Jetzt ist der hundertste „The Walking Dead“-Band auch auf Deutsch erschienen und ein Ende der Geschichte von Rick Grimes, seinem Sohn und einigen weiteren Überlebenden in einer von Zombies beherrschten Welt, in der die uns bekannten Institutionen nicht mehr existieren, ist immer noch nicht in Sicht; was auch daran liegt, dass die von Robert Kirkman geschriebenen Comics, die darauf basierende TV-Serie, Romane und Computerspiele einen konstant hohen Zuspruch haben.
Als Robert Kirkman vor zehn Jahren Jahren die erste „The Walking Dead“-Geschichte schrieb, war das nicht absehbar. Damals kämpfte der gerade aus einem Koma erwachte Ex-Polizist Rick Grimes in einer alptraumhaften, menschenleeren Gegend ums Überleben. Er suchte seine Frau (inzwischen tot) und seinen Sohn Carl (inzwischen einäugig) und Rick hat schon lange nur noch eine Hand. Trotzdem ist er aufgrund seines Charakters der ziemlich unumstrittene Führer einer kleinen Gruppe, die zuletzt in Alexandria, einer kleinen Gemeinde, Zuflucht gefunden haben. Auf einem ihrer Erkundungstrips begegneten sie Paul „Jesus“ Monroe, einem Einzelkämpfer, der ihnen sagte, dass er der Gesandte der „Anhöhe“ sei, einer größeren Gruppe von Menschen, die mit anderen Gemeinschaften Handel treiben und die gerne die Bewohner von Alexandria in ihre Gemeinschaft aufnehmen würden.
In dem vorherigen „The Walking Dead“-Sammelband „Eine bessere Welt“ machte Rick sich mit einigen Verbündeten auf den Weg zur Anhöhe und der dortige Wortführer Gregory konnte ihn zur Zusammenarbeit überreden. Als Gegenleistung soll er ihnen im Kampf gegen Negan, den Anführer der Erlöser, der die Bewohner der Anhöhe terrorisiert, helfen. Rick ist einverstanden. Die erste Begegnung mit Mitgliedern von Negans Gruppe verläuft für Rick und seine Verbündeten erfreulich.
Dann kommt es zur zweiten Begegnung…
Auch der siebzehnte „The Walking Dead“-Band „Fürchte dich nicht“ folgt dem vertrauten „The Walking Dead“-Prinzip nach dem es keine Garantie für das Überleben eines bestimmten Charakters gibt (wobei natürlich die Überlebenschancen des Helden Rick Grimes, wie schon die von Jack Bauer in „24“, extraordinär hoch sind). Deshalb sterben in diesem Sammelband auch zwei beliebte „The Walking Dead“-Charaktere und Rick trifft eine schwere Entscheidung.
Das knüpft von der Geschichte (obwohl ein Neueinstieg problemlos möglich ist) und von er erzählerischen Qualität nahtlos an die vorherigen Bände an. Aber die Toten, die Entscheidungen und damit auch einige – wahrscheinlich – künftige Entwicklungen sind dann doch gar nicht so überraschend, wie einem die Vorankündigungen glauben lassen. Immerhin kennen wir inzwischen Rick und Carl Grimes, Andrea, Michonne, Glenn, Abraham ‘Abe’ Ford undsoweiter. Schlimme Gegner und gefährliche Situationen haben sie schon einige hinter sich und da ist „Fürchte dich nicht“ nur das Set-Up für einen künftigen Gegner.
Denn Negan, der Anführer einer religiös erleuchteten Gruppe, deren Mitglieder sich als Teil eines gesamten Körpers sehen, könnte nach Philip, dem Gouverneur von Woodbury, ein neuer großer Gegner für unsere Helden werden.
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Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburn: The Walking Dead: Fürchte dich nicht (Band 17)
Die Skepsis vor dem Start der zweiten Staffel war bei den „The Walking Dead“-Fans groß. Immerhin wurde der Showrunner Frank Darabont kurzfristig gefeuert. Der TV-unerfahrene Frank Darabont scheint zwar eine ziemliche Kontrollmanie gehabt zu haben, aber er war auch der Mann, der die erste „The Walking Dead“-Staffel über eine kleine Gruppe Menschen, die in einer postapokalyptischen Welt gegen Zombies kämpfen und versuchen ihre Menschlichkeit zu bewahren, mit seiner Vision zum Erfolg führte. Beim TV-Publikum, bei den Kritikern und auch bei den Fans der Comicserie, die die TV-Serie inspirierte.
Mit Glen Mazzara, unter anderem „The Shield“, übernahm ein erfahrener TV-Mann den Showrunner-Stuhl, den er nach der dritten Staffel aufgrund kreativer Differenzen mit dem Sender wieder verlässt. Außerdem wurde die Zahl der Folgen erhöht: von sechs (immerhin wusste anfangs niemand, ob „The Walking Dead“ ein Erfolg wird) auf dreizehn. Das Budget wurde allerdings nicht im gleichen Maß erhöht. Und die Fans befürchteten schon das Schlimmste. Denn zu einer Zombie-Serie gehören nun mal zahlreiche Außendrehs (teuer!), Massenszenen (teuer!) und Special Effects (teuer!), auch wenn Menschen, die zu Zombies geschminkt werden und herausplatzende Gedärme noch mit der guten alten Spezialeffekte-Schule gelöst werden können.
Die Skeptiker haben, das kann jetzt schon verraten werden, teilweise recht behalten. Denn die kleine Gruppe Überlebender um den Polizisten Rick Grimes (Andrew Lincoln) befindet sich, nachdem sich das Seuchenzentrum in Atlanta, Georgia, als Sackgasse entpuppte, wieder auf der Flucht vor den Zombies. Während einer Zombie-Attacke auf einer Autobahn flüchten Rick und Sophia (Madison Lintz) in den Wald. Er lässt das zwölfjährige Mädchen in einem Versteck zurück und lenkt die Zombies ab. Als er zurückkehrt, ist sie verschwunden.
Während sie sie suchen, entdecken sie die Farm von Hershel Greene (Scott Wilson), der sie aufnimmt. Denn als Otis (Pruitt Taylor Vince), einer von Herschels Männern, auf einen Hirsch schoss, verletzte er auch Ricks Sohn Carl schwer.
Und ab da spielt die Geschichte der zweiten „The Walking Dead“-Staffel budgetschonend auf der Farm, die die Fans der „The Walking Dead“-Comics aus dem zweiten „The Walking Dead“-Band „Ein langer Weg“ kennen. Etliche Details, wie Carls Schussverletzung, die Farm und die Zombies in der Scheune, wurden auch in den Film übernommen.
Gleichzeitig bewegt sich die Geschichte, als ob die Macher nicht wüssten, wie es weitergehen soll, im Schneckentempo voran. Die Charaktere, ihre Beziehungen zueinander und wie das fragile Gleichgewicht der Gruppe auf der sicheren Farm zerbricht, stehen im Mittelpunkt. So kämpfen Rick und sein alter Polizistenkollege Shane Walsh (Jon Bernthal; der sich den Schädel kahl rasiert und wir wissen alle, was das bedeutet) um die Führung der Gruppe und um Ricks Frau Lori (Sarah Wayne Callies), die lange Zeit ihre Schwangerschaft vor Rick verheimlicht. Daryl Dixon (Norman Reedus), der bislang der Einzelgänger der Gruppe war, engagiert sich sehr bei der Suche nach Sophia. Sophias Mutter Carol Peletier (Melissa McBride) versucht das erwartbare Ende der Suche nach ihrer Tochter zu akzeptieren und macht die Anderen für ihren Verlust verantwortlich. Andrea (Laurie Holden) entwickelt sich von der suizidgefährdeten Frau zur Kämpferin. Der ältere Dale Horvarth (Jeffrey DeMunn) entwickelt sich zunehmend zur moralischen Instanz. Glenn Rhee (Steven Yeun) verliebt sich in Hershels Tochter Maggie (Lauren Cohan). Die Frauen übernehmen zunehmend die traditionellen Frauenrollen (die drei Ks „Kinder, Kirche, Küche“, aber ohne die Kirche), die Männer streifen durch den Wald.
Und anstatt der Action (vulgo: Zombie-Klatschen) steht die Suspense im Vordergrund. Immer wieder wird mit der Bedrohung gespielt und, weil jeder Charakter sterben kann, ist auch immer unklar, ob nicht die Person, die gerade durch den Wald schleicht, auch wieder heil zurückkehrt.
Das ist, wenn man sich die dreizehn Folgen in einem Rutsch ansieht, nach anfänglichen Irrungen in den ersten Episoden, durchaus spannend. Denn die Macher ignorieren zugunsten einer einzigen langen Geschichte die Konventionen des seriellen TV-Erzählens. Auch kleinere Geschichten erstrecken sich über mehrere Episoden, nicht immer wird eine wichtige Geschichte innerhalb einer Folge abgeschlossen und nicht jede Folge endet, wie „24“ (wo es zur vollen Stunde immer eine Katastrophe gab), mit einem Cliffhanger. Das kennen die Fans der Comicserie „The Walking Dead“ allerdings auch von den Comics, in denen Serienerfinder und Autor Robert Kirkman sich auch einfach nur für das Erzählen seiner Geschichten interessiert und sich dabei wenig um die Seitenvorgabe für die einzelnen Hefte kümmert.
Im US-TV lief „The Walking Dead“ allerdings mit der üblichen Dosis von einer Folge pro Woche und einem Mid-Season-Finale (nach sieben Folgen gab es eine mehrmonatige Pause) und da fragten die Fans sich zu recht, was das soll: keine Zombies, viel Charakterentwicklung und dann die in der Serie tagelange (im TV wochenlange) Suche nach einem verschwundenen Kind, das wahrscheinlich schon lange tot ist. Gleichzeitig verrieten die Macher nicht, wie die Serie weitergehen soll. Immerhin gehört es zu „The Walking Dead“, dass jeder sterben kann und die Leser der Comics mussten schon einige schmerzhafte Verluste wegstecken. In den zahlreichen Audiokommentaren sprechen die „The Walking Dead“-Macher auch ausführlich über die negativen Fanreaktionen, dass sie von Anfang an die zweite Staffel auf der Farm spielen lassen und tiefer in die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander eintauchen wollten. Und dass die lange Suche nach Sophia dazu diente, das Mid-Season-Finale, das Massaker auf der Farm, vorzubereiten und dann in der zweiten Hälfte, die sich nahtlos an die erste Hälfte anschließt, die Karten neu gemischt werden.
Und ab diesem Moment wird die zweite Staffel von „The Walking Dead“ richtig gut. Denn ab dem Finale der siebten Folge wird deutlich, wohin die Konflikte, die in der ersten Staffelhälfte teilweise arg langwierig etabliert wurden führen sollen.
Am Ende der Staffel müssen Rick und seine Gefährten, mit einigen neuen Mitreisenden und ohne einige alte Gefährten, die Farm verlassen, Michonne taucht auf (und wird daher in der dritten Staffel eine wichtige Rolle übernehmen), das letzte Bild zeigt am Horizont das Gefängnis, in dem in den Comics Rick Grimes und seine Gruppe eine lange Zeit verbringen und sie, auch das verrät ein Blick in die Ankündigungstexte der dritten Staffel, gegen den selbsternannten Gouverneur von Woodbury, einem furchterregendem Gegner über mehrere „The Walking Dead“-Bände, kämpfen müssen.
