Erfreuliche Rückkehr

Juni 30, 2008

Nach einer vierjährigen Pause darf Celil Okers in Istanbul lebender Privatdetektiv Remzi Ünal endlich seinen vierten Fall auf Deutsch aufklären. In „Schnee am Bosporus“ deckte Remzi Ünal Drogengeschäfte an der Uni auf. In „Foul am Bosporus“ geriet er zwischen zwei Textilmanager, die jeweils ihren Fußballclub auch mit illegalen Mitteln zum Sieg führen wollten. In „Letzter Akt am Bosporus“ suchte er den Mörder einer jungen Schauspielerin in Szene-Milieu von Off-Theatern. Danach fiel der Vorhang.

Am Anfang von „Dunkle Geschäfte am Bosporus“ hat Remzi Ünal sich zurückgezogen. Er hat einfach keine Lust mehr, sich in das Leben von anderen Menschen einzumischen. Da wird er von Muazzez Güler, der Chefin einer Computerfirma, aufgesucht. Sie beauftragt ihn mit dem Eintreiben von Schulden bei Sinan Bozacioglu.

Als Ünal am Abend in ihrem Geschäft sein Geld abholen will, ist seine Auftraggeberin tot. Erwürgt mit einem Kabel. Ünal kann mit dem ihm zustehenden Geld unerkannt den Tatort verlassen.

Kurz darauf wird er zu einem Gespräch mit dem Mann der Verstorbenen, dem einflussreichen Lokalpolitiker Kadir Güler, gebeten. Er fordert Ünal auf, ihm Bozagioglu zu bringen, damit er sich an ihm für den Tod seiner Frau rächen kann. Sonst werde er Ünal der Polizei als Täter übergeben. Notgedrungen erklärt Ünal sich bereit Bozagioglu zu suchen. Ünal hofft so, das Schlimmste zu verhindern und den wirklichen Täter zu überführen.

Ex-Pilot Remzi Ünal wandelt als allein-lebender Privatdetektiv gelungen in den Spuren seiner US-amerikanischen Vorbilder. Aber Celil Oker hat ihm einige Hobbys (vor allem das Fliegen in einem Flugsimulator) und Freunde (die in „Dunkle Geschäfte am Bosporus“ nicht auftauchen) zur Seite gestellt. Und die Geschichten spielen nicht im Los Angeles des vorigen Jahrhunderts, sondern im heutigen Istanbul (obwohl der kulturelle Hintergrund in den vorherigen Remzi-Ünal-Romanen präsenter war). Doch der Hang des Privatdetektivs, sich in das Leben von anderen Menschen einzumischen, ein loses Mundwerk zu haben und sich mit Anderen zu schlagen (öfters als in den vorherigen Remzi-Ünal-Krimis) ist universell. Ebenso die Neigung des Privatdetektivs, sich auf die Seite der Schwachen zu stellen.

„Es gibt ein Zitat von Raymond Chandler, das genau beschreibt, was ich seit Jahren versuche: ‚Der Detektivroman ist eine Tragödie mit Happy End.’ Ich will gar nicht über diese Definition hinaus. (…) Also, lasst mich meinen Spaß mit dem Ende aller meiner Bücher haben, die genau so happy ausgehen, wie Chandler das gemeint hat. Und ich weiß, dass ernsthafte Leser von Detektivromanen das genauso sehen und erwarten…“ (Celil Oker)

„Dunkle Geschäfte am Bosporus“ ist ein kurzweiliger Privatdetektivkrimi, der sich hinter den US-amerikanischen Vorbildern nicht verstecken muss. Celil Oker hat es wieder einmal geschafft.

Celil Oker: Dunkle Geschäfte am Bosporus

(übersetzt von Nevfel Cumart)

Unionsverlag, 2008

256 Seiten

9,90 Euro

Originalausgabe

Son Ceset

Dogan Kitapcilik, Istanbul 2004

Die Werke von Celil Oker

Schnee am Bosporus (Ciplak Ceset, 1999)

Foul am Bosporus (Kramponlu Ceset, 1999)

Bin Lotluk Ceset, 2000

Letzter Akt am Bosporus (Rol Calan Ceset, 2001)

Dunkle Geschäfte am Bosporus (Son Ceset, 2004)

Bir Sapka, Bir Tabanca, 2005

Hinweise

Unionsverlag über Celil Oker

Alligatorpapiere: Befragung von Celil Oker (2008 )

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TV-Tipp für den 30. Juni

Juni 30, 2008

WDR, 22.45

Schimanski: Die Schwadron (D 1997, R.: Josef Rusnak)

Drehbuch: Josef Rusnak, Matthias Seelig

Sechs Jahre nachdem Schimanski sich aus dem „Tatort“ verabschiedete, kehrte er mit einer eigenen Serie zurück auf den Bildschirm. Inzwischen lebt der Ex-Kommissar als Frührentner in Lüttich und erhält in den ersten Fällen von einer Staatsanwältin Spezialaufträge. Später wurde er auf eigene Faust tätig oder schlitterte in etwas hinein und die Fälle wurden als Krimis zunehmend beliebig-langweiliger; als Spielfilme, in denen junge Regisseure sich austoben, sind sie etwas anderes.

In „Die Schwadron“, dem Auftakt der eigenständigen Schimanski-Reihe, soll Schimanski den Tod seines alten Partner Thanner aufklären und gerät schnell in einen actionhaltigen Schlamassel.

