verdacht”, Lars Beckers “Nachtschicht: Ein Mord zu viel” (als TV-Premiere) und “Nachtschicht: Wir sind die Polizei”, Michael Whytes Lynda-La-Plante-Verfilmung “Der Preis des Verbrechens: Vorm Abgrund”, Claude Millers John-Wainwright-Verfilmung “Das Verhör”, Jules Dassins Auguste-le-Breton-Verfilmung “Rififi” und Frank Darabonts Stephen-King-Verfilmung “Die Verurteilten”.
Und dann gibt es noch, jeweils als TV-Premiere, “Yorkshire Killer 1983″, den grandiosen Abschluss der auf den Romanen von David Peace basierenden Red-Riding-Verfilmungen, und den ersten Teil der TV-Version von Stieg Larssons “Verblendung”.


Preisregen auf der Bouchercon 2010: Anthony Award, Shamus Award, Barry Award, Macavity Award

Oktober 17, 2010

Ohne große Vorrede: die Gewinner der verschiedenen dieses Jahr auf der Bouchercon verliehenen Krimipreise:

Die Anthony Awards

Best Novel

The Brutal Telling, von Louise Penny (Minotaur)

nominiert

The Last Child, von John Hart (Minotaur)

The Mystic Arts of Erasing All Signs of Death, von Charlie Huston (Ballantine Books)

The Girl Who Played with Fire, von Stieg Larsson (Quercus/Knopf)

The Shanghai Moon, von S.J. Rozan (Minotaur)

-

Best First Novel

A Bad Day for Sorry, von Sophie Littlefield (Minotaur)

nominiert

The Sweetness at the Bottom of the Pie, von Alan Bradley (Delacorte)

Starvation Lake, von Bryan Gruley (Touchstone)

The Ghosts of Belfast (aka The Twelve), von Stuart Neville (Soho Press/Harvill Secker)

In the Shadow of Gotham, von Stefanie Pintoff (Minotaur)

-

Best Paperback Original

Starvation Lake, von Bryan Gruley (Touchstone)

nominiert

Bury Me Deep, von Megan Abbott (Simon & Schuster)

Tower, von Ken Bruen und Reed Farrel Coleman (Busted Flush Press)

Quarry in the Middle, von Max Allan Collins (Hard Case Crime)

Death and the Lit Chick, von G.M. Malliet (Midnight Ink)

Air Time, von Hank Phillippi Ryan (Mira)

-

Best Short Story

“On the House” von Hank Phillippi Ryan (aus Quarry: Crime Stories von New England)

nominiert

“Last Fair Deal Gone Down” von Ace Atkins (aus Crossroad Blues; Busted Flush Press)

“Femme Sole” von Dana Cameron (aus Boston Noir, herausgegeben von Dennis Lehane; Akashic Books)

“Animal Rescue” von Dennis Lehane (Boston Noir)

“Amapola” von Luis Alberto Urrea (aus Phoenix Noir, herausgegeben von Patrick Millikin; Akashic Books)

-

Best Critical Non-fiction Work

Talking About Detective Fiction, von P.D. James (Bodleian Library/Knopf)

nominiert

The Line Up: The World’s Greatest Crime Writers Tell the Inside Story of Their Greatest Detectives, herausgegeben von Otto Penzler (Little, Brown)

Haunted Heart: The Life and Times of Stephen King, von Lisa Rogak (Thomas Dunne Books)

Dame Agatha’s Shorts: An Agatha Christie Short Story Companion, von Elena Santangelo (Bella Rosa Books)

The Talented Miss Highsmith: The Secret Life and Serious Art of Patricia Highsmith, von Joan Schenkar (St. Martin’s Press)

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Die Shamus Awards, verliehen von den Private Eye Writers of America

Best Hardcover P.I. Novel

Locked In, von Marcia Muller (Grand Central)

nominiert

The Silent Hour, von Michael Koryta (Minotaur)

