Vergiftete Drinks und Mary Kates

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Für die Meisten dürfte es wirklich egal sein. Denn sie kennen bis jetzt weder Duane Louis noch Duane Swierczynski. Doch wer sich öfters auf englischen Krimiseiten tummelt, der ist in den vergangenen Jahren bereits über den zweiten Namen gestolpert. Der Heyne Verlag meinte allerdings, Duane Swierczynski könne sich kein Deutscher merken. Deshalb wurde – natürlich mit dem Einverständnis von Duane Swierczynski – für Deutschland sein Name in Duane Louis geändert (genau genommen seine beiden Vornamen) und sein dritter Roman „The Blonde“ als „Blondes Gift“ veröffentlicht.

Der noirische Thriller mit Science Fiction-Touch ist ein echter Pageturner. Gleich mit dem ersten Satz „Ich habe Ihren Drink vergiftet.“ geht es los. Das sagt in der Flughafenbar eine Blondine zu dem gerade in Philadelphia gelandeten Journalisten Jack Eisley. Er werde gleich starke Schmerzen spüren und, wenn sie ihm nicht in seinem Hotelzimmer das Gegengift geben könne, in wenigen Stunden sterben. Natürlich glaubt Eisley ihr kein Wort. Doch wenig später fühlt er sich schlecht, kotzt auf die Straße und glaubt ihr.

Als er sie auf dem Flughafen wieder sieht, verabschiedet sie sich mit einem innigen Kuss von einem anderen Mann und steigt zu Eisley ins Taxi.

In diesem Moment werden sie bereits von Mike Kowalski beobachtet. Der Killer arbeitet im Auftrag der supergeheime Organisation CI-6 des Ministeriums für Heimatschutz. Zuerst sollte er die Blondine Kelly White finden. Doch jetzt wird sein Auftrag geändert. Er soll den Mann verfolgen. Kurz darauf sieht Kowalski ihn tot in seinem Badezimmer. Sein Kopf ist explodiert.

Die Blondine, die sich Kelly White nennt, erklärt währenddessen Jack Eisley, warum der andere Mann starb. Sie trägt ein sich im Teststadium befindendes, auf Nanotechnologie basierendes, virusähnliches Ortungssystem in ihrem Körper, das darauf programmiert ist, den Träger zu töten, wenn er sich mehr als drei Meter von einem anderen Menschen entfernt. Die Mary Kates werden durch Intimkontakte, wie Küsse, übertragen.

Im Folgenden entspinnt sich eine leichengesättigte Jagd durch das nächtliche Philadelphia. Die vielen kurzen Kapitel, in denen Louis die verschiedenen Handlungsstränge parallel entwickelt, die pointierten Dialoge und die knappen Charakterzeichnungen werden von ihm nur benutzt um das Tempo unerbittlich zu steigern und mit immer neuen, oft grotesken Wendungen zu überraschen. Denn auch wenn Duane Louis in der zweiten Hälfte beginnt die Vorgeschichte von Kelly White zu erzählen, bleibt es spannend und die absurde Idee mit den Mary Kates und die damit verbundenen Gefahren einer Kontrolle der Gesellschaft wird zunehmend glaubhafter.

Damit liest sich „Blondes Gift“ wie die Vorlage für einen Film, der hoffentlich nie gedreht wird. Denn so filmisch sich die absurde Geschichte liest, so schwer ist sie in einen guten Film zu übertragen.

Für Freunde von schwarzhumorig-düsteren Thrillern, die sich nicht lange mit psychologischem Brimborium aufhalten, ist „Blondes Gift“ ein Pflichtkauf.

Für die US-amerikanische Taschenbuchausgabe hat Duane Swierczynski (in Deutschland auf Wunsch des Verlages Duane Louis) die Novella „Redhead“ geschrieben. Sie führt die Geschichte einiger wichtiger Charaktere und der Mary Kates aus „Blondes Gift“ fort zu einem hundsgemeinen Ende, das „Planet Terror“ wie eine Gute-Nacht-Geschichte wirken lässt. Wer englisch kann und „Blondes Gift“ gelesen hat, kann Duane Swierczynski eine Mail schicken und erhält die Geschichte. Kostenlos.

 

 

Duane Louis (Pseudonym von Duane Swierczynski): Blondes Gift

(übersetzt von Frank Dabrock)

Heyne, 2007

336 Seiten

7,95 Euro

 

Originalausgabe:

Duane Swierczynski: The Blonde

St. Martin’s Minotaur 2006

 

Hinweise: 

Homepage/Blog von Duane Swierczynski: Secret Dead Blog

Direkt zur Fortsetzung von “Blondes Gift”: Give me a Redhead

 

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8 Responses to Vergiftete Drinks und Mary Kates

  1. […] schreibt, dass Michelle Monaghan (zuletzt “Gone Baby Gone”) die Filmrechte für “The Blonde” (Blondes Gift) erworben hat.  Mal abwarten, ob aus der Option ein Film […]

  2. Zocker sagt:

    wie findet ihr den Titel des Buches?

  3. AxelB sagt:

    Okay; gilt auf für das Titelbild.

  4. […] Bei Bookgasm ist ein witziges Interview mit Duane Swierczynski (in Deutschland Duane Louis, Blondes Gift) erschienen. Über seine Ideen sagt […]

  5. Johanni sagt:

    Ich halte mich super gerne mit „psychologischem Brimborium“auf und finde dieses Buch trotzdem super!

  6. AxelB sagt:

    Dann dürfte dir auch sein nächstes Buch „Letzte Order“ (Severance Package) gefallen. Es ist für Februar 2009 angekündigt.

  7. […] Meine Besprechung von Duane Louis (Swierczynskis) „Blondes Gift“ (The Blonde, 2006) […]

  8. […] Duane Swierczynski’s THE BLONDE (Blondes Gift) […]

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