Nächsten Montag, den 7. Juli, dürfen wir wieder Götz Georges ersten Auftritt als Kommissar Horst Schimanski genießen. „Duisburg Ruhrort“ läuft im WDR um 22.45 Uhr.

Mit Götz George, Steffen Wink, Geno Lechner, Denise Vireux, Laura Tonke, Diego Wallraff

Hinweise

Horst-Schimanski-Fanseite

Tatort-Fundus über Horst Schimanski

Der Spiegel: über die Reaktivierung von Horst Schimanski (Der Spiegel 17/1996)

Die Zeit: Barbara Sichtermann kritisiert „Schimanski: Die Schwadron“ (November 1997)


TV-Tipp für den 29. Juni

Juni 29, 2008

Arte, 22.20

Bei Notruf Mord (S/Fr/D 2004, R.: Richard Solarz, Fredrik von Krusenstjerna)

Drehbuch: Richard Solarz, Fredrik von Krusenstjerna

Klingt nach Wien. Klingt nach einem morbiden Ösi-Krimi. Ist aber im polnischen Lodz bis 2002 geschehen: Bestatter haben Ärzten und Sanitätern Prämien für neue Kunden (ähem: gerade Verstorbene) gezahlt. Um ihr Einkommen zu steigern, haben die Mediziner anscheinend auch Notfallpatienten im Rettungswagen umgebracht.

„Bei Notruf Mord“ ist eine neunzigminütige Doku darüber.

Wiederholungen

Donnerstag, 3. Juli, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Mittwoch, 9. Juli, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweis

Arte zur Doku


KrimiWelt-Bestenliste Juli 2008

Juni 28, 2008

Was flattert immer am letzten Wochenende des Monats in den Briefkasten? Die Bestenliste der KrimiWelt. Für den Monat Juli haben sich folgenden Werke platziert:

1 (1) Matti Rönkä: Bruderland

2 (3) Allan Guthrie: Abschied ohne Küsse

3 (9) Magdalen Nabb: Vita Nuova

4 (-) Jenny Siler: Portugiesische Eröffnung

5 (-) Colin Cotterill: Dr. Siri und seine Toten

6 (-) John Harvey: Schlaf nicht zu lange

7 (4) Matt Beynon Rees: Der Verräter von Bethlehem

8 (10) Stuart MacBride: Der erste Tropfen Blut

9 (-) Michael Chabon: Die Vereinigung jiddischer Polizisten

9 (-) Rex Miller: Fettsack


TV-Tipp für den 28. Juni

Juni 28, 2008

BR, 22.00

Verstörung und eine Art von Poesie – Die Filmlegende Bernhard Wicki (D 2007, R.: Elisabeth Wicki-Endriss)

Drehbuch: Elisabeth Wicki-Endriss

Zweistündige Doku von seiner Frau über den Regisseur und Schauspieler Bernhard Wicki.

Mit Bernhard Wicki, Maximilian Schell, Michael Mendl, Klaus Maria Brandauer, Barbara Burgdorf

Hinweise

Homepage zum Film

BR über die Doku


Neu im Kino: Ruinen

Juni 27, 2008

Ruinen (The Ruins, Aus/USA 2008, R.: Carter Smith)
Drehbuch: Scott Smith

LV: Scott Smith: The Ruins, 2006 (Dickicht)

Horrorfilm über eine Gruppe Jungerwachsener, die auf einem pflanzenüberwucherten Maya-Tempel gegen etwas kämpfen müssen, dass sie aufessen will.

Das Buch ist ein Langweiler, weil die Charaktere zu platt und die Zehn-kleine-Negerlein-Story zu vorhersehbar für gut 500 Seiten sind. Dagegen kann der neunzigminütige Film nur besser (das heißt ‚schneller überstanden’) sein. Doch – wie die spärlichen Kritiken sagen – ist er auch nicht gut. Damit die Kenner des Buches im Kino nicht einschlafen, änderte Smith die Sterbereihefolge und das Ende. Ist wohl trotzdem ein weiterer Fall für einen gemütlichen Fernsehabend.

Mit Jonathan Tucker, Jena Malone, Laura Ramsey, Shawn Ashmore, Joe Anderson, Sergio Calderón

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Ruinen“


TV-Tipp für den 27. Juni

Juni 27, 2008

3sat, 20.15

Das Rätsel von Tunguska (D 2008, R.: Ute Mügge-Lauterbach, Christoph Schuch)

Drehbuch: Ute Mügge-Lauterbach, Christoph Schuch

Doku über die geheimnisvolle Explosion am 30. Juni 1908 in Tunguska in Zentralsibirien. Sie zerstörte ein Waldgebiet von der Größe des Saarlandes. Die Filmemacher prüfen die verschiedenen Erklärungen und Legenden über diese Explosion.

Hinweise

3sat über die Doku

Spiegel Online (Reprint von Spektrum der Wissenschaft, Juli 2008 ) über die Explosion von Tunguska (27. Juni 2008 )

Spektrum der Wissenschaft Juli 2008 (der Artikel zum Download als pdf)

Spiegel Online über die rätselhafte Explosion von Tunguska (27. Juni 2007)

Deutschlandfunk über das Rätsel von Tunguska (29. Juni 2003)


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