Die dunkle Seite von Edinburgh

guthrie-post-mortem

Wem Allan Guthries “Abschied ohne Küsse” zu düster war, der sollte um “Post Mortem” einen großen Bogen machen. In seinem für den Debüt-Dagger der britischen Autorenvereinigung Crime Writers’ Association nominiertem Werk bewegen sich im winterlichen Edingburgh einige mehr als halbseidene Charaktere auf eine tödliche Konfrontation, die kaum einer von ihnen überleben wird, zu. Es sind ein Gangstertrio, das bei seinen Postfilialen-Überfällen und Geiselnahmen mit beispielloser Brutalität vorgeht. Das Gleichgewicht innerhalb des Trios gerät außer Kontrolle, als Robin Greaves, der Kopf der Bande, von einem schmierigen Privatdetektiv erfährt, dass seine Frau ihn mit seinem Komplizen betrügt. Wie ihm der Detektiv das auf den ersten Seiten von „Post Mortem“ schonend beibringt, ist großes Theater. Die zweite Partei ist der Privatdetektiv und dessen Laufbursche, der einen Überfall des Trios beobachtet, und die mit diesem Wissen ihren Schnitt machen wollen. Als dritte Partei gesellt sich der Ex-Knacki und Geldeintreiber Pearce dazu. Als seine Mutter bei einem Überfall von Greaves erstochen wird, beginnt Pearce sie zu jagen und spätestens jetzt verläuft für keinen der Charaktere mehr etwas nach Plan; – falls er überhaupt jemals einen hatte.

Der Plot von „Post Mortem“ mit den parallel ablaufenden Geschichten ist nicht neu und in der Post-Tarantino-Euphorie der neunziger Jahre wurden solche Geschichten von dummen Gangstern, dem großen Ding, der eigenen Unfähigkeit und dem grandios-blutigem Scheitern von Plänen schon tausendmal, begleitet vom Gelächter des Publikums, erzählt.

Allan Guthries Debüt unterscheidet sich von diesen Werken vor allem durch seinen dreckig-ironiefreien Tonfall, der ihn für eine popkulturelle Verwertung sperrt. Er lässt seine grimmige Geschichte an zwei Tagen spielen. Er jongliert, ohne dabei ins Straucheln zu geraten, mit einem guten Dutzend verschiedener Charaktere und mehreren parallelen Handlungssträngen. Er erzählt die Geschichte lakonisch-knapp auf 280 Seiten in der deutschen Ausgabe; die Erstausgabe hat keine 200 Seiten.

In seinem zweiten Roman „Abschied ohne Küsse“, der wie „Post Mortem“ zuerst in den USA erschien und in seiner Heimatstadt Edinburgh spielt, erzählt Guthrie dann eine bittere Rachegeschichte, in der ein Vater den Tod seiner Tochter rächen will. Dieser verdient seine Brötchen als skrupelloser Schuldeneintreiber für den bereits in „Post Mortem“ auftauchenden Kredithai Cooper. Erzählerisch machte Allan Guthrie mit seinem zweiten Roman einen gewaltigen Schritt in die richtige Richtung. Denn während „Post Mortem“ zu sehr an der vorhersehbaren Geschichte und dem etwas übertriebenem Ende litt, erzählt Guthrie in „Abschied ohne Küsse“ ganz traditionell eine Geschichte mit einer gemeinen Pointe.

Sein auch von bekannten Autoren wie Ian Rankin, Ken Bruen, Jason Starr, Bill Pronzini und George Pelecanos gelobtes Debüt „Post Mortem“ ist dagegen vor allem die überzeugende Talentprobe eines neuen Noir-Autors. 2009 will der Rotbuch Verlag das dritte Buch von Guthrie „Hard Man“ auf Deutsch veröffentlichen.

Allan Guthrie: Post Mortem

(übersetzt von Gerold Hens)

Rotbuch Verlag, 2008

288 Seiten

16,90 Euro

Originalausgabe

Allan Guthrie: Two-Way Split

PointBlank, 2004

Hinweise

Homepage von Allan Guthrie

Meine Besprechung von Allan Guthries „Abschied ohne Küsse“ (Kiss Her Goodbye, 2005)

4 Responses to Die dunkle Seite von Edinburgh

  1. […] über das Buch beim Verlag. ++ Mehr über den Autor auf seiner Homepage. ++ Besprechungen in der Kriminalakte, auf der Krimi-Couch, in Wankos Blog und in der Ultimo. ++    Krimikiste #152 [8:38m]: […]

  2. […] Alan Guthrie: Post Mortem (Taschenbuch-Ausgabe – Cover sieht verdammt gut aus.) […]

  3. […] das Buch beim Verlag. ++ Mehr über den Autor auf seiner Homepage. ++ Besprechungen in der Kriminalakte, auf der Krimi-Couch, in Wankos Blog und in der Ultimo. […]

  4. […] Allan Guthrie: Post Mortem (Two-Way Split, 2004) […]

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