TV-Tipp für den 31. August

August 31, 2008

BR, 23.15

Gilda (USA 1946, R.: Charles Vidor)

Drehbuch: Marion Parsonnet

In Buenos Aires trifft der glücklose Spieler Farrell auf seine frühere Geliebte Gilda und das Unheil nimmt seinen Lauf.

„Gilda“ zählt inzwischen zu den Noir-Klassikern. Nicht wegen der mittelprächtigen Story, sondern wegen Rita Hayworth. Sie zieht ihre Handschuhe aus und wir wissen, was wahre, auch heute noch knisternde, Erotik ist.

Mit Rita Hayworth, Glenn Ford, George Macready

Hinweise

Arte über „Gilda“

Wikipedia über „Gilda“

Noir of the Week über “Gilda“

Dobermann-Pedigrees über „Gilda“ (Fanseite; vor allem Bilder)


KrimiWelt-Bestenliste September 2008

August 30, 2008

Die Bestenliste der KrimiWelt-Jury für den September sieht so aus:

1 (7) Richard Stark: Fragen Sie den Papagei

2 (2) Jenny Siler: Portugiesische Eröffnung

3 (-) Heinrich Steinfest: Mariaschwarz

4 (-) Andrew Vachss: Der Fahrer

5 (9) Leonardo Padura: Der Nebel von gestern

6 (-) Deon Meyer: Weißer Schatten

7 (1) John Harvey: Schlaf nicht zu lange

8 (3) Tana French: Grabesgrün

9 (7) Rex Miller: Fettsack

10 (-) Håkan Nesser: Eine ganz andere Geschichte

In ( ) ist die Platzierung des Vormonats.

Als alter Donald-Westlake-Fan freue ich mich natürlich sehr über den ersten Platz für sein Alter Ego Richard Stark. Ebenso ist Andrew Vachss nach langer Übersetzungspause mit einem angenehm altmodischen Einzelwerk wieder zurück auf dem deutschen Buchmarkt. John Harvey hat mir ebenfalls gut gefallen. Rex Miller dagegen nicht. Die Großartigkeit von „Fettsack“ erschließt sich mir nicht.


TV-Krimi-Buch-Tipps online

August 30, 2008

Don Alfred hat mal wieder keine Kosten und Mühen gescheut (der Alligator war dabei eine gute Argumentationshilfe) und die neuen TV-Krimi-Buch-Tipps sind online bei den Alligatorpapieren. Die ersten Zeilen der aktuellen Tipps lesen sich so:

Der Höhepunkt der beiden kommenden Fernsehwochen ist die Wiederholung von Francis Ford Coppolas „Der Pate“. Allerdings nicht die bekannten Kinofilme, sondern die sehr selten gezeigte, vom Meister selbst neu geschnittene TV-Fassung. Wegen der Uhrzeit empfehle ich das Programmieren des Rekorders.
Zu den weiteren sehenswerten Filmen gehören Sidney Lumets Edwin-Torres-Verfilmung „Tödliche Fragen“, Alan Parkers William-Hjortsberg-Verfilmung „Angel Heart“, der Noir-Klassiker „Gilda“ (ich sage nur Handschuhe), John Frankenheimers Evan-Hunter-Verfilmung „Die jungen Wilden“, Walter Hills John-Godey-Verfilmung „Johnny Handsome“, Basil Deardens Catherine-Arley-Verfilmung „Die Strohpuppe“, Steven Soderberghs Elmore-Leonard-Verfilmung „Out of sight“, Alfred Hitchcocks Robert-Bloch-Verfilmung „Psycho“, René Clements Sébastien-Japrisot-Verfilmung „Der aus dem Regen kam“ und wenn Sie die Tage Martin Scorseses „Casino“ verpasst haben, können Sie sich die Wiederholung ansehen.
Weil wahrscheinlich die gekürzte Fassung von Brian de Palmas „Scarface – Toni, das Narbengesicht“ gezeigt wird, muss ich von diesem Klassiker abraten.
Ganz ohne Wertung weise ich auf die Erstaustrahlung von „Der Heckenschütze“, nach einem Roman und Drehbuch von Felix Huby, hin.


