Das „Lexikon des Internationalen Film – Filmjahr 2013“ ist erschienen

Juni 16, 2014

Lexikon des internationalen Films 2013 - 4

Ich könnte jetzt sagen: k. w. T., aber das wäre arg unhöflich und es gibt schon einiges zu sagen. Immerhin ist das „Lexikon des Internationalen Films“ das letzte jährlich erscheinende Filmlexikon, das jeden Film aufnimmt, der im letzten Jahr in Deutschland im Kino, im Fernsehen oder auf DVD und Blu-ray erstmals gezeigt wurde; was bei einigen Filmen wirklich eine beachtliche Leistung ist, weil die Werke wirklich nicht gut sind und dabei meine ich nicht „Movie 43“.
Diese Kurzkritiken von über zweitausend Spiel- und Dokumentarfilmen, mit Stabangaben und, bei DVD/Blu-ray-Veröffentlichungen, dem Bonusmaterial und verschiedenen Schnittfassungen (vor allem bei Action- und Horrorfilmen), sind das Herzstück des von der Zeitschrift „Filmdienst“ und der Katholischen Filmkommission für Deutschland herausgegebenen Buches.
Außerdem werden die Gewinner wichtiger Filmfestivals und Filmpreise genannt. Es gibt einen kritisch-informativen Rückblick auf das vergangene Kinojahr. Inzwischen mit einer kleinen Liste der besucherstärksten Kinofilme und Arthouse-Filme, die ja ein kleineres Publikum als „Fuck Ju Göhte!“ und „Der Hobbit: Smaugs Einöde“ ansprechen. So erfahren wir, dass 125.000 Menschen „Blau ist eine warme Farbe“ und „The Broken Circle“ und 120.000 Menschen das epische, gut vierstündige Werk „Die andere Heimat“ ansahen, was ich wegen der Länge, der Erzählweise und dem Stil für eine überragende Besucherzahl halte. Im Brevier sind dieses Mal Beiträge gesammelt, die in den vergangenen zwanzig Jahren im „Filmdienst“ erschienen und sich mit verschiedenen Aspekten des derzeit sehr erfolgreichen Animationsfilms beschäftigen.
Außerdem gibt es ausführliche Besprechungen zu den Kinofilmen, die die Redaktion für die besten des vergangenen Jahres hält. Es sind „Zero Dark Thirty“, „Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht“, „Blue Jasmine“, „Die wilde Zeit“, „Only Lovers left alive“, „To the Wonder“ (der mir absolut nicht gefiel), „Django Unchained“, „Blau ist eine warme Farbe“, „Frances Ha“, Mutter & Sohn“ und, als Spezialpreis, Ulrich Seidls Paradies-Trilogie.
Wie immer: das „Lexikon des Internationalen Films“ ist ein empfehlenswerter Schmöker, der in seiner Kompaktheit und Treffsicherheit bei den Bewertungen, auch wenn die Macher bei den TV-Spielfilmen oft etwas gnädig sind, einzigartig ist. Außerdem entdeckt man immer noch einige Filme, die man sich demnächst unbedingt ansehen will.
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Horst Peter Koll/Filmdienst (Hrsg.): Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2013
Schüren, 2014
576 Seiten
24,90 Euro
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Hinweise

Homepage des Film-Dienstes

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2008“

Meine Besprechung von „Lexikon des internationalen Films – Filmjahr 2009“

Meine Besprechung von “Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2010″

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2011“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2012“


Hurerei in der Heinrich-Böll-Stiftung

Juni 12, 2014

Biermann - Wir sind Frauen wie andere auch

Habe ich jetzt Ihre geschätzte und überaus wohlwollende Aufmerksamkeit für eine sehr vielversprechend klingende Podiumsdiskussion?
Am Dienstag, den 24. Juni, diskutieren
Pieke Biermann, Autorin, frühe Aktivistin der Hurenbewegung,
Volker Beck, Mitglied des Bundestages, Bündnis 90/Die Grünen,
Dr. Mithu Sanyal, Kulturwissenschaftlerin, Journalistin, Autorin,
Fabienne Freymadl, Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen,
Prof. Dr. Christian Pfeiffer, Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachen,
Dr. Margarete Gräfin von Galen, Fachanwältin für Strafrecht, und
Ulrike Baureithel, Wochenzeitung „Der Freitag“ (Moderation)
ab 19.00 Uhr in der Heinrich-Böll-Stiftung (Schumannstraße 8, 10117 Berlin) über die Forderungen von konservativer und auch feministischer Seite, das unter Rot-Grün verabschiedete Prostitutionsgesetz wieder rückgängig zu machen.
Diese aktuelle Debatte war auch der Grund für den Argument Verlag ein über dreißig altes Buch wieder zu veröffentlichte. Für „’Wir sind Frauen wie andere auch!’ – Prostituierte und ihre Kämpfe“ unterhielt Pieke Biermann (die auch mitdiskutiert) sich in den späten Siebzigern mit mehreren Prostituierten. Damals wurden Prostituierte auf die Rolle der hilfsbedürftigen, dummen, ausgebeuteten Frau reduziert, die von der Frauenbewegung aus ihrem Elend erlöst werden muss. Das auch heute noch lesenswerte Buch porträtiert dabei ganz normale Frauen.
Und weil heute wieder gegen Prostituierte, jetzt in der Gestalt von ausgebeuteten osteuropäischen Zwangsprostituierten, die mit falschen Versprechungen in den Westen gelockt wurden und in Puffs zum Sex gezwungen werden, Stimmung gemacht wird, ist „Wir sind Frauen wie andere auch!“ kaum veraltet. Jedenfalls will ich nicht glauben, dass alle Osteuropäerinnen zur Prostitution gezwungen werden und dass es überall Zwangsprostituierte gibt. Die Zahlen, zum Beispiel die Strafverfahren gegen Menschenhändler, sprechen nämlich eine andere Sprache.
Ergänzt wird das 1980 erstmals erschienene Buch um zwei aktuelle Vorworte und einem über achtzigseitigem Anhang, in dem die damalige Diskussion über das Buch und mehrere, später entstandene Reden und Essays von Pieke Biermann zum Thema dokumentiert.
Ein lesenwertes Buch!
Ach ja: es gibt auch einen Livestream für die Stubenhocker und Nicht-Berliner*innen.
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Pieke Biermann: „Wir sind Frauen wie andere auch!“ – Prostituierte und ihre Kämpfe
Argument, 2014
336 Seiten
13 Euro
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Die Erstausgabe erschien 1980.


Sascha Mamczak macht sich Gedanken über „Die Zukunft“

Juni 11, 2014

Mamczak - Die Zukunft - 2

Wer in Büchern das Kleingedruckte liest und wer Vorworte liest, dem sagt Sascha Mamczak etwas. Er ist nämlich seit über zehn Jahren der Herausgeber der Heyne-Science-Fiction-Reihe, die es jetzt schon über ein halbes Jahrhundert gibt; was deutlich länger ist, als die Krimireihen bei verschiedenen Verlagen. Dabei gelingt der Heyne-Science-Fiction-Reihe immer noch der Spagat zwischen Klassikern, literarischer Science-Fiction (also den Romanen, die auch die minimale Chance auf eine Besprechung im Feuilleton haben), Weltraumopern und aktuellen Trends (wie Zombies und Genre-Mischformen), zwischen bekannten Namen und Neuentdeckungen. Als Liebhaberprojekt erscheint dort seit fast dreißig Jahren das Jahrbuch „Das Science-Fiction-Jahr“. Die nächste Ausgabe ist für August angekündigt und wird, wie die vorherigen Bände, von Sascha Mamczak, Sebastian Pirling und Wolfgang Jeschke, dem legendären und langjährigen Herausgeber der Heyne-Science-Fiction-Reihe, herausgegeben.
Vor dem Jahrbuch machte Sascha Mamczak sich in dem schmalen Band „Die Zukunft – Eine Einführung“, der auch als Begleitband zu der Jubiläumsausgabe von fünf Neuauflagen von Science-Fiction-Klassikern, dient, Gedanken über die Zukunft. Also nicht seine persönliche Zukunft, sondern darüber was der Begriff „Zukunft“ im Gegensatz zu „Gegenwart“ und „Vergangenheit“ bedeutet. In dem Essay versucht er den Begriff zu klären und stellt dabei verschiedene wissenschaftliche und literarische Konzepte vor. Er leitet den Begriff historisch her, von Gesellschaften, die noch keine Vorstellung von Zukunft hatten, hin zu Gesellschaften, die die Zukunft gestalten wollen. Es gibt auch einen sehr kurzten Ritt durch die Geschichte der Science-Fiction-Literatur und einige Bemerkungen zur Zukunftsforschung.
Das ist vor allem in der ersten Hälfte, wenn Mamczak versucht, den Begriff zu klären, mühsam zu lesen. Denn wie soll man etwas erklären, das man nicht wirklich erklären kann? Dass in diesen Momenten der Gedanke und die Argumentation nicht besonders klar ist und dass Mamczak in schönster deutscher Tradition Bandwurmsätze schreibt (wie ich jetzt), hilft in diesen Kapiteln nicht. In der zweiten Hälfte, wenn er auch eine kleine Literaturgeschichte schreibt und chronologisch voranschreitet, wird es besser. Hier gibt es zahllose, den Fans bekannte Beispiele aus der Literatur und wie diese mit der Wirklichkeit zusammenhängen. Vor allem natürlich als Utopien, die mal eine „Brave New World“, mal „1984“ zeichneten, auch mal hoffnungsvoll utopisch waren und die alle irgendwie die Zukunft vorhersahen. Jedenfalls Teile davon. Trotzdem irrten Science-Fiction-Autoren und Zukunftsforscher sich auch oft. Wobei manche Irrtümer auch erfolgreiche Warnrufe gewesen sein können, wie der legendäre Bericht des Club of Rome zu den Grenzen des Wachstums.
Dank der Kürze ist „Die Zukunft – Eine Einführung“ eine schnelle und auch inspirierende Lektüre, die zum Nachdenken anregt. Es ist allerdings kein Begleitbuch zu den fünf „Bücher, die Zukunft machen“, die gleichzeitig als Jubiläumsausgaben erschienen. Mamczak erwähnt sie – außer William Gibsons „Neuromancer“ (enthalten in „Die Neuromancer-Trilogie“) – überhaupt nicht. Es ist ein Essay, das sich schreibend seinem Begriff nähert und versucht diesen schreibend zu erfassen. Das ist allerdings ein philosphischer Stil, der mir nicht sonderlich gefällt, weil er zum mäandern einladt.
Wie dieser Text.

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Sascha Mamczak: Die Zukunft – Eine Einführung
Heyne, 2014
112 Seiten
8,99 Euro
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Die „Bücher, die Zukunft machen“
Zum fünfzigjährigem Bestehen der Heyne-Science-Fiction-Reihe gibt es einige Science-Fiction-Klassiker mit einem neuen Umschlag. Science-Fiction-Fans dürften die Romane schon in mindestens einer Ausgabe in ihrem Regal stehen haben. Etliche erschienen auch 2000 zum vierzigjährigem Bestehen der Reihe, damals noch mit Vorworten von bekannten Science-Fiction-Autoren, wie Stephen Baxter, Jack Womack, Kim Stanley Robinson, Ben Bova, Davd Brin und Norman Spinrad.
In der Edition „50 Jahre Science Fiction bei Heyne“ (wie der Sticker verrät) sind jetzt erschienen:

Le Guin - Die linke Hand der Dunkelheit - 2014 - 2Haldeman - Der ewige Krieg - 2014 - 2
Ursula K. Le Guin: Die linke Hand der Dunkelheit
Joe Haldeman: Der ewige Krieg

Gibson - Die Neuromancer-Trilogie - 2014 - 2Banks - Bedenke Phlebas - 2014 - 2
William Gibson: Die Neuromancer-Trilogie
Iain Banks: Bedenke Phlebas

Glukhovsky - Metro 2033 - Metro 2034 - 2014 - 2
Dmitry Glukhovsky: Metro 2033/Metro 2034
Eine feine Auswahl und ein guter Einstieg in die Welt der Zukunftsliteratur.

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Hinweise

“Die Zukunft” bloggt bei Heyne

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) „Das Science Fiction Jahr 2008″

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) „Das Science Fiction Jahr 2009“

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) „Das Science Fiction Jahr 2010“

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Sebastian Pirling/Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) „Das Science-Fiction-Jahr 2011“

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Sebastian Pirling/Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) „Das Science-Fiction-Jahr 2012“

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Sebastian Pirling/Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) “Das Science-Fiction-Jahr 2013″


Neu im Kino/Film- und Buchkritik: Die Western-Komödie „A Million Ways to die in the West“

Mai 29, 2014

Schon die ersten Bilder erfreuen den gestandenen Western-Fan. Denn „A Million Ways to die in the West“ beginnt – auf einer groooßen Leinwand – wie ein richtig guter, alter Cinemascope-Western: das baumlosen Monument Valley erstreckt sich vom linken bis zum rechten Bildrand, die Buchstaben sind in dieser altertümlichen Western-Schrifttype und das riesige Orchester spielt eine dieser Western-Melodien, die wir aus den John-Ford-Western kennen. Da müsste gleich John Wayne oder James Stewart durch das Bild reiten.
Aber dann kommt es doch etwas weniger klassisch. Denn Seth MacFarlane („Family Guy“, „Ted“) erzählt eine Westerkomödie, in der ein netter, belesener, kluger Schafzüchter im Mittelpunkt steht. Dass der von ihm gespielte Albert Stark auch ein Feigling ist, wird bereits in den ersten Minuten deutlich, wenn er, anstatt sich mit dem besten Schützen der Gegend auf offener Straße zu duellieren, versucht, sich aus der Situation herauszureden und sich am Ende quasi freikauft, indem er Charlie Blanche Geld für den durch seine Schafe entstandenen Schaden anbietet. Das hätte John Wayne niemals gemacht. Destry oder Ransom Stoddard, der Mann, der Liberty Valance nicht erschoss (beide gespielt von James Stewart) dagegen schon. Aber das waren auch Männer des zwanzigsten Jahrhunderts.
Kurz darauf wird Albert von seiner Freundin Louise (Amanda Seyfried) verlassen. Sie will erst einmal mit sich selbst ins Reine kommen. Denn: „Heutzutage werden die Menschen fünfundreißig und älter, da kann man sich mit dem Heiraten doch Zeit lassen.“.
Zu Tode betrügt hängt Albert mit seinem Freund Edward Phelps (Giovanni Ribisi), der mit dem Freudenmädchen Ruth (Sarah Silverman) befreundet ist, ab, als er während einer der regelmäßigen Kneipenschlägereien Anna (Charlize Theron) kennen lernt. Sie ist neu in dem Nest Old Stump. Gemeinsam verbringen sie einige schöne Tage, in denen sie Albert auch das Schießen beibringt. Denn sie ist eine begnadete Schützin und Albert hat Louises neuen Freund, den extrem schnöseligen Foy (Neil Patrick Harris), Bartträger und Inhaber der Moustacherie, zu einem Duell herausgefordert.
Außerdem ist der im ganzen Westen gefürchtete Bandit Clinch Leatherwood (Liam Neeson) auf dem Weg nach Old Stump. Zu seiner Frau Anna.
„A Million Ways to die in the West“ ist, wie schon die ersten Bilder zeigen, eine Westernkomödie von einem Regisseur, der den Western liebt, verstanden hat und die komödiantischen Aspekte des Westerns und des Lebens im Wilden Westen betont. Ein großer Teil des Humors entsteht auch durch das vollkommen unangepasste Verhalten der Charaktere.
So ist Albert Stark eigentlich ein witziger, gebildeter junger Mann, der einer Schlägerei ausweicht, weil sie dummes Macho-Gehabe ist. Heute wäre er der allseits beliebte Protagonist in einem Film. Damals, im gesetzlosen Wilden Westen und im Western, war er ein überlebensunfähiger Feigling, der bestenfalls als Sidekick, als Comic Relief, vorkommt, um den Helden in einem noch besseren Licht erstrahlen zu lassen.
Sein bester Freund Edward ist in eine Prostituierte verliebt, die zwar ihren Beruf hingebungsvoll ausübt, aber mit Edward, schließlich ist sie gläubig, erst nach ihrer Hochzeit Sex haben will. Auch Edward trennt fein säuberlich zwischen ihrer unschuldig reinen Beziehung und ihrer Arbeit.
Etliche Dialoge und Beobachtungen spielen schön mit unserem heutigem Wissen und dem damaligen Wissen. So unterhalten sie sich entspannt über die Unmöglichkeit, auf einem Photo zu lächeln (wegen der damals unglaublich langen Belichtungszeit), die frühe Sterblichkeit und die Heilkunst, die im Wilden Westen auf einem wahrhaft archaischem Niveau war. Da half auch keine Heiltinktur aus Alkohol, Kokain, Morphium, Quecksilber mit Kalk und rotem Flanell.
Das macht Laune, auch wenn es nur wenige echte Lacher, die meist mit einem plötzlichen Todesfall zusammenhängen, gibt. Insgesamt regt „A Million Ways to die in the West“, weil immer ein witziger Tonfall herrscht und die Charaktere entspannt abhängen, eher zum Schmunzeln an.
Schade ist allerdings, dass der Humor zu oft in Richtung Zote geht. Zu oft drehen sich die Witze um Sex und Fäkalien.
Mit gut zwei Stunden ist „A Million Ways to die in the West“ für eine Komödie etwas lang geraten. Immer wieder plätschert der Film, der einen strafferen Schnitt vertragen hätte, einfach so vor sich hin. Die Szenen sind oft etwas zu lang geraten, so als hätten die Macher entweder zu viel improvisiert oder als ob sie wirklich jeden Witz, der ihnen einfiel, unbedingt unterbringen wollten. Egal, ob er irgendwie die Handlung voran bringt oder nicht.
Dennoch dürfen Western-Fans sich freuen. Insgesamt ist „A Million Ways to die in the West“ eine ordentliche Western-Komödie, die sich gelungen am klassischen Western orientiert, und dann läuft der Film auch noch im Kino.
Seth MacFarlane hat auch den Roman zum Film geschrieben, der sich im Großen und Ganzen nicht vom Film unterscheidet. Aber gerade in den Details – immerhin hat hier der Drehbuchautor, Regisseur und Hauptdarsteller den Roman geschrieben – unterscheidet sich der Roman beträchtlich vom Film. Szenen und Szenenteile fehlen, der Humor ist weniger fäkal-pubertär und das erste Duell ist im Roman anders als im Film.
Beim Lesen fällt auch auf, dass die Landschaftsbilder, das Deadpan-Acting und die Musik fehlen. Insofern ist der Roman eine nette und schnelle Lektüre, die aber nicht den Film ersetzen sollte.

A Million Ways to die in the West - Plakat

A Million Ways to die in the West (A Million Ways to die in the West, USA 2014)
Regie: Seth MacFarlane
Drehbuch: Seth MacFarlane, Alec Sulkin, Wellesley Wild
mit Seth MacFarlane, Charlize Theron, Amanda Seyfried, Liam Neeson, Giovanni Ribisi, Neil Patrick Harris, Sarah Silverman, Christopher Hagen, Wes Studi, Matt Clark, Rex Linn, Christopher Lloyd, Ewan McGregor
Länge: 116 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Der Roman zum Film

MacFarlane - A Million Ways to die in the West

Seth MacFarlane: A Million Ways to die in the West
(übersetzt von Edith Beleites)
Eichborn, 2014
208 Seiten
12,99 Euro
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Originalausgabe
A Million Ways to die in the West
MRC II Distribution Company, 2014
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Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „A Million Ways to die in the West“
Moviepilot über „A Million Ways to die in the West“
Metacritic über „A Million Ways to die in the West“
Rotten Tomatoes über „A Million Ways to die in the West“
Wikipedia über „A Million Ways to die in the West“ (deutsch, englisch)


Glenn Greenwald schreibt über „Die globale Überwachung“ und Edward Snowden

Mai 28, 2014

 

Gerne würde ich Glenn Greenwalds „Die globale Überwachung – Der Fall Snowden, die amerikanischen Geheimdienste und die Folgen“ bedenkenlos jedem empfehlen. Denn selbstverständlich ist ein Buch über die globale Überwachung der US-amerikanischen NSA (National Security Agency), dem britischen GCHQ (Government Communications Headquarters) und der anderen, mit der NSA zusammenarbeiten Geheimdienste und den damit verbundenen Gefahren für unsere Gesellschaft, die freie und liberale Demokratie, wichtig und per se lesenswert. Vor allem wenn es von dem Mann geschrieben ist, der den Skandal vor einem Jahr mit seinen Reportagen im „Guardian“ öffentlich machte.

Und ich könnte auch über das bekannte Problem bei Sachbüchern, die sich mit tagesaktuellen Themen beschäftigen, nämlich dass man das meiste schon aus der Zeitung kennt, hinwegsehen. Immerhin liest nicht jeder ständig Zeitung und nicht jeder interessiert sich so brennend für das Thema des Buches, dass er wirklich jeden Artikel dazu liest.

Aber wirklich empfehlen kann ich „Die globale Überwachung“ nicht. Es zerfällt im Wesentlichen in vier große Abschnitte. Im ersten Abschnitt, den Kapiteln „Kontaktaufnahme“ und „Zehn Tage in Hongkong“ (Seite 17 bis 135), erzählt Greenwald, wie Edward Snowden mit ihm Kontakt aufnahm, wie er auf Empfehlung seiner Freundin Laura Poitras (die als Dokumentarfilmerin ebenfalls über Verletzungen der Bürgerrechte im „Kampf gegen den Terror“ arbeitet) ein Verschlüsselungsprogramm installierte, sie ein Treffen in Hongkong vereinbarten, sich wie Geheimagenten trafen, sich mit Snowden über seine Dokumente unterhielten und den „Guardian“ von einer Publikation der Unterlagen überzeugten. Das liest sich teilweise wie ein Agententhriller.

Im zweiten Abschnitt „Alles sammeln!“ (Seite 137 bis 242) erklärt Greenwald anhand zahlreicher Dokumente wie die NSA-Überwachung funktioniert. Im Wesentlichen rekapituliert Greenwald hier seine bisherigen Veröffentlichungen. Auf hundert Seiten entsteht ein Panoptikum des Schreckens. Das ist der stärkste Teil des Buches.

Im dritten Abschnitt „Die Gefahren der Massenüberwachung“ (Seite 243 bis 296) erklärt er die Gefahren einer ständigen Überwachung auf das Zusammenleben der Menschen in einer Demokratie. Er nennt Beispiele aus der Geschichte der USA. Er zitiert, eher eklektisch, einige psychologische und soziologische Studien und bezieht sich auf das Modell des Panoptikums, das von Jeremy Bentham entworfene Gefängnis, in dem die Wärter jeden Sträfling jederzeit beobachten können, ohne dass dieser es bemerkt. Er wird sich daher immer beobachtet fühlen und sein Verhalten daran ausrichten. Michel Focault erklärte das Panoptikum zu einem der Grundmechanismen des modernen Staates.

Im vierten Abschnitt „Die vierte Gewalt“ (Seite 297 bis 351) schreibt er über die Rolle der vierten Gewalt, die eigentlich die Regierung kontrollieren soll. In diesem Abschnitt schreibt er in erster Linie über seine Erfahrungen mit den US-Medien nach der Veröffentlichung seiner ersten Artikel über die NSA-Überwachung im „Guardian“.

Die letzten beiden Abschnitte enttäuschen. Der dritte Abschnitt bleibt relativ oberflächlich. Und der vierte Abschnitt rekapituliert teilweise die bekannten Skandale (die überlange Kontrolle von Greenwalds Lebensgefährten im Transitbereich des Flughafens, die Zerstörung der Festplatten im „Guardian“ unter Aufsicht des Geheimdienstes) und setzt sich mit den Erlebnissen, die Greenwald mit den US-Medien hatte, auseinander. So sehr in diesen Zeilen Greenwalds persönliche Betroffenheit spürbar ist, so erkenntnisfrei lesen sie sich für Außenstehende.

Wenn ich ehrlich bin, kann ich das flott zu lesende Buch nur den Menschen empfehlen, die das letzte Jahr auf einer einsamen Insel verbrachten oder kein Internet und keine überregionale Zeitung haben. Und den Bundestags-Abgeordneten, die immer noch behaupten, dass es keinen NSA-Skandal und keine flächendeckende Überwachung, gäbe.

