KrimiWelt-Bestenliste Februar 2009

Januar 31, 2009

Diesen Kriminalromanen wünschen die Juroren der KrimiWelt viele, viele Leser:

1 (1) John le Carré: Marionetten

2 (-) Matt Beynon Rees: Ein Grab in Gaza

3 (3) Kate Atkinson: Lebenslügen

4 (8) Pete Dexter: Paris Trout

5 (7) Stefan Kiesbye: Nebenan ein Mädchen

6 (5) Ian Rankin: Ein Rest von Schuld

7 (-) Christine Lehmann: Nachtkrater

8 (-) Åsa Larsson: Bis dein Zorn sich legt

9 (-) Richard Stark: Keiner rennt für immer

10 (-) Tom Rob Smith: Kolyma

In der Klammer ist die Platzierung des Vormonats.

Im Vergleich zur Jahresbestenliste mit zwei Frauen in der Februar-Bestenliste immerhin eine Steigerung um einhundert Prozent und fünfzig Prozent Neuzugänge. Le Carré, Dexter, Rankin und Stark sind natürlich absolut okay. Tom Rob Smith wird zwar in seiner Heimat abgefeiert, aber hier gibt’s bei Hammett einen ordentlichen Verriss. Matt Beynon Rees wird ebenfalls nicht so abgefeiert, wie es der zweite Platz vermuten lässt.


KrimiWelt-Jahresbestenliste 2008

Januar 31, 2009

Nach langen Diskussionen haben die KrimiWelt-Juroren aus den Krimis, die sie in den vergangenen zwölf Monaten auf ihrer monatlichen Bestenliste eine Jahresbestenliste herausgemendelt. Und die sieht so aus:

1 Richard Stark: Fragen Sie den Papagei

2 Martin Cruz Smith: Stalins Geist

3 Heinrich Steinfest: Mariaschwarz

4 Peter Temple: Shooting Star

5 Leonardo Padura: Der Nebel von gestern

6 Jerome Charyn: Citizen Sidel

7 Robert Littell: Die Söhne Abrahams

8 Tom Rob Smith: Kind 44

9 Jenny Siler: Portugiesische Eröffnung

10 Jean-François Vilar: Die Verschwundenen

Hm, nur ein Deutscher. Und nur eine Frau; wobei die „Portugiesische Eröffnung“ im Original unter einem männlichen Pseudonym erschien und daher auch gesagt werden kann, dass das eine reine Männerliste ist.


TV-Krimi-Buch-Tipps online

Januar 31, 2009

Bei den Alligatorpapieren sind die aktuellen und gewohnt bunten TV-Krimi-Buch-Tipps online. Hier gibt’s nur das Intro:

Neben der verzichtbaren Elmore-Leonard-Verfilmung „Be Cool“, der grottigen Richard-Stark-Verfilmung „Payback“ und dem überflüssigem „Psycho“-Remake läuft in den kommenden beiden Wochen auch Hitchcocks Original. Die weiteren sehenswerten Kriminalromanverfilmungen sind die Tatorte „Tod eines Mädchens“ (nach einem Drehbuch von Horst Bieber) und „Laura, mein Engel“ (nach einem Drehbuch von Richard Hey), Sidney Lumets Peter-Maas-Verfilmung „Serpico“, José Giovannis „Endstation Schafott“, Sean Penns Friedrich-Dürrematt-Verfilmung „Das Versprechen“, David Lynchs Barry-Gifford-Verfilmung „Wild at Heart“, Frank Darabonts Stephen-King-Verfilmung „Die Verurteilten“, Michael Ciminos Robert-Daley-Verfilmung „Im Jahr des Drachen“, Michael Manns Thomas-Harris-Verfilmung „Roter Drache“, Ron Sheltons James-Ellroy-Verfilmung „Dark Blue“ (Inspiration wäre wohl treffender.), Marc Rothemunds „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ (Fred Breinersdorfer schrieb das Drehbuch.) und die TV-Premiere „Familienaufstellung“ (nach einem Drehbuch von Thea Dorn und Seyran Ates).


TV-Tipp für den 31. Januar: Ein Abend für die legendären TV-Kommissare

Januar 31, 2009

NDR, 21.40

Ein Abend für die legendären TV-Kommissare

Ein Special, in dem Promis wie Fritz Wepper, Ulrike Folkerts, Miroslav Nemec, Hannelore Hoger, Dirk Bielefeldt (aka „Herr Holm“), Dieter Pfaff und Wolfgang Menge (Ah, endlich ein wirklich kompetenter Name. Menge war schon beim „Stahlnetz“ dabei.) Filmausschnitte mit unseren liebsten TV-Kommissaren kommentieren und ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern.

