Veronica Mars glaubt „Zwei Vermisste sind zwei zu viel“

August 12, 2014

Spring Break ist eine für uns esoterische Sitte von US-Studenten, die sich tagelang in Massen betrinken und die Bewohner ihrer Reiseziele mit den üblichen Ausfällen von erhöhtem Drogengebrauch nerven. Aber für die lokale Wirtschaft ist der Spring Break ein gutes Geschäft.

Ein vermisster Teenager ist dagegen sehr schlecht für das Geschäft und weil Dan Lamb, der Sheriff von Neptune, Kalifornien, eine von den lokalen Honoratioren eingesetzte Null ist, beauftragt Petra Landros, Ex-Unterwäschemodell, Nobelhotelbesitzerin und Vorsitzende der Handelskammer von Neptune, Veronica Mars, ebenfalls die während des Spring Breaks verschwundene achtzehnjährige Hayley Dewalt zu suchen.

Veronica Mars erblickte 2004 in der gleichnamigen, von Rob Thomas erfundenen TV-Serie das Licht der Welt. Damals war sie eine 17-jährige Schülerin, die den Tod ihrer besten Freundin aufklären wollte und nebenbei ihrem Vater in der Detektei half. Die Serie, eine gelungene und witzige Verbindung von Highschool-Drama und Hardboiled-Privatdetektiv-Serie mit zahlreichen Anspielungen für den Genre-Junkie, wurde drei Jahre lang ausgestrahlt und hatte viele treue Fans, die später auch den Spielfilm „Veronica Mars“ mit einem Rekord-Crowfunding-Ergebnis ermöglichten.

Mit „Zwei Vermisste sind zwei zu viel“ erschien jetzt der erste Roman mit Veronica Mars, der zeitlich einige Wochen nach dem Spielfilm spielt und auch für Fans von Privatdetektiv-Romanen eine gelungene Lektüre ist. Dabei hat Veronica, wie die Fans der Serie wissen, für einen Hardboiled-Detektiv erstaunlich viele Freunde und Helfer und eine gute Beziehung zu ihrem Vater, bei dem sie inzwischen wieder lebt. Außerdem ist sie gar nicht so hartgesotten, trink- und schlagfreudig wie ihre zahlreichen männlichen und weiblichen Vorgänger. Sie hat noch nicht einmal eine Waffe. Obwohl ihr Vater Keith Mars ihr in dem Roman einen Revolver schenkt und sie zum Schießtraining schickt. Wenn sie nach ihrem Studium schon Privatdetektivin sein will, so der väterliche Befehl, muss sie auch eine Schusswaffe haben und mit ihr umgehen können.

Veronicas Ermittlungen in dem Fall des vermissten Teenagers führen sie zu einer Nobelvilla, in der täglich eine gut organisierte Spring-Break-Party stattfindet, unter anderem mit kostenlosen Drogen, bewaffneten Bodyguards, die alle kontrollieren, und einem unbekannten Organisator. Auf dieser Party wurde Hayley vor einigen Tagen zuletzt gesehen. Auf ihrer Facebook-Seite postete sie ein Bild, das sie, wie Veronica auf der Party erfährt, mit Rico Gutiérrez Ortega in einer eindeutigen Pose zeigt. Er ist einer der beiden Organisatoren der Partys, die am Hearst College studieren und künftige Erben eines mexikanischen Drogenkartells sind.

Da verschwindet ein zweites Mädchen: Aurora Scott, die sechzehnjährige, am Hearst College studierende Stieftochter von Veronicas Mutter Lianne. Die Alkoholikerin verließ sie vor elf Jahren. Seitdem hatten sie keinen Kontakt mehr zueinander. Jetzt ist Lianne scheinbar glücklich mit einem ebenfalls trockenen Alkoholiker verheiratet.

Aurora wurde zuletzt von Veronica auf der Party von Ortega und Eduardo Gutiérrez Costillo gesehen.

Zwei Vermisste sind zwei zu viel“ (wobei mir der Retro-Originaltitel „The Thousand Dollar Tan Line“ besser gefällt) ist die von Rob Thomas und Jennifer Graham (die wahrscheinlich die gesamte Schreibarbeit übernahm) geschriebene spannende Fortführung der vertrauten „Veronica Mars“-Serienwelt in Buchform, bei der die bekannten Charaktere aus der Serie gleich im Dutzend auftreten, was den Fan erfreut, den Neuling wegen der vielen Charaktere etwas verwirrt. Immerhin sind hier mehr Charaktere dabei, als andere Detektive in ihrem gesamten Leben treffen.

Der Fall selbst ist sauber geplottet mit etlichen Überraschungen bei der Aufklärung und, verglichen mit den vielen blutgetränkten Serienkillerthrillern, angenehm unblutig und realistisch. Lange Zeit ist sogar unklar, ob die vermissten Teenager tot sind.

Es gibt, wie schon in der TV-Serie und dem Film, ein bitterböses Porträt einer Dashiell Hammettschen „Red Harvest“-Stadt und sobald wir mehr über Hayley und Aurora erfahren, gibt es, wie bei Ross Macdonalds ebenfalls in Kalifornien ermittelnden Privatdetektiv Lew Archer, einen Blick in verkorkste Familien und ihre Vergangenheit. Das bewegt sich immer gelungen und kurzweilig in den vertrauten Hardboiled-Privatdetektivkrimipfaden, wobei Veronica gar nicht so hartgesotten wie der Continental Op, Sam Spade, Philip Marlowe oder Lew Archer ist.