 

Greenwald - Die globale Überwachung - 2

 

Glenn Greenwald: Die globale Überwachung – Der Fall Snowden, die amerikanischen Geheimdienste und die Folgen

(übersetzt von Gabriele Gockel, Robert Weiß, Thomas Wollermann und Maria Zybak)

Droemer, 2014

368 Seiten

19,99 Euro

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Originaltitel

No Place to Hide

Metropolitan Books, New York 2014

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Hinweise

The Guardian über Glenn Greenwald (da findet ihr seine Reportagen)

Homepage von Glenn Greenwald 

Twitter-Account von Glenn Greenwald

YouTube-Kanal von Glenn Greenwald

Wikipedia über Glenn Greenwald (deutsch, englisch)

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Die beiden Videos sind von Greenwalds Buchtour.

 

 

 


Lesereise: Glenn Greenwald stellt sein Buch „Die globale Überwachung“ vor

Mai 15, 2014

Greenwald - Die globale Überwachung - 4

Muss ich dazu viel sagen? Glenn Greenwald dürfte inzwischen doch weithin bekannt sein als der „Guardian“-Journalist, der die Unterlagen des NSA-Infrastrukturanalytikers Edward Snowden erhielt und seit einem guten Jahr Informationen über die weltweite und uferlose NSA-Überwachung veröffentlicht.
In dem jetzt erschienenem Buch „Die globale Überwachung – Der Fall Snowden, die amerikanischen Geheimdienste und die Folgen“ schildert er seine erste Begegnung mit Edward Snowden, wie der „Guardian“ die Daten für die Veröffentlichung aufbereitete und er enthüllt weitere Details.
Die ersten Seiten, in denen Greenwald erzählt, wie Snowden ihn kontaktierte, habe ich bereits gelesen und sie machen mich neugierig auf die restlichen Seiten, in denen Greenwald anhand von 120 Dokumenten einen Einblick in die Überwachung des Internets durch die NSA gibt.
Greenwald schreibt: „Indem [Snowden] gewagt hat, die atemberaubenden Überwachungsmöglichkeiten der NSA und deren frappierendere Zielsetzungen ans Tageslicht zu bringen, hat er deutlich gemacht, dass wir uns an einem historischen Scheideweg befinden. Wird das digitale Zeitalter die Befreiung des Individuums und die politischen Freiheiten bringen, die das Internet in einzigartiger Weise realisieren kann? Oder wird es ein System omnipräsenter Überwachung und Kontrolle etablieren, das sich nicht einmal die schlimmsten Tyrannen der Vergangenheit hätten träumen lassen?“

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Kommende Woche stellt Greenwald das Buch vor:
Berlin: Mittwoch, 21. Mai 2014, 18 Uhr
Deutsches Theater, Schumannstraße 13
Moderation: Christoph Amend
Eintritt: € 12 / erm. € 9
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Hamburg: Donnerstag, 22. Mai 2014, 20 Uhr
Bucerius Law School, Audimax, Jungiusstraße 6
Moderation: Jochen Wegner
Eintritt: € 12 / erm. € 9
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München: Freitag, 23. Mai 2014, 20 Uhr
Literaturhaus, Salvatorplatz
Moderation: Jochen Wegner
Eintritt: € 12 / erm. € 8

(ACHTUNG: die Daten sind teilweise veraltet. Die aktuellen Termine gibt es weiter unten oder hier.)
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Außerdem sind inzwischen die Filmrechte an Sony Pictures verkauft und EON Productions soll den Film produzieren. Das könnte ein guter Thriller werden. Immerhin ist EON auch für die James-Bond-Filme verantwortlich.
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Glenn Greenwald: Die globale Überwachung – Der Fall Snowden, die amerikanischen Geheimdienste und die Folgen
(übersetzt von Gabriele Gockel, Robert Weiß, Thomas Wollermann und Maria Zybak)
Droemer, 2014
368 Seiten
19,99 Euro
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Originaltitel
No Place to Hide
Metropolitan Books, New York 2014

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UPDATE 16. Mai: Die Daten für die Lesetour haben sich kurzfristig geändert.

Der derzeitige Stand ist:

22. Mai 2014 – Zu Gast bei Beckmann, ARD

22. Mai 2014, 20 Uhr – Hamburg Bucerius Law School

23. Mai 2014, 20 Uhr – Literaturhaus München, Buchpräsentation

25. Mai 2014, 11 Uhr – Berlin: Matinée im Deutschen Theater

Genauere Infos hier.

 


Heribert Prantl schreibt über „Glanz und Elend der Grundrechte“

Mai 5, 2014

Prantl - Glanz und Elend der Grundrechte - 2

Nach diesem Wochenende ist Heribert Prantls schmales Buch „Glanz und Elend der Grundrechte“ leider nötiger denn je. Denn die Bundesregierung erklärte, dass der Whistleblower Edward Snowden nicht in Deutschland aussagen soll, weil die deutschen Staatsinteressen höher stünden als eine Aufklärung über eine millionenfache tägliche Grundrechtsverletzung deutscher Staatsbürger durch den US-amerikanischen Geheimdienst NSA. Der Verfassungsschutz erklärte, dass er dem NSA-Untersuchungsausschuss nicht alle Akten liefern werde. Es würde die Arbeit des Verfassungsschutzes beeinträchtigen – und man habe eh keine Ahnung. Naja, dass sagte der Chef des Verfassungsschutzes nicht wörtlich, aber dieses Amt hat ja nichts von den Morden des NSU und dem Abhören der NSA mitbekommen und da wäre eine Herausgabe von Akten wohl ein Zeugnis der eigenen Unfähigkeit oder der hemmungslosen Zusammenarbeit.
Während die Regierung sich gerade höchst erfolgreich im Neusprech übt und erklärt, dass sie Whistleblower für Straftäter hält (was nicht für die Menschen gilt, die für gutes Geld Steuerdaten-CDs an den deutschen Staat verkaufen) und ihr das Brief- und Postgeheimnis egal ist, weil die Regierung ja so gute Beziehungen zur USA habe, dass eine Telefonüberwachung überflüssig sei, weil man keine Geheimnisse vor den USA habe (Frau Merkel, es geht nicht um ihr Terror-Handy, sondern um die Grundrechte der Deutschen, die Sie schützen sollen!). Dass gleichzeitig die Pressefreiheit, vor allem wenn es um den Schutz von Informanten geht, und die Verschwiegenheitspflicht von Anwälten, Ärzten und Seelsorgern durch die unterschiedlos alles speichernde Datenüberwachung verletzt wird, ist für diese Regierung wohl ein lässlicher Kollateralschaden.
Ehe ich jetzt etwas Beleidigendes über eine Regierung, die auf unsere Grundrechte kackt, sage, konzentriere ich mich lieber auf Heribert Prantls Buch.
Denn in dem Essay „Glanz und Elend der Grundrechte – Zwölf Sterne für das Grundgesetz“ erklärt der Leiter der innenpolitischen Redaktion der „Süddeutschen Zeitung“ in einem breiten historischen Bogen von der Formulierung des Grundgesetzes bis zur Gegenwart warum die Grundrechte so wichtig sind. Unmittelbar nach dem Ende des zweiten Weltkriegs und am Anfang des Kalten Krieges schrieben die Väter und Mütter ein aus wenigen Worten bestehendes Grundgesetz, das in den folgenden 65 Jahren seine Wirkung entfaltete. Bei der Gleichberechtigung von Frauen und Homosexuellen. Bei der individuellen Lebensgestaltung. Bei dem Versammlungsrecht. Bei der Pressefreiheit. Und auch beim Schutz der Privatsphäre – bis es nach 9/11 aufgrund einer diffusen Bedrohung durch Terroristen zu einem massiven Abbau der Bürgerrechte kam.
Er schreibt auch über die Europäische Union als ein Friedensprojekt, das weiter ausgebaut werden soll. Während, so Prantl, das Bundesverfassungsgericht in den vergangenen Jahrzehnten beim Ausbau und Schutz der Bürgerrechte innerhalb Deutschland eine progressive Rolle spielte, blockert es in Bezug auf die EU. Da müsste der Bundestag das Grundgesetz ändern.
Eine zur Revolution auffordernde Kampfschrift ist Heribert Prantls neues Buch „Glanz und Elend der Grundrechte“ nicht. Es steht auch wenig neues drin. Es ist ein Lobgesang auf das Grundgesetz und die Europäische Union, der beides emphatisch gegen seine Kritiker verteidigt, wobei die Kapitel zum Grundgesetz und den Grundrechten eindrücklicher als die zur Europäischen Union sind. Diese Zeilen lesen sich wie ein zur anstehenden EP-Wahl am 25. Mai geschriebenes Appendix.
Prantls das Positive bei den Grundrechten betonende Streitschrift erinnert an den Wert der Grundrechte und es ist ein fulimanter Angriff auf eine Regierung, denen sie egal sind. Prantl Position ist dagegen klar: „Ich wünsche mir Grundrechte, auf die sich die Bürgerinnen und Bürger verlassen können; dazu Staatsgewalten, Gerichte, Parlamente und eine couragierte Gesellschaft, die diese Grundrechte verteidigen – gegen Entsolidarisierung, Ökonomisierungsexzesse und Datensammelwahnsinn; gegen Rassisten und Ausländerhasser; und auch gegen die Geheimdienste des NATO-Partners USA.“
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Heribert Prantl: Glanz und Elend der Grundrechte – Zwölf Sterne für das Grundgesetz
Droemer, 2014
192 Seiten
18 Euro
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Hinweise
Perlentaucher über Heribert Prantl
Wikipedia über Heribert Prantl


Kurzkritik: Leo Sander: Gelegenheitsverkehr

Mai 5, 2014

Sander - Gelegenheitsverkehr - 2

Einen Innovationspokal wird Leo Sander für seinen Debütroman „Gelegenheitsverkehr“ nicht erhalten, aber das strebte er auch überhaupt nicht an.
Sanders Ich-Erzähler Kant ist gerade in einer Mietwohnung in Kurzkirchen bei Linz eingezogen. Früher war er in Wien Polizist, dann einige Monate bei einer Versicherung und jetzt, nun, räumt er seine Bude ein, als die Tochter seines Vormieters auftaucht. Die Schönheit möchte wissen, ob ihr Vater, den sie seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hat, wirklich durch einen Unfall umkam oder ermordet wurde. Einerseits hat niemand etwas gegen den Rentner, der früher Trinker war und heute etwas Geld in einem Wettbüro verspielt und dort auch noch Schulden hat, andererseits ist ein so klarer und eindeutiger Genickbruch doch verdammt selten. Vor allem, weil alle sagen, dass Franz Richter sportlich und topfit war.
Kant beginnt, endlich nicht mehr durch das Dienstrecht behindert, zu ermitteln. Informationen erhält er auch von einem früheren Kollegen bei der Polizei und alle Frauen, denen er begegnet, sind vielleicht nicht mehr unbedingt blutjung, aber gutaussehend und willig.
Krimifans kennen das schon seit Marlowes Tagen und Leo Sander zitiert die Klischees, bis auf den zusammengeschlagenen Privatdetektiv, mit spürbarer Lust. Der Plot selbst ist nicht übermäßig verwickelt. Die Zahl der Verdächtigen überschaubar. Immerhin hat Kant den Fall nach zweihundert Seiten geklärt.
„Gelegenheitsverkehr“ ist eine flott gelesene, vergnügliche Abendunterhaltung, die gelungen den US-Hardboiled-Detektiv der Carter-Brown/Richard-S.-Prather-Schule in die östereichische Provinz versetzt.
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Leo Sander: Gelegenheitsverkehr
Gmeiner Verlag, 2014
224 Seiten
9,99 Euro


„Angst über Gotham“ wegen dem „Rat der Eulen“, aber Batman ist auf dem Weg

April 30, 2014

Normalerweise teilt Batman bei seiner Verbrechensbekämpfung in Gotham kräftig aus. In den neuen „Batman“-Geschichten „Angst über Gotham“, von Gregg Hurwitz, und „Der Rat der Eulen/Die Stadt der Eulen“, von Scott Snyder, muss er dagegen vor allem Schläge einstecken. Und zwar so viele, dass sein treuer Diener Alfred sich ernsthafte Sorgen um seinen vermögenden Brötchengeber Bruce Wayne macht.
In „Angst über Gotham“ muss Wayne gegen den irren Psychiater Jonathan Crane kämpfen. Der als Scarecrow bekannte Bösewicht probiert an von ihm entführten Kindern sein neues Angstgas aus. Wenn er sie danach freilässt, sind sie schwer traumatisiert und haben sie keine Erinnerungen mehr an ihre Entführung.
Als Batman Scarecrow findet, kann der ihn überwältigen. Anschließend probiert er an Batman sein Angstgas aus, was dazu führt, dass Bruce Wayne sich seinen Urängsten stellen muss.
Thriller-Autor Gregg Hurwitz übernahm hier die Autorenschaft für „Batman: The Dark Knght“ und in der spannenden, sechsteiligen Geschichte erzählt er in Rückblenden auch die Ursprungsgeschichte von Scarecrow, der eine sehr unglückliche Kindheit hatte. Daneben gibt es, ausgelöst durch das Angstgas, auch Rückblenden in Waynes Leben, wobei sein Kindheitstrauma, nämlich der Tod seiner Eltern, im Mittelpunkt steht.
Durch die parallel erzählten Ursprungsgeschichten von Batman und Scarecrow zeigt Gregg Hurwitz auch die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den beiden Charakteren auf und auch wie sehr Kindheitserlebnisse das spätere Leben prägen. Bei diesen beiden Männern erklärt es ihr ganzes Leben.
In diesem Sammelband ist auch die ebenfalls von Hurwitz geschriebene Kurzgeschichte „Schuld in der Luft“ (Chill in the Air, Batman: The Dark Knight # 0) enthalten. In ihr sucht Bruce Wayne – mal wieder – die Mörder seiner Eltern und den Rat der Eulen. Denn er glaubt, dass dieser sagenumwobene Rat den Mord beauftragte. Am Ende muss er enttäuscht feststellen, dass der Mord an seinen Eltern in einer Hinterhofgasse ein banaler Raubmord war und es den Rat der Eulen nicht gibt.


In Scott Snyders zweibändiger Geschichte „Der Rat der Eulen“ und „Die Stadt der Eulen“ ist dieser Rat der Eulen, eine supergeheime Geheimgesellschaft, die seit Jahrzehnten unerkannt im Hintergrund die Geschicke von Gotham lenken soll, die aber auch eine urbane Legende sein kann, Batmans Gegner.
Batman stößt auf eine Spur zu dieser Loge, als er als Bruce Wayne ein neues Stadtteil bauen möchte. Kurz nachdem er das Bauprojekt groß ankündigte, erhält er eine Todesdrohung und als er sich mit dem Bürgermeisterkandidaten Lincoln March auf der Aussichtsplattform des alten Wayne Towers trifft, wird ein Mordanschlag auf ihn verübt. Der Täter sagt kurz vor seinem Tod „Bruce Wayne, der Rat der Eulen verurteilt dich zum Tode.“ und „Waynes töte ich am liebsten.“
Wayne vertieft sich in seine Familiengeschichte und die Geschichte Gothams und er findet handfeste Spuren des Rats der Eulen.
Der zweite Band „Die Stadt der Eulen“ beginnt mit einem atemberaubenden Kampf um Waynes Anwesen Wayne Manor, der das Anwesen und die Bathöhle in einem renovierungsbedürftigem Zustand zurücklässt. Die anschließende Kämpfe gegen „Mr. Freeze“ und die „Fledermaus“, der so etwas wie der Vorsitzende des Rat der Eulen ist (sofern es diesen Rat überhaupt wirklich gibt), sind als Mann-gegen-Mann-Kämpfe weniger beeindruckend.
Ergänzt wird der Sammelband um mehrere Geschichten, die mehr oder weniger lose mit der Hauptgeschichte verbunden sind.
In jedem Fall sind die „Batman“-Geschichten von Gregg Hurwitz und „American Vampire“-Autor Scott Snyder spannende Lektüre.

Hurwitz - Batman - Angst über Gotham - Softcover - 2

Gregg Hurwitz/David Finch: Batman – The Dark Knight: Angst über Gotham (Band 2)
(übersetzt von Steve Kups)
Panini, 2014
164 Seiten
16,99 Euro
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Originalausgabe/enthält
Batman: The Dark Knight # 10 – 15 (August 2012 – Februar 2013)
Batman: The Dark Knight # 0 (November 2012)
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Die deutschen Ausgaben der Thriller von Gregg Hurwitz erscheinen bei Knaur.
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Snyder - Batman - Der Rat der Eulen - Softcover - 2Snyder - Batman - Der Rat der Eulen - Hardcover - 2
Scott Snyder/Greg Capullo: Batman: Der Rat der Eulen (Band 1)
(übersetzt von Steve Kups)
Panini, 2013
180 Seiten
16,99 Euro
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Originalausgabe
Batman # 1 – 7 (November 2011 – Mai 2012)
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Snyder - Batman - Die Stadt der Eulen - Softcover - 2Snyder - Batman - Die Stadt der Eulen - Hardcover - 2
Scott Snyder/Greg Capullo: Batman: Die Stadt der Eulen (Band 2)
(übersetzt von Steve Kups)
Panini, 2014
212 Seiten
16,99 Euro
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Originalausgabe/enthält
Batman # 8 – 12 (Juni 2012 – Oktober 2012)
The New 52 – Batman Annual # 1 (Juli 2012)
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Hinweise

Homepage von Gregg Hurwitz

Meine Besprechung von Scott Snyder/Stephen King/Rafael Albuquerques (Zeichner) „American Vampire – Band 1“ (American Vampire, Vol. 1 – 5, 2010)

Meine Besprechung von Scott Snyder/Rafael Albuquerque/Mateus Santoloucos “American Vampire – Band 2″ (American Vampire, Vol. 6 – 11, 2010/2011)

Meine Besprechung von Scott Snyder/Rafael Albuquerque/Danijel Zezeljs “American Vampire – Band 3″ (American Vampire, Vol. 12 – 18, 2011)

Meine Besprechung von Scott Snyder/Sean Murphys “American Vampire – Das Überleben des Stärkeren, Band 4″ (American Vampire: The Survival of the Fittest, 2011)
Meine Besprechung von Frank Miller/Jim Lee/Scott Williams’ “All-Star Batman” (All Star Batman & Robin: The Boy Wonder, 2005 – 2008)
Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “Batman: Kaputte Stadt” (Batman: Broken City, 2003/2004)


Tim Seeley zwischen „Hack/Slash“ und „Revival“

April 28, 2014

Die eine Serie endet, die andere beginnt gerade. Mit „Hack/Slash“, Tim Seeleys Serie über Cassie Hack, eine junge Frau, die, seitdem ihre Mutter sich in einen Slasher verwandelte und sie töten wollte, Slasher jagt, geht mit dem zehnten „Hack/Slash“-Sammelband „Folterverliebt“ in die Endrunde. „Revival“, eine neue Serie über eine Polizistin, die sich in einer ländlichen Gemeinde mit weitgehend friedlichen Untoten und weniger friedlichen Dämonen auseinandersetzen muss, beginnt gerade und, auch wenn jetzt die Idee, dass eine Frau sich mit Untoten blutig und tödlich auseinandersetzen muss, auf den ersten Blick aus dem gleichen Universum stammt, könnten die Serien nicht verschiedener sein.

Seeley - Hack-Slash 9Seeley - Hack-Slash 10

In „Hack/Slash“ kämpfte Cassie Hack in den ersten Geschichten und den zahlreichen Crossover-Geschichten (die etwas außerhalb der regulären Reihenfolge stehen) gegen zahlreiche aus Horrorfilmen bekannte Slasher, Maniacs und Bösewichter. Tim Seeley erzählte dies mit viel Witz, Anspielungen, Sex und Gewalt. Später wurde das Spiel mit den hauptsächliche filmischen Vorbildern zugunsten einer größeren Geschichte vernachlässigt. Ab da kämpften Cassie Hack und ihren Freunden gegen „Die Vereinigung der schwarzen Laterne“, einem Orden mit – nun – seltsamen Ansichten und dem Plan, die Macht zu übernehmen.
Auch in „Folterverliebt“, dem zehnten „Hack/Slash“-Sammelband, spielen die beiden Geschichten und der kurze Epilog vor diesem Hintergrund, was es für Neueinsteiger vor allem in „Mordmessias“ zu einer vor allem verwirrenden Lektüre macht. Die zweite Geschichte „Am Scheideweg“ gehorcht dagegen Thrillerkonventionen, aber mit toten Slashern, die entgegen aller Wahrscheinlichkeit, zurückkehren und Cassie, Vlad und ihren Freunden viele Probleme bereiten. Tim Seeley bereitet hier unüberschaubar, auf zwei Zeitebenen und vielen Charakteren, die nicht sind, was sie vorgeben zu sein, das Finale vor.
Der neunte „Hack/Slash“-Sammelband „My First Maniac – Wie alles begann“ ist dagegen für Neueinsteiger wesentlich gewinnbringender zu lesen. Außerdem macht der Kampf gegen einzelne, erkennbare und auch irgendwie noch menschliche Slasher (also keine Mitglieder eines seit Jahrhunderten bestehenden Geheimbundes) mehr Spaß.
So gibt es hier auch einen Besuch im „Psycho“-Motel und in „Ich ohne dich“ erfahren wir, wo Cassies Freund Vlad herkommt und wie sie sich kennen lernten.

Seeley - Revival 1

„Revival“ ist eine neue Serie von Tim Seeley. Sie spielt im winterlichen Wisconsin, wo seit einiger Zeit die Toten zurückkehren. Aber die Erweckten, wie sie genannt werden, sind keine gehirnhungrigen, sabbernden Zombies, sondern Inkarnationen ihres früheren Ichs, die einfach wieder ihr vorheriges Leben aufnehmen, als sei nichts passiert.
Die Kleinstadt und das umliegende County werden abgesperrt. Dennoch wird es zu einem Tummelplatz für religiöse Spinner, Fanatiker, Heilsbringer, dubiose Geschäftemacher und die Medien.
Im Zentrum der Serie steht Police Officer Dana Cypress, alleinerziehende Mutter, jung, intelligent und genervt von ihrem Vater, der der Polizeichef ist und sie wie ein kleines, schutzbedürftiges Kind behandelt. Deshalb ernennt er sie auch zur Leiterin der „Schlichtungseinheit für erweckte Bürger“, was eine nette Beschreibung für „Job, bei dem nichts Schlimmes passieren kann“ ist.
Gleich bei ihrem ersten Einsatz als Leiterin der nur aus ihr bestehenden Einheit geht einiges schief. Ihre Schwester Martha stirbt und kehrt wieder zurück.
„Unter Freunden“, der erste „Revival“-Sammelband, ist eigentlich nur eine Einführung in die Geschichte. Wir lernen die Charaktere und ihre Welt kennen – und sind neugierig auf die nächsten Bände. Denn in „Revival“ arbeitet Tim Seeley mit einem erkennbar langen Atem. Das ist nichts, was nach einigen Heften oder ein, zwei Sammelbänden enden soll.
Neben Dana Cypress und ihrer Schwester Martha, gibt es auch einige Charaktere, die wohl noch für einige Überraschungen gut sind. Das sind bislang Ibrahaim Ramin von der Seuchenschutzbehörde der USA, ein Dämonologe mit unorthodoxen Methoden, die alte Arlene Dittman, die verwandelt von den Toten zurückkehrte, und einem oder mehreren Dämonen, die an Edvard Munchs „Der Schrei“ erinnern.
„Revival“ könnte eine wirklich spannende und interessante Serie werden. Der Auftakt ist jedenfalls wirklich vielversprechend.
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Tim Seeley: Hack/Slash: Folterverliebt (Band 10)
(übersetzt von Frank Neubauer)
Cross Cult, 2014
160 Seiten
19,80 Euro
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Originalausgabe
Hack/Slash: Torture Porn
Imagine, 2011
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enthält
Tim Seeley (Autor)/Jethro Morales (Zeichner): Mordmessias
Tim Seeley (Autor)/Daniel Leister (Zeichner): Am Scheideweg
James Lowder (Autor)/Jean-Paul Deshong (Zeichner): Nächtliche Totenwache in Eminence
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Tim Seeley: Hack/Slash: My First Maniac – Wie alles begann (Band 9)
(übersetzt von Frank Neubauer)
Cross Cult, 2013
160 Seiten
19,80 Euro
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Originalausgabe
Hack/Slash: Me without you
Image, 2010
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enthält
Tim Seeley (Autor)/Daniel Leister (Zeichner): My First Maniac – Wie alles begann
Tim Seeley (Autor)/Daniel Leister (Zeichner): Ich ohne dich (Me without you)
+ Kurzgeschichten aus „Trailers 2“:
Chris Burnham (Autor)/Stephen Molnar (Zeichner): Gesichtsgulasch (Butterface)
Dennis Hopeless (Autor)/Kyle Strahm (Zeichner): Zu süss (Too cute)
Kevin Mellon (Autor/Zeichner): Blut auf der Tanzfläche (Blood on the Dancefloor)
Mike Olivieri (Autor)/Sean K. Dove (Zeichner): In Leichen suhlen (Wallon in Death)
B. Clay Moore (Autor)/Daniel Liester (Zeichner): Schuss mit Aussicht (Womb with a View)
Mike Norton (Autor)/Brent Schoonover: Fummelkiste (Rape Van)
J. Torres (Autor)/Joe Song (Zeichner): Psyche (Psyche)
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Tim Seeley (Autor)/Mike Norton (Zeichner): Revival: Unter Freunden (Band 1)
(übersetzt von Frank Neubauer)
Cross Cult, 2013
128 Seiten
18 Euro
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Originalausgabe
Revival, Volume 1: You’re among friends
Image, 2012
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Hinweise
Homepage von Tim Seeley
Meine Besprechung von Tim Seeleys „Hack/Slash: (Re)Animatoren (Band 5)“ (Hack/Slash: Reanimation Games, 2009)


DVD-Kritik: Der Western-Klassiker „Der große Bluff“

April 25, 2014

Western und Komödie passen nicht zusammen, heißt es und der kundige Filmfan kann dann auch einige Western nennen, die als Komödie so zündend wie ein nasser Silvesterkracher sind. Jüngstes Beispiel: „Lone Ranger“ mit Johnny Depp.
Dabei gibt es durchaus gelungene Westernkomödien: eine der ersten und bekanntesten ist „Der große Bluff“, im Original „Destry rides again“, mit James Stewart und Marlene Dietrich. Der im Original titelgebende Destry ist Thomas Jefferson Destry jr., der Sohn eines legendären Gesetzeshüters, der jetzt in Bottleneck das Gesetz verteidigen soll. Wyatt Earp soll gegen ihn ein Waisenknaben und Hasenfuß sein. Einen so unbestechlichen und tapferen Gesetzeshüter braucht Bottleneck. Denn die gesamte Stadt steht unter dem Regime des verbrecherischen Saloon-Besitzers Kent. Der vorherige Sheriff wurde von ihm erschossen und als neuer Sheriff wurde der städtische Trunkenbold ernannt. Der ruft nun Destry um Hilfe. Destry kommt – und sorgt gleich für heftiges Erstaunen bei den rauflustigen Dorfbewohnern. Denn Destry ist keine das Gesetz verteidigende, Kollateralschäden billigend in Kauf nehmende Dampframme, sondern ein Gentleman, der Damen höflich aus der Kutsche hilft. Auch zu den Freudenmädchen ist er ausgesucht höflich und respektvoll, Er trinkt Milch, trägt keine Waffe und Gewalt lehnt er generell ab. Kurz: er ist eine so komplette Fehlbesetzung, dass Kent entzückt ist.
Aber er hat sich geirrt – und wie Destry dann in Bottleneck aufräumt, macht auch heute noch Spaß.
Für James Stewart war diese Rolle der Durchburch in Hollywood und der erste Auftritt in einem Western. In den nächsten Jahren wurde er, neben John Wayne, zu einem der das Genre prägenden Western-Darsteller. Marlene Dietrich, die sich damals in einem Karrieretief befand, erhielt danach wieder Rollen.
Und der augenscheinlich konfliktscheue, intelligente Destry war so beliebt, dass es später eine TV-Serie und einige Remakes, die man heute nicht mehr kennt, gab.
Mit dem Roman von Max Brand hat der Film, außer dem Titel und der Idee, dass der Held auf Gewalt nicht mit Gewalt reagiert, nichts zu tun. Wobei der Roman-Destry nur am Anfang den Feigling spielt. Denn er ist ein verurteilter Verbrecher und Raufbold, der nach seiner Rückkehr nach Wham die Männer sucht, die ihn damals ins Gefängnis schickten. Schnell erschießt er in Notwehr die ersten beiden Männer auf seiner Todesliste. Danach knöpft er sich die anderen Männer mit ähnlich finalen Ergebnissen vor. Naja, „Destry rides again“ ist ja auch ein Rachewestern. Marshalls Verfilmung hat damit, wie schon der Vorspann verrät, nichts zu tun. Denn da steht „suggested by“, was als „uns hat der Titel gefallen“ gelesen werden kann, und der Film wurde ein Kassenhit. Inzwischen ist er ein zu Recht immer wieder gern gesehener Western-Klassiker.
Als Bonusmaterial gibt es bei der jetzt veröffentlichten DVD ein 52-minütiges Radiohörspiel und eine Bildergalerie. Außerdem sind alle drei Synchronfassungen enthalten. Die Fassung von 1947 in der restaurierten und der nicht restaurierten Fassung und die 1987 und 2006 entstandenen Neusynchronisationen.

Der große Bluff - DVD-Cover

Der große Bluff (Destry rides again, USA 1939)
Regie: George Marshall
Drehbuch: Felix Jackson, Gertrude Purcell, Henry Myers (nach einer Geschichte von Felix Jackson)
LV: Max Brand: Destry rides again, 1930 (Destry reitet wieder)
mit James Stewart, Marlene Dietrich, Brian Donlevy, Charles Winninger, Micha Aer, Una Merkel
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DVD
Koch Media (Edition Western-Legenden #28)
Bild: 1.33:1 (4:3)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial: Radiospecial „Der große Bluff“, Bildergalerie, 3 Synchronfassungen (1947, 1987 und 2006)
Länge: 90 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
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Hinweise
Rotten Tomatoes über „Der große Bluff“
TCM über „Der große Bluff“
Wikipedia über „Der große Bluff“ (deutsch, englisch)

Homepage von Max Brand


„Killmousky“ – Frau Lewitscharoff schreibt einen „Kriminalroman“

April 23, 2014

So ein Krimi ist eine einfache Sache. Das dachte sich Sibylle Lewitscharoff wohl, als sie „Killmousky“ schrieb. Denn anstatt hoher Literatur, sollte es ein Kriminalroman werden.
Nun, es ist ein Monument des Scheiterns. Es ist ein exzellentes Beispiel dafür, wie man einen Kriminalroman nicht schreiben soll. Aber wahrscheinlich kommt das heraus, wenn man das Genre verachtet und sich sein Wissen über das Genre aus Jugenderinnerungen irgendwo zwischen „Fünf Freunde“, Agatha Christie und Edgar Wallace, „Tatort“ und falsch verstandenem „Inspector Barnaby“ zusammenklaubt. Diese Krimiserie wird am Anfang des Werkes explizit erwähnt und sie markiert hier eine beachtliche Fallhöhe. Denn auch die schlechteste „Inspector Barnaby“-Episode ist besser als „Killmousky“.
Aber vergleichen wir nicht Äpfel (Film) mit Birnen (Buch). Allein schon die Lektüre und das Verstehen von einer Handvoll KrimiZeit-Bestenliste-Bücher hätte vieles verhindern können.
Das beginnt mit der Sprache. Denn „Killmousky“ ist erschreckend schlecht geschrieben, ungefähr auf dem Niveau einer vor sich hin babbelnden Hausfrau. Es sind Sätze, wie „Der Toast war inzwischen in ihm verschwunden. Die erste Tasse Kaffee getrunken. Er zündete sich eine Zigarette an. Vor der zweiten Tasse rauchte er immer eine Zigarette. Das würde er wahrscheinlich die nächsten Jahre beibehalten. Aber vielleicht änderten sich seine Gewohnheiten ab jetzt radikal. Er war ja nun gezwungen, ein ganz anderes Leben zu führen.“ (Seite 16)
Oder „In der Holzklasse gab es keine freien Plätze mehr. Die Maschine war ausgebucht.“ Auf den ersten Blick haben beide Sätze die gleiche Aussage. Weil Ellwanger dann in der ersten Klasse einen Platz erhält, ist der zweite Satz sogar falsch, aber genauso sinnfrei plappernd geht es wenige Zeilen später weiter: „Alsbald saß er da vergnügt als Hahn im Korb und ließ sich verwöhnen. So vorzüglich war er noch nie gereist. Der Beginn eines wunderbaren Abenteuers eben.“ (Seite 28)
Auf der nächsten Seite – keine Panik, ich höre gleich auf – geht es ähnlich verquast weiter: „Die Schlangen vor den Beamten, die die Dokumente überprüften, waren lang, aber es ging schneller als gedacht.“
„Kalt war’s. Die Passanten steckten in dicken Mänteln und trugen die Köpfe von Wollmützen bedeckt, die Hälse in Schals gemummelt. Zusammengescharrte Schneeberge am Straßenrand.“
Herrje, gibt es denn keine Schreibratgeber?
Denn das sind Sätze, die es noch nicht einmal in den ersten Entwurf eines gestandenen Krimiautoren geschafft hätten. Dass Lewitscharoff in ihren anderen Romanen mit ihrer Sprachgewalt beeindrucken soll, erscheint im Angesicht dieser Sätze wie eine böswillige Verleumdung. Gewaltig ist in „Killmousky“ höchstens die Unfähigkeit, sich präzise auszudrücken und mit Sprache eine Welt zu erschaffen, die mehr als die Kulisse eines letztrangigen Fünfziger-Jahre-Kolportage-Krimis ist.
Wahrscheinlich deshalb vermeidet die „Sprachvirtuosin“ auch die wörtliche Rede wie der Teufel das Weihwasser. Fast alle Gespräche reportiert sie brav in der indirekten Rede, was ungefähr so prickelnd zu lesen ist, wie ein Verhörprotokoll.
Die Geschichte ist ein erbärmlicher Wust, den höchstens Verächter „Kriminalroman“ nennen. Denn sogar ein blutiger Amateur würde zielgerichteter als Kommissar a. D. Richard Ellwanger ermitteln.
Also: Ellwanger soll herausfinden, ob Paul Larson seine Frau Victoria ermordete. Die New Yorker Polizei geht von Suizid aus, aber ihr stinkreicher, im Rollstuhl sitzender Vater Howard Clayton Trevillyan glaubt an Mord. Es besteht auch der Verdacht, dass Larson ein Schwindler ist, der aus Gerabronn kommt und Heiner Blaschke heißt. Nach einigen ziellosen Ermittlungen auf Long Island, inclusive einem Sprung ins Bett mit Victorias Schwester Catherine, reist Ellwanger zurück nach Deutschland, ermittelt hier ähnlich ziellos weiter, gibt sich ständig als Polizist aus, reist wieder zurück und – Hallelujah! – der Täter schnappt ihn und, bevor er Ellwanger ermordet, gesteht er ihm schnell noch alles.
Aber zum Glück taucht eine Frau mit Revolver und Schalldämpfer auf.
Wahrscheinlich ist eine Pistole gemeint. Denn Revolver (das sind die Dinger, die von den Cowboys in den Western benutzt werden) und Schalldämpfer sind eine sehr ungebräuchliche und auch nicht sonderlich sinnvolle Kombination. Aber in dem Moment ist eh alles egal.
Der Bösewicht Larson ist dabei ganz klar eine literarische Bearbeitung von Christian Gerhartsreiter, der als falscher Rockefeller in den USA reich heiratete und 2013 als Mörder verurteilt wurde. Der Hochstapler kam aus Siegsdorf, einem Dorf im Landkreis Traunstein in Bayern. Lewitscharoffs Hochstapler kommt aus einem anderen süddeutschen Dorf.
Die titelgebende Katze Killmousky ist das Haustier von Ellwanger und für die Geschichte vollkommen unwichtig, geht aber wohl als Selbstzitat durch. Siehe „Blumenberg“.
Und dann gibt es noch zwei Passagen, die Ellwanger zu einem rechtspopulistischem Law-and-Order-Befürworter und Saloon-Rassisten machen.
Denn das „Verhör-As“, „mit der höchsten Aufklärungsquote bei Schwerverbrechern in ganz Bayern, weit über Bayern hinaus“ (Seite 16) wurde aus dem Polizeidienst entlassen, weil er einen Verdächtigen bedrohte. Das reale Vorbild dafür ist natürlich der Fall Daschner. Auch bei Lewitscharoff ist der Verdächtige, ein arroganter Philosophie-Student, der Täter, Ellwanger drohte nur und die beiden Entführungsopfer konnten nicht gerettet werden. Die überhaupt nicht versteckte Botschaft ist: „Ja hätte der Bursche doch schon früher zugeschlagen, dann hätte er die Opfer retten können.“
Und auf Seite 157 wird Ellwanger flugs zum Rassisten: „Der Abend wurde noch munter. Sie zogen über dämliche Kollegen her, über dämliche Ehefrauen und die erzdämliche bayerische Bürokratie, auch über vollverschleierte Saudifrauen, Schlitzguckerinnen, die umgeben von einem Pulk Männer die Läden in der Maximilianstraße leer kauften. Ellwanger wurde richtig heiter und redete beschwingter als sonst.“
Beides ist für die Geschichte so überflüssig wie ein Kropf und die Sätze stehen nur deshalb im Roman, weil Lewitscharoff hier noch schnell eine ihr wichtige Botschaft unterbringen wollte. Vollkommen distanzlos und unreflektiert sagt sie, dass Folter und Rassismus okay sind. Georg Büchner und Heinrich von Kleist würden sich im Grab umdrehen.
„Killmousky“ ist eine Beleidigung für Genre-Liebhaber – und wahrscheinlich der schlechteste Roman, den ich dieses Jahr lesen werde.

