Jan Philipp Albrecht will: „Finger weg von unseren Daten!“

Oktober 27, 2014

Albrecht - Finger weg von unseren Daten - 2

Wie soll ich meine Besprechung von Jan Philipp Albrechts „Finger weg von unseren Daten! – Wie wir entmündigt und ausgenommen werden“ bloß beginnen? Täglich gibt es eine neue Horrormeldung – und die Bundesregierung tut nichts, wenn sie nicht gerade mit voller Energie versucht, die Aufklärung der Umtriebe der Geheimdienste von einem Bundestags-Untersuchungsausschuss oder durch die Medien möglichst umfassend zu verhindern. Der Merkel-Regierung ist es halt egal, wenn Grundrechte verletzt und Bundesbürger auch von deutschen Geheimdiensten ausgespäht werden.

Wenn schon einmal halbherzig auf Verschlüsselungstechniken hingewiesen wird und damit ein Problem, das politisch gelöst werden muss, privatisiert wird, wird gleichzeitig ein Schlupfloch für Sicherheitsbehörden in der Verschlüsselungstechnik gewünscht, weil die Regierung alles menschenmögliche tut, um das Internet unsicherer zu machen. Gleichzeitig glänzt die bundesdeutsche „Datenschutzbeauftragte“ immer noch durch Abwesenheit. Sogar eine Vakanz würde das Amt besser ausfüllen.

In dieses „Nichts tun, dann kann man auch nichts falsches tun“-Trauerspiel reiht sich auch die irrationale Totalopposition der Regierung zur EU-Datenschutzreform ein. In ihr steht unter anderem, dass Privacy by Design (Datenschutz durch Technik) und Privacy by Default (datenschutzfreundliche Voreinstellungen) normalerweise angewandt werden sollen, dass Unternehmen, wie Facebook, die ihre Dienste in der EU anbieten, EU-Regeln unterliegen (Marktortprinzip), dass man sich bei der Datenschutzbehörde seines Landes beschweren kann, dass es ein Recht auf Datenübertragbarkeit gibt und dass man einer Datenverarbeitung vorher explizit zustimmen muss. Irgendwie alles grundvernünftige und auch überfällige Regeln, aber die Bundesregierung meint, dass sie den hohen bundesdeutschen Datenschutzstandard absenken würden.

Jan Philipp Albrecht (Bündnis 90/Die Grünen) war im Europäischen Parlament der Berichterstatter für diese Datenschutzgrundverordnung. Während der Verhandlungen und dem Abarbeiten der Änderungsanträge wurde er von Lobbyisten belagert, die ein möglichst wirkungsloses Datenschutzrecht wollten. Die Passagen, in denen er in „Finger weg von unseren Daten!“ über die bei uns fast unbekannten Inhalte der EU-Datenschutzreform und die Verhandlungen schreibt, gehören zu den stärksten Passagen des Buches.

Auch seine Ausführungen, warum Datenschutz, also der Schutz der Privatsphäre, wichtig ist, sind gelungen: „Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass Datenschutz untrennbarer Kernbestandteil der Menschenwürde und aller bürgerlichen Freiheiten ist, die eine freiheitliche und rechtsstaatliche Demokratie zu bieten hat. Kein Grundrecht kann ich effektiv ausüben, wenn die Kontrolle über die eigene Persönlichkeit und die personenbezogenen Informationen verlorengegangen ist. (…) Gleichzeitig stellt diese Beschränkung nicht nur eine Beschneidung meiner Freiheiten, sondern eine Bedrohung der Demokratie dar. Es sind ja gerade die Meinungsäußerungen der Andersdenkenden, die eine Demokratie erst lebendig funktionieren lassen.“

Wenn er dann allerdings über die Macht US-amerikanischer Unternehmen, wie Google und Facebook (das mir persönlich teilweise zu sehr in 08/15-Google- und Facebook-Bashing geht), die Umtriebe der Geheimdienste (die ja durch die fast täglichen Enthüllungen immer schlimmer werden und ein gedrucktes Buch da nur einen vergangenen Erkenntnisstand beschreiben kann. Trotzdem hätte ich hier gerne mehr über die gute Arbeit des Europäischen Parlaments dazu gelesen.) und den politisch-industriellen Komplex, der immer mehr Überwachungstechnik verkauft, schreibt, wird „Finger weg von unseren Daten!“ schwächer, weil ich auf diesen Seiten nichts Neues erfuhr.

Aber wenn ich an einige Gespräche denke, die ich in den vergangenen Tagen hatte, sind auch diese Passagen wichtig. Denn viele Menschen, die ich für durchaus informiert halte, wissen doch immer noch viel zu wenig von diesen Bedrohungen der bürgerlichen Freiheiten und der liberaldemokratischen Demokratie. Gerade sie sollen mit diesem Buch zum Handeln angeregt werden.

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Jan Philipp Albrecht: Finger weg von unseren Daten! – Wie wir entmündigt und ausgenommen werden

Knaur Klartext, 2014

192 Seiten

7 Euro

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Hinweise

Homepage von Jan Philipp Albrecht

Perlentaucher über “Finger weg von unseren Daten!”