Der zweite „Veronica Mars“-Roman „Mr. Kiss and Tell“ (wieder ein schöner Originaltitel) erscheint in den USA am 28. Oktober. Wenn die Verkaufszahlen gut sind, wird es sicher weitere Romane mit der smarten Privatdetektivin gegen – und das ist gut so.

Thomas - Veronica Mars - 4

Rob Thomas/Jennifer Graham: Veronica Mars: Zwei Vermisste sind zwei zu viel

(übersetzt von Silvia Kinkel)

script 5, 2014

336 Seiten

14,95 Euro

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Originalausgabe

Veronica Mars: The Thousand Dollar Tan Line

Alloy Entertainment, 2014

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Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Veronica Mars“

Moviepilot über „Veronica Mars“

Metacritic über „Veronica Mars“

Rotten Tomatoes über „Veronica Mars“

Wikipedia über „Veronica Mars“

Thrilling Detective über Veronica Mars

Meine Besprechung von Rob Thomas’ „Veronica Mars“ (Veronica Mars, USA 2014)

Meine Besprechung von Rob Thomas’ „Veronica Mars“ (Veronica Mars, USA 2014) (DVD-Besprechung)


Im Verhörzimmer: Wolfgang Schweiger erklärt das „Duell am Chiemsee“ – und einige andere Dinge

August 11, 2014
Wolfgang Schweiger (Bild: Pendragon)

Wolfgang Schweiger (Bild: Marietta Heel)

 

Die Veröffentlichung von „Duell am Chiemsee“, der sechste Fall der am Chiemsee ermittelnden Kommissare Andreas Gruber und Ulrike Bischoff, war für die Kriminalakte die Gelegenheit, Wolfgang Schweiger, den Autor der Chiemgau-Krimis, in eines unserer Verhörzimmer zu bitten.

Wolfgang Schweiger veröffentlichte zwischen 1984 und 1994 elf Romane, die vor allem im Bereich Noir, Hardboiled und Gangsterkrimi angesiedelt waren, und das Sachbuch „Der Polizeifilm“. 1999 gab es mit „Kein Job für eine Dame“ einen einmaligen Nachschlag. Erst 2008 veröffentlichte er mit „Der höchste Preis“ einen weiteren Roman. Seitdem erschienen fünf weitere Kriminalromane. Immer mit den Kommissaren Gruber und Bischoff.

In seinem neuesten Kriminalroman „Duell am Chiemsee“ wird der Ex-Kriminelle und Schauspieler Frank Janek von einem alten Komplizen und Freund erpresst, einen Drogenhändler zu überfallen. Eine einfache Sache, die mit mehreren Toten endet. Gruber und Bischoff beginnen mit den Ermittlungen – und Janek wird unweigerlich immer tiefer in den kriminellen Sog, dem er anscheinend schon vor Jahren entkommen war, gezogen.

Duell am Chiemsee“ ist ein spannender Gangsterkrimi unter der Tarnkappe eines Regiokrimis mit den ermittelnden Polizisten als Zaungäste in einem blutigen und leichengesättigten Drama.

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Was war die Ausgangsidee für „Duell am Chiemsee“?

Schon Schiller schrieb, in jedem von uns stecke ein Borgia. Das wollte ich auf die Hauptfigur übertragen, einen solide gewordenen Ex-Gangster, der von seiner Vergangenheit eingeholt wird. Die Herausforderung dabei war für mich, diesen Mann als halbwegs positive Figur zu erhalten, obwohl er bedenkenlos tötet, wenn er es für nötig hält.

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Wie sähe Ihre Wunschbesetzung für eine Verfilmung des Romans aus, wenn Sie vollkommen freie Hand hätten und auch Tote mitspielen dürften?

- Ray Winstone (Gruber),

- Julia Koschitz (Bischoff)

- Josh Brolin (Janek)

- Thomas Kretschmann (Bosch)

- Christoph Waltz (Friesinger)

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Ihre frühen Romane waren alle Einzelromane. Mit den Gruber-Bischoff-Polizeiromanen schreiben Sie inzwischen eine Serie, die auch noch in einer erkennbaren Ferienregion spielt. Wo sehen Sie die Unterschiede einer Serie gegenüber Einzelromanen und wie vermeiden Sie die Fallen des Regiokrimis?

Eine (Polizei)Serie engt zunächst ein, weil vorhersehbar ist, dass die Ermittler sich zu helfen wissen und am Ende die Gewinner sind.

Andererseits kann ich die Figuren der Ermittler im Verlauf der Serie weiter entwickeln und dem Leser so vertraut machen, dass er sie wie gute Bekannte empfindet, die er im besten Fall einmal im Jahr trifft.

Bei Einzelromanen muss man stets auf neue um die Aufmerksamkeit der Leser kämpfen.