Lewitscharoff - Killmousky

Sibylle Lewitscharoff: Killmousky
Suhrkamp, 2014
224 Seiten
19,95 Euro
-
Hinweise
Perlentaucher über „Killmousky“
Suhrkamp über Sibylle Lewitscharoff
Wikipedia über Sibylle Lewitscharoff

 

 


Captain Future nimmt „Die Herausforderung“ an

April 16, 2014

Hamilton - Captain Future - Die Herausforderung - 2

Als Edmond Hamilton die „Captain Future“-Geschichten schrieb, hätte er sich in seinen kühnsten Träumen nicht ausgemalt, dass wir diesen Charakter heute immer noch kennen und es immer noch Pläne für eine Verfilmung gibt, wie Christian Alvart in Interviews anlässlich seines neuen Films „Banklady“ bestätigte. Denn als Hamilton die „Captain Future“-Geschichten schrieb, erschienen die meisten Romane der Serie im zwischen 1940 und 1944 vierteljährlich erschienenem „Captain Future Magazine“ und als Pulps waren sie, nun, potentielles Altpapier. Sie waren nicht für die Ewigkeit bestimmt und irgendwelche höheren literarische Ansprüche, geschweige denn Zeitungskritikerherzen, sollten auch nicht befriedigt werden. Es ging um Ablenkung von der rauhen Wirklichkeit. Unterhaltung eben.
In den Fünfzigern gab es einige deutsche Übersetzungen von „Captain Future“-Romanen als „Captain Zukunft“ im Erich Pabel Verlag. Die Romane dürften kaum noch erhältlich sein. Besser sieht es in den Antiquariaten mit den in den frühen Achtzigern erschienenn „Captain Future“-Romanen bei Bastei Lübbe aus, aber auch da muss man manchmal tief in den Geldbeutel greifen.
Am Bekanntesten dürfte bei uns natürlich die 1978/1979 entstandene japanische Zeichentrickserie sein, die ab September 1980 im ZDF ausgestrahlt wurde und sehr beliebt war; – was dann auch zur Veröffentlichung der Romane bei Bastei Lübbe führte.
Und seit einigen Jahren gibt der Golkonda-Verlag die „Captain Future“-Geschichten in originalgetreuen Ausgaben mit den Zeichnungen und ergänzenden Materialien aus dem „Captain Future Magazin“ heraus.
Jetzt ist der dritte „Captain Future“-Roman „Die Herausforderung“ erschienen. In ihm zerstören mehrere schwarze Raumkreuzer fast gleichzeitig die Gravium-Minen auf dem Merkur, dem Mars und dem Saturn. Gravium ist für die interplanetare Raumfahrt überlebenswichtig, weil mit Gravium die Schwerkraftregler hergestellt werden. Mit ihnen bewegt man sich auf jedem Planeten mit dem von seinem Heimatplaneten vertrautem Körpergewicht und ohne Schwerkraftregler würde man auf fremden Planeten krank.
Gleichzeitig wird Curtis Newton, auch bekannt als Captain Future, aus seiner Mondbasis entführt. Er ist die einzige Person, die den Plan der Angreifer vereiteln kann.
Dennoch gelingt Newton die Flucht aus dem Raumschiff seiner Entführer und er beginnt mit seinen treuen Gefährten, den Futuremen, die unbekannten Bösewichter und ihren Hintermann zu verfolgen.
Dabei führt die Spur ihn zum Neptun, wo die letzten verbliebenen Gravium-Minen sind.
Edmond Hamilton ist einer der Begründer der Space Opera, diesen Science-Fiction-Abenteuergeschichten, in denen Raumfahrer exotische Welten in der ganzen Galaxis besuchen und oft haarsträubende Abenteuer erleben.
Die Charaktere sind ziemlich eindimensional und klischeefest: der tapfere Captain Future, der keine Gefahr fürchtet und der ein Wissenschaftsgenie in allen Disziplinen ist. Seine ebenso tapferen Gefährten, die Futuremen, die mit wenigen Worten zum Leben erweckt werden: der Androide Otho und der Roboter Grag, die sich immer zanken. Und natürlich das Gehirn Simon Wright, das nur ein Gehirn in einem durchsichtigen, es am Leben erhaltenden Kasten ist.
Aber die 1940 geschriebene Geschichte bewegt sich mit Sieben-Planeten-Stiefeln vorwärts, ist voller Überraschungen und Ideen über Welten, Wesen und technische Erfindungen, die heute teilweise Alltag sind. Einiges ist aus heutiger Sicht auch herrlich falsch, weil bestimmte Probleme, mit denen Captain Future und seine Männer kämpfen, längst gelöst sind oder kein Problem sind.
Die Sprache steht der Handlung nie im Weg und die Geschichte ist ein wirklich kurzweiliger Spaß mit echten Pageturner-Qualitäten.
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Edmond Hamilton: Captain Future – Die Herausforderung
(übersetzt von Frauke Lengermann)
Golkonda, 2014
220 Seiten
14,90 Euro
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Originalausgabe
Captain Future’s Challenge
Captain Future Magazine, Sommer 1940
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Hinweise

Tangent: Interview mit Edmond Hamilton und seiner Frau Leigh Brackett (vom April 1976)

PulpGen über Edmond Hamilton
Fiction Fantasy über Edmond Hamilton
Deutsche “Captain Future”-Fanseite
Wikipedia über Edmond Hamilton (deutsch, englisch) und Captain Future (deutsch, englisch)


„Mord in Metropolis“, während Fritz Lang einen Film dreht

April 9, 2014

 

Baur - Mord in Metropolis - 2

Ein Roman, der sich mit den Dreharbeiten von Fritz Langs Science-Fiction-Klassiker „Metropolis“ beschäftigt. Das interessiert mich als Filmfan natürlich. Und dass es sich um einen Kriminalroman handelt, macht die Sache noch besser. Weitere positive, damit zusammenhängende Punkte sind: der Roman spielt in Berlin und Babelsberg, wo der Film gedreht wurde, in den turbulenten zwanziger Jahren.

Und dennoch hat mir Robert Baurs „Mord in Metropolis“ nicht so gut gefallen, wie ich es erwartete.

Also, die Story: Von seinem früheren Vorgesetzten, Kriminalrat Ernst Gennat, wird Robert Grenfeld, ein Ex-Kommissar, nicht korrupt, aber mit guten Beziehungen zum Milieu, verheiratet mit einer Bankierstochter und Alkoholiker, gebeten, sich beim Dreh von „Metropolis“ umzusehen. Denn Hauptdarstellerin Brigitte Helm hat ein Drohgedicht erhalten. Grenfeld hört sich um und als er die Sache zu den Akten legen will, wird eine junge Schauspielerin, die eine Doppelgängerin der Hauptdarstellerin sein könnte, ermordet.

Im folgenden Entwirft Baur ein breites Panorama der zwanziger Jahre, in der fast alles dabei ist, das wir noch irgendwie von der Zeit wissen: das Berliner Nachtleben, die Ringvereine (die deutsche Version der Mafia), die Armut, das freie Leben in italienischen Landkommunen, die Dreharbeiten für „Metropolis“, der finanzielle Überlebenskampf der Filmproduktionsfirma UFA, und natürlich die Nazi-Umtriebe.

Der eigentliche Mordfall, der sich zu einer veritablen Serie entwickelt, tritt hinter diesem Panorama zurück. Die Lösung folgt dann dem beliebigen Der-Gärtner-ist-der-Mörder-Muster, bei dem die Bösewichter dann auch gleich noch dem Kommissar ihre ganzen Pläne enthüllen.

Im Gegensatz zu den ebenfalls in den Zwanzigern spielenden Paul-Kajetan-Romanen von Robert Hültner oder den etwas später spielenden Klara-Schindler-Romanen von Robert Brack fühlt sich das Zwanziger-Jahre-Berlin von Robert Baur immer wie eine schön ausgestattete Kulisse an. Alles, was damals wichtig war, wird erwähnt, aber wenn die Charaktere dann reden, klingt es wie in einem x-beliebigen TV-Krimi, wenn die Ermittler über ihre Arbeit, ihr Leben und die steigende Kriminalität räsonieren.

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Robert Baur: Mord in Metropolis

Gmeiner, 2014

384 Seiten

11,99 Euro

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Hinweise

Gmeiner-Verlag über Robert Baur

Homepage von Robert Baur

 

 


Harlan Coben verspricht „Ich finde dich“

März 26, 2014

Harlan Cobens neuer Thriller „Ich finde dich“ beginnt mit einer typischen Harlan-Coben-Situation: der Ich-Erzähler Jake Fisher ist ein beliebter College-Lehrer und immer noch Single. Vor sechs Jahren heiratete seine große Liebe Natalie den etwas älteren Todd Sanderson und Jake versprach ihr, sie in Ruhe zu lassen.
Als er auf der Universitätsseite die Todesanzeige von Todd entdeckt, bricht er sein Versprechen. Er fährt zur Beerdigung – und entdeckt sie nicht. Todds Frau ist eine ganz andere und niemand kennt Natalie. Denn der Tote war schon seit Ewigkeiten glücklich verheiratet und hat fast erwachsene Kinder.
Jake fragt sich, was da los ist und beginnt sie zu suchen. Aber Natalie ist nach der Hochzeit spurlos verschwunden. Schon bei einer ersten Recherche im Internet findet er keine neuen Informationen über die Künstlerin. Auch Shanta Newlin, eine Arbeitskollegin, die vorher für das FBI und die CIA gearbeitet hat, findet keine Informationen über Natalie.
In der Kirche gibt es noch nicht einmal einen Hinweis auf die Hochzeit und das Künstlerrefugium, in dem sie sich kennen lernten, existiert nicht mehr. Die Einheimischen behaupten sogar, es habe nie eines gegeben.
Langjährige Harlan-Coben-Fans werden, wie ich, einige Teile der Lösung schnell erahnen. Denn natürlich ist Jake nicht verrückt. Es gibt einen guten Grund, weshalb Natalie nach der Hochzeit spurlos verschwand und sie heute von halbseidenen, bewaffneten Typen gejagt wird, die auch Jake zu Hause besuchen. Außerdem raten alle Jake, nicht weiter nach Natalie zu suchen. Dabei wissen einige mehr über Natalies verschwinden, als sie ihm sagen. Und sie schickt ihm sogar eine E-Mail, in der sie ihn an sein Versprechen erinnert.
„Ich finde dich“ ist ein spannender Thriller, der alles das bietet, was man von einem Harlan-Coben-Pageturner erwartet: flotte Unterhaltung und dieses unangenehme Gefühl, nicht aufhören zu können, obwohl man eigentlich gerade keine Zeit hat, noch ein Kapitel zu lesen. Schlaflose Nächte und, wenn man das Buch mit zur Arbeit nimmt, lange Toilettensitzungen sind die Folge.
Coben - Ich finde dich - 2
Harlan Coben: Ich finde dich
(übersetzt von Gunnar Kwisinski)
Page & Turner, 2014
416 Seiten
14,99 Euro
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Originalausgabe
Six Years
Dutton, 2013
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Hinweise

Homepage von Harlan Coben

Mein Gespräch mit Harlan Coben über Myron Bolitar und seine Arbeit

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein böser Traum“ (Just one look, 2004)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein Friede den Toten“ (The Innocent, 2005)

Meine Besprechung von Harlan Coben „Der Insider“ (Fade away, 1996)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Das Grab im Wald“ (The Woods, 2007)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Sie sehen dich“ (Hold tight, 2008)

Meine Kurzbesprechung der Harlan-Coben-Verfilmung „Kein Sterbenswort“ (F 2006)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Von meinem Blut“ (Long Lost, 2009)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „In seinen Händen“ (Caught, 2010)

Meine Besprechung von Harlan Cobens “Sein letzter Wille” (Live Wire, 2011)

Meine Besprechung von Harlan Cobens “Nur zu deinem Schutz” (Shelter, 2011)

Harlan Coben in der Kriminalakte


Nathan Larson erzählt von „2/14“

März 20, 2014

Larson - 2-14

Wenn die äußeren Umstände nicht so mies wären, würde ich, wie jede Leseratte, sofort mit Dewey Decimal tauschen. Denn der Mann lebt in einer Bibliothek. Genaugenommen der New York Public Library und er kann dort ohne störenden Publikumsverkehr in aller Seelenruhe die Bücher lesen und sortieren. Das kann er, weil vor einigen Jahren im Umfeld von 2/14, dem Valentinstag, mehrere Dinge geschahen, die in Nathan Larsons Debütroman nur nebenbei angesprochen werden. Jedenfalls gab es Anschläge, drei Börsencrashs folgten und jetzt leben in New York nur noch 800.000 Menschen. Die restliche Welt scheint ähnlich menschenleer zu sein. In diesem dystopischen New York mit einer leidlich funktionierenden Verwaltung und einer funktionierenden U-Bahn übernimmt Dewey Decimal, der sich nicht an seine Vergangenheit erinnert, immer wieder Aufträge für Daniel Rosenblatt, den nicht gewählten District Attorney von New York.

Jetzt möchte Rosenblatt, dass der ukrainischen Mafiosi Yakiv Shapsko verschwindet und Dewey soll das erledigen.

Weil Shapsko sich nicht versteckt, findet Dewey ihn schnell. Aber Shasko weigert sich, ihn zu begleiten. Also versucht er über Shapskos Frau Iveta Druck auf den Gangster auszuüben. Doch der Plan geht schief. Sie schießt Dewey mit einem präzisen Schuss ins Bein und verschwindet. Rosenblatt lässt Dewey verarzten. Er will sogar, dass Dewey nach dieser sehr teuren Schlappe den Auftrag weiter verfolgt. Allerdings darf er sich nicht mehr Iveta nähern.

Nun, Dewey hält sich nicht an den Befehl. Er will, wie es sich für einen gestandenen Hardboiled-Detektiv der alten Schule gehört, die Wahrheit herausfinden.

2/14“, der erste von drei geplanten Dewey-Decimal-Romanen, ist ein gelungener Mix aus Dystopie und Dashiell Hammetts „Der Malteser-Falke“, erzählt von einem unzuverlässigem Erzähler. Denn der dunkelhäutige Dewey ist ein Mann ohne Erinnerung. Er kennt seinen echten Namen nicht. Er kommt, wie seine ihm implantierten Erinnerungen, die allerdings auch seine echten sein könnten, ihm verraten, aus der Bronx. Er war Soldat oder hat eine ähnliche Ausbildung. Er hat gute Verbindungen, aber er weiß nicht warum, und er hat einige irritierende Angewohnheiten und Abneigungen. So braucht er regelmäßig seine Tabletten, die er von Rosenblatt erhält. Er reagiert phobisch auf Schmutz, desinfiziert sich ständig die Hände, trägt am liebsten Einmal-Handschuhe, achtet penibel auf seine saubere Kleidung und bewegt sich nach einem bestimmten System durch die Stadt.

Ungefähr nachdem Dewey zum dritten Mal seinen Anzug wegen eines Schmutzflecks tauschen muss, fragt man sich, ob diese Spleens nicht nur Spleens, sondern Zeichen einer viel tiefer liegenden geistigen Desorientierung sind. Kurz: Ist der Terminator Dewey vielleicht wahnsinnig?

In „2/14“ gibt es noch keine endgültige Antwort.

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Nathan Larson: 2/14 – Ein Dewey-Decimal-Roman

(übersetzt von Andrea Stumpf)

Diaphanes, 2014 (Penser Pulp)

256 Seiten

17,95 Euro

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Originalausgabe

The Dewey Decimal System

Akashic Books, 2011

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Hinweise

Homepage von Nathan Larson

Wikipedia über Nathan Larson (deutsch, englisch)

The Nervous Breakdown hat 21 Fragen an Nathan Larson, die er auch alle beantwortete (10. Juli 2012)


DVD-Kritik: Die „Drecksau“ schlägt jetzt auch im Wohnzimmer zu

März 12, 2014

 

Als die schwarzhumorige Irvine-Welsh-Verfilmung „Drecksau“, mit James McAvoy (Wanted, Trance – Gefährliche Erinnerung, X-Men: Erste Entscheidung) war ich ziemlich begeistert über diesen vollkommen durchgeknallten Polizisten mit der verschobenen Selbstwahrnehmung.

Damals schrieb ich:

Nein, zum Vorbild taugt Detective Sergeant Bruce Robertson (James McAvoy) nicht. Er ist auch kein Aushängeschild für die Polizei von Glasgow. Er ist ein egozentrisches, überhebliches, frauenverachtendes, reaktionäres Arschloch, das zwischen Drogenkonsum, Onanieren, Schulhofintrigen und Sex mit allen Frauen, die seinem Charme erliegen oder, weil sie Minderjährig sind, von ihm dazu erpresst werden, noch schnell einige obszöne Anrufe tätigt und, immerhin ist der Film, wie Irvine Welshs Roman, aus Robertsons Perspektive erzählt, alle anderen für Idioten, Trottel oder Spastis hält. Deshalb steht nur ihm die Beförderung zum Detective Inspector zu. Und den Mordfall an dem Japaner wird er auch mit links lösen. Es gibt ja genug Typen, die einen Knastaufenthalt verdient haben.

So malt sich Bruce Robertson seine Welt aus. Dummerweise sehen die anderen ihn nicht als glorreichen Helden, sondern als Drogenwrack, das in psychiatrischer Behandlung ist; wobei einige dieser Sitzungen bei Dr. Rossi auch in seinem Kopf stattfinden könnten. Aber diese Irritationen, wozu auch die pulpigen Auftritte seiner Frau gehören, schleichen sich langsam in die Geschichte ein und lassen – im Film früher und subtiler als im Roman – immer mehr an der Zuverlässigkeit des Erzählers zweifeln.

Jon S. Bairds rabenschwarze, satirisch überspitze, surreale Komödie ist, knapp gesagt, „Trainspotting“ im Polizeimilieu und Bairds Film muss den Vergleich mit Danny Boyles Klassiker nicht scheuen. Außerdem ist die Vorlage für beide Filme von Irvine Welsh. Mit „Drecksau“ schrieb er einen Polizeiroman, der an die düsteren britischen Polizeikrimis von G. F. Newman anknüpft, der in seinen Inspector-Sneed-Romanen (auch bekannt als Bastard-Romane) die Welt der Polizei als korrupten Augiastall porträtiert. Und natürlich ist Robertson das britische Gegenstück zu dem namenlosen Polizisten (Harvey Keitel) in Abel Ferraras „Bad Lieutenant“ (1992), dessen Drogenkonsum auch beachtlich war.

Die Änderungen zum mit vierhundertfünfzig Seiten zu langen Roman sind eher miminal. Statt in Edinburgh spielt die Geschichte in Glasgow, aus dem ermordeten Afrikaner wurde ein ermordeter Japaner, aus der Sauftour nach Amsterdam wurde ein Hamburg-Besuch, aus dem Bandwurm, der im Roman das Geschehen kommentiert, wird im Film ein sich sehr seltsam benehmender Psychiater, es wurde einiges weggelassen, bei den Frauen gibt es einige Änderungen, die aber den Film nicht weniger schwarzhumorig-zynisch machen als die Vorlage und sie sogar verbessern. Denn Jon S. Baird bleibt dem Geist der Vorlage treu und porträtiert einen wirklich abstoßenden Polizisten, der dank der beachtlichen Leistung von James McAvoy, sogar einige fast schon sympathische Seiten hat.

Inzwischen erhielt McAvoy den British Independent Film Awards als bester Schauspieler und auch beim zweiten Ansehen macht die Komödie Spaß. Eigentlich sogar noch mehr als beim ersten Sehen.

Das Bonusmaterial

Das Bonusmaterial ist überschaubar und mit ungefähr vierzig Minuten auch nicht besonders umfangreich ausgefallen. Die meiste Zeit nehmen dabei gut 15 Minuten Interviewschnipsel mit James McAvoy und etwas über elf Minuten mit Jon S. Baird ein. Der Regisseur und Drehbuchautor verrät einige Hintergründe über seine Entdeckung des Romans, wie er sich die Rechte sicherte und das Drehbuch schrieb. Gute sechs Minuten gehen dann noch für die B-Roll drauf.

In der UK-Fassung gibt es außerdem einen Audiokommentar von Jon S. Baird, ein über zwanzigminütiges Interview mit Irvine Welsh, mehrere geschnittene und erweiterte Szenen.

Drecksau - DVD-Cover

Drecksau (Filth, Großbritannien 2013)

Regie: Jon S. Baird

Drehbuch: Jon S. Baird

LV: Irvine Welsh: Filth, 1998 (Drecksau)

mit James McAvoy, Jamie Bell, Imogen Poots, Eddie Marsan, Jim Broadbend, Gary Lewis, Shirley Henderson

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DVD

Ascot Elite

Bild: 2.40:1/16:9 (PAL)

Ton: Deutsch (DTS, Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Interviews mit James McAvoy, Jamie Bell, Imogen Poots, Jon S. Baird, Featurette, B-Roll, Trailer (englisch, deutsch

Länge: 94 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Die Vorlage

Welsh - Drecksau

Irvine Welsh: Drecksau

(übersetzt von Clara Drechsler und Harald Hellmann)

KiWi, 2011

464 Seiten

9,99 Euro

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Deutsche Erstausgabe

Kiepenheuer und Witsch, 1999

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Originalausgabe

Filth

Jonathan Cape, 1998

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Drecksau“

Moviepilot über „Drecksau“

Metacritic über „Drecksau“

Rotten Tomatoes über „Drecksau“

Wikipedia über „Drecksau“ 

Homepage von Irvine Welsh

Perlentaucher über „Drecksau“

Meine Besprechung von Jon S. Bairds „Drecksau“ (Filth, Großbritannien 2013 – mit weiteren Videoclips)


„Eiskalt“, „Die Tote in Paradise“ und Jesse Stone ermittelt

März 11, 2014

Parker - Die Tote in Paradise - 2Parker - Eiskalt - 2

Mit Jesse Stone, dem Polizeichef von Paradise, einem Kaff in Massachussetts in Sichtweite von Boston, erfand Spenser-Erfinder Robert B. Parker einen zweiten, bei seinen Lesern äußerst beliebten Serienhelden, der sich in einigen wichtigen Punkten von seinem in jeder Beziehung vorbildlichem Privatdetektiv Spenser unterscheidet.

Jesse Stone war in Los Angeles Mordermittler mit einem massiven Alkoholproblem, das ihn dort untragbar machte. In Paradise fand er einen neuen Job, den er vor allem bekam, weil er ein Trinker ohne Perspektive war. Die Stadtväter dachten, sie hätten einen Polizisten, der sie bei ihren Geschäften nicht stört. Sie irrten sich und in dem ersten Jesse-Stone-Roman „Das dunkle Paradies“ räumt er, in guter alter Wildwest-Tradition als neuer Sheriff in dem Ort ordentlich auf.

Danach schrieb Parker acht weitere Jesse-Stone-Romane, Michael Brandman, der in etliche Parker-Verfilmungen involviert war, schrieb nach Parkers Tod bislang drei Jesse-Stone-Romane. Für literarischen Nachschub ist also gesorgt. Und dann gibt es noch acht sehr gelungene Jesse-Stone-TV-Spielfilme mit Tom Selleck in der Hauptrolle, die immer wieder im TV laufen.

Jetzt veröffentlichte der Pendragon Verlag mit „Die Tote in Paradise“ (leider ist der doppeldeutige Originaltitel „Death in Paradise“ unübersetzbar) und „Eiskalt“ den dritte und vierte Jesse-Stone-Roman auf Deutsch.

In „Die Tote in Paradise“ wird im Wasser eine stark verweste Frauenleiche entdeckt. Es dauert eine Zeit bis Jesse Stone ihren Namen ermittelt. Billie Bishop wurde von ihren Eltern verstoßen, war eine Prostituierte und hatte über ihren Zuhälter Verbindungen zu dem Mafiosi Gino Fish, der auch in Robert B. Parkers Spenser-Romanen auftaucht.

Die Tote in Paradise“ ist ein traditioneller Rätselkrimi mit einem sich im letzten Drittel deutlich abzeichnendem Täter und bekannten Parker-Themen. Immerhin geht es hier, mal wieder, um die Erziehung von Kindern, um Macht und Kontrolle in Beziehungen.

Eiskalt“ ist dagegen vom Aufbau her ein Thriller, bei dem die Täter von Anfang an bekannt sind. Nämlich das Ehepaar Tony und Brianna Lincoln, das munter die Bevölkerung von Paradise dezimiert und kaum Spuren hinterlässt. Denn natürlich findet Jesse Stone mit guter, ehrlicher Polizeiarbeit Hinweise auf die Täter, aber gerichtsfeste Beweise hat er nicht. Da bemerkt er, dass sie ihn umbringen wollen.

Das klingt jetzt nach einem ordentlichen Thriller, aber „Eiskalt“ plätschert erstaunlich spannungsfrei vor sich hin, während Stone noch seine alltägliche Polizeiarbeit erledigt (unter anderem hilft er einer vergewaltigten Schülerin) und eine Affäre mit der ebenfalls aus den Spenser-Romanen bekannten Anwältin Rita Fiore beginnt.

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Robert B. Parker: Die Tote in Paradise

(übersetzt von Bernd Gockel)

Pendragon 2014

312 Seiten

10,99 Euro

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Originalausgabe

Death in Paradise

G. P. Putnam’s Son, 2001

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Verfilmung

Jesse Stone: Totgeschwiegen (Jesse Stone: Death in Paradise, USA/Kanada 2006)

Regie: Robert Harmon

Drehbuch: J.T. Allen, Tom Selleck, Michael Brandman

mit Tom Selleck, Matt Barr, Edward Edwards, Viola Davis, John Diehl, William Devane

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Robert B. Parker Eiskalt

(übersetzt von Bernd Gockel)

Pendragon 2014

352 Seiten

10,99 Euro

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Originalausgabe

Stone Cold

G. P. Putnam’s Son, 2003

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Verfilmung

Jesse Stone: Eiskalt (Jesse Stone: Stone Cold, USA 2005)

Regie: Robert Harmon

Drehbuch: John Fasano, Michael Brandman

Mit Tom Selleck, Jane Adams, Reg Rogers, Mimi Rogers

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Hinweise

Homepage von Robert B. Parker

Mein Porträt der Spenser-Serie und von Robert B. Parker

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Die blonde Witwe“ (Widow’s walk, 2002)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Alte Wunden” (Back Story, 2003)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der stille Schüler“ (School Days, 2005)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der gute Terrorist“ (Now & Then, 2007)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Hundert Dollar Baby” (Hundred Dollar Baby, 2006)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Trügerisches Bild“ (Painted Ladies, 2010)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Bitteres Ende” (The Professional, 2009)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Wildnis“ (Wilderness, 1979)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Appaloosa“ (2005)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Appaloosa“ (Appaloosa, 2005) (Übersetzung)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Das dunkle Paradies” (Night Passage, 1997)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Miese Geschäfte“ (Bad Business, 2004)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Resolution“ (Resolution, 2008)

Mein Nachruf auf Robert B. Parker

Robert B. Parker in der Kriminalakte


Ein „Deadly Storm – Tödlicher Sturm“ wird kommen

März 5, 2014
Richard Castle stellt seinen neuen Thriller vor. (Foto: Cross Cult)

Richard Castle stellt seinen neuen Thriller vor. (Foto: Cross Cult)

Ich kenne den Roman nicht, aber wenn Richard Castle, wie er in der Einführung der Comic-Adaption von „Deadly Storm – Tödlicher Sturm“ schreibt, begeistert ist, dann muss ich das glauben. Immerhin ist er für seine gnadenlose Ehrlichkeit und sein scharfes Urteil bekannt.

Wir begegnen Derrick Storm (der Richard Castle verdächtig ähnlich sieht) in einem Trailerpark im Gebüsch. Er fotografiert den untreuen Ehemann Jefferson Grout, der gerade mit einer Frau im Bett liegt. Nicht gerade ein grandioser Auftrag, aber der beste, den Privatdetektiv Derrick Storm seit einem Jahr hat. Er wird entdeckt; kann im Getümmel entkommen. Grout ebenso. Und als Derrick am nächsten Tag sein Büro (etwas zu pompös für meinen Geschmack) betritt, wurde es durchsucht und zwei muskelbepackte Anzugträger stehen vor seiner Tür, die Clara Strike begleiten. Strike (yep, Derrick verliebt sich in die taffe Schönheit) ist CIA-Agentin und Grout heißt, so sagt sie, eigentlich Daniel Sanchez. Er ist ein abtrümmiger CIA-Agent, der in den USA untergetaucht ist und sein Wissen verkaufen will. Weil die CIA in den USA keine Befugnisse hat, beauftragt Strike Derrick den wieder spurlos verschwundenen Grout zu suchen.

Nur: Hat sie ihm alles gesagt?

Deadly Storm – Tödlicher Sturm“ hat den typischen Richard-Castle-Tonfall: locker, humorvoll und mit einem amüsantem Spiel mit den bekannten Krimiklischees, die Castle in- und auswendig kennt und immer genug modifiziert, um sie als willkommene Reminiszenzen oder Witze in seine Geschichte einzuflechten. Dieses Mal bedienen er und die Autoren des Comics, Brian Michael Bendis und Kelly Sue Deconnick, sich vor allem beim Privatdetektiv- und Agentenkrimi.

Insgesamt unterhält das erste Derrick-Storm-Comicabenteuer kurzweilig, auch wenn das Ende etwas abrupt ist und Derrick auf all die schönen James-Bond-Agentenspielzeuge, die er gerne hätte, verzichten muss.

Castle - Deadly Storm - Comic 1

Brian Michael Bendis (Autor)/Kelly Sue Deconnick (Autor)/Lan Medina (Zeichner): Richard Castles Deadly Storm – Tödlicher Sturm: Ein Fall für Derrick Storm

(übersetzt von Anika Klüver)

Cross Cult, 2013

112 Seiten

19,80 Euro

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Originalausgabe

Castle: Richard Castle’s Deadly Storm

Marvel, 2011

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Hinweise

Homepage von Richard Castle

Wikipedia über Richad Castle

ABC-Seite über „Castle“

Kabel-1-Seite über “Castle”

Wikipedia über „Castle“ (deutsch, englisch)

The Futon Critic interviewt Andrew W. Marlowe (21. November 2009)

„Castle“-Fanseite

Richard Castle in der Kriminalakte (eins, zwei, drei , vier und beim Paley Fest)

Meine Besprechung von Richard Castles „Heat Wave – Hitzewelle“ (Heat Wave, 2009)

Meine Besprechung von Richard Castles „Storm Front – Sturmfront“ (Storm Front, 2013)

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Dieses schöne Plakat will ich euch nicht vorenthalten

Castle - The Final Frontier - 100


Jason Starr erzählt „Wolverine: Der Beschützer“

Februar 26, 2014

Starr - Wolverine MAX Der Beschützer

Seit einigen Jahren schreibt Noir-Autor Jason Starr, dessen Romane bei Diogenes erscheinen und dessen umwerfend komische Zusammenarbeit mit Ken Bruen bei Rotbuch erschien, auch Comics. Unter anderem eine inzwischen auf fünfzehn Hefte angewachsene „Wolverine MAX“-Serie.

Mit „Der Beschützer“ liegt jetzt der zweite Sammelband dieser „Wolverine MAX“-Serie vor, der die weitgehend voneinander unabhängigen Geschichten „Der Beschützer“ und „Die lange Straße“ enthält.

In „Der Beschützer“ ist Logan, nachdem er in Japan alles verlor, in Los Angeles angekommen. Sein Gedächtnis hat er zwar immer noch nicht gefunden, aber dafür einen Hund, den er „Hund“ nennt. Gegenüber einer Strandschönheit erklärt er den Namen seines vierbeinigen Begleiters lakonisch mit: „Ich mag’s gern einfach.“

Einfach, aber etwas seltsam, ist dann auch ihr Auftrag. Er soll sie durch die Stadt fahren. Sie nennt sich Candance ‘Candy’ Cassidy, was eine Lüge ist, und sie hat Ärger mit einem Pornofilmproduzenten. Logan fährt seine Krallen aus und mischt sich als Wolverine höchst blutig ein.

In „Die lange Straße“ ist er dann, nachdem er in seinem Schrottauto einen Zettel fand, der ihm in Las Vegas eine Antwort auf seine Fragen versprach, auf den Weg in die Glücksspielstadt. Auf dem Weg trifft er einen Mann, der ihn von früher kennt.

In dem bekannten „Wolverine“-Serienkorsett ist kein Platz für den typischen Jason-Starr-Protagonisten. Immerhin ist Wolverine ein ständig stinkiger, unsterblicher Mann mit einem überaus gutem Sensorium für Gefahren. Der normale Jason-Starr-Protagonist ist ein an seinen Ambitionen scheiternder Mann, der sich oft mit schlecht bezahlten Jobs, die unter seinem intellektuellem Niveau liegen, durchschlägt. Das ist dann doch zu Noir für eine „Wolverine“-Geschichte. Und das furiose, schwarzhumorige Rondell des Scheiterns, das Starr, zusammen mit Ken Bruen, in den drei Max-und-Angela-Geschichten abbrannte, passt auch nicht in den „Wolverine“-Kosmos.

Dennoch sind diese beiden „Wolverine“-Geschichten ziemlich düster geraten. Immerhin stolpert hier ein Mann ohne Gedächtnis durch eine Welt, die er nicht wirklich begreift. Einmal als Bodyguard, der getötet werden soll. Einmal als Reisender, der Menschen begegnet, die etwas von ihm wollen. Und anscheinend wissen alle mehr über ihn, als er über sich selbst. Auch das ist ziemlich noir – und nicht ohne eine gehörige Portion absurden Humor.

Dennoch ist „Der Beschützer“ eher etwas für die „Wolverine“- als für die Jason-Starr-Fans.

Oh, und wie ein Blick auf seine Homepage verrät: einige Verfilmungen sind auf einem sehr guten Weg. Ich bin gespannt.

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Jason Starr (Autor)/Felix Ruiz (Zeichner)/Roland Boschi (Zeichner): Wolverine MAX: Der Beschützer (Maximum 56)

(übersetzt von Michael Strittmatter)

Panini, 2014

116 Seiten

14,99 Euro

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Originalausgabe

Wolverine MAX – Volume 2

Marvel, 2013

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enthält

The Protector (Wolverine MAX 6 – 8)

Long Road (Wolverine MAX 9 – 10)

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Hinweise

Homepage von Jason Starr (sogar mit einigen Worten an seine deutschen Leser)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Flop“ (Bust, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Crack“ (Slide, 2007)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Attica“ (The MAX, 2008)

Meine Besprechung von Jason Starrs “Brooklyn Brothers” (Lights Out, 2006)

Meine Besprechung von Jason Starrs „Stalking“ (The Follower, 2007)

Meine Besprechung von Jason Starrs „Panik“ (Panic Attack, 2009)

Jason Starr in der Kriminalakte


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