Florida-Crime à la Hiaasen

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Im Rückblick ist die vor acht Jahren erschienene Satire „Krumme Hunde“ (Sick Puppy) der letzte wirklich gnadenlose satirische Kriminalroman von Carl Hiaasen. Danach schrieb er, neben zwei erfolgreichen Jugendbüchern, einen in der ersten Person erzählten Thriller („Letztes Vermächtnis“), garnierte die Satire mit einem Schuss Altersmilde („Der Reinfall“) oder brachte niemanden mehr um („Sumpfblüten“).

„Krumme Hunde“ beginnt harmlos, bevor die Geschichte ihren brüllend komischen Hiaasen-typischen fatal-destruktiven Verlauf nimmt. Der beste Lobbyist Floridas Palmer Stoat wirft aus seinem Range Rover in die Wildnis Floridas die Verpackungen seines Fastfood-Essens. Keine große Sache. Macht schließlich jeder. Dummerweise wird er dieses Mal von Twilly Spree beobachtet. Twilly ist ein Weltverbesserer, der seine Mitmenschen mit handfesten Demonstrationen überzeugen will. So sprengte er die Bank seines Onkels, weil die Bank einer Baufirma vierzehn Millionen Dollar für Bauarbeiten im Amazonasbecken lieh, in die Luft und musste – erfolglos – an einem Kursus zur Aggressionsbewältigung teilnehmen. Denn Twilly kann seine Wut immer noch nicht beherrschen. Er befördert eine Ladung Müll in Stoats BMW Cabrio. Damit könnte die Sache beendet sein, wenn Stoat nicht wenige Tage später wieder Müll aus seinem Wagenfenster werfen würde. Denn Stoat hat erstens keine Ahnung, wer warum seinen BMW zerstörte, und ist zweitens damit beschäftigt, die Umwidmung der idyllischen Insel Toad Island in ein luxuriöses Golfressort voranzubringen. Für das Shearwater-Island-Projekt (natürlich wird Toad Island [Kröteninsel] zuerst umbenannt) müssen seltene Tierarten verschwinden, Politiker geschmiert und Investoren beruhigt werden.

Auch als Twillys Demonstrationen immer persönlicher werden, hat Stoat keine Ahnung, wer ihn warum bedroht. Ihm fällt nur ein, dass es mit seinem neuesten Projekt zusammenhängen könnte.

Stoats von der Ehe und ihrem arroganten Ehemann gelangweilte Frau Desie verliebt sich natürlich prompt in den sympathischen Twilly, der zuerst ihren Hund Boodle und später sie entführt, und erzählt ihm, dass Stoat letztendlich die treibende Kraft bei der geplanten Zerstörung des Paradieses Toad Island ist. Twilly fordert Stoat auf, das Projekt zu stoppen. Sonst werde er seinen Hund und seine Frau nie wieder sehen.

Stoat kann diese Forderung, die letztendlich das Ende seiner Karriere als Lobbyist bedeuten könnte, unter keinen Umständen akzeptieren. Twilly soll, wie die anderen Probleme bei der Erschließung der Insel, aus dem Weg geschafft werden. Weil Geld bei dem vermögenden Überzeugungstäter Twilly Spree nicht fruchten wird, erpressen Stoat und der Gouverneur von Florida den früheren, in den Sümpfen untergetauchten Gouverneur Clinton ‚Skink’ Tyree. Er soll ihnen helfen, den Irren Twilly Spree aus dem Weg zu schaffen.

Hiaasen-Fans kennen Skink und wissen, dass spätestens jetzt für die Bösen die Straße ins Verderben ein mehrspuriger Highway ohne Geschwindigkeitsbegrenzungen ist.

„Krumme Hunde“ ist Carl Hiaasens gnadenlose Abrechnung mit korrupten Politikern und, wieder einmal, eine furiose Anklage gegen die Zerstörung der traumhaften Landschafts Floridas für kommerzielle Interessen. Alle Probleme können mit der richtigen Menge Geld, – mal legal, mal illegal verbucht -, gerichtet werden, bis mit Twilly Spree ein Idealist auf der Bildfläche erscheint und den korrupten Frieden stört. Das erschreckende bei „Krumme Hunde“, wie auch bei den anderen in Florida spielenden witzig-grotesken Kriminalromanen von Hiaasen, ist, dass die auf den ersten Blick unglaublichsten Ereignisse wahr sind.

Doch was kann man schon von einem Bundesstaat erwarten, in dem Präsidentschaften gekauft werden und Journalisten als Haustiere Alligatore haben?

 

Carl Hiaasen: Krumme Hunde

(übersetzt von Michael Kubiak)

Goldmann, 2007 (2. Auflage)

512 Seiten

8,95 Euro

 

Deutsche Erstausgabe: Goldmann, 2002

 

Originalausgabe

Sick Puppy

Alfred A. Knopf, New York, 1999

Homepage von Carl Hiaasen: http://www.carlhiaasen.com/

 

Bücher von Carl Hiaasen

Romane

Powder Burn, 1981 (mit William D. Montalbano)

Trap Line, 1982 (mit William D. Montalbano)

A Death In China, 1984 (mit William D. Montalbano) (Der Tod in China)

Tourist Season, 1986 (Miami Terror)

Double Whammy, 1987 (Dicke Fische, Miami Morde)

Skin Tight, 1989 (Unter die Haut)

Native Tongue, 1991 (Große Tiere)

Strip Tease, 1993 (Striptease, Nachtclub)

Stormy Weather, 1995 (Stürmische Zeiten)

Naked Came the Manatee, 1996 (mit Brian Antoni, Dave Barry, Edna Buchanan, Tananarive Due, James W Hall, Vicki Hendricks, Elmore Leonard, Paul Levine, Evelyn W Mayerson and Edna Standiford – Serial Novel for The Miami Herald’s Tropic Magazine)

Lucky You, 1997 (Die Glücksfee)

Sick Puppy, 1999 (Krumme Hunde)

Basket Case, 2002 (Letztes Vermächtnis)

Skinny Dip, 2004 (Der Reinfall, Dagger-Nominierung für bester Roman)

Nature Girl, 2006 (Sumpfblüten)

 

Kinderbücher

Hoot, 2002 (Eulen)

Flush, 2005 (Fette Fische)

 

Sachbücher

Team Rodent: How Disney Devours the World, 1998

Kick Ass: Selected Columns of Carl Hiaasen, 1999

Paradise Screwed: Selected Columns of Carl Hiaasen, 2001

 

Verfilmungen

Striptease (Striptease, USA 1996, Regie/Drehbuch: Andrew Bergman)

Eulen – Kleine Freunde in großer Gefahr! (Hoot, USA 2006, Regie/Drehbuch: Wil Shriner)

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2 Responses to Florida-Crime à la Hiaasen

  1. […] Meine Besprechung von „Krumme Hunde“ (Sick Puppy, 1999) […]

  2. […] Meine Besprechung von „Krumme Hunde“ (Sick Puppy, 1999) […]

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