Heribert Prantl schreibt über „Glanz und Elend der Grundrechte“

Mai 5, 2014

Prantl - Glanz und Elend der Grundrechte - 2

Nach diesem Wochenende ist Heribert Prantls schmales Buch „Glanz und Elend der Grundrechte“ leider nötiger denn je. Denn die Bundesregierung erklärte, dass der Whistleblower Edward Snowden nicht in Deutschland aussagen soll, weil die deutschen Staatsinteressen höher stünden als eine Aufklärung über eine millionenfache tägliche Grundrechtsverletzung deutscher Staatsbürger durch den US-amerikanischen Geheimdienst NSA. Der Verfassungsschutz erklärte, dass er dem NSA-Untersuchungsausschuss nicht alle Akten liefern werde. Es würde die Arbeit des Verfassungsschutzes beeinträchtigen – und man habe eh keine Ahnung. Naja, dass sagte der Chef des Verfassungsschutzes nicht wörtlich, aber dieses Amt hat ja nichts von den Morden des NSU und dem Abhören der NSA mitbekommen und da wäre eine Herausgabe von Akten wohl ein Zeugnis der eigenen Unfähigkeit oder der hemmungslosen Zusammenarbeit.
Während die Regierung sich gerade höchst erfolgreich im Neusprech übt und erklärt, dass sie Whistleblower für Straftäter hält (was nicht für die Menschen gilt, die für gutes Geld Steuerdaten-CDs an den deutschen Staat verkaufen) und ihr das Brief- und Postgeheimnis egal ist, weil die Regierung ja so gute Beziehungen zur USA habe, dass eine Telefonüberwachung überflüssig sei, weil man keine Geheimnisse vor den USA habe (Frau Merkel, es geht nicht um ihr Terror-Handy, sondern um die Grundrechte der Deutschen, die Sie schützen sollen!). Dass gleichzeitig die Pressefreiheit, vor allem wenn es um den Schutz von Informanten geht, und die Verschwiegenheitspflicht von Anwälten, Ärzten und Seelsorgern durch die unterschiedlos alles speichernde Datenüberwachung verletzt wird, ist für diese Regierung wohl ein lässlicher Kollateralschaden.
Ehe ich jetzt etwas Beleidigendes über eine Regierung, die auf unsere Grundrechte kackt, sage, konzentriere ich mich lieber auf Heribert Prantls Buch.
Denn in dem Essay „Glanz und Elend der Grundrechte – Zwölf Sterne für das Grundgesetz“ erklärt der Leiter der innenpolitischen Redaktion der „Süddeutschen Zeitung“ in einem breiten historischen Bogen von der Formulierung des Grundgesetzes bis zur Gegenwart warum die Grundrechte so wichtig sind. Unmittelbar nach dem Ende des zweiten Weltkriegs und am Anfang des Kalten Krieges schrieben die Väter und Mütter ein aus wenigen Worten bestehendes Grundgesetz, das in den folgenden 65 Jahren seine Wirkung entfaltete. Bei der Gleichberechtigung von Frauen und Homosexuellen. Bei der individuellen Lebensgestaltung. Bei dem Versammlungsrecht. Bei der Pressefreiheit. Und auch beim Schutz der Privatsphäre – bis es nach 9/11 aufgrund einer diffusen Bedrohung durch Terroristen zu einem massiven Abbau der Bürgerrechte kam.
Er schreibt auch über die Europäische Union als ein Friedensprojekt, das weiter ausgebaut werden soll. Während, so Prantl, das Bundesverfassungsgericht in den vergangenen Jahrzehnten beim Ausbau und Schutz der Bürgerrechte innerhalb Deutschland eine progressive Rolle spielte, blockert es in Bezug auf die EU. Da müsste der Bundestag das Grundgesetz ändern.
Eine zur Revolution auffordernde Kampfschrift ist Heribert Prantls neues Buch „Glanz und Elend der Grundrechte“ nicht. Es steht auch wenig neues drin. Es ist ein Lobgesang auf das Grundgesetz und die Europäische Union, der beides emphatisch gegen seine Kritiker verteidigt, wobei die Kapitel zum Grundgesetz und den Grundrechten eindrücklicher als die zur Europäischen Union sind. Diese Zeilen lesen sich wie ein zur anstehenden EP-Wahl am 25. Mai geschriebenes Appendix.
Prantls das Positive bei den Grundrechten betonende Streitschrift erinnert an den Wert der Grundrechte und es ist ein fulimanter Angriff auf eine Regierung, denen sie egal sind. Prantl Position ist dagegen klar: „Ich wünsche mir Grundrechte, auf die sich die Bürgerinnen und Bürger verlassen können; dazu Staatsgewalten, Gerichte, Parlamente und eine couragierte Gesellschaft, die diese Grundrechte verteidigen – gegen Entsolidarisierung, Ökonomisierungsexzesse und Datensammelwahnsinn; gegen Rassisten und Ausländerhasser; und auch gegen die Geheimdienste des NATO-Partners USA.“
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Heribert Prantl: Glanz und Elend der Grundrechte – Zwölf Sterne für das Grundgesetz
Droemer, 2014
192 Seiten
18 Euro
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Hinweise
Perlentaucher über Heribert Prantl
Wikipedia über Heribert Prantl


Kurzkritik: Leo Sander: Gelegenheitsverkehr

Mai 5, 2014

Sander - Gelegenheitsverkehr - 2

Einen Innovationspokal wird Leo Sander für seinen Debütroman „Gelegenheitsverkehr“ nicht erhalten, aber das strebte er auch überhaupt nicht an.
Sanders Ich-Erzähler Kant ist gerade in einer Mietwohnung in Kurzkirchen bei Linz eingezogen. Früher war er in Wien Polizist, dann einige Monate bei einer Versicherung und jetzt, nun, räumt er seine Bude ein, als die Tochter seines Vormieters auftaucht. Die Schönheit möchte wissen, ob ihr Vater, den sie seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hat, wirklich durch einen Unfall umkam oder ermordet wurde. Einerseits hat niemand etwas gegen den Rentner, der früher Trinker war und heute etwas Geld in einem Wettbüro verspielt und dort auch noch Schulden hat, andererseits ist ein so klarer und eindeutiger Genickbruch doch verdammt selten. Vor allem, weil alle sagen, dass Franz Richter sportlich und topfit war.
Kant beginnt, endlich nicht mehr durch das Dienstrecht behindert, zu ermitteln. Informationen erhält er auch von einem früheren Kollegen bei der Polizei und alle Frauen, denen er begegnet, sind vielleicht nicht mehr unbedingt blutjung, aber gutaussehend und willig.
Krimifans kennen das schon seit Marlowes Tagen und Leo Sander zitiert die Klischees, bis auf den zusammengeschlagenen Privatdetektiv, mit spürbarer Lust. Der Plot selbst ist nicht übermäßig verwickelt. Die Zahl der Verdächtigen überschaubar. Immerhin hat Kant den Fall nach zweihundert Seiten geklärt.
„Gelegenheitsverkehr“ ist eine flott gelesene, vergnügliche Abendunterhaltung, die gelungen den US-Hardboiled-Detektiv der Carter-Brown/Richard-S.-Prather-Schule in die östereichische Provinz versetzt.
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Leo Sander: Gelegenheitsverkehr
Gmeiner Verlag, 2014
224 Seiten
9,99 Euro


„Angst über Gotham“ wegen dem „Rat der Eulen“, aber Batman ist auf dem Weg

April 30, 2014

Normalerweise teilt Batman bei seiner Verbrechensbekämpfung in Gotham kräftig aus. In den neuen „Batman“-Geschichten „Angst über Gotham“, von Gregg Hurwitz, und „Der Rat der Eulen/Die Stadt der Eulen“, von Scott Snyder, muss er dagegen vor allem Schläge einstecken. Und zwar so viele, dass sein treuer Diener Alfred sich ernsthafte Sorgen um seinen vermögenden Brötchengeber Bruce Wayne macht.
In „Angst über Gotham“ muss Wayne gegen den irren Psychiater Jonathan Crane kämpfen. Der als Scarecrow bekannte Bösewicht probiert an von ihm entführten Kindern sein neues Angstgas aus. Wenn er sie danach freilässt, sind sie schwer traumatisiert und haben sie keine Erinnerungen mehr an ihre Entführung.
Als Batman Scarecrow findet, kann der ihn überwältigen. Anschließend probiert er an Batman sein Angstgas aus, was dazu führt, dass Bruce Wayne sich seinen Urängsten stellen muss.
Thriller-Autor Gregg Hurwitz übernahm hier die Autorenschaft für „Batman: The Dark Knght“ und in der spannenden, sechsteiligen Geschichte erzählt er in Rückblenden auch die Ursprungsgeschichte von Scarecrow, der eine sehr unglückliche Kindheit hatte. Daneben gibt es, ausgelöst durch das Angstgas, auch Rückblenden in Waynes Leben, wobei sein Kindheitstrauma, nämlich der Tod seiner Eltern, im Mittelpunkt steht.
Durch die parallel erzählten Ursprungsgeschichten von Batman und Scarecrow zeigt Gregg Hurwitz auch die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den beiden Charakteren auf und auch wie sehr Kindheitserlebnisse das spätere Leben prägen. Bei diesen beiden Männern erklärt es ihr ganzes Leben.
In diesem Sammelband ist auch die ebenfalls von Hurwitz geschriebene Kurzgeschichte „Schuld in der Luft“ (Chill in the Air, Batman: The Dark Knight # 0) enthalten. In ihr sucht Bruce Wayne – mal wieder – die Mörder seiner Eltern und den Rat der Eulen. Denn er glaubt, dass dieser sagenumwobene Rat den Mord beauftragte. Am Ende muss er enttäuscht feststellen, dass der Mord an seinen Eltern in einer Hinterhofgasse ein banaler Raubmord war und es den Rat der Eulen nicht gibt.


In Scott Snyders zweibändiger Geschichte „Der Rat der Eulen“ und „Die Stadt der Eulen“ ist dieser Rat der Eulen, eine supergeheime Geheimgesellschaft, die seit Jahrzehnten unerkannt im Hintergrund die Geschicke von Gotham lenken soll, die aber auch eine urbane Legende sein kann, Batmans Gegner.
Batman stößt auf eine Spur zu dieser Loge, als er als Bruce Wayne ein neues Stadtteil bauen möchte. Kurz nachdem er das Bauprojekt groß ankündigte, erhält er eine Todesdrohung und als er sich mit dem Bürgermeisterkandidaten Lincoln March auf der Aussichtsplattform des alten Wayne Towers trifft, wird ein Mordanschlag auf ihn verübt. Der Täter sagt kurz vor seinem Tod „Bruce Wayne, der Rat der Eulen verurteilt dich zum Tode.“ und „Waynes töte ich am liebsten.“
Wayne vertieft sich in seine Familiengeschichte und die Geschichte Gothams und er findet handfeste Spuren des Rats der Eulen.
Der zweite Band „Die Stadt der Eulen“ beginnt mit einem atemberaubenden Kampf um Waynes Anwesen Wayne Manor, der das Anwesen und die Bathöhle in einem renovierungsbedürftigem Zustand zurücklässt. Die anschließende Kämpfe gegen „Mr. Freeze“ und die „Fledermaus“, der so etwas wie der Vorsitzende des Rat der Eulen ist (sofern es diesen Rat überhaupt wirklich gibt), sind als Mann-gegen-Mann-Kämpfe weniger beeindruckend.
Ergänzt wird der Sammelband um mehrere Geschichten, die mehr oder weniger lose mit der Hauptgeschichte verbunden sind.
In jedem Fall sind die „Batman“-Geschichten von Gregg Hurwitz und „American Vampire“-Autor Scott Snyder spannende Lektüre.

Hurwitz - Batman - Angst über Gotham - Softcover - 2

Gregg Hurwitz/David Finch: Batman – The Dark Knight: Angst über Gotham (Band 2)
(übersetzt von Steve Kups)
Panini, 2014
164 Seiten
16,99 Euro
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Originalausgabe/enthält
Batman: The Dark Knight # 10 – 15 (August 2012 – Februar 2013)
Batman: The Dark Knight # 0 (November 2012)
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Die deutschen Ausgaben der Thriller von Gregg Hurwitz erscheinen bei Knaur.
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Snyder - Batman - Der Rat der Eulen - Softcover - 2Snyder - Batman - Der Rat der Eulen - Hardcover - 2
Scott Snyder/Greg Capullo: Batman: Der Rat der Eulen (Band 1)
(übersetzt von Steve Kups)
Panini, 2013
180 Seiten
16,99 Euro
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Originalausgabe
Batman # 1 – 7 (November 2011 – Mai 2012)
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Snyder - Batman - Die Stadt der Eulen - Softcover - 2Snyder - Batman - Die Stadt der Eulen - Hardcover - 2
Scott Snyder/Greg Capullo: Batman: Die Stadt der Eulen (Band 2)
(übersetzt von Steve Kups)
Panini, 2014
212 Seiten
16,99 Euro
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Originalausgabe/enthält
Batman # 8 – 12 (Juni 2012 – Oktober 2012)
The New 52 – Batman Annual # 1 (Juli 2012)
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Hinweise

Homepage von Gregg Hurwitz

Meine Besprechung von Scott Snyder/Stephen King/Rafael Albuquerques (Zeichner) „American Vampire – Band 1“ (American Vampire, Vol. 1 – 5, 2010)

Meine Besprechung von Scott Snyder/Rafael Albuquerque/Mateus Santoloucos “American Vampire – Band 2″ (American Vampire, Vol. 6 – 11, 2010/2011)

Meine Besprechung von Scott Snyder/Rafael Albuquerque/Danijel Zezeljs “American Vampire – Band 3″ (American Vampire, Vol. 12 – 18, 2011)

Meine Besprechung von Scott Snyder/Sean Murphys “American Vampire – Das Überleben des Stärkeren, Band 4″ (American Vampire: The Survival of the Fittest, 2011)
Meine Besprechung von Frank Miller/Jim Lee/Scott Williams’ “All-Star Batman” (All Star Batman & Robin: The Boy Wonder, 2005 – 2008)
Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “Batman: Kaputte Stadt” (Batman: Broken City, 2003/2004)


Tim Seeley zwischen „Hack/Slash“ und „Revival“

April 28, 2014

Die eine Serie endet, die andere beginnt gerade. Mit „Hack/Slash“, Tim Seeleys Serie über Cassie Hack, eine junge Frau, die, seitdem ihre Mutter sich in einen Slasher verwandelte und sie töten wollte, Slasher jagt, geht mit dem zehnten „Hack/Slash“-Sammelband „Folterverliebt“ in die Endrunde. „Revival“, eine neue Serie über eine Polizistin, die sich in einer ländlichen Gemeinde mit weitgehend friedlichen Untoten und weniger friedlichen Dämonen auseinandersetzen muss, beginnt gerade und, auch wenn jetzt die Idee, dass eine Frau sich mit Untoten blutig und tödlich auseinandersetzen muss, auf den ersten Blick aus dem gleichen Universum stammt, könnten die Serien nicht verschiedener sein.

Seeley - Hack-Slash 9Seeley - Hack-Slash 10

In „Hack/Slash“ kämpfte Cassie Hack in den ersten Geschichten und den zahlreichen Crossover-Geschichten (die etwas außerhalb der regulären Reihenfolge stehen) gegen zahlreiche aus Horrorfilmen bekannte Slasher, Maniacs und Bösewichter. Tim Seeley erzählte dies mit viel Witz, Anspielungen, Sex und Gewalt. Später wurde das Spiel mit den hauptsächliche filmischen Vorbildern zugunsten einer größeren Geschichte vernachlässigt. Ab da kämpften Cassie Hack und ihren Freunden gegen „Die Vereinigung der schwarzen Laterne“, einem Orden mit – nun – seltsamen Ansichten und dem Plan, die Macht zu übernehmen.
Auch in „Folterverliebt“, dem zehnten „Hack/Slash“-Sammelband, spielen die beiden Geschichten und der kurze Epilog vor diesem Hintergrund, was es für Neueinsteiger vor allem in „Mordmessias“ zu einer vor allem verwirrenden Lektüre macht. Die zweite Geschichte „Am Scheideweg“ gehorcht dagegen Thrillerkonventionen, aber mit toten Slashern, die entgegen aller Wahrscheinlichkeit, zurückkehren und Cassie, Vlad und ihren Freunden viele Probleme bereiten. Tim Seeley bereitet hier unüberschaubar, auf zwei Zeitebenen und vielen Charakteren, die nicht sind, was sie vorgeben zu sein, das Finale vor.
Der neunte „Hack/Slash“-Sammelband „My First Maniac – Wie alles begann“ ist dagegen für Neueinsteiger wesentlich gewinnbringender zu lesen. Außerdem macht der Kampf gegen einzelne, erkennbare und auch irgendwie noch menschliche Slasher (also keine Mitglieder eines seit Jahrhunderten bestehenden Geheimbundes) mehr Spaß.
So gibt es hier auch einen Besuch im „Psycho“-Motel und in „Ich ohne dich“ erfahren wir, wo Cassies Freund Vlad herkommt und wie sie sich kennen lernten.

Seeley - Revival 1

„Revival“ ist eine neue Serie von Tim Seeley. Sie spielt im winterlichen Wisconsin, wo seit einiger Zeit die Toten zurückkehren. Aber die Erweckten, wie sie genannt werden, sind keine gehirnhungrigen, sabbernden Zombies, sondern Inkarnationen ihres früheren Ichs, die einfach wieder ihr vorheriges Leben aufnehmen, als sei nichts passiert.
Die Kleinstadt und das umliegende County werden abgesperrt. Dennoch wird es zu einem Tummelplatz für religiöse Spinner, Fanatiker, Heilsbringer, dubiose Geschäftemacher und die Medien.
Im Zentrum der Serie steht Police Officer Dana Cypress, alleinerziehende Mutter, jung, intelligent und genervt von ihrem Vater, der der Polizeichef ist und sie wie ein kleines, schutzbedürftiges Kind behandelt. Deshalb ernennt er sie auch zur Leiterin der „Schlichtungseinheit für erweckte Bürger“, was eine nette Beschreibung für „Job, bei dem nichts Schlimmes passieren kann“ ist.
Gleich bei ihrem ersten Einsatz als Leiterin der nur aus ihr bestehenden Einheit geht einiges schief. Ihre Schwester Martha stirbt und kehrt wieder zurück.
„Unter Freunden“, der erste „Revival“-Sammelband, ist eigentlich nur eine Einführung in die Geschichte. Wir lernen die Charaktere und ihre Welt kennen – und sind neugierig auf die nächsten Bände. Denn in „Revival“ arbeitet Tim Seeley mit einem erkennbar langen Atem. Das ist nichts, was nach einigen Heften oder ein, zwei Sammelbänden enden soll.
Neben Dana Cypress und ihrer Schwester Martha, gibt es auch einige Charaktere, die wohl noch für einige Überraschungen gut sind. Das sind bislang Ibrahaim Ramin von der Seuchenschutzbehörde der USA, ein Dämonologe mit unorthodoxen Methoden, die alte Arlene Dittman, die verwandelt von den Toten zurückkehrte, und einem oder mehreren Dämonen, die an Edvard Munchs „Der Schrei“ erinnern.
„Revival“ könnte eine wirklich spannende und interessante Serie werden. Der Auftakt ist jedenfalls wirklich vielversprechend.
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Tim Seeley: Hack/Slash: Folterverliebt (Band 10)
(übersetzt von Frank Neubauer)
Cross Cult, 2014
160 Seiten
19,80 Euro
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Originalausgabe
Hack/Slash: Torture Porn
Imagine, 2011
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enthält
Tim Seeley (Autor)/Jethro Morales (Zeichner): Mordmessias
Tim Seeley (Autor)/Daniel Leister (Zeichner): Am Scheideweg
James Lowder (Autor)/Jean-Paul Deshong (Zeichner): Nächtliche Totenwache in Eminence
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Tim Seeley: Hack/Slash: My First Maniac – Wie alles begann (Band 9)
(übersetzt von Frank Neubauer)
Cross Cult, 2013
160 Seiten
19,80 Euro
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Originalausgabe
Hack/Slash: Me without you
Image, 2010
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enthält
Tim Seeley (Autor)/Daniel Leister (Zeichner): My First Maniac – Wie alles begann
Tim Seeley (Autor)/Daniel Leister (Zeichner): Ich ohne dich (Me without you)
+ Kurzgeschichten aus „Trailers 2“:
Chris Burnham (Autor)/Stephen Molnar (Zeichner): Gesichtsgulasch (Butterface)
Dennis Hopeless (Autor)/Kyle Strahm (Zeichner): Zu süss (Too cute)
Kevin Mellon (Autor/Zeichner): Blut auf der Tanzfläche (Blood on the Dancefloor)
Mike Olivieri (Autor)/Sean K. Dove (Zeichner): In Leichen suhlen (Wallon in Death)
B. Clay Moore (Autor)/Daniel Liester (Zeichner): Schuss mit Aussicht (Womb with a View)
Mike Norton (Autor)/Brent Schoonover: Fummelkiste (Rape Van)
J. Torres (Autor)/Joe Song (Zeichner): Psyche (Psyche)
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Tim Seeley (Autor)/Mike Norton (Zeichner): Revival: Unter Freunden (Band 1)
(übersetzt von Frank Neubauer)
Cross Cult, 2013
128 Seiten
18 Euro
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Originalausgabe
Revival, Volume 1: You’re among friends
Image, 2012
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Hinweise
Homepage von Tim Seeley
Meine Besprechung von Tim Seeleys „Hack/Slash: (Re)Animatoren (Band 5)“ (Hack/Slash: Reanimation Games, 2009)


DVD-Kritik: Der Western-Klassiker „Der große Bluff“

April 25, 2014

Western und Komödie passen nicht zusammen, heißt es und der kundige Filmfan kann dann auch einige Western nennen, die als Komödie so zündend wie ein nasser Silvesterkracher sind. Jüngstes Beispiel: „Lone Ranger“ mit Johnny Depp.
Dabei gibt es durchaus gelungene Westernkomödien: eine der ersten und bekanntesten ist „Der große Bluff“, im Original „Destry rides again“, mit James Stewart und Marlene Dietrich. Der im Original titelgebende Destry ist Thomas Jefferson Destry jr., der Sohn eines legendären Gesetzeshüters, der jetzt in Bottleneck das Gesetz verteidigen soll. Wyatt Earp soll gegen ihn ein Waisenknaben und Hasenfuß sein. Einen so unbestechlichen und tapferen Gesetzeshüter braucht Bottleneck. Denn die gesamte Stadt steht unter dem Regime des verbrecherischen Saloon-Besitzers Kent. Der vorherige Sheriff wurde von ihm erschossen und als neuer Sheriff wurde der städtische Trunkenbold ernannt. Der ruft nun Destry um Hilfe. Destry kommt – und sorgt gleich für heftiges Erstaunen bei den rauflustigen Dorfbewohnern. Denn Destry ist keine das Gesetz verteidigende, Kollateralschäden billigend in Kauf nehmende Dampframme, sondern ein Gentleman, der Damen höflich aus der Kutsche hilft. Auch zu den Freudenmädchen ist er ausgesucht höflich und respektvoll, Er trinkt Milch, trägt keine Waffe und Gewalt lehnt er generell ab. Kurz: er ist eine so komplette Fehlbesetzung, dass Kent entzückt ist.
Aber er hat sich geirrt – und wie Destry dann in Bottleneck aufräumt, macht auch heute noch Spaß.
Für James Stewart war diese Rolle der Durchburch in Hollywood und der erste Auftritt in einem Western. In den nächsten Jahren wurde er, neben John Wayne, zu einem der das Genre prägenden Western-Darsteller. Marlene Dietrich, die sich damals in einem Karrieretief befand, erhielt danach wieder Rollen.
Und der augenscheinlich konfliktscheue, intelligente Destry war so beliebt, dass es später eine TV-Serie und einige Remakes, die man heute nicht mehr kennt, gab.
Mit dem Roman von Max Brand hat der Film, außer dem Titel und der Idee, dass der Held auf Gewalt nicht mit Gewalt reagiert, nichts zu tun. Wobei der Roman-Destry nur am Anfang den Feigling spielt. Denn er ist ein verurteilter Verbrecher und Raufbold, der nach seiner Rückkehr nach Wham die Männer sucht, die ihn damals ins Gefängnis schickten. Schnell erschießt er in Notwehr die ersten beiden Männer auf seiner Todesliste. Danach knöpft er sich die anderen Männer mit ähnlich finalen Ergebnissen vor. Naja, „Destry rides again“ ist ja auch ein Rachewestern. Marshalls Verfilmung hat damit, wie schon der Vorspann verrät, nichts zu tun. Denn da steht „suggested by“, was als „uns hat der Titel gefallen“ gelesen werden kann, und der Film wurde ein Kassenhit. Inzwischen ist er ein zu Recht immer wieder gern gesehener Western-Klassiker.
Als Bonusmaterial gibt es bei der jetzt veröffentlichten DVD ein 52-minütiges Radiohörspiel und eine Bildergalerie. Außerdem sind alle drei Synchronfassungen enthalten. Die Fassung von 1947 in der restaurierten und der nicht restaurierten Fassung und die 1987 und 2006 entstandenen Neusynchronisationen.

Der große Bluff - DVD-Cover

Der große Bluff (Destry rides again, USA 1939)
Regie: George Marshall
Drehbuch: Felix Jackson, Gertrude Purcell, Henry Myers (nach einer Geschichte von Felix Jackson)
LV: Max Brand: Destry rides again, 1930 (Destry reitet wieder)
mit James Stewart, Marlene Dietrich, Brian Donlevy, Charles Winninger, Micha Aer, Una Merkel
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DVD
Koch Media (Edition Western-Legenden #28)
Bild: 1.33:1 (4:3)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial: Radiospecial „Der große Bluff“, Bildergalerie, 3 Synchronfassungen (1947, 1987 und 2006)
Länge: 90 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
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Hinweise
Rotten Tomatoes über „Der große Bluff“
TCM über „Der große Bluff“
Wikipedia über „Der große Bluff“ (deutsch, englisch)

Homepage von Max Brand


„Killmousky“ – Frau Lewitscharoff schreibt einen „Kriminalroman“

April 23, 2014

So ein Krimi ist eine einfache Sache. Das dachte sich Sibylle Lewitscharoff wohl, als sie „Killmousky“ schrieb. Denn anstatt hoher Literatur, sollte es ein Kriminalroman werden.
Nun, es ist ein Monument des Scheiterns. Es ist ein exzellentes Beispiel dafür, wie man einen Kriminalroman nicht schreiben soll. Aber wahrscheinlich kommt das heraus, wenn man das Genre verachtet und sich sein Wissen über das Genre aus Jugenderinnerungen irgendwo zwischen „Fünf Freunde“, Agatha Christie und Edgar Wallace, „Tatort“ und falsch verstandenem „Inspector Barnaby“ zusammenklaubt. Diese Krimiserie wird am Anfang des Werkes explizit erwähnt und sie markiert hier eine beachtliche Fallhöhe. Denn auch die schlechteste „Inspector Barnaby“-Episode ist besser als „Killmousky“.
Aber vergleichen wir nicht Äpfel (Film) mit Birnen (Buch). Allein schon die Lektüre und das Verstehen von einer Handvoll KrimiZeit-Bestenliste-Bücher hätte vieles verhindern können.
Das beginnt mit der Sprache. Denn „Killmousky“ ist erschreckend schlecht geschrieben, ungefähr auf dem Niveau einer vor sich hin babbelnden Hausfrau. Es sind Sätze, wie „Der Toast war inzwischen in ihm verschwunden. Die erste Tasse Kaffee getrunken. Er zündete sich eine Zigarette an. Vor der zweiten Tasse rauchte er immer eine Zigarette. Das würde er wahrscheinlich die nächsten Jahre beibehalten. Aber vielleicht änderten sich seine Gewohnheiten ab jetzt radikal. Er war ja nun gezwungen, ein ganz anderes Leben zu führen.“ (Seite 16)
Oder „In der Holzklasse gab es keine freien Plätze mehr. Die Maschine war ausgebucht.“ Auf den ersten Blick haben beide Sätze die gleiche Aussage. Weil Ellwanger dann in der ersten Klasse einen Platz erhält, ist der zweite Satz sogar falsch, aber genauso sinnfrei plappernd geht es wenige Zeilen später weiter: „Alsbald saß er da vergnügt als Hahn im Korb und ließ sich verwöhnen. So vorzüglich war er noch nie gereist. Der Beginn eines wunderbaren Abenteuers eben.“ (Seite 28)
Auf der nächsten Seite – keine Panik, ich höre gleich auf – geht es ähnlich verquast weiter: „Die Schlangen vor den Beamten, die die Dokumente überprüften, waren lang, aber es ging schneller als gedacht.“
„Kalt war’s. Die Passanten steckten in dicken Mänteln und trugen die Köpfe von Wollmützen bedeckt, die Hälse in Schals gemummelt. Zusammengescharrte Schneeberge am Straßenrand.“
Herrje, gibt es denn keine Schreibratgeber?
Denn das sind Sätze, die es noch nicht einmal in den ersten Entwurf eines gestandenen Krimiautoren geschafft hätten. Dass Lewitscharoff in ihren anderen Romanen mit ihrer Sprachgewalt beeindrucken soll, erscheint im Angesicht dieser Sätze wie eine böswillige Verleumdung. Gewaltig ist in „Killmousky“ höchstens die Unfähigkeit, sich präzise auszudrücken und mit Sprache eine Welt zu erschaffen, die mehr als die Kulisse eines letztrangigen Fünfziger-Jahre-Kolportage-Krimis ist.
Wahrscheinlich deshalb vermeidet die „Sprachvirtuosin“ auch die wörtliche Rede wie der Teufel das Weihwasser. Fast alle Gespräche reportiert sie brav in der indirekten Rede, was ungefähr so prickelnd zu lesen ist, wie ein Verhörprotokoll.
Die Geschichte ist ein erbärmlicher Wust, den höchstens Verächter „Kriminalroman“ nennen. Denn sogar ein blutiger Amateur würde zielgerichteter als Kommissar a. D. Richard Ellwanger ermitteln.
Also: Ellwanger soll herausfinden, ob Paul Larson seine Frau Victoria ermordete. Die New Yorker Polizei geht von Suizid aus, aber ihr stinkreicher, im Rollstuhl sitzender Vater Howard Clayton Trevillyan glaubt an Mord. Es besteht auch der Verdacht, dass Larson ein Schwindler ist, der aus Gerabronn kommt und Heiner Blaschke heißt. Nach einigen ziellosen Ermittlungen auf Long Island, inclusive einem Sprung ins Bett mit Victorias Schwester Catherine, reist Ellwanger zurück nach Deutschland, ermittelt hier ähnlich ziellos weiter, gibt sich ständig als Polizist aus, reist wieder zurück und – Hallelujah! – der Täter schnappt ihn und, bevor er Ellwanger ermordet, gesteht er ihm schnell noch alles.
Aber zum Glück taucht eine Frau mit Revolver und Schalldämpfer auf.
Wahrscheinlich ist eine Pistole gemeint. Denn Revolver (das sind die Dinger, die von den Cowboys in den Western benutzt werden) und Schalldämpfer sind eine sehr ungebräuchliche und auch nicht sonderlich sinnvolle Kombination. Aber in dem Moment ist eh alles egal.
Der Bösewicht Larson ist dabei ganz klar eine literarische Bearbeitung von Christian Gerhartsreiter, der als falscher Rockefeller in den USA reich heiratete und 2013 als Mörder verurteilt wurde. Der Hochstapler kam aus Siegsdorf, einem Dorf im Landkreis Traunstein in Bayern. Lewitscharoffs Hochstapler kommt aus einem anderen süddeutschen Dorf.
Die titelgebende Katze Killmousky ist das Haustier von Ellwanger und für die Geschichte vollkommen unwichtig, geht aber wohl als Selbstzitat durch. Siehe „Blumenberg“.
Und dann gibt es noch zwei Passagen, die Ellwanger zu einem rechtspopulistischem Law-and-Order-Befürworter und Saloon-Rassisten machen.
Denn das „Verhör-As“, „mit der höchsten Aufklärungsquote bei Schwerverbrechern in ganz Bayern, weit über Bayern hinaus“ (Seite 16) wurde aus dem Polizeidienst entlassen, weil er einen Verdächtigen bedrohte. Das reale Vorbild dafür ist natürlich der Fall Daschner. Auch bei Lewitscharoff ist der Verdächtige, ein arroganter Philosophie-Student, der Täter, Ellwanger drohte nur und die beiden Entführungsopfer konnten nicht gerettet werden. Die überhaupt nicht versteckte Botschaft ist: „Ja hätte der Bursche doch schon früher zugeschlagen, dann hätte er die Opfer retten können.“
Und auf Seite 157 wird Ellwanger flugs zum Rassisten: „Der Abend wurde noch munter. Sie zogen über dämliche Kollegen her, über dämliche Ehefrauen und die erzdämliche bayerische Bürokratie, auch über vollverschleierte Saudifrauen, Schlitzguckerinnen, die umgeben von einem Pulk Männer die Läden in der Maximilianstraße leer kauften. Ellwanger wurde richtig heiter und redete beschwingter als sonst.“
Beides ist für die Geschichte so überflüssig wie ein Kropf und die Sätze stehen nur deshalb im Roman, weil Lewitscharoff hier noch schnell eine ihr wichtige Botschaft unterbringen wollte. Vollkommen distanzlos und unreflektiert sagt sie, dass Folter und Rassismus okay sind. Georg Büchner und Heinrich von Kleist würden sich im Grab umdrehen.
„Killmousky“ ist eine Beleidigung für Genre-Liebhaber – und wahrscheinlich der schlechteste Roman, den ich dieses Jahr lesen werde.

Lewitscharoff - Killmousky

Sibylle Lewitscharoff: Killmousky
Suhrkamp, 2014
224 Seiten
19,95 Euro
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Hinweise
Perlentaucher über „Killmousky“
Suhrkamp über Sibylle Lewitscharoff
Wikipedia über Sibylle Lewitscharoff

 

 


Captain Future nimmt „Die Herausforderung“ an

April 16, 2014

Hamilton - Captain Future - Die Herausforderung - 2

Als Edmond Hamilton die „Captain Future“-Geschichten schrieb, hätte er sich in seinen kühnsten Träumen nicht ausgemalt, dass wir diesen Charakter heute immer noch kennen und es immer noch Pläne für eine Verfilmung gibt, wie Christian Alvart in Interviews anlässlich seines neuen Films „Banklady“ bestätigte. Denn als Hamilton die „Captain Future“-Geschichten schrieb, erschienen die meisten Romane der Serie im zwischen 1940 und 1944 vierteljährlich erschienenem „Captain Future Magazine“ und als Pulps waren sie, nun, potentielles Altpapier. Sie waren nicht für die Ewigkeit bestimmt und irgendwelche höheren literarische Ansprüche, geschweige denn Zeitungskritikerherzen, sollten auch nicht befriedigt werden. Es ging um Ablenkung von der rauhen Wirklichkeit. Unterhaltung eben.
In den Fünfzigern gab es einige deutsche Übersetzungen von „Captain Future“-Romanen als „Captain Zukunft“ im Erich Pabel Verlag. Die Romane dürften kaum noch erhältlich sein. Besser sieht es in den Antiquariaten mit den in den frühen Achtzigern erschienenn „Captain Future“-Romanen bei Bastei Lübbe aus, aber auch da muss man manchmal tief in den Geldbeutel greifen.
Am Bekanntesten dürfte bei uns natürlich die 1978/1979 entstandene japanische Zeichentrickserie sein, die ab September 1980 im ZDF ausgestrahlt wurde und sehr beliebt war; – was dann auch zur Veröffentlichung der Romane bei Bastei Lübbe führte.
Und seit einigen Jahren gibt der Golkonda-Verlag die „Captain Future“-Geschichten in originalgetreuen Ausgaben mit den Zeichnungen und ergänzenden Materialien aus dem „Captain Future Magazin“ heraus.
Jetzt ist der dritte „Captain Future“-Roman „Die Herausforderung“ erschienen. In ihm zerstören mehrere schwarze Raumkreuzer fast gleichzeitig die Gravium-Minen auf dem Merkur, dem Mars und dem Saturn. Gravium ist für die interplanetare Raumfahrt überlebenswichtig, weil mit Gravium die Schwerkraftregler hergestellt werden. Mit ihnen bewegt man sich auf jedem Planeten mit dem von seinem Heimatplaneten vertrautem Körpergewicht und ohne Schwerkraftregler würde man auf fremden Planeten krank.
Gleichzeitig wird Curtis Newton, auch bekannt als Captain Future, aus seiner Mondbasis entführt. Er ist die einzige Person, die den Plan der Angreifer vereiteln kann.
Dennoch gelingt Newton die Flucht aus dem Raumschiff seiner Entführer und er beginnt mit seinen treuen Gefährten, den Futuremen, die unbekannten Bösewichter und ihren Hintermann zu verfolgen.
Dabei führt die Spur ihn zum Neptun, wo die letzten verbliebenen Gravium-Minen sind.
Edmond Hamilton ist einer der Begründer der Space Opera, diesen Science-Fiction-Abenteuergeschichten, in denen Raumfahrer exotische Welten in der ganzen Galaxis besuchen und oft haarsträubende Abenteuer erleben.
Die Charaktere sind ziemlich eindimensional und klischeefest: der tapfere Captain Future, der keine Gefahr fürchtet und der ein Wissenschaftsgenie in allen Disziplinen ist. Seine ebenso tapferen Gefährten, die Futuremen, die mit wenigen Worten zum Leben erweckt werden: der Androide Otho und der Roboter Grag, die sich immer zanken. Und natürlich das Gehirn Simon Wright, das nur ein Gehirn in einem durchsichtigen, es am Leben erhaltenden Kasten ist.
Aber die 1940 geschriebene Geschichte bewegt sich mit Sieben-Planeten-Stiefeln vorwärts, ist voller Überraschungen und Ideen über Welten, Wesen und technische Erfindungen, die heute teilweise Alltag sind. Einiges ist aus heutiger Sicht auch herrlich falsch, weil bestimmte Probleme, mit denen Captain Future und seine Männer kämpfen, längst gelöst sind oder kein Problem sind.
Die Sprache steht der Handlung nie im Weg und die Geschichte ist ein wirklich kurzweiliger Spaß mit echten Pageturner-Qualitäten.
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Edmond Hamilton: Captain Future – Die Herausforderung
(übersetzt von Frauke Lengermann)
Golkonda, 2014
220 Seiten
14,90 Euro
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Originalausgabe
Captain Future’s Challenge
Captain Future Magazine, Sommer 1940
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Hinweise

Tangent: Interview mit Edmond Hamilton und seiner Frau Leigh Brackett (vom April 1976)

PulpGen über Edmond Hamilton
Fiction Fantasy über Edmond Hamilton
Deutsche “Captain Future”-Fanseite
Wikipedia über Edmond Hamilton (deutsch, englisch) und Captain Future (deutsch, englisch)


„Mord in Metropolis“, während Fritz Lang einen Film dreht

April 9, 2014

 

Baur - Mord in Metropolis - 2

Ein Roman, der sich mit den Dreharbeiten von Fritz Langs Science-Fiction-Klassiker „Metropolis“ beschäftigt. Das interessiert mich als Filmfan natürlich. Und dass es sich um einen Kriminalroman handelt, macht die Sache noch besser. Weitere positive, damit zusammenhängende Punkte sind: der Roman spielt in Berlin und Babelsberg, wo der Film gedreht wurde, in den turbulenten zwanziger Jahren.

Und dennoch hat mir Robert Baurs „Mord in Metropolis“ nicht so gut gefallen, wie ich es erwartete.

Also, die Story: Von seinem früheren Vorgesetzten, Kriminalrat Ernst Gennat, wird Robert Grenfeld, ein Ex-Kommissar, nicht korrupt, aber mit guten Beziehungen zum Milieu, verheiratet mit einer Bankierstochter und Alkoholiker, gebeten, sich beim Dreh von „Metropolis“ umzusehen. Denn Hauptdarstellerin Brigitte Helm hat ein Drohgedicht erhalten. Grenfeld hört sich um und als er die Sache zu den Akten legen will, wird eine junge Schauspielerin, die eine Doppelgängerin der Hauptdarstellerin sein könnte, ermordet.

Im folgenden Entwirft Baur ein breites Panorama der zwanziger Jahre, in der fast alles dabei ist, das wir noch irgendwie von der Zeit wissen: das Berliner Nachtleben, die Ringvereine (die deutsche Version der Mafia), die Armut, das freie Leben in italienischen Landkommunen, die Dreharbeiten für „Metropolis“, der finanzielle Überlebenskampf der Filmproduktionsfirma UFA, und natürlich die Nazi-Umtriebe.

Der eigentliche Mordfall, der sich zu einer veritablen Serie entwickelt, tritt hinter diesem Panorama zurück. Die Lösung folgt dann dem beliebigen Der-Gärtner-ist-der-Mörder-Muster, bei dem die Bösewichter dann auch gleich noch dem Kommissar ihre ganzen Pläne enthüllen.

Im Gegensatz zu den ebenfalls in den Zwanzigern spielenden Paul-Kajetan-Romanen von Robert Hültner oder den etwas später spielenden Klara-Schindler-Romanen von Robert Brack fühlt sich das Zwanziger-Jahre-Berlin von Robert Baur immer wie eine schön ausgestattete Kulisse an. Alles, was damals wichtig war, wird erwähnt, aber wenn die Charaktere dann reden, klingt es wie in einem x-beliebigen TV-Krimi, wenn die Ermittler über ihre Arbeit, ihr Leben und die steigende Kriminalität räsonieren.

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Robert Baur: Mord in Metropolis

Gmeiner, 2014

384 Seiten

11,99 Euro

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Hinweise

Gmeiner-Verlag über Robert Baur

Homepage von Robert Baur

 

 


Harlan Coben verspricht „Ich finde dich“

März 26, 2014

Harlan Cobens neuer Thriller „Ich finde dich“ beginnt mit einer typischen Harlan-Coben-Situation: der Ich-Erzähler Jake Fisher ist ein beliebter College-Lehrer und immer noch Single. Vor sechs Jahren heiratete seine große Liebe Natalie den etwas älteren Todd Sanderson und Jake versprach ihr, sie in Ruhe zu lassen.
Als er auf der Universitätsseite die Todesanzeige von Todd entdeckt, bricht er sein Versprechen. Er fährt zur Beerdigung – und entdeckt sie nicht. Todds Frau ist eine ganz andere und niemand kennt Natalie. Denn der Tote war schon seit Ewigkeiten glücklich verheiratet und hat fast erwachsene Kinder.
Jake fragt sich, was da los ist und beginnt sie zu suchen. Aber Natalie ist nach der Hochzeit spurlos verschwunden. Schon bei einer ersten Recherche im Internet findet er keine neuen Informationen über die Künstlerin. Auch Shanta Newlin, eine Arbeitskollegin, die vorher für das FBI und die CIA gearbeitet hat, findet keine Informationen über Natalie.
In der Kirche gibt es noch nicht einmal einen Hinweis auf die Hochzeit und das Künstlerrefugium, in dem sie sich kennen lernten, existiert nicht mehr. Die Einheimischen behaupten sogar, es habe nie eines gegeben.
Langjährige Harlan-Coben-Fans werden, wie ich, einige Teile der Lösung schnell erahnen. Denn natürlich ist Jake nicht verrückt. Es gibt einen guten Grund, weshalb Natalie nach der Hochzeit spurlos verschwand und sie heute von halbseidenen, bewaffneten Typen gejagt wird, die auch Jake zu Hause besuchen. Außerdem raten alle Jake, nicht weiter nach Natalie zu suchen. Dabei wissen einige mehr über Natalies verschwinden, als sie ihm sagen. Und sie schickt ihm sogar eine E-Mail, in der sie ihn an sein Versprechen erinnert.
„Ich finde dich“ ist ein spannender Thriller, der alles das bietet, was man von einem Harlan-Coben-Pageturner erwartet: flotte Unterhaltung und dieses unangenehme Gefühl, nicht aufhören zu können, obwohl man eigentlich gerade keine Zeit hat, noch ein Kapitel zu lesen. Schlaflose Nächte und, wenn man das Buch mit zur Arbeit nimmt, lange Toilettensitzungen sind die Folge.
Coben - Ich finde dich - 2
Harlan Coben: Ich finde dich
(übersetzt von Gunnar Kwisinski)
Page & Turner, 2014
416 Seiten
14,99 Euro
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Originalausgabe
Six Years
Dutton, 2013
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Hinweise

Homepage von Harlan Coben

Mein Gespräch mit Harlan Coben über Myron Bolitar und seine Arbeit

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein böser Traum“ (Just one look, 2004)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein Friede den Toten“ (The Innocent, 2005)

Meine Besprechung von Harlan Coben „Der Insider“ (Fade away, 1996)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Das Grab im Wald“ (The Woods, 2007)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Sie sehen dich“ (Hold tight, 2008)

Meine Kurzbesprechung der Harlan-Coben-Verfilmung „Kein Sterbenswort“ (F 2006)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Von meinem Blut“ (Long Lost, 2009)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „In seinen Händen“ (Caught, 2010)

Meine Besprechung von Harlan Cobens “Sein letzter Wille” (Live Wire, 2011)

Meine Besprechung von Harlan Cobens “Nur zu deinem Schutz” (Shelter, 2011)

Harlan Coben in der Kriminalakte


Nathan Larson erzählt von „2/14“

März 20, 2014

Larson - 2-14

Wenn die äußeren Umstände nicht so mies wären, würde ich, wie jede Leseratte, sofort mit Dewey Decimal tauschen. Denn der Mann lebt in einer Bibliothek. Genaugenommen der New York Public Library und er kann dort ohne störenden Publikumsverkehr in aller Seelenruhe die Bücher lesen und sortieren. Das kann er, weil vor einigen Jahren im Umfeld von 2/14, dem Valentinstag, mehrere Dinge geschahen, die in Nathan Larsons Debütroman nur nebenbei angesprochen werden. Jedenfalls gab es Anschläge, drei Börsencrashs folgten und jetzt leben in New York nur noch 800.000 Menschen. Die restliche Welt scheint ähnlich menschenleer zu sein. In diesem dystopischen New York mit einer leidlich funktionierenden Verwaltung und einer funktionierenden U-Bahn übernimmt Dewey Decimal, der sich nicht an seine Vergangenheit erinnert, immer wieder Aufträge für Daniel Rosenblatt, den nicht gewählten District Attorney von New York.

Jetzt möchte Rosenblatt, dass der ukrainischen Mafiosi Yakiv Shapsko verschwindet und Dewey soll das erledigen.

Weil Shapsko sich nicht versteckt, findet Dewey ihn schnell. Aber Shasko weigert sich, ihn zu begleiten. Also versucht er über Shapskos Frau Iveta Druck auf den Gangster auszuüben. Doch der Plan geht schief. Sie schießt Dewey mit einem präzisen Schuss ins Bein und verschwindet. Rosenblatt lässt Dewey verarzten. Er will sogar, dass Dewey nach dieser sehr teuren Schlappe den Auftrag weiter verfolgt. Allerdings darf er sich nicht mehr Iveta nähern.

Nun, Dewey hält sich nicht an den Befehl. Er will, wie es sich für einen gestandenen Hardboiled-Detektiv der alten Schule gehört, die Wahrheit herausfinden.

2/14“, der erste von drei geplanten Dewey-Decimal-Romanen, ist ein gelungener Mix aus Dystopie und Dashiell Hammetts „Der Malteser-Falke“, erzählt von einem unzuverlässigem Erzähler. Denn der dunkelhäutige Dewey ist ein Mann ohne Erinnerung. Er kennt seinen echten Namen nicht. Er kommt, wie seine ihm implantierten Erinnerungen, die allerdings auch seine echten sein könnten, ihm verraten, aus der Bronx. Er war Soldat oder hat eine ähnliche Ausbildung. Er hat gute Verbindungen, aber er weiß nicht warum, und er hat einige irritierende Angewohnheiten und Abneigungen. So braucht er regelmäßig seine Tabletten, die er von Rosenblatt erhält. Er reagiert phobisch auf Schmutz, desinfiziert sich ständig die Hände, trägt am liebsten Einmal-Handschuhe, achtet penibel auf seine saubere Kleidung und bewegt sich nach einem bestimmten System durch die Stadt.

Ungefähr nachdem Dewey zum dritten Mal seinen Anzug wegen eines Schmutzflecks tauschen muss, fragt man sich, ob diese Spleens nicht nur Spleens, sondern Zeichen einer viel tiefer liegenden geistigen Desorientierung sind. Kurz: Ist der Terminator Dewey vielleicht wahnsinnig?

In „2/14“ gibt es noch keine endgültige Antwort.

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Nathan Larson: 2/14 – Ein Dewey-Decimal-Roman

(übersetzt von Andrea Stumpf)

Diaphanes, 2014 (Penser Pulp)

256 Seiten

17,95 Euro

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Originalausgabe

The Dewey Decimal System

Akashic Books, 2011

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Hinweise

Homepage von Nathan Larson

Wikipedia über Nathan Larson (deutsch, englisch)

The Nervous Breakdown hat 21 Fragen an Nathan Larson, die er auch alle beantwortete (10. Juli 2012)


DVD-Kritik: Die „Drecksau“ schlägt jetzt auch im Wohnzimmer zu

März 12, 2014

 

Als die schwarzhumorige Irvine-Welsh-Verfilmung „Drecksau“, mit James McAvoy (Wanted, Trance – Gefährliche Erinnerung, X-Men: Erste Entscheidung) war ich ziemlich begeistert über diesen vollkommen durchgeknallten Polizisten mit der verschobenen Selbstwahrnehmung.

Damals schrieb ich:

Nein, zum Vorbild taugt Detective Sergeant Bruce Robertson (James McAvoy) nicht. Er ist auch kein Aushängeschild für die Polizei von Glasgow. Er ist ein egozentrisches, überhebliches, frauenverachtendes, reaktionäres Arschloch, das zwischen Drogenkonsum, Onanieren, Schulhofintrigen und Sex mit allen Frauen, die seinem Charme erliegen oder, weil sie Minderjährig sind, von ihm dazu erpresst werden, noch schnell einige obszöne Anrufe tätigt und, immerhin ist der Film, wie Irvine Welshs Roman, aus Robertsons Perspektive erzählt, alle anderen für Idioten, Trottel oder Spastis hält. Deshalb steht nur ihm die Beförderung zum Detective Inspector zu. Und den Mordfall an dem Japaner wird er auch mit links lösen. Es gibt ja genug Typen, die einen Knastaufenthalt verdient haben.

So malt sich Bruce Robertson seine Welt aus. Dummerweise sehen die anderen ihn nicht als glorreichen Helden, sondern als Drogenwrack, das in psychiatrischer Behandlung ist; wobei einige dieser Sitzungen bei Dr. Rossi auch in seinem Kopf stattfinden könnten. Aber diese Irritationen, wozu auch die pulpigen Auftritte seiner Frau gehören, schleichen sich langsam in die Geschichte ein und lassen – im Film früher und subtiler als im Roman – immer mehr an der Zuverlässigkeit des Erzählers zweifeln.

Jon S. Bairds rabenschwarze, satirisch überspitze, surreale Komödie ist, knapp gesagt, „Trainspotting“ im Polizeimilieu und Bairds Film muss den Vergleich mit Danny Boyles Klassiker nicht scheuen. Außerdem ist die Vorlage für beide Filme von Irvine Welsh. Mit „Drecksau“ schrieb er einen Polizeiroman, der an die düsteren britischen Polizeikrimis von G. F. Newman anknüpft, der in seinen Inspector-Sneed-Romanen (auch bekannt als Bastard-Romane) die Welt der Polizei als korrupten Augiastall porträtiert. Und natürlich ist Robertson das britische Gegenstück zu dem namenlosen Polizisten (Harvey Keitel) in Abel Ferraras „Bad Lieutenant“ (1992), dessen Drogenkonsum auch beachtlich war.

Die Änderungen zum mit vierhundertfünfzig Seiten zu langen Roman sind eher miminal. Statt in Edinburgh spielt die Geschichte in Glasgow, aus dem ermordeten Afrikaner wurde ein ermordeter Japaner, aus der Sauftour nach Amsterdam wurde ein Hamburg-Besuch, aus dem Bandwurm, der im Roman das Geschehen kommentiert, wird im Film ein sich sehr seltsam benehmender Psychiater, es wurde einiges weggelassen, bei den Frauen gibt es einige Änderungen, die aber den Film nicht weniger schwarzhumorig-zynisch machen als die Vorlage und sie sogar verbessern. Denn Jon S. Baird bleibt dem Geist der Vorlage treu und porträtiert einen wirklich abstoßenden Polizisten, der dank der beachtlichen Leistung von James McAvoy, sogar einige fast schon sympathische Seiten hat.

Inzwischen erhielt McAvoy den British Independent Film Awards als bester Schauspieler und auch beim zweiten Ansehen macht die Komödie Spaß. Eigentlich sogar noch mehr als beim ersten Sehen.

Das Bonusmaterial

Das Bonusmaterial ist überschaubar und mit ungefähr vierzig Minuten auch nicht besonders umfangreich ausgefallen. Die meiste Zeit nehmen dabei gut 15 Minuten Interviewschnipsel mit James McAvoy und etwas über elf Minuten mit Jon S. Baird ein. Der Regisseur und Drehbuchautor verrät einige Hintergründe über seine Entdeckung des Romans, wie er sich die Rechte sicherte und das Drehbuch schrieb. Gute sechs Minuten gehen dann noch für die B-Roll drauf.

In der UK-Fassung gibt es außerdem einen Audiokommentar von Jon S. Baird, ein über zwanzigminütiges Interview mit Irvine Welsh, mehrere geschnittene und erweiterte Szenen.

Drecksau - DVD-Cover

Drecksau (Filth, Großbritannien 2013)

Regie: Jon S. Baird

Drehbuch: Jon S. Baird

LV: Irvine Welsh: Filth, 1998 (Drecksau)

mit James McAvoy, Jamie Bell, Imogen Poots, Eddie Marsan, Jim Broadbend, Gary Lewis, Shirley Henderson

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DVD

Ascot Elite

Bild: 2.40:1/16:9 (PAL)

Ton: Deutsch (DTS, Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Interviews mit James McAvoy, Jamie Bell, Imogen Poots, Jon S. Baird, Featurette, B-Roll, Trailer (englisch, deutsch

Länge: 94 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Die Vorlage

Welsh - Drecksau

Irvine Welsh: Drecksau

(übersetzt von Clara Drechsler und Harald Hellmann)

KiWi, 2011

464 Seiten

9,99 Euro

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Deutsche Erstausgabe

Kiepenheuer und Witsch, 1999

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Originalausgabe

Filth

Jonathan Cape, 1998

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Drecksau“

Moviepilot über „Drecksau“

Metacritic über „Drecksau“

Rotten Tomatoes über „Drecksau“

Wikipedia über „Drecksau“ 

Homepage von Irvine Welsh

Perlentaucher über „Drecksau“

Meine Besprechung von Jon S. Bairds „Drecksau“ (Filth, Großbritannien 2013 – mit weiteren Videoclips)


„Eiskalt“, „Die Tote in Paradise“ und Jesse Stone ermittelt

März 11, 2014

Parker - Die Tote in Paradise - 2Parker - Eiskalt - 2

Mit Jesse Stone, dem Polizeichef von Paradise, einem Kaff in Massachussetts in Sichtweite von Boston, erfand Spenser-Erfinder Robert B. Parker einen zweiten, bei seinen Lesern äußerst beliebten Serienhelden, der sich in einigen wichtigen Punkten von seinem in jeder Beziehung vorbildlichem Privatdetektiv Spenser unterscheidet.

Jesse Stone war in Los Angeles Mordermittler mit einem massiven Alkoholproblem, das ihn dort untragbar machte. In Paradise fand er einen neuen Job, den er vor allem bekam, weil er ein Trinker ohne Perspektive war. Die Stadtväter dachten, sie hätten einen Polizisten, der sie bei ihren Geschäften nicht stört. Sie irrten sich und in dem ersten Jesse-Stone-Roman „Das dunkle Paradies“ räumt er, in guter alter Wildwest-Tradition als neuer Sheriff in dem Ort ordentlich auf.

Danach schrieb Parker acht weitere Jesse-Stone-Romane, Michael Brandman, der in etliche Parker-Verfilmungen involviert war, schrieb nach Parkers Tod bislang drei Jesse-Stone-Romane. Für literarischen Nachschub ist also gesorgt. Und dann gibt es noch acht sehr gelungene Jesse-Stone-TV-Spielfilme mit Tom Selleck in der Hauptrolle, die immer wieder im TV laufen.

Jetzt veröffentlichte der Pendragon Verlag mit „Die Tote in Paradise“ (leider ist der doppeldeutige Originaltitel „Death in Paradise“ unübersetzbar) und „Eiskalt“ den dritte und vierte Jesse-Stone-Roman auf Deutsch.

In „Die Tote in Paradise“ wird im Wasser eine stark verweste Frauenleiche entdeckt. Es dauert eine Zeit bis Jesse Stone ihren Namen ermittelt. Billie Bishop wurde von ihren Eltern verstoßen, war eine Prostituierte und hatte über ihren Zuhälter Verbindungen zu dem Mafiosi Gino Fish, der auch in Robert B. Parkers Spenser-Romanen auftaucht.

Die Tote in Paradise“ ist ein traditioneller Rätselkrimi mit einem sich im letzten Drittel deutlich abzeichnendem Täter und bekannten Parker-Themen. Immerhin geht es hier, mal wieder, um die Erziehung von Kindern, um Macht und Kontrolle in Beziehungen.

Eiskalt“ ist dagegen vom Aufbau her ein Thriller, bei dem die Täter von Anfang an bekannt sind. Nämlich das Ehepaar Tony und Brianna Lincoln, das munter die Bevölkerung von Paradise dezimiert und kaum Spuren hinterlässt. Denn natürlich findet Jesse Stone mit guter, ehrlicher Polizeiarbeit Hinweise auf die Täter, aber gerichtsfeste Beweise hat er nicht. Da bemerkt er, dass sie ihn umbringen wollen.

Das klingt jetzt nach einem ordentlichen Thriller, aber „Eiskalt“ plätschert erstaunlich spannungsfrei vor sich hin, während Stone noch seine alltägliche Polizeiarbeit erledigt (unter anderem hilft er einer vergewaltigten Schülerin) und eine Affäre mit der ebenfalls aus den Spenser-Romanen bekannten Anwältin Rita Fiore beginnt.

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Robert B. Parker: Die Tote in Paradise

(übersetzt von Bernd Gockel)

Pendragon 2014

312 Seiten

10,99 Euro

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Originalausgabe

Death in Paradise

G. P. Putnam’s Son, 2001

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Verfilmung

Jesse Stone: Totgeschwiegen (Jesse Stone: Death in Paradise, USA/Kanada 2006)

Regie: Robert Harmon

Drehbuch: J.T. Allen, Tom Selleck, Michael Brandman

mit Tom Selleck, Matt Barr, Edward Edwards, Viola Davis, John Diehl, William Devane

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Robert B. Parker Eiskalt

(übersetzt von Bernd Gockel)

Pendragon 2014

352 Seiten

10,99 Euro

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Originalausgabe

Stone Cold

G. P. Putnam’s Son, 2003

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Verfilmung

Jesse Stone: Eiskalt (Jesse Stone: Stone Cold, USA 2005)

Regie: Robert Harmon

Drehbuch: John Fasano, Michael Brandman

Mit Tom Selleck, Jane Adams, Reg Rogers, Mimi Rogers

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Hinweise

Homepage von Robert B. Parker

Mein Porträt der Spenser-Serie und von Robert B. Parker

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Die blonde Witwe“ (Widow’s walk, 2002)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Alte Wunden” (Back Story, 2003)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der stille Schüler“ (School Days, 2005)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der gute Terrorist“ (Now & Then, 2007)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Hundert Dollar Baby” (Hundred Dollar Baby, 2006)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Trügerisches Bild“ (Painted Ladies, 2010)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Bitteres Ende” (The Professional, 2009)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Wildnis“ (Wilderness, 1979)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Appaloosa“ (2005)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Appaloosa“ (Appaloosa, 2005) (Übersetzung)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Das dunkle Paradies” (Night Passage, 1997)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Miese Geschäfte“ (Bad Business, 2004)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Resolution“ (Resolution, 2008)

Mein Nachruf auf Robert B. Parker

Robert B. Parker in der Kriminalakte


Ein „Deadly Storm – Tödlicher Sturm“ wird kommen

März 5, 2014
Richard Castle stellt seinen neuen Thriller vor. (Foto: Cross Cult)

Richard Castle stellt seinen neuen Thriller vor. (Foto: Cross Cult)

Ich kenne den Roman nicht, aber wenn Richard Castle, wie er in der Einführung der Comic-Adaption von „Deadly Storm – Tödlicher Sturm“ schreibt, begeistert ist, dann muss ich das glauben. Immerhin ist er für seine gnadenlose Ehrlichkeit und sein scharfes Urteil bekannt.