Für meinen Geschmack wird im Regiokrimi häufig zu viel Wert auf Lokalkolorit gelegt zu Lasten der Handlung. Vor allem, wenn die Krimis in (Ober)Bayern spielen und Gaudi und Klischees die Oberhand gewinnen. Auch den Gebrauch von Dialekt in diesen Krimis kann ich nichts abgewinnen. Das ist mühsam für den Leser und bringt atmosphärisch gar nichts.

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Sie haben früher auch Drehbücher für „Der Fahnder“ und „Soko 5113“ geschrieben. Wie unterscheidet sich für Sie die Arbeit an einem Drehbuch von der Arbeit an einem Roman?

Rein technisch gesehen ist die Arbeit an einem Drehbuch um Vieles einfacher, da alles über den Dialog und die Handlung läuft, komplizierte Beschreibungen aller Art (Sonnenuntergänge, die Gedankenwelt eines Serienkillers etc) entfallen.

Andererseits muss man, schreibt man z. B. für eine Krimiserie, alle möglichen Vorgaben beachten („unsere Hauptfigur macht so etwas nicht!“) und ständig darauf achten, ob diese oder jene Szene auch finanzierbar (und aus Sicht der TV-Sender moralisch vertretbar) ist.

Bei einem Roman hingegen habe ich alle Freiheiten, kann meine Geschichte überall und zu jeder Zeit spielen lassen. Am Ende ist nicht irgendein Produzent, Redakteur oder Regisseur die letzte Instanz, sondern ich selbst (in Absprache mit dem Verleger).

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Wie sieht Ihr Schreibprozess aus?

Der Schreib- oder besser gesagt Herstellungsprozess bei meinen jährlichen Gruber/Bischoff Krimis sieht so aus, dass ich bald nach Erscheinen des letzten Buches anfange, auf ausgedehnten Spaziergängen nach einer neuen Grundidee zu suchen. Ist die gefunden, skizziere ich auf ein paar Seiten das vorläufige Handlungsgerüst und die wichtigsten Figuren, gefolgt von einer Kapiteleinteilung.

Für mich ist ganz wichtig, dabei, dass ich das Ende der Geschichte kenne. Erst dann fange ich an zu schreiben, meist vormittags zwischen acht und zwölf.

Ist nach sechs bis acht Wochen eine erste durchgeschriebene Fassung fertig, geht sie an den Verlag, damit der Verleger weiß, was auf ihn zukommt und er seine Anmerkungen und Änderungsvorschläge dazu machen kann. Und da Schreiben Überarbeiten heißt, dauert es dann bis zur 4. oder 5. Fassung, bis ich zufrieden bin.

Die Recherche gestaltet sich manchmal recht skurril: Als ich für meinen zweiten Gruber/Bischoff-Roman einen Blick in die JVA Traunstein werfen wollte, wurde mir dies aus Datenschutzgründen verweigert und der zuständige Herr meinte allen Ernstes, ich solle es doch wie der Karl May halten, der die Schauplätze seiner Geschichten ja auch nicht gekannt habe.

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Welche fünf Bücher empfehlen Sie für den Sommerurlaub?

- David Weddle „If They Move … Kill ’Em!“

Die beste Sam Peckinpah-Biografie und zugleich das interessanteste Filmbuch, das ich kenne.

- Philipp Blom „Böse Philosophen“

Aufklärung tut not.

- Stephen Hunter „Pale Horse Coming“

Pulp Fiction vom Feinsten. Hunter auf dem Höhepunkt. Leider hat er in den vergangenen Jahren furchtbar nachgelassen.

- Jörg Fauser „Rohstoff“

Ein Klassiker, immer wieder lesenswert.

- Robert Hültner „Tödliches Bayern“

Authentische Kriminalfälle aus Bayern und der Stoff, aus dem Regiokrimis geschnitzt sein sollten.

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Schweiger - Duell am Chiemsee - 2

Wolfgang Schweiger: Duell am Chiemsee

Pendragon, 2014

264 Seiten

10,99 Euro

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Hinweise

Homepage von Wolfgang Schweiger

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Wolfgang Schweiger

Rosenheimer Nachrichten: Interview mit Wolfgang Schweiger (26. November 2006)

Meine Besprechung von Wolfgang Schweigers „Der höchste Preis” (2008)

Meine Besprechung von Wolfgang Schweigers „Tödlicher Grenzverkehr“ (2010)

Meine Besprechung von Wolfgang Schweigers “Duell am Chiemsee” (2014)


Dominique Manotti träumt „Madoffs Traum“

August 11, 2014

Manotti - Madoffs Traum - 2

Erst vor wenigen Wochen feierte ich den neuen Roman „Ausbruch“ von Dominique Manotti ab und schon liegt ihr nächster Roman auf meinem Schreibtisch. Wobei Roman falsch ist. Der Verlag nennt das 64-seitige Werk eine „Novelle“, ich würde eher längere Kurzgeschichte (so ungefähr in der epischen Stephen-King-Kurzgeschichten-Länge) sagen und ein herkömmlicher Krimi mit Mord und Totschlag ist es auch nicht.

