TV-Tipp für den 27. November: Killer stellen sich nicht vor

November 27, 2008

ARD, 01.05

Killer stellen sich nicht vor (F 1980, R.: Jacques Deray)

Drehbuch: Jacques Deray, Christopher Frank

LV: Jean-Patrick Manchette: Trois hommes à abattre, 1976 (Killer stellen sich nicht vor/Westküstenblues)

Monsieur Emmerich läßt einige seiner Angestellten, die mit seiner Geschäftspolitik nicht einverstanden sind, aus dem Weg räumen. Spieler Gerfaut bringt einen von ihnen schwer verletzt in ein Krankenhaus und sich selbst – ohne sein Wissen – auf Emmerichs Todesliste. Gerfaut nimmt den Kampf auf.

Der Film mit hat nichts mit dem Buch zu tun. Naja, bis auf den Autounfall am Anfang.

Davon abgesehen: französischer Politthriller, der die Genreerwartungen gut bedient.

Mit Alain Delon, Dalila Di Lazzaro, Michel Auclair

Hinweise

Wikipedia über Jean-Patrick Manchette

Manchette-Seite des Distel-Literaturverlages

Französische Jean-Patrick-Manchette-Seite

Europolar: Elfriede Müller über Jean-Patrick Manchette

James Sallis über Jean-Patrick Manchette


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Eisige Stunden mit US-Marshal Carrie Stetko

November 26, 2008

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Greg Rucka – – – ist in den USA bereits seit über zehn Jahren ein in der Krimi- und Comicszene bekannter Name. In Deutschland dauerte es, obwohl der große Druchbruch immer noch nicht gekommen ist, etwas länger. Denn seine Romane mit dem Bodyguard Atticus Kodiak wurden bislang nicht übersetzt. Die von Rucka geschriebenen, von Steve Lieber gezeichneten Comics „Whiteout“ und „Whiteout: Melt“, das einen Eisner Award erhielt, erschienen erst gute zehn Jahre nach ihrem Erscheinen in den USA in Deutschland. Die zwei auf dem gleichnamigem Spiel basierenden „Perfect Dark“-Romanen erschienen in der Heyne Science-Fiction-Reihe und sind nur noch antiquarisch erhältlich. Die später entstandene Comicserie „Queen & Country“ mit der britischen Agentin Tara Chace wurde fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit veröffentlicht. Aber der erste Tara-Chace-Roman „Dschihad“ (A Gentleman’s Game, 2004) wurde schon breiter wahrgenommen. Und wenn die lange angekündigte Verfilmung von „Whiteout“ von Dominic Sena mit Kate Beckinsale in der Hauptrolle am 11. September 2009 in den USA (nach einigem Hin und Her ist das der derzeit aktuelle Starttermin) und, sicher, kurz darauf in Deutschland startet, wird Greg Rucka endlich auch beim breiten Publikum bekannt werden.

Beckinsale spielt den in die Antarktis versetzten toughen US-Marshal Carrie Stetko. In dem Comic „Whiteout“ muss sie wenige Tage bevor die Stationen auf den Winterbetrieb umschalten und fast alle Beschäftigen die Antarktis verlassen, den Mord an einem Amerikaner aufklären. Schnell gibt es weitere Morde und der Mörder versucht Stetko zu töten.

Während „Whiteout“ ein Whodunit ist, der vor allem in den verschiedenen Polarstationen spielt, geht es in dem zweiten Abenteuer mit Carrie Stetko „Whiteout: Melt“ in die arktische Weite. Eine Gruppe russischer Ex-Elitesoldaten klaut aus einer russischen Station mehrere Atomwaffen. Dabei töten sie die dort stationierten Polarforscher. Stetko wird von ihrer Regierung zurück in das Eis geschickt. Sie soll die Atomwaffen finden und so die Verhandlungsposition der USA gegenüber Russland stärken. Denn nach dem Antarktisvertrag sind dort Atomwaffen verboten. Zusammen mit dem russischen Ermittler Kapitän Alexander Iwanowitsch Kuchin verfolgt sie die Söldner durch das Eis.

Wie Greg Rucka in dem in „Whiteout: Melt“ abgedrucktem Interview mit Jochen Ecke sagt, habe er sich nach einigen Romanen mit Atticus Kodiak bewusst dafür entschieden, auch Comics zu schreiben, weil die verschiedenen Medien wie Comic, Roman und Film ihre spezifischen Stärken hätten und mit Steve Lieber habe er den Partner gefunden, der die Stetko-Geschichten kongenial in sparsame Schwarz-Weiß-Zeichnungen, was vor dem Manga-Boom sehr ungewöhnlich war, übertrug.

In den beiden Hardboiled-Geschichten „Whiteout“ und „Whiteout: Melt“ ergänzen die Zeichnungen und den Text in mehr als nur einer Beziehung. Neben der Geschichte verhandeln die Beiden immer auch weitere Themen, wie das Leben einer Frau in einer reinen Männergesellschaft, und sie geben ein Gefühl für die eisige Landschaft.

Derzeit arbeiten Greg Rucka und Steve Lieber nach einer fast zehnjährigen Pause an einem dritten Carrie-Stetko-Abenteuer: „Whiteout: Night“.

Ein dickes Lob verdient „Crosscult“ für die liebevolle Ausstattung der beiden Bände. Im ersten Band gibt es eine Covergalerie und ein aktuelles Nachwort von Steve Lieber. Im zweiten Band ausführliche Interviews mit Greg Rucka und Steve Lieber, ein kurzes Porträt von Greg Rucka und ein Vorwort von Brian Michael Bendis, einem bekannten Marvel-Comics-Autor: „wenn ein Comic so vielschichtig und oft gelobt wird wie dieser, ertappe ich mich immer wieder bei dem Wunsch, dass dies der Standard für Comics sein, nicht die Ausnahme. (…) Glückwunsch zu einer außergewöhnlichen Geschichte, die gut erzählt ist, Greg und Steve.“

Yeah.


Greg Rucka/Steve Lieber: Whiteout

(übersetzt von Stefan Pannor)

Cross Cult, 2007

128 Seiten

16 Euro

Originalausgabe

Whiteout

Oni Press, 1999 (die Einzelhefte erschienen 1998)

Greg Rucka/Steve Lieber: Whiteout: Melt

(übersetzt von Stefan Pannor)

Cross Cult, 2008

128 Seiten

16 Euro

Originalausgabe

Whiteout: Melt

Oni Press, 2000 (die Einzelhefte erschienen 1999/2000)

Hinweise

Homepage von Greg Rucka

YouTube: PressPass-Inteview mit Greg Rucka (Oktober 2008)

CrossCult über “Whiteout” und “Whiteout: Melt” (jeweils mit Leseprobe)

Crimespree Cinema über die Verfilmung “Whiteout”


TV-Tipp für den 26. November: Der zerrissene Vorhang

November 26, 2008

SWR, 23.00

Der zerrissene Vorhang (USA 1966, R.: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Brian Moore, Keith Waterhouse (ungenannt), Willis Hall (ungenannt)

Ein Physiker läuft in den Osten über. Allerdings nicht, um sein Land zu verraten, sondern um von einem Ost-Kollegen wichtige Informationen zu erhalten.

In den Sechzigern drehte Hitchcock zwei Spionagefilme. Doch „Der zerrissene Vorhang“ und „Topas“ zählen zu seinen schwächsten Werken: zu viele Charaktere, zu lahme Geschichte, einfach zu wenig Hitchcock und zu viel von einem starbesetzten Spionagefilm, für Menschen, die Filme gerne mit einer Flipchart ansehen.

Aus heutiger Sicht bietet „Der zerrissene Vorhang“ immerhin einige bekannte deutsche Schauspieler in einem Hitchcock-Film und einen hübschen Mord. Das ist für zwei Stunden aber zu wenig.

Brian Moore schrieb später unter anderem „Hetzjagd“, „Die Farbe des Blutes“ und „Es gibt kein anderes Leben“.

Mit Paul Newman, Julie Andrews, Lila Kedrova, Hansjörg Felmy, Wolfgang Kieling, Günther Strack

Hinweise

Wikipedia über Brian Moore

Alfred Hitchcock redet mit Francois Truffaut über „Der zerrissene Vorhang“

Senses of Cinema über Alfred Hitchcock

Kriminalakte über Paul Newman


Cover der Woche

November 25, 2008

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TV-Tipp für den 25. November: Rette Deine Haut!

November 25, 2008

3sat, 04.35

Rette Deine Haut! (D 2001, R.: Lars Becker)

Drehbuch: Lars Becker

Einige befreundete Polizsten verschaffen ihren Frauen mit illegalen Einnahmen ein gutes Leben. Als sie eine Zeugin umbringen sollen, eskaliert die Situation.

Grandioser deutscher Cop-Thriller, der zuletzt 2003 gezeigt wurde. Also: Aufzeichnen!

Mit Gregor Törzs, Henriette Heinze, Jan Gregor Kremp, Katharina Böhm, Ken Duken

Hinweise

Wikipedia über „Rette Deine Haut!“

Die Welt: Rainer Tittelbach zur Erstauststrahlung von „Rette Deine Haut!“ (1. Oktober 2001)

Die Welt: Sascha Westphal über die Bedeutung von „Rette Deine Haut!“ auf „Nachtschicht“ und „KDD – Kriminaldauerdienst“ (18. Juni 2007)


Kleinkram: Interview mit „24“-Macher Howard Gordon, New York Times Magazine über Film, „Gran Torino“-Drehbuch (demnächst) online, Neue Jim-Thompson-Verfilmung geplant, Dick Adlers 2008er-Listen, Grafton und Burke sind die neuen MWA-Grandmaster

November 24, 2008

Pünktlich zum zweistündigen, wie immer hochkarätig besetzten TV-Spielfilm „24: Redemption“ gibt es im IFMagazine ein langes, informatives Interview mit Executive Producer Howard Gordon, einem der kreativen Köpfe bei „24“ und Drehbuchautor für das Prequel zu der im Januar in den USA startenden siebten „24“-Staffel:

It’s tricky doing 24 hours. If you don’t hit it exactly right, it’s not like any other show where you can write it off and say “that was just a mediocre episode,” it has such implications downstream, you have to be a lot ahead or just get really lucky.

Über Jack Bauer sagt Gordon:

Jack reboots every year, but I think the cumulative toll of all the things he’s lost and all the things he’s done, it’s a collective judgement. Obviously last year was a particularly cruel one for Jack in the media. Abu Ghraib, and the conceits into that conduct, have come home to roost on the show. So the show is viewed through a different lens now. So not only has Jack lost so much, but the world is a different place when the show first launched. It makes him a far more complex, darker character than when he first started.

Und im dritten Teil des Interviews redet er dann auch über die siebte Staffel, die in Washington, D. C. spielt und einen alten Bekannten als Bösewicht hat.

Die „New York Times Magazine“-Ausgabe über das Filmgeschäft ist draußen. Es gibt ein Interview mit David Lynch, Artikel über Sitcoms, Werbung in der Post-TV-Welt, über die überall flimmernden Bildschirme und zwölf Autoren, Regisseure und Blogger schreiben über die bewegensten Momente in der Welt der bewegten Bilder.

„Gran Torino“, das Drehbuch von Nick Schenk zu dem neuen Clint-Eastwood-Film gibt es demnächst hier. Der Film erzählt anscheinend von einem Koreakriegsveteranen, der einen Nachbarjungen, der seinen 1972er Gran Torino klauen wollte, bessern möchte. Der Trailer sieht dagegen nach Dirty Harry in der Vorstadt aus. Mit Clint Eastwood als Regisseur und Hauptdarsteller dürfte es trotzdem ein guter Film sein.

Crimespree Cinema meldet, dass Casey Affleck (zuletzt die Lehane-Verfilmung „Gone, Baby, Gone“) die Hauptrolle in der Jim-Thompson-Verfilmung „The Killer inside me“ (Der Mörder in mir, 1952) spielt. Jessica Alba spielt auch mit. Robert Weinback und John Curran haben das Drehbuch geschrieben. Der Regisseur ist noch nicht bekannt, aber Michael Winterbottom ist im Gespräch. In wenigen Wochen soll der Dreh beginnen. Oh my Gore sagt, dass Andrew Dominik, Curran und Winterbottom die letzte Drehbuchfassung geschrieben hätten und dass auch Elias Koteas mitspielt. Aber auch Oh my Gore sagt nicht, ob der Film in den Fünfzigern spielt (unwahrscheinlich) oder die Geschichte in die Gegenwart (aus Budgetgründen wahrscheinlich) verlegt wurde.

„The Killer inside me“ ist eines von Jim Thompsons besten und wichtigsten Büchern. In ihm erzählt der nette Sheriff Lou Ford, wie er einige Menschen umbringt. Das war damals natürlich ziemlich schockierend. Ich bin jedenfalls skeptisch gespannt auf den Film.

Krimi-Kritiker Dick Adler hat nach seiner Liste der zehn besten Krimis des Jahres 2008 (unter anderem Michael Koryta: Envy the night, Tom Rob Smith: Child 44, Stieg Larssen: The Girl with the dragon tattoo, Sean Chercover: Trigger City, C. J. Box: Blue Heaven [Stumme Zeugen]) eine Liste der Bücher vorgelegt, die es fast auf die erste Liste geschafft hätten (unter anderem Edward Wright: Damnation Falls, Christa Faust: Money Shot [Hardcore Angel], Marcus Sakey: Good People, Deon Meyer: Devil’s Peak, Don Winslow: The Dawn Patrol).

Die Mystery Writers of America (MWA) haben die Grandmaster 2009 (weil die MWA auf ihrer Homepage die Meldung noch nicht online hat) bekannt gegeben. Richtig, „die“. Denn die Ehrung wird vergeben an

Sue Grafton (deren Privatdetektivin Kinsey Millhone buchstabiert das ABC durch. In ihrer Heimat ist sie bereits beim T; in Deutschland beim R und, wenn ich mich nicht verzählt habe, sind derzeit nur vier Romane erhältlich)

James Lee Burke (dessen Serienhelden Dave Robicheaux und Billy Bob Holland haben es mehr mit Louisiana (vor allem New Orleans und die nähere Umgebung), Texas und Montana (eher Gastspiele); auf Deutsch ist derzeit kein Buch von James Lee Burke erhältlich.)


TV-Tipp für den 24. November: Todsünde

November 24, 2008

ZDF, 20.15

Todsünde (D 2008, R.: Matti Geschonneck)

Drehbuch: Hannah Hollinger

LV: Friedrich Ani: Idylle der Hyänen, 2006

Kommissar Polonius Fischer und sein Team, die Sieben Apostel, suchen einen Frauenmörder.

Matti Geschonneck ist eigentlich ein Guter. Hanns Zischler dito. Also könnte die Ani-Verfilmung durchaus gelungen sein. Bei dem Buch hat mich der religiöse Schwurbel (ein Ex-Mönch, der Psalme rezitiert, über das Böse sinniert und bei der Polizei ist; ein Team, das sich die Sieben Apostel nennt) und die Ankündigung, dass Fischer sich nicht um die normalen Ermittlungsmethoden kümmere, abgestoßen.

Mit Hanns Zischler, Lisa Maria Potthoff, Matthias Brandt, Christoph Waltz, Sissy Höfferer

Hinweise

ZDF über „Todsünde“

Homepage von Friedrich Ani

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Wer lebt, stirbt“ (2007)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der verschwundene Gast“ (2008)


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