Wir begegnen Derrick Storm (der Richard Castle verdächtig ähnlich sieht) in einem Trailerpark im Gebüsch. Er fotografiert den untreuen Ehemann Jefferson Grout, der gerade mit einer Frau im Bett liegt. Nicht gerade ein grandioser Auftrag, aber der beste, den Privatdetektiv Derrick Storm seit einem Jahr hat. Er wird entdeckt; kann im Getümmel entkommen. Grout ebenso. Und als Derrick am nächsten Tag sein Büro (etwas zu pompös für meinen Geschmack) betritt, wurde es durchsucht und zwei muskelbepackte Anzugträger stehen vor seiner Tür, die Clara Strike begleiten. Strike (yep, Derrick verliebt sich in die taffe Schönheit) ist CIA-Agentin und Grout heißt, so sagt sie, eigentlich Daniel Sanchez. Er ist ein abtrümmiger CIA-Agent, der in den USA untergetaucht ist und sein Wissen verkaufen will. Weil die CIA in den USA keine Befugnisse hat, beauftragt Strike Derrick den wieder spurlos verschwundenen Grout zu suchen.

Nur: Hat sie ihm alles gesagt?

Deadly Storm – Tödlicher Sturm“ hat den typischen Richard-Castle-Tonfall: locker, humorvoll und mit einem amüsantem Spiel mit den bekannten Krimiklischees, die Castle in- und auswendig kennt und immer genug modifiziert, um sie als willkommene Reminiszenzen oder Witze in seine Geschichte einzuflechten. Dieses Mal bedienen er und die Autoren des Comics, Brian Michael Bendis und Kelly Sue Deconnick, sich vor allem beim Privatdetektiv- und Agentenkrimi.

Insgesamt unterhält das erste Derrick-Storm-Comicabenteuer kurzweilig, auch wenn das Ende etwas abrupt ist und Derrick auf all die schönen James-Bond-Agentenspielzeuge, die er gerne hätte, verzichten muss.

Castle - Deadly Storm - Comic 1

Brian Michael Bendis (Autor)/Kelly Sue Deconnick (Autor)/Lan Medina (Zeichner): Richard Castles Deadly Storm – Tödlicher Sturm: Ein Fall für Derrick Storm

(übersetzt von Anika Klüver)

Cross Cult, 2013

112 Seiten

19,80 Euro

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Originalausgabe

Castle: Richard Castle’s Deadly Storm

Marvel, 2011

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Hinweise

Homepage von Richard Castle

Wikipedia über Richad Castle

ABC-Seite über „Castle“

Kabel-1-Seite über “Castle”

Wikipedia über „Castle“ (deutsch, englisch)

The Futon Critic interviewt Andrew W. Marlowe (21. November 2009)

„Castle“-Fanseite

Richard Castle in der Kriminalakte (eins, zwei, drei , vier und beim Paley Fest)

Meine Besprechung von Richard Castles „Heat Wave – Hitzewelle“ (Heat Wave, 2009)

Meine Besprechung von Richard Castles „Storm Front – Sturmfront“ (Storm Front, 2013)

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Dieses schöne Plakat will ich euch nicht vorenthalten

Castle - The Final Frontier - 100


Jason Starr erzählt „Wolverine: Der Beschützer“

Februar 26, 2014

Starr - Wolverine MAX Der Beschützer

Seit einigen Jahren schreibt Noir-Autor Jason Starr, dessen Romane bei Diogenes erscheinen und dessen umwerfend komische Zusammenarbeit mit Ken Bruen bei Rotbuch erschien, auch Comics. Unter anderem eine inzwischen auf fünfzehn Hefte angewachsene „Wolverine MAX“-Serie.

Mit „Der Beschützer“ liegt jetzt der zweite Sammelband dieser „Wolverine MAX“-Serie vor, der die weitgehend voneinander unabhängigen Geschichten „Der Beschützer“ und „Die lange Straße“ enthält.

In „Der Beschützer“ ist Logan, nachdem er in Japan alles verlor, in Los Angeles angekommen. Sein Gedächtnis hat er zwar immer noch nicht gefunden, aber dafür einen Hund, den er „Hund“ nennt. Gegenüber einer Strandschönheit erklärt er den Namen seines vierbeinigen Begleiters lakonisch mit: „Ich mag’s gern einfach.“

Einfach, aber etwas seltsam, ist dann auch ihr Auftrag. Er soll sie durch die Stadt fahren. Sie nennt sich Candance ‘Candy’ Cassidy, was eine Lüge ist, und sie hat Ärger mit einem Pornofilmproduzenten. Logan fährt seine Krallen aus und mischt sich als Wolverine höchst blutig ein.

In „Die lange Straße“ ist er dann, nachdem er in seinem Schrottauto einen Zettel fand, der ihm in Las Vegas eine Antwort auf seine Fragen versprach, auf den Weg in die Glücksspielstadt. Auf dem Weg trifft er einen Mann, der ihn von früher kennt.

In dem bekannten „Wolverine“-Serienkorsett ist kein Platz für den typischen Jason-Starr-Protagonisten. Immerhin ist Wolverine ein ständig stinkiger, unsterblicher Mann mit einem überaus gutem Sensorium für Gefahren. Der normale Jason-Starr-Protagonist ist ein an seinen Ambitionen scheiternder Mann, der sich oft mit schlecht bezahlten Jobs, die unter seinem intellektuellem Niveau liegen, durchschlägt. Das ist dann doch zu Noir für eine „Wolverine“-Geschichte. Und das furiose, schwarzhumorige Rondell des Scheiterns, das Starr, zusammen mit Ken Bruen, in den drei Max-und-Angela-Geschichten abbrannte, passt auch nicht in den „Wolverine“-Kosmos.

Dennoch sind diese beiden „Wolverine“-Geschichten ziemlich düster geraten. Immerhin stolpert hier ein Mann ohne Gedächtnis durch eine Welt, die er nicht wirklich begreift. Einmal als Bodyguard, der getötet werden soll. Einmal als Reisender, der Menschen begegnet, die etwas von ihm wollen. Und anscheinend wissen alle mehr über ihn, als er über sich selbst. Auch das ist ziemlich noir – und nicht ohne eine gehörige Portion absurden Humor.

Dennoch ist „Der Beschützer“ eher etwas für die „Wolverine“- als für die Jason-Starr-Fans.

Oh, und wie ein Blick auf seine Homepage verrät: einige Verfilmungen sind auf einem sehr guten Weg. Ich bin gespannt.

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Jason Starr (Autor)/Felix Ruiz (Zeichner)/Roland Boschi (Zeichner): Wolverine MAX: Der Beschützer (Maximum 56)

(übersetzt von Michael Strittmatter)

Panini, 2014

116 Seiten

14,99 Euro

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Originalausgabe

Wolverine MAX – Volume 2

Marvel, 2013

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enthält

The Protector (Wolverine MAX 6 – 8)

Long Road (Wolverine MAX 9 – 10)

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Hinweise

Homepage von Jason Starr (sogar mit einigen Worten an seine deutschen Leser)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Flop“ (Bust, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Crack“ (Slide, 2007)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Attica“ (The MAX, 2008)

Meine Besprechung von Jason Starrs “Brooklyn Brothers” (Lights Out, 2006)

Meine Besprechung von Jason Starrs „Stalking“ (The Follower, 2007)

Meine Besprechung von Jason Starrs „Panik“ (Panic Attack, 2009)

Jason Starr in der Kriminalakte


Wieder erhältlich: James Sallis: Nachtfalter

Februar 24, 2014

 

Sallis - Nachtfalter - DuMont 2014 - 2

Erst seit der grandiosen Verfilmung von „Driver“ (Drive, 2005) ist James Sallis auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Unter Krimifans hatte er davor schon einen guten Namen, allerdings auch einen überschaubaren Fankreis. Denn James Sallis schreibt kein Bestsellerfutter und auch keine gewöhnlichen Kriminalromane, in denen tapfere Ermittler böse Mörder jagen. Er benutzt das Genre um, wie in eine dehnbare Vase, seine Inhalte einzufüllen. Er will die Genreregeln dehnen, ohne sie zu brechen.

Dieses literarische Programm verfolgt er schon seit seinem ersten Roman „Stiller Zorn“/“Die langbeinige Fliege“ (The long legged fly, 1992), der auch der Auftakt seiner sechsbändigen, in New Orleans spielenden Lew-Griffin-Serie ist. Sein zweiter Griffin-Roman „Nachtfalter“, der jetzt wieder veröffentlicht wurde, war für den Shamus als bester Privatdetektivroman nominiert. Lawrence Block gewann ihn mit seinem Matthew-Scudder-Roman „Der Teufel weiß alles“ (The Devil knows you’re Dead; – Ahem, noch ein Lesebefehl!).

In „Nachtfalter“ sucht der Ex-Privatdetektiv und Schriftsteller Lew Griffin nach dem Tod seiner Freundin LaVerne deren spurlos verschwundene Tochter Alouette in den Straßen von New Orleans – und, wie immer bei Sallis, steht bei ihm nicht der Fall im Mittelpunkt. Aber während das bei anderen Autoren ein Knock-Out-Kriterium ist, ist es bei Sallis der Grund, den Roman zu lesen.

Wer also einen Roman lesen will, der wirklich das Etikett „Literarischer Kriminalroman“ verdient hat, sollte unbedingt zugreifen.

Und vielleicht werden jetzt auch die weiteren Griffin-Romane übersetzt.

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James Sallis: Nachtfalter

(übersetzt von Georg Schmidt)

DuMont, 2014

256 Seiten

8,99 Euro

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Deutsche Erstausgabe 2000 als Band 20 der „DuMont Noir“-Reihe.

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Originalausgabe

Moth

Carrol & Graf, New York, 1993

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Hinweise

Homepage von James Sallis

Eindrücke vom Berlin-Besuch von James Sallis

Meine ‘Besprechung’ von James Sallis’ „Deine Augen hat der Tod“ (Death will have your eyes, 1997)

Meine Besprechung von James Sallis’ „Driver“ (Drive, 2005)

Meine Besprechung von James Sallis’ „Dunkle Schuld“ (Cypress Groove, 2003)

Meine Besprechung von James Sallis’ „Dunkle Vergangenheit“ (Cripple Creek, 2006)

Meine Besprechung von James Sallis’ “Dunkles Verhängnis” (Salt River, 2007)

Meine Besprechung von James Sallis’ “Der Killer stirbt” (The Killer is dying, 2011)

Meine Besprechung von James Sallis’ „Driver 2“ (Driven, 2012)

Meine Besprechung der James-Sallis-Verfilmung “Drive” (Drive, USA 2011)

Meine Besprechung von James Sallis’ „Stiller Zorn“ (The long legged fly, 1992)

James Sallis in der Kriminalakte (natürlich mit vielen weiterführenden Links und Videos)

Thrilling Detective über Lew Griffin


Der Edgar-Gewinner „In der Nacht“ von Dennis Lehane

Februar 22, 2014

Ein neuer Roman von Dennis Lehane ist immer gut für einige spannende Lesestunden. Das gilt auch für „In der Nacht“, seinen in den Zwanzigern und Dreißigern spielenden Gangsterroman, der – verdient – 2013 den Edgar als bester Kriminalroman des Jahres erhielt.

So – das war der Teil für alle, die wirklich jeden SPOILER vermeiden wollen, aber wissen wollen, ob es ein gutes Buch ist.

Ja, es ist ein gutes Buch.

Und ab jetzt werde ich, weil ich nicht vollkommen gekünstelt herumschwurbeln will (was dann auch wieder Spoiler durch die Hintertür wären), einiges von der Geschichte und Teile des Endes spoilern. Aber das Wissen um das Ende hat uns echten Gangsterkrimifans noch nie vom Genuss des Werkes – ich sage nur „Scarface“ – abgehalten.

Als Dennis Lehane 1994 mit seinem ersten Kenzie/Gennaro-Privatdetektivroman „Streng vertraulich“ (A Drink before the War) die Szene betrat, wurde er gleich zum Liebling der Krimifans. In Deutschland dauerte es fünf Jahre, bis seine Romane übersetzt wurden und man nahm dann keine Rücksicht auf die Reihenfolge, in der die durchaus miteinander zusammenhängenden Romane in den USA veröffentlicht wurden.

Nach fünf Kenzie/Gennaro-Geschichten konzentrierte Lehane sich ab 2001, bis auf „Moonlight Mile“ (Moonlight Mile, 2010), auf Einzelwerke, in denen er verschiedene Subgenres ausprobierte. Sehr erfolgreich. Am Bekanntesten sind, auch wegen der erfolgreichen Verfilmungen „Mystic River“ und „Shutter Island“ (wobei mir hier das Buch viel besser gefällt). Außerdem wurde der Kenzie/Gennaro-Roman „Gone, Baby, Gone“ verfilmt. Ebenfalls eine äußerst gelungene Verfilmung.

Wenn sein neuester Roman „In der Nacht“ verfilmt wird, dann wohl nur als Film mit Überlänge oder, was besser wäre, als Mini-TV-Serie. Denn Lehane erzählt auf gut sechshundert kurzweiligen Seiten die Geschichte von Joe Coughlin von 1926 bis 1935. Er gehört zur Familie Coughlin, die wir aus „Im Aufruhr jener Tage“ (The given Day, 2008) kennen. Der Roman spielte unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg in Boston und Joes älterer Bruder Danny stand im Mittelpunkt. Inzwischen ist Danny nicht mehr Polizist und hat Boston verlassen.

1926 ist der neunzehnjährige Joe Coughlin Laufbursche und kleiner Gangster in Boston. Nach einem Überfall beginnt er eine Beziehung mit Emma Gould, der Freundin des Gangsterbosses Albert White. Als ein Banküberfall grandios schiefgeht, wird er zu einer zweijährigen Zuchthausstrafe verurteilt. Im Nachgang des Überfalls starb auch Emma bei einem Autounfall.

Im Gefängnis nimmt ihn der mit White verfeindete Gangsterboss Maso Pescatore unter seine Fittiche. Er schickt Coughlin, nachdem er aus dem Gefängnis entlassen wird, nach Ybor, Florida. Dort steigt Coughlin zum lokalen Gangsterboss auf, indem er den Schmuggel von Alkohol professionalisiert, enge Kontakte zu den dortigen ethnischen Minderheiten hat, sich in die Kubanerin Graciella verliebt, immer wieder, auch skrupellos, aber meistens langfristig planend, seine Interessen durchsetzt, und mit ihr in Kuba ein neues Heim aufbaut.

Lehane folgt dabei, mit eher kleinen, aber interessanten Variationen und etlichen breit geschilderten Episoden, wie den Überfall auf das Waffenlager eines Kriegsschiffes und natürlich etlichen Konflikten mit anderen Gangstern, dem Ku-Klux-Klan und der lokalen Oberschicht, den vertrauten Pfaden des klassischen Gangsterromans vom Aufstieg und Niedergang eines Gangster.

Die wichtigste Variation ist der Protagonist. Joe Coughlin ist ein aus einem guten Haus kommender, gebildeter junger Mann. Sein Vater ist der Stellvertretende Polizeichef von Boston. Damit ist er das Gegenteil des klassischen Gangsters, der ein großmäuliger Aufsteiger aus kleinen Verhältnissen ist, ein oft nicht besonders gebildeter Einwanderer ist, der letztendlich an sich selbst scheitert. Al Capone war das Vorbild für diesen Typ. Little Caesar und Scarface die literarischen und filmischen Verarbeitungen dieses Typs. Der Ire Coughlin schlägt da mehr nach den jüdischen Gangstern, wie Meyer Lansky, die das Gangstertum als eine Phase betrachteten, um an Geld zu kommen. Ihre popkulturelle Faszination und Strahlkraft ist deutlich geringer.

Die zweite Variation ist, dass in „In der Nacht“ die Phase des Niedergangs fehlt. Joe Coughlin kann sein Imperium konsolidieren. Er liegt am Ende nicht im Schmutz. Bei ihm blinkt kein „The World is yours“ im Hintergrund.

Und dennoch, wenn man sich Coughlin und seine Beziehungen zu seinen Frauen ansieht, ist das Ende düsterer als das der klassischen Gangsterkrimis.

Lehane - In der Nacht - 2

Dennis Lehane: In der Nacht

(übersetzt von Sky Nonhoff)

Diogenes, 2013

592 Seiten

22,90 Euro

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Originalausgabe

Live by Night

William Morrow, New York, 2012

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Dennis Lehane besucht Deutschland

Mittwoch, 19. März, Köln Lit.Cologne

Donnerstag 20. März, Zürich, Kaufleuten

Freitag, 21. März, Berlin, Max und Moritz

Samstag, 22. März, München, Literaturhaus

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Hinweise

Perlentaucher über Dennis Lehanes “In der Nacht”

Homepage von Dennis Lehane

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Coronado“ (Coronado, 2006)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Moonlight Mile“ (Moonlight Mile, 2010)

Meine Besprechung der Dennis-Lehane-Verfilmung „Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel“ (Gone Baby Gone, USA 2007)

Meine Besprechung von Christian De Metters Comicversion von Dennis Lehanes “Shutter Island” (Shutter Island, 2008 [Comic])

Dennis Lehane in der Kriminalakte


Alter Scheiß? George V. Higgins: Die Freunde von Eddie Coyle

Februar 19, 2014

Higgins - Die Freunde von Eddie Coyle - 2

Es gibt einige legendäre Buchanfänge.

Jackie Brown at twenty-six, with no expression on his face, said that he could get some guns. ‘I can get your pieces probably, six pieces. Tomorrow night. In a week or so, maybe ten days, another dozen. I got a guy coming in with at least ten of them but I already talk to another guy about four of them and he’s, you know, expecting them. He’s got something to do. So, six tomorrow night. Another dozen in a week.’“ gehört dazu. Es ist der Anfang von von „The Friends of Eddie Coyle“ von George V. Higgins, einem Klassiker des Gangsterkriminalromans, der nach seinem Erscheinen 1971 in den USA für frischen Wind im Genre sorgte. Übersetzt ins Deutsche erschien der Roman erstmals zwei Jahre später als „Hübscher Abend bis jetzt“. Jetzt, in der neuen und angenehm flüssig zu lesenden Übersetzung von Dirk van Gunsteren liest sich der Anfang von „Die Freunde von Eddie Coyle“ so:

Jackie Brown war sechsundzwanzig und verzog keine Miene, als er sagte, er könne ein paar Waffen besorgen. ‘Wahrscheinlich kann ich die Dinger morgen Abend liefern. Wahrscheinlich sechs. Morgen Abend. In einer Woche oder zehn Tagen noch mal ein Dutzend. Mein Lieferant bringt mindestens zehn Stück mit, aber vier davon hab ich schon einem anderen Kunden versprochen, und der verlässt sich darauf. Hat was zu erledigen. Also sechs morgen Abend und noch mal ein Dutzend in einer Woche.’“

Gegenüber von Jackie Brown sitzt Eddie Coyle, ein 44-jähriger, verheirateter Gewohnheitsverbrecher mit drei Kindern, der einerseits sein nächstes Ding plant, andererseits eine Verurteilung befürchtet. Denn er wurde mit einem Laster geklauter Ware erwischt und erwartet dafür, angesichts seiner bisherigen Verurteilungen, einen weiteren Gefängnisaufenthalt, den er gerne vermeiden möchte – und da bietet ihm Jackie Brown gerade einen Weg an. Wenn er Detective Dave Foley, für den er ab und an als Spitzel arbeitet, verrät, für wen die anderen Waffen, die Jackie Brown verkaufen will, sind, könnte der ein gutes Wort für ihn einlegen. Soweit der Plan.

Legendär ist der Anfang von „Die Freunde von Eddie Coyle“ nicht, weil George V. Higgins in seinem Romandebüt im ersten Absatz in die Welt und die den Roman bestimmenden Konflikte einführt, sondern weil seine Dialoge – und der Roman besteht fast nur aus Dialogen – wie Abhörprotokolle klangen. Entsprechend schwer ist es, die alltäglichen Gespräche der Gangster und wenigen Polizisten zu übersetzen. Es soll natürlich klingen, Slang soll vorkommen, aber so, dass er nicht zwei Jahre später nur noch gekünstelt und veraltet wirken. Eben das, was heute die Übersetzungen und Synchronisationen von älteren Gangsterfilmen oft so unerträglich macht. Harte Gangster, die „Zuckerpüppchen“ und „flotte Biene“ sagen, sind einfach lächerlich. Diese Fehler vermeidet Dirk van Gunsteren, der bereits „Ich töte lieber sanft“ von Higgins übersetzte.

Higgins, der Staatsanwalt und Anwalt war, porträtierte in „Die Freunde von Eddie Coyle“ die Gangsterwelt als ein redseliges Volk, das sich hemmungslos verrät und die Polizei muss einfach nur abwarten. Denn einer redet immer. Manchmal auch zwei oder drei. Dabei versuchen sie sich, wenn sie in Gesprächen vor mehr oder weniger stark vor sich hin monologisieren, sich vor allem vor sich selbst zu rechtfertigen und so auch die Welt zu erklären. Denn: wie rechtfertigt man einen Verrat?

Gleichzeitig zeichnet Higgins in „Die Freunde von Eddie Coyle“ ein düsteres Bild der USA während des Vietnam-Krieges und vor dem Watergate-Skandal. Bei ihm gibt es keine Ehre unter Verbrechern. Alle sind korrupt. Alle sind nur auf ihren Vorteil bedacht und auch die Polizei hat überhaupt kein ernsthaftes Interesse an der Bekämpfung des Verbrechens. Anstatt selbst zu ermitteln, warten sie ab, wie ihnen Verbrecher und Revolutionäre – wir reden von 1971 – ins Netz gehen.

Diese nihilistische Welt von Eddie Coyle, die erschreckend banalen Intrigen und die Dialoge sind auch heute noch überzeugend. Das von George V. Higgins benutzte Stilmittel, die Geschichte vor allem in realistisch klingenden Dialogen zu erzählen, hat sich in den vergangenen Jahren wegen der vielen Nachahmer abgenutzt.

Aber ein guter Gangsterkrimi ist der Roman immer noch und natürlich muss jeder, der sich auch nur halbwegs ernsthaft mit der Geschichte des Kriminalromans auseinandersetzt, das Buch gelesen haben.

Oder könnt Ihr euch einen Jazzfan vorstellen, der „A love Supreme“ von John Coltrane nicht kennt?

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George V. Higgins: Die Freunde von Eddie Coyle

(übersetzt von Dirk van Gunsteren)

Kunstmann, 2014

192 Seiten

14,95 Euro

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Originalausgabe

The Friends of Eddie Coyle

Alfred A. Knopf, 1971

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Verfilmung

(ein toller Film, der endlich mal wieder im TV laufen oder auf DVD veröffentlicht werden sollte)

Die Freunde von Eddie Coyle (The Friends of Eddie Coyle, USA 1973)

Regie: Peter Yates

Drehbuch: Paul Monash

mit Robert Mitchum, Peter Boyle, Richard Jordan, Steven Keats, Alex Rocco, Joe Santos, Mitch Ryan

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Hinweise

Fantastic Fiction über George V. Higgins

Krimi-Couch über George V. Higgins

Wikipedia über George V. Higgins (deutsch, englisch)

New York Times über George V. Higgins

Mulholland Books: Brian Greene über George V. Higgins

Elmore Leonard über George V. Higgins

Weekly Lizard: Justin Peacock über George V. Higgins und das Must-Read-Book “The Friends of Eddie Coyle”

National Post: Robert Fulford über George V. Higgins

Meine Besprechung von Andrew Dominiks „Killing them softly“ (Killing the softly, USA 2012)

Meine Besprechung von George V. Higgins’ „Ich töte lieber sanft“ (Cogan’s Trade, Killing them softly, 1974)


Robert B. Parker bietet ein „Miese Geschäfte“ und „Resolution“ an

Februar 17, 2014

Parker - Resolution - 2Parker - Miese Geschäfte - 2

Wie üblich beginnt auch „Miese Geschäfte“, der für uns neue Spenser-Roman (in den USA erschien er bereits 2004), ohne eine Vorrede. Marlene Rowley beauftragt Spenser, Beweise für die Untreue ihres Mannes zu finden. Der Privatdetektiv nimmt den Fall an – und kurz darauf ist das Ziel seiner Beobachtungen tot. Trent Rowley wurde, nach dem Feierabend, in seinem Büro erschossen. Der Täter konnte entkommen. Spenser, der während der Tatzeit vor dem Firmensitz des Energiekonzerns Kinergy auf Rowley wartete, will jetzt natürlich den Täter finden.

Außerdem möchte er herausfinden, warum Rowleys Arbeitskollege Bernie Eisen einen Privatdetektiv für die Beobachtung seiner Frau Ellen engagierte. Sie ist die Geliebte von Rowley. Gleichzeitig engagierte Rowley einen Detektiv, der seine Frau Marlene beschatten soll. Wirklich neugierig wird Spenser, als er herausfindet, dass die beiden Männer die Aufträge niemals vergaben. Und was hat ein windiger Sex-Berater und Radiomoderator, bei dem alle in den Fall involvierten Personen mehr oder weniger in Therapie waren, damit zu tun?

Es gibt viele Fragen in „Miese Geschäfte“ und Robert B. Parker entwickelt ziemlich wenig Ehrgeiz, daraus eine stringente Geschichte zu stricken. Er lässt Spenser, seine Freundin Susan Silverman und seinen Freund Hawk durch einen labyrinthischen bis chaotischen Plot, bei dem es um Partnertausch und Finanzmanipulationen geht, schlendern.

Bei mir stellte sich jedenfalls nie das bekannt-wohlige Robert-B.-Parker-Lesegefühl ein. Das kann auch an der Übersetzung liegen. Denn „Miese Geschäfte“ wurde nicht von seinem Stammübersetzer Emanuel Bergmann, sondern von Marcel Keller übersetzt und bei dem von Bergmann übersetzten Western „Resolution“ stellt sich das wohlige Parker-Lesegefühl schon auf der ersten Seite ein.

In „Resolution“ nimmt Everett Hitch in dem Kaff Resolution (zwei Holzhütten, vier Saloons, kein Sheriff) einen Job als Aufpasser in dem Lokal von Amos Wolfson an. Schnell wird er zu dem inoffiziellen Stadtsheriff und er gerät zwischen die Fronten. Denn Wolfson bekämpft sich mit O’Malley, dem Besitzer einer Mine, und den lose organisierten Viehzüchtern. Der Konflikt verschärft sich, als er das Land der Rancher als Bezahlung für ausstehende Schulden will. Dabei gewährte er ihnen den Kredit mit der Absicht an ihr Land zu kommen. Sie wollen sich gegen diese Enteignung wehren.

Und O’Malley engagiert einige Revolvermänner, die es mit Hitch aufnehmen können.

Da ist es gut, dass Virgil Cole inzwischen ebenfalls in Resolution aufgetaucht ist. Allerdings ist er, nachdem er einen Liebhaber seiner Freundin erschoss, von Selbstzweifel geplagt. Bislang tötete er nämlich immer im Auftrag des Gesetzes und deshalb unterschied er sich – so seine lauwarme Rechtfertigung – von gewöhnlichen Revolvermännern.

Trotz Coles Selbstzweifel mutiert er in „Resolution“ zur Western-Ausgabe von Hawk. Genau wie Spensers unbesiegbarer Freund ist er der schnellste Schütze in der Gegend und er hält loyal zu seinem Freund. Deshalb nimmt er auch den ihm angebotenen Job nicht an. Und wenn Cole Hawk ist, ist Hitch Spenser.

Der Roman selbst, der öfters die Ereignisse in „Appaloosa“, dem ersten Abenteuer von Everett Hitch und Virgil Cole, anspricht, ist wieder ein kurzweiliges Western-Best-of, erzählt in Robert B. Parkers angenehm ruhigen Stil, gewürzt mit Humor, moralischen Erörterungen und einigen Einzeilern.

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Robert B. Parker: Miese Geschäfte

(übersetzt von Marcel Keller)

Pendragon, Bielefeld 2013

240 Seiten

10,99 Euro

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Originalausgabe

Bad Business

G. P. Putnam’s Sons, 2004

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Robert B. Parker: Resolution

(übersetzt von Emanuel Bergmann)

Europa Verlag, Zürich 2013

224 Seiten

20 Euro

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Originalausgabe

Resolution

G. P. Putnam’s Sons, 2008

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Hinweise

Homepage von Robert B. Parker

Mein Porträt der Spenser-Serie und von Robert B. Parker

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Die blonde Witwe“ (Widow’s walk, 2002)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Alte Wunden” (Back Story, 2003)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der stille Schüler“ (School Days, 2005)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der gute Terrorist“ (Now & Then, 2007)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Hundert Dollar Baby” (Hundred Dollar Baby, 2006)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Trügerisches Bild“ (Painted Ladies, 2010)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Bitteres Ende” (The Professional, 2009)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Wildnis“ (Wilderness, 1979)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Appaloosa“ (2005)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Appaloosa“ (Appaloosa, 2005) (Übersetzung)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Das dunkle Paradies” (Night Passage, 1997)

Mein Nachruf auf Robert B. Parker

Robert B. Parker in der Kriminalakte


Don Winslow übt im Blockbuster-Modus „Vergeltung“

Februar 12, 2014

 

Dass ein Autor ab und an etwas Neues ausprobiert, ist okay. Auch wenn er dabei scheitert. Dabei ist „Vergeltung“, der neue Roman von Don Winslow, nicht vollkommen gescheitert. Er ist nur ein von der ersten bis zur letzten Seite vorhersehbarer Söldner-Thriller, der dem Genre absolut keine neue Facetten abgewinnt. Er liest sich wie die Vorlage für einen weiteren Film im „The Expendables“-Fahrwasser und weil – so mein Gedächtnis; einen Beleg habe ich jetzt nicht gefunden – Don Winslow in den vergangenen Jahren, vor allem im Zusammenhang mit der enttäuschenden „Savages“-Verfilmung, viel Kontakt mit Hollywood hatte, liest sich „Vergeltung“ wie eine Geschichte, die Winslow für ein Studio entwickelte und jetzt, vor der Verfilmung, zu ein Buch umarbeitete. Denn hier sitzen, im Gegensatz zu den anderen Romanen von Don Winslow, die Plot-Points vorbildlich nach der eingeübten und bei Filmen sinnvollen Drei-Akt-Struktur von dem Ende des ersten Akts (auf Seite 103 mit „David Collins zieht wieder in den Krieg.“) bis zum auf Seite 402 beginnendem Finale („Tag der Abrechnung.“), das mit gut neunzig Seiten auch ungefähr die entsprechende Filmlänge hat.

Davor erleben wir, wie Dave Collins, Ex-Delta-Force-Soldat und jetzt Sicherheitschef am John-F.-Kennedy-Airport, kurz vor Weihnachten bei einem Anschlag auf ein Flugzeug seine Frau und seinen Sohn verliert. Die Regierung sagt, dass es sich nicht um einen Anschlag, sondern um einen Unfall handelte.

Als Collins die Beweise für den Anschlag auf einem Silbertablett präsentiert bekommt, entschließt er sich, die Mörder seiner Familie zu finden und zu töten. Er engagiert eine Gruppe Söldner und auf geht die Hatz nach dem bösen Terroristen Abdullah Aziz um die halbe Welt, garniert mit zwei großen Action-Set-Pieces (das erste in der Mitte des Buches), in denen Collins und seine Jungs zeigen können, was sie drauf haben.

Spannungssteigernd plant Aziz einen noch viel größeren Anschlag.

Vergeltung“ ist ein 08/15-Söldner-Actioner mit entsprechend eindimensionalen Charakteren in einer entsprechend vorhersehbaren Geschichte, bei der es vor allem auf den großen Wumms ankommt. Diffizile Charakterzeichnungen gehören nicht dazu. Der Bösewicht Aziz ist einfach nur ein durchgeknallter Islamist; was natürlich zur Botschaft des Werkes passt. Die Söldner sind noch echte Kerle, die Schweiß für ein Deo halten. Beamte warmduschende Weicheier und Frauen Nebensache.

Der Roman lässt sich, vor allem wenn man auf diese Sorte von Geschichten steht und den ideologischen Ballast ignoriert, durchaus flott weglesen, aber das typische Don-Winslow-Lesegefühl stellt sich nie ein.

P. S.: Das Cover vermittelt, wenn wir die Werbezeile „Einer der besten Krimiautoren der Welt mit seinem bislang härtesten Thriller“ weglassen, einen präzisen Eindruck vom Inhalt.

Winslow - Vergeltung

Don Winslow: Vergeltung

(übersetzt von Conny Lösch)

Suhrkamp, 2014

496 Seiten

14,99 Euro

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Originalausgabe

Vengeance

2013

(noch nicht erschienen)

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Hinweise

Hollywood & Fine: Interview mit Don Winslow (11. Juli 2012)

Homepage von Don Winslow

Deutsche Homepage von Don Winslow

Meine Besprechung von Don Winslows „Pacific Private“ (The Dawn Patrol, 2008)

Meine Besprechung von Don Winslows „Pacific Paradises“ (The Gentlemen’s Hour, 2009) und „Tage der Toten“ (The Power of the Dog, 2005)

Meine Besprechung von Don Winslows „Bobby Z“ (The Death and Life of Bobby Z, 1997)

Meine Besprechung von Don Winslows „Satori“ (Satori, 2011)

Mein Interview mit Don Winslow zu “Satori” (Satori, 2011)

Meine Besprechung von Don Winslows “Savages – Zeit des Zorns” (Savages, 2010)

Meine Besprechung von Don Winslows “Kings of Cool” (The Kings of Cool, 2012)

Meine Besprechung von Oliver Stones Don-Winslow-Verfilmung „Savages“ (Savages, USA 2012)

Don Winslow in der Kriminalakte


Martin Cruz Smith, Arkadi Renko und „Tatjana“

Februar 12, 2014

Dass eine Leiche verschwindet, ist in Moskau nichts Ungewöhnliches. Dass es sich dieses Mal um die Leiche der Enthüllungsjournalistin Tatjana Petrowna handelt, die aus dem sechsten Stock stürzte, ist auch nicht besonders ungewöhnlich. So etwas passiert halt schon einmal in einer chaotischen Millionenstadt in den zahlreichen Leichenschauhäusern. Außerdem ist der Fall sowieso schon abgeschlossen. Es war Suizid. Und sowieso wollte niemand die Leiche für eine Beerdigung haben.

Aber Arkadi Renko, der unbestechliche Polizist, der seinen ersten Auftritt 1981 in „Gorki Park“ hatte und seitdem immer wieder in Konflikt mit seinen Vorgesetzten und den Machthabern geriet, ist neugierig. Auch weil in der gleichen Woche ein milliardenschwerer Verbrecher erschossen wurde. Er schnüffeln etwas herum, entdeckt mehrere Spuren nach Kaliningrad, dem Heimathafen der Baltischen Flotte, und Verbindungen zwischen der Journalistin und dem Verbrecher.

Mit „Tatjana“, dem achten Arkadi-Renko-Roman, setzt Martin Cruz Smith seine Chronologie des Wandels in der Sowjetunion fort, die sich wie ein Blick in die aktuellen Schlagzeilen liest: ein dysfunktionaler Staat, der von Oligarchen und zu Demokraten gewandelten Apparatschiks beherrscht wird, bittere Armut von vielen und obszöner Reichtum von wenigen Menschen, mit dem Leben bedrohte Journalisten, schmutzige Geschäfte zwischen Staat, Verbrechern und Militärs und eine Missachtung von Menschenleben.

Hinter diesem eindrücklichem Porträt einer korrupten Gesellschaft, in der das Recht des Stärkeren und die Macht der Korrupten herrscht, verschwindet die Krimihandlung. Denn wer auch nur einige Polit-Thriller gelesen hat, wird in „Tatjana“ das Komplott ziemlich schnell durchschauen. Aber auch in den vorherigen Renko-Romanen war die Krimihandlung nicht gerade der wirklich starke Teil der Geschichte, die man nicht mit der russischen Wirklichkeit verwechseln sollte. Auch wenn es schwer fällt. Denn „Tatjana“ ist kein Tatsachenbericht, aber so nah an der Wirklichkeit, dass man das gerne vergisst.

Ein lesenswerter Thriller, in dem wir auch Renkos aus den vorherigen Romanen bekannten Freunden wieder begegnen, ist es sowieso.

Smith - Tatjana - 2

Martin Cruz Smith: Tatjana

(übersetzt von Susanne Aeckerle)

C. Bertelsmann, 2013

320 Seiten

14,99 Euro

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Originalausgabe

Tatjana

Simon and Schuster, New York, 2013

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Hinweise

Homepage von Martin Cruz Smith

Meine Besprechung von Martin Cruz Smiths „Stalins Geist“ (Stalin’s Ghost, 2007)

Meine Besprechung von Martin Cruz Smiths „Die goldene Meile“ (Three Stations, 2010)

Meine Besprechung von Martin Cruz Smiths „Gorki Park“ (Gorky Park, 1981)

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Und hier ein schöner Ausschnitt aus einem aktuellen Gespräch zwischen Martin Cruz Smith und Michael Connelly

Das ganze Gespräch

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Das erinnert mich daran, dass der neue Connelly, wieder mit Harry Bosch, bei mir rumliegt und er auch – ungelesen – ein absoluter Lesetipp ist

Connelly - Der Widersacher - 2

Michael Connelly: Der Widersacher

(übersetzt von Sepp Leeb)

Knaur, 2014

464 Seiten

9,99 Euro

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Originalausgabe

The Drop

Little, Brown and Company, 2011


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