Where the Dead Lay, von David Levien (Doubleday)

Schemers, von Bill Pronzini (Forge)

My Soul to Take, von Yrsa Sigurdardottir (William Morrow)

-

Best First P.I. Novel

Faces of the Gone, von Brad Parks (Minotaur)

nominiert

Loser’s Town, von Daniel Depp (Simon & Schuster)

The Last Gig, von Norman Green (Minotaur)

The Good Son, von Russel D. McLean (Minotaur)

Chinatown Angel, von A.E. Roman (Minotaur)

-

Best Paperback Original P.I. Novel

Sinner’s Ball, von Ira Berkowitz (Three Rivers Press)

nominiert

Dark Side of the Morgue, von Raymond Benson (Leisure)

Red Blooded Murder, von Laura Caldwell (Mira)

Vengeance Road, von Rick Mofina (Mira)

Body Blows, von Marc Strange (Dundurn)

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Best P.I. Short Story

“Julius Katz” von Dave Zeltserman (Ellery Queen Mystery Magazine, September/October 2009)

nominiert

“The Dark Island” von Brendan DuBois (aus Boston Noir, herausgegeben von Dennis Lehane; Akashic)

“Deadline Edition” von S.L. Franklin (Alfred Hitchcock Mystery Magazine, April 2009)

“Blazin’ on Broadway” von Gary Phillips (aus Phoenix Noir, herausgegeben von Patrick Millikin; Akashic)

“Suicide Bonds,” von Tim L. Williams (Ellery Queen Mystery Magazine, March/April 2009)

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Lifetime Achievement Award

Robert Crais

-

Die Barry Awards

Best Novel

The Last Child, von John Hart (Minotaur)

nominiert

The Gates, von John Connolly (Atria)

The Hidden Man, von David Ellis (Putnam)

Spade & Archer, von Joe Gores (Knopf)

Locked In, von Marcia Muller (Grand Central)

Shanghai Moon, von S.J. Rozan (Minotaur)

-

Best First Novel

The Sweetness at the Bottom of the Pie, von Alan Bradley (Delacorte)

nominiert

Beat the Reaper, von Josh Bazell (Little, Brown)

A Trace of Smoke, von Rebecca Cantrell (Forge)

A Bad Day for Sorry, von Sophie Littlefield (Minotaur)

Black Water Rising, von Attica Locke (Harper)

The Ghosts of Belfast, von Stuart Neville (Soho Crime)

-

Best British Novel

If the Dead Rise Not, von Philip Kerr (Quercus)

nominiert

Awakening, von S. J. Bolton (Bantam Press)

The Lovers, von John Connolly (Hodder & Stoughton)

Midnight Fugue, von Reginald Hill (HarperCollins)

Still Midnight, von Denise Mina (Orion)

The Ignorance of Blood, von Robert Wilson (HarperCollins)

-

Best Paperback Original

Starvation Lake, von Bryan Gruley (Touchstone)

nominiert

Bury Me Deep, von Megan Abbott (Simon & Schuster)

Quarry in the Middle, von Max Allan Collins (Hard Case Crime)

The Weight of Silence, von Heather Gutenkauf (Mira)

Fatal Lies, von Frank Tallis (Mortalis)

The Herring-Seller’s Apprentice, von L.C. Tyler (Felony & Mayhem)

-

Best Thriller

Running from the Devil, von Jamie Freveletti (Morrow)

nominiert

No Survivors, von Tom Cain (Viking)

The Gray Man, von Mark Greaney (Jove)

Columbus, von Derek Haas (Pegasus)

House Secrets, von Mike Lawson (Atlantic Monthly)

Walking Dead, von Greg Rucka (Bantam)

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Mystery/Crime Novel of the Decade

The Girl with the Dragon Tattoo, von Stieg Larsson (Knopf)

nominiert

The Guards, von Ken Bruen (Minotaur)