Das Bonusmaterial
Das Bonusmaterial ist, wie schon bei der ersten Staffel, erfreulich umfangreich und informativ. Auf der vierten DVD gibt es hundert Minuten Hintergrundberichte und geschnittene Szenen. Produzent Glen Mazzara erklärt die Schnitte und besonders die Erklärung für den ersten großen Schnitt ist eine kleine Lektion im filmischen Geschichten-Erzählen. Denn die erste Folge der zweiten Staffel sollte ursprünglich neunzig Minuten dauern. Es wurde ein anderer Anfang gedreht, der später wieder entfernt wurde. Mazzara erklärt in seinem Audiokommentar einleuchtend, was an dem ursprünglich geplanten Anfang nicht funktionierte.
Die meisten Featurettes beschäftigen sich mit wichtigen Filmszenen, die meistens auch etwas für das Auge bieten. Also Zombies, Action und die Schlacht um Herschels Farm im Staffelfinale.
In „Die Tinte lebt“ äußerst sich „The Walking Dead“-Erfinder Robert Kirkman zu den Unterschieden und Gemeinsamkeiten zwischen seinem Comic und der Serie und warum er für die Änderungen ist.
Und dann gibt es noch fünf Audiokommentare, die alle sehr interessant sind. Jedenfalls wenn man sich für die Hintergründe der Serie interessiert und erfahren möchte, was die Macher sich dabei dachten. Bei „Zukunft im Rückspiegel“ unterhält Showrunner Glen Mazzara sich mit Executive Producer Gale Anne Hurd, Executive Producer David Alpert und Robert Kirkman, bei „Tod oder Lebendig“ mit Regisseur Michelle MacLaren, Autor Scott M. Gimple und Film Editor Julius Ramsay, bei „Nebraska“ mit Autor Evan Reilly, mit „Hershel Greene“-Darsteller Scott Wilson und „Glenn Rhee“-Darsteller Steven Yeun, bei „Sorry Bruder!“ mit Regisseur Gregory Nicotero (der auch für das Zombie-Make-Up verantwortlich ist), Autorin Angela Kang und „Andrea“-Darstellerin Laurie Holden und bei „Die Mahd“ mit Regisseur Ernest R. Dickerson, Robert Kirkman, Gregory Nicotero und „Daryl Dixon“-Darsteller Norman Reedus.
The Walking Dead – Staffel 2 (The Walking Dead, USA 2011)
Erfinder: Frank Darabont
LV: Comicserie von Robert Kirkman, Charlie Adlard und Tony Moore
mit Andrew Lincoln (Rick Grimes), Sarah Wayne Callies (Lori Grimes), Chandler Riggs (Carl Grimes), Jon Bernthal (Shane Walsh), Jeffrey DeMunn (Dale Horvath), Laurie Holden (Andrea), Steven Yeun (Glenn Rhee), Norman Reedus (Daryl Dixon), IronE Singleton (Theodore ‘T-Dog’ Douglas), Melissa McBride (Carol Peletier), Scott Wilson (Hershel Greene), Lauren Cohan (Maggie Greene), Emily Kinney (Beth Greene)
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DVD
Entertainment One/WVG Medien GmbH
Bild: 16:9
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: 5 Audiokommentare, Featurettes (Gedärme und Innereien, Leben und sterben lassen, Die Musik zum Film, Feuer am Set, Die Tinte lebt, Der Klang der Effekte, In toten Gewässern, Du könntest einen Mord begehen, Sie wird kämpfen, Die Kostüme, Der Cast von Staffel 2), Deleted Scenes (optional mit Audiokommentar von Glen Mazzara) (100 Minuten; alle Extras mit deutschen Untertiteln)
Länge: 554 Minuten (4 DVDs)
FSK: ab 18 Jahre
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„The Walking Dead“ – Die Folgen der zweiten Staffel
Zukunft im Rückspiegel (What lies ahead, Erstausstrahlung: 16. Oktober 2011)
Regie: Ernest R. Dickerson, Gwyneth Horder-Payton
Drehbuch: Frank Darabont (als Ardeth Bey), Robert Kirkman
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Blutsbande (Bloodletting, Erstausstrahlung 23. Oktober 2011)
Regie: Ernest R. Dickerson
Drehbuch: Glen Mazzara
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Die letzte Kugel (Save the last one, Erstausstrahlung: 30. Oktober 2011)
Regie: Phil Abraham
Drehbuch: Scott M. Gimple
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Die Cherokee-Rose (Cherokee Rose, Erstausstrahlung 6. November 2011)
Regie: Bill Gierhart
Drehbuch: Evan Reilly
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Chupacabra (Chupacabra, Erstausstrahlung 13. November 2011)
Regie: Guy Ferland
Drehbuch: David Leslie Johnson
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Beichten (Secrets, Erstausstrahlung 20. November 2011)
Regie: David Boyd
Drehbuch: Angela Kang
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Tod oder Lebendig (Pretty much dead already, Erstausstrahlung 27. November 2011)
Regie: Michelle MacLaren
Drehbuch: Scott M. Gimple
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Nebraska (Nebraska, Erstausstrahlung 12. Februar 2012)
Regie: Clark Johnson
Drehbuch: Evan Reilly
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Am Abzug (Triggerfinger, Erstausstrahlung 19. Februar 2012)
Regie: Billy Gierhart
Drehbuch: David Leslie Johnson
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Ausgesetzt (18 Miles Out, Erstausstrahlung 26. Februar 2012)
Regie: Ernest R. Dickerson
Drehbuch: Scott M. Gimple, Glenn Mazzara
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Sorry, Bruder! (Judge, Jury, Executioner, Erstausstrahlung 4. März 2012)
Regie: Gregory Nicotero
Drehbuch: Angela Kang
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Die besseren Eingel unserer Natur (Better Angels, Erstausstrahlung 11. März 2012)
Regie: Guy Ferland
Drehbuch: Evan Reilly, Glen Mazzara
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Die Mahd (Beside the dying Fire. Erstausstrahlung 18. März 2012)
Robert Kirkmans „The Walking Dead“-Universum expandiert unaufhörlich. Zuerst ins Fernsehen mit einer erfolgreichen TV-Serie, die schnell – und auf Wunsch von Kirkman, der Mitproduzent ist – mit den aus der Comicserie bekannten Charakteren eigene Wege beschritt. In den USA wartet man schon auf die dritte Staffel der grandiosen Serie.
Die Tage erschien bei Heyne der Roman „The Walking Dead“ von Robert Kirkman und Jay Bonansinga. In dem Roman, der der Auftakt einer Trilogie ist, erzählen sie, wie Philip Blake zu dem selbsternannten Gouverneur von Woodbury wird. Der Despot war in den „The Walking Dead“-Sammelbänden 5 bis 8 der schreckliche Gegner von Rick Grimes und der von ihm angeführten Gruppe Überlebender.
Es gibt eine Webserie und Computerspiele, die mich nicht sonderlich interessieren.
Und dann gibt es auch noch das Mutterschiff: die Comicserie, von der in den USA gerade das einhundertste Heft veröffentlicht wurde und ein Ende der Geschichte ist nicht absehbar. Inzwischen ist der Grund für die Zombieplage, die fast alle Menschen tötete, ziemlich egal. Schließlich geht es Robert Kirkman schon seit den ersten „The Walking Dead“-Heften nicht um fröhliches Zombie-Klatschen oder um brachiale Zeitkritik, sondern um die Frage, wie Menschen in einer für sie neuen Situation überleben und sie ihr Leben in einer feindlichen Welt organisieren. Er fragt, was das Menschsein ausmacht und zeigt dies an den unterschiedlichen Reaktionen einer Gruppe von Menschen, die durch die USA reisen. Ihr letztes Ziel war Washington, D. C., weil es dort eine Erklärung und ein Mittel gegen die Zombies geben sollte.
Auf ihrer Reise dorthin erlebte die von Rick Grimes angeführte Gruppe viele Abenteuer. Grimes ist ein Polizist, der die Katastrophe nach einer Schussverletzung im Koma überlebte, seine inzwischen verstorbene Frau und ihren Sohn Carl suchte, sich einer Gruppe Überlebender anschloss und, aufgrund seiner Führungsqualitäten, schnell ihr Anführer wurde. Zuletzt trafen sie auf eine andere Gruppe und Grimes fand in deren Anführer, dem Soldaten Abraham „Abe“ Ford, einen ähnlich denkenden Freund. Gemeinsam machten sie sich auf den Weg in die Hauptstadt.
Washington entpuppte sich dann als falsches Versprechen. Aber sie fanden die Kommune Alexandria, die auf Grimes und die anderen wie das Paradies wirkt. Denn dort lebt, abgeschottet von der feindlichen Umwelt, eine friedliche Gemeinschaft, die das Gegenteil von Woodbury ist und auch wohnlicher als das Gefängnis, das ihnen eine Zeit lang als Unterschlupf diente, sind die Vorstadthäuser allemal.
Der vierzehnte „The Walking Dead“-Sammelband endete mit einem für sie verlustreichen Angriff der Zombies auf die Siedlung. Auch Carl Grimes wurde durch eine Kugel am Kopf schwer verletzt.
Der jetzt erschienene fünfzehnten „The Walking Dead“-Sammelband „Dein Wille geschehe“ (der die Hefte 85 bis 90 enthält) führt die Geschichte nahtlos fort. Aber Autor Robert Kirkmann, wie immer fabelhaft unterstützt von den Zeichnern Charlie Adlard und Cliff Rathburn (der für die Grautöne zuständig ist), gibt der Geschichte einen neuen Dreh. Denn Rick Grimes, der bislang das Überleben seiner Familie immer an die erste Stelle gesetzt hat, will jetzt nicht mehr nur Überleben, sondern eine neue Gemeinschaft aufbauen. Alexandria soll der Nukleus für eine neue Welt werden. Die Rückkehr zur Zivilisation.
Aber nicht jeder kann sich damit anfreunden, dass er der quasi selbsternannte Anführer ist und dass die von Grimes geführte Gruppe, die lange Zeit in der Wildnis überlebte und daher gewohnt ist, ihre Ziele im Zweifelsfall rücksichtslos zu verfolgen, jetzt die Zukunft der Stadt bestimmen soll.
„Dein Wille geschehe“ erzählt die Geschichte von Rick Grimes spannend fort und endet mit einem hoffnungsvollem Cliffhanger. Jedenfalls für „The Walking Dead“-Verhältnisse.
Als Bonusmaterial gibt es den fünfzehnten und letzten Teil der informativen Zombie-Guide, der sich dieses Mal mit George A. Romeros Spätwerk, anderen zeitgenössischen Zombie-Filmen und, wegen „Rammbock“, dem Kleinen Fernsehspiel beschäftigt.
Mal sehen, was die Jungs von Cross Cult für den sechzehnten „The Walking Dead“-Sammelband „Eine größere Welt“, der im Herbst erscheint, als Bonusmaterial beigeben.