TV-Tipp für den 30. August

August 30, 2008

NDR, 20.15

Tatort: Stoevers Fall (1992, R.: Jürgen Roland)

Drehbuch: Willi Voss (Dramaturgie: Dieter Hirschberg)

Kommissar Stoever glaubt nicht, dass ein hoher hanseatischer Polizist korrupt sein soll. Als ein befreundeter Polizeireporter ermordet wird, beginnt der Mordkommissar zu ermitteln.

Ein schöner, später Roland mit Dieter Thomas Heck („Fein. Fein.“) als dubiosen Polizisten.

Danach gibt’s die sicher sehenswerte 90-minütige Reportage „Ein Abend für die Reeperbahn: Kiez, Kultur und Tabledance“ und den verzichtbaren Wolfgang-Staudte-Film „Fluchtweg St. Pauli – Großalarm für die Davidswache“ (D 1971).

Mit Manfred Krug, Charles Brauer, Lutz Reichert, Dieter Thomas Heck, Hans Häckermann, Horst Frank, Jürgen Roland


P. I. Spenser schlägt wieder zu

August 29, 2008

Der neue Spenser ist vor allem der neue Spenser. Denn selbstverständlich unterscheidet sich das neueste Abenteuer des Bostoner Privatdetektivs Spenser, „Der gute Terrorist“ von Robert B. Parker, im Guten wie im Schlechten kaum von den vorherigen Fällen.

Es beginnt mit einem für Spenser alltäglichen Fall: er soll die Ehefrau Jordan Doherty, eine Dozentin am Concord College, beschatten. Ihr Mann Dennis glaubt, dass sie ihn betrügt. Spenser beschattet sie und nimmt heimlich einen außerehelichen Geschlechtsverkehr auf. So weit, so normal. Doch nach dem Sex redet sie mit ihrem Liebhaber über ihren Ehemann und seine Arbeit als FBI-Agent. Doherty beschäftigt sich mit der Terrorismusbekämpfung und Gruppen wie „Freedom’s Front Line“ und „Last Hope“. Ihr Liebhaber Perry Alderson soll, so das FBI, der Anführer von „Last Hope“ sein und diese Gruppe soll vor allem als Vermittler zwischen Attentätern und Leuten, die einen Attentäter brauchen, fungieren.

Spenser informiert Doherty über den Ehebruch und damit könnte die Sache zu Ende sein. Doch kurz darauf wird Jordan Doherty erschossen, Vinnie erschießt den Killer und etwas später ist auch Doherty tot. Spenser ist fest davon überzeugt, dass Perry Alderson die Dohertys umbringen ließ. Aber er hat keine Beweise.

Robert B. Parker entwirft auf den ersten Seiten gewohnt souverän die Prämisse. Aber nachdem bekannt ist, dass Alderson ein Terroristenhelfer ist, beginnt die Geschichte zu stagnieren. Denn Spenser versucht nichts über „Last Hope“ und die damit verbundenen terroristischen Aktivitäten von Alderson herauszufinden, sondern wälzt immer wieder die gleichen Probleme mit seiner Freundin Susan, seinem Buddy Hawk und seinen Vertrauten bei Polizei und FBI. Denn Spenser verbeißt sich in diesen Fall, so analysiert Susan scharfsinnig, weil sie ihn vor zwanzig Jahren verlassen hatte und er sie aus den Händen von Bösewichtern retten musste. „Spenser auf der Flucht“ (A Catskill Eagle, 1985) erzählt diese Geschichte und der Roman gehört zu den besten Spenser-Abenteuern.

