KrimiWelt-Bestenliste Februar 2009

Januar 31, 2009

Diesen Kriminalromanen wünschen die Juroren der KrimiWelt viele, viele Leser:

1 (1) John le Carré: Marionetten

2 (-) Matt Beynon Rees: Ein Grab in Gaza

3 (3) Kate Atkinson: Lebenslügen

4 (8) Pete Dexter: Paris Trout

5 (7) Stefan Kiesbye: Nebenan ein Mädchen

6 (5) Ian Rankin: Ein Rest von Schuld

7 (-) Christine Lehmann: Nachtkrater

8 (-) Åsa Larsson: Bis dein Zorn sich legt

9 (-) Richard Stark: Keiner rennt für immer

10 (-) Tom Rob Smith: Kolyma

In der Klammer ist die Platzierung des Vormonats.

Im Vergleich zur Jahresbestenliste mit zwei Frauen in der Februar-Bestenliste immerhin eine Steigerung um einhundert Prozent und fünfzig Prozent Neuzugänge. Le Carré, Dexter, Rankin und Stark sind natürlich absolut okay. Tom Rob Smith wird zwar in seiner Heimat abgefeiert, aber hier gibt’s bei Hammett einen ordentlichen Verriss. Matt Beynon Rees wird ebenfalls nicht so abgefeiert, wie es der zweite Platz vermuten lässt.

Advertisements

KrimiWelt-Jahresbestenliste 2008

Januar 31, 2009

Nach langen Diskussionen haben die KrimiWelt-Juroren aus den Krimis, die sie in den vergangenen zwölf Monaten auf ihrer monatlichen Bestenliste eine Jahresbestenliste herausgemendelt. Und die sieht so aus:

1 Richard Stark: Fragen Sie den Papagei

2 Martin Cruz Smith: Stalins Geist

3 Heinrich Steinfest: Mariaschwarz

4 Peter Temple: Shooting Star

5 Leonardo Padura: Der Nebel von gestern

6 Jerome Charyn: Citizen Sidel

7 Robert Littell: Die Söhne Abrahams

8 Tom Rob Smith: Kind 44

9 Jenny Siler: Portugiesische Eröffnung

10 Jean-François Vilar: Die Verschwundenen

Hm, nur ein Deutscher. Und nur eine Frau; wobei die „Portugiesische Eröffnung“ im Original unter einem männlichen Pseudonym erschien und daher auch gesagt werden kann, dass das eine reine Männerliste ist.


TV-Krimi-Buch-Tipps online

Januar 31, 2009

Bei den Alligatorpapieren sind die aktuellen und gewohnt bunten TV-Krimi-Buch-Tipps online. Hier gibt’s nur das Intro:

Neben der verzichtbaren Elmore-Leonard-Verfilmung „Be Cool“, der grottigen Richard-Stark-Verfilmung „Payback“ und dem überflüssigem „Psycho“-Remake läuft in den kommenden beiden Wochen auch Hitchcocks Original. Die weiteren sehenswerten Kriminalromanverfilmungen sind die Tatorte „Tod eines Mädchens“ (nach einem Drehbuch von Horst Bieber) und „Laura, mein Engel“ (nach einem Drehbuch von Richard Hey), Sidney Lumets Peter-Maas-Verfilmung „Serpico“, José Giovannis „Endstation Schafott“, Sean Penns Friedrich-Dürrematt-Verfilmung „Das Versprechen“, David Lynchs Barry-Gifford-Verfilmung „Wild at Heart“, Frank Darabonts Stephen-King-Verfilmung „Die Verurteilten“, Michael Ciminos Robert-Daley-Verfilmung „Im Jahr des Drachen“, Michael Manns Thomas-Harris-Verfilmung „Roter Drache“, Ron Sheltons James-Ellroy-Verfilmung „Dark Blue“ (Inspiration wäre wohl treffender.), Marc Rothemunds „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ (Fred Breinersdorfer schrieb das Drehbuch.) und die TV-Premiere „Familienaufstellung“ (nach einem Drehbuch von Thea Dorn und Seyran Ates).


TV-Tipp für den 31. Januar: Ein Abend für die legendären TV-Kommissare

Januar 31, 2009

NDR, 21.40

Ein Abend für die legendären TV-Kommissare

Ein Special, in dem Promis wie Fritz Wepper, Ulrike Folkerts, Miroslav Nemec, Hannelore Hoger, Dirk Bielefeldt (aka „Herr Holm“), Dieter Pfaff und Wolfgang Menge (Ah, endlich ein wirklich kompetenter Name. Menge war schon beim „Stahlnetz“ dabei.) Filmausschnitte mit unseren liebsten TV-Kommissaren kommentieren und ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern.

