Sechzehn Treffer von Jeffery Deaver

“Kurzgeschichten sind wie die Kugeln eines Heckenschützen. Schnell und vernichtend“, schreibt Jeffery Deaver im Vorwort zu seiner zweiten Kurzgeschichtensammlung „Gezinkt“. In ihr sind fünfzehn bereits an verschiedenen Orten veröffentlichte und eine neue Geschichte mit Lincoln Rhyme abgedruckt. Jede dieser Geschichten ist – um in der Metapher zu bleiben – ein tödlicher Schuss. Fast alle Schüsse treffen dabei voll ins Schwarze. Denn egal ob die Geschichte im viktorianischen England (mit einem Gastauftritt von Sherlock Holmes), im heutigen Italien oder in den USA in der Großstadt oder auf dem Land spielt, hat jede Geschichte eine überraschende Pointe. Die Guten entpuppen sich als Böse – und umgekehrt. Und einige Charaktere sind schlauer, als es auf den ersten Blick scheint. Oh, und, niemand (besonders nicht den Guten) kann in den sechzehn grandiosen Geschichten von Jeffery Deaver vertraut werden.

In „Der Voyeur“ – zum Beispiel – verliebt sich in Des Moines der vierundvierzigjährige Rodney Pullmann in die schöne, jüngere Nachbarin Tammy Hudson. Er überlegt, wie er sie ansprechen kann. Da entdeckt er einen anderen Mann, der sie heimlich beobachtet. Rodney beschließt sie anzusprechen, indem er vor ihren Augen den Voyeur vertreibt. Doch sein Plan geht schief, denn die Nachbarin ist nicht so unschuldig, wie Rodney glaubte, der Voyeur ist nicht an ihren sexuellen Reizen interessiert und Rodney sitzt am Ende im Knast. Denn Tammy ist einer der erfolgreichsten und am schwersten zu fassenden Drogenhändler Südkaliforniens und der Voyeur war ein Polizist, der von der flüchtigen Tammy – dank Rodneys Intervention – erschossen wurde. Die einzige Chance für Rodney ist, eine Anklage wegen Stalking zu akzeptieren. Deswegen war er bereits in Iowa zu einer Haftstrafe verurteilt worden.

Die anderen fünfzehn Geschichten, über die hier nichts verraten werden soll, um die Spannung nicht zu nehmen, enden mit ähnlich überraschenden Wendungen. Jeffery Deaver beweist in „Gezinkt“ sechzehn Mal, dass er nicht nur ein Meister der großen sondern auch der kleinen Form ist.

Jeffery Deaver: Gezinkt

(übersetzt von Fred Kinzel)

Blanvalet 2008

544 Seiten

8,95 Euro

Originalausgabe

More Twisted

Simon & Schuster, 2006

„Gezinkt“ enthält diese Kurzgeschichten

– Kapitel und Vers (Chapter and Verse – in Robert J. Randisi [Hrsg.]: Greatest Hits: Original Stories of Hitmen, and Hired Guns, and Private Eyes, 2005)

– Der Pendler (The Commuter – in Alfred Hitchcock Mystery Magazine, April 1998 )

– Der westfälische Ring (The Westphalian Ring – in

Ellery Queen’s Mystery Magazine, September/Oktober 2004

Ed Gorman/Martin H. Greenberg [Hrsg.]: The Adventure of the Missing, 2005)

– Überwachung (Surveillance – in

Ellery Queen’s Mystery Magazine, August 2002

Ed Gorman/Martin H. Greenberg [Hrsg.]: The World’s Finest Mystery and Crime Stories: Fourth annual collection. The best mystery stories of 2002, 2003)

– Das schwarze Schaf (Born Bad –

in Otto Penzler [Hrsg.]: Dangerous Women: A short story collection with tales about dangerous women, 2005

in Ed Gorman [Hrsg.]: The Deadly Bride and 21 of the Year’s Finest – Crime and Mystery Stories, Vol. 2, 2006

in Scott Turow/Otto Penzler [Hrsg.]: The Best American Mystery Stories 2006, 2006)

– Die Vernehmung (Interrogation – in

Alfred Hitchcock’s Mystery Magazine, April 1996

Cynthia Manson [Hrsg.]: Law and Order: Good cops, bad cops, savvy detectives, and tricky attorneys, 1997)

– Angst (Afraid – in The Jeffery Deaver Newsletter vom 23. November 2005)

– Der Freispruch (Double Jeopardy – in Ellery Queen’s Mystery Magazine,

September/Oktober 1997)

– Das Mädchen im Stollen (Tunnel Girl – in Ellery Queen’s Mystery Magazine, Dezember 2005)

– Die Locard’sche Regel (Locard’s Principle (an original Lincoln Rhyme story))

– Kalte Rache (A Dish Served Cold – in Amazon Shorts [Downloadbar bei Amazon.com])

– Der Nachahmungstäter (Copycat – in

Ellery Queen’s Mystery Magazine, Juni 2003

Tony Hillerman/Rosemary Herbert [Hrsg.]: A New Omnibus of Crime, 2005)

– Der Voyeur (The Voyeur – in Ellery Queen’s Mystery Magazine, Januar 2005)

– Die Pokerlektion (The Poker Lesson – in John Harvey [Hrsg.]: Men from Boys: A collection with men writing about what it is to be a man, 2003)

– Siebenundreißig Grad (Ninety-eight Point Six – in Jeffery Deaver [Hrsg.]: A Hot and Sultry Night for Crime: When temperatures rise, tempers flare in this anthology, 2003)

– Immer einen Besuch wert (A Nice Place to Visit – in Lawrence Block [Hrsg.]: Manhattan Noir, 2006)

Hinweise

Homepage von Jeffery Deaver

Deutsche Homepage von Jeffery Deaver

Meine Besprechung von “Die Menschenleserin” (The sleeping doll, 2007)

Meine Besprechung von „Auf ewig“ (Forever, in Ed McBain [Hrsg.]: Die hohe Kunst des Mordens [Transgressions, 2005])

2 Responses to Sechzehn Treffer von Jeffery Deaver

  1. […] Meine Besprechung von Jeffery Deavers Kurzgeschichtensammlung “Gezinkt” (More twisted, 2006) […]

  2. […] Meine Besprechung von Jeffery Deavers Kurzgeschichtensammlung “Gezinkt” (More twisted, 2006) […]

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