Neben „The Walking Dead“ erfand und schrieb Robert Kirkman, zusammen mit seinem Idol Todd McFarlane, auch die Superheldenserie „Haunt“ und wegen „The Walking Dead“ hörte er nach dem 18. „Haunt“-Heft auf. Denn die „The Walking Dead“-TV-Serie beanspruchte zu viel Zeit. Für Todd McFarlane, der selbst mit einem „Spawn“-Drehbuch beschäftigt war, war das die Gelegenheit, die Serie in andere Autorenhände zu übergeben. Ab dem 19. Heft haben Autor Joe Casey und Zeichner Nathan Fox die Serie übernommen. Deren Einstand als Autor/Zeichner-Team ist, gesammelt in vierten „Haunt“-Sammelband, für Mitte August angekündigt.
Haunt ist ein Superwesen, das durch die Verbindung von Daniel Kilgore, einem Priester, und seinem Bruder Kurt, einem US-Geheimagenten, der bei einer Mission starb, entstand und, nachdem die Agency von Daniel Kilgores Fähigkeiten erfahren hat, ihn verpflichtete.
Ein Blick auf die davor erschienenen, noch von Todd McFarlane und Robert Kirkman geschriebenen „Haunt“-Hefte 13 bis 18, die in „Haunt – Band 3“ erschienen sind, lässt mich vermuten, dass der Autorenwechsel eine kluge Entscheidung war. Denn die Geschichten plätschern durchaus kurzweilig, aber auch etwas ziellos vor sich hin. Da hilft auch das Auftauchen von dem „Gespenst“, einem für fast alle unsichtbarem, roten Wesen, das Haunt mächtig Probleme bereitet, nicht.
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Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburn: The Walking Dead 15: Dein Wille geschehe
(übersetzt von Marc-Oliver Frisch)
Cross Cult, 2012
152 Seiten
16 Euro
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Originalausgabe
The Walking Dead, Vol. 15: We find ourselves
Image Comics, 2012
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enthält
The Walking Dead, # 85 – 90
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Todd McFarlane/Robert Kirkman/Greg Capullo: Haunt – Band 3
Noch nicht gelesen, aber der Vollständigkeit halber und weil in den USA bereits im Oktober „The Road to Woodbury“, der zweite „The Walking Dead“-Roman von Robert Kirkman und Jay Bonansinga erscheint, gibt es die bibliographischen Angaben zum ersten „The Walking Dead“-Roman und einen Einblick in die Buchvorstellung.
Einige von Bonansingas älteren Romanen erschienen bei verschiedenen deutschen Verlagen. Die meisten bei rororo, einige noch beim Buchhändler ihres Vertrauens, die meisten inzwischen beim Antiquar ihres Vertrauens.
The Walking Dead: Gute alte Zeit/Gefangene der Toten (USA 2010, R.: Frank Darabont, Michelle MacLaren)
Drehbuch/Erfinder: Frank Darabont
LV: Comicserie von Robert Kirkman
Endlich läuft die grandiose Zombie-TV-Serie über eine Gruppe Überlebender in einer von Zombies beherrschten Welt auch im Free-TV. Und, weil RTL II die aus sechs Folgen bestehende erste Staffel von „The Walking Dead“ an drei aufeinanderfolgenden Abenden in Doppelfolgen ausstrahlt, wird sie auch definitiv nicht wegen schlechter Quoten abgesetzt werden.
mit Andrew Lincoln (Rick Grimes), Jon Bernthal (Shane Walsh), Sarah Wayne Callies (Lori Grimes), Laurie Holden (Andrea), Jeffrey DeMunn (Dale Horvath), Steven Yeun (Glenn), Chandler Riggs (Carl Grimes), IronE Singleton (T-Dog), Norman Reedus (Daryl Dixon), Melissa Suzanne McBride (Carol Peletier), Michael Rooker (Merle Dixon)
Wiederholung, direkt im Anschluss: Samstag, 12. Mai, 01.10 Uhr (Taggenau!)
Seit George A. Romeros Klassiker „Die Nacht der lebenden Toten“ wissen wir, was Zombies sind und wie sie sich bewegen.
Irgendwann in den Achtzigern verschwanden sie von der Bildfläche und kehrten erst in den vergangenen Jahren zurück in die Popkultur. In Filmen. In Büchern. Und auch in Comics. Eine der erfolgreichsten Comicserien, die in einer von Zombies bevölkerten Welt spielen, ist Robert Kirkmans „The Walking Dead“. Seit 2003 erzählt er, wie ein Gruppe Überlebender, angeführt von dem Polizisten Rick Grimes, versucht, in dieser neuen Welt zu überleben. Im Gegensatz zu einem Zombiespielfilm, der nach zwei Stunden vorbei ist, geht die Geschichte von „The Walking Dead“ endlos weiter. Damit erinnert sie mehr an eine klassische Westerngeschichte, in der Siedler sich im Wilden Westen auf den Weg zu ihrem Paradies machen und dabei viele Gefahren überstehen müssen. Die Zombies sind das Äquivalent zu den Indianern, die regelmäßig abgeschlachtet werden. Aber die größten Gefahren für den Treck gehen von Konflikten innerhalb der Gruppe und von anderen Menschen aus. In dem Comic war es über viele Hefte der durchgeknallte Gouverneur von Woodbury.
In der Verfilmung ist es in der sechsten Episode, die auch gleichzeitig das furiose Ende der ersten Staffel ist, der Wissenschaftler Dr. Edwin Jenner (Noah Emmerich) im Zentrum für Seuchenkontrolle.
Bis dahin haben die Macher der ersten Zombie-TV-Serie Rick Grimes (Andrew Lincoln) und die anderen Überlebenden bereits durch viele Abenteuer geschickt, die sich, nachdem der Anfang sich kaum von der Vorlage unterscheidet, immer weiter von ihr wegbewegt. Autor Robert Kirkman ermunterte die Macher dazu und schrieb auch das Drehbuch für die vierte Episode. Er wollte, dass die „The Walking Dead“-Fans nicht nur die verfilmte Version der Comics, sondern neue Geschichten mit den vertrauten Charakteren sehen können und sie, wie in den Comics, nicht wissen, was geschieht und wer überlebt.
Trotz der neuen Geschichten bleibt die TV-Serie der Vorlage treu. Sowohl von der Stimmung, den Themen, den moralischen Fragen, als auch von der Härte. Denn wenn in der Serie Zombies getötet werden, wird das für eine TV-Serie überraschend kompromisslos gezeigt. Auch die Zombie-Masken erfreuen das Herz des Genre-Junkies. Das macht die FSK-18-Freigabe plausibel. Obwohl „The Walking Dead“ viel mehr als hirnloses Zombie-Töten ist.
Das Bonusmaterial
Das Herzstück des umfangreichen Bonusmaterials sind das jeweils halbstündige „Making of“ und „Inside ‘The Walking Dead’“, die beide einen guten Einblick in die Produktion der Serie und, besonders in „Inside ‘The Walking Dead’“, vertiefende Informationen zu den einzelnen Episoden geben. Die restlichen vierzig Minuten Bonusmaterial bestehen aus verschieden informativen Clips. Der Zusammenschnitt des Auftrittes der „Walking Dead“-Macher bei der Comic Con ist okay, aber auch ungeschnitten im Netz zu finden. Die „Zombie Make-Up-Tipps“ geben einen kleinen Einblick in die Arbeit der Maskenbildner. Das „Extra Footage“ wurde wohl weitgehend produziert, um vor dem Serienstart den Fans kleine Appetithappen, die auf die Serie neugierig machen, aber nicht zu viel verraten sollen, zu liefern.
In den USA wurde nach der ersten Staffel überraschend Frank Darabont, der kreative Kopf hinter der ersten Staffel gefeuert. Entsprechend skeptisch waren die Fans, als die ersten Folgen der zweiten Staffel gezeigt wurde. Aber Glen Mazzara („The Shield“) scheint die Qualität zu halten.
The Walking Dead – Die komplette erste Staffel (The Walking Dead – Season 1, USA 2010)
Erfinder: Frank Darabont
LV: Comicserie von Robert Kirkman
mit Andrew Lincoln (Rick Grimes), Jon Bernthal (Shane Walsh), Sarah Wayne Callies (Lori Grimes), Laurie Holden (Andrea), Jeffrey DeMunn (Dale Horvath), Steven Yeun (Glenn), Chandler Riggs (Carl Grimes), IronE Singleton (T-Dog), Norman Reedus (Daryl Dixon), Melissa Suzanne McBride (Carol Peletier), Michael Rooker (Merle Dixon)
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DVD
EntertainmentOne
Bild: 1.78:1 (16:)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial (circa 100 Minuten): The Making of „The Walking Dead“, Inside „The Walking Dead“: Episoden 1 – 6, Sneak Preview mit Robert Kirkman, Behind the Scenes: Zombie Make-Up-Tipps, Diskussionsrunde der Produzenten
Extra Footage: Zombie School, Becycle Girl, Am Set mit Robert Kirkman, Am Set mit Steven Yeun, Einblicke in Dales Campingmobil, Am Set mit Andrew Lincoln
Länge: 282 Minuten (2 DVD)
FSK: ab 18 Jahre
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Die erste „The Walking Dead“-Staffel
Gute alte Zeit (Days Gone Bye)
Regie: Frank Darabont
Drehbuch: Frank Darabont
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Gefangene der Toten (Guts)
Regie: Michelle MacLaren
Drehbuch: Frank Darabont
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Tag der Frösche (Tell it to the Frogs)
Regie: Gwyneth Horder-Payton
Drehbuch: Charles H. Eglee, Jack LoGiudice, Frank Darabont (nach einer Geschichte von
In dem zwölften „The Walking Dead“-Sammelband „Schöne neue Welt“ wurden Rick Grimes und seine Gefährten von Douglas Monroe in dessen Kommune Alexandria aufgenommen. Nach all den vorherigen schlechten Erfahrungen waren sie jetzt anscheinend im Paradies gelandet: eine kleine, friedliche, wegen der herumlaufenden Zombies (wir erinnern uns: nach einem Schusswechsel mit einem Gangster fiel Grimes ins Koma, als er erwachte, waren Zombies auf der Welt, nach einiger Zeit fand er seine Familie wieder und gemeinsam mit ihr und einigen Freunden machten sie sich auf den Weg. Sie trafen auf den durchgeknallten Gouverneur von Woodbury und eine von Sergeant Abraham ‘Abe’ Ford angeführte Gruppe, mit der sie sich zusammenschlossen und auf den Weg nach Washington machten, wo es eine Erklärung gegen die Zombieplage geben sollte. Aber Washington entpuppte sich als Irrtum und dann trafen sie auf einen Spähtrupp, der sie nach Alexandria brachte, einer) umzäunten Vorstadtgemeinde, in der die Waffen am Eingang abgegeben werden und bei abendlichen Treffen die Gemeindemitglieder sich über ganz alltägliche Probleme, die nichts von der Zombieplage ahnen lassen, unterhalten.
Grimes will, dass sie in diesem Paradies bleiben können. Allerdings traut er, nach den schlechten Erfahrungen mit dem Gouverneur, dem Frieden nicht und in „Kein Zurück“, dem dreizehnten Sammelband der „The Walking Dead“-Serie, besorgt er sich als erstes Waffen. Zur Selbstverteidigung.
Und während er, immerhin war er früher Polizist, als Sheriff in der Gemeinde für Recht und Ordnung sorgt, übernimmt das Ford außerhalb der Gemeinde. Denn sie haben viele Monate in der Wildnis überlebt und dabei viele Gefährten und Freunde verloren, sie wissen, wie man überlebt und sie beginnen schnell, die Führung in Alexandria zu übernehmen.
In dem Folgeband „In der Falle“ etablieren sich Grimes und seine Freunde in der Stadt. Aufgrund ihrer Erfahrung und wie sie mit Problemen umgehen, werden sie als Anführer akzeptiert. Alles scheint sich gut zu entwickeln, bis eine Herde von Zombies sich vor den Toren von Alexandria versammelt und in die Stadt will. Die in der Stadt Eingeschlossenen nehmen den scheinbar aussichtslosen Kampf auf. Denn noch wollen sie Alexandria nicht aufgeben.
Bei uns erscheinen die von Robert Kirkman erfundenen und geschriebenen, von Charlie Adlard und Cliff Rathburn gezeichneten „The Walking Dead“-Comics als Sammelbände, die immer mehrere Hefte enthalten. In den USA erscheinen die Comics zuerst als Einzelhefte – und bislang waren diese Covers bei uns unbekannt. Wir kannten nur die mit wiederkehrenden Elementen ausgestatteten Covers der Sammelbände. In „The Walking Dead – Die Cover (Vol. 1)“ sind, im Din-A-4-Format, die Titelbilder der ersten fünfzig „The Walking Dead“-Hefte, der Sammelbände, der Hardcover-Bücher und der Deluxe-Ausgabe reproduziert. Die Zeichner Tony Moore (bis Heft 24 und Sammelband 4) und dem Team Charlie Adlard und Cliff Rathburn (ab Heft 25) und „The Walking Dead“-Autor und Erfinder Robert Kirkman haben außerdem aus ihren Archive Skizzen und frühere Entwürfe herausgekramt und sie kommentieren alle Covers. Dabei gibt vor allem Tony Moore einen guten Einblick in seine Arbeitsweise.
„The Walking Dead – Die Cover“ ist natürlich in erster Linie ein Buch für den „The Walking Dead“-Fan, der noch etwas mehr über diese grandiose Serie erfahren will. Oder ein Weihnachtsgeschenk sucht.
Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburn: The Walking Dead 13: Kein Zurück
(übersetzt von Marc-Oliver Frisch)
Cross Cult, 2011
144 Seiten
16 Euro
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Originalausgabe
The Walking Dead Vol. 13: Too far gone
Image Comics, 2011
(enthält: The Walking Dead # 73 – 78, 2010/2011)
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Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburn: The Walking Dead 14: In der Falle
(übersetzt von Marc-Oliver Frisch)
Cross Cult, 2011
152 Seiten
16 Euro
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Originalausgabe
The Walking Dead Vol. 14: No way out
Image Comics, 2011
(enthält: The Walking Dead # 79 – 84, 2011)
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Robert Kirkman/Tony Moore/Charlie Adlard/Cliff Rathburn: The Walking Dead – Die Cover, Volume 1
Nicht nur für Horrorfilmfans ist die heute in den USA bei dem Sender AMC startende sechsteilige Verfilmung von Robert Kirkmans hochgelobtem Comic „The Walking Dead“ ein heiß erwartetes Ereignis. Die Bedenken, dass das Fernsehen eine Serie über eine postapokalyptische Welt in der Zombies Menschen jagen und die Schranken der Zivilisation weitgehend gefallen sind, zu einem familientauglichen Happening macht, verflüchtigten sich ziemlich, als die ersten Setaufnahmen präsentiert wurden. Die Bilder erinnerten wirklich an den Comic und die Zombies sahen erschreckend aus. Die ersten Trailer orientierten sich an der Geschichte des ersten „Walking Dead“-Sammelbandes „Gute alte Zeit“. Es könnte also sein, dass die TV-Macher wirklich den Geist der Vorlage, ohne Konzessionen an den Massengeschmack, auf den kleinen Bildschirm transportieren.
Dabei ist vorteilhaft, dass Serienerfinder Robert Kirkman sich in erster Linie nicht für lustiges Zombietöten interessiert (Keine Angst, in regelmäßigen Abständen werden in „The Walking Dead“ ganze Horden von Zombies massakriert und auch einzelne Zombies werden immer wieder mit einem gezielten Schlag, Schuss oder Hieb getötet.). Kirkman fragt sich in der erfolgreichen Comicserie, wie Menschen überleben, nachdem die uns allen bekannte Welt nicht mehr existiert. Wie zieht man seine Kinder groß, wenn es keine Zukunft mehr gibt? Wie entwickeln sich Beziehungen? Was tut man, um zu überleben? Wie weit ist man bereit zu gehen, um sich, seine Familie und seine Gruppe zu schützen?
In den vergangenen „The Walking Dead“-Sammelbänden musste der ehemalige Polizist Rick Grimes einige harte Entscheidungen treffen. In dem jetzt erschienenen elften „Walking Dead“-Sammelband „Jäger und Gejagte“ ist die kleine Gruppe von Menschen auf dem Weg nach Washington, D. C.. Dort hoffen sie, eine Erklärung für die Zombieplage und ein Heilmittel zu finden. Auf dem Weg dorthin begegnen sie einer Gruppe von Menschen, die zu Kannibalen wurden und daher die Gruppe um Grimes und Sergeant Abe Ford als Nahrung ansieht.
Gleichzeitig gibt es in der Gruppe Probleme. Ben hat seinen Zwillingsbruder Billy ermordet und Dale, das älteste Mitglied der Gemeinschaft, zweifelt zunehmend an seinem Leben.
Während Kirkman bei den moralischen Dilemma keine Rücksicht kennt, wird die körperliche Gewalt, im Gegensatz zu den vorherigen „The Walking Dead“-Bänden, fast schon abstrakt gezeichnet. In „Jäger und Gejagte“ überlassen Autor Robert Kirkman und Zeichner Charlie Adlard viele der schlimmsten Bilder der Vorstellungskraft des Leser.
Der elfte „The Walking Dead“-Band setzt die Geschichte von Rick Grimes und seiner Gruppe gelungen fort; auch wenn sie ihrem Ziel keinen Schritt näher kommen.
Ob die Verfilmung gelungen ist, wissen wir noch nicht. Die ersten Kritiken sind positiv, nach der Ausstrahlung wird es weitere geben und bereits am Freitag, den 5. November, startet um 21.45 Uhr auf Fox (yep, Pay-TV und eine sehr schnell arbeitende Synchronisationsfirma) die deutsche Fassung. Die DVD-Ausgabe ist noch nicht angekündigt.
Dafür hat Cross Cult den nächsten „The Walking Dead“-Band für Februar 2011 angekündigt.
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Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburn: The Walking Dead – Jäger und Gejagte (Band 11)
In den USA startet am 31. Oktober bei AMC die sechsteilige Verfilmung von Robert Kirkmans “The Walking Dead”. Der erste AMC-Trailer sieht verdammt vielversprechend aus:
Auf der Comic Con gab es auch ein Panel zu der Serie:
Wann und wo die Serie im deutschen Fernsehen läuft ist unklar.
Dank George A. Romero wissen wir, was Zombies sind und wie sie am besten getötet werden. Ein Schuss in den Kopf. Alternativ kann auch der Kopf abgeschlagen werden.
Dank Robert Kirkman und seiner Comicserie „The Walking Dead“ entwickeln wir eine Vorstellung, wie es ist, in einer von Zombies bevölkerten Welt zu überleben. Denn, wie bei Romero, tauchen die Zombies plötzlich auf. Die Gründe dafür sind, ebenfalls wie bei Romero, unklar.
Kleinstadtpolizist Rick Grimes lag die entscheidenden Wochen im Koma. Als er aufwacht, ist die Welt fast menschenleer. Er fährt, in der Hoffnung seine Frau Lori und seinen siebenjährigen Sohn Carl zu finden, nach Atlanta. Fast zufällig findet er sie und eine kleine Gruppe Überlebender. Schnell wird Grimes zu ihrem Anführer.
Als die Lage für sie immer gefährlicher wird, beschließen sie, in der Hoffnung irgendwo andere Menschen zu finden, aufzubrechen.
In den folgenden Bänden der Eisner-nominierten Comicserie „The Walking Dead“ schildert Robert Kirkman, wie Rick Grimes und die von ihm angeführte Menschen versuchen zu überleben und eine neue Gesellschaft zu gründen. Dabei treffen sie – insofern ähnelt die Serie einem klassischen Western, in dem gezeigt wird, wie die Siedler von der Ost- zur Westküste reisen und mit vielen Gefahren (vor allem mörderische Rothäute und verbrecherische Bleichgesichter) zu kämpfen haben – auf viele Gefahren und verlieren auch einige Gefährten.
Über eine längere Zeit findet die von Grimes angeführte Gruppe in einem Gefängnis eine sichere Unterkunft. Denn die Zäune, die früher einen Ausbruch der Insassen verhindern sollten, verhindern jetzt einen Einbruch der Zombies.
Dass sie nicht ewig in diesem Heim bleiben können, wissen sie, nachdem sie sich mit Philip, dem selbsternannten und ziemlich durchgeknallten Gouverneur von Woodbury, anlegen. Gegen ihn ist Aunty Entity (Tina Turner im dritten Mad-Max-Film „Mad Max – Jenseits der Donnerkuppel“) ein Ausbund an Menschlichkeit.
Im Ende des neunten Bandes „Im finsteren Tal“ machen sich Grimes und seine Freunde zusammen mit Army-Sergeant Abe Ford (einem Geistesverwandten von Grimes, was natürlich für Konflikt zwischen ihnen sorgt), der von ihm angeführten Gruppe Überlebender und dem Wissenschaftler Eugene Porter, der behauptet ein Gegenmittel gegen die Zombie-Plage zu kennen, auf den Weg nach Washington, D. C.. Denn dort soll es, so Porter, die Möglichkeit zur Heilung geben.
Die Idee zu „The Walking Dead“ entstammt meiner Begeisterung für Zombiestreifen. Ich habe mir diese Filme damals reingezogen, als ob es kein Morgen gäbe, und ich wollte immer wissen, wie es eigentlich nach dem Ende des Films weitergeht. Also kam mir die Idee, einen Comic zu machen, der wie ein Zombiefilm sein würde – nur eben ohne jemals zu enden. Ich wollte die Zombie-Apokalypse erforschen, ohne mich dabei auf einen bestimmten Schluss festzulegen, und das bis zur letzten Konsequenz durchziehen. Daraus entstand dann „The Walking Dead“. Das war ungefähr im Oktober 2002.
Robert Kirkman
Obwohl immer wieder über mehrere Seiten Zombies getötet werden und es immer wieder zwischen den Menschen äußerst gewalttätig zugeht, ist die von Robert Kirkman erfundene und sehr erfolgreiche Serie „The Walking Dead“ kein primitives Gewaltepos. Im Zentrum steht nämlich die Frage, was den Menschen ausmacht und wie Menschen in extremen Situationen, wenn alle vorherigen Gewissheiten und zivilisatorischen Barrieren nicht mehr gelten, reagieren. So bringt Rick Grimes, der als Polizist ausgebildet wurde Menschen zu beschützen, immer wieder andere Menschen um oder verletzt sie schwer. Teils weil er es muss, teils weil er annimmt, dass sie das Überleben der von ihm angeführten Gruppe oder seiner Familie gefährden.
Die Afroamerikanerin Michonne war früher eine Anwältin mit Mann und Kindern. Jetzt ist sie eine eiskalte Killerin, die am liebsten Zombies mit einem Samurai-Schwert köpft.
Die Anwaltsgehilfin Andrea wird eine Scharfschützin, Einige der Gefängnisinsassen werden zu wichtigen Stützen der Gemeinschaft. Denn ihre alten Verfehlungen, soweit sie überhaupt bekannt sind, zählen heute nicht mehr.
Andere kommen mit der Situation nicht klar und versuchen sich umzubringen. Sie alle fragen sich immer wieder, wie sie mit den Zombies umgehen sollen. Denn einige der Zombies sind ihre Kinder, Frauen, Männer, Freunde – und wenn es ein Heilmittel gibt, könnten sie doch vielleicht wieder Menschen werden. Und sie fragen sich, ob sie noch geistig zurechnungsfähig sind in dieser unnormalen Situation in der sie ständig Dinge tun, die sie vorher für undenkbar gehalten haben.
Auch Philip, der sadistische Gouverneur von Woodsbury, ist eine zerrissene Gestalt. Er wohnt mit seiner kleinen Tochter, die ein Zombie ist, zusammen, sieht jeden Tag, dass sein Kind kein Mensch mehr ist und dennoch versucht er, obwohl er sie wie ein gefährliches Haustier hält, für sie ein Vater zu sein. Ein schlimmeres Bild für den moralischen Verfall gibt es wahrscheinlich in keinem der bis jetzt erschienenen zehn Bände.
Gleichzeitig zeigt Kirkman, wie die Überlebenden versuchen, eine neue Gesellschaft aufzubauen, obwohl es immer mehr Zombies gibt, sie selbst immer weniger werden und sie sich manchmal der schlimmste Feind sind. Ein Ende von „The Walking Dead“ ist, auch weil die Verkaufszahlen stimmen, nicht abzusehen.
Die deutschen Ausgaben sind, wie bei Cross Cult gewohnt, vorbildlich. Jeder Band hat Bonusmaterial. Zum Standard gehört die „Zombie-Guide“, in der über Zombie-Filme, -Comics und -Bücher, den Zombie-Paten George A. Romero, die Ursprünge des Zombie-Mythoses und die Zombie-Walks geschrieben wird. Es gibt auch Vor- und Nachworte, Interviews mit Autor Robert Kirkman (Band 1 und Band 10), Zeichner Tony Moore (Band 1), Zeichner Charlie Adlard, der nach dem sechsten Heft die Serie von Moore übernahm (Band 5), eine ausführliche Charakter-Guide (Band 10, die für Neueinsteiger viele Spoiler enthält) und den im Image Holiday Special 2005 veröffentlichten sechsseitigen Comic „Eine Weihnachtsgeschichte“ (Band 10).
In den USA startet im Oktober bei AMC eine vorerst sechsteilige Verfilmung von „The Walking Dead“. Frank Darabont (Die Verurteilten, The Green Mile) ist verantwortlich für die Serie. Er schrieb auch das Buch für die erste Folge und inszenierte sie. Es spielen unter anderem Andrew Lincoln (Rick Grimes), Sarah Wayne Callies (Lori Grimes, bekannt aus „Prison Break“), Jon Bernthal (Shane Walsh), Laurie Holden (Andrea, unter anderem „The Shield“, „X-Files“), Jeffrey DeMunn (Dale), Steven Yeun (Glenn) mit und die ersten Bilder sehen verdammt gut aus. Das könnte nach „Dexter“, „Californication“ und „Breaking Bad“ eine weitere TV-Serie werden, die auch vor einer satten Portion Sex, Gewalt und Amoralität nicht zurückschreckt. Denn eine Zombie-TV-Serie sollte nicht viel harmloser als ein zünftiger Zombie-Film oder die Vorlage sein.
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Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburn: The Walking Dead – Dämonen (Band 10)
(übersetzt von Marc-Oliver Frisch)
Cross Cult, 2010
168 Seiten
16 Euro
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Originalausgabe
The Walking Dead – Vol. 10: What we become
Image, 2009
(enthält Issue 55 – 60)
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Die bisherigen Bände
The Walking Dead: Gute alte Zeit (Band 1)
The Walking Dead – Vol. 1: Days gone bye
(enthält Issue 1 – 6)
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The Walking Dead: Ein langer Weg (Band 2)
The Walking Dead – Vol. 2: Miles behind us
(enthält Issue 7 – 12)
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The Walking Dead: Die Zuflucht (Band 3)
The Walking Dead – Vol. 3: Safety behind bars
(enthält Issue 13 – 18)
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The Walking Dead: Was das Herz begehrt (Band 4)
The Walking Dead – Vol. 4: The hearts desire
(enthält Issue 19 – 24)
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The Walking Dead: Die beste Verteidigung (Band 5)
The Walking Dead – Vol. 5: The best defense
(enthält Issue 25 – 30)
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The Walking Dead: Dieses sorgenvolle Leben (Band 6)
Ist schon wieder ein Jahr um? Denn am Samstag, den 11. Mai (also ungefähr heute), ist wieder Gratiscomictag. Am bewährten Konzept wurde auch im vierten Jahr nichts geändert: Zweihundert Comichändler und Buchhandlungen mit einer guten Comicabteilung geben an dem Tag extra für den Tag produzierte Comichefte ab. Die dreißig Hefte sind von achtzehn verschiedenen Verlagen, von kleinen bis hin zu großen Verlagen, von bekannten Namen bis hin zu Newcomern, von Cartoons über Comics für Kinder hin zu avancierten Graphic Novels, die zeigen, was eine Bildergeschichte alles leisten kann.
Also von „Hägar, der Schreckliche“ über „Donald Duck“, „Batman/Superman Adventures“ und „Before Watchmen“ (die Vorgeschichten zu Alan Moore/Dave Gibbons’ kongenialem „The Watchmen“) hin zu „U-Comix“ (nach 16 Jahren back in the game) und Joe Dalys „Der rote Affe“, der stilistisch etwas an Art Spiegelmans „Maus“ erinnert. Denn Dalys Erzähler Dave, der etwas wie ein Affe aussieht und Affenfüße hat, ist ein in Kapstadt lebender Zeichner, der mit Auftragszeichnungen von Ziegelsteinen sein Leben fristet und gerne ein richtiger Comiczeichner wäre. In dem Gratiscomicheft „Der undichte Cellokoffer“ (avant-verlag) hat er einen richtigen Pechtag: zuerst ist sein Auftraggeber mit seinen Zeichnungen unzufrieden, dann setzt er seine Wohnung unter Wasser, wird von seiner Freundin verlassen und hat Ärger mit seinem Obermieter, einem bedrohlichen Brutalo. Auch sein bester Freund Paul, so etwas wie der südafrikanische Dude (Remember „The Big Lebowski“?), hält von der Arbeit ab.
„Der rote Affe“ ist ein witziger Blick in den Alltag eines Künstlers, bis Dave den Grund für den Lärm in der über ihm liegenden Wohnung herausfinden will und sein Tag wird noch schlimmer.
Pünktlich zum neuen Raumschiff-Enterprise-Film „Stark Trek into Darkness“ gibt es, wie schon bei dem vorherigen Raumschiff-Enterprise-Film, die Vorgeschichte zum Film als Comic. Wobei „Star Trek – Countdown to Darkness“ (Cross Cult) nichts über die Filmgeschichte verrät (ich würde sogar zögern, die Geschichte „Vorgeschichte zum Film“ zu nennen), ist der Auftakt der von Autor Mike Johnson und Zeichner David Messina erfundenen Geschichte spannend. Captain Kirk und seine Männer sollen dem Klasse-M-Planeten Phaedus einen „Scannen und weg“-Kurzbesuch abstatten. Die dortigen Bewohner sind ungefähr auf dem technologischem Stand des Römischen Imperiums. Da bemerken sie ein hochfrequentes Energiefeld, über das die Bewohner nicht verfügen sollten. Kirk und Spock machen sich auf den Weg zum Planeten – und erleben ihr blaues Wunder. Das Heft endet mit einem wirklich bösen Cliffhanger, der neugierig auf die weitere Geschichte macht.
Mit „Super Dinosaur“ (Cross Cult) hat der umtriebige „The Walking Dead“-Erfinder Robert Kirkman eine neue Serie begonnen, die sich wirklich von seinen anderen Serien unterscheidet. Denn „Super Dinosaur“ ist für Kinder. Ein, so Kirkman, „Pixar-Film auf Papier“. Im Mittelpunkt steht Derek Dynamo. Der Elfjährige bezeichnet sich selbst, unbescheiden, als „grandios“ und er hat viele „coole“ Dinge. Sein Freund ist „Super Dinosaur“, ein drei Meter großer Tyrannosaurus Rex, der Video-Spiele liebt und ihm gegen Max Maximus, der die Welt erobern möchte, hilft. Während die ersten Seiten von dem Serienauftakt „Super Dinosaur“ noch wie eine kindlich-infantile Endlosklopperei wirken, wird es schon schnell ernster. Denn Dr. Dexter Dynamo, der Vater von Derek, verliert sein Gedächtnis und Derek will das vor ihm verheimlichen.
Die in sich abgeschlossene Geschichte „96 Stunden“ (Epsilon) aus der inzwischen 13-teiligen „Rubine“-Serie von Boyan, Dragan de Lazare, Francois Walthéry und Mythic steht fest im frankobelgischen Comic und wer noch nichts von „Rubine“ gehört hat, dürfte anfangs etwas verwirrt sein. Denn die Autoren erzählen die Geschichte strikt chronologisch (ich hätte eine Rückblendenstruktur bevorzugt). Daher dauert es einige Zeit, bis die Polizistin Rubine von der Chicagoer Polizei ihren ersten Auftritt hat und der Fall mit der verschollenen Haushälterin des Bürgermeisters, die eine vor über zehn Jahren verurteilte Mörderin ist, ins Rollen kommt. Denn die Mörderin hat jetzt im Fernsehen den Mann, den sie ermordet haben soll, quicklebendig gesehen.
Und Weissblech Comics bringt mit drei Kurzcomics die „Welten des Schreckens“ mit einem entzückendem Monstercover zum Gratiscomictag. Um Monster geht es in „Jäger und Gejagte“ mit der Urzeit-Amazone Kala, die mit dem verletzten Tik-Tik und ihrem Echsenbruder Tyr vor einem Menschenfresserstamm flüchtet und auf ihrer Flucht einer riesigen Raubechse begegnen, die sie als Nachtisch betrachtet.
In „Krogans Buch“ geht es in eine Zukunft, die sich kaum von Kalas Urzeit-Welt unterscheidet, außer dass einige Menschen noch lesen können und in der verbotenen Zone solche Bücher sind. Gulbur macht sich auf den Weg.
Am besten gefiel mir in „Welten des Schreckens“ die in sich abgeschlossene Horrorgeschichte „Phantome im Paradies“, mit einer grandiosen Pointe, über seltsame Männer, die in einer von Grachten durchzogenen, am Wasser gelegenen Kleinstadt auftauchen.