Über Melissa Gira Grants Essay „Hure spielen – Die Arbeit der Sexarbeit“ – und ihre Lesereise

Oktober 17, 2014

Grant - Hure spielen

Während Konservative gerade ihre Vorstellungen zur Prostitution in Gesetzesform gießen, dabei entschieden gegen Zwangsprostitution (Wie erkenne ich eine Zwangsprostitutierte?), Flatrate-Bordelle (Hm?), Gangbang-Partys (Uh, ist das nicht ein freiwilliges Vergnügen von Erwachsenen?) und minderjährige Prostituierte (also: unter 21 Jahren geht käuflicher Sex gar nicht, aber morden für’s Vaterland ist okay) vorgehen will, gerne auch mit einer Anmeldepflicht für Sexarbeiterinnen (weil nur eine angemeldete Prostituierte keine Zwangsprostitutierte ist), ist ein Buch wie Melissa Gira Grants „Hure spielen – Die Arbeit der Sexarbeit“ notwendig und wichtig, auch wenn Grant, die selbst Sexarbeiterin war, teilweise arg akademisch schreibt und sie Fakten (die sie kaum belegt und die daher nicht überprüft werden können) mit ihrer Meinung vermischt. Weil „Hure spielen“ allerdings ein Pamphlet ist, das sich in einem aktuellen Diskurs eindeutig positioniert und Grant vor allem Denkanstöße vermitteln will, ist das akzeptabel. Auch wenn wahrscheinlich genau die Menschen, die ihre Meinung zur Sexarbeit überprüfen sollten, „Hure spielen“ nicht lesen werden.
Außerdem konzentriert die Amerikanerin sich auf die Verhältnisse in ihrem Heimatland. Das ist zwar verständlich, mindert aber den Wert des Buches für uns beträchtlich. Denn viele Kämpfe und Probleme für US-Sexarbeiterinnen, vor allem dort grassierende Bigotterie, gibt es so in Deutschland nicht, obwohl es auch hier entschiedene Prostitutionsgegnerinnen (die gerne mit Fantasiezahlen operieren), massive Probleme mit der Polizei und Ämtern (wie mir einige Berliner Sexarbeiterinnen kürzlich erzählten) und einen Diskurs über Betroffene gibt, bei dem die Betroffenen nicht gefragt werden. So als seinen Huren Menschen, die zu dumm sind, um ihre Lage richtig einzuschätzen. Was in Deutschland besonders für die Zwangsprostitutierten gilt, die natürlich alle aus Osteuropa kommen und hier, zu ihrer eigenen Überraschung, in Bordellen unterdrückt werden. Es muss sich um unglaubliche Zahlen handeln. Denn die eher geringen Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatististik werden von konservativen Politikern nicht genannt. 2013 waren es 542 Opfer von Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung. In den vergangenen Jahren sank die Zahl auf den niedrigsten Stand seit 2006.
In ihrem Vorwort erwähnt Kulturwissenschaftlerin Mithu M. Sanyal auch die vierzigtausend Frauen, die 2006 zur Fußball-Weltmeisterschaft nach Deutschland kommen sollten, um die Fußballfans sexuell zu befriedigen. Zusätzlich zu den bereits in Deutschland lebenden Sexarbeiterinnen. Es gab, wie man im „Bundeslagebild Menschenhandel 2006“ des Bundeskriminalamtes erfährt, 5 (in Worten: Fünf!) Fälle.
In ihrem Buch versucht Melissa Gira Grant einige der Mythen, die sich um die Sexarbeit ranken, zu entmystifizieren. Außerdem betont sie immer wieder die Vielfältigkeit der Sexarbeit zwischen Straßenstrich, Escort, Clubs in all ihren Schattierungen bis hin zum Pornofilmgeschäft. Sie geht auch auf die Repression durch Polizei und Politik ein. Und immer wieder wendet sie sich gegen die selbsternannten Retter von Prostituierten, deren falsche Argumente und wie sie gegen Hurenorganisationen arbeiten.
Bei mir rennt Melissa Gira Grant offene Scheunentore ein, weshalb „Hure spielen – Die Arbeit der Sexarbeit“ mich lediglich in meinen Ansichten bestätigte. Pieke Biermanns Interviewbuch „’Wir sind Frauen wie andere auch!’ – Prostituierte und ihre Kämpfe“ (Argument Verlag, 2014) fand ich da interessanter.

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Melissa Gira Grant: Hure spielen – Die Arbeit der Sexarbeit (Nautilus Flugschrift)
(übersetzt von Georg Felix Harsch)
Edition Nautilus, 2014
192 Seiten
14,90 Euro
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Originalausgabe
Playing the Whore – The Work of Sex Work
Verso, London/New York 2014
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Melissa Gira Grant besucht Deutschland
Berlin: Freitag, 17. Oktober – 19 Uhr im Salon der Rosa-Luxemburg-Stiftung, (Franz-Mehring-Platz 1), Moderation: PG Macioti
Hamburg: Samstag, 18. Oktober – 20 Uhr im GOLEM (Große Elbstraße 14), Moderation: Mithu M. Sanyal
Köln: Montag, 20. Oktober – 19 Uhr im Odonien (Hornstraße 85), Moderation: Susanne Kleinfeld
Bonn: Dienstag, 21. Oktober – 20 Uhr im Buchladen Le Sabot (Breite Straße 76), Moderation: Susanne Kleinfeld
Die Tour findet in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung statt.
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Hinweise

