Fitzeks vierter Streich

Auf das Cover von Sebastian Fitzeks neuestem Buch „Der Seelenbrecher“ klebte der Knaur-Verlag bereits vor der Veröffentlichung den Aufkleber „Der Bestseller“. Keine sieben Tage nach dem Erscheinen bewahrheitet sich die Vorhersage der Werbeabteilung. Amazon verkaufte bereits jetzt über 75.000 Exemplare und, mit den restlichen Buchläden, ist damit die 100.000er Grenze deutlich überschritten. Dabei ist die Geschichte von Fitzeks neuestem Roman im Kern nicht besonders originell. Es geht um eine in einem Gebäude eingeschlossene Gruppe, die von einem Killer gejagt wird.

Aber natürlich ist es, wie sich die Leser von Fitzeks vorherigen Bestsellern „Die Therapie“, „Amokspiel“ und „Das Kind“ denken können, nicht so einfach. Denn die Geschichte spielt am Vorweihnachtsabend in einer abgelegenen, eingeschneiten Klinik für psychosomatische Störungen, vulgo Nobelirrenanstalt. Der Klinikleiter Professor Samuel Raßfeld hat vor einigen Tagen Caspar, einen interessanten Fall von vollkommenem Gedächtnisverlust, aufgenommen. Als die Caspar behandelnde Psychiaterin Dr. Sophia Dorn ihn mit dem Foto eines Mädchens konfrontiert, ist er überzeugt, dass das seine Tochter ist, sie in Lebensgefahr schwebt und er sie retten muss. Zur gleichen Zeit jagt in Berlin der „Seelenbrecher“ junge Frauen. Er versetzt sie in einen komatösen Zustand und legt ihnen einen kryptischen Zettel in die Hand.

Als Caspar aus der Klinik flüchten will, verunglückt an der Einfahrt ein Krankenwagen. Der schwerverletzte Dr. Jonathan Bruck wird in die Klinik gebracht. Kurz darauf flüchtet Bruck aus dem Krankenbett und Caspar findet Dorn als das neueste Opfer des Seelenbrechers.

Caspar und die anderen Insassen sind überzeugt, dass Bruck der Seelenbrecher ist und sie in dieser Nacht alle umbringen will. Gleichzeitig kehrt Caspars Gedächtnis schubweise zurück. Das ärztliche Vokabular ist ihm vertraut und er hat irgendeine Beziehung zu Bruck.

Wie diese Beziehung aussieht, soll hier nicht verraten werden. Aber sie ist anders, als es auf den ersten Blick scheint. Auch die Rahmengeschichte, in der zwei Studenten als Experiment die Patientenakte 131071/VL über die tödliche Nacht in der Klinik lesen, wartet mit einigen hübschen Überraschungen auf.

Keine Überraschung sind dagegen, – auch bedingt durch das Genre, den Plot und das Echtzeit-Element -, die stereotypen Figuren, die bekannten Handlungselemente (Natürlich bleiben die Eingeschlossenen nicht zusammen, sondern begeben sich immer wieder grundlos in Lebensgefahr. Natürlich gibt es Streit in der Gruppe.), die eher auf Überraschungen als auf sich aus den einzelnen Charakteren heraus entwickelnden Konflikte setzende Geschichte und die im Nachhinein teilweise unlogische Handlung (Ein kompletter Gedächtnisverlust? Ein zufälliger Unfall genau vor der Klinik, bei dem der Mörder sich fast selbst umbringt? Der Mann ohne Gedächtnis als Anführer?); – obwohl das alles auch an dem unzuverlässigen Schreiber der Patientenakte liegen könnte. Es könnte auch ein Teil des Versuchs sein, den der Psychiater mit den beiden Studenten macht. Er befiehlt ihnen: „Sie müssen die gesamte Akte lesen und dürfen dabei nur wenige kurze Pausen machen.“

Diesem Befehl sollten die Leser von Sebastian Fitzeks neuestem Buch ebenfalls folgen. Dann ist „Der Seelenbrecher“ ein spannender Thriller für eine schlaflose Nacht. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Sebastian Fitzek: Der Seelenbrecher

Knaur, 2008

368 Seiten

7,95 Euro

Lesung

Am Donnerstag, den 18. September, stellt Sebastian Fitzek sein neues Buch „Der Seelenbrecher“ um 20.00 Uhr in der Thalia-Buchhandlung „Das Schloss“ (Schlossstraße 34, S/U-Bahnhof Rathaus Steglitz) vor.

Hinweise

Homepage von Sebastian Fitzek (mit weiteren Terminen, Trailern für das Buch und vielen weiteren Informationen)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Das Kind“

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2 Responses to Fitzeks vierter Streich

  1. […] Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks “Der Seelenbrecher” (2008) […]

  2. […] Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Der Seelenbrecher“ (2008) […]

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