Neue Bildergeschichten von Jason Starr und Denise Mina: „Wolverine MAX: Logan Extreme“ und „Stieg Larsson – Millenium: Verdammnis“

November 10, 2014

Mina - Stieg Larssons Verdammnis 1 - 2Starr - Wolverine MAX Logan Extrem - 2

Neben ihren Kriminalromanen schreiben Jason Starr und Denise Mina seit einiger Zeit auch Comics. Wobei Denise Mina im Moment den schwierigeren Part erwischt hat. Sie ist nämlich die Autorin der „Millenium“-Comics, die auf den drei Bestsellern von Stieg Larsson basieren, erfolgreich verfilmt wurden und enorm dickleibig sind. Zum Glück haben sie aber auch viel erzählerischen Ballast; Fett, das man umstandslos wegschneiden kann, ohne die Substanz der Geschichte zu gefährden.
„Verdammnis“, der zweite Roman von Stieg Larsson, bringt es auf 750 Seiten und er hat mir nicht gefallen. Die Verfilmung gefiel mir besser und Denise Minas Comic-Adaption liegt irgendwo dazwischen. Denn in dem ersten Band ihrer zweibändigen Comic-Adaption von „Verdamnis“ gibt es eigentlich nur Vorgeplänkel, das damit endet, dass die Polizei Lisbeth Salander als Mordverdächtige sucht. Sie soll Dag Svenson und Mia Johansson (Mia Bergmann im Roman und Film) getötet haben.
Bis dahin erfahren wir, dass Lisbeth, die beziehungsgestörte Computerhackerin das Land verlassen hatte, unter südlicher Sonne etwas erlebt, was für den Hauptplot vollkommen unwichtig ist, und jetzt wieder zurück in Stockholm ist. Zur gleichen Zeit ist der Womanizer-Enthüllungsjournalist Mikael Blomkvist für die Zeitschrift „Millenium“ mit dem Jungjournalisten Dag Svenson und dessen Freundin Mia Johansson an einer großen Story über osteuropäische Zwangsprostituierte und ihre Kunden in den höchsten Kreisen Schwedens dran.
Außerdem gibt es irgendwelche Verbrecher die Schandtaten planen, die hier noch nebulös sind. Wer aber den Roman gelesen oder den Film gesehen hat, weiß, was gespielt wird.
Denise Mina entfernt sich kaum von der Vorlage. Daher finden sich die Probleme des Romans auch in dem Comic, der sich wie ein spannungsfrei vor sich hin plätschernder Bericht aus dem Leben von Blomkvist und Salander liest, während man die ganze Zeit darauf wartet, dass die Geschichte, der Kriminalfall, erkennbar beginnt. Denn bei aller Sympathie für die Lage der Zwangsprostituierten, ist eine Zeitungsrecherche dazu, die sich vor allem darin erschöpft, die Fakten noch einmal zu überprüfen, nicht besonders spannend. Das gleiche gilt für eine sich unter südlicher Sonne aalende Lisbeth. Dafür endet der erste Comic-Band von „Verdamnis“ mit einem ordentlichem Cliffhanger und das Set-Up ist, wie wir aus dem Roman wissen, jetzt endlich abgeschlossen.
Im zweiten Band können unsere beiden Helden dann die Morde aufklären und die wahren Täter finden.
Der Erscheinungstermin vom zweiten „Verdamnis“-Band ist noch unklar.
Während Denise Mina bei ihrer Adaption von „Verdamnis“ in das Korsett von Stieg Larssons Roman gezwängt war, hatte Jason Starr bei seiner aus fünfzehn Heften bestehenden Wolverine-Geschichte, die jetzt mit dem dritten Sammelband „Logan Extrem“ endet, freie Hand, solange Wolverine ab und an seine Stahlkrallen ausfahren kann.
Nach einem Aufenthalt in Japan hatte Logan sein Gedächtnis verloren. In Los Angeles fand er einen Zettel, auf dem stand, dass er in Las Vegas die Antwort auf seine Fragen bekäme. Vor Las Vegas strandete er in einem Trailerpark, wo er als Extreme Fighter in Käfigen irgendwelche Muskelpakete verkloppt.
Eines Abends begegnet er Suzie (aka Li’l Rick aka Mother Night), einer Schönheit, die ihn hypnotisiert. Er soll Max Fisher umbringen. (Trotz der Namensgleichheit mit dem „Flop“-, „Crack“- und „Attica“-Protagonisten Max Fisher muss das hier ein anderer Max Fisher sein, der bei seiner Damenwahl ein ähnlich schlechtes Händchen hat.)
Als Logan kurz darauf in Las Vegas ist, erfährt er auch, wer ihm warum den Zettel zugesteckt hat. Und während dieser Teil von „Logan Extrem“ in Richtung klassischer Gangsterkrimi mit Casino-Mafiaboss und Mafia-Schlägern geht, ist der erste Teil des Comic-Buches ziemlich noir. Immerhin haben wir hier einen Protagonisten, der sein Gedächtnis verloren hat, nicht weiß, wem er vertrauen kann und der von einer Schönheit eiskalt ausgenutzt wird. Dass sie dann auch noch mit seinem eh schon matschigen Gedächtnis herumspielt, macht die Sache nur noch schlimmer für Logan.
Das dürfte Jason-Starr- und Wolverine-Fans gefallen.
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Denise Mina/Leonardo Manco/Andrea Mutti/Antonio Fuso: Stieg Larsson Millenium: Verdamnis – Band 1
(übersetzt von Joachim Körber)
Panini Comics, 2014
140 Seiten
16,99 Euro
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Originalausgabe
The Girl who played with Fire
Vertigo/DC Comics, 2014
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Vorlage

