Besprechung James Crumley „Land der Lügen“ online

Mai 31, 2007

Meine Rezension von James Crumleys Kriminalroman „Land der Lügen“ (The final country) ist jetzt online bei der Berliner Literaturkritik.

Selbstverständlich hat mir dieser PI-Krimi sehr gut gefallen.


Ein langer Film über das Grundgesetz

Mai 31, 2007

 

Heute startete der Gemeinschaftsfilm „GG 19“. Doch einige der Filme wurden bereits vor anderthalb Jahren während des One World Festivals von der Humanistischen Union präsentiert. Ich moderierte die Veranstaltung. Produzent Harald Siebler beantwortete geduldig alle Fragen. Damals zeigte er einen Rohschnitt und wollte wissen, was wir von den Filmen hielten.

Gestern, während der offiziellen Premiere in der Kulturbrauerei, sah ich dann zum ersten Mal alle 19 Filme. Nicht jeder Film ist gelungen. Nicht jeder Film gefällt. Das ist bei einem Episodenfilm nichts ungewöhnliches.

Aber auffallend bei „GG 19“ ist, dass es kaum einem Film gelingt sein Thema adäquat zu bebildern. Viele, vielleicht sogar die meisten, Filme lassen einen ratlos zurück. Sieblers Idee war, auf unterhaltsame Art den Menschen den Inhalt und die Bedeutung des Grundgesetzes, vor allem der ersten 19 Artikel, den Menschen- und Bürgerrechten, näher zu bringen. Das ist ein lobenswertes Anliegen, das sich letztendlich im gesamten 150-minütigem Film kaum wiederfindet. Denn dafür haben die einzelnen Episoden viel zu wenig mit dem Inhalt und der Bedeutung der Gesetze zu tun. Meistens ist der Hinweis auf ein Grundgesetz beliebig. Oft ist der Film auf eine maue Schlusspointe hin geschrieben. Oft fragte ich mich am Ende des Films „Was soll das?“. Oft sind die Filme peinlich didaktisch.

So filzt in „Stehplatz“ ein junger Polizist einen Penner. Der Film soll zeigen, dass die Freiheit einer Person unantastbar ist (Artikel 2). Dass diese Episode etwas mit dem Artikel 2 zu tun hat, erschließt sich auf den ersten Blick nicht. Es könnte auch etwas mit der Würde des Menschen (Artikel 1) zu tun haben. Aber da läuft „Adrenalin Flash“: ein Mann wird gefoltert. Am Ende stellt sich heraus, dass die Tortur ein Spiel vor laufender Kamera war und die Familie den Vater ohne sein Wissen, wegen des versprochenen Gewinnes, auf den Folterstuhl schickte. „Adrenalin Flash“ könnte auch ein Kommentar zum Artikel 5, der Freiheit der Meinungsäußerung und -verbreitung (vulgo Pressefreiheit) sein. Aber da tritt ein Reporter auf, der Reportagen fälschte und sich jetzt dafür vor Gericht rechtfertigt. Ähnlichkeiten mit einem wahren Fall aus den Neunzigern sind nicht zufällig. Warum der Betrug am Sender und am Zuschauer ein Beitrag zur Pressefreiheit sein soll; – das erschließt sich nur über gedankliche Kapriolen. Weil heute die Pressefreiheit von einem Staat auf der Suche nach Geheimnisverrätern (Denken Sie nur an die zahlreichen Durchsuchungen von Redaktionen und den Überwachungen von Journalisten.) bedroht wird, ist „Der große Videoschwindel“ einfach nur grob verharmlosend.

In „Der Traumjob“ (Freie Berufswahl, Artikel 12) bewirbt sich eine Frau. Das Bewerbungsgespräch verläuft seltsam. Trotzdem erhält sie den Job als Prostituierte. Was das mit dem Recht auf freie Berufswahl zu tun hat, erschließt sich nicht. Denn niemand verweigert einer Frau das Recht, als Prostituierte zu arbeiten. Sogar in einer der zahlreichen Comedy-Shows wäre „Der Traumjob“ ein Lückenfüller. Ähnliches gilt für „Ladies first“. In diesem Film zur Gleichberechtigung (Artikel 3) erhält eine Frau zwar den gewünschten Job nicht, hat dafür aber später Glück.

