TV-Tipp für den 1. Juli

Juni 30, 2007

Zum zehnten Todestag von Robert Mitchum kann es nur eine Empfehlung geben:

Tele 5, 22.10

Fahr zur Hölle, Liebling (USA 1975, R.: Dick Richards)

Drehbuch: David Zelag Goodman

LV: Raymond Chandler: Farewell, my lovely, 1940 (Lebewohl, mein Liebling/Betrogen und gesühnt/Lebwohl, mein Liebling)

Los Angeles, 1941: Der gerade freigelassene Bankräuber Moose Malloy engagiert Marlowe. Der Detektiv soll Malloys Freundin Velma finden. Ein nur scheinbar einfacher Fall.

Dritte, sehr originalgetreue und sehr gelungene Verfilmung des Chandler-Buches.

Mit Robert Mitchum, Charlotte Rampling, John Ireland, Harry Dean Stanton, Sylvester Stallone (in einer erträglich kurzen Rolle) und – in einer ganz kleinen, aber wichtigen Rolle – Jim Thompson (!)

Wiederholung um 03.40 Uhr

 

Am 6. August hat Robert Mitchum seinen 90. Geburtstag. Dann senden die Öffentlich-Rechtlichen hoffentlich einige Filme mit ihm. Mein spontanes Wunschprogramm, ohne die regelmäßigen Wiederholungen, wäre:

Dead Man, Yakuza, Die Freunde von Eddie Coyle (Wann lief der Film zuletzt im TV?), Ein Köder für die Bestie, Engelsgesicht, Goldenes Gift und eine Wiederholung der lange nicht gezeigten David Morrell-Verfilmung „Der Geheimbund der Rose“. Wurde dieser TV-Zweiteiler überhaupt jemals wiederholt?

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TV-Tipp für den 30. Juni

Juni 30, 2007

Kult oder Kultur?

Hmhm.

Zur Auswahl stehen Werner Herzog und Pamela Anderson.

Ui.

BR zeigt einfach so ab 20.15 Uhr „Fitzcarraldo“ (D 1982), „Mein liebster Feind“ (D 1999) und „Invincible – Unbesiegbar“ (USA/GB/D/Irl. 2001). Der erste Film, in dem Klaus Kinski als Opernfan ein Schiff über einen Dschungelberg zerrt, ist bekannt. Der Zweite heißt neudeutsch „Making of“ und ist eine mit zahlreichen Ausschnitten von den Dreharbeiten zu den Herzog-Kinski-Filmen versehene Liebeserklärung von Herzog an seinen Star. Und dem Dritten hätte eine Portion Kinski sicher nicht geschadet. Aber der starb bereits 1991.

Das Vierte zelebriert ab 18.10 Uhr den Vierzigsten von Pamela Anderson. Es beginnt mit fünf Folgen “Baywatch”. „Ein mörderischer Wettkampf“, „Die Graffiti-Gang“, die Doppelfolge „Spuk im Hotel“ und „Filmteam am Strand“. Danach gibt’s “Playboy’s Babes of Baywatch”, “The Best of Pamela Anderson“, „The Ultimate Pamela Anderson“ und The Pamela Anderson Video Centrefold”.

Oha.

Ähem, Programm 23.


X-Zine lobt das „Krimijahrbuch 2007“

Juni 29, 2007

Claus Kerkhoff hält in seiner Besprechung das „Krimijahrbuch 2007“ für „sehr empfehlenswert„. Dem will ich nicht widersprechen, sondern gleich noch einige weitere Kerkhoffsche Worte zitieren:

Das Ergebnis sind 340 Seiten Krimikultur vom Feinsten mit den Krimihighlights des vergangenen Jahres, mit Interviews und Porträts, und Axel Bußmer schlägt darüber hinaus noch einen Bogen zum Krimi in Film und Fernsehen. (…) Mit dem „Krimijahrbuch 2007“ ist jetzt bereits das zweite Krimijahrbuch im NordPark-Verlag erschienen und es hat das Zeug dazu, eine feste Institution zu werden. Das „Krimijahrbuch 2007“ ist spannender Lesestoff, der Lust macht, neue Autoren und ihre Bücher zu entdecken. Ein Muss für alle, die mehr über Krimis wissen wollen.

Außerdem erwähnt er neben zahlreichen anderen Artikeln meinen „kenntnisreichen Beitrag zu Robert B. Parker´s einflussreicher Spenser-Serie„.

Da kann ich nur noch ergänzen, dass der neuen Spenser-Krimi „Der stille Schüler“ (School Days, 2005)  im Juli vom Pendragon Verlag ausgeliefert wird. Eine Besprechung gibt es die Tage.


TV-Tipp für den 29. Juni

Juni 28, 2007

Sat.1, 03.25

Blond: Eva Blond! – Wie das Leben so spielt (D 2004, R.: Matthias Glasner)

Drehbuch: Sascha Arango

Man soll aufhören, wenn es am Schönsten ist. Außerdem waren die Quoten für „Blond: Eva Blond!“ auch nie wirklich überzeugend. Einige Preise sicherten der abgedrehten Krimiserie ein längeres Leben bei dem Privatsender. Für Krimifans mit einem Hang zum Absurden, Makabren und Schwarzhumorigen waren die sechs „Blond: Eva Blond!“-Filme immer ein Festschmaus. Drehbuch, Regie, Schauspieler – hier stimmte einmal einfach alles.

Dabei klingt der Fall nach schlimmster Kolportage: Regierungsdirektor Bierbichler und Starkoch Schlenz sterben anscheinend eines natürlichen Todes. In ihren Mägen werden Reste einer Prostituierten gefunden. Die schusselige, blonde Kommissarin Eva Blond gerät an drei seltsame Witwen.

Das klingt jetzt nach 08/15-Krimi, aber die Mischung macht’s und die stimmt hier.

Mit Corinna Harfouch, Erdal Yildiz, Herbert Knaup, Sissi Perlinger, Merit Becker, Ulrike Krumbiegel, Frank Giering, Bülent Sharif

Die „Blond: Eva Blond!“-Filme:

Das Urteil spricht der Mörder (D 2002, R.: Jorgo Papavassiliou)

Das Buch der Beleidigungen (D 2002, R.: Urs Egger)

Der Zwerg im Schließfach (D 2004, R.: Hermine Huntgeburth)

Wie das Leben so spielt (D 2004, R.: Matthias Glasner)

Epsteins Erbe (D 2006, R.: Achim von Borries)

Der sechste Sinn (D 2006, R.: Matthias Glasner)

Sascha Arango schrieb alle sechs Drehbücher und beantwortet einige Fragen zu seiner „Blond: Eva Blond!“: http://presse.prosieben.de/db/6/doc/9/4/5/8/1.html


Guter Stoff, schlecht verarbeitet

Juni 28, 2007

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Es gibt sicher tausend Möglichkeiten, aus einem Stoff eine spannende Geschichte zu machen. Gute, weniger gute und schlechte. In Guido Seyerles Romandebüt „Schweinekrieg“ ist der Stoff das Schwäbisch-Hällische Landschwein und wie es einigen Landwirten in den vergangenen beiden Jahrzehnten gelang, aus einer aussterbenden Rasse eine Marke zu machen. Diese Etablierung in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts ging nicht ohne Konflikte ab.

Das ist der reale Hintergrund und auch der Stoff den Guido Seyerle zu einem Roman verarbeitete. Allerdings ist es kein gelungener Roman. Gründe gibt es dafür viele. Der wichtigsten ist die Wahl der Hauptperson. „Schweinekrieg“ wird ausschließlich aus der Sicht des freiberuflichen Lokaljournalisten Chris Schranz erzählt. Er beobachtet mit Sympathie, wie der nach einem mehrjährigen Auslandsaufenthalt 1984 zurückgekehrte Landwirt Heinrich Bauer das vom Aussterben bedrohte Schwäbisch-Hällische Landschwein als Marke etablieren will. Bauer versucht die anderen Schweinezüchter zu überzeugen, ihre Zucht umzustellen. Er engagiert sich bei den Grünen. Er gründet eine Erzeugergemeinschaft und er organisiert einen Stand auf der Grünen Woche in Berlin. Der Stand wird ein voller Erfolg. Später kann Bauer mit einem der größten europäischen Lebensmittelkonzerne, Feinkost Küfer, einen lukrativen Vertrag für die Gesundheitslinie „ich darf“ abschließen.

Gleichzeitig versucht die Schweinemafia (so nennen die Züchter das Kartell der Abnehmer, die die Preise immer weiter nach unten drücken), personifiziert durch die Schweinezentrale und ihren Chef Falko Dombrowski, Bauer zu behindern. Während sich diese Aktionen der Schweinezentrale innerhalb der marktwirtschaftlichen Spielregeln bewegen, tritt bei mehreren Schweinen auf verschiedenen Höfen die Aujetzki-Krankheit auf, zwei Reifen werden mit einem aus der DDR stammenden Messer zerstochen, eine Inkassofirma versucht von Bauer nicht vorhandene Schulden einzutreiben und Lukas Ritzer wird ermordet.

Das ist eigentlich mehr als genug Handlung für ein spannendes Buch. Aber Chris Schranz tut genau das, was ein Journalist tun soll: er hält sich aus allem heraus, beobachtet und berichtet darüber.

Doch der erste, einige behaupten der einzige, Grundsatz für eine spannende Geschichte lautet: Die Hauptperson will ein bestimmtes Ziel mit allen Mitteln erreichen.

Der zweite dehnt diesen Satz auf die anderen Charaktere aus: Jeder will in jeder Szene etwas erreichen. Auch wenn es nur ein Glas Wasser ist.

Aber Schranz will nichts erreichen. Dagegen will Heinrich Bauer etwas erreichen. Er nimmt den Kampf eines Davids gegen Goliath auf und gewinnt. Das wäre eine tolle Geschichte gewesen. Auch die Geschichte der Menschen, die mit allen Mitteln verhindern wollen, dass Bauer erfolgreich ist, wäre spannend zu lesen gewesen. Oder die Geschichte von Bauers Frau, die an dem Ehrgeiz ihres Mannes zerbricht. Oder die der Polizisten, die den Mörder von Ritzer suchen.

Doch Seyerle wählte mit Chris Schranz den schwächsten von allen möglichen Hauptcharakteren aus.

Gleichzeitig war Seyerle der Kampf der kleinen Schweinezüchter gegen die Schweinezentrale zu wenig. Er pfropfte diesem Kampf einen dünnen und, wenn er nicht der Wirklichkeit entspricht, abstrus-unglaubwürdigen Krimiplot auf. Denn irgendjemand will anscheinend mit allen Mitteln verhindern, dass Bauer und seine Mitstreiter erfolgreich sind. Jedenfalls ist beim Lesen unklar, ob die Anschläge gegen die Schweinezüchter wirklich die geplanten Taten eines einzelnen Täters sind. Am Ende (und damit gebe ich den Lesern, die das Buch nach diesem Verriss doch noch kaufen, die Spannung, die in der Geschichte nicht vorhanden ist) wird der hinter allem steckende Bösewicht verhaftet und es gibt eine Erklärung für die vielen aus Osteuropa, hauptsächlich der DDR, kommenden Menschen. Denn diese Ostler arbeiten zusammen.

 

Guido Seyerle: Schweinekrieg

Gmeiner Verlag, 2007

288 Seiten

9,90 Euro

 

Homepage von Guido Seyerle: http://www.reise-schriftsteller.de/

 

„Schweinekrieg“ vermischt Fakten mit Fiktion. Auf der Seite der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH) gibt es einige Fakten:

http://www.besh.de/html/startseite.html


Besprechung von Stewart O’Nans „Eine gute Ehefrau“ online

Juni 28, 2007

Meine Besprechung von Stewart O’Nans neuestem Roman „Eine gute Ehefrau“ (The good wife, 2005) ist online in der Berliner Literaturkritik. Wer in den vergangenen Tagen immer mehr glaubte, ich würde nur Krimis lesen, wird sich erstaunt die Augen reiben. Denn „Eine gute Ehefrau“ ist kein Kriminalroman. So weit will ich die Genreregeln dann doch nicht dehnen.

Außerdem – und das dürfte der nächste Schock sein – hat mir das Buch sehr gut gefallen.

Wenn Sie wissen wollen warum – die Antwort ist nur einen Klick entfernt.


TV-Tipp für den 28. Juni

Juni 28, 2007

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ARD, 22.45

Catch me if you can (USA 2002, R.: Steven Spielberg)

Drehbuch: Jeff Nathanson

LV: Frank Abagnale (mit Stan Redding): Catch me if you can: The Amazing True Story of the Youngest and Most Daring Con Man in the History of Fun and Profit, 1980 (Mein Leben auf der Flucht, Catch me if you can)

Spielberg erzählt die wahre Geschichte des Hochstaplers Frank Abagnale. Der Film „ist eine swingende, schwerelose Krimikomödie, die durch Tempo, Charme und Verspieltheit überzeugt.“ (Berliner Zeitung, 30. Januar 2003)

Mit Leonardo DiCaprio, Tom Hanks, Christopher Walken, Martin Sheen, Nathalie Baye, James Brolin, Jennifer Garner

Heute berät Frank Abagnale immer noch Banken und das FBI. Wie er über seine wilde Jugend denkt, erfahren Sie in diesem Spiegel-online-Artikel.


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