Es ist die an den Fakten entlang erzählte Lebensbeichte von Bernie Madoff, der wegen seiner Betrügereien zu 150 Jahren Gefängnis verurteilt wurde und in Manottis Buch über sich sagt: „Ich bin kein Verbrecher. Ich bin einer der Gründerväter der neuen Ökonomie.“

Er erzählt, wie er in den Sechzigern als Börsenmakler begann, als 22-jähriger eine Wertpapierfirma gründete und in den folgenden Jahrzehnten zum Großverdiener aufstieg. Das begann in den Siebzigern mit dem Einsatz von Computern und der Gründung der NASDAQ: „wir Jungbörsianer [setzten] alles auf eine Karte und gründeten 1971 die weltweit erste voll computerisierte und voll automatisierte Börse, die NASDAQ. Gewagt, gewonnen. In weniger als zehn Jahren entwickelte sich die Nasdaq zur zweitgrößten amerikanischen Börse.“

Als er als Vierzigjähriger in den Achtzigern an den Ruhestand dachte, kam Ronald Reagan an die Macht und das Jahrzehnt der Gier brach aus, wie wir in Oliver Stones „Wall Street“ und Tom Wolfes „Fegefeuer der Eitelkeiten“ (und der Verfilmung) sehen konnten.

So formulierte der Börsenmakler Ivan Boesky (eines der Vorbilder für „Wall Street“ Gordon Gekko) in einer legendären Rede an der Universität Kalifornien: „Gier ist eine Tugend. Lebensgier, Geldgier, Liebesgier, Wissbegier – Gier ist die Essenz des Fortschrittgeistes. Sie ist das, was die Welt in Bewegung versetzt. Sie ist der Motor für das Voranschreiten der Menschheit. Die Gier wird dieses schlecht geführte Unternehmen namens USA retten. Ich denke, dass Gier gesund ist. Sie haben das Recht, gierig zu sein und sich daher wohl in Ihrer Haut zu fühlen.“

Madoff und die anderen Börsianer waren begeistert. Hier formulierte einer eloquent, was er dachte. Auch wenn der Aufschwung der Börse, so Madoff, damals vor allem von Schrottanleihen befeuert wurde.

In den Neunzigern beteiligte Madoff sich auf Anregung von P. an einem Ponzi-System. Als der Betrug während der Finanzkrise aufflug, wurde Madoff als Betrüger auch bei uns bekannt. Immerhin betrog er in großer Dimension die Reichen, die über zwanzig Jahre klaglos die Dividende bezogen und rund um den Globus wohnten.

Madoffs Traum“ ist keine überdrehte Satire wie zuletzt Martin Scorseses „The Wolf of Wall Street“, sondern eine fast schon nüchterne und sich objektiv gebende Annäherung an Madoff beziehungsweise den Typus des Finanzbankers und Börsenmaklers, der sich nicht als schlechten Menschen sieht und, so befürchtet Dominique Manotti in ihrer moralischen Erzählung „der Held Ihrer kommenden Jahre“ ist.

Ergänzend empfiehlt sich nach der Lektüre des schmalen, aber lesenswerten Buches das Ansehen von „Master of the Universe“. In der Doku erzählt der ehemalige Investmentbanker Rainer Voss aus seinem Leben und wie er und seine Kollegen in den frühen Achtzigern die gemütliche deutsche Wirtschaft mit US-amerikanischen Methoden auf Vordermann brachten.

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Dominique Manotti: Madoffs Traum

(übersetzt von Iris Konopik)

Ariadne, 2014

64 Seiten

8 Euro

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Originalausgabe

La rêve de Madoff

Édtions Allia, Paris 2013

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Hinweise

Krimi-Couch über Dominique Manotti

Wikipedia über Dominique Manotti (deutsch, französisch) und Bernie Madoff 

Meine Besprechung von Dominique Manottis „Zügellos“ (À nos Chevaux!, 1997)

Meine Besprechung von Dominique Manottis „Ausbruch“ (L’évasion, 2013)


„Der Dokumentarfilm ist tot, es lebe der Dokumentarfilm“ – aber wie?

August 9, 2014

Leitner-Sorg-Sponsel HRSG Der Dokumentarfilm ist tot - 2

In den Kinos laufen immer mehr Dokumentarfilme. Im Fernsehen werden dagegen die spielfilmlangen Dokumentarfilme im Nachtprogramm und in Spartensendern versteckt (Wissen Sie, wo auf ihrer Fernbedienung ZDFinfo ist?). Auf YouTube und anderen, deutlich unbekannteren Plattformen gibt es beachtliche Dokumentarfilme mit unklaren Gewinnaussichten für die Macher. Wie steht es also um den Dokumentarfilm?

In ihrem Sammelband „Der Dokumentarfilm ist tot, es lebe der Dokumentarfilm“ versuchen Matthias Leitner, Sebastian Sorg und Daniel Sponsel diese Frage für Deutschland zu beantworten und dank der Einzelbeiträge, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven dem Thema nähern, entsteht auch ein vielfältiges Bild.

Es gibt historische Überblicke, theoretische Annäherungen, Praxisberichte und Wissenswertes über die Finanzierung durch Crowdfunding, rechtliche Probleme und Gedanken zu Verbreitungsmöglichkeiten im Internet; soweit die Regisseure die Rechte an ihren Filmen haben.

Besonders interessant sind dabei die historischen Rückblicke („Der Dokumentarfilm – Die Kunst der Stunde“ von Daniel Sponsel und „Dokufiktion – Hybride Formen als Chance“ von Kay Hoffmann), die Einblicke in die Arbeit („Making of ‘Heimat’ – Ein Werkstattbericht“ von Jörg Adolph und „Tanzende Zwerge. 3D und das Realismusproblem“ von Wim Wenders und Daniel Sponsel), Frédéric Jaegers „Neue kritische Praxis für neue Medien?“ und, wenn man sich für die finanzielle Seite interessiert, die fünf Texte, die sich mit der Finanzierung und Distribution beschäftigen.

Bei den theoretischen Texten, in denen versucht wird, aufzuzeigen, wie sich der Dokumentarfilm wirklich verändert und wo die wirklichen Potentiale dieser Veränderungen liegen, war mir dagegen der Punkt, der die neuen Dokumentarfilme von den alten Dokumentarfilmen unterscheidet, teils unklar und ich fragte mich immer wieder, ob eine Hinwendung zu einem nicht-linearem, einem gamifiziertem und einem Erzählen mit den Zuschauern wirklich ein Fortschritt ist oder ob nicht einfach durchaus begrüßenswerte Experimente mit gut klingenden Phrasen einen philosophischen und theoretischen Überbau bekommen, der in den Filmen nicht erkennbar ist. Es ist auch unklar, ob hier wirklich mit neuen Formen experimentiert wird, ob der Zuschauer wirklich zu neuen Erkenntnissen kommen kann oder ob die Macher einfach ihr Material nicht selbst sinnvoll ordnen wollen, auf jeden Gestaltungswillen verzichten und die Arbeit letztendlich dem Zuschauer überlassen.

Aber trotzdem sollte mehr experimentiert werden, sollte versucht werden, die Möglichkeiten der neuen Medien besser auszuschöpfen (wozu auch lange, ungeschnittene Interviews zählen können, wenn die Kamera nicht vom Gesagten ablenkt) und sich nicht nur auf animierte Diashows beschränken, wie das von Jaeger ausführlicher vorgestellte, mit dem Grimme Online Award ausgezeichnete 2470media/taz-Gemeinschaftsprojekt „Berlinfolgen“, die eigentlich nur eine auch mich nicht sonderlich beeindruckende selbstablaufende Diashow mit Tonspur waren. Dass mehr möglich ist, zeigt die New York Times mit „1 in 8 Million“.

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Wenn Ihr also gute Dokumentarfilme kennt, hinterlasst einen Kommentar. Immerhin gehöre ich zu den Schizophrenen, die zwar schon Wochen ungesehener Filme bei sich herumliegen haben, aber immer noch neugierig sind.

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Matthias Leitner/Sebastian Sorg/Daniel Sponsel (Hrsg.): Der Dokumentarfilm ist tot, es lebe der Dokumentarfilm – Über die Zukunft des dokumentarischen Arbeitens

Schüren, 2014

148 Seiten

16,90 Euro

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Hinweise

Homepage zum Buch

DOK.forum (Filmfest mit und über Dokumentarfilme – der Urknall des Buches)

AG Dok (bzw. Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm – die Vereinigung deutscher Dokumentarfilmer)

Onlinefilm.org (Dokumentarfilme von deutschen Dokumentarfilmern)

realeyz (auch Spielfilme, solange sie nicht zu den Hollywood-Blockbustern gehören)


„Krieg“ zwischen Rick Grimes, Negan und „The Walking Dead“

August 6, 2014

Kirkman - The Walking Dead 20

Nachdem in den vorherigen Sammelbänden der grandiosen Comic-Serie „The Walking Dead“, in der einige wenige Überlebende in einer von Zombies bevölkerten Welt versuchen zu Überleben und dabei ihre Menschlichkeit zu bewahren, wenig passierte und ich den Eindruck hatte, dass Serienerfinder Robert Kirkman die Zeit totschlug, endete „Auf dem Kriegspfad“ damit, dass die von Rick Grimes geführten Überlebenden endlich in den Krieg gegen Negan, den Anführer der Erlöser, zogen.

Negan ist ein durchaus intelligenter Anführer, der mit seinen Männern mehrere Siedlungen von Menschen unterdrückt und von ihnen Schutzgeld verlangt. Grimes und die von ihm angeführte Gruppe Überlebender soll Negan beseitigen. Das ist ihre Eintrittskarte in diese Welt der miteinander Handel treibenden und in Frieden lebenden Siedlungen und das wissen wir seit dem sechzehnten „The Walking Dead“-Sammelband „Eine größere Welt“, als Grimes meinte, als Teil dieser Gemeinschaft könnten sie endlich auch wieder an den Aufbau einer Gesellschaft denken.

Seitdem plätscherte der Konflikt zwischen Grimes und Negan, bei dem nur einer der beiden Männer überleben kann, abgesehen von kleineren Scharmützeln, vor sich hin.

Aber jetzt bricht er endlich aus. Grimes zieht mit einigen Gefährten in die Schlacht. Sie belagern die Festung von Negan und machen so viel Lärm, dass Horden von Zombies auf die Festung zu marschieren. Das Schicksal von Negan scheint besiegelt.

Krieg – Band 1“ bietet endlich wieder das, was wir zuletzt im „The Walking Dead“-Universum vermissten: Zombies. Dazu gibt es jetzt einen Krieg, der der militärischen Logik gehorcht und weil der Kampf zwischen Negan und Grimes in diesem Sammelband noch nicht beendet ist, wird es in „Krieg – Band 2“ sicher zu einem furiosen Ende kommen. Jedenfalls endet „Krieg – Band 1“ mit einem gemeinen Cliffhanger, der Ende August, wenn der abschließende Band dieses Zweiteilers erscheint, aufgelöst wird.

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Robert Kirkman/Charlie Adlard/Stefano Gaudiano/Cliff Rathburn: The Walking Dead: Krieg – Teil 1 (Band 20)

(übersetzt von Marc-Oliver Frisch)

Cross Cult, 2014

144 Seiten

16 Euro

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Originalausgabe

The Walking Dead, Vol. 20: All Out War, Part One

Image 2014

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enthält

The Walking Dead # 115 – 120

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Hinweise

Offizielle „The Walking Dead“-Seite

Wikipedia über „The Walking Dead“ (deutsch, englisch)

AMC-Blog zu „The Walking Dead“

„The Walking Dead“-Fanseite

„The Walking Dead“-Wiki

Spiegel Online: Interview mit Charlie Adlard (21. Oktober 2011)

Kriminalakte: Meine Gesamtbesprechung der ersten zehn „The Walking Dead“-Bände

 Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead 11: Jäger und Gejagte“ (The Walking Dead Vol. 11: Fear the hunters)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead 12: Schöne neue Welt“ (The Walking Dead Vol. 12: Life among them)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead 13: Kein Zurück“ (The Walking Dead Vol. 13: Too far gone, 2011)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead 14: In der Falle“ (The Walking Dead Vol. 14: No way out, 2011)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns “The Walking Dead 15: Dein Wille geschehe” (The Walking Dead Vol. 15: We find ourselves, 2012)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead: Eine größere Welt (Band 16)“ (The Walking Dead, Vol. 16: A larger world, 2012)

 Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead: Fürchte dich nicht (Band 17)“ (The Walking Dead, Vol. 17: Something to Fear, 2013)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead: Grenzen (Band 18)“ (The Walking Dead, Vol. 18: What comes after, 2013)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead: Auf dem Kriegspfad (Band 19)“ (The Walking Dead, Vol. 19: March to War, 2013)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Tony Moore/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead – Die Cover, Volume 1“ (The Walking Dead: The Covers, Vol. 1, 2010)

Meine Besprechung der TV-Serie „The Walking Dead – Staffel 1“ (USA 2010)

Meine Besprechung der TV-Serie „The Walking Dead – Staffel 2“ (USA 2011/2012)

Meine Besprechung der TV-Serie “The Walking Dead – Staffel 3″ (USA 2013)

Kriminalakte: das Comic-Con-Panel zur TV-Serie

“The Walking Dead” in der Kriminalakte 

Meine Besprechung von Todd McFarlane (Tusche, Co-Creator)/Robert Kirkman (Autor, Co-Creator)/Ryan Ottley (Zeichner)/Greg Capullo (Zeichner) „Haunt – Band 1“ (Haunt, Vol 1 – 5, 2010)

Meine Besprechung von Todd McFarlane (Tusche, Co-Creator)/Robert Kirkman (Autor, Co-Creator)/Greg Capullo (Zeichner) „Haunt – Band 2“ (Haunt, Vol. 6 – 12, 2010)

Meine Besprechung von Todd McFarlane (Tusche, Co-Creator)/Robert Kirkman (Autor, Co-Creator)/Greg Capullo (Zeichner) “Haunt – Band 3″ (Haunt, Vol. 13 – 18, 2011)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Nick Spencer (Autoren)/Shawn Martinbroughs (Zeichner) „Dieb der Diebe: „Ich steige aus“ (Band 1)“ (Thief of Thieves # 1 – 7, 2012)

 


„Duell am Chiemsee“ mit tödlichem Ausgang

August 4, 2014

Schweiger - Duell am Chiemsee - 2

Mal steht „Chiemgau-Krimi“ auf dem Cover. Mal nicht, aber dann heißt der Roman „Tödliches Landleben“, was auch ein passender Titel für den neuen Roman von Wolfgang Schweiger gewesen wäre. Jetzt heißt der sechste Roman mit den Traunsteiner Kommissaren Andreas Gruber und Ulrike Bischoff „Duell am Chiemsee“ und es gibt mehr als ein Duell und eine erkleckliche Zahl von Leichen, nachdem Markus Bosch seinen früheren Freund Frank Janek besucht. Früher waren sie Verbrecher und nach ihrem letzten Coup trennten sich ihre Wege. Im Gefängnis kam Janek in Kontakt mit der Schauspielerei. Inzwischen verdient er als Schauspieler gut und das bürgerliche Leben gefällt ihm. In Traunstein spielte er einen Kommissar in einem TV-Krimi, der bei entsprechenden Quoten, in Serie gehen kann. Da taucht der totgeglaubte Bosch nach über zwanzig Jahren wieder auf und erpresst Janek, ihm bei einem Überfall zu helfen.

Der Überfall auf die Drogenhändler an einer Tankstelle geht schief. Am Ende sind die Drogenhändler, Bosch und ein Drogenfahnder tot. Sein Kollege überlebt verletzt.