Außerdem gibt es die Dystopie „Skull Party“ (Carlsen Comics/Manga!), „Donald Duck“ (Ehapa Comic Collection), „Hägar, der Schreckliche“ (Ehapa Comic Collection), „Resident Evil“ (Kazé), „Marvel Now“ (Panini Comics), „Before Watchmen: Rorschach“ (Panini Comics), den Beginn der Steampunk-Mystery-Serie „Malcolm Max“ (Splitter Verlag), die Dystopie „Hades Syndrom: Crossfire Teil 1“ (Thenextart) und von den neuen Verlagen Comics etc. und dani books „Piccolo Großband“ und Monster Allergy“.
Schläft der gute Mann eigentlich nie? Robert Kirkman schreibt nicht nur die grandiose monatliche Comicserie „The Walking Dead“, sondern ist auch in die sehr erfolgreiche TV-Serie involviert und wacht über das expandierende „The Walking Dead“-Universum. Dann erfand er mit Todd McFarlane („Spawn“) „Haunt“ und schrieb und schreibt in anderen Serien mit.
Aber das scheint ihm nicht zu reichen.
Denn im Februar 2012 erschien in den USA das erste Heft von „Thief of Thieves“. Der erste „Thief of Thieves“-Story-Arc umfasste sieben Hefte, die jetzt liegt als „Dieb der Diebe: ‘Ich steige aus’“ auf Deutsch vorliegen. Held der Kriminalgeschichte ist, – wir ahnen es -, ein Dieb. Ein besonders guter Dieb, der sich Redmond nennt und als Conrad Paulson ein bürgerliches Leben führt. Jetzt will er sein Leben als Verbrecher beenden, aber sein Sohn landet nach einem schlecht geplanten Diebstahl im Gefängnis, eine FBI-Agentin macht ihm ein Angebot, das er nicht ablehnen sollte und seine alten Verbündeten planen einen neuen, großen Diebeszug.
Und mehr will ich nicht verraten, weil „Dieb der Diebe“ zwar zunächst etwas verwirrend zwischen den verschiedenen Handlungssträngen hin- und herspringt und die Diebe und Polizisten sich emsig in der Disziplin Verrat, Doppelverrat und Trippelverrat (mindestens!) üben und normalerweise gleich mehrere Ablenkungsmanöver planen. Am Ende wird alles hübsch aufgedröselt und fügt sich schön zusammen.
Mit „Ich steige aus“ hat eine neue, gute Gangsterkrimiserie die Comicwelt betreten. Denn selbstverständlich steigt Redmond nicht endgültig aus. Dann wäre ja die Serie vorbei, bevor sie richtig beginnt.
Außerdem nähert sich „The Walking Dead“ langsam auch in Deutschland der Nummer 100. In dem neuesten „The Walking Dead“-Sammelband „Eine größere Welt“ sind die Hefte 91 bis 96 enthalten. In den USA ist bereits Heft 107 erschienen.
Inzwischen haben Rick Grimes und seine Gefährten sich in Alexandria häuslich niedergelassen. Aber sie fragen sich, wie es weitergehen soll. Da taucht ein Fremder auf, der sich Jesus nennt. Rick Grimes ist misstrauisch, aber nachdem der sich betont sanftmütig gebende, aber kampferprobte Jesus einige Chancen für Angriffe auf ihn und die Gemeinschaft verstreichen ließ und die Lebensmittel in Alexandria nur für eine überschaubare Zeit reichen, beschließt er, trotz der schlechten Erfahrungen, die sie vor längerer Zeit mit dem Governeur von Woodbury gemacht hatten (siehe die Sammelbände 5 bis 8), seinem Angebot zu folgen. Denn Jesus ist der Kundschafter für eine Gemeinschaft, in der zweihundert Menschen leben und die sich einfach, nach ihrer Lage, die Anhöhe nennt, und die gerne auch mit ihnen zusammenarbeiten würde. Inzwischen treibt die Anhöhe schon mit einigen anderen Enklaven Handel und das könnte der Nukleus für eine neue, größere Welt, für eine neue Gesellschaft, sein.
Rick Grimes, Andrea, Michonne, Glenn und Carl Grimes (der sich im Auto versteckt) mache sich auf den Weg zu einem ersten Besuch der Anhöhe.
Nachdem Rick Grimes und seine Gefährten in den vergangenen „The Walking Dead“-Bänden immer am eigenen Überleben interessiert waren und daher auch immer in einer entsprechend verschworenen Gemeinschaft lebten, hatte sich mit dem Eintreffen in Alexandria bereits ein Wechsel abgezeichnet. Dort konnten sie in einer größeren Gemeinschaft überleben. In „Eine bessere Welt“ zeichnet sich der Beginn einer neuen Gesellschaft ab.
Das ist einerseits eine neue Wendung in der „The Walking Dead“-Geschichte (immerhin wird vom Wunsch nach Überleben in den Wunsch nach dem Aufbau einer Gemeinschaft und damit Gesellschaft gewechselt), andererseits folgt das auch dem schon in den vorherigen Büchern angedachtem großen Handlungsbogen, der eine Siedlergeschichte erzählt. Vom Überleben in einer feindlichen Umwelt (ersetzt die Zombies durch Indianer) über Rückzüge in Forts, gute und schlechte Erfahrungen mit anderen Gruppen und der Erkenntnis, dass letztendlich der Mensch des Menschen größter Feind ist, hin zu einer viele Menschen umfassenden Gesellschaft. Von einem Recht des Stärkeren hin, oder wieder zurück, zu einem Recht des Gesetzes.
Ob und wie Robert Kirkman diesem Pfad folgt, wird in den nächsten „The Walking Dead“-Bänden erzählt.
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Robert Kirkman/Nick Spencer (Autoren)/Shawn Martinbrough (Zeichner): Dieb der Diebe: „Ich steige aus“ (Band 1)
(übersetzt von Marc-Oliver Frisch)
Panini, 2013
156 Seiten
16, 95 Euro
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Originalausgabe
Thief of Thieves # 1 – 7
Skybound/Image, Februar – August 2012
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Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburn: The Walking Dead: Eine größere Welt (Band 16)
Einerseits sind die James-Bond-Romane von Ian Fleming Kalter-Kriegs-Lektüre aus dem letzten Jahrhundert, andererseits sind die literarischen Modernisierungen von verschiedenen Autoren nicht immer unbedingt überzeugend gewesen und die teils hohen Preise für ältere Ausgaben der Bond-Romane zeigen, dass es immer noch ein großes Interesse an den Abenteuern des Geheimagenten gibt.
Jetzt hat Cross Cult (jau, die „The Walking Dead“ und das halbe „Raumschiff Enterprise“-Universum deutschen Lesern nahebringen) Ian Flemings James-Bond-Romane neu übersetzten gelassen, das schicke Retro-Cover der englischsprachigen Penguin-Ausgaben übernommen und, wenige Wochen vor Daniel Craigs drittem Einsatz als James Bond („Skyfall“ startet am 1. November), die ersten drei James-Bond-Romane „Casino Royale“, „Leben und sterben lassen“ und „Moonraker“ veröffentlicht.
Für die Neuübersetzung gibt es einen guten Grund, wie Siegfried Tesche in „Das große James-Bond-Buch“ beim ersten Bond-Roman schreibt: „’Casino Royale’ wurde, wie alle anderen deutschen Ausgaben auch, gekürzt und zum Teil falsch oder lückenhaft übersetzt. Zudem wurden antideutsche Formulierungen, die in einigen Fleming-Romanen auftauchen, schlicht weggelassen. Dr. Jürgen Müller, Cheflektor Taschenbuch bei Ullstein, zu den Kürzungen: ‘Ich kann aus meiner Verlagskenntnis heraus nur anmerken, dass dies damals eine in der gesamten Branche nicht unübliche Usance war: die Taschenbuchbände wurden ganz einfach auf einen Umfang getrimmt, den der angestrebte Ladenpreis zuließ.’ (…) In allen Übersetzungen wurden die Kapitelüberschriften und fast immer auch Produktbezeichnungen, ein wichtiges Element in Flemings Stil, weggelassen.“
Am heftigsten wurde wohl „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ gekürzt. Wegen der antideutschen Tendenzen lehnte der Ullstein-Verlag, der die deutschen Ausgaben von „Casino Royale“ und „Leben und sterben lassen“ veröffentlichte, eine Veröffentlichung von „Moonraker“ ab. Der Scherz-Verlag veröffentlichte 1968 die deutsche Übersetzung des 1955 im Original erschienenen Romans nur in seinem Taschenbuchprogramm.
In „Casino Royale“ soll James Bond am Baccara-Tisch den russischen Agenten ‘Le Chiffre’ ruinieren und ihn so in den Ruhestand schicken. Le Chiffre fügt sich aber nicht klaglos seinem Schicksal.
In „Leben und sterben lassen“ kämpft James Bond gegen Mr. Big, einen Meisterverbrecher und Voodoobaron, der mit Goldmünzen aus einem Piratenschatz die sowjetische Spionage in den USA finanziert.
In „Moonraker“ will der Millionär und Ex-Nazi Sir Hugo Drax (1955 war eine Million mehr wert als heute) den Engländern eine Superrakete schenken. Als Drax in einem Spielkasino falsch spielt, soll James Bond ihm eine Lektion erteilen.
Im Dezember geht es, chronologisch, mit „Diamantenfieber“ weiter. Für März 2013 sind „Liebesgrüße aus Moskau“ und „Dr. No“ angekündigt. Im Juni 2013 erscheinen „Goldfinger“ und „In tödlicher Mission“, im September 2013 „Feuerball“ und „Der Spion, der mich liebte“, im Dezember 2013 „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ und „Man lebt nur zweimal“, und, abschließend, im März 2014 „Der Mann mit dem goldenen Colt“ und „Octopussy“ – und wenn dann alles zwölf James-Bond-Romane und die beiden Kurzgeschichtensammlungen im Regal nebeneinander stehen, sehen sie auch hübsch aus.
Für die Verfilmungen wurden dann nur noch Elemente der Geschichte übernommen. Entsprechend viel gibt es auch für die Fans der Filme in den Vorlagen zu entdecken.
Auch ich werde die Romane wieder lesen. Denn ich kenne ja nur die alten Übersetzungen (auch die Originalausgaben habe ich vor langer, langer Zeit gelesen) und, so die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ vom 19. März 1966: „Man ließ Fleming nicht übersetzen, sondern bearbeiten, das heißt verkürzt nacherzählen. Flemings Geschichten sind unterschiedlicher Länge; sie wurden auf immer das gleiche 190-Seiten-Volumen getrimmt. Was man wegnahm, war gerade das, was den Reiz der Bond-Geschichten ausmachte: Man entfernte Teile der Kulisse und beließ die reine Aktion.“
Nun, bei Cross Cult variiert die Länge der ersten drei Bände zwischen 240 und 352 Seiten und auch wir Deutschen können endlich die James-Bond-Romane so lesen, wie Ian Fleming sie schrieb.
Der erste Eindruck und ein schneller Vergleich zwischen den alten Übersetzungen und den neuen Übersetzungen, überzeugt.
