Spannendes Frühwerk von einem Grandmaster

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Lawrence Block schrieb in den frühen sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts auch zahlreiche Softpornos, die unter verschiedenen Pseudonymen erschienen. Block hatte diese Zeit nie verschwiegen, aber er hielt auch nie viel von diesen Frühwerken. Deshalb sagte er nie, welche der damals erschienenen Romane in den Softporno-Reihen von ihm waren und welche nicht. Sie waren für den damals am Anfang seiner Karriere stehenden Autor vor allem eine Möglichkeit, regelmäßig zu schreiben, verschiedene Dinge auszuprobieren und dafür bezahlt zu werden. Es gab bei diesen Romanen nur eine Auflage: pro Kapitel musste eine erotische Szene drin sein.

Auch das unlängst bei Hard Case Crime veröffentlichte Werk „Lucky at Cards“ ist einer dieser, aus heutiger Sicht, Softpornos. Es erschien 1964 unter dem Pseudonym Sheldon Lord als „The Sex Shuffle“. Die Neuauflage hat den treffenderen Titel „Lucky at Cards“. Aber damals veränderten die Verleger einfach die Titel, tauschten Autorennamen aus und tauschten auch mal Kapitel zwischen verschiedenen Romanen. Den Lesern war’s egal, solange die Geschichte genügend erotische Szenen enthielt.

Auf diesem Gebiet hat „Lucky at Cards“, im Gegensatz zu „Cinderella Sims“, kaum etwas zu bieten. Denn Lawrence Block peppt seine Kriminalgeschichte lediglich mit etwas Sex auf.

Der betrügerische Kartenspieler Bill Maynard muss nach einer Tracht Prügel aus Chicago flüchten. Auf dem Weg nach New York lässt er sich in einer Kleinstadt die Zähne richten. Er wird zu einem Kartenspiel der oberen Zehntausend des Dorfes eingeladen und trifft dort auf Joyce Rogers, die junge und überaus gutaussehende Frau von Murray. Sie durchschaut den Falschspieler sofort, lässt ihn aber gewinnen.

Selbstverständlich verlieben sich die beiden ineinander. Und ebenso selbstverständlich wollen sie mit dem Vermögen von ihrem Mann abhauen. Doch Murray hat sie nicht in seinem Testament bedacht. Genau die richtige Aufgabe für einen ausgefuchsten Kartenprofi.

„Lucky at Cards“ beginnt mit einer typischen Noir-Situation. Doch schon durch eine kleine Variation beginnt der Krimi in ungewohnten Bahnen zu verlaufen. Das Liebespaar muss sich nämlich nicht überlegen, wie sie den Geldesel umbringt, sondern wie sie ihn in eine Lage hineinmanövrieren, in der er ihnen sein Geld gibt. Damit verläuft auch das Scheitern von Bill Maynards Plan, schließlich denkt Murray Rogers nicht daran sein Geld oder seine Frau herzugeben, in ungewohnten Bahnen.

Der damals noch junge Lawrence Block erzählt diese Geschichte auf wenigen Seiten geradlinig in einem angemessen nüchternen Hardboiled-Tonfall. Damit ist er näher an seinen Matthew Scudder-Romanen als an seinen Evan Tanner- und Bernie Rhodenbarr-Geschichten. Für Block-Fans ist „Lucky at Cards“ ein Pflichtkauf. Für andere ein guter Anfang einen der großen lebenden Krimiautoren kennen zu lernen.

 

 

Lawrence Block: Lucky at Cards

Hard Case Crime, 2007

224 Seiten

6,99 US-Dollar (circa 6 Euro)

 

Erstausgabe: Sheldon Lord: The Sex Shuffle, 1964

 

 

Hinweise:

Alles über Lawrence Block erfahren Sie in dem von mir herausgegebenen Werk „Lawrence Block – Werkschau eines New Yorker Autors“

Meine Besprechung von „All the Flowers are dying“

Homepage von Lawrence Block

Homepage von Hard Case Crime (Diese Covers!)

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4 Responses to Spannendes Frühwerk von einem Grandmaster

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