Einige Fundstücke

November 30, 2007

Crime Zine Report hat seine Nominierungslisten für den Spinetingler Preis veröffentlicht.  Schöne Listen mit einigen bekannten Namen (Ken Bruen, James Lee Burke, Ian Rankin, Duane Swierczynski, Charlie Huston, Laura Lippman) und vielen Covers von Hard Case Crime.

Allan Guthrie (dessen Hard Case Crime-Buch „Kiss Her Goodbye“ ich im „Krimijahrbuch 2006“ abfeierte) listete die 200 besten Noir-Romane von 1929 bis 1997 auf. Die letzten zehn Jahre ließ er weg, weil die Liste eh schon lang ist.  Schöne Liste mit vielen bekannten Namen.

Bei IAMTW ist ein Interview mit dem ehemaligen James Bond-Autor Raymond Benson erschienen. Eine umfangreiche, textlastige Homepage hat Benson auch.

Bei It’s a Crime empfehlen Krimiautoren Bücher.  Zuletzt Zoe Sharp, die Bücher von Ken Bruen, Lee Child, Robert P. Parker, Jeffery Deaver und Julia Spencer-Fleming (hm, dabei sollten die Autoren doch immer nur ein Buch empfehlen)  für den weihnachtlichen Gabentisch empfiehlt.

Robert B. Parker schreibt in der New York Times über ein Essen mit Ed Haris, der Parkers Western „Appaloosa“ verfilmt. Wo wir gerade bei Parker-Verfilmungen sind: der fünfte Jesse Stone-Film „Thin Edge“ mit Tom Selleck ist fast fertig und wird wahrscheinlich im Februar im amerikanischen Fernsehen ausgestrahlt (das deutsche Fernsehen könnte ja mal die ersten Stone-Filme bringen). Und seit Ende Oktober gibt es einen neuen Spenser: „Now and Then“.

Ian Rankin (zuletzt „Im Namen der Toten„)  ist ab Montag auf Lesetour:

Montag, 3. Dezember: Berlin: Babylon Berlin (Rosa-Luxemburg-Straße 30), 19.30 Uhr

Dienstag, 4. Dezember: Hamburg: Buchhaus Weiland im Mercado (Ottenser Hauptstraße 10), 20.45 Uhr

Mittwoch, 5. Dezember: Wien: Rabenhof Theater (Rabengasse 3), 20.00 Uhr

Donnerstag, 6. Dezember: Zürich: Kaufleuten (Pelikanplatz), 20.00 Uhr

Udo Wachtveitl liest die deutschen Teile.

Was sagen uns die Anfangszeiten über das Abend- und Nachtleben der Städte?

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TV-Tipp für den 30. November

November 30, 2007

Arte, 00.20

Berlin – Die Sinfonie der Großstadt (D 1927, R.: Walther Ruttmann)

Drehbuch: Karl Freund, Carl Mayer, Walter Ruttmann

Dokumentarischer Stummfilmklassiker über einen Tag in Berlin. Arte zeigt „Berlin – Die Sinfonie der Großstadt“ in einer kürzlich restaurierten Fassung mit der von Bernd Thewes neu orchestrierten Musik. Von der Originalmusik von Edmund Meisel existiert nur noch ein Klavierauszug.

Karl Freund drehte später in Hollywood den Boris Karloff-Horrorklassiker „Die Mumie“.

Wiederholung:

Mittwoch, 12. Dezember, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Weitere Informationen:

Arte zum Film

Anscheinend vollständiger Film bei Google (Musik unklar)

Anscheinend etwas kürzere Fassung bei Public Domain (Musik unklar)


Neu im Kino: Gone Baby Gone, Mr. Brooks

November 29, 2007

„Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel“ ist die Verfilmung des gleichnamigen vierten Patrick Kenzie-Angela Gennaro-Krimis von Dennis Lehane. Die beiden Privatdetektive sollen die verschwundene vierjährige Amanda finden. Doch sie werden von Amandas Familie und der Polizei belogen.

Aaron Stockard und Ben Affleck, der auch Regie führte, schrieben das Drehbuch. Die Hauptrollen wurden von Casey Affleck, Michelle Monaghan, Morgan Freeman, Ed Harris und Amy Madigan übernommen. Amerikanische Kritik und Publikum waren, wie bei der ersten Lehane-Verfilmung „Mystic River“, einhellig begeistert über dieses grimmige Neo-Noir-Porträt von Boston. Auch Dennis Lehane gefällt die Verfilmung.

Weitere Informationen:

Homepage von Dennis Lehane

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Gone Baby Gone“

 

Nicht ganz so gut kam dagegen der neue Kevin Costner-Film „Mr. Brooks – Der Mörder in Dir“ in den USA bei Kritik und Publikum an. Costner spielt einen gewöhnlichen Geschäftsmann, der ein Doppelleben führt. Er ist nämlich ein Serienkiller. Im Film wird seine böse Seite von William Hurt, der anscheinend Gefallen an der Rolle des Bösewichts gefunden hat, gespielt. Demi Moore, Marg Helgenberger und Reiko Aylesworth spielen ebenfalls mit. Bruce A. Evans inszenierte das von ihm und Raynold Gideon geschriebene Drehbuch. Seine Deutschlandpremiere erlebte der Psychothriller beim Fantasy Filmfest: „Das ist Mainstreamkino von beachtlichem Nihilismus, spannend, subversiv und schließlich, wenn man nicht mehr damit rechnet, auch noch unbeschreiblich blutig.“ (Programmheft). Und „tip“ meint: „Dem Film gelingt es ohne Anstrengung, den Killer/Unternehmer als Sympathieträger zu zeichnen.“

Tja, in „Mr. Brooks“ spielt Kevin Costner endlich wieder, wie in „Perfect World“, einen Bösewicht und wir gehen nach vielen, vielen Jahren wieder gerne in einen Costner-Film.

Weitere Informationen:

Drehbuch „Mr. Brooks“ von Bruce A. Evans und Raynold Gideon

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Mr. Brooks“

Anmerkung: Beide Filme haben keine deutsche Homepage. Absicht? Irrtum? Kein Geld?


TV-Tipp für den 29. November

November 28, 2007

WDR, 23.15

Black Box BRD (D 2001, R.: Andreas Veiel)

Drehbuch: Andreas Veiel

Gelungene Doku, in der Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Leben von Deutsche Bank-Sprecher Alfred Herrhausen und RAF-Terrorist Wolfgang Grams aufgezeigt werden. Erster starb am 30. November 1989 bei einem RAF-Anschlag, zweiter am 27. Juni 1993 in Bad Kleinen bei einem Polizeieinsatz durch Selbstmord.

„Eine Schwindel erregende, waghalsige Reise ins dunkle Herz der BRD, eine Achterbahnfahrt durch die Vergangenheit, eine abenteuerliche Expedition in ein merkwürdiges fernes Land.“ (Volker Gunske, Tipp 11/2001)

Mit Traudl Herrhausen, Rainer Grams, Hilmar Kopper, Wolfgang Grundmann, Helmut Kohl


Vergiftete Drinks und Mary Kates

November 28, 2007

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Für die Meisten dürfte es wirklich egal sein. Denn sie kennen bis jetzt weder Duane Louis noch Duane Swierczynski. Doch wer sich öfters auf englischen Krimiseiten tummelt, der ist in den vergangenen Jahren bereits über den zweiten Namen gestolpert. Der Heyne Verlag meinte allerdings, Duane Swierczynski könne sich kein Deutscher merken. Deshalb wurde – natürlich mit dem Einverständnis von Duane Swierczynski – für Deutschland sein Name in Duane Louis geändert (genau genommen seine beiden Vornamen) und sein dritter Roman „The Blonde“ als „Blondes Gift“ veröffentlicht.

Der noirische Thriller mit Science Fiction-Touch ist ein echter Pageturner. Gleich mit dem ersten Satz „Ich habe Ihren Drink vergiftet.“ geht es los. Das sagt in der Flughafenbar eine Blondine zu dem gerade in Philadelphia gelandeten Journalisten Jack Eisley. Er werde gleich starke Schmerzen spüren und, wenn sie ihm nicht in seinem Hotelzimmer das Gegengift geben könne, in wenigen Stunden sterben. Natürlich glaubt Eisley ihr kein Wort. Doch wenig später fühlt er sich schlecht, kotzt auf die Straße und glaubt ihr.

Als er sie auf dem Flughafen wieder sieht, verabschiedet sie sich mit einem innigen Kuss von einem anderen Mann und steigt zu Eisley ins Taxi.

In diesem Moment werden sie bereits von Mike Kowalski beobachtet. Der Killer arbeitet im Auftrag der supergeheime Organisation CI-6 des Ministeriums für Heimatschutz. Zuerst sollte er die Blondine Kelly White finden. Doch jetzt wird sein Auftrag geändert. Er soll den Mann verfolgen. Kurz darauf sieht Kowalski ihn tot in seinem Badezimmer. Sein Kopf ist explodiert.

Die Blondine, die sich Kelly White nennt, erklärt währenddessen Jack Eisley, warum der andere Mann starb. Sie trägt ein sich im Teststadium befindendes, auf Nanotechnologie basierendes, virusähnliches Ortungssystem in ihrem Körper, das darauf programmiert ist, den Träger zu töten, wenn er sich mehr als drei Meter von einem anderen Menschen entfernt. Die Mary Kates werden durch Intimkontakte, wie Küsse, übertragen.

Im Folgenden entspinnt sich eine leichengesättigte Jagd durch das nächtliche Philadelphia. Die vielen kurzen Kapitel, in denen Louis die verschiedenen Handlungsstränge parallel entwickelt, die pointierten Dialoge und die knappen Charakterzeichnungen werden von ihm nur benutzt um das Tempo unerbittlich zu steigern und mit immer neuen, oft grotesken Wendungen zu überraschen. Denn auch wenn Duane Louis in der zweiten Hälfte beginnt die Vorgeschichte von Kelly White zu erzählen, bleibt es spannend und die absurde Idee mit den Mary Kates und die damit verbundenen Gefahren einer Kontrolle der Gesellschaft wird zunehmend glaubhafter.

Damit liest sich „Blondes Gift“ wie die Vorlage für einen Film, der hoffentlich nie gedreht wird. Denn so filmisch sich die absurde Geschichte liest, so schwer ist sie in einen guten Film zu übertragen.

Für Freunde von schwarzhumorig-düsteren Thrillern, die sich nicht lange mit psychologischem Brimborium aufhalten, ist „Blondes Gift“ ein Pflichtkauf.

Für die US-amerikanische Taschenbuchausgabe hat Duane Swierczynski (in Deutschland auf Wunsch des Verlages Duane Louis) die Novella „Redhead“ geschrieben. Sie führt die Geschichte einiger wichtiger Charaktere und der Mary Kates aus „Blondes Gift“ fort zu einem hundsgemeinen Ende, das „Planet Terror“ wie eine Gute-Nacht-Geschichte wirken lässt. Wer englisch kann und „Blondes Gift“ gelesen hat, kann Duane Swierczynski eine Mail schicken und erhält die Geschichte. Kostenlos.

 

 

Duane Louis (Pseudonym von Duane Swierczynski): Blondes Gift

(übersetzt von Frank Dabrock)

Heyne, 2007

336 Seiten

7,95 Euro

 

Originalausgabe:

Duane Swierczynski: The Blonde

St. Martin’s Minotaur 2006

 

Hinweise: 

Homepage/Blog von Duane Swierczynski: Secret Dead Blog

Direkt zur Fortsetzung von “Blondes Gift”: Give me a Redhead

 


TV-Tipp für den 28. November

November 28, 2007

RBB, 22.35

Wahl der Waffen (F 1981, R.: Alain Corneau)

Drehbuch: Alain Corneau, Michel Grisola

Yves Montand spielt einen Profikiller, der sich mit seiner Frau Catherine Deneuve, auf einem Landsitz zur Ruhe gesetzt hat. Gérard Depardieu spielt einen jungen, unbeherrschten Gangster, der die Ruhe stört. Mehr muss eigentlich nicht zu diesem viel zu wenig bekannten, exzellenten französischen Gangsterfilm gesagt werden.

Und jetzt noch einige andere Stimmen:

„Corneaus neuester Film lebt vor allem von der Gegenüberstellung zweier Verbrechertypen und deren Lebensweisen. (…) Mit eindruckvollen Bildkompositionen, einem interessanten Einsatz des Dolby-Stereo-Tones und wortkargen Dialogen erzählt Corneau seine Geschichte von der Auseinandersetzung zwischen unterschiedlichen Lebensformen und Wertvorstellungen, und er zeigt uns die Sinnlosigkeit von Gewalt und den Sieg der Menschlichkeit.“ (Fischer Film Almanach)

„Harter, effektsicherer Gangsterfilm mit humaner Botschaft und vorzüglicher Besetzung, spannend und auf hohem Niveau inszeniert.“ (Lexikon des internationalen Films)

„Ein klassischer französischer Gangsterfilm im Stile eines Jean-Pierre Melville ist diese dritte gemeinsame Arbeit von Alain Corneau und Yves Montand (…) Ein Klasse-Film.“ (TV Spielfilm: Das große Filmlexikon)

Mit Yves Montand, Gérard Depardieu, Catherine Deneuve, Michel Galabru, Gerard Lanvin


„Die Vergeltung“ online

November 27, 2007

Bruno Preisendörfer hat mit „Die Vergeltung“ einen Roman geschrieben, der vom Liebeskind Verlag als „literarischer Thriller über Schuld und tödliche Rache“ beworben wird. Allerdings halte ich „Die Vergeltung“ als Thriller – und auch als Roman -, trotz eines sehr guten Anfangs (nachdem ich die ersten Zeilen gelesen hatte, las ich gleich weiter), für misslungen. Warum können Sie in der Berliner Literaturkritik nachlesen.


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