Larsson - Verdammnis - Filmcover - 2Larsson - Verdammnis - 2
Stieg Larsson: Verdammnis
(übersetzt von Wibke Kuhn)
Heyne, 2007
768 Seiten
9,95 Euro
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Originalausgabe
Flickan Som Lekte Med Eldem
Norstedts Förlag, Stockholm, 2006
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Jason Starr/Felix Ruiz/Roland Boschi: Wolverine MAX: Logan Extrem
(übersetzt von Michael Strittmatter)
Panini Comics, 2014
116 Seiten
14,99 Euro
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Originalausgabe
Wolverine MAX 11 – 15: Extreme Logan, Chapter 1 – 5
Marvel, November 2013 – März 2014
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Zuletzt erschienen bzw. die neuesten Geschichten von Denise Mina und Jason Starr ohne Bilder und mit vielen Buchstaben:

Mina - Das Vergessen - 2

Der vierte Fall für Detective Inspector Alex Morrow: ein Waffenhändler verübt, während er in Untersuchungshaft sitzt, einen Mord. Die Beweise sind eindeutig: seine Fingerabdrücke sind am Tatort. Aber er kann dort unmöglich gewesen sein.
Die „Irish Times“ meinte, dass der Tartan Noir sogar den besten Werken von Ian Rankin Konkurrenz mache.
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Denise Mina: Das Vergessen
(übersetzt von Heike Schlatterer)
Heyne, 2014
352 Seiten
9,99 Euro
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Originalausgabe
The Red Road
Orion, 2013
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Starr - Dumm gelaufen - 2
Jason Starrs neuester Roman „Dumm gelaufen“ ist eigentlich ein ganz alter Roman, der in den USA bereits 2003 erschien, in Brooklyn spielt und ein echter Noir ist.
Mickey, der seinen Studienabschluss etwas verschoben hat, um seinen Vater zu pflegen, platziert auch für Angelo Sportwetten. Aber Angelo verliert ständig, der Buchmacher will sein Geld und Mickey sitzt in der Patsche. Da hilft, immerhin sind wir in einem Jason-Starr-Roman, auch der todsichere Plan von Mickeys Freund zur Geldbeschaffung nicht.
Seine neuesten Thriller „The Pack“ (2011) und „The Craving“ (2012), die zu einer Serie gehören, in dem Werwölfe in New York leben, sind noch nicht übersetzt und ich habe auch keine Ahnung wann und ob sie überhaupt übersetzt werden.
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Jason Starr: Dumm gelaufen
(übersetzt von Hans M. Herzog)
Diogenes, 2012
288 Seiten
14,90 Euro
10,90 Euro (Taschenbuch, erschienen 2014)
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Originalausgabe
Tough Luck
Vintage Crime/Black Lizard, 2003
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Hinweise

Homepage von Denise Mina

Mullholland Books: Interview mit Denise Mina über “Verblendung” (12. November 2012)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verblendung“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verdammnis“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Vergebung“ (Buch/Film)

Homepage von Stieg Larsson

Heyne über Stieg Larsson

Krimi-Couch über Stieg Larsson

Wikiepedia über Stieg Larsson (deutsch, englisch)

Stieg Larsson in der Kriminalakte

Meine Besprechung der Stieg-Larsson-Parodie „Verarschung“ (The Girl with the Sturgeon Tattoo, 2011) von Lars Arffssen

Meine Besprechung von Dan Burstein/Arne de Keijzer/John-Henri Holmbergs “Die Welt der Lisbeth Salander” (The Tattooed Girl, 2011)

Meine Besprechung von David Finchers Stieg-Larsson-Verfilmung “Verblendung” (The Girl with the Dragon Tattoo, USA 2011)

Meine Besprechung von Denise Mina (Autor)/Leonardo Manco/Andrea Mutti (Zeichner) „Stieg Larsson – Millennium: Verblendung – Band 1“ (The Girl with the Dragoon Tattoo – Book One, 2012 )

Meine Besprechung von Denise Mina/Leanordo Manco/Andrea Muttis “Stieg Larsson- Millennium: Verblendung – Band 2″ (The Girl with the Dragoon Tattoo – Book Two, 2013)

 

Homepage von Jason Starr (sogar mit einigen Worten an seine deutschen Leser)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Flop“ (Bust, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Crack“ (Slide, 2007)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Attica“ (The MAX, 2008)

Meine Besprechung von Jason Starrs “Brooklyn Brothers” (Lights Out, 2006)

Meine Besprechung von Jason Starrs „Stalking“ (The Follower, 2007)

Meine Besprechung von Jason Starrs „Panik“ (Panic Attack, 2009)

Meine Besprechung von Jason Starrs “Wolverine MAX: Der Beschützer” (Wolverine MAX – Volume Two, 2013)

Jason Starr in der Kriminalakte


Cover der Woche + Hinweis zur Abendgestaltung

November 4, 2014

Horowitz - Der Fall Moriarty

weil der zweite “Sherlock Holmes”-Roman von Anthony Horowitz ein Lesevergnügen ist, das unmittelbar nach dem legendären Reichenbachfall beginnt, der ja mit dem Tod von Sherlock Holmes und Professor James Moriarty endete. – Wirklich?

weil ich mich in einigen Minuten Mr. Anthony Horowitz treffe.

weil Anthony Horowitz heute Abend um 20.00 Uhr seinen Roman im Kriminaltheater Berlin (Palisadenstraße 48, 10243 Berlin) präsentiert. Dominic Raacke liest den deutschen Text. Knut Elstermann (radio eins) moderiert. Ich genieße.