Ergänzend gibt es um 20.15 Uhr „Tatort: Tod eines Mädchens“ (ein Stoever-Brockmöller-Tatort nach einem Drehbuch von Horst Bieber), um 23.10 Uhr „Tatort: Jagdrevier“ (ein Finke-Klassiker von Wolfgang Petersen), um 00.45 Uhr „Stahlnetz: In jeder Stadt…“, um 02.05 Uhr „Schwarz Rot Gold: Im Sumpf“ (die letzte Folge der Serie) und um 03.35 Uhr „Stahlnetz: Bankraub in Köln“ (auch diese „Stahlnetz“-Folge wurde von Jürgen Roland nach einem Drehbuch von Wolfgang Menge inszeniert) .

Dranbleiben lohnt sich.


Alter Scheiß? Dan Kavanagh: Duffy

Januar 30, 2009

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Duffy war mal Polizist. Sogar ein erfolgreicher bei der Sitte in West Central. Und ehrlich war er auch. Doch dann wurde er mit einem Neunzehnjährigem nackt erwischt. Es war eine Falle, aber diese Karriere war vorbei. Also wechselte Duffy den Beruf und wurde Privatdetektiv und Sicherheitsberater mit bescheidenen Umsätzen. Denn anstatt dem Klienten eine superteure Alarmanlage zu verkaufen und so ein florierendes Unternehmen aufzubauen, empfiehlt er ihnen lieber eine Sirenenattrappe und eine gute Versicherung. Auch jetzt herrscht in seiner Kasse mal wieder Ebbe.

Deshalb nimmt er den Auftrag des Spielzeugimporteurs Brian McKechnie an. Seine Frau Rosie wurde in ihrer noblen Vorstadtwohnung von zwei Männern überfallen, die sie auf Befehl ihres Bosses leicht mit einem Messer verletzten. McKechnie ruft die Polizei. Diese findet keine Spur und die Sache könnte irgendwann als „ungelöst“ ad acta gelegt werden.

Kurz darauf erhält McKechnie einen Anruf. Ein Erpresser will von ihm eine kleine Geldsumme. Die Polizei tut nichts. Erst als die Summe größer wird, nimmt die Polizei widerwillig die Anzeige auf. Aber sie findet nichts über den Erpresser heraus. McKechnie ist stinkig über die schlechte Arbeit der Polizei. Er engagiert Duffy und dieser findet bei der nächsten Geldübergabe heraus, dass die Polizei, entgegen ihres Versprechens, bei der Übergabe durch Abwesenheit glänzt. Duffy verfolgt den Boten des Erpressers in ein schmuddeliges Pornokino in Soho. Duffy ist wieder in seinem alten Revier und trifft auf den Gangsterboss Big Eddy, der seine Vergangenheit viel zu gut kennt.

Mit „Duffy“ erfand Dan Kavanagh (der unter seinem richtigen Namen Julian Barnes Mainstream-Romane schreibt) einen ungewöhnlichen Privatdetektiv. Denn Duffy ist ein hypochondrischer Bisexueller (Wir reden hier von 1980! Vor ihm gab es eigentlich nur Joseph Hansens Homosexuellen Dave Brandstetter.). Er verträgt keine lauten Geräusche. Er kann nirgends schlafen, wo es auch Uhren gibt (Wir reden von 1979.). Deshalb wandern sie zuerst in die Frischhaltebox und anschließend ins Badezimmer oder werden vors Fenster gehängt. Weitere Frischhalteboxen mit Lebensmitteln stapeln sich im Kühlschrank. Er sagt niemals ‚ja’, sondern ‚also gut’ oder „doch, doch’. Er hat eine angenehm illusionslose Einstellung zu seinem Beruf und dem Leben. Deshalb wird er, wie jeder gute literarische Detektiv, finanziell niemals auf einen grünen Zweig kommen. Aber im Gegensatz zu dem Marlowes, Hammers und Spensers spielt er für keine sich in Gefahr befindende Frau den rettenden Ritter. Am Ende seines ersten Auftritts ist Duffy nur noch damit beschäftigt, seine eigene Haut zu retten. Sein Auftraggeber McKechnie ist ihm da herzlich egal.

An „Duffy“ besticht der