In „Kindersicherung“ (Unverletzlichkeit der Wohnung, Artikel 13) haust ein Junge mit seiner Crack-Mutter in einer heruntergekommenen Wohnung. Die Sozialarbeiter können die Wohnung nicht betreten. Auch hier verharmlost der Film das reale Problem der Vernachlässigung von Kindern und baut ein Scheinproblem auf. Denn natürlich dürfen Beamte in einem solchen Fall eine Wohnung betreten.

In „Piet Melzer“ (Vergesellschaftung von Grund und Boden, Artikel 15) wird ein Embryo verstaatlicht. Die düstere Zukunftsvision hat – was die Qualität von guter Science-Fiction ist – keinen erkennbaren Bezug zur Gegenwart. Er ist purer Eskapismus.

Der Petent“ (Beschwerde- und Petitionsrecht, Artikel 17) wirkt wie ein schlechter Werbefilm für Beschwerden. Dazu trägt auch der vom Hauptdarsteller im Bus gesungene Schlager mit den Passagieren als Chor bei. Aber immerhin sind hier, im Gegensatz zu den meisten anderen Filmen, Botschaft und Bezug zum Gesetz offensichtlich. Das gleiche gilt für „Abspann oder der Held der Stunde“ (Verwirkung von Grundrechten, Artikel 18).

Als Imagekampagne für die Grundrechte ist „GG 19“ größtenteils gescheitert. Denn fast kein Film findet zu einer eigenen Haltung gegenüber den Grundrechten und setzt diese ästhetisch stringent in eine Geschichte um. Hier ist das gut gemeinte wieder einmal das Gegenteil vom gut gemachten.

Als Sammlung von 19 Kurzfilmen ist er – etwas anderes.

 

 

 

GG 19 (Deutschland 2007)

Idee, Konzeption, Produktion, Supervising Director: Harald Siebler

Regie: Johannes von Gwinner, Savas Ceviz, Andreas Samland, Boris Anderson, Alan Smithee, Marion Kracht, Suzanne von Borsody, Harald Siebler, Johannes Harth, Philipp von Werther, Marcel Ahrens, Christine Repond, Sabine Bernardi, Carolin Otterbach, Kerstin Polte, Axel Bold, David Dietl, André F. Nebe, Ansgar Ahlers

Drehbuch: Raimund Maessen, Sonia Karst, Savas Ceviz, Robert Hennefarth, Esther Bernstorff, Falko Henning, Kathi Liers, Catherine Ann Berger, Harald Siebler, Kati Faude, Silke Riemann, Jens Köster, team interner, Jana Evita Seidel, Jens Baumeister, Sabine Bernardi, Cristina Zehrfeld, Olaf Nollmeyer, Kertin Polte, Boris Anderson, Henner Schulte-Holtey, David Dietl, Jan Neumann, Ansgar Ahlers

Homepage zum Film: www.gg19-derfilm.de


Es geschah in Berlin…

Mai 30, 2007

Ein hübsches Projekt hat sich Horst Bosetzky (Ältere kennen ihn als -ky) da ausgedacht: Verschiedene Autoren sollen mit einem Helden, dem Kriminalwachtmeister Hermann Kappe, fiktive, in Berlin spielende Fälle erfinden. Die Krimis sollen dabei auf unterhaltsame Weise historische Informationen vermitteln. Der erste spielt 1910, der zweite 1912, undsoweiter. Neben Bosetzky haben bereits Sybil Volks und Jan Eik Kappe-Bücher geschrieben.

Dumm ist nur, wenn Autoren anscheinend nicht mehr nach rechts und links gucken. So steht in der heutigen Berliner Zeitung:

„Eine Krimiserie als Kettenroman mit verschiedenen Autoren sei neu im Literaturbetrieb, sagt Bosetzky. `Für Drehbuchautoren beim Film ist es ganz normal, mit vorgegebenen Hauptfiguren zu arbeiten, nun wollte ich ausprobieren, ob das auch in der Literatur funktioniert`, sagt er.“

Nun, so neu ist der Gedanke nicht. Seit Ewigkeiten erfinden Autoren für Movie-Tie-Ins neue Fälle. Aktuell werden die CSI-Romane für die Städte Las Vegas und Miami von verschiedenen Autoren geschrieben. In Frankreich erschienen seit 1995 etwa 170 „Le Poulpe“-Romane.  Zu den Autoren gehören bekannte Namen wie Didier Daeninckx, Sylvie Granotier, Jean-Bernard Pouy, Patrick Raynal, Olivier Mau und Georges J. Arnaud. In Deutschland publizierte der Rowohlt-Verlag 1999/2000 mehrere Romane mit dem Omega-Team. Geschrieben wurden die Bücher von Mike Jaeger, einem Pseudonym für verschiedene deutsche Autoren. Und Jerry Cotton wird auch nicht von einem Autor geschrieben.

Also: ja, es funktioniert.


Ein bisschen Luxus – Kapitel 2 online

Mai 28, 2007

Den zweiten Teil können Sie hier lesen.


Spurensuche 39 „Zurück in Farmington“ online

Mai 28, 2007

Mein, mal wieder, überschwängliches Lob der derzeit besten Polizeiserie „The Shield“ ist unter dem Titel „Zurück in Farmington: Die dritte Staffel von ‚The Shield‘“ erschienen.

Die Altlasten von „The Shield“ finden Sie hier (zur DVD) und hier (nach der Ausstrahlung der ersten Staffel im Fernsehen).


Spurensuche 38 „Ersttäter – in Deutschland“ online

Mai 28, 2007

Bei den Alligatorpapieren ist meine neueste Spurensuche erschienen. In ihr würdige ich, entsprechend dem Titel „Ersttäter – Deutschland: Ein Überblick über die junge Garde der Kriminalliteratur„, Autoren, die jüngst ihr erstes Buch in Deutschland veröffentlichten. Es sind:

Peter Temple: Kalter August (The Broken Shore, 2005)

Charles den Tex: Die Macht des Mr. Miller (De macht van meneer Miller, 2005)

Matti Rönkä: Der Grenzgänger (Tappajan näköinen mies, 2002)

Olivier Mau: Myrtille am Strand (Myrtille à la plage, 2003)

David Wolstencroft: Die Spezialisten (Good News, Bad News, 2004)

Stuart MacBride: Die dunklen Wasser von Aberdeen (Cold Granite, 2005)

Stuart MacBride: Die Stunde des Mörders (Dying Light, 2006)

John Connor: Gejagt (Phoenix, 2003)

John Connor: Vergiftete Seelen (The Playroom, 2004)

Lisa Unger: Das Gift der Lüge (Beautiful lies, 2006)

David Hosp: Die Tote im Wasser (Dark Harbor, 2005)

Steven Sidor: Skin River (Skin River, 2004)

Rainer Gross: Grafeneck, 2007

CSI: Miami [Blut/Geld (Blood/Money, Story: Kris Oprisko)

Du sollst nicht… (Thou shalt not..,Story: Kris Oprisko)

Verräterische Waffe (Smoking Gun, Story: Jeff Mariotte)]

CSI: Domino (Dominos, Story: Kris Oprisko)

CSI: Geheimidentität (Secret Identity, Story: Steven Grant)

CSI NY: Blutiger Mord (Bloody Murder, Story: Max Allan Collins)

Die vier CSI-Comics gehören natürlich nicht in diese Kolumne, aber wo sollte ich sie sonst vorstellen? Und Max Allan Collins lobe ich immer wieder gerne. Zuletzt hier.


Ulrich Kroeger lobt das Krimijahrbuch 2007

Mai 28, 2007

Und gleich noch ein Lob für das „Krimijahrbuch 2007„. Ulrich Kroeger schreibt in seinem Krimitipp:

„Gerade mal im zweiten Jahrgang und doch schon sehnsüchtig erwartet: das „Krimijahrbuch 2007″ (NordPark, Wuppertal 2007, 339 Seiten, 20 Euro). (…)  Alles in allem ein unverzichtbares Lesebuch und Nachschlagewerk für jeden Krimifan.“

Nachdem Ulrich Kroeger auch meinen Artikel über deutsche und us-amerikanische Fernsehserien erwähnt, kann ich nur sagen: „Der Mann hat Recht.“


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