Ergänzend gibt es um 20.15 Uhr „Tatort: Tod eines Mädchens“ (ein Stoever-Brockmöller-Tatort nach einem Drehbuch von Horst Bieber), um 23.10 Uhr „Tatort: Jagdrevier“ (ein Finke-Klassiker von Wolfgang Petersen), um 00.45 Uhr „Stahlnetz: In jeder Stadt…“, um 02.05 Uhr „Schwarz Rot Gold: Im Sumpf“ (die letzte Folge der Serie) und um 03.35 Uhr „Stahlnetz: Bankraub in Köln“ (auch diese „Stahlnetz“-Folge wurde von Jürgen Roland nach einem Drehbuch von Wolfgang Menge inszeniert) .

Dranbleiben lohnt sich.


Alter Scheiß? Dan Kavanagh: Duffy

Januar 30, 2009

kavanagh-duffy

Duffy war mal Polizist. Sogar ein erfolgreicher bei der Sitte in West Central. Und ehrlich war er auch. Doch dann wurde er mit einem Neunzehnjährigem nackt erwischt. Es war eine Falle, aber diese Karriere war vorbei. Also wechselte Duffy den Beruf und wurde Privatdetektiv und Sicherheitsberater mit bescheidenen Umsätzen. Denn anstatt dem Klienten eine superteure Alarmanlage zu verkaufen und so ein florierendes Unternehmen aufzubauen, empfiehlt er ihnen lieber eine Sirenenattrappe und eine gute Versicherung. Auch jetzt herrscht in seiner Kasse mal wieder Ebbe.

Deshalb nimmt er den Auftrag des Spielzeugimporteurs Brian McKechnie an. Seine Frau Rosie wurde in ihrer noblen Vorstadtwohnung von zwei Männern überfallen, die sie auf Befehl ihres Bosses leicht mit einem Messer verletzten. McKechnie ruft die Polizei. Diese findet keine Spur und die Sache könnte irgendwann als „ungelöst“ ad acta gelegt werden.

Kurz darauf erhält McKechnie einen Anruf. Ein Erpresser will von ihm eine kleine Geldsumme. Die Polizei tut nichts. Erst als die Summe größer wird, nimmt die Polizei widerwillig die Anzeige auf. Aber sie findet nichts über den Erpresser heraus. McKechnie ist stinkig über die schlechte Arbeit der Polizei. Er engagiert Duffy und dieser findet bei der nächsten Geldübergabe heraus, dass die Polizei, entgegen ihres Versprechens, bei der Übergabe durch Abwesenheit glänzt. Duffy verfolgt den Boten des Erpressers in ein schmuddeliges Pornokino in Soho. Duffy ist wieder in seinem alten Revier und trifft auf den Gangsterboss Big Eddy, der seine Vergangenheit viel zu gut kennt.

Mit „Duffy“ erfand Dan Kavanagh (der unter seinem richtigen Namen Julian Barnes Mainstream-Romane schreibt) einen ungewöhnlichen Privatdetektiv. Denn Duffy ist ein hypochondrischer Bisexueller (Wir reden hier von 1980! Vor ihm gab es eigentlich nur Joseph Hansens Homosexuellen Dave Brandstetter.). Er verträgt keine lauten Geräusche. Er kann nirgends schlafen, wo es auch Uhren gibt (Wir reden von 1979.). Deshalb wandern sie zuerst in die Frischhaltebox und anschließend ins Badezimmer oder werden vors Fenster gehängt. Weitere Frischhalteboxen mit Lebensmitteln stapeln sich im Kühlschrank. Er sagt niemals ‚ja’, sondern ‚also gut’ oder „doch, doch’. Er hat eine angenehm illusionslose Einstellung zu seinem Beruf und dem Leben. Deshalb wird er, wie jeder gute literarische Detektiv, finanziell niemals auf einen grünen Zweig kommen. Aber im Gegensatz zu dem Marlowes, Hammers und Spensers spielt er für keine sich in Gefahr befindende Frau den rettenden Ritter. Am Ende seines ersten Auftritts ist Duffy nur noch damit beschäftigt, seine eigene Haut zu retten. Sein Auftraggeber McKechnie ist ihm da herzlich egal.

