Die Forensiker aus Las Vegas und Miami ermitteln

Im Sommer gibt es zwar keine CSI-Pause, aber Vox und RTL präsentieren nur Wiederholungen von teilweise schon öfters gezeigten Folgen. Das ist – auch weil TV am Strand nicht so toll ist – eine gute Gelegenheit, sich einen CSI-Roman zu schnappen. Denn in diesen Romanen werden neue Fälle mit den bekannten Teams erzählt. Zuletzt sind zwei „CSI: Miami“-Romane von Donn Cortez (dessen Thriller „Closer“ demnächst bei Knaur erscheint) und, als Taschenbuch, ein CSI-Las-Vegas-Roman von Max Allan Collins erschienen.

Nach dieser Vorrede wollen eingefleischte CSI-Fans jetzt, vor dem Kauf, nur wissen, ob die Romane sich an das Serienkonzept halten. Sie tun es.

Für Krimileser, die vor allem einen guten Roman lesen wollen, ist es etwas komplizierter.

In dem „CSI: Miami“-Roman „Todsicheres Alibi“ bringt Donn Cortez die mit „Mörderisches Fest“ begonnene Geschichte des Kampfes zwischen Horatio Caine und dem Magier Abdus Pathan, der „Brillante Batin“, zu einem Ende. In „Mörderisches Fest“ konnten Caine und seine Leute Pathan seine Taten nicht nachweisen. Jetzt glauben die CSIler, dass Pathan auf einem Schrottplatz neun Männer erschoss. Allerdings hat Pathan wieder ein bombensicheres Alibi. Bei ihren weiteren Ermittlungen vermuten die CSIler, dass Pathan der international gesuchte, skrupellose Terrorist ‚Der Hase’ ist, der inzwischen auch eine schmutzige Bombe besitzt.

Erst als das Kreuzfahrtschiff Heart’s Voyage, auf dem Pathan als Zauberer arbeitet, entführt wird, beginnt Caine die Puzzleteile richtig zusammen zu setzen. Eine der Geisel an Bord ist sein Mitarbeiter Eric Delko, der seine Freundin Marie beschützen will.

„Todsicheres Alibi“ ist, wie es sich für „CSI: Miami“ gehört, eher actionlastig und stärker als Thriller angelegt. Das wird besonders im letzten Drittel, wenn die CSIler langsam den Plan des Terroristen durchschauen und ihn verhindern wollen, deutlich.

„Im freien Fall“, der zweite neue „CSI: Miami“-Roman von Donn Cortez folgt dagegen mit drei parallelen Fällen dem gängigen CSI-Whodunit-Prinzip.

Horatio Caine und Calleigh Duquesne suchen den Mörder des Ballonfahrers Timothy Breakwash. Im Ballon, dem Tatort, gibt es zwar keine Spuren von einem Täter und auch keine von der Schusswaffe, aber auch ein Selbstmörder schießt sich nicht in sein rechtes Auge.

Im zweiten Fall versuchen Eric Delko und Ryan Wolfe herauszufinden, warum es auf einem Jacht zu einem tödlichen Schusswechsel zwischen dem Bootsbesitzer und seinen Gästen, einer nach ihrem Aussehen und ihren Waffen bunten Mischung aus russischen und kubanischen Gangstern, die anscheinend gerade ein Geschäft abwickeln wollten, und Kleingangstern aus Florida, die das Boot überfallen wollten, gekommen ist. Dabei müssen die CSIler vor allem herausfinden, welches Geschäft der Bootsbesitzer Jovan Dragoslav auf seinem Boot abschließen wollte.

In dem dritten Fall wurde Kolumnist Hiram Davey, der gerade ein von wahren Ereignissen inspirierten Enthüllungsroman über die High Society von Miami schreiben wollte, ermordet. Natalia Boa Vista und Frank Tripp haben schnell mehr als genug Verdächtige.

Die drei Fälle sind ordentlich geplottet und die Lösung ist auch überraschend. Allerdings bleiben bei Donn Cortez die einzelnen Charaktere, besonders natürlich die der Verdächtigen, blass und die Ermittlungen werden sehr kleinteilig geschildert. Da überträgt sich teilweise die Langsamkeit und Zähigkeit polizeilicher Ermittlungen auf den Leser.

Dieses Problem hat Max Allan Collins nicht. In seinem CSI-Roman „Die Last der Beweise“ muss das Forensiker-Team aus Las Vegas in zwei Fällen ermitteln, die entsprechend der TV-Serie auf die beiden Hauptermittler Gil Grissom und Catherine Willows aufgeteilt wurden.

Der neue Fall für Gil Grissom beginnt unspektakulär, aber mit einem außergewöhnlich guten Zeugen. David Benson hat auf einer nächtlichen Fahrt gesehen, wie ein Mann eine in einen Teppich eingewickelte Frau in der Wüste ablegte. Er konnte sich einen Teil des Nummernschildes notieren und kann sogar Auto und Täter beschreiben. Grissom, der natürlich in erster Linie den Beweisen glaubt, erhält seinen ersten Schock, als sie die Leiche obduzieren. Es ist die seit drei Wochen verschwundene Candace Lewis, Assistentin von Bürgermeister Daryl Harrison. Ab jetzt befindet sich Grissom in den von ihm gehassten Fronten eines politischen Krieges zwischen dem Bürgermeister Darryl Harrison, seinem politisch ambitionierten Vorgesetzten Sheriff Brian Mobley, dem FBI und dem Leiter der Tagschicht Conrad Ecklie, der vorher den Fall bearbeitet hat. Denn Lewis war auch die Geliebte des Bürgermeisters und damit deuten alle Spuren in das politische Milieu.

Auch der zweite Fall in „Die Last der Beweise“, der von dem Team Catherine Willows und Nick Stokes ermittelt wird, ist nicht weniger brisant. Sekretärin Janice Denard hat im Drucker ihres Chefs Ruben Gold kinderpornographische Bilder gefunden. Wenn das die Öffentlichkeit erfährt, wäre die renommierte Werbeagentur ruiniert. Deshalb ist auch in diesem Fall von den Ermittlern viel Fingerspitzengefühl gefragt. Da ist es gut, dass die Werbeagentur hilfsbereit ist und den CSIlern Kopien ihrer Festplatten erlaubt.

Ihre erste Spur führt zu Ben Jackson. Von seinem Computer stammt der Druckauftrag. Doch Jackson hat ein Alibi und der Choleriker Gary Randle verweigert Willows seine Fingerabdrücke. Ist er der gesuchte Pädophile oder nur ein auf seine Bürgerrechte bedachter Mann oder ist er, wie er, nachdem die CSIler weitere Beweise gegen ihn finden, behauptet, das Opfer eines Komplotts? Willows, Stokes und der Computerexperte Tomas Nunez sehen sich die elektronischen Beweise genau an und machen einige überraschende Entdeckungen.

Der vierte CSI-Roman „Die Last der Beweise“ von Max Allan Collins ist, wie nicht anders bei ihm zu erwarten, ein gut geplotteter Whodunit, der sich genau an das TV-Format hält, aber mit vielen Informationen über Forensik und Computernetzwerke weit über eine normale Serienfolge hinausgeht. Außerdem sind die Charaktere mit wenigen Worten glaubwürdig gezeichnet.

„Die Last der Beweise“ ist eine spannende Lektüre, auch wenn ich gerne wieder eines der anderen Werke von Max Allan Collins (also seiner nicht mit Hollywood zusammenhängenden Werke) auf Deutsch lesen würde. Denn dann ist Collins, wie er unter anderem in dem Shamus-nominierten „Deadly beloved“ zeigt, an keine Vorgaben gebunden.

Donn Cortez: CSI: Miami – Todsicheres Alibi

(übersetzt von Frauke Meier)

vgs, 2008

312 Seiten

17,95 Euro

Originalausgabe

CSI: Miami – Harm for the Holidays – Heart Attack

Pocket Books, 2006

Donn Cortez: CSI: Miami – Im freien Fall

(übersetzt von Frauke Meier)

vgs, 2008

312 Seiten

17,95 Euro

Originalausgabe

CSI: Miami – Cut and run

Pocket Books, 2007

Max Allan Collins: CSI: Crime Scene Investigation – Die Last der Beweise

(übersetzt von Frauke Meier)

vgs, 2008

416 Seiten

9,95 Euro

Originalausgabe

CSI: Crime Scene Investigation – Body of Evidence

Pocket Books, 2003

Hinweise

Homepage von Donn Cortez

Homepage von Max Allan Collins

Weitere Besprechungen und Hinweise auf Informationen über „CSI“, „CSI: Miami“ und „CSI: New York“ (und was Sie dort nicht finden, aber in der Kriminalakte abgelegt wurde, finden Sie über die Suchen-Funktion)

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3 Responses to Die Forensiker aus Las Vegas und Miami ermitteln

  1. […] Romans (wie es Donn Cortez mit den „CSI: Miami“-Romanen „Mörderisches Fest“ und „Todsicheres Alibi“ tat), sondern einfach Verrat am Publikum. Denn das eingangs von dem Autor aufgeworfene Rätsel […]

  2. […] Max Allan Collins: CSI: Crime Scene Investigation – Die Last der Beweise (CSI: Crime Scene Investi… […]

  3. […] Meine Besprechung von Max Allan Collins’ „CSI: Crime Scene Investigation – Die Last der Be… […]

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