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Anthony Horowitz: Der Fall Moriarty

(übersetzt von Lutz-W. Wolff)

Insel Verlag, 2014

352 Seiten

19,95 Euro

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Originalausgabe

Moriarty

Orion Books, 2014

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Hinweise

Homepage von Anthony Horowitz

Meine Besprechung von Anthony Horowitz’ „Das Geheimnis des weißen Bandes“ (The House of Silk, 2011)

Die “Inspector Barnaby”-Fälle von Anthony Horowitz

 


Über Don Winslows neuen Kriminalroman „Missing. New York“ – und die Lesereise

November 2, 2014

Winslow - Missing New York - 2

Zwei Bücher von Don Winslow in einem Jahr – und beide sind in seiner Heimat noch nicht erschienen. Dort erscheint im Sommer 2015 „The Power of the Dog Part II“ (das ist wohl ein Arbeitstitel). Wieder, nach einem kurzen Intermezzo bei Simon & Schuster, bei seinem alten Verlag Alfred A. Knopf. Den Roman hat Droemer, Don Winslows deutscher Verlag, ebenfalls schon als „Jahre des Jägers“ für Anfang Juni angekündigt und er soll die Geschichte von „Tage der Toten“ (The Power of the Dog, 2005) nahtlos weiter erzählen.
Bis dahin können wir wohl schon den zweiten oder dritten Roman, der in den USA danach erscheinen wird, lesen. Und wie sein vorheriger Roman „Vergeltung“ spielt „Missing.New York“ nicht in der Welt der kalifornischen Surfer, der er sich literarisch zwischen 1997 (The Death and Life of Bobby Z.) und 2012 (The Kings of Cool) fast ausschließlich widmete und für die ihn seine deutschen Leser, auch weil sie seine früheren Krimis mit dem globetrottendem Privatdetektiv Neal Carey nicht kennen, kennen, lieben und identifizieren.
Der Held und Ich-Erzähler von „Missing.New York“ ist der vierunddreißigjährige Irak-Kriegsveteran und Kleinstadtpolizist Frank Decker. Der Zwei-Meter-Mann ist unglücklich verheiratet, aber ein guter Polizist mit dem Herzen am rechten Fleck. Deshalb geht ihm auch das spurlose Verschwinden der fünfjährigen, afroamerikanischen Hailey Marie Hansen in seiner Heimatstadt Lincoln, Nebraska, zu Herzen.
Als er sie nicht findet, kündigt er seinen Job. Immerhin hat er Haileys Mutter versprochen, ihre Tochter zu finden. Er beginnt quer durch die USA, begleitet von Bruce Springsteen (als Soundtrack, nicht persönlich), jede Spur zu verfolgen. Ergebnislos, bis er nach einem Jahr einen Anruf erhält. Die Anruferin hat ein paar Tage nach Haileys Verschwinden an einer Tankstelle ein Mädchen gesehen, das wie Hailey aussah.
Das ist für Decker die erste vielversprechende Spur. An dem Abend waren an der Tankstelle zur fraglichen Zeit zwei weitere Fahrzeuge. Eines gehört einem Alt-Hippie, der mit seiner Frau auf einem Hof in den Catskills in der Nähe von Woodstock (Wo sonst?) lebt. Das andere gehört einem vermögendem Glamour-Modefotografen, dessen Freundin wie eine ältere Ausgabe von Hailey aussieht.
„Missing. New York“, das der Auftakt für eine Serie mit Frank Decker als hartnäckigem Vermisstensucher sein soll, hat nichts mit den Surfer-Gangsterkrimis, für die Winslow bekannt ist, zu tun. Es ist ein absolut gradliniger Privatdetektiv-Krimi, der schnell gelesen, aber auch nicht erinnerungswürdig ist.
Frank Decker ist in seinem ersten Fall noch ein Ermittler ohne besonderes Charisma und Eigenschaften, aber mit einigen reaktionären Ansichten zu Kindesentführern und Sexualstraftätern, die sich unangenehm eindimensional im gesellschaftlichen Mainstream bewegen: „Ein Mann, der vorsätzlich einem Kind etwas antut, verwirkt seine Freiheit. Ob sie krank sind oder böse: Sie dürften nicht einfach frei herumlaufen.“ Da kann man bei einer Vernehmung dann auch mal Fünfe gerade sein lassen.
Im Gegensatz zu seinen vorherigen Gangsterromanen und auch den beiden Boone-Daniels-Privatdetektivromanen (von ihm würde ich gerne ein weiteres Abenteuer lesen) ist „Missing. New York“ Strandlektüre.
P. S.: Ein Lob an die Covergestaltung, die im Dunkeln ihren wahren Reiz entfaltet.

P. P. S.: Nachträglich noch Alles Gute zum Geburtstag, Don Winslow. Der war nämlich am 31. Oktober.

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Don Winslow: Missing. New York
(übersetzt von Chris Hirte)
Droemer, 2014
400 Seiten
14,99 Euro
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Originalausgabe
Missing. New York
Alfred A. Knopf (noch nicht erschienen und noch nicht angekündigt)
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Don Winslow beehrt Deutschland, mit Abstechern nach Zürich und Wien

Sonntag, 2. November 2014, 18:30 Uhr Krimifestival München
Moderation: Denis Scheck – Deutsche Stimme: Dietmar Wunder
BMW-Welt, Am Olympiapark 1
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Montag, 3. November 2014, 20 Uhr Krimifestival Lüneburg
Moderation: Johannes Kaiser – Deutsche Stimme: Dietmar Wunder
Palais am Werder / Hotel Bergström, Bei der Lüner Mühle
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Dienstag, 4. November 2014, 21 Uhr lit.Cologne Köln
Moderation: Denis Scheck – Deutsche Stimme: Martin Kessler
Funkhaus des WDR, Großer Sendesaal, Wallraffplatz 5
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Mittwoch, 5. November 2014, 19:30 Uhr Mord am Hellweg Schwerte
Moderation: Günter Keil – Deutsche Stimme: Martin Kessler
Rohrmeisterei Schwerte, Ruhrstr. 20
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Donnerstag, 6. November 2014, 20:30 Uhr Mannheim
Moderation: Günter Keil – Deutsche Stimme: Martin Kessler
Thalia Buchhandlung, P7, 22 – Planken, Mannheim
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Freitag, 7. November 2014, 20:15 Uhr Braunschweig Krimifestival
Moderation: Antje Deistler – Deutsche Stimme: Martin Kessler
Buchhandlung Graff, Sack 15, Braunschweig
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Samstag, 8. November 2014, 20 Uhr Harbour Front Hamburg
Moderation: Philipp Schwenke – Deutsche Stimme: Martin Kessler
Kühne Logistics University, The KLU. Großer Grasbrook 17, HH
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Sonntag, 9. November 2014, 11 Uhr Berlin – Matinee
Moderation: Philipp Schwenke – Deutsche Stimme: Daniel Hoevels
Deutsches Theater Berlin, Schumannstr. 13a
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Sonntag, 9. November 2014, 20 Uhr Göttingen
Moderation: Philipp Schwenke – Deutsche Stimme: Martin Kessler
Altes Rathaus, Markt 9, Göttingen
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Montag, 10. November 2014, 20 Uhr Erfurter Herbstlese
Moderation: Prof. Dietmar Herz – Deutsche Stimme: Martin Kessler
Haus am Breitstrom (Ratsgymnasium), Meister-Eckehart-Str. 6
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Dienstag, 11. November 2014, 20 Uhr Zürich
Moderation: Thomas Bodmer, Tages Anzeiger – Deutsche Stimme: Hanspeter Müller-Drossaart
Kaufleuten Zürich, Pelikanplatz
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Mittwoch, 12. November 2014, 20 Uhr Buch Wien
Moderation: Florian Scheuba – Deutsche Stimme: Markus Hering
Eröffnungsveranstaltung Buch Wien, Messegelände
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Hinweise

Hollywood & Fine: Interview mit Don Winslow (11. Juli 2012)

Homepage von Don Winslow (etwas veraltet, weil eigentlich eine Verlagsseite)

Deutsche Homepage von Don Winslow (von Suhrkamp)

Don Winslow twittert ziemlich oft

Meine Besprechung von Don Winslows „Pacific Private“ (The Dawn Patrol, 2008)

Meine Besprechung von Don Winslows „Pacific Paradises“ (The Gentlemen’s Hour, 2009) und „Tage der Toten“ (The Power of the Dog, 2005)

Meine Besprechung von Don Winslows „Bobby Z“ (The Death and Life of Bobby Z, 1997)

Meine Besprechung von Don Winslows „Satori“ (Satori, 2011)

Mein Interview mit Don Winslow zu “Satori” (Satori, 2011)

Meine Besprechung von Don Winslows “Savages – Zeit des Zorns” (Savages, 2010)

Meine Besprechung von Don Winslows “Kings of Cool” (The Kings of Cool, 2012)

Meine Besprechung von Don Winslows „Vergeltung“ (Vengeance, noch nicht erschienen)

Meine Besprechung von Oliver Stones Don-Winslow-Verfilmung „Savages“ (Savages, USA 2012)

Don Winslow in der Kriminalakte


Der Brenner nennt sich jetzt „Brennerova“

Oktober 29, 2014

Haas - Brennerova - 2

Jetzt ist schon wieder was passiert. Aber der neue Brenner-Roman „Brennerova“ von Wolf Haas beginnt nicht, wie schon „Der Brenner und der liebe Gott“, mit den klassischen Brenner-Worten, sondern so: „Früher hat man gesagt, die Russinnen.“
Und das ist nicht das einzig neue. Denn während Simon Brenner, Jahrgang 1950, früher als Privatdetektiv ermittelte, hat der Gerade-noch-Frührentner sich inzwischen vollständig aus dem Berufsleben zurückgezogen. Er lebt bei Herta. Als die zwangspensionierte Lehrerin ihn für einige Tage allein lässt, probiert Brenner gelangweilt eine Online-Kontaktseite aus. Er nennt sich Brennerova und erhält auf seine wenigen persönlichen Angaben auch eine Antwort von einer atemberaubend aussehenden Russin, die sich gerne mit ihm Treffen würde, aber letztendlich kein Geld hat. Brenner, immer noch der abgebrühte Polizist der alten Schule, ist davon nicht überrascht.
Als er sie dann in Nischni Nowgorod an der Wolga besucht (Frag nicht! Der Brenner hat halt eine weiche Seele und die Herta ist auch unterwegs.), ist die Frau, die ihn empfängt, auch nicht die Frau auf dem Bild. Das war Nadeshdas etwas schönere Schwester Serafima. Sie wurde von einem Fotograf überredet, mit ihm in den Westen zu gehen und dort eine Karriere als Model zu beginnen. Seitdem ist sie spurlos verschwunden. Brenner verspricht Nadeshda halbherzig, sich nach Serafima umzuhören. Denn eine Frau in irgendeinem Bordell irgendwo in Europa zu finden, ist ein Ding der Unmöglichkeit.
Zurück in Österreich erlebt er sein blaues Wunder. Denn Nadeshda steht plötzlich vor seiner Tür. Herta nimmt sie auf und fordert Brenner auf, Serafima ernsthaft zu suchen. Sowieso verstehen die beiden Frauen sich prächtig, während Brenner im Wiener Halbweltmilieu abtaucht.
„Brennerova“, der achte Brenner-Roman, markiert die endgültige Abkehr vom Kriminalroman. Natürlich ging Wolf Haas schon immer an die Genregrenzen. Brenners Ermittlungen gestalteten sich schon früher chaotisch und Haas’ ganz eigene Sprache entzückte oder ließ einen entnervt nach der ersten Seite aufhören. Diese Sprache ist immer noch da. Auch der Ich-Erzähler, der die Brenner-Geschichte kommentierend erzählt und sie mit Betrachtungen über Gott und die Welt und Österreich anreichert. Aber während er sich früher (so mein damaliges Lesegefühl) zurückhielt, drängt er sich jetzt immer mehr in den Vordergrund, bis der Brenner zu einem Statisten in seiner Geschichte wird.
Wobei „Brennerova“ eigentlich keine Geschichte erzählt. Denn Brenners Suche nach Serafima im Milieu versandet ziemlich schnell und wird durch eine Entdeckung auf Seite135 beendet. Schon während seiner Suche nach Serafima arrangiert Herta eine Hochzeit zwischen Nadeshda und Brenner, damit die schöne Russin, die sie in ihr Herz geschlossen hat, in Österreich bleiben kann. Aber die Ausländerbehörde ist misstrauisch.
Die restlichen hundert Seiten, nachdem der Aufenthalt von Serafima geklärt ist, füllt Haas dann vor allem mit einer Reise von Herta in die Mongolei, wo sie prompt entführt wird, als Ex-Lehrerin schnell zur Sprecherin der Entführten und Geliebten des Anführers der Entführer aufsteigt. Sie verlangt auch, dass Brenner das Lösegeld übergibt.
Für Brenner-Fans ist „Brennerova“ natürlich ein willkommenes Wiedersehen mit dem Privatermittler, das sich vergnüglich lesen lässt, aber auch wie die beliebige Chronik aus einigen Monaten im Leben Brenners wirkt. Einen Kriminalfall gibt es nicht. Brenner stochert nur lustlos herum, lässt sich von den Frauen herumschubsen, sitzt am Krankenbett und überlässt Herta die Bühne. Dazu passt auch das offene Ende.
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Wolf Haas: Brennerova
Hoffmann und Campe, 2014
240 Seiten
20 Euro
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Jetzt besucht der Brenner auch noch Berlin
Am Mittwoch, den 5. November, liest Wolf Haas im Fritzclub aus Brennerova und plaudert mit dem Publikum.
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Hinweise

Krimi-Couch über Wolf Haas

Lexikon der deutschen Krimiautoren über Wolf Haas

Wikipedia über Wolf Haas

Meine Besprechung von Wolf Haas’ “Brenner und der liebe Gott” (2009)


Der Göhre, der „Rocker“, der „Supermarkt“ – eine Lesung in Hamburg am Samstag

Oktober 29, 2014

Eine richtige Lesung, in der der Autor seinen Text herunternuschelt und schüchtern die Fragen des wohlgesonnenen und gesitteten Publikums beantwortet, wird es am Samstag, den 1. November, im Alabama Kino (Jarrestraße 30, 22303 Hamburg) ab 21.00 Uhr nicht geben. Frank Göhre wird zwar seinen neuen Text „Die Härte, der Reichtum und die Weite“ (Culturbooks) vorstellen, aber zwei gut abgehangene, immer noch und immer wieder sehenswerte Filme werden die meiste Zeit beanspruchen. Denn zwischen den Leseteilen gibt es, endlich mal wieder im Kino, „Supermarkt“ (1973) von Roland Klick und „Rocker“ (1972, ursprünglich ein TV-Film) von Klaus Lemke.
Beide Filme spielen in Hamburg in den frühen Siebzigern und Zeigen die Schattenseiten der Großstadt. In „Supermarkt“ will ein kleinkrimineller Achtzehnjähriger einem Mädchen helfen, indem er einen Geldtransporter überfällt. In „Rocker“ rutscht ein Fünfzehnjähriger, nachdem sein älterer Bruder ermordet wird, in die Welt der Rocker und Zuhälter ab.
Frank Göhre, der mit seinen Romanen in den vergangenen Jahrzehnten eine Gegenchronik zu Hamburgs offizieller Stadtgeschichte schrieb, befasste sich in mehreren Essays auch mit anderen Autoren und Filmen, die ebenfalls die verbrecherische Seite Hamburgs zeigen.
In seiner Ankündigung schreibt CulturBooks:
Zu mehreren Hamburg-Filmen hat der Krimi- und Drehbuchautor Frank Göhre zwei eBooks veröffentlicht: „Du fährst nach Hamburg, ich schwör´s dir“ (CulturBooks, Mai 2014) und „Die Härte, der Reichtum und die Weite“ (CulturBooks, November 2014). Er erinnert an Filme, deren großes Thema die Stadt ist, oder besser, das Porträt eines Stadtviertels: Hamburg St. Pauli im Wandel der Zeit. Hier haben so unterschiedliche Regisseure wie Francesco Rosi, Jürgen Roland, Klaus Lemke, Roland Klick und Vadim Glowna ihre Geschichten von Gastarbeitern, Gangstern und anderen Ausgegrenzten erzählt.
Zugleich aber lässt sich in ihnen die Entwicklung der Organisierten Kriminalität verfolgen. Von der „rechten Hand“ des berühmt-berüchtigten Mafiosi Lucky Luciano bis hin zur Etablierung der „Hell´s Angels“ und dem Auftraggeber des St. Pauli Killers Werner Pinzner spannt sich der Bogen dieser „Heimatfilme“.
Frank Göhres Texte eröffnen eine neue Sicht auf sie. Es ist der stadtgeschichtlich erhellende Film aus Worten hinter den Kinofilmen, ein Stück Kultur- und Sittengeschichte der Freien und Hansestadt Hamburg.
Göhre - Du fährst nach Hamburg ich schwör s dir - Ein HeimatfilmGöhre - Die Härte der Reichtum und die Weite - Ein Heimatfilm
Frank Göhre: Du fährst nach Hamburg, ich schwör’s dir
CulturBooks, 2014
65 Seiten
4,99 Euro
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Frank Göhre: Die Härte, der Reichtum und die Weite
CulturBooks, 2014
45 Seiten
3,99 Euro
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Hinweise

Homepage von Frank Göhre

Meine Besprechung von Frank Göhres „Der letzte Freier“ (2006)

Meine Besprechung von Frank Göhres „Zappas letzter Hit“ (2006)

Meine Besprechung von Frank Göhres „St. Pauli Nacht“ (2007, überarbeitete Neuausgabe)

Meine Besprechung von Frank Göhres „MO – Der Lebensroman des Friedrich Glauser“ (2008)

Meine Besprechung von Frank Göhres „An einem heißen Sommertag“ (2008)

Meine Besprechung von Frank Göhres „Abwärts“ (2009, Neuausgabe)

Meine Besprechung von Frank Göhres „Seelenlandschaften – Annäherungen, Rückblicke“ (2009)

Meine Besprechung von Frank Göhres „Der Auserwählte“ (2010)

Meine Besprechung von Frank Göhres “Die Kiez-Trilogie” (2011)

Meine Besprechung von Frank Göhres „I and I – Stories und Reportagen“ (2012)

Meine Besprechung von Frank Göhres “Geile Meile” (2013)

Frank Göhre in der Kriminalakte


Über James Lee Burkes „Regengötter“

Oktober 28, 2014

James Lee Burke gehört zu den US-amerikanischen Krimiautoren, die alle wichtigen Preise gewonnen haben, in ihrer Heimat erfolgreich sind, im Jahrestakt hochgelobte Kriminalromane veröffentlichen und die seit Ewigkeiten nicht mehr ins Deutsche übersetzt werden. Von James Lee Burke, dem Erfinder von Dave Robicheaux, erschien die letzte neue Übersetzung 2002. Danach war für die Fans Englisch lernen angesagt.
Jetzt erschien bei Heyne Hardcore „Regengötter“, eine Übersetzung seines Romans „Rain Gods“ von 2009, bei dem der über siebzigjährige Sheriff Hackberry Holland im Mittelpunkt steht. Einige James-Lee-Burke-Fans kennen ihn aus „Lay down my Sword and Shield“ (1971, nicht übersetzt). Er ist auch verwandt mit Billy Bob Holland, dem Protagonisten in vier Burke-Romanen, die zwischen 1997 und 2004 erschienen und von denen die ersten drei übersetzt wurden.
Im Zentrum von Burkes Werk steht allerdings Dave Robicheaux, der erstmals 1987 in „Neonregen“ (The Neon Rain) auftrat. Damals noch als alkoholabhängiger Mordermittler bei der Polizei von New Orleans. In den folgenden, bis jetzt zwanzig Romanen, ist er, abgesehen von einem kurzen Intermezzo als Privatdetektiv, Sheriff von New Iberia, wo er seinen Job immer wieder unter Mißachtung aller Dienstvorschriften ausübt. Von seiner Attitüde ist Robicheaux nämlich der klassische Hardboiled-Privatdetektiv. „Mississippi Delta – Blut in den Bayous“ (Heaven’s Prisoners, 1988) und „Im Schatten der Mangroven“ (In the electric mist with Confederate Dead, 1993) wurden verfilmt; mit durchwachsenem Ergebnis. Die Vorlagen sind unbedingt lesenswert.
Diese Mißachtung der Dienstvorschriften würde Hackberry Holland nicht einfallen. Der Ex-Trinker, Ex-Bürgerrechtsanwalt und Witwer stößt, nach einem Anruf, bei einer alten Kirche auf neun Frauenleichen. Asiatinnen, die Heroin in ihrem Bäuchen hatten. Er will den Täter finden und dem Anrufer helfen, während er von anderen Behörden, wie dem FBI und der Einwanderungs- und Zollbehörde, vor allem behindert und nicht informiert wird.
Neben diesem Hauptplot erzählt Burke, ziemlich gleichberechtigt, mehrere Geschichten, die mit dem Massenmord zusammenhängen. Es ist die Flucht von Pete Flores, einem psychisch kranken Irakkriegsveteran, der den Anruf tätigte, und jetzt mit seiner Freundin Vikki Gaddis, einer Country-Sängerin und Kellnerin, auf der Flucht ist. Sie flüchten vor Jack Collins, einem durchgeknallten Killer mit sagenhaften Fähigkeiten, der sich für einen Prediger hält und deshalb „Preacher“ genannt wird. Manchmal schickt er auch seine beiden Handlanger mit blutig endenden Suchaufträgen los. Gleichzeitig hat Stripclub-Besitzer Nick Dolan, der für die Morde verantwortlich sein soll, Ärger mit Hugo Cistranos und Arthur Rooney, die gerne an seine Lokale kommen würden.
Und am Rand ist auch noch die Russenmafia involviert.
Oh, und irgendwann tauchen auch einige Biker auf, die den Preacher umbringen sollen und schnell von ihm mit seiner MP niedergemäht werden.
„Regengötter“ reiht sich – und sage ich als Fan – nahtlos in das enttäuschende Spätwerk von James Lee Burke ein, in dem die Geschichte arg chaotisch, ziemlich spannungsfrei und wenig interessant auf ihr Ende zutaumelt. Der Roman liest sich, als hätte Burke nur eine Ausgangsidee und das Ziel, eine bestimmte Menge Seiten zu füllen, gehabt. Dieses nachlässige Plotting ist vor allem bei dem Bösewicht des Buches offensichtlich. Als Bösewicht darf er erst am Ende sterben. Gleichzeitig dürfen einige der Guten, vor allem Hackberry, Pete und Vikki, nicht sterben. Also endet jede der zahlreichen Begegnungen zwischen ihnen, damit, dass Collins freiwillig auf die Chance verzichtet, sie umzubringen. Auch wenn er sich vorher in ihre Wohnung geschlichen hat. Er erfindet dann schnell einen weit hergeholten Grund, der mit seinem Preacher-Sein etwas zu tun hat. Und trotz der menschenleeren texanischen Landschaft laufen die Guten und die Bösen sich ständig, zufällig über den Weg.
Das größte Problem bei „Regengötter“ ist aber, dass er sich wie eine Nacherzählung von „No Country for Old Men“, dem Roman von Cormac McCarthy (2005) und dem Film der Coen-Brüder (2007), liest. Die Story von „Regengötter“ hat so viele offensichtliche Ähnlichkeiten mit „No Country for Old Men“, dass ich mich fragte, ob Cormac McCarthy sich schon beschwerte.
Während der gesamten Lektüre sah ich vor meinem geistigen Auge Tommy Lee Jones als Hackberry Holland, Javier Bardem als Preacher, Josh Brolin als Pete Flores, der nach einem missglückten Drogendeal mit seiner Freundin vor dem Killer flüchtet.
Mit gut 660 Seiten ist der Roman auch viel zu lang geraten. Er ist ungefähr doppelt so lang wie James Lee Burkes früheren Romane, die alle wesentlich eindrucksvoller und gelungener sind.

Burke - Regengötter - 2

James Lee Burke: Regengötter
(übersetzt von Daniel Müller)
Heyne Hardcorre, 2014
672 Seiten
16,99 Euro
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Originalausgabe
Rain Gods
Simon & Schuster, 2009
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Hinweise

Homepage von James Lee Burke

Wikipedia über James Lee Burke (deutsch, englisch)

Mein Porträt von James Lee Burke

James Lee Burke in der Kriminalakte

„In the Electric Mist“ in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „In the Electric Mist – Mord in Louisiana“ (In the Electric Mist, USA 2009)
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Und damit endet mein Tommy-Lee-Jones-Tag.


Denn heute Morgen konnte ich mir „The Homesman“ (Kinostart 18. Dezember) ansehen und der von Tommy Lee Jones inszenierte Western mit ihm und „Million Dollar Baby“ Hilary Swank in den Hauptrollen ist grandios. Denn, im Werbe- und Empfehlungssprech, wenn Ihnen „Erbarmungslos“ (Unforgiven), „Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada“, „No Country for Old Men“ und „True Grit“ gefallen haben, werden Sie „The Homesman“ lieben.


Jan Philipp Albrecht will: „Finger weg von unseren Daten!“

Oktober 27, 2014

Albrecht - Finger weg von unseren Daten - 2

Wie soll ich meine Besprechung von Jan Philipp Albrechts „Finger weg von unseren Daten! – Wie wir entmündigt und ausgenommen werden“ bloß beginnen? Täglich gibt es eine neue Horrormeldung – und die Bundesregierung tut nichts, wenn sie nicht gerade mit voller Energie versucht, die Aufklärung der Umtriebe der Geheimdienste von einem Bundestags-Untersuchungsausschuss oder durch die Medien möglichst umfassend zu verhindern. Der Merkel-Regierung ist es halt egal, wenn Grundrechte verletzt und Bundesbürger auch von deutschen Geheimdiensten ausgespäht werden.

Wenn schon einmal halbherzig auf Verschlüsselungstechniken hingewiesen wird und damit ein Problem, das politisch gelöst werden muss, privatisiert wird, wird gleichzeitig ein Schlupfloch für Sicherheitsbehörden in der Verschlüsselungstechnik gewünscht, weil die Regierung alles menschenmögliche tut, um das Internet unsicherer zu machen. Gleichzeitig glänzt die bundesdeutsche „Datenschutzbeauftragte“ immer noch durch Abwesenheit. Sogar eine Vakanz würde das Amt besser ausfüllen.

In dieses „Nichts tun, dann kann man auch nichts falsches tun“-Trauerspiel reiht sich auch die irrationale Totalopposition der Regierung zur EU-Datenschutzreform ein. In ihr steht unter anderem, dass Privacy by Design (Datenschutz durch Technik) und Privacy by Default (datenschutzfreundliche Voreinstellungen) normalerweise angewandt werden sollen, dass Unternehmen, wie Facebook, die ihre Dienste in der EU anbieten, EU-Regeln unterliegen (Marktortprinzip), dass man sich bei der Datenschutzbehörde seines Landes beschweren kann, dass es ein Recht auf Datenübertragbarkeit gibt und dass man einer Datenverarbeitung vorher explizit zustimmen muss. Irgendwie alles grundvernünftige und auch überfällige Regeln, aber die Bundesregierung meint, dass sie den hohen bundesdeutschen Datenschutzstandard absenken würden.

Jan Philipp Albrecht (Bündnis 90/Die Grünen) war im Europäischen Parlament der Berichterstatter für diese Datenschutzgrundverordnung. Während der Verhandlungen und dem Abarbeiten der Änderungsanträge wurde er von Lobbyisten belagert, die ein möglichst wirkungsloses Datenschutzrecht wollten. Die Passagen, in denen er in „Finger weg von unseren Daten!“ über die bei uns fast unbekannten Inhalte der EU-Datenschutzreform und die Verhandlungen schreibt, gehören zu den stärksten Passagen des Buches.

Auch seine Ausführungen, warum Datenschutz, also der Schutz der Privatsphäre, wichtig ist, sind gelungen: „Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass Datenschutz untrennbarer Kernbestandteil der Menschenwürde und aller bürgerlichen Freiheiten ist, die eine freiheitliche und rechtsstaatliche Demokratie zu bieten hat. Kein Grundrecht kann ich effektiv ausüben, wenn die Kontrolle über die eigene Persönlichkeit und die personenbezogenen Informationen verlorengegangen ist. (…) Gleichzeitig stellt diese Beschränkung nicht nur eine Beschneidung meiner Freiheiten, sondern eine Bedrohung der Demokratie dar. Es sind ja gerade die Meinungsäußerungen der Andersdenkenden, die eine Demokratie erst lebendig funktionieren lassen.“

Wenn er dann allerdings über die Macht US-amerikanischer Unternehmen, wie Google und Facebook (das mir persönlich teilweise zu sehr in 08/15-Google- und Facebook-Bashing geht), die Umtriebe der Geheimdienste (die ja durch die fast täglichen Enthüllungen immer schlimmer werden und ein gedrucktes Buch da nur einen vergangenen Erkenntnisstand beschreiben kann. Trotzdem hätte ich hier gerne mehr über die gute Arbeit des Europäischen Parlaments dazu gelesen.) und den politisch-industriellen Komplex, der immer mehr Überwachungstechnik verkauft, schreibt, wird „Finger weg von unseren Daten!“ schwächer, weil ich auf diesen Seiten nichts Neues erfuhr.

Aber wenn ich an einige Gespräche denke, die ich in den vergangenen Tagen hatte, sind auch diese Passagen wichtig. Denn viele Menschen, die ich für durchaus informiert halte, wissen doch immer noch viel zu wenig von diesen Bedrohungen der bürgerlichen Freiheiten und der liberaldemokratischen Demokratie. Gerade sie sollen mit diesem Buch zum Handeln angeregt werden.

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Jan Philipp Albrecht: Finger weg von unseren Daten! – Wie wir entmündigt und ausgenommen werden

Knaur Klartext, 2014

192 Seiten

7 Euro

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Hinweise

Homepage von Jan Philipp Albrecht

Perlentaucher über “Finger weg von unseren Daten!”


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