Janek flüchtet unerkannt mit den Drogen und hofft sein bürgerliches Leben wieder aufnehmen zu können, was ein grandioser Irrtum ist.

Nachdem in dem ersten Roman mit den Kommissaren Gruber und Bischoff die Geschichte sich weitgehend in den bekannten Regiokrimi-Bahnen mit zwei sympathischen Ermittlern, etwas Privatleben und viel Lokalkolorit bewegte, liefert Wolfgang Schweiger, der mit Gangster-Krimis und Noirs bekannt wurde, in „Duell am Chiemsee“ einen düsteren, schwarzhumorigen Gangsterkrimi unter dem Deckmantel des Regiokrimis ab. Denn die beiden Kommissare und die Polizei haben nur noch eine Nebenrolle, die sich fast im Aufsammeln der Leichen erschöpft. Traunstein und der gesamte Chiemgau werden zur austauschbaren Kulisse für ein veritables Blutbad genommen, das den Regeln des Gangsterkrimis folgt – und das ist gut so.

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Wolfgang Schweiger: Duell am Chiemsee

Pendragon, 2014

264 Seiten

10,99 Euro

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Die bisherigen Fälle der Kommissare Gruber und Bischoff

Der höchste Preis, 2008

Kein Ort für eine Leiche, 2009

Tödlicher Grenzverkehr, 2010

Draußen lauert der Tod, 2012

Tödliches Landleben, 2013

Duell am Chiemsee, 2014

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Hinweise

Homepage von Wolfgang Schweiger

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Wolfgang Schweiger

Rosenheimer Nachrichten: Interview mit Wolfgang Schweiger (26. November 2006)

Meine Besprechung von Wolfgang Schweigers „Der höchste Preis” (2008)

Meine Besprechung von Wolfgang Schweigers „Tödlicher Grenzverkehr“ (2010)


Romane, die mit Filmen zusammenhängen: „Planet der Affen“ und „Planet der Affen – Revolution: Feuersturm“

Juli 28, 2014

Boulle - Planet der Affen - CrossCult

Das läuft jetzt unter nicht notwendiger vorbereitender Lektüre für den neuen „Planet der Affen“-Film, der weiter, im Reboot-Modus, die Vorgeschichte für den klassischen „Planet der Affen“-Film mit Charlton Heston erzählt. Der landete in dem 1968er Science-Fiction-Film nach einer langen Raumfahrt auf einem von Affen beherrschten Planeten, auf dem Menschen wie Tiere gehalten wurden. Am Ende entdeckte er, dass er auf der Erde gelandet war und die Menschheit sich mit dem Einsatz von Atombomben überflüssig machte.

Der Film basiert auf dem 1963 erschienenem Roman „Planet der Affen“ von Pierre Boulle, der auch „Die Brücke am Kwai“ schrieb. Es ist eine Satire, eine „politische Parabel im Sinne von Jonathan Swift“ (Ilona Grzeschik in „Filmgenres: Science Fiction“), eine Zivilisationskritik, die auch heute noch trifft und die in den neuen „Planet der Affen“-Filmen, die mit dem Roman nichts zu tun haben, nicht mehr vorhanden ist.

In Boulles Roman lesen wir ein Manuskript des Journalisten Ulysse Mérou, das er als warnende Flaschenpost dem Weltraum anvertraute. Mérou war mit zwei Wissenschaftlern auf dem Weg zum Sternensystem Beteigeuze, als sie den erdähnlichen Planeten Soror entdecken und, nach ihrer Landung, feststellen, dass Soror von Affen beherrscht wird und Menschen jede Vernunft abgesprochen wird.

Zum Filmstart veröffentlichte Cross-Cult jetzt den Roman in einer neuen Übersetzung und er kann vollkommen unabhängig von allen anderen „Planet der Affen“-Filmen, -Büchern und -Comics, die alle irgendwie mit den Hollywood-Filmen der vergangenen Jahrzehnte zusammenhängen, als eigenständiges literarisches Werk und gelungene Gesellschaftssatire gelesen werden.

Keyes - Planet der Affen - Feuersturm

 

Als vor drei Jahren „Planet der Affen: Prevolution“ in die Kinos kam, glaubte niemand an den ganz großen Erfolg. Immerhin war 2001 Tim Burtons „Planet der Affen“-Film, der ein wenig packendes Remake vom 1968er „Planet der Affen“-Film ist und zu einer Wiederbelebung des in den frühen siebziger Jahren enorm populären „Planet der Affen“-Franchise führen sollte, zwar an der Kasse erfolgreich, aber von der Kritik und den Fans ungeliebt.

Der Spielfilm „Planet der Affen: Prevolution“ erzählt, ohne sich sonderlich um die vorherigen Filme zu kümmern, den Anfang der Geschichte die zur Herrschaft der Affen über die Menschen führt. In der Gegenwart sucht das Biotech-Unternehmen GenSys nach einem Mittel gegen Alzheimer und macht dafür auch Tierversuche mit Affen. Die Versuchstiere werden durch das Medikament intelligenter, sie brechen aus, liefern sich auf der Golden-Gate-Brücke eine Schlacht mit der Polizei und verschwinden im Redwood-Nationalpark.

Planet der Affen: Revolution“, der am 7. August im Kino startet, setzt zehn Jahre später ein und erzählt eine weitere Geschichte aus dem Kampf der Menschen gegen die Affen. Die ausführliche Besprechung des insgesamt sehenswerten Films gibt es zum Filmstart.

In seinem Roman „Planet der Affen – Revolution: Feuersturm“ erzählt Greg Keyes die offizielle Vorgeschichte zum Film; wobei das durchaus großzügig interpretiert werden kann. Denn man muss das Buch nicht gelesen haben, um den Film zu verstehen. Neben den Affenanführern Caesar und Koba und einigen ihrer Freunde hat es nur Dreyfus, Ex-Polizeichef, Kurzzeitbürgermeister und, im Film, Anführer der in San Francisco überlebenden Menschen, geschafft, die zehn Jahre zwischen der Handlungszeit des Romans und dem des Films zu überleben.

Der Roman beginnt unmittelbar nach dem Ende von „Planet der Affen: Prevolution“. Die Affen haben sich in den Wald zurückgezogen. Gegenüber der Öffentlichkeit wird die Schlacht auf der Brücke heruntergespielt. GenSys, die Biotech-Firma, die für die Experimente an den Affen verantwortlich war, hat über ihren Mutterkonzert und beauftragt vom Bürgermeister von San Francisco ein von einem paramilitärischem Dienstleister geleitetes Expeditionsteam zusammengestellt, das die Affen im Muir-Woods-Nationalpark finden soll. Während der Jagd bemerkt der afrikanische Affenjäger Malakai, dass diese Affen sich intelligenter verhalten als gewöhnliche Affen.

Gleichzeitig gibt es in San Francisco die ersten Anzeichen einer Seuche. Ein enorm aggressiver Virus, die Simianische Grippe, bringt Menschen innerhalb weniger Tage um. Eine Ärztin versucht zu helfen. Ein Journalist versucht die Wahrheit herauszufinden. Und Dreyfus, der von der Bevölkerung immer noch respektierte Ex-Polizeichef mit Ambitionen auf das Amt des Bürgermeisters, versucht die Bevölkerung zu beruhigen, was ihm auch immer wieder gelingt. Er wird, während der Bürgermeister komplett versagt, zur Stimme der Vernunft.

Und die von Caesar angeführten Affen versuchen im Wald in Ruhe zu Leben.

Feuersturm“ erzählt parallel eine Handvoll Geschichten, die in und um San Francisco spielen und ein allererstes Bild von der beginnenden Gesellschaft der Affen und, wie wir wissen, dem Ende der Menschheit, ergeben. Außerdem erzählt Greg Keyes in zahlreichen Rückblenden auch von Malakais Jugend in Belgisch-Kongo, das später zur Demokratischen Republik Kongo wurde, und dem früheren Leben von Caesar (weniger, wir haben ja „Planet der Affen: Prevolution“ gesehen) und Koba, der die Menschen hasst, weil sie ihn immer quälten und als Forschungsobjekt benutzten.

In dem Roman werden einige Tage aus einer größeren Geschichte erzählt, deren Ende wir kennen, wobei diese „Planet der Affen“-Welt auch mit einer friedlichen Koexistenz von Affen und Menschen enden könnte. Bis dahin können allerdings noch viele Geschichten erzählt werden und „Feuersturm“ ist wie eine TV-Episode aufgebaut mit einigen Geschichten, die innerhalb des Romans zu Ende erzählt werden, anderen, die irgendwann weiter erzählt werden und einem Personal, dessen Geschichten in weiteren Romanen weiter erzählt werden können.

Für einen in sich abgeschlossenen Roman fehlt dagegen eben diese Geschlosenheit und die einzige nacherzählbare Geschichte, was die Lektüre für sich allein etwas sinnlos macht. Wer allerdings „Planet der Affen: Prevolution“ gesehen hat und wissen möchte, was nach dem Kampf auf der Brücke geschah, sollte zugreifen.

Ach ja, der dritte Teil heißt selbstverständlich „Planet der Affen: Evolution“.

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Pierre Boulle: Planet der Affen

(übersetzt von Merle Taeger)

Cross Cult, 2014

272 Seiten

12,80 Euro

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Originalausgabe

La Planète des Singes

Editions Julliard, Paris, 1963

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Der Roman erschien schon in einer anderen Übersetzung in mehreren Ausgaben.

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Greg Keyes: Planet der Affen – Revolution: Feuersturm

(übersetzt von Susanne Döpke)

Cross Cult, 2014

384 Seiten

12,80 Euro

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Originalausgabe

Dawn of the Planet of the Apes: Firestorm

Titan Books, 2014

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Hinweise

Wikipedia über Pierre Boulle (deutsch, englisch, französisch) und  Greg Keyes (deutsch, englisch)

Amerikanische Homepage zum Film „Planet der Affen: Revolution“

Deutsche Facebook-Seite zum Film „Planet der Affen: Revolution“

Film-Zeit über „Planet der Affen: Revolution“

Moviepilot über „Planet der Affen: Revolution“

Metacritic über „Planet der Affen: Revolution“

Rotten Tomatoes über „Planet der Affen: Revolution“

Wikipedia über „Planet der Affen: Revolution“ (deutsch, englisch)

“Planet der Affen”-Wiki


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