P. I. Spenser schlägt wieder zu

Der neue Spenser ist vor allem der neue Spenser. Denn selbstverständlich unterscheidet sich das neueste Abenteuer des Bostoner Privatdetektivs Spenser, „Der gute Terrorist“ von Robert B. Parker, im Guten wie im Schlechten kaum von den vorherigen Fällen.

Es beginnt mit einem für Spenser alltäglichen Fall: er soll die Ehefrau Jordan Doherty, eine Dozentin am Concord College, beschatten. Ihr Mann Dennis glaubt, dass sie ihn betrügt. Spenser beschattet sie und nimmt heimlich einen außerehelichen Geschlechtsverkehr auf. So weit, so normal. Doch nach dem Sex redet sie mit ihrem Liebhaber über ihren Ehemann und seine Arbeit als FBI-Agent. Doherty beschäftigt sich mit der Terrorismusbekämpfung und Gruppen wie „Freedom’s Front Line“ und „Last Hope“. Ihr Liebhaber Perry Alderson soll, so das FBI, der Anführer von „Last Hope“ sein und diese Gruppe soll vor allem als Vermittler zwischen Attentätern und Leuten, die einen Attentäter brauchen, fungieren.

Spenser informiert Doherty über den Ehebruch und damit könnte die Sache zu Ende sein. Doch kurz darauf wird Jordan Doherty erschossen, Vinnie erschießt den Killer und etwas später ist auch Doherty tot. Spenser ist fest davon überzeugt, dass Perry Alderson die Dohertys umbringen ließ. Aber er hat keine Beweise.

Robert B. Parker entwirft auf den ersten Seiten gewohnt souverän die Prämisse. Aber nachdem bekannt ist, dass Alderson ein Terroristenhelfer ist, beginnt die Geschichte zu stagnieren. Denn Spenser versucht nichts über „Last Hope“ und die damit verbundenen terroristischen Aktivitäten von Alderson herauszufinden, sondern wälzt immer wieder die gleichen Probleme mit seiner Freundin Susan, seinem Buddy Hawk und seinen Vertrauten bei Polizei und FBI. Denn Spenser verbeißt sich in diesen Fall, so analysiert Susan scharfsinnig, weil sie ihn vor zwanzig Jahren verlassen hatte und er sie aus den Händen von Bösewichtern retten musste. „Spenser auf der Flucht“ (A Catskill Eagle, 1985) erzählt diese Geschichte und der Roman gehört zu den besten Spenser-Abenteuern.

Auf der Strecke bleibt dabei zuerst das Terrornetzwerk von Alderson. Denn darüber schreibt Robert B. Parker nichts. Danach die Motive des „guten Terroristen“. Denn außer einigen Halbsätzen zu 1968 schreibt Parker nichts dazu. Dabei hat Parker sich in früheren Spenser-Romanen immer wieder mit den Auswirkungen von 1968, wie dem Feminismus und der Rassendiskriminierung, beschäftigt. So musste der Macho Spenser in „Bodyguard für eine Bombe“ (Looking for Rachel Wallace, 1980) eine Feministin beschützen. Und wenn Robert B. Parker sich schon nicht für eine Neubetrachtung von 1968 interessiert, hätte er wenigstens – immerhin war es die freie Entscheidung des Autors, aus dem Bösewicht einen Unidozenten, Ehebrecher und, letztendlich für die gesamte Story völlig überflüssig, Terroristen zu machen – die Veränderungen in den USA nach 9/11 thematisieren müssen. Doch „Der gute Terrorist“ könnte genauso gut vor zehn, zwanzig oder auch vierzig Jahren spielen. Aber auch dann wäre der 35. Spenser-Roman – besonders nach der Lektüre von einigen Ed-Brubaker-Werken – nur ein müdes Routineprodukt, das Spensers erste Terroristenjagd „Kopfpreis für neun Mörder (The Judas Goat, 1978), eine langatmige Ich-knall-einen-Terroristen-nach-dem-nächsten-ab-Geschichte, in einem milderen Licht erscheinen lässt.

Robert B. Parker: Der gute Terrorist – Ein Auftrag für Spenser

(übersetzt von Frank Böhmert)

Pendragon, 2008

208 Seiten

9,90 Euro

Originalausgabe

Now & Then

G. P. Putnam’s Son, 2007

Hinweise

Homepage von Robert B. Parker

Pendragon-Homepage zu Robert B. Parker

Mein Porträt von Robert B. Parker und der Spenser-Serie in der Spurensuche

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der stille Schüler“ (School Days, 2005)

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