An „Duffy“ besticht der angenehm distanziert-ironische Tonfall von Dan Kavanagh, mit dem er seine Charaktere und Sohos Halbwelt beschreibt. Es sind die, besonders wenn sie gerade ein Verbrechen begehen, bemerkenswert gesitteten Verbrecher (die Einbrecher entschuldigen sich für die Unannehmlichkeiten; der Boss entschuldigt sich für das Fehlverhalten seiner Angestellten und legt wie ein biederer Beamter Akten über die in seinem Revier arbeitenden Polizisten an) und die Welt des käuflichen Sex und der Pornobranche in den späten Siebzigern in London, als AIDS noch unbekannt war. Duffy stolpert bei seinen Ermittlungen von einer Peepshow zur nächsten, von einem Pornokino zum nächsten und findet auch einige Pornomagazine. Das ist eine in Zeiten des Internets und des Heimkinos schon lange untergegangene Welt. Die Aufklärung der Erpressung ist dagegen, wie man schon nach dem Titel „Duffy“ vermuten kann, nebensächlich.

In den folgenden Jahren schrieb Kavanagh drei weitere Duffy-Romane, die auch eine Chronik Englands in den achtziger Jahren und literarische Spiele mit dem Genre sind. Danach hörte Kavanagh auf zu schreiben. Als Julian Barnes schrieb er eifrig weiter und bis heute verhallten die Bitten der Fans nach einem neuen Duffy-Abenteuer. Dabei wäre es sicher interessant (aber vielleicht auch enttäuschend) zu sehen, wie es einem dreißig Jahre älterem Duffy im heutigen London geht.

Bis dahin kann wieder Duffys erster, immer noch lesenswerter Auftritt gelesen werden. Er liest sich heute noch so vergnüglich, wie damals.

Dan Kavanagh: Duffy

(Neu übersetzt von Willi Winkler)

Ullstein, 2008

240 Seiten

8,95 Euro

Originalausgabe

Duffy

Jonathan Cape, London, 1980

Deutsche Erstveröffentlichung

Ullstein, 1981

(übersetzt von Bernd Jost)

Spätere deutsche Veröffentlichungen

Haffmans Verlag, 1988

Rowohlt Verlag, 2000

Süddeutsche Zeitung (Kriminalbibliothek Band 40), 2006

(immer übersetzt von Willi Winkler)

Anmerkung

Es ist unklar, ob die alte Haffmans-Übersetzung von Winkler genommen wurde oder ob Winkler diese überarbeitete oder sogar eine vollkommen neue anfertigte.

Duffys Ermittlungen

Duffy (Duffy, 1980)

Airportratten; Schieber-City (Fiddle city, 1981)

Grobes Foul; Abblocken (Putting the boot in, 1985)

Vor die Hunde gehen (Going to the dogs, 1987)

Hinweise

Homepage von Dan Kavanagh

Homepage von Julian Barnes (Duffys geistigem Vater)

Contemporary Writers über Julian Barnes

Thrilling Detective über Duffy


TV-Tipp für den 30. Januar: Training Day

Januar 30, 2009

RTL II, 22.15

Training Day (USA 2001, R.: Antoine Fuqua)

Drehbuch: David Ayer

Grandioser Copthriller mit Denzel Washington und Ethan Hawke.

Wiederholung: Samstag, 31. Januar, 00.35 Uhr (Taggenau! Bzw. direkt im Anschluss.)

Hinweis

Alle weiteren Fakten hier.


TV-Tipp für den 29. Januar: Wild at Heart

Januar 29, 2009

Arte, 21.00

Wild at Heart – Die Geschichte von Sailor und Lula (USA 1990, R.: David Lynch)

Drehbuch: David Lynch

LV: Barry Gifford: Wild at Heart: The Story of Sailor and Lula, 1984

Sailor und Lula flüchten vor einem Detektiv und einem Killer, die beide im Auftrag von Lulas durchgeknallter Mutter reinen Tisch machen sollen. Und dann treffen sie auf den Gangster Bobby Peru und dessen Komplizin Perdita Durango.

Lynchs wildes Roadmovie, ausgezeichnet mit der Goldenen Palme in Cannes, ist ein hemmungslos übertriebener Trip durch einen Alptraum namens Amerika. Ein Meisterwerk.

Barry Gifford schrieb später das Drehbuch für den Lynch-Film „Lost Highway”. Außerdem publizierte er neben seinen Romanen, wie „Perdita Durango“, lesenswerte Sachbücher, wie „Out of the past“ über den Film Noir.

Im Anschluss: „Es war einmal… Wild at Heart“ (F 2008, Doku über den Film)

Mit Nicolas Cage, Laura Dern, Diane Ladd, Willem Dafoe, Isabella Rossellini, Harry Dean Stanton, Crispin Glover

Wiederholung: Freitag, 6. Februar, 00.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage von Barry Gifford

Homepage von David Lynch

Deutsche David-Lynch-Seite

Wikipedia über David Lynch


%d Bloggern gefällt das: