In den USA hochgelobtes Debüt

April 30, 2008

Cornelia Reads “Schneeweißchen und Rosentot war, jeweils in der Sparte „Bestes Debüt“, für den Edgar, Gumshoe, Macavity, Barry, Audie (ein Hörbuchpreis), Romantic Times Book Club Critics Choice und Northern California Book Award for Fiction nominiert. Aber sie erhielt keinen der Preise und das hatte selbstverständlich einen Grund.

Madeline Dare lebt 1988 mit ihrem Mann Dean in Syracuse und schreibt für den „Syracuse Weekly“ für die bunten Seiten. Bei einem Mittagessen bei Deans Eltern zeigt ihr ihr Schwiegervater Cal die Erkennungsmarke eines Soldaten. Cal hat sie auf dem Feld gefunden, auf dem 1969 Harvey Johnston zwei Mädchen mit durchgeschnittener Kehle entdeckt hatte. Zuletzt waren sie mit zwei Soldaten auf dem Jahrmarkt gesehen worden. Cal meint, das sei doch eine Story für sie.

Madeline muss dagegen noch den Namen auf der Erkennungsmarke verarbeiten. Lapthorne Townsend. Ihr Lieblingscousin.

Natürlich glaubt sie nicht an seine Schuld und beginnt mit ziemlich amateurhaften Ermittlungen. Denn sie ist alles andere als eine investigative Journalistin. Trotzdem weisen die ersten Recherchen auf Lapthorne hin. Harvey Johnston erzählt ihr, er habe damals einen dunkelhaarigen Mann mit Bürstenschnitt am Tatort gesehen. Auf der New York State Fair trifft sie Archie Sembles. Er hatte damals Scherenschnitte von den toten Mädchen und den Soldaten gemacht. Als sie ihm gegenüber die Polizei erwähnt, gerät er in Panik, redet von einem „Struvel Peter“ und wirft sie aus seinem Wohnwagenatelier.

Erst am nächsten Tag, nach einer erfolglosen Suche nach Peter Struvel im Telefonbuch, fällt ihr ein, dass sie den Namen als Struwwelpeter kennt und damals Jack Schneider die Ermittlungen leitete. Hat er die Mädchen umgebracht?

Im Mittelpunkt von „Schneeweißchen und Rosentot“ steht nicht der Rätselkrimiplot, sondern die Erzählerin Dare, ihre Familie und ihr Leben zwischen Job, Ehe, eigener und angeheirateter Familie und ihrer unstetig-sexgierigen Freundin Ellis Clark. Davon erzählt sie in einem schnoddrig-ironischen Tonfall. Die beiden Familien, ihre steinreiche, dysfunktionale Ostküstensippe mit einer bewegten Vergangenheit und seine arme, aber nette Arbeiter- und Bauernfamilie, bieten dafür auch reichlich Stoff.

Dagegen schleppt sich der Krimiplot ohne große Überraschungen unglaublich zäh dahin. Immer wieder verzögert Madeline die Ermittlungen, weil investigative Recherchen nicht ihr Ding sind. Tagelang lässt sie diese Recherche links liegen. Sie spricht nur, falls überhaupt, höchst unwillig mit Zeugen und Verdächtigen. Und die Lösung ist von Anfang an so offensichtlich, dass ich es bis zum Schluss nicht glauben wollte.

Cornelia Read hat die vielen Nominierungen erhalten, weil ihre Erzählerin eine nette Stimme hat. Sie hat keinen Preis erhalten, weil der Krimiplot sich nach der Anfangsprämisse sehr langsam und sehr vorhersehbar entwickelt.

„Schneeweißchen und Rosentot“ ist als Mainstream- und Frauenliteratur sicher nicht ohne Verdienste, aber als Kriminalroman ist es ein ziemlicher Langweiler.

Cornelia Read: Schneeweißchen und Rosentot

(übersetzt von Sophie Zeitz)

dtv, 2008

432 Seiten

14,90 Euro

Originalausgabe

A field of darkness

Warner Books, 2006

Hinweise

Homepage von Cornelia Read

Cornelia Read bloggt bei Naked Authors


TV-Tipp für den 30. April

April 30, 2008

3sat, 22.25

Die innere Sicherheit (D 2000, R.: Christian Petzold)

Drehbuch: Christian Petzold, Harun Farocki

Die 15-jährige Jeanne ist mit ihren Eltern ständig auf der Flucht. Denn diese sind gesuchte, ehemalige RAF-Terroristen. Jetzt müssen sie wegen Geldproblemen zurück nach Deutschland. Die alten Freunde sollen ihnen aus der finanziellen Misere helfen. Und Jeanne ist erstmals wirklich verliebt.

Mit dem genau beobachteten, die deutsche Wirklichkeit sezierenden Drama über vergangene Schuld, das Erwachsenwerden und Verpflichtungen hatte Christian Petzold seinen Durchbruch bei den Kritikern und dem Publikum (über 100.000 Zuschauer). Stellvertretend für die zahlreichen euphorischen Besprechungen: „bester deutscher Film des Jahres“ (Michael Althen, SZ, 31. Januar 2001)

Mit Julia Hummer, Barbara Auer, Richy Müller, Günther Maria Halmer

Hinweis

M Means Movie: Interview mit Christian Petzold (2001)


Cover der Woche

April 29, 2008


Theakston-Nominierungen veröffentlicht

April 29, 2008

Die Longlist für den diesjährigen Theakstons Old Peculier Crime Novel of the Year Award bietet einen schönen Überblick über die derzeitige britische Krimiszene:

The Chemistry of Death, von Simon Beckett (Bantam)

Buried, von Mark Billingham (Sphere)

Christine Falls, von Benjamin Black (Picador)

A Tale Etched in Blood and Hard Black Pencil, von Christopher Brookmyre (Abacus)

Hurting Distance, von Sophie Hannah (Hodder & Stoughton)

Darkness and Light, von John Harvey (Arrow Books)

The Death of Dalziel, von Reginald Hill (Harper)

The Risk of Darkness, von Susan Hill (Vintage)

One Under, von Graham Hurley (Orion)

Not Dead Enough, von Peter James (Macmillan)

Relentless, von Simon Kernick (Corgi Books)

Corn Dolls, von Patrick Lennon (Hodder)

Dying Light (Die Stunde des Mörders), von Stuart MacBride (HarperCollins)

Blue Shoes and Happiness, von Alexander McCall Smith (Abacus)

The Grave Tattoo, von Val McDermid (HarperCollins)

The Savage Garden, von Mark Mills (Harper)

The Tenderness of Wolves, von Stef Penney (Quercus)

Piece of My Heart, von Peter Robinson (Hodder)

Sovereign, von C.J. Sansom (Pan)

Shifting Skin, von Chris Simms (Orion)

Etliche Autoren sind auch ins Deutsche übersetzt worden; im Moment bin ich allerdings zu faul, die deutschen Titel herauszusuchen.

Jedenfalls können Sie hier ihren Favoriten wählen. Der Gewinner wird während des Harrogate Crime Writing Festival am Donnerstag, den 17. Juli, bekannt gegeben.

(Dank an The Rap Sheet)


Agatha 2008 vergeben

April 29, 2008

Die in Malice Domestic organisierten Fans des traditionellen Krimis (aka Cozy oder Häkelkrimi) hat ihre diesjährigen Agatha-Preise vergeben. Die glücklichen Gewinner sind:

Best Novel

A Fatal Grace, von Louise Penny (St. Martin’ Minotaur)

Nominiert:

The Penguin Who Knew Too Much, von Donna Andrews (St. Martin’s Minotaur)

Her Royal Spyness, von Rhys Bowen (Penguin)

Hard Row, von Margaret Maron (Grand Central Publishing)

Murder With Reservations, von Elaine Viets (NAL)

Best First Novel

Prime Time, von Hank Phillipi Ryan (Harlequin)

Nominiert:

A Beautiful Blue Death, von Charles Finch (St. Martin’s Minotaur)

A Real Basket Case, von Beth Groundwater (Five Star)

Silent in the Grave, von Deanna Raybourn (Mira)

Best Non-fiction

Arthur Conan Doyle: A Life in Letters, von Charles Foley, Jon Lellenberg, and Daniel Stashower (Penguin)

Nominiert:

The Official Nancy Drew Handbook, von Penny Warner (Quirck Productions)

Best Short Story

“A Rat’s Tale,” von Donna Andrews (Ellery Queen Mystery Magazine [EQMM], September/October 2007)

Nominiert:

“Please Watch Your Step,” von Rhys Bowen (The Strand Magazine, Spring 2007)

“Casino Gamble,” von Nan Higginson (Murder New York Style, edited von Randy Kendel; L&L Dreamspell)

“Popping Round to the Post,” von Peter Lovesey (EQMM, November 2007)

“Death Will Clean Your Closet,” von Elizabeth Zelvin (Murder New York Style)

Best Children’s/Young Adult

A Light in the Cellar, von Sarah Masters Buckey (American Girl)

Nominiert:

Bravo Zulu, Samantha!, von Kathleen Benner Duble (Peachtree Publishers)

Cover-Up: Mystery at the Super Bowl, von John Feinstein (Knopf)

The Falconer’s Knot, von Mary Hoffman (Bloomsbury USA)

Theodosia and the Serpents of Chaos, von R.L. LaFevers (Houghton Mifflin)

Malice Domestic’s Lifetime Achievement Award

Peter Lovesey

Poirot Awards (honoring “individuals other than writers who have made outstanding contributions to the Malice Domestic genre”)

Linda Landrigan, editor of Alfred Hitchcock Mystery Magazine

Janet Hutchings, editor of Ellery Queen Mystery Magazine

Für einige dürfte das eine ziemlich interessante Liste sein. Für mich ist es eher eine Liste von Büchern, die mir höchstwahrscheinlich nicht gefallen. Obwohl Peter Lovesey unbestritten zu den Guten gehört.

(Dank an The Rap Sheet)


TV-Tipp für den 29. April

April 29, 2008

WDR, 22.10

Nur die Sonne war Zeuge (F/I 1960, R.: René Clément)

Drehbuch: René Clément, Paul Gégauff

LV: Patricia Highsmith: The talented Mr. Ripley, 1955 (Nur die Sonne war Zeuge, Der talentierte Mr. Ripley)

Tom Ripley soll im Auftrag von Philippes Vater den Sohn nach Amerika zurückbringen. Aber Tom und Philippe verstehen sich gut und Tom gefällt das müßige Millionärsleben. Warum also nicht einfach Philippe Greenleaf umbringen und dessen Stelle einnehmen?

Grandiose Verfilmung des ersten Ripley-Romanes; obwohl der Film moralisch korrekter endet.

Neben dem ausgefeilten Drehbuch trug besonders Henri Decaes superbe Farbfotografie zum Erfolg des Films bei. Erstmals schuf Farbe jene beklemmende Atmosphäre, die bis dahin nur aus den Schwarzweiß-Filmen der Schwarzen Serie bekannt war.

Patricia Highsmith schrieb danach vier weitere Bücher mit Tom Ripley, dem ersten sympathischen Psychopathen der Kriminalgeschichte.

Mit Alain Delon, Marie Laforet, Maurice Ronet

Hinweise

Times: The 50 Greatest Crime Writers No 1: Patricia Highsmith

Kaliber .38 über Patricia Highsmith (Bibliographie)

Krimi-Couch über Patricia Highsmith

Kirjasto über Patricia Highsmith

Wired for Books: Don Swain redet mit Patricia Highsmith (1987)

Gerald Peary redet mit Patricia Highsmith (Sight and Sound – Frühling 1988 )

Mystery Net über Tom Ripley


TV-Tipp für den 28. April

April 28, 2008

Kabel 1, 21.10

Damages – Im Netz der Macht (USA 2007)

Erfinder: Todd A. Kessler, Glenn Kessler, Daniel Zelman

Ein weiterer Grund, den Kinosessel gegen die Fernsehcouch zu tauschen, ist die heute startende Anwaltsserie „Damages – Im Netz der Macht“ mit Glenn Close, die heute noch verführerischer ist als vor über zwanzig Jahren, in der Hauptrolle. Sie spielt die erfolgreiche, eiskalte, auf Betrugsfälle spezialisierte New Yorker Anwältin Patty Hewes. Jetzt vertritt Hewes in einer Sammelklage mehrere ehemalige Angestellte gegen ihren früheren Chef Frobisher. Der Multimilliardär Arthur Frobisher soll mit verbotenem Insiderhandel sein Vermögen vermehrt und das der anderen Aktieninhaber vernichtet haben. Sie verklagt ihn auf mehrere hundert Millionen Dollar. Beiden ist zum Erreichen ihrer Ziele jedes Mittel recht. Zwischen die Fronten gerät die junge Anwältin Ellen Parsons – und nach dreizehn spannenden, wendungsreichen Folgen werden die Sympathien zu den Charakteren mehr als einmal gewechselt haben. „Damages – Im Netz der Macht“ steht eindeutig in der Tradition der modernen, episodenübergreifenden TV-Serien, die sich an ein erwachsenes und zum mitdenken bereites Publikum richtet.

Die DVD mit der ersten Staffel (13 Folgen) ist bereits für den 5. Juni angekündigt. In Hollywood wird gerade die zweite Staffel geschrieben und die dritte Staffel ist auch schon bestellt. Patty Hewes bleibt uns also noch einige Jahre erhalten.

Mit Glenn Close (Patty Hewes), Rose Byrne (Ellen Parsons), Zeljko Ivanek (Ray Fiske), Tate Donovan (Tom Shayes), Ted Danson (Arthur Frobisher), Noah Bean (David Connor), Philip Bosco (Hollis Nye)

Hinweise

FX Networks über „Damages“

Kabel 1 über „Damages“

Crimespree Cinema über „Damages“

BuzzSugar: Interview über „Damages“ mit Glenn Close

Petra: Interview mit Glenn Close


%d Bloggern gefällt das: