Mamet meckert über seine große Liebe Hollywood

Zwiespältig, sehr zwiespältig ist David Mamets neues Buch „Bambi vs. Gorilla: Über Wesen, Zweck und Praxis des Filmbusiness“. Einerseits schreibt er pointierte Spitzen über Hollywood, andererseits fehlt dem Buch der große Bogen. Denn es ist eine Sammlung von 41 kurzen Texten, die schon an anderen Orten publiziert wurden. In der deutschen Ausgabe fehlt jeder Hinweis darauf und im Original steht auch nur, dass einige Texte im Guardian und ein Teil im Harper’s Magazine erschienen. Für die Buchausgabe wurden sie, nach dem Impressum, überarbeitet. Aber letztendlich ist „Bambi vs. Godzilla“ immer noch eine Sammlung von assoziativen Kolumnen, die wie Pralinen nur in kleinen Dosen genossen werden sollten.

Für ein Buch fehlt, abgesehen von einigen wiederkehrenden Themen (die bösen Produzenten, die schlechter werdenden Filme), der rote Faden und damit die von Mamet bei Filmen eingeforderte Dramaturgie. „Bambi vs. Godzilla“ ist, wie die von ihm kritisierten Filmen, eine Ansammlung von Gags und Kunststücken. „Diese Vorfälle, die früher nur eine richtige Geschichte ein wenig ausgeschmückt haben, sind nun mehr oder weniger der einzige Grund für die Existenz des Films.“

Die meist fünfseitigen Texte wurden etwas in die Chronologie der Filmproduktion sortiert. Es beginnt mit Texten über Produzenten und das Verhältnis der einzelnen Berufsgruppen zueinander (Die guten Leute von Hollywood; Der Unterdrückungsmechanismus), geht über das Drehbuch (Das Drehbuch; Technik) zu den heutigen Spielfilmen (Einige Prinzipien; Genre) und schließt mit eher unsortierten Anmerkungen (Urteile in Nebensachen; Verbrechen und andere Kleinigkeiten).

Auch in den einzelnen Kolumnen bewegt Mamet sich oft weit weg vom Titel. Teils bietet er dann grandiose Einsichten, teils räsoniert er wie ein alter Mann über die gute alte Zeit, als alles besser war.

Dieses Lästern über das neue Hollywood-Blockbuster-Kino für ein Teenager-Publikum ist natürlich berechtigt. Aber es wirkt auch etwas seltsam. Denn David Mamet gehört in Hollywood zu den geachteten Drehbuchautoren. Stars reißen sich um eine Rolle in einem seiner Filme, zu denen „The Winslow Boy“, „Heist – Der letzte Coup“, „Spartan“ und zuletzt „Redbelt“ gehören. Er schrieb die Drehbücher zu „Wenn der Postmann zweimal klingelt“, „The Verdict – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit“, „The Untouchables – Die Unbestechlichen“, „Glengarry Glen Ross“, „Wag the Dog – Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt“, „Ronin“ (als Richard Weisz) und der Thomas-Harris-Verfilmung „Hannibal“. Außerdem ist er einer der Produzenten der erfolgreichen TV-Serie „The Unit“. Kurz: er hat seine Nische im gehobenen Unterhaltungskino gefunden und er hat nie Filme für ein jugendliches Publikum gemacht.

Vor seiner Hollywood-Karriere hatte er bereits einen Namen als Theatorautor. Er schrieb „American Buffalo“, das mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnete „Glengarry Glen Ross“ und „Oleana“.

Gerade im Hinblick auf diese lange, erfolgreiche Karriere als Autor, der immer wieder für seinen Stil gelobt wird, sind einige der Essays erstaunlich schlecht geschrieben. Den Übersetzter trifft hier nur eine Teilschuld. Denn letztendlich gehört es nicht zu den Aufgaben eines Übersetzter, die Sprache zu polieren.

David Mamet: Bambi vs. Gorilla – Über Wesen, Zweck und Praxis des Filmbusiness

(übersetzt von Bert Rebhandl)

Alexander Verlag, 2008

264 Seiten

19,90 Euro

Originalausgabe

Bambi vs. Gorilla – On the Nature, Purpose, and Practice of the Movie Business

Pantheon Books, New York 2007

Hinweise

Wikipedia über David Mamet (deutsch, englisch)

Village Voice: David Mamet: Why I am no longer a „Brain-Dead-Liberal“ (11. März 2008)

Vanity Fair: David Mamet beantwortet den Proust Fragebogen (Mai 2008)

11 Responses to Mamet meckert über seine große Liebe Hollywood

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  9. […] und ihrer Familien als in „Act of Valor“. Aber die Serienmacher hatten auch echte Schauspieler, David Mamet als Autor und Produzenten und, natürlich, militärische […]

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