Einige Fundstücke

November 30, 2007

Crime Zine Report hat seine Nominierungslisten für den Spinetingler Preis veröffentlicht.  Schöne Listen mit einigen bekannten Namen (Ken Bruen, James Lee Burke, Ian Rankin, Duane Swierczynski, Charlie Huston, Laura Lippman) und vielen Covers von Hard Case Crime.

Allan Guthrie (dessen Hard Case Crime-Buch „Kiss Her Goodbye“ ich im „Krimijahrbuch 2006“ abfeierte) listete die 200 besten Noir-Romane von 1929 bis 1997 auf. Die letzten zehn Jahre ließ er weg, weil die Liste eh schon lang ist.  Schöne Liste mit vielen bekannten Namen.

Bei IAMTW ist ein Interview mit dem ehemaligen James Bond-Autor Raymond Benson erschienen. Eine umfangreiche, textlastige Homepage hat Benson auch.

Bei It’s a Crime empfehlen Krimiautoren Bücher.  Zuletzt Zoe Sharp, die Bücher von Ken Bruen, Lee Child, Robert P. Parker, Jeffery Deaver und Julia Spencer-Fleming (hm, dabei sollten die Autoren doch immer nur ein Buch empfehlen)  für den weihnachtlichen Gabentisch empfiehlt.

Robert B. Parker schreibt in der New York Times über ein Essen mit Ed Haris, der Parkers Western „Appaloosa“ verfilmt. Wo wir gerade bei Parker-Verfilmungen sind: der fünfte Jesse Stone-Film „Thin Edge“ mit Tom Selleck ist fast fertig und wird wahrscheinlich im Februar im amerikanischen Fernsehen ausgestrahlt (das deutsche Fernsehen könnte ja mal die ersten Stone-Filme bringen). Und seit Ende Oktober gibt es einen neuen Spenser: „Now and Then“.

Ian Rankin (zuletzt „Im Namen der Toten„)  ist ab Montag auf Lesetour:

Montag, 3. Dezember: Berlin: Babylon Berlin (Rosa-Luxemburg-Straße 30), 19.30 Uhr

Dienstag, 4. Dezember: Hamburg: Buchhaus Weiland im Mercado (Ottenser Hauptstraße 10), 20.45 Uhr

Mittwoch, 5. Dezember: Wien: Rabenhof Theater (Rabengasse 3), 20.00 Uhr

Donnerstag, 6. Dezember: Zürich: Kaufleuten (Pelikanplatz), 20.00 Uhr

Udo Wachtveitl liest die deutschen Teile.

Was sagen uns die Anfangszeiten über das Abend- und Nachtleben der Städte?


TV-Tipp für den 30. November

November 30, 2007

Arte, 00.20

Berlin – Die Sinfonie der Großstadt (D 1927, R.: Walther Ruttmann)

Drehbuch: Karl Freund, Carl Mayer, Walter Ruttmann

Dokumentarischer Stummfilmklassiker über einen Tag in Berlin. Arte zeigt „Berlin – Die Sinfonie der Großstadt“ in einer kürzlich restaurierten Fassung mit der von Bernd Thewes neu orchestrierten Musik. Von der Originalmusik von Edmund Meisel existiert nur noch ein Klavierauszug.

Karl Freund drehte später in Hollywood den Boris Karloff-Horrorklassiker „Die Mumie“.

Wiederholung:

Mittwoch, 12. Dezember, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Weitere Informationen:

Arte zum Film

Anscheinend vollständiger Film bei Google (Musik unklar)

Anscheinend etwas kürzere Fassung bei Public Domain (Musik unklar)


Neu im Kino: Gone Baby Gone, Mr. Brooks

November 29, 2007

„Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel“ ist die Verfilmung des gleichnamigen vierten Patrick Kenzie-Angela Gennaro-Krimis von Dennis Lehane. Die beiden Privatdetektive sollen die verschwundene vierjährige Amanda finden. Doch sie werden von Amandas Familie und der Polizei belogen.

Aaron Stockard und Ben Affleck, der auch Regie führte, schrieben das Drehbuch. Die Hauptrollen wurden von Casey Affleck, Michelle Monaghan, Morgan Freeman, Ed Harris und Amy Madigan übernommen. Amerikanische Kritik und Publikum waren, wie bei der ersten Lehane-Verfilmung „Mystic River“, einhellig begeistert über dieses grimmige Neo-Noir-Porträt von Boston. Auch Dennis Lehane gefällt die Verfilmung.

Weitere Informationen:

Homepage von Dennis Lehane

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Gone Baby Gone“

 

Nicht ganz so gut kam dagegen der neue Kevin Costner-Film „Mr. Brooks – Der Mörder in Dir“ in den USA bei Kritik und Publikum an. Costner spielt einen gewöhnlichen Geschäftsmann, der ein Doppelleben führt. Er ist nämlich ein Serienkiller. Im Film wird seine böse Seite von William Hurt, der anscheinend Gefallen an der Rolle des Bösewichts gefunden hat, gespielt. Demi Moore, Marg Helgenberger und Reiko Aylesworth spielen ebenfalls mit. Bruce A. Evans inszenierte das von ihm und Raynold Gideon geschriebene Drehbuch. Seine Deutschlandpremiere erlebte der Psychothriller beim Fantasy Filmfest: „Das ist Mainstreamkino von beachtlichem Nihilismus, spannend, subversiv und schließlich, wenn man nicht mehr damit rechnet, auch noch unbeschreiblich blutig.“ (Programmheft). Und „tip“ meint: „Dem Film gelingt es ohne Anstrengung, den Killer/Unternehmer als Sympathieträger zu zeichnen.“

Tja, in „Mr. Brooks“ spielt Kevin Costner endlich wieder, wie in „Perfect World“, einen Bösewicht und wir gehen nach vielen, vielen Jahren wieder gerne in einen Costner-Film.

Weitere Informationen:

Drehbuch „Mr. Brooks“ von Bruce A. Evans und Raynold Gideon

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Mr. Brooks“

Anmerkung: Beide Filme haben keine deutsche Homepage. Absicht? Irrtum? Kein Geld?


TV-Tipp für den 29. November

November 28, 2007

WDR, 23.15

Black Box BRD (D 2001, R.: Andres Veiel)

Drehbuch: Andres Veiel

Gelungene Doku, in der Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Leben von Deutsche Bank-Sprecher Alfred Herrhausen und RAF-Terrorist Wolfgang Grams aufgezeigt werden. Erster starb am 30. November 1989 bei einem RAF-Anschlag, zweiter am 27. Juni 1993 in Bad Kleinen bei einem Polizeieinsatz durch Selbstmord.

„Eine Schwindel erregende, waghalsige Reise ins dunkle Herz der BRD, eine Achterbahnfahrt durch die Vergangenheit, eine abenteuerliche Expedition in ein merkwürdiges fernes Land.“ (Volker Gunske, Tipp 11/2001)

Mit Traudl Herrhausen, Rainer Grams, Hilmar Kopper, Wolfgang Grundmann, Helmut Kohl


Vergiftete Drinks und Mary Kates

November 28, 2007

louis-blondes-gift.jpg

Für die Meisten dürfte es wirklich egal sein. Denn sie kennen bis jetzt weder Duane Louis noch Duane Swierczynski. Doch wer sich öfters auf englischen Krimiseiten tummelt, der ist in den vergangenen Jahren bereits über den zweiten Namen gestolpert. Der Heyne Verlag meinte allerdings, Duane Swierczynski könne sich kein Deutscher merken. Deshalb wurde – natürlich mit dem Einverständnis von Duane Swierczynski – für Deutschland sein Name in Duane Louis geändert (genau genommen seine beiden Vornamen) und sein dritter Roman „The Blonde“ als „Blondes Gift“ veröffentlicht.

Der noirische Thriller mit Science Fiction-Touch ist ein echter Pageturner. Gleich mit dem ersten Satz „Ich habe Ihren Drink vergiftet.“ geht es los. Das sagt in der Flughafenbar eine Blondine zu dem gerade in Philadelphia gelandeten Journalisten Jack Eisley. Er werde gleich starke Schmerzen spüren und, wenn sie ihm nicht in seinem Hotelzimmer das Gegengift geben könne, in wenigen Stunden sterben. Natürlich glaubt Eisley ihr kein Wort. Doch wenig später fühlt er sich schlecht, kotzt auf die Straße und glaubt ihr.

Als er sie auf dem Flughafen wieder sieht, verabschiedet sie sich mit einem innigen Kuss von einem anderen Mann und steigt zu Eisley ins Taxi.

In diesem Moment werden sie bereits von Mike Kowalski beobachtet. Der Killer arbeitet im Auftrag der supergeheime Organisation CI-6 des Ministeriums für Heimatschutz. Zuerst sollte er die Blondine Kelly White finden. Doch jetzt wird sein Auftrag geändert. Er soll den Mann verfolgen. Kurz darauf sieht Kowalski ihn tot in seinem Badezimmer. Sein Kopf ist explodiert.

Die Blondine, die sich Kelly White nennt, erklärt währenddessen Jack Eisley, warum der andere Mann starb. Sie trägt ein sich im Teststadium befindendes, auf Nanotechnologie basierendes, virusähnliches Ortungssystem in ihrem Körper, das darauf programmiert ist, den Träger zu töten, wenn er sich mehr als drei Meter von einem anderen Menschen entfernt. Die Mary Kates werden durch Intimkontakte, wie Küsse, übertragen.

Im Folgenden entspinnt sich eine leichengesättigte Jagd durch das nächtliche Philadelphia. Die vielen kurzen Kapitel, in denen Louis die verschiedenen Handlungsstränge parallel entwickelt, die pointierten Dialoge und die knappen Charakterzeichnungen werden von ihm nur benutzt um das Tempo unerbittlich zu steigern und mit immer neuen, oft grotesken Wendungen zu überraschen. Denn auch wenn Duane Louis in der zweiten Hälfte beginnt die Vorgeschichte von Kelly White zu erzählen, bleibt es spannend und die absurde Idee mit den Mary Kates und die damit verbundenen Gefahren einer Kontrolle der Gesellschaft wird zunehmend glaubhafter.

Damit liest sich „Blondes Gift“ wie die Vorlage für einen Film, der hoffentlich nie gedreht wird. Denn so filmisch sich die absurde Geschichte liest, so schwer ist sie in einen guten Film zu übertragen.

Für Freunde von schwarzhumorig-düsteren Thrillern, die sich nicht lange mit psychologischem Brimborium aufhalten, ist „Blondes Gift“ ein Pflichtkauf.

Für die US-amerikanische Taschenbuchausgabe hat Duane Swierczynski (in Deutschland auf Wunsch des Verlages Duane Louis) die Novella „Redhead“ geschrieben. Sie führt die Geschichte einiger wichtiger Charaktere und der Mary Kates aus „Blondes Gift“ fort zu einem hundsgemeinen Ende, das „Planet Terror“ wie eine Gute-Nacht-Geschichte wirken lässt. Wer englisch kann und „Blondes Gift“ gelesen hat, kann Duane Swierczynski eine Mail schicken und erhält die Geschichte. Kostenlos.

 

 

Duane Louis (Pseudonym von Duane Swierczynski): Blondes Gift

(übersetzt von Frank Dabrock)

Heyne, 2007

336 Seiten

7,95 Euro

 

Originalausgabe:

Duane Swierczynski: The Blonde

St. Martin’s Minotaur 2006

 

Hinweise: 

Homepage/Blog von Duane Swierczynski: Secret Dead Blog

Direkt zur Fortsetzung von “Blondes Gift”: Give me a Redhead

 


TV-Tipp für den 28. November

November 28, 2007

RBB, 22.35

Wahl der Waffen (F 1981, R.: Alain Corneau)

Drehbuch: Alain Corneau, Michel Grisola

Yves Montand spielt einen Profikiller, der sich mit seiner Frau Catherine Deneuve, auf einem Landsitz zur Ruhe gesetzt hat. Gérard Depardieu spielt einen jungen, unbeherrschten Gangster, der die Ruhe stört. Mehr muss eigentlich nicht zu diesem viel zu wenig bekannten, exzellenten französischen Gangsterfilm gesagt werden.

Und jetzt noch einige andere Stimmen:

„Corneaus neuester Film lebt vor allem von der Gegenüberstellung zweier Verbrechertypen und deren Lebensweisen. (…) Mit eindruckvollen Bildkompositionen, einem interessanten Einsatz des Dolby-Stereo-Tones und wortkargen Dialogen erzählt Corneau seine Geschichte von der Auseinandersetzung zwischen unterschiedlichen Lebensformen und Wertvorstellungen, und er zeigt uns die Sinnlosigkeit von Gewalt und den Sieg der Menschlichkeit.“ (Fischer Film Almanach)

„Harter, effektsicherer Gangsterfilm mit humaner Botschaft und vorzüglicher Besetzung, spannend und auf hohem Niveau inszeniert.“ (Lexikon des internationalen Films)

„Ein klassischer französischer Gangsterfilm im Stile eines Jean-Pierre Melville ist diese dritte gemeinsame Arbeit von Alain Corneau und Yves Montand (…) Ein Klasse-Film.“ (TV Spielfilm: Das große Filmlexikon)

Mit Yves Montand, Gérard Depardieu, Catherine Deneuve, Michel Galabru, Gerard Lanvin


„Die Vergeltung“ online

November 27, 2007

Bruno Preisendörfer hat mit „Die Vergeltung“ einen Roman geschrieben, der vom Liebeskind Verlag als „literarischer Thriller über Schuld und tödliche Rache“ beworben wird. Allerdings halte ich „Die Vergeltung“ als Thriller – und auch als Roman -, trotz eines sehr guten Anfangs (nachdem ich die ersten Zeilen gelesen hatte, las ich gleich weiter), für misslungen. Warum können Sie in der Berliner Literaturkritik nachlesen.


Cover der Woche

November 27, 2007

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TV-Tipp für den 27. November

November 27, 2007

WDR, 22.10

Topkapi (USA 1964, R.: Jules Dassin)

Drehbuch: Monja Danischewsky

LV: Eric Ambler: The light of day, 1962 (Topkapi)

Gentleman-Gauner Walter will mit seiner Gang einen kostbaren Dolch aus dem Topkapi-Museum in Istanbul klauen. Ohne die Hilfe des zwielichtigen Fremdenführers Arthur haben sie keine Chance.

Mit dem düsteren Gangsterfilm „Rififi“ erfand Dassin das Caper-Movie, mit seiner Parodie „Topkapi“ trug er es zu Grabe.

Amblers Buch erhielt den Edgar-Allan-Poe-Preis.

Mit Melina Mercouri, Peter Ustinov, Maximilian Schell, Robert Morley, Akim Tamiroff

Hinweise:

Krimi-Couch über Eric Ambler

Thomas Wörtche über Eric Ambler

Kirjasto über Eric Ambler


TV-Tipp für den 26. November

November 25, 2007

Allein das ist schon ein guter Grund: Karel Reisz (21 Juli 1926 – 25 November 2002)

Das wäre natürlich eine Gelegenheit gewesen „Spieler ohne Skrupel“ oder „Die Geliebte des fränzösschen Leutnants“ zu wiederholen, aber es gibt zu nachmitternächtlicher Stunde nur einen Thriller:

ARD, 00.50

Dreckige Hunde (USA 1978, R.: Karel Reisz)

Drehbuch: Judith Rascoe, Robert Stone

LV: Robert Stone: Dog Soldiers, 1974 (Unter Teufeln)

Zwei Gangster und ein korrupter Polizist jagen einen Vietnam-Soldaten, der zwei Kilos Heroin in die USA schmuggelte, nach Mexiko.

Spannendes Actiondrama über den Verlust von Hippie-Idealen.

Die New York Times schrieb zum mit dem National Book Award ausgezeichneten Roman: “Robert Stone’s new book is the first novel by a man young enough to have been involved in the counter-culture and to have seen Vietnam as a journalist that makes intelligent, imaginative and horrifying connections between the war, the counter-culture and heroin.“  In Deutsch erschien der Thriller „Dog Soldiers“ erstmals 1988.

D. B. Blettenberg meint zu Robert Stone: „Ein Buch von Robert Stone muss man – wenn es nicht gar „vergriffen“ ist – nicht selten im Buchladen bestellen, und hat es frühenstens am darauf folgenden Tag in der Hand und vor Augen. Nie haben sich 24 Stunden Wartezeit besser gelohnt.“

Mit Nick Nolte, Tuesday Weld, Michael Moriarty, Anthony Zerbe, Richard Masur, Ray Sharkey, Gail Strickland           

Hinweise (alles englisch):

Wikipedia über Robert Stone

The Boston Globe interviewt Robert Stone

Salon-Interview mit Robert Stone

Identity Theory interviewt Robert Stone


TV-Tipp für den 25. November

November 25, 2007

SWR, 00.00

Haben und Nichthaben (USA 1944, R.: Howard Hawks)

Drehbuch: Jules Furthman, William Faulkner

LV: Ernest Hemingway: To have and have not, 1937 (Haben und Nichthaben)

Kutterkapitän Morgan kümmert sich um seine Geschäfte und den regelmäßigen Zufluss von Alkohol. Da lernt er Marie kennen und lieben. Sie kämpft gegen die Vichy-Regierung.

Hawks Abenteuerfilm hat mit dem Buch nichts mehr zu tun. Ist trotzdem die bekannteste Verfilmung des Romans – wegen Bogart und Bacall, die sich während der Dreharbeiten ineinander verliebten und zu einem von Hollywoods Traumpaaren wurden.

Mit Humphrey Bogart, Lauren Bacall, Walter Brennan


KrimiWelt-Bestenliste Dezember 2007

November 24, 2007

Am letzten Wochenende eines Monats erscheint die neue KrimiWelt-Bestenliste. Für den Dezember empfehlen die Kritiker:

 

1          (1)       James Sallis: Driver

2          (8)       Oliver Bottini: Im Auftrag der Väter

3          (5)       Ian Rankin: Im Namen der Toten

4          (7)       Arne Dahl: Ungeschoren

5          (-)        Jean-Patrick Manchette/Jean-Pierre Bastid: Lasst die Kadaver bräunen!

6          (3)       Rick DeMarinis: Kaputt in El Paso

7          (-)        John S. Cooper: Das 5. Flugzeug

8          (-)        Marek Krajewski: Gespenster in Breslau

9          (-)        Thomas Weiss: Tod eines Trüffelschweins

10       (-)        Jo Nesbø: Der Erlöser

 

In der Klammer ist die Platzierung des Vormonats.

Mit Sallis, Rankin und DeMarinis sind drei Bücher drin, die mir auch sehr gut gefallen haben. Der Manchette/Bastid ist bei mir noch nicht eingetroffen. Aber die anderen Bücher von Jean-Patrick Manchette haben mir gut gefallen; die Verfilmungen weniger. Bottinis Aufstieg erstaunt mich etwas. Denn die Kritiken, die ich gelesen habe, waren durchwachsen bis negativ.

Auf der Januar-Liste sollten dann Nick Stone, Paul Temple, Thomas C. Cook, Martin Cruz Smith und, vielleicht, Gianrico Carofiglio sein. F. Paul Wilsons neuester Handyman Jack-Roman hat dagegen wahrscheinlich keine Chancen.


TV-Tipp für den 24. November

November 24, 2007

Der Bayerische Rundfunk präsentiert heute und morgen „Fernsehgeschichte(n).deutsch“. Wer es aber um 20.15 Uhr noch nicht schafft („Das Millionenspiel“ kann auch aufgenommen werden), sollte spätestens kurz vor elf einschalten:

BR, 22.55

Melissa – Teil 1 (D 1966, R.: Paul May)

Drehbuch: Francis Durbridge, Marianne de Barde

LV: Francis Durbridge: My wife Melissa, 1967 (Melissa)

Als seine Frau Melissa ermordet wird, gerät der arbeitslose Journalist Guy Foster in Mordverdacht. Er versucht den wahren Täter zu finden.

Damals ein Straßenfeger (Sehbeteiligung: 85 Prozent), heute lohnt sich in jedem Fall der Blick zurück in die deutsche TV-Vergangenheit. Denn: „Der Einfluß von Durbridge auf das deutsche Fernsehen war weitaus größer als auf das englische. Wie Edgar Wallace für das Kino der sechziger Jahre definierte er für ein unerfahrenes deutsches Publikum, was es unter Thriller zu verstehen habe.“ (Martin Compart: Crime TV)

Zu „Melissa“ sagt Compart: „Ein weiterer Durbridge-Klassiker.“

Die Teile zwei und drei folgen direkt im Anschluss um 00.00 Uhr und 00.55 Uhr.

Mit Günther Stoll, Siegfried Wischnewski, Ruth Maria Kubitschek

Hinweis:

Meine Besprechung der „Die Kette“, dem letzten Durbridge-Krimi


TV-Krimi-Buch-Tipps online

November 23, 2007

Der Überblick über die verfilmten Kriminalromane, die die kommenden beiden Wochen im Fernsehen laufen, ist jetzt bei den Alligatorpapieren online. Wie üblich gibt es hier die einleitenden Worte (gleichzeitig ein Hinweis auf die Highlights), und hier die gesamten Tipps mit vielen schönen Bildern:

Die kommenden beiden Fernsehwochen beginnen gleich mit zwei Werken aus der Frühzeit des deutschen Fernsehens: die düstere Satire „Das Millionenspiel“ (immer noch gut) und die Durbridge-Verfilmung „Melissa“ (da erfahren wir Spätgeborenen endlich, was unsere Eltern an den Fernseher fesselte).
Außerdem empfehlenswert sind Sam Peckinpahs „The Wild Bunch – Sie kannten kein Gesetz“, Martin Scorseses Nicholas Pileggi-Verfilmung „Casino“ (Das wäre ein Film zu seinem 65sten gewesen!), Howard Hawks Ernest Hemingway-Verfilmung „Haben und Nichthaben“ (oder ein Bogart-Bacall-Film), Karel Reisz Robert Stone-Verfilmung „Dreckige Hunde“, Jules Dassins Eric Ambler-Verfilmung „Topkapi“, Robert Aldrichs Mickey Spillane-Verfilmung „Rattennest“, José Giovannis „Endstation Schafott“ (mit Alain Delon und Jean Gabin), Claude Sautets José Giovanni-Verfilmung „Der Panther wird gehetzt“ (mit Lino Ventura und Jean-Paul Belmondo), Jean-Luc Godards „Außer Atem“ (mit Jean-Paul Belmondo und Jean Seberg) und seine Dolores Hitchens-Verfilmung „Die Außenseiterbande“ (mit Anna Karina und Claude Brasseur), Clint Eastwoods David Baldacci-Verfilmung „Absolute Power“, wieder einmal Charles Laughtons Davis Grubb-Verfilmung „Die Nacht des Jägers“, Atom Egoyans William Trevor-Verfilmung und Elmore Leonards „Schnappt Shorty“ wird schon wieder gezeigt.
 


TV-Tipp für den 23. November

November 23, 2007

Arte, 20.40

Unter Verdacht: Das Geld anderer Leute (D 2007, R.: Achim von Borries)

Drehbuch: Wolfgang Stauch

Die dreizehnjährigen Jennifer Bruhns behauptet, dass Polizisten ihren Vater entführt haben. Kriminalrätin Eva Prohacek glaubt ihr nicht. Aber als Bruhns Wohnung von Polizisten ohne einen Durchsuchungsbeschluss durchsucht wird und seine Leiche gefunden wird, weiß Prohacek, dass Jennifer Bruhns in Lebensgefahr schwebt.

Zehnter „Unter Verdacht“-Film und noch immer sind in dieser vorzüglichen Reihe keine Ermüdungserscheinungen zu erkennen.

Mit Senta Berger, Gert Anthoff, Rudolf Krause, Isabel Bongard, Alexander Held, Uwe Kockisch, Eisi Gulp

Wiederholung:

Sonntag, 2. Dezember, 16.05 Uhr

Hinweise:

Arte zum Film

ZDF zur Serie

Interview mit Senta Berger zur Serie vom Dezember 2006

Homepage von Wolfgang Stauch


Neu im Kino: Machtlos

November 22, 2007

Der Originaltitel „Rendition“ verrät, warum es in „Machtlos“, dem neuesten Film von Gavin Hood, geht: um die Praxis der CIA, Menschen in ein Gefängnis außerhalb der USA zu überstellen und dort ohne rechtstaatlichen Ballast und nervende Anwälte zu verhören. In „Machtlos“ wird ein ägyptischstämmiger US-Ingenieur als Terrorismusverdächtiger in ein afrikanisches Land überstellt. Seine Frau will ihn wieder haben.

Der gut besetzte Politthriller (unter anderem Jake Gyllenhaal, Reese Witherspoon, Alan Arkin, Meryl Streep) nach einem Drehbuch von Kelley Sane (hier ein Interview) scheint sich in die Reihe der zuletzt im Kino angelaufenen Filme mit einem ehrenwerten Anliegen einzureihen: gute Absichten, aber letztendlich zu wenig Mut, um die auf dem Weg liegenden Klischees zu vermeiden.

Einen Überblick über die deutschen Kritiken gibt es bei Film-Zeit, die deutsche Webseite enthält nur den Trailer (jedenfalls habe ich nicht mehr entdeckt) und die amerikanische Webseite enthält neben Infos zum Film auch eine Sammlung von Links zu dem Thema.


Michael Morley-Porträt online

November 22, 2007

Einige haben den Debütroman „Spider“ von Michael Morley schon in einer Buchhandlung gesehen. Als der Brite vor wenigen Wochen seinen 08/15-Serienkillerthriller in Deutschland vorstellte, konnte ich mich mit ihm länger unterhalten. In der neuesten Spurensuche berichte ich von unserem Gespräch und warum ich von „Spider“ nicht restlos begeistert bin.


TV-Tipp für den 22. November

November 22, 2007

Der letzte Film der Arte-Kubrick-Reihe:

Arte, 20.40

Eyes Wide Shut (USA 1999, R.: Stanley Kubrick)

Drehbuch: Stanley Kubrick, Frederic Raphael

LV: Arthur Schnitzler: Traumnovelle, 1926 (Buchausgabe, davor 1925/1926 als Fortsetzungsroman in „Die Dame“ erschienen)

Nachdem seine Frau ihm eine Jahre zurückliegende außereheliche Sexfantasie beichtet, tickt William aus. Verstört irrt der Doktor durch das nächtliche New Yorker zwischen Prostituierten und Swingerclubs.

Kubricks letzter Film ist nicht sein bester. Dafür ist er zu lang (auf mich wirkt er wie der Rohschnitt) und durch den Wechsel der Handlungszeit vom Wien der späten Kaiserjahre in das heutige New York wird die Geschichte ihres moralischen Kontextes beraubt. Denn in einer heute, unter normalen Menschen, spielenden Geschichte ist es einfach unglaubwürdig, dass ein Mann so von einer außerehelichen Sexualfantasie irritiert ist.

Zum Glück spielen weite Teile in pompös-altmodischen Innenräumen und die Dialoge wurden auch von Schnitzler übernommen. So kann man meistens ausblenden, dass „Eyes Wide Shut“ zur falschen Zeit spielt.

Mit Tom Cruise, Nicole Kidman, Sydney Pollack, Sky Dumont


Grenzkonflikte

November 21, 2007

 trujillo-munoz-erinnerung-an-die-toten.jpg

Miguel Ángel Morgado ist Anwalt, Menschenrechtler und in den Geschichten von Gabriel Trujillo Muñoz hauptsächlich als Detektiv unterwegs. Das war schon in „Tijuana Blues“, dem ersten Buch mit Morgado, einer Sammlung von vier Kurzromanen, so. In der zweiten Kurzroman-Sammlung „Erinnerung an die Toten“ hat sich daran nichts geändert. Sie enthält die titelgebende gut zweihundertseitige Erzählung „Erinnerung an die Toten“ und die sechzigseitige Erzählung „Schmierenkomödie“. „Schmierenkomödie“ ist die aus „El festen de los cuervos“ noch fehlende Geschichte „Pueste en escena“. Die anderen Geschichten erschienen bereits in „Tijuana Blues“. Entsprechend nahtlos schließt das neue Buch von Trujillo Muñoz an das erste an.

In „Erinnerung an die Toten“ beauftragt Bertha de Palacios ihn herausfinden, wer vor über vierzig Jahren ihren Vater umbrachte und jetzt sie töten will. Am 20. Dezember 1963 starb, so die Legende, der Gouverneur von Baja California, Emilio Esquer Lagunas, im Palm Desert Motel beim Sex mit einer achtzehnjährigen Volksschullehrerin. Der Arzt schrieb auf den Totenschein Herzanfall. Aber Lagunas wurde in einem geschlossenen Sarg beerdigt. Morgado beginnt die noch überlebenden Zeugen dieser über vierzig Jahre zurückliegenden Nacht zu befragen. Dabei scheint gleichzeitig ein Killer alle diese Zeugen umbringen zu wollen.

In „Schmierenkomödie“ verschwindet der Hubschrauberpilot Jesús Bull Aguirre. Einen Monat später beauftragt Cecilia Montaño den Anwalt Morgado ihren Mann zu finden. Bull war mit zwei Passagieren im Auftrag der Partido Naturalista Mexicano unterwegs um schützenswerte Kakteen zu kartieren. Morgado kann die Bitte seiner Jugendliebe nicht ablehnen. Doch schon als er Bulls Auftraggeber besucht, fällt ihm auf, dass es die Partido Naturalista Mexicano faktisch nicht gibt. Als er Bulls Flüge nachprüft entdeckt er ein Flugzeug und einen Koffer voll Drogen. Morgado ist mitten in einen geplatzten Drogendeal gestolpert. Denn die Hubschrauberflüge waren nicht gedacht um Kakteen zu kartographieren, sondern um verschwundene Drogen zu finden.

In beiden Geschichten muss Menschenrechtsanwalt Morgado in einem Labyrinth falscher Spuren die eine Richtige finden. Denn während Morgado die Wahrheit herausfinden will, sind die verschiedenen Geheimdienste und Polizeien nur an ihren strategischen Spielen interessiert. Entsprechend instrumentell ist ihr Interesse an der Wahrheit. Dabei ist es für sie egal, ob es sich um aktuelle, wie in „Schmierenkomödie“, oder um lange zurückliegende Ereignisse, wie in „Erinnerung an die Toten“, handelt. Denn auch der über vierzig Jahre zurückliegende Tod des Gouverneurs von Baja California hat seine tödlichen Auswirkungen auf die Gegenwart. Entsprechend unklar sind bei Trujillo Muñoz die Grenzen zwischen den Guten und den Bösen. Denn immer wieder entpuppen sich die Guten als die Bösen und umgekehrt. Letztendlich unterscheiden sich die Schattenspiele und Intrigen der verschiedenen Organisationen kaum voneinander. Da wird Trujillo Muñoz dann zu einem Geistesverwandten von John le Carré. Diese Grauzonen lotet Gabriel Trujillo Muñoz in den schon aus „Tijuana Blues“ bekannten Hardboiled-geschulten knappen Beschreibungen, rasanten Dialogen und kurzen Kapiteln aus.

„Erinnerung an die Toten“ ist spannende Unterhaltung aus dem Gebiet der mexikanisch-amerikanischen Grenze, die auch gleichzeitig die Grenze zwischen dritter und erster Welt ist. Gabriel Trujillo Muñoz steht zwischen zwei Kulturen und fühlt sich in dieser Position sehr wohl. Denn er kann für seine düsteren Geschichten das Beste aus den beiden Welten nehmen.

 

Gabriel Trujillo Muñoz: Erinnerung an die Toten

(übersetzt von Sabine Giersberg)

Unionsverlag, 2007

256 Seiten

14,90 Euro

 

 

Originalausgabe:

Erinnerung an die Toten

(La memoria de los muertos, Ediciones Vandalay, Sonora, 2006)

 

Schmierenkomödie

(Pueste en escena, aus El festin de los cuervos, Norma Ediciones, Mexiko-Stadt, 2002)

 

 

Weitere Informationen über Gabriel Trujillo Muñoz beim Unionsverlag

Meine Besprechung von „Tijuana Blues“


TV-Tipp für den 21. November

November 21, 2007

Die Kubrick-Reihe geht mit einem Doppelschlag weiter:

Arte, 22.30

Stanley Kubrick – Ein Leben für den Film (USA 2001, R.: Jan Harlan)

Drehbuch: Jan Harlan

Sehenswerte Doku über Kubrick, zusammengestellt von seinem Schwager Jan Harlan.

 

Arte, 00.50

Der Tiger von New York (USA 1955, R.: Stanley Kubrick)

Drehbuch: Stanley Kubrik, Howard Sackler (ungenannt)

Boxer Davy will der Tänzerin Gloria helfen. Glorias Freund setzt einige Killer auf ihn an.

Faszinierendes Frühwerk von Kubrick: tolle Bilder, schwache Story.

Arte über Stanley Kubrick

Wiederholungen:

Donnerstag, 22. November, 14.55 Uhr

Montag, 26. November, 14.50 Uhr


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