Auf der Strecke bleibt dabei zuerst das Terrornetzwerk von Alderson. Denn darüber schreibt Robert B. Parker nichts. Danach die Motive des „guten Terroristen“. Denn außer einigen Halbsätzen zu 1968 schreibt Parker nichts dazu. Dabei hat Parker sich in früheren Spenser-Romanen immer wieder mit den Auswirkungen von 1968, wie dem Feminismus und der Rassendiskriminierung, beschäftigt. So musste der Macho Spenser in „Bodyguard für eine Bombe“ (Looking for Rachel Wallace, 1980) eine Feministin beschützen. Und wenn Robert B. Parker sich schon nicht für eine Neubetrachtung von 1968 interessiert, hätte er wenigstens – immerhin war es die freie Entscheidung des Autors, aus dem Bösewicht einen Unidozenten, Ehebrecher und, letztendlich für die gesamte Story völlig überflüssig, Terroristen zu machen – die Veränderungen in den USA nach 9/11 thematisieren müssen. Doch „Der gute Terrorist“ könnte genauso gut vor zehn, zwanzig oder auch vierzig Jahren spielen. Aber auch dann wäre der 35. Spenser-Roman – besonders nach der Lektüre von einigen Ed-Brubaker-Werken – nur ein müdes Routineprodukt, das Spensers erste Terroristenjagd „Kopfpreis für neun Mörder (The Judas Goat, 1978), eine langatmige Ich-knall-einen-Terroristen-nach-dem-nächsten-ab-Geschichte, in einem milderen Licht erscheinen lässt.

Robert B. Parker: Der gute Terrorist – Ein Auftrag für Spenser

(übersetzt von Frank Böhmert)

Pendragon, 2008

208 Seiten

9,90 Euro

Originalausgabe

Now & Then

G. P. Putnam’s Son, 2007

Hinweise

Homepage von Robert B. Parker

Pendragon-Homepage zu Robert B. Parker

Mein Porträt von Robert B. Parker und der Spenser-Serie in der Spurensuche

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der stille Schüler“ (School Days, 2005)


Besprechung „Zukunft Kino“ online

August 29, 2008

Meine Besprechung von „Zukunft Kino – The End of the Reel World„, herausgegeben von Daniela Kloock, ist online in der Berliner Literaturkritik. Mit den meisten Artikeln konnte ich nichts anfangen, aber dafür ist es hübsch gelayoutet und hat auch eine Homepage.


Kleinkram: das ARD-Abendprogramm, Chelsea Cain und ein Zufall

August 29, 2008

Bei DWDL versucht Jürgen Knoop, Redakteur bei der ARD-Tochger Degeto und mitverantwortlich für das ARD-Programm, zu erklären, warum das Erste Spielfilme gerne zu recorderfreundlichen Zeiten ausstrahlt:

Spielfilme allerdings, die sich für den Hauptabend eignen, zeige man auch zur besten Sendezeit. „Es kommen allerdings nur wenige Filme aus unserem Portfolio hierfür in Frage – wenn man alte Klassiker wie ‚Die Feuerzangenbowle‘ außen vor lässt“, erklärt der Degeto-Redakteur.

Also eignen sich, wie ein Blick auf das Programm der kommenden zwei Wochen zeigt, „Broken Flowers“, „Paycheck – Die Abrechnung“, „Policy Python 357“ (mit Yves Montand), „Heaven“, „Scarface – Das Narbengesicht“ (Hm, gut, wegen FSK-18 schränkt das die Sendezeit ein. Aber Dienstagnacht?), „Die romantische Engländerin“ und „Der Arzt von Stalingrad“ nicht für die beste Sendezeit, aber zu später Stunde stimmt wenigstens die Quote und als Investition in die Zukunft ist es okay. Ich würde mir jedenfalls, bis auf den „Arzt von Stalingrad“ (der auch schon lange nicht mehr im TV lief), jeden dieser Filme gerne zur besten Sendezeit ansehen.

Interessant ist auch die Programmierung der TV-Version von Francis Ford Coppolas „Der Pate“ nach 01.00 Uhr nachts. Davor kommen die für das ARD-Publikum attraktiveren Filme „Hochwürdens Ärger mit dem Paradies“ (am 5. September) und „Utta Danella: Der Sommer der glücklichen Narren“ (am 12. September). Beide Filme sind, egal nach welcher Betrachtung, keine Höhepunkte der Filmkunst.

Bei The Rap Sheet redet Ali Karim mit Chelsea Cain.

Zufälle: Gestern entdeckte ich im Antiquariat den rororo thriller „Alice im Negerland“ (Black Alice, 1969) von Thomas M. Disch und John Sladek. Beides waren keine ausgewiesenen Krimi-, sondern S-F-Autoren, aber irgendwo hatte ich schon einmal von dem Buch gehört. Also gekauft und heute beim googeln habe ich diese, erst vor wenigen Tagen erschienene, sehr positive Besprechung von „Black Alice“ entdeckt.


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