Homepage der Autorin

Nautilus über Melissa Gira Grant

Wikipedia über Melissa Gira Grant


Alte Texte von Ulf Miehe und Philip K. Dick, neu aufgelegt

Oktober 15, 2014

Miehe - Lilli Berlin - Rotbuch 2014 - 2Dick - Marsianischer Zeitsturz - Fischer 2014 - 2

Dick - Ubik - Fischer 2014 - 2Dick - Der dunkle Schirm - Fischer 2014 - 2

Ältere Fans von Ulf Miehe und Philip K. Dick und passionierte Antiquariate-Besucher dürften diese Werke schon in ihrem Regal stehen haben. Obwohl ich die Werke von Philip K. Dick (1928 – 1982) und Ulf Miehe (1940 – 1989) eher selten in Antiquariaten entdecke. Anscheinend behalten die Menschen, die deren Werke gekauft haben, sie. Was für die Qualität ihrer Bücher und für eine Neuauflage spricht. Denn niemand sollte der Zugang zu guten Büchern verwehrt werden.
Von Ulf Miehe, dessen grandioser Gangsterthriller „Puma“ in den vergangenen Jahren mehrmals mit verschiedenem Bonusmaterial erschien, erschien jetzt bei Rotbuch sein dritter Kriminalroman „Lilli Berlin“. In dem Roman erzählt er die Geschichte von Rick Jankowski, der als Mörder gesucht wird und weil der Roman in Berlin um 1980 spielt, dürfte er auch mit Vorwende-Lokalkolorit gesättigt sein.
In der aktuellen Ausgabe von „Lilli Berlin“ sind auch ein neues Nachwort von Rainer Weiss, seinem damaligem Lektor, eine Bio- und Bibliographie und einige Gedanken von Ulf Miehe über den deutschen Kriminalroman enthalten.
Jetzt fehlt nur noch Miehes erster Kriminalroman „Ich hab noch einen Toten in Berlin“, der erstmals 1973 erschien und derzeit nur antiquarisch erhältlich ist. Falls überhaupt.
Philip K. Dick, der Mann, der die Vorlage für „Blade Runner“ schrieb, ist einer der legendären Science-Fiction-Autoren, dessen Hauptwerk in den vergangenen Jahren gut erhältlich war. Einige Bücher, wie das mit dem Hugo Award ausgezeichnete „Das Orakel vom Berge“ (in dem die Nazis und die Japaner den zweiten Weltkrieg gewannen), erschien in mehreren Übersetzungen, zuletzt im Heyne-Verlag, der sich liebevoll um sein Werk kümmert.
Der Fischer-Verlag legte jetzt in seiner Klassik-Reihe den zweiten Schwung von Philip-K.-Dick-Reprints vor. Es sind „Marsianischer Zeitsturz“, „Ubik“ und „Der dunkle Schirm“. Immer in den gut erhältlichen Heyne-Übersetzungen, allerdings nicht immer mit den Nachworten, die es bei den neueren Heyne-Ausgaben gab.
In „Marsianischer Zeitsturz“ ist der Mars besiedelt, das Leben dort ähnelt dem auf der Erde und Arnie Kott, der mächtigste Mann auf dem Mars, will noch mächtiger werden. Dabei soll ihm ein geistesgestörter Junge, der durch die Zeit reisen und sie nach seinen Vorstellungen verändern kann, helfen. Paul Williams schrieb über den Roman: „’Marsianischer Zeitsturz’ repräsentiert (…) auf einzigartige Weise Dicks Gesamtwerk und seine Genialität.“
In „Ubik“ ist der Mond besiedelt, die Erde zerfällt, Dinge reisen in ihre Zeit zurück und wir fragen uns, was Realität ist.
In „Der dunkle Schirm“ (2006 von Richard Linklater verfilmt) nimmt ein Undercover-Polizist eine neue Droge und plötzlich beginnen seine Identitäten gegeneinander zu kämpfen.
Christian Gasser schreibt in seinem Nachwort über den zwischen 1972 und 1975 geschriebenen, 1977 veröffentlichten Roman: „einer der großen amerikanischen Romane über das Ende der Utopien der Sechziger und die Entzauberung der Drogenmythologie, (…) würde schon lange in einem Atemzug mit den Werken von William S. Burroughs’ und Thomas Pynchons genannt werden“ wenn er damals nicht als Science-Fiction-Roman erschienen wäre.
Tja, nun: Kaufbefehl. Kaufbefehl. Kaufbefehl. Kaufbefehl.
Oh, und bei „A scanner darkly – Der dunkle Schirm“ gibt es noch einen Sehbefehl. Allein schon die Schauspieler. Und dann noch die Optik.
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Ulf Miehe: Lilli Berlin
Rotbuch 2014
224 Seiten
14,95 Euro
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Erstausgabe
Piper, 1981
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Philip K. Dick: Marsianischer Zeitsturz
(übersetzt von Michael Nagula)
Fischer Klassik, 2014
288 Seiten
9,99 Euro
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Reprint der Heyne-Übersetzung.
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Originalausgabe
Martian Time-Slip
Ballantine Books, 1964
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Philip K. Dick: Ubik
(übersetzt von Renate Laux)
Fischer Klassik, 2014
224 Seiten
9,99 Euro
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Reprint der Heyne-Übersetzung.
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Originalausgabe
Ubik
Doubleday & Company, 1969
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Philip K. Dick: Der dunkle Schirm
(übersetzt von Karl-Ulrich Burgdorf, durchgesehen und überarbeitet von Alexander Martin)
(mit einem Nachwort von Christian Gasser [2003])
Fischer Klassik, 2014
336 Seiten
9,99 Euro
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Reprint der Heyne-Übersetzung.
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Originalausgabe
A scanner darkly
Doubleday & Company, 1977
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Hinweise

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Ulf Miehe

Wikipedia über Ulf Miehe

Meine Besprechung von Ulf Miehes „Puma“ (1976)

Ulf Miehe in der Kriminalakte

Homepage von Philip K. Dick

Meine Besprechung von Len Wisemans Philip-K.-Dick-Verfilmung „Total Recall“ (Total Recall, USA 2012)

Philip K. Dick in der Kriminalakte

 


„George A. Romerors Empire of the Dead“ – Muss ich noch mehr sagen?