Ian Fleming: Casino Royale
(übersetzt von Stephanie Pannen und Anika Klüver)
Cross Cult, 2012
240 Seiten
11,80 Euro
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Originalausgabe
Casino Royale, 1953
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Erste deutsche Übersetzung von Günter Eichel
Ullstein Taschenbuchverlag, 1960
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Ian Fleming: Leben und sterben lassen
(übersetzt von Stephanie Pannen und Anika Klüver)
Cross Cult, 2012
336 Seiten
12,80 Euro
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Originalausgabe
To live and let die, 1954
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Erste deutsche Übersetzung von Günter Eichel
Ullstein Taschenbuchverlag, 1961
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Ian Fleming: Moonraker
(übersetzt von Stephanie Pannen und Anika Klüver)
Cross Cult, 2012
352 Seiten
12,80 Euro
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Originalausgabe
Moonraker, 1955
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Erste deutsche Übersetzung von M. F. Arnemann
007 James Bond Mondblitz
Scherz Verlag, 1968
(Ullstein lehnte eine Veröffentlichung wegen antideutscher Tendenzen ab)
Für „Rampart“ hat Oren Moverman, der Regisseur des allgemein abgefeierten Dramas „The Messenger – Die letzte Nachricht“ (unter anderem der Silberner Bär für das Drehbuch auf der Berlinale, eine Golden-Globe- und zwei Oscar-Nominierungen), neben den „The Messenger“-Hauptdarstellern Woody Harrelson und Ben Foster, eine beeindruckende Schauspielerriege versammelt: Sigourney Weaver, Robin Wright, Anne Heche, Cynthia Nixon (ähem „Sex & the City“), Steve Buscemi (leider nur in einer Szene), Ice Cube, Ned Beatty (zuletzt „In the electric Mist“ und „The Killer inside me“) und, eher unbekannter, Jon Bernthal („The Walking Dead“) und sie heben mit ihrem Spiel das Drama über einen selbstgerechten Streifenpolizisten als Charakterstudie eines Mannes am Abgrund auf ein sehr hohes Level.
Die 1999 in Los Angeles, kurz nach dem titelgebenden Rampart-Skandal, bei dem polizeiinterne Korruption und andere Verbrechen von Polizisten bekannt und anschließend kräftig im Los Angeles Police Department aufgeräumt wurde, spielende, kaum vorhandene Geschichte zerflettert dagegen in unzähligen Subplots aus dem Leben des Streifenpolizisten Dave Brown (Woody Harrelson), in denen es um einen gewalttätigen, auf Video dokumentierten Einsatz von ihm, seine seltsame Beziehung zu seinen beiden Ex-Frauen, die auch Schwestern sind, und zu seinen Kindern, sein unermüdlicher Sextrieb, sein überbordender Drogenkonsum, den Mord an einem Dieb, seine Freundschaft zu seinem mit allen Wassern gewaschenen Mentor und die Ermittlungen eines internen Ermittlers gegen ihn geht. Nach gut zwei Stunden endet der Film so offen, dass er wie eine Skizze über einen Mann, der sich immer mehr in Schuld und Paranoia verstrickt, wirkt.
Woody Harrelson hält diesen Film zusammen und als erstklassig besetzte Charakterstudie überzeugt „Rampart“, der eindeutig vom US-amerikanischen New Hollywood der siebziger Jahre, als der „Taxi Driver“ und „Der Pate“ das Publikum mit komplexen und wenig vorbildlichen Charakteren konfrontierte, und dem europäischen Kino inspiriert ist.
Weil Moverman in seinem Film die Geschichte eines selbstverschuldeten Abstiegs erzählt, der von Harrelson gespielte Officer Dave Brown keinen eindeutigen Antagonisten hat (eher schon eine Handvoll Antagonisten, die sich gegenseitig neutralisieren und teilweise auch keine klassischen Antagonisten sind) und Polizeikorruption und Polizeigewalt nur nebenbei gestreift werden, ist dieses Cop-Drama auch ungleich schwächer als die Cop-Thriller „Dark Blue“ und „Street Kings“, die letztendlich auch vor dem Hintergrund des Rampart-Skandals spielten, bei denen James Ellroy als Ideenlieferant und Drehbuchautor involviert war und in denen im Film (vor allem wenn man die Vorgeschichte in der Entwicklungshölle kennt) erstaunlich viel von Ellroys Themen und Obsessionen enthalten ist. In „Rampart“ ist dagegen eher wenig James Ellroy enthalten, was auch daran liegen kann, dass während der Dreharbeiten der Fokus stärker auf Officer Dave Brown gelegt wurde, während Ellroys ursprüngliches Skript einen stärkeren Fokus auf den Rampart-Skandal hatte.
Als Bonusmaterial gibt es ein „Making of“, in dem James Ellroy sich dennoch sehr zufrieden mit der Verfilmung zeigt, es gibt Interviewschnipsel mit Woody Harrelson, Ben Foster, Robin Wright, Brie Larson und Oren Moverman und einen kleinen Zusammenschnitt der besten Sprüche des von Woody Harrelson gespielten Officer Dave Brown. Das ist ein informativ unauffälliges Paket, in dem immer wieder Hauptdarsteller Woody Harrelson, das Drehbuch von James Ellroy und Oren Moverman und Regisseur Oren Moverman, der seinen Schauspielern viel Raum für Improvisationen gibt, gelobt wird.
Rampart – Cop außer Kontrolle (Rampart, USA 2011)
Regie: Oren Moverman
Drehbuch: James Ellroy, Oren Moverman
mit Woody Harrelson, Robin Wright, Anne Heche, Cynthia Nixon, Steve Buscemi, Ice Cube, Sigourney Weaver, Ben Foster, Ned Beatty, Jon Bernthal, Brie Larson
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DVD
Ascot Elite
Bild: 1:,35 (16:9)
Ton: Deutsch (DTS 5.1, Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Making of, Sh*t Dave Brown says, Interviews mit Cast und Crew, Originaltrailer, Deutscher Trailer, Wendecover
Am Samstag, den 12. Mai, ist es wieder so weit. In fast 200 Geschäften werden 30 verschiedene Comics gratis verteilt. Die Gesamtauflage beträgt inzwischen stolze 300.000 Exemplare.
Die Idee für den Gratis-Comic-Tag kommt aus den USA. Dort schlossen sich Comic-Verlage und Händler zusammen, um an einem Tag im Jahr kostenlos Comics zu verteilen. Oft mit Comics, die extra für diesen Tag geschrieben wurden und entsprechend schnell zu Sammlerstücken wurden. Mit diesem Tag wollen sie einen Einblick in die Vielfalt und auch die oft überragende künstlerische Qualität der Bildergeschichten geben. Denn die Zeiten von „Fix und Foxi“ sind schon lange vorbei.
Auch in Deutschland sollen die Graphic Novels (Na, das klingt doch gleich viel elitärer.) mit dieser Aktion aus der Nerdecke herausgeholt werden. Erfolgreich. Denn in den vergangenen Jahren standen die Fans teilweise blockbustermäßig Schlange, die Händler (denn es geht nichts über den Comicbuchhändler ihres Vertrauens) waren erfreut über die hohen Umsätze und in den Medien wurde darüber berichtet.
Das wird dieses Jahr sicher nicht anders sein.
Einige der Gratis-Comics dürften dabei für uns Krimifans (die auch gerne einen Blick über den Tellerrand wagen) interessant sein:
Echt Kriminelles
„Cosa Nostra: Die schwarze Hand“ von David Chauvel und Erwan Le Saec (Schreiber & Leser) enthält zwei Hardboiled-Geschichten über das Gangstertum in den USA 1909 und 1936 und beide orientieren sich stark an der Wirklichkeit. Sehr empfehlenswert!
„Fräulein Rühr-mich-nicht-an 1: Die Jungfrau im Freudenhaus“ von Hubert und Kerascoet (Reprodukt) spielt im Paris der 30er Jahre und erzählt die Geschichte von Blanche, die den Mörder ihrer Schwester im Rotlichtmilieu sucht.
Gruselige Randgebiete
„The Walking Dead/Steam Noir“ von Robert Kirkman, Tony Moore, Felix Mertikat und Verena Klinke (Cross Cult) erzählt von dem Ex-Polizisten Rick Grimes, der mit einer Gruppe Überlebender durch eine von Zombies bevölkerte USA irrt. Hier ist der Auftakt der Serie, die auch erfolgreich verfilmt wurde und am Freitag/Samstag/Sonntag auf RTL II läuft, abgedruckt. Außerdem gibt es eine exklusive Kurzgeschichte aus der „Steam Noir“-Welt.
„Zombies, Band 0 – Tod und Agonie“ von Oliver Peru, Simon Champelovier, u. a. (Splitter Verlag) wird als „Der Zombie-Hit aus Frankreich!“ angekündigt
„Spider-Man“ von Slott und Ramos (Panini) wird angekündigt als „Zum Kinostart des neuen Spider-Man-Streifens darf natürlich auch die Comic-Version nicht fehlen“ und es gibt die Vorgeschichte zum Film.
„Sweet Tooth“ von Jeff Lemire (Panini Comics) soll etwas für die Postapokalypsenfans von Cormac McCarthys „The Road“ und Stephen Kings „The Stand“ sein.
„Horrorschocker“ von Levin Kurio, Klaus Scherwinski, u. a. (Weissblech) bringt Horror- und Science-Fiction-Geschichten; auch aus deutscher Feder, was uns zum nächsten Punkt bringt
Deutsche Künstler
„Don Quijote“ von Flix (Carlsen Comics) über einen alzheimerkranken Don Quijote, der gegen Windmühlenparks kämpft.
„Zuckerfisch – On the Rocks“ von Naomi Fearn (Zwerchfell) erzählt semi-fiktive Geschichten aus ihrem Leben, der Welt und dem ganzen Rest, aber ohne die Frage nach dem Sinn des Lebens zu beantworten. Dafür gibt es auch bislang Unveröffentlichtes.
„Wave and Smile“ von Arne Jysch (Carlsen Comics) ist der erste deutsche Comic über den Afghanistaneinsatz der Bundeswehr.
Ach, und „Garfield“ (Egmont Balloon) und die Simpsons sind mit „Bongo Comics für umme!“ (Panini Comics) dabei.
Für die zweite Staffel (mehr Folgen, weniger Geld) befürchte ich das Schlimmste.
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Das Fantasy Filmfest startet. Am Samstag, den 20. August, gibt es hier in Berlin um 12.30 Uhr auch ein Special Screening des “The Walking Dead”-Pilotfilms für lau.
So richtig hat mich kein Film so richtig angesprungen. Aber “Hell” und “Cowboys & Aliens” (beide schon gesehen) sind gut. “Largo Winch II: The Burma Conspiracy” dürfte gut sein. “Red State” (von Kevin Smith), “Perfect Sense” (von “Young Adam” und “Hallam Foe”-Regisseur David Mackenzie), “Point Blank” (von Fred Cavayé; – vielleicht gefällt mir der Titel auch nur wegen Richard Starks “Point Blank” so) und “Yellow Sea” (noirisches Gangster-Action-Drama aus Südkorea) könnten auch gut sein und wahrscheinlich hab ich ein, zwei Filme übersehen.
US-Krimifans sind schon länger von Megan Abbott begeistert. Ihr neuer Krimi “The End of Everything” wird im Time Magazine abgefeiert und vielleicht wird’s dann ja auch etwas mit einer deutschen Übersetzung. Bis dahin kann im Rap Sheet ein Interview mit Megan Abbott gelesen werden.
Ich meine: Soll jetzt, fast fünfzig Jahre nach unseren genialen “Winnetou”-Filmen, Hollywood den wahren Wilden Westen entdecken? Oder wird’s so ein moderner Reboot?
Es hilft nichts. Ich muss endlich mal wieder meinen Schreibtisch aufräumen. Dabei kann ich dann auch einige Werke, die ich teils schon vor Monaten genossen, aber bis jetzt immer noch nicht besprochen habe, endlich, nicht immer in der gebührenden Länge, besprechen.
In „Schöne neue Welt“, dem zwölften Band der grandiosen Serie „The Walking Dead“ von Robert Kirkman über eine Gruppe von Menschen, die nach einer Katastrophe in einer von Zombies beherrschten Welt, überleben wollen, scheint sich alles zum Besseren zu wenden.
Die von Polizist Rick Grimes geführte Gruppe nähert sich endlich Washington, D. C.. dem Ziel ihrer Reise. Denn dort, so hat ihnen ihr Gruppenmitglied Dr. Eugene Porter gesagt, gebe es ein Mittel gegen die Zombies. Aber kurz vor der Hauptstadt erfahren sie, dass Porter sie belogen hat. Er ist nur ein einfacher Highschool-Lehrer und ein guter Lügner. Da treffen sie auf einen Mann, der sie einlädt, zu ihnen in eine geschlossene Siedlung zu ziehen. Grimes ist skeptisch. Denn wenn etwas zu schön um wahr zu sein ist, ist es auch meistens nicht wahr. Außerdem erinnern sie sich noch gut an Philip, den durchgeknallten Herrscher von Woodbury (gegen den sie in den „The Walking Dead“-Sammelbänden fünf bis acht kämpften).
„Schöne neue Welt“ ist eine feine Fortsetzung einer tollen Serie, die die Gruppe vor eine neue Herausforderung stellt. Jetzt müssen sie sich fragen, ob sie wieder in ein normales Leben zurückkehren können. Wie in den vorherigen Bänden gibt es eine ordentliche Portion Gewalt gegen die Zombies, aber auch in „Schöne neue Welt“ steht die Dynamik in der Gruppe und wie sie auf andere Menschen reagiert, im Mittelpunkt und das ist allemal spannender als stupides Zombie-Abschlachten.
Im Moment sehe ich mir die auf den Comics basierende TV-Serie „The Walking Dead“ an. Sie bewegt sich schon in der ersten Staffel erstaunlich weit von der Vorlage weg, indem Rick Grimes und seine Gruppe andere Abenteuer erleben müssen und schon in den ersten Folgen etliche neue Charaktere auftauchen. Aber sie bleibt dem Geist der Vorlage treu; was nicht verwunderlich ist, denn Robert Kirkman ist in die Produktion stark involviert. Er ist Executive Producer und schreibt auch Drehbücher für die TV-Serie. Ich bin jedenfalls auch von der TV-Serie begeistert.
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Robert Kirkman (Autor)/Charlie Adlard (Zeichner)/Cliff Rathburn (Zeichnungen): The Walking Dead: Schöne neue Welt (Band 12)
(übersetzt von Marc-Oliver Frisch)
Cross Cult, 2011
152 Seiten
16 Euro
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Originalausgabe
The Walking Dead, Vol. 12: Life Among Them (# 67 – 72)
Neben „The Walking Dead“ schreibt Robert Kirkman noch an einer weiteren Serie: „Haunt“, über einen unheiligen Priester, der nach dem Tod seines Bruders von ihm besessen ist.
Die Initialzündung für die Serie war 2006 auf der San Diego Comic-Con. „Spawn“-Erfinder Todd McFarlane saß auf dem Podium. Ein Fan fragte ihn, warum er keine Comics mehr schreibe. McFarlane antwortete höflich, erfuhr, dass dieser Fan Robert Kirkman sei und bot ihm eine Zusammenarbeit an. Es dauerte dann noch drei Jahre, bis Ende 2009 das erste „Haunt“-Heft erschien.
„Haunt“ ist dabei eine etwas andere Superheldenserie. Denn der Protagonist Daniel Kilgore ist als Priester eine Fehlbesetzung und mit seinem Bruder Kurt will er nichts zu tun haben. Kurt ist Geheimagent für die Agency, einen supergeheimen Geheimdienst (naja, das kennen wir doch aus den USA: der Geheimdienst hinter dem CIA, der ein unbegrenztes Budget hat, schmutzige Geschäfte erledigt und auch Menschen tötet; – und manchmal auch nur ein Synonym für die CIA ist). Kurt erledigt weltweit die Schmutzarbeit und bringt dabei immer wieder Menschen um.
Auch nachdem Kurt ermordet wird, will Daniel Kilgore nichts mit ihm zu tun haben. Dummerweise ergreift Kurt jetzt, wenn es gefährlich wird, von Kilgore Besitz und es gibt ein neues, fast unverletzbares Wesen, das Kilgore für die Arbeitgeber von Kurt interessant macht. Denn Kurt und seine Freundin stahlen wichtige Unterlagen von einem Dr. Shillinger, an die jetzt auch der skrupellose Supergangster Hung will.
„Haunt“ verleiht dem Superheldengenre mit dem fast unverletzbarem Haunt und den beiden Brüdern, die sich nicht grün, aber aufeinander angewiesen sind und ständig miteinander reden, einen neuen Twist. Denn hier werden die Familienprobleme nur noch im Kopf des Protagonisten ausgetragen.
Jetzt sind, in zwei Sammelbänden, die ersten zwölf Hefte und damit die erste große „Haunt“-Geschichte erschienen, die aber genug Spuren für weitere Geschichten, die bislang in den USA noch nicht erschienen sind, legt.
Auch bei „American Vampire“ begann die Zusammenarbeit eher zufällig. Scott Snyder wollte von Stephen King eigentlich nur einen Blurb, aber dem Horror-Autor gefiel das Konzept so gut, dass er, wie schon bei der Krimireihe Hard Case Crime, statt des Blurbs eine Geschichte anbot und, wie bei Hard Case Crime, bewies er seinen guten Geschmack. Außerdem schrieb er, nachdem bereits aus einigen seiner Romane Comics wurden, mit „American Vampire“ erstmals eine Geschichte direkt für einen Comic.
In „American Vampire“ bekämpfen sich in den USA die alten, europäischen Vampire und die neuen amerikanischen Vampire – und alle Vampire haben nichts mit der „Twilight“-Teenieheimeligkeit gemeinsam.
Denn der Protagonist Skinner Sweet war vor seinem Vampirdasein der gemeinste, hinterhältigste und bösartigste Bandit des Wilden Westen und jetzt ist er, als erster seiner Art, eine neue Art von Vampir, die Dinge tun kann, die die alten europäischen Vampire nicht tun konnten. So macht ihm das Tageslicht nichts aus.
Im ersten „American Vampire“-Sammelband, der die ersten fünf „American Vampire“-Hefte enthält, werden zwei voneinander unabhängige Geschichten erzählt, die in jedem Heft weitererzählt werden. Das ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig und sorgt gerade im ersten „American Vampire“-Heft bei der Geschichte von Scott Snyder, weil unklar ist, wer der Protagonist ist, für Irritationen. Ab dem zweiten Heft ist der Aufbau dann allerdings klar. Die eine Geschichte, geschrieben von Stephen King, spielt im Wilden Westen und erzählt, wie Skinner Sweet zum ersten amerikanischem Vampir wurde und von seinen ersten Jahren als Vampir. Denn er ist, auch wenn er so dem Tod entging, überhaupt nicht von seinem neuen Leben als Vampir begeistert.
Die andere, von Scott Snyder geschriebene Geschichte, spielt in den zwanziger Jahren in Hollywood und das Starlet Pearl Jones gerät in die Fänge der Vampire. Skinner Sweet, der gegen die Menschen kämpft, die ihn zum Vampir machten, versucht Pearl Jones zu helfen und sie nimmt ihre Existenz als Vampir auf eine durchaus bissfreudige Weise an.
Der erste „American Vampire“-Sammelband ist ein vielversprechender Auftakt, der mit einer ordentlichen Western- und Stummfilm-Hollywood-Prise und blutigen Kämpfen (denn diese Vampire haben nichts mehr von der Eleganz eines Bela Lugosi, aber viel von dem Furor eines losgelassenen Kampfhundes), punktet. Oder in den Worten von Stephen King im Vorwort des Sammelbandes: „Wenn Ihnen die Geschichte gefällt, danken Sie nicht mir, sondern Scott, denn er hat mir den kompletten Leitfaden geliefert. Ich habe hier und da Kleinigkeiten ergänzt, mich aber nie weit von seinen Vorgaben entfernt. Wozu ein Meisterwerk verbessern?“
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Scott Snyder (Autor, Creator)/Stephen King (Autor)/Rafael Albuquerque (Zeichner): American Vampire – Band 1
„Keine zehn Pferde kriegen mich in die Nähe von Cassandra Hack! Da kann ich mir ja gleich selbst den Kopf einschlagen“, sagt Michael Myers über Cassandra Hack und, obwohl die Blurbs auf dem Buchcover oft eine höfliche Form der Lüge sind, würde ich Myers nicht wiedersprechen. Denn er ist ein ausgewiesener Experte und der letzte, der etwas Unhöfliches über ihn sagte, sah danach ziemlich schlecht aus.
Hack ist ein Mädchen, das Slasher (das sind diese Mörder, die mit einem großen Messer immer wieder töten) und, manchmal, andere Serienmörder jagt, ihren Vater sucht und von dem treudoofem Vlad begleitet wird.
Hack-Autor Tim Seeley erzählt in dem neuesten „Hack/Slash“-Band „(Re)Animatoren“ meistens keine 08/15-Geschichten über die Jagd nach durchgeknallten Slashern (Gibt es auch andere? Nun, in „Eiskalt serviert“ schon.), sondern er variiert bekannte Erzählungen und lässt bekannte Charaktere auftreten. Das können echte Charaktere, wie die „Suicide Girls“ in „Selbst/Mord“, das können erfundene Charaktere, wie Dr. Herbert West (bekannt aus den „Re-Animator“-Filmen von Brian Yuzna) in der langen Geschichte „Cassie & Vlad trefffen den Re-Animator“, sein. Das kann auch die in den USA jedem Kind bekannt Geschichte des „Zauberers von Oz“ sein, die in „Hinter dem Regenbogen“ wieder verfilmt werden soll. Bei den Dreharbeiten gibt es dann einige, ähem, Probleme.
Die lange Geschichte „Cassie & Vlad trefffen den Re-Animator“ ist dann auch die beste Geschichte des Sammelbandes. In ihr findet Cassie ihre Eltern und alle Charaktere haben auch genug Zeit, sich zu präsentieren. Dagegen wirken die anderen Geschichten oft etwas skizzenhaft. Gerade bei „Hinter dem Regenbogen“ hätten einige Seiten mehr gutgetan. Dafür wird man in „Selbst/Mord“ mit einer kräftigen Portion Sex, Gewalt und Mord entschädigt.
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Tim Seeley (Autor)/Emily Stone (Zeichnungen): Hack/Slash: (Re)Animatoren (Band 5)
Nach den vielen thrillenden Mädels wurden Brett Battles und Dennis Lehane (über “Shutter Island” und “Im Aufruhr jener Tage”) in andere Verhörzimmer geführt.
Be warned that this is not one for the faint-hearted, as the violence has a perversely intimate quality to it that makes it utterly shocking. That said, as a crime thriller and a forensically telling psychological exploration of psychosis, The Killer Inside Me is a viscerally engaging experience. ****
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