Ärgerlich: Die Fremde in dir

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The Brave One, USA 2007, R.: Neil Jordan

Drehbuch: Roderick Taylor, Bruce A. Taylor, Cynthia Mort

Mit Jodie Foster (Erica Bain), Terrence Howard (Detective Mercer), Nicky Katt (Detective Vitale), Naveen Andrews (David Kirmani),   Mary Steenburgen ( Carol)

 

++Spoiler-Alarm++

In dem folgenden Text verrate ich das Ende des Films. Für diese Menschen sage ich jetzt: Es lohnt sich nicht, für diesen Film Geld auszugeben. Die anderen dürfen weiter lesen.

++Spoiler-Alarm++

 

Heute habe ich mir endlich “Die Fremde in dir”, den Selbstjustizfilm mit Jodie Foster angesehen. Ich bin schon skeptisch ins Kino gegangen, aber ich wollte ihn unbedingt mit „Death Sentence“ vergleichen. Bei der Kritik ist „Die Fremde in dir“ etwas besser weggekommen. Für mich ist er der ärgerlichere Film.

Die Story ist genretypisch einfach: Erica Bain ist eine erfolgreiche, verliebte New Yorker Radiomoderatorin. Eines Nachts wird sie im Park von drei Gangstern überfallen und zusammenschlagen. Ihr Freund stirbt. Die Polizei kann die Verbrecher nicht fassen. Bain nimmt das Gesetz in die eigenen Hände.

Daraus kann man viel machen. James Wan machte daraus in „Death Sentence“ eine bitterböse Studie über Gewalt und Gegengewalt und den selbstgewählten Weg in den Abgrund. Neil Jordan machte daraus – Ja, was eigentlich?

Wenn wir das Ende betrachten, immerhin ist im Ende eines Films die Botschaft versteckt, dann hat er ein erzreaktionäres und staatsverachtendes Bekenntnis zur Selbstjustiz abgeliefert, das, gerade weil es qualitativ weit über dem Standard dritt- und viertklassiger Ramschware liegt, nur noch ärgerlicher ist.

Also, das Ende geht so: Bain hat erfahren, wo die Gangsterbande ist. Sie geht zu ihnen und bringt sie der Reihe nach um. Zur gleichen Zeit hat der grundehrliche Cop, der in Bain verknallt ist, herausgefunden, wo Bain hingegangen ist. Er fährt hin. Als Bain den letzten Verbrecher umbringen will, geht der Polizist dazwischen. Der Gangster legt sich auf den Boden und wartet auf die Verhaftung. Da richtet Bain ihre Pistole auf den Cop. Ihre Hand zittert (Ein sicheres Zeichen, dass sie den Falschen umbringen will!). Der Cop nimmt ihr die Pistole ab. Und gibt ihr seine Pistole. Sie erschießt ohne zu Zittern den Gangster. Anschließend schießt sie den Cop mit ihrer Pistole an. Der Cop lässt Bain laufen und legt ihre Pistole in die Hand des Gangsters.

Das ist nicht mehr, wie am Ende von „Ein Mann sieht rot“ das Wegsehen eines Polizisten, sondern das ist das aktive Helfen der Polizei bei Lynchjustiz. Die Botschaft des Films lautet: Und das ist gut so.

Doch schon lange vor diesem Ende hat „Die Fremde in dir“ es bei mir gründlich verschissen. Die letzten Minuten sind einfach nur der letzte Sargnagel eines Desasters, weil Jordan niemals eine stringente Haltung zu seiner Geschichte entwickelt. Denn der Film ist kein psychologisches Drama. Dafür wird Bains Charakter nicht genug ausgelotet.

Der Film ist kein Porträt von New York nach 9/11. Dafür ist von der Millionenstadt einfach nichts zu spüren. Der Film könnte in jeder größeren Stadt überall auf der Welt zu jeder Zeit spielen.

Der Film ist auch, trotz des eindeutigen Originaltitels „The Brave One“, kein überzeugender Selbstjustizfilm. Denn dafür müsste er sich zu seinem Charakter positionieren und ihre Morde in irgendeiner Form aufgrund ihrer Psyche und äußerer Ereignisse nachvollziehbar machen.

In „Ein Mann sieht rot“ war es das Versagen des Staates bei der Strafverfolgung. In „Die Fremde in dir“ schnappen die Polizisten die Täter, aber in diesem Moment hat Bain bereits einige, wahrscheinlich therapeutisch zu verstehende, Morde auf dem Kerbholz und will weitermorden.

In „Death Sentence“ war es das übersteigerte Rachebedürfnis des Vaters. Er wollte nicht, dass der Verbrecher für einige Jahre in den Knast wandert. Er wollte, dass er lebenslänglich für seine Tat büßt.

In „Ein Richter sieht rot“ konnte ein Richter Verbrecher aufgrund von Verfahrensfehlern nicht verurteilen. Er wollte Gerechtigkeit und schloss sich einer Kammer von Lynchjustizrichtern an.

In „Die Frau mit der 45er Magnum“ wehrt sich eine stumme New Yorkerin handgreiflich gegen ihren zweiten Vergewaltiger. Eine in einer Männerwelt immer zum Sexobjekt degradierte Frau wehrt sich.

Und in vielen Filmen (und Büchern), in denen der Held das Recht in die eigenen Hände nimmt, muss er auf eine akute Bedrohung reagieren.

In „Die Fremde in dir“ haben wir dagegen eine Frau, die nach einem Überfall einfach mehr oder weniger wahllos einige Bösewichte abknallt. Dabei sucht sie bewusst gefährliche Orte auf, um ihre Pistole sprechen zu lassen. Denn nach diesem traumatischen Erlebnis muss sie etwas tun. ‚Warum nicht einige Stunden bei einem Psychiater verbringen?’ werden Sie jetzt vielleicht fragen. Das wäre natürlich eine die Kriminalstatistik schonende Vorgehensweise, aber anscheinend ging es Mitproduzentin Jodie Foster nur darum, einige schlechte Karikaturen abzuknallen.

Das ist filmischer Schrott, mit einer auf Haut und Knochen abgemagerten Jodie Foster in der Hauptrolle und einem jede Szene zukleisternden Soundtrack.

 

Homepage des Films

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One Response to Ärgerlich: Die Fremde in dir

  1. […] Roderick Taylor, Bruce A. Taylor, Cynthia Mort: The Brave One (Die Fremde in Dir – meine Besprechung) […]

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