Oktober 15, 2014

Romero - Empire of the Dead - Erster Akt

Mit „Die Nacht der lebenden Toten“ fing es 1968 an. Weil in der Hölle kein Platz mehr frei war, kehrten die Toten auf die Erde zurück und als seelenlos vor sich hin stolpernde Wesen mit unstillbarem Menschenfleischhunger bevölkerten sie die Erde und die Popkultur. Nur mit einem Kopfschuss oder einer Enthauptung konnten die Zombies getötet werden; – was immer hübsch blutige, garantiert nicht-jugendfreie Bilder garantierte.
In den nächsten Jahrzehnten versuchte „Die Nacht der lebenden Toten“-Regisseur George A. Romero sich auch in anderen Genres, aber letztendlich kehrte er immer wieder zu den Zombies zurück. Denn seine anderen Filme, meistens Horrorfilme („Crazies“ [sollte man sich wegen Ebola wieder ansehen], „Der Affe im Menschen“, „Stephen Kings Stark“), waren nicht unbedingt erfolgreich und auch nie so einflussreich wie seine Zombies.
In den vergangenen Jahren erlebten Zombies (ich sage nur „The Walking Dead“) und Vampire (ich sage nur „Twilight“ und „True Blood“) eine Renaissance, weshalb in George A. Romeros Comic „Empire of the Dead“ auch Vampire mitspielen.
Jetzt erschien, als „Erster Akt“, eine Zusammenstellung der ersten fünf „Empire of the Dead“-Hefte, die wenig über die gesamte Geschichte verraten, aber Lust auf mehr machen. Eigentlich werden wir nur in die Zombie-Welt eingeführt, lernen die Hauptcharaktere und einige Konflikte kennen.
Die Geschichte spielt in Manhattan, das hermetisch abgeriegelt ist; was schon etwas an Romeros „Land of the Dead“ erinnert. Es gibt eine Klassengesellschaft. Bürgermeister Chandrake veranstaltet im Circus Maximus für die Massen Zombieshows, in denen er Zombies aufeinander loslässt. Oh, und dieser Diktator, sein Neffe Bill und sein Gefolge sind Vampire. Das wissen die Menschen aber nicht.
Die junge Ärztin Penny Jones von der Columbia University glaubt, dass die Zombies noch Erinnerungen an ihr früheres Leben haben, zu Gefühlen fähig sind und sie auch erzogen werden können. Sie sagt gegenüber dem Bürgermeister: „Ich suche einen Weg, mit diesen Kreaturen zu leben. Auf diesem Planeten ist nicht genug Platz für zwei Spezies, die sich gegenseitig ausrotten möchten.“
Als sie Frances Xavier, einen SWAT-Officer, der vor zwei Wochen spurlos verschwand und jetzt ein Zombie ist, entdeckt, darf sie die Polizistin, mit der Erlaubnis des Bürgermeisters, studieren und erziehen. Denn Xavier wurde geschnappt, als sie versuchte einen Dieb zu verhaften. Sie scheint lernfähig und zu Gefühlen fähig zu sein.
Der Serienauftakt „Empire of the Dead: Erster Akt“ macht neugierig auf die weitere Geschichte, die in insgesamt fünfzehn Heften erzählt werden soll.
Auf den ersten Blick erzählt Romero eine weitere Geschichte aus seiner Zombie-Welt; wobei diese Zombies intelligenter als die bisher bekannten Romero-Zombies sind. Sie sind auch intelligenter als die „Land of the Dead“-Zombies.
Mit den Vampiren infiziert er diese Welt mit neuem Blut und es ist schon interessant, herauszufinden, wie sich die Konflikte zwischen drei Spezies, die sich gegenseitig ausrotten möchten und misstrauen, eskalieren und gelöst werden. Denn die Menschen in Manhattan wissen noch nicht, dass sie von einem Vampir regiert werden.
Und weil George A. Romero seine Untoten-Filme auch immer für wenig subtile, aber ätzende Gesellschaftskritik nutzte, dürfte in „The Empire of the Dead“ in dieser Hinsicht noch einiges kommen. Nur ein Circus Maximus nach römischem Vorbild wäre als Gesellschaftskritik doch etwas wenig.

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George A. Romero/Alex Maleev: Empire of the Dead – Erster Akt
(übersetzt von Joachim Körber)
Panini, 2014
132 Seiten
16,99 Euro
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Originalausgabe
Empire of the Dead – Act One
Marvel, 2014 (# 1 – 5)
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Hinweise

Wikipedia über George A. Romero (deutsch, englisch)

Senses of Cinema über George A. Romero (von Brian Wilson, November 2006)

Arte über George A. Romero (mit bewegten Bildern zum Start von “Diary of the Dead”)

tip: Jörg Buttgereit unterhält sich mit George A. Romero (5. Mai 2010)

Shock till you drop interviewt George A. Romero (12. Mai 2010)

Homepage of the Dead (eine lebendige Fanseite)

Dead Source (noch eine Fanseite; schon etwas untot)

Internet Archive: “The Night of the Living Dead” (Yep, der komplette Film mit dem alles begann)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „George A. Romero und seine Filme“(2010)

George A. Romero in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Brian Michael Bendis (Autor)/Alex Maleevs (Zeichner) „Scarlet: Kinder der Revolution (Band 1)“ (Scarlet 1 – 5, Juli 2010 – März 2011)


TV-Tipp für den 6. Oktober: James Bond: Stirb an einem anderen Tag

Oktober 6, 2014

Nummer Vier der ZDF-James-Bond-Reihe

ZDF, 22..15

James Bond: Stirb an einem anderen Tag (USA/Großbritannien 2002, Regie: Lee Tamahori)

Drehbuch: Neal Purvis, Robert Wade

LV: Charakter von Ian Fleming

Buch zum Film: Raymond Benson: Die Another Day, 2002

Nachdem James Bond kurzzeitig von M gefeuert wird, darf er wieder die Welt retten. Aktuelle Schauplätze sind Nordkorea, Hongkong, Kuba, London und Island.

Vierter und letzter Bond-Film mit Pierce Brosnan, der sich nicht sonderlich von den vorherigen unterscheidet: kurzweiliges Popcornkino für die ganze Familie.

Mit Pierce Brosnan, Halle Berry, Rick Yune, Judi Dench, John Cleese, Toby Stephens, Michael Madsen, Rosamund Pike, Michael G. Wilson, Madonna

Wiederholung: ZDFneo, Dienstag, 7. Oktober, 00.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “James Bond: Stirb an einem anderen Tag”

Wikipedia über “James Bond: Stirb an einem anderen Tag” (deutsch, englisch)

Homepage von Ian Fleming

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von William Boyds James-Bond-Roman “Solo” (Solo, 2013)

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung des James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte

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Bonushinweis

Markham - Colonel Sun
Cross-Cult ist weiterhin im James-Bond-Fieber. Nachdem alle von Ian Fleming geschriebenen James-Bond-Romane und Kurzgeschichten in neuen und damit werkgetreuen Übersetzungen (die alten Übersetzungen waren teilweise stark gekürzt und auch zensiert) erschienen sind, ist jetzt der erste Post-Ian-Fleming-James-Bond-Roman erschienen: „Colonel Sun“ von Robert Markham. Unter seinem richtigen Namen Kingsley Amis schrieb der Romancier („Lucky Jim“) bereits 1965 das Sachbuch „Geheimakte 007 – Die Welt des James Bond“.
In „Colonel Sun“ entführt der titelgebende Colonel, ein Chinese, der mit einem Nazi-Kriegsverbrecher eine weltweite Verschwörung plant, M, den Chef von James Bond. Bond fliegt, um M zu befreien, nach Griechenland.
Auch Markhams Roman wurde in der früheren deutschen Übersetzung „Liebesgrüße aus Athen“ (bzw. „Colonel Sun – Die Spur führt nach Griechenland“, „007 James Bond auf griechischer Spur“) kräftig gekürzt. Meine Taschenbuchausgabe umfasst 160 Seiten. Die aktuelle, großzügiger gelayoutete Ausgabe hat 352 Seiten und jeder kann sich vorstellen, wie viel damals unter den Tisch fiel. Nach meinem ersten Eindruck würde ich die alte Übersetzung eine freie Nacherzählung, die ich damals okay, aber nicht so gut wie die Fleming-Bonds fand, nennen.
Zusätzlich gibt es eine fünfseitige Einleitung, die Kingsley Amis 1991 schrieb.
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Robert Markham: James Bond – Colonel Sun
(übersetzt von Anika Klüver und Stephanie Pannen)
Cross Cult, 2014
352 Seiten
12,80 Euro
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Originalausgabe
Colonel Sun
Jonathan Cape/Gildrose Productions, 1968


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Über David Finchers Gillian-Flynn-Verfilmung „Gone Girl – Das perfekte Opfer“