The Lincoln Lawyer, von Michael Connelly (Little, Brown)

Mystic River, von Dennis Lehane (Morrow)

Still Life, von Louise Penny (Minotaur)

The Shadow of the Wind, von Carlos Ruiz Zafón (Penguin Press)

-

Best Short Story

“The High House Writer” von Brendan DuBois (AHMM, July-August 2009)

nominiert

“My Mother’s Keeper” von Barbara Callahan (Ellery Queen Mystery Magazine [EQMM], June 2009)

“Erin’s Journal” von David Dean (EQMM, December 2009)

“Real Men Die” von John H. Dirckx (Alfred Hitchcock Mystery Magazine [AHMM], September 2009)

“A Hollywood Ending” von Melodie Johnson Howe (EQMM, July 2009)

“Hard Blows” von Morley Swingle (from The Prosecution Rests: New Stories About Courtrooms, Criminals, and the Law, herausgegeben von Linda Fairstein; Little, Brown)

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Don Sandstrom Award for Literary Achievement in Mystery Fandom

Len & June Moffatt

Captain Bob Napier

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Die Macavity Awards

Best Mystery Novel

Tower, von Ken Bruen and Reed Farrel Coleman (Busted Flush Press)

nominiert

Bury Me Deep, von Megan Abbott (Simon & Schuster)

Necessary as Blood, von Deborah Crombie (William Morrow)

Nemesis, von Jo Nesbø (HarperCollins)

The Brutal Telling, von Louise Penny (Minotaur)

The Shanghai Moon, von S.J. Rozan (Minotaur)

-

Best First Mystery Novel

The Sweetness at the Bottom of the Pie, von Alan Bradley (Delacorte)

nominiert

Running from the Devil, von Jamie Freveletti (William Morrow)

A Bad Day for Sorry, von Sophie Littlefield (Minotaur)

The Ghosts of Belfast, von Stuart Neville (Soho Crime)

A Beautiful Place to Die, von Malla Nunn (Picador)

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Best Mystery Non-Fiction

Talking About Detective Fiction, von P.D. James (Alfred A. Knopf)

nominiert

L.A. Noir: The Struggle for the Soul of America’s Most Seductive City, von John Buntin (Random House: Harmony Books)

Rogue Males: Conversations & Confrontations About the Writing Life, von Craig McDonald (Bleak House Books)

The Line Up: The World’s Greatest Crime Writers Tell the Inside Story of Their Greatest Detectives, herausgegeben von Otto Penzler (Little, Brown & Company)

Provenance: How a Con Man and a Forger Rewrote the History of Modern Art, von Laney Salisbury and Aly Sujo (Penguin Press)

Dame Agatha’s Shorts: An Agatha Christie Short Story Companion, von Elena Santangelo (Bella Rosa Books)

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Best Mystery Short Story

“On the House” von Hank Phillippi Ryan in Quarry: Crime Stories von New England Writers (Level Best Books)

nominiert

“Last Fair Deal Gone Down” von Ace Atkins in Crossroad Blues (Busted Flush Press)

“Femme Sole” von Dana Cameron in Boston Noir (Akashic Books)

“Digby, Attorney at Law” von Jim Fusilli (AHMM, May 2009)

“Your Turn” von Carolyn Hart in Two of the Deadliest (Harper)

“The Desert Here and the Desert Far Away” von Marcus Sakey in Thriller 2: Stories You Just Can’t Put Down (Mira)

“Amapola” von Luis Alberto Urrea in Phoenix Noir (Akashic Books)

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Sue Feder Historical Mystery

A Trace of Smoke, von Rebecca Cantrell (Forge)

nominiert

In the Shadow of Gotham, von Stefanie Pintoff (Minotaur)

A Duty to the Dead, von Charles Todd (William Morrow)

Serpent in the Thorns, von Jeri Westerson (Minotaur)

Among the Mad, von Jacqueline Winspear (Henry Holt)

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Herzlichen Glückwunsch an alle Gewinner!

Einige Bücher sind schon übersetzt (Ich bin jetzt zu faul, die deutschen Titel herauszusuchen), einige werden noch übersetzt und einige liegen auf meinem Zu-Lesen-Stapel (und werden dann auch gebührend besprochen).

(via The Rap Sheet)


Die Barry-Nominierungen 2010

Juni 11, 2010

Für alle, die noch überlegen, was sie während der Fußballspiele lesen sollen, gibt es jetzt auch die Liste der Barry-Nominierungen, dem Preis des Deadly Pleasures Mystery Magazine. Dieses Jahr sogar mit einer neuen Kategorie: dem besten Kriminalroman des Jahrzehnts. Der Barry wird am Sonntag, den 17. Oktober, in San Francisco auf der Bouchercon verliehen.

Nominiert sind:

Best Novel

The Gates, von John Connolly (Atria)

The Hidden Man (Der Mann im Schatten), von David Ellis (Putnam)

Spade & Archer, von Joe Gores (Knopf)

The Last Child (Das letzte Kind), von John Hart (Minotaur)

Locked In, von Marcia Muller (Grand Central)

Shanghai Moon, von S.J. Rozan (Minotaur)

-

Best First Novel

Beat the Reaper (Schneller als der Tod), von Josh Bazell (Little, Brown)

The Sweetness at the Bottom of the Pie, von Alan Bradley (Delacorte)

A Trace of Smoke, von Rebecca Cantrell (Forge)

A Bad Day for Sorry, von Sophie Littlefield (Minotaur)

Black Water Rising, von Attica Locke (Harper)

The Ghosts of Belfast, von Stuart Neville (Soho Crime)

-

Best British Novel

Awakening, von S. J. Bolton (Bantam Press)

The Lovers, von John Connolly (Hodder & Stoughton)

Midnight Fugue, von Reginald Hill (HarperCollins)

If the Dead Rise Not, von Philip Kerr (Quercus)

Still Midnight, von Denise Mina (Orion)

The Ignorance of Blood, von Robert Wilson (HarperCollins)

-

Best Paperback Original

Bury Me Deep, von Megan Abbott (Simon & Schuster)

Quarry in the Middle, von Max Allan Collins (Hard Case Crime)

Starvation Lake, von Bryan Gruley (Touchstone)

The Weight of Silence, von Heather Gutenkauf (Mira)

Fatal Lies, von Frank Tallis (Mortalis)

The Herring-Seller’s Apprentice, von L.C. Tyler (Felony & Mayhem)

-

Best Thriller

No Survivors (aka „The Survivor“; deutscher Titel: Survivor), von Tom Cain (Viking)

Running from the Devil (Lauf), von Jamie Freveletti (Morrow)

The Gray Man, von Mark Greaney (Jove)

Columbus, von Derek Haas (Pegasus)

House Secrets, von Mike Lawson (Atlantic Monthly)

Walking Dead, von Greg Rucka (Bantam)

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Mystery/Crime Novel of the Decade

The Guards (Jack Taylor fliegt raus), von Ken Bruen (Minotaur)

The Lincoln Lawyer (Der Mandant), von Michael Connelly (Little, Brown)

The Girl with the Dragon Tattoo (Verblendung), von Stieg Larsson (Knopf)

Mystic River (Spur der Wölfe; Mystic River), von Dennis Lehane (Morrow)

Still Life (Denn alle tragen Schuld), von Louise Penny (Minotaur)

The Shadow of the Wind (La sombra del viento [Original]; Der Schatten des Windes [Deutsch], von Carlos Ruiz Zafón (Penguin Press)

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Best Short Story

• “My Mother’s Keeper,” von Barbara Callahan (Ellery Queen Mystery Magazine [EQMM], June 2009)

• “Erin’s Journal,” von David Dean (EQMM, December 2009)

• “Real Men Die,” von John H. Dirckx (Alfred Hitchcock Mystery Magazine [AHMM], September 2009)

• “The High House Writer,” von Brendan DuBois (AHMM, July-August 2009)

• “A Hollywood Ending,” von Melodie Johnson Howe (EQMM, July 2009)

• “Hard Blows,” von Morley Swingle (aus „The Prosecution Rests: New Stories About Courtrooms, Criminals, and the Law“, herausgegeben von Linda Fairstein; Little, Brown)

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Etliche Bücher sind schon übersetzt. Einige andere, wie die neuen Werke von Philip Kerr und Mike Lawson, werden sicher in den kommenden Monaten übersetzt.

(via The Rap Sheet)


Die Anthony-Nominierungen 2010

Juni 5, 2010

Spinetingler hat die Nominierungen für den diesjährigen Anthony-Award veröffentlicht:

BEST NOVEL

THE LAST CHILD (Das letzte Kind) – John Hart [Minotaur Books]

THE MYSTIC ARTS OF ERASING ALL SIGNS OF DEATH (Das Clean-Tam)– Charlie Huston [Ballantine Books]

THE GIRL WHO PLAYED WITH FIRE (Verdammnis) – Stieg Larsson, translated by Reg Keeland [Quercus/Knopf]

THE BRUTAL TELLING – Louise Penny [Minotaur Books]

THE SHANGHAI MOON – S.J. Rozan [Minotaur Books]

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BEST FIRST NOVEL

THE SWEETNESS AT THE BOTTOM OF THE PIE – Alan Bradley [Delacorte Press]

STARVATION LAKE – Bryan Gruley [Touchstone]

A BAD DAY FOR SORRY – Sophie Littlefield [Minotaur Books]

THE TWELVE/THE GHOSTS OF BELFAST – Stuart Neville [Harvill Secker/Soho Press]

IN THE SHADOW OF GOTHAM – Stefanie Pintoff [Minotaur Books]

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BEST PAPERBACK ORIGINAL

BURY ME DEEP – Megan Abbott [Simon & Schuster]

TOWER – Ken Bruen and Reed Farrel Coleman [Busted Flush Press]

QUARRY IN THE MIDDLE – Max Allan Collins [Hard Case Crime]

STARVATION LAKE – Bryan Gruley [Touchstone]

DEATH AND THE LIT CHICK – G.M. Malliet [Midnight Ink]

AIR TIME – Hank Phillippi Ryan [Mira]

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BEST SHORT STORY

Last Fair Deal Gone Down” – Ace Atkins, CROSSROAD BLUES [Busted Flush Press]

Femme Sole” – Dana Cameron, BOSTON NOIR [Akashic Books]

Animal Rescue” – Dennis Lehane, BOSTON NOIR [Akashic Books]

On the House” – Hank Phillippi Ryan, QUARRY: Crime Stories by New England Writers [Level Best Books]

Amapola” – Luis Alberto Urrea, PHOENIX NOIR [Akashic Books]

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BEST CRITICAL NONFICTION WORK

TALKING ABOUT DETECTIVE FICTION – P.D. James [Bodleian Library/Knopf]

THE LINE UP: The World’s Greatest Crime Writers Tell the Inside Story of Their Greatest Detectives – Otto Penzler, ed. [Little, Brown and Co]

HAUNTED HEART: The Life and Times of Stephen King – Lisa Rogak [Thomas Dunne Books]

DAME AGATHA’S SHORTS: An Agatha Christie Short Story Companion – Elena Santangelo [Bella Rosa Books]

THE TALENTED MISS HIGHSMITH: The Secret Life and Serious Art of Patricia Highsmith – Joan Schenkar [St. Martin's Press]


Kleinkram

Mai 26, 2010

Eine Neuigkeit für die Larsson-Fans (es soll ja einige Zehntausende geben): Die US-Verfilmung von “Verblendung”, “Verdamnis” und “Vergebung” rückt näher. Der erste Film soll im Dezember 2011 in den USA starten und die nächsten beiden Teile sollen gleich mitgedreht werden. Bei “Verblendung” führt David Fincher Regie und Steven Zaillian schreibt das Drehbuch. Ob diese Rollenverteilung für den zweiten und dritten Teil bleibt, ist noch unklar.

Und das Besetzungskarussell beginnt sich zu drehen.

(Nebenbei bemerkt: Sarah Weinman feiert Stieg Larsson und seine drei Schmöker ab. Denn die Amis entdecken ihn gerade.)

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Collider war dabei: vor einigen Tagen gab es eine Sondervorführung von “The Empire strikes back” (dem zweiten “Krieg der Sterne”-Film) und Harrison Ford beantwortete einige Fragen zum Film.

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Spinetingler gewährt einen Blick in Darwyn Cookes neuen Comic “Richard Stark’s Parker: The Outfit”. Yep. Der Richard Stark. Der Parker.

Darwyn Cooke (The Spirit) hat bereits für zwei weitere “Parker”-Geschichten unterschrieben.

Die deutsche Ausgabe von Darwyn Cooks erstem Parker-Comic (ähem, Graphic Novel) “The Hunter” ist für nächstes Jahr bei Eichborn angekündigt.

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Der Noir of the Week ist “Touch of Evil” (Im Zeichen des Bösen, USA 1958). Regie führte Orson Welles. Er spielte auch mit. Außerdem Charlton Heston, Janet Leigh, Akim Tamiroff und Marlene Dietrich.

Der Klassiker basiert auf dem Roman “Badge of Evil” (Unfehlbarkeit kann tödlich sein, 1956) von Whit Masterson.

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Bei Trailers from Hell lobt Drehbuchautor Chris Wilkinson (Nixon, Ali) den Klassiker “Network”. Demnächst in diesem Theater, im Rahmen der Sidney-Lumet-Woche, “Fail Safe” und “Serpico”.

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Einfach mal rumstöbern: Lost Films.

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Der San Francisco Chronicle (Carolyn Jones) schreibt über Noir-Autor Dominic Stansberry und seinen neuen Roman “Naked Moon”.

Leider ist von Stansberry bis jetzt noch nichts übersetzt.

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Beim CrimeFest in Bristol wurden auch einige Preise vergeben. Neben den Preisen für Hörbücher wurde auch der

Last Laugh Award (“for the best humorous crime novel first published in the British Isles in 2009)

an

The Day of the Jack Russell, von Colin Bateman (Headline)

vergeben.

Nominiert waren

Beat the Reaper (Schneller als der Tod), von Josh Bazell (William Heinemann)

The Good Thief’s Guide to Paris (Kleine Morde in Paris), von Chris Ewan (Long Barn Books)

Bone Idle, von Suzette Hill (Constable & Robinson)

From Aberystwyth with Love, von Malcolm Pryce (Bloomsbury)

Ten Little Herrings, von Len Tyler (Macmillan)

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Die letzte Folge von “24″ wurde am Montag im US-TV ausgestrahlt. Bis die achte Staffel auch über den deutschen Bildschirm flimmert, dauert es noch eine Weile.

Bis dahin können Spoiler-resistente Menschen die Gedanken von Kiefer Sutherland, Mary Lynn Rajskub und Howard Gordon (oder kürzer) zum Ende der Serie lesen und anhören.

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In den USA ist auch – nach 20 Staffeln – die letzte Folge von “Law & Order” bereits gelaufen. Einige Gedanken zur Serie gibt’s bei The Rap Sheet (J. Kingston Pierce) und dem New York Magazine (Emily Nussbaum).

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Oh, herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!


Dagger-Shortlist – Runde 1

Mai 23, 2010

Die britische Autorenvereinigung Crime Writers’ Association (CWA) hat als Vereinigung der Spannungshandwerker natürlich gelernt, dass ein Gewinner nicht einfach bekannt gegeben wird. Nein, zuerst müssen die Erwartungen geschürt werden. Da gibt es eine Longlist, später eine Shortlist. Aber nicht gleich die Shortlists für alle Kategorien, sondern zunächst nur für:

THE CWA INTERNATIONAL DAGGER

(For crime, thriller, suspense or spy fiction novels which have been translated into English from their original language)

Badfellas von Tonino Benacquista, übersetzt von Emily Read (Bitter Lemon Press)

August Heat von Andrea Camilleri, übersetzt von Stephen Sartarelli (Picador)

Hypothermia von Arnaldur Indriðason, übersetzt von Victoria Cribb (Harvill Secker)

The Girl Who Kicked the Hornets’ Nest (Vergebung) von Stieg Larsson, übersetzt von Reg Keeland (MacLehose Press)

Thirteen Hours von Deon Meyer, übersetzt von K.L. Seegers (Hodder and Stoughton)

The Darkest Room von Johan Theorin, übersetzt von Marlaine Delargy (Doubleday)

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THE CWA GOLD DAGGER FOR NON-FICTION

David Cesarani: Major Farran’s Hat (Heinemann)

David R. Dow: Killing Time (Heinemann)

Ruth Dudley Edwards: Aftermath: The Omagh Bombing & the Families’ Pursuit of Justice (Harvill Secker)

Jeff Guinn: Go Down Together: The True, Untold Story of Bonnie & Clyde (Simon & Schuster)

Alex McBride: Defending the Guilty (Penguin/Viking)

Douglas Preston, with Mario Spezi: The Monster of Florence (Virgin/Random House)

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CWA DAGGER IN THE LIBRARY

(Nominated and judged by librarians and awarded to an author for a body of work, not one single title.)

Simon Beckett (Bantam)

R. J. Ellory (Orion)

Ariana Franklin (Random House)

Mo Hayder (Bantam)

Denise Mina (Transworld)

Chris Simms (Orion)

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CWA SHORT STORY DAGGER

A Calculated Risk von Sean Chercover, aus Thriller 2 (Mira) herausgegeben von Clive Cussler

The Weapon von Jeffrey Deaver, aus Thriller 2 (Mira) herausgegeben von Clive Cussler

Can You Help Me Out There von Robert Ferrigno, aus Thriller 2 (Mira) herausgegeben von Clive Cussler

Boldt’s Broken Angel von Ridley Pearson, aus Thriller 2 (Mira) herausgegeben von Clive Cussler

Like a Virgin von Peter Robinson, aus The Price of Love (Hodder and Stoughton)

Killing Time von Jon Land, aus Thriller 2 (Mira) herausgegeben von Clive Cussler

Protecting the Innocent von Simon Wood, aus Thriller 2 (Mira), herausgegeben von Clive Cussler

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CWA DEBUT DAGGER

All the Precious Things, von Jan Napiorkowski (UK)

A Murder in Mumbles, von Rick DeMille (USA)

A Place of Dying, von Patrick Eden (UK)

Case No 1, von Sandra Graham (Australia)

Chinese Whispers, von Alan Carter (Australia)

In the Lion’s Throat, von Bob Marriott (New Zealand)

Legacy, von Rebecca Brodie (UK)

Lockdown, von Danielle Ramsay (UK)

Pretty Preeti, von Stephanie Light (India)

Safe Harbour, von Rosemary McCracken (Canada)

The Beggar’s Opera, von Peggy Blair (Canada)

The Chameleon Factor, von Kathleen Stewart (Australia)

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CARTIER DIAMOND DAGGER

Val McDermid

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Die weiteren Shortlists demnächst.

Die Preisverleihung ist am 23. Juli.


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