Oktober 2, 2014

Viel Zeit lässt David Fincher sich nicht. Gleich in den ersten Minuten von „Gone Girl“ verschwindet Amy, die Ehefrau von Nick Dunne, spurlos. Im Wohnzimmer gab es einen Kampf. Die Polizei beginnt mit der Suche. Schnell gerät der Ehemann in den Fokus der Ermittlungen. Denn es meldet sich kein Entführer. Es gibt auch keine Spur von Amy. Aber es gibt viele Indizien, die dafür sprechen, dass Nick Amy ermordete. In der Küche wurde eine Blutlache weggewischt. Nick hat eine deutlich jüngere Geliebte. Er hat kein Geld. Aber seine Frau verfügt über ein ordentliches Vermögen. Immerhin haben ihre Eltern ihr Leben in einer idealisierten Version als „Amazing Amy“ in einer erfolgreichen Kinderbuchreihe versilbert und einen Teil davon für ihre Tochter angelegt. Vor der Finanzkrise war die finanzielle Reserve sogar noch größer.
Nachdem sie in New York ihre Jobs in der Zeitungsbranche verloren und sich die teure Wohnung in Manhattan nicht mehr leisten konnten, zogen sie nach North Carthage, Missouri, zu Nicks gebrechlichen Eltern um. Während die statusbewusste Großstädterin Amy mit der Kleinstadt fremdelte und ungewollt zur Hausfrau mutierte, eröffnete Nick mit seiner Zwillingsschwester die Bar „The Bar“. Gleichzeitig kam das Eheleben des kinderlosen Paares zum Erliegen. Alltag eben.
Als die von den Medien begleiteten Suchaktionen nach Amy nichts bringen und die Polizei ihn als Mörder verdächtigt, versucht Nick seine Unschuld zu beweisen. Aber wie soll man seine Unschuld beweisen, wenn es keine Leiche gibt und alle Beweise gegen einen sprechen? Und ist Nick wirklich unschuldig oder will er nur mit einem Mord davonkommen?
Nach der Stieg-Larsson-Verfilmung „Verblendung“ ist „Gone Girl“ David Finchers nächste Bestsellerverfilmung, die gediegen den gleichnamigen Bestseller illustriert. Die Änderungen zur gut sechshundertseitigen Vorlage sind minimal, verbessern sie aber durchgehend und es gibt eine erkennbar satirische Haltung zu dem Hipster-Ehepaar in der Kleinstadthölle, ergänzt um drei alptraumhafte Szenen, in denen „Nine Inch Nails“-Mastermind Trent Reznor und Atticus Ross, die bereits für die vorherigen Fincher-Filme den Soundtrack einspielten, sich akustisch austoben konnte.
Das ist, trotz der Länge von 150 Minuten, kurzweilig und spannend, auch wenn einiges, wie im Roman, nicht besonders glaubwürdig ist. Denn Fincher treibt die Geschichte unerbittlich voran. Weil bereits in der ersten Hälfte gezeigt wird, wie die Polizei immer wieder über Beweise für Nicks Schuld stolpert, wirkt Nick auch viel verdächtiger als im Roman. Und je mehr über die Beziehung von Nick und Amy bekannt wird, desto mehr wird deutlich, wie aus Liebe eine besonders unappetitliche Form von gegenseitiger Abhängigkeit wurde. In seiner grandiosen und grandios gemeinen Cornell-Woolrich-Verfilmung „Martha“ erzählte Rainer Werner Fassbinder von einem Ehepaar, das ähnlich voneinander abhängig ist und „Gone Girl“ erinnerte mich immer wieder an „Martha“.


Der gleichnamige Roman von Gillian Flynn, der auf dreihundert Seiten ein fieser, kleiner Noir hätte werden können, leidet dagegen unter seiner epischen Länge von gut sechshundert Seiten und seiner weitgehend vorhersehbaren Geschichte. So vermutete ich nach wenigen Seiten, nachdem Amy verschwunden ist, dass sie eine Variante von „The Game“ inszeniert. Ihr wisst schon, der David-Fincher-Film, in dem Sean Penn seinen Filmbruder Michael Douglas, wie wir am Filmende erfahren, mit einem Spiel beglückte, das ihn zu einem besseren Menschen machen soll. In Flynns Roman erfahren wir auf Seite 30, dass die verschwundene Amy zu jedem Hochzeitstag eine Schnitzeljagd für ihren Ehemann inszeniert, die zu einem Geschenk führt. Außerdem ist Nick vollkommen verstört von ihrem Verschwinden. Und weil Nick in diesem Teil der Ich-Erzähler ist, kann auch nicht an seinen Worten gezweifelt werden. Außer, natürlich, wenn Flynn irgendwann erklärt, dass Nick eine gespaltene Persönlichkeit hat. Aber eine solche Erklärung wäre eine ärgerliche Variante des Alles-nur-geträumt-Endes, das zeigt, dass der Autor selbst nicht wusste, wie er seine Geschichte beenden soll.
Bis zur Buchmitte, zum Nachschlagen Seite 307, gab es keinen Hinweis, der mich an meiner These zweifeln ließ. Dann gibt es eine Enthüllung – und die zweite Hälfte des Buches verläuft ebenso überraschungsarm auf das Ende der Geschichte zu. Dabei wechselt Flynn kapitelweise zwischen Nick und Amy als Erzähler, wobei Amys Tagebuch uns die Vergangenheit des Paares verrät. Im Buch nimmt diese Rückschau einen breiten Raum ein. Im Film wird sich auf die wichtigsten Tagebucheinträge konzentriert.
Diese Struktur mit dem beiden Erzählern wurde im Film weitgehend beibehalten und sie funktioniert, überraschenderweise, ausgezeichnet. Im Roman erfarhen wir erst langsam, dass Nick und Amy unzuverlässige Erzähler sind. Im Film überwiegt dagegen der satirische Ton, der ätzende Blick in die Ehehölle der Thirty-Somethings, die glauben, dass die Welt sich nur um sie dreht, und die Thriller-Mechanik, in der ein Unschuldiger versucht seine Unschuld zu beweisen.

Gone Girl - Plakat

Gone Girl – Das perfekte Opfer (Gone Girl, USA 2014)
Regie: David Fincher
Drehbuch: Gillian Flynn
LV: Gillian Flynn: Gone Girl, 2012 (Gone Girl – Das perfekte Opfer)
mit Ben Affleck, Rosamund Pike, Neil Patrick Harris, Tyler Perry, Carrie Coon, Kim Dickens, Patrick Fugit, David Clennon, Lisa Banes, Missi Pyle, Emily Ratajkowski, Casey Wilson, Sela Ward
Länge: 150 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
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Die Vorlage

Flynn - Gone Girl - Movie Tie-In

Gillian Flynn: Gone Girl – Das perfekte Opfer
(übersetzt von Christine Strüh)
Fischer, 2014
592 Seiten
9,99 Euro
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Die Hardcover-Ausgabe erschien 2013 bei Fischer.
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Originalausgabe
Gone Girl
Crown Publishers, 2012
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Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Gone Girl“
Moviepilot über „Gone Girl“
Metacritic über „Gone Girl“
Rotten Tomatoes über „Gone Girl“
Wikipedia über „Gone Girl“ (deutsch, englisch)
Homepage von Gillian Flynn
Meine Besprechung von David Finchers Stieg-Larsson-Verfilmung „Verblendung“ (The Girl with the Dragon Tatoo, USA 2011)


Buchkritik/DVD-Kritik: „Ein Abenteuer in Raum und Zeit“ erlebt der erste Doctor Who – und es gibt „11 Doktoren – 11 Geschichten“

September 29, 2014

Als vor über fünfzig Jahren die erste Episode von „Doctor Who“ an einem Samstagnachmittag im BBC ausgestrahlt wurde, war es nur ein halbstündiges Überbrückungsprogramm, das Kindern und Erwachsenen gefallen sollte. Schnell wurde der Doktor ein Kult, den die BBC letztes Jahr zu einem umfassendem Jubiläumsprogramm inspirierte, das es inzwischen auch teilweise bei uns gibt.
In Deutschland war „Doctor Who“ bis vor kurzem, weil die Science-Fiction-TV-Serie mit den verschiedenen Reinkarnationen des Doktors (vulgo Schauspielerwechseln) bei uns erst 1989 auf RTLplus teilweise gezeigt wurde und weil nur einige Romane mit dem Doktor vor langer, langer Zeit übersetzt wurden, höchstens ein Nischenphänomen. Das änderte sich in den vergangenen Jahren, in denen „Doktor Who“, nach einer mit Büchern, Hörspielen und Einzelfilmen gut gefüllten TV-Pause von 1989 bis 2005, von einer halbstündigen TV-Serie auf 45 Minuten verlängert und zu einem weltweitem kulturellem Ereignis wurde, das von der BBC inzwischen auch mit viel TamTam zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit zelebriert wird.
Ein Teil des 2013er Jubiläums ist der fünfhundert Seiten starke Sammelband „Doctor Who: 11 Doktoren – 11 Geschichten“, für den bekannte Autoren längere Kurzgeschichten schrieben, und der Spielfilm „Ein Abenteuer in Raum und Zeit“, der erzählt, wie die Geschichte von „Doctor Who“ begann.
Der für den Hugo nominierte Spielfilm erzählt in pointierten Szenen die Geschichte des ersten „Doctor Who“ von der ersten Idee über die Produktion und den Aufstieg von einer Pausenfüllersendung, die am 23. November 1963 erstmals gezeigt wurde, wegen der Ermordung von John F. Kennedy am 22. November fast sofort wieder gecancelt worden wäre, schnell zu einer beliebten Show wurde, bis zum Ausstieg von William Hartnell, dem Darsteller des ersten „Doctor Who“, aus der arbeitsintensiven Serie.
Autor Mark Gatiss („Sherlock“) und Regisseur Terry McDonough („Breaking Bad“, „The Gates“) erzählen das als vergnügliche Zeitreise, die allerdings eher an eine gute Reportage erinnert und einen ebenso pointierten, wie liebevollen Blick in die Welt des Fernsehens vor einem halben Jahrhundert wirft, als die Schauspieler die Serienfolge zuerst ausführlich probten und dann quasi live einspielten, als Frauen Sekretärinnen waren, aber BBC-Drama-Chef Sydney Newman einfach seine Assistentin Verity Lambert (die danach eine lange, erfolgreiche Karriere hatte) zur Produzentin ernannte und ein alternder Schauspieler zunächst mit seiner Rolle, die er als unter seiner Würde ansah, haderte und später den Ruhm genoss. Dass der 1975 verstorbene William Hartnell, als er den Doktor erstmals spielte 54 Jahre war, während David Bradley, der ihn im Film spielt, bereits 71 Jahre ist, sei hier nur als Randnotiz erwähnt.
Das Bonusmaterial ist mit einer knappen halben Stunde sehr knapp ausgefallen. Es besteht vor allem aus geschnittenen Szenen und zwei Featurettes. Eines über William Hartnell, eines über „Ein Abenteuer in Raum und Zeit“, die beide informativ, aber auch sehr kurz ausgefallen sind.
Bei Cross-Cult erschien der Sammelband „Doctor Who: 11 Autoren – 11 Geschichten“, in dem elf Autoren jeweils eine neue, etwa vierzigseitige Kurzgeschichte mit einem der Doktoren erzählen. Er ist ein Time Lord von Gallifrey, der in einer Polizei-Notrufzelle (die TARDIS) durch Raum und Zeit reist und mit nimmermüder Neugierde oft haarsträubende Abenteuer erlebt und der Probleme vor allem mit seiner Cleverness löst. Die kanonischen und damit wichtigen Inkarnationen des Doktors sind:
Erster Doktor: William Hartnell (1963–1966)
Zweiter Doktor: Patrick Troughton (1966–1969)
Dritter Doktor: Jon Pertwee (1970–1974)
Vierter Doktor: Tom Baker (1974–1981)
Fünfter Doktor: Peter Davison (1981–1984)
Sechster Doktor: Colin Baker (1984–1986)
Siebter Doktor: Sylvester McCoy (1987–1989)
Achter Doktor: Paul McGann (Fernsehsonderausstrahlung, 1996)
Neunter Doktor: Christopher Eccleston (2005)
Zehnter Doktor: David Tennant (2005–2010)
Elfter Doktor: Matt Smith (2010−2013)
Zwölfter Doktor: Peter Capaldi (ab 2013, daher nicht mehr in dem Buch verewigt)
und dann gibt es noch einige Inkarnationen, die zu kurz lebten, um in den „Doctor Who“-Kanon aufgenommen wurden.
Die Geschichten in dem Sammelband sind von Eoin Colfer, Michael Scott, Marcus Sedgwick, Philip Reeve, Patrick Ness, Richelle Mead, Malorie Blackman, Alex Scarrow, Charlie Higson, Derek Landy und Neil Gaiman. Einige der Autoren sind ja auch bei uns bekannt.
Sie erzählen vor allem actionreiche und fast immer witzige Abenteuer, die teils auf der Erde in verschiedenen Jahrhunderten und auf fremden Planeten mit sehr seltsamen Lebewesen spielen. So landet der Doktor mit seiner Begleiterin (die auch mit den Doktoren wechselten) auf einem Spukplaneten, der wie eine Version von einem „Die Rätselsucher“-Jugendkrimi aussieht. Jetzt muss der Doktor gegen eine erfundene Welt, die es nicht geben dürfte, kämpfen (Das Geheimnis des Spukhauses). Er trifft auf freundliche Daleks. Dabei wollen die Daleks immer nur alles zerstören (Wellen am Strand). Er muss sich mit den Kin auseinandersetzen, die aus ihrem Gefängnis entkommen konnten und die Erde entvölkern wollen. Ganz legal und mit viel Geld (Kein Uhr). In der Wüste von Nevada kämpft er gegen außerirdische Lebewesen, die die Erde bevölkern wollen und dafür innerhalb kürzester Zeit alles Leben zerstören, wenn nicht eine Frage, die Intelligenz beweist, richtig beantwortet wird (Die Spore). 1968 fällt ihm in London das Necronomicon in die Hände, und das ist kein guter Fund (Die namenlose Stadt). Um einen Physikalischen Temporalnexus („Äußerst gefährliche Dinger.“) an einen ungefährlichen Ort zu befördern, muss er zu den Wikingern reisen. Der Doktor und seine Begleiterin Jo geraten natürlich gleich in eine Schlacht (Der Speer des Schicksals). Er landet auf einem Baumplaneten, auf dem die Bewohner ihn seit Ewigkeiten erwarteten, um ihn zu töten. Da hilft auch seine angeborene Freundlichkeit nicht weiter (Die Wurzeln des Bösen). Er besucht auf dem Planeten Koturia, der wie Las Vegas aussieht, eine Hochzeit und muss gegen die Rani, eine extrem bösartige Frau, kämpfen (Etwas Geliehenes).
Ich kann zwar nicht beurteilen, ob die elf Autoren die elf Doktoren zutroffen beschreiben, aber mir haben die elf Geschichten durchgehend gut bis sehr gut gefallen. Es sind kurze Abenteuergeschichten, bei denen vor allem die ewige Neugierde und Erfahrung des Doktors, der schon einige Jahrhunderte auf dem Buckel hat, gefallen und sie haben eine verführerische Ich-lese-noch-eine-Geschichte-Länge.

Ein Abenteuer in Raum und Zeit - DVD-Cover - 4
Ein Abenteuer in Raum und Zeit (An Adventure in Space and Time, Großbritannien 2013)
Regie: Terry McDonough
Drehbuch: Mark Gatiss
mit David Bradley, Jessica Raine, Sacha Dhawan, Brian Cox, Claudia Grant
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DVD
Polyband
Bild: 1,78:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial: William Hartnell: Der erste Doktor; Making of, Originalausschnitte von „An unearthly Child“, „Regeneration“, „Abschied von Susan“, „Weihachtsgrüße“, Titelvorspann, Deleted Scenes, Wendecover mit Retro-Cover, 8-seitiges Booklet
Länge: 83 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
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Doctor Who - 11 Doktoren 11 Geschichten

Doctor Who: 11 Autoren – 11 Geschichten
(verschiedene Übersetzer)
Cross-Cult, 2014
528 Seiten
16,80 Euro
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Originalausgabe
Doctor Who – 11 Doctors 11 Stories
Puffin Books, 2013
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Hinweise

BBC über „Doctor Who“ (englisch, deutsch)

Wikipedia über „Doctor Who“ (deutsch, englisch)

BBC-YouTube-“Doctor Who“-Kanal (zum Abtauchen in den Strudel jenseits von Raum und Zeit)

Meine Besprechung von Stephen Baxters „Doctor Who: Rad aus Eis“ (Dcotor Who: The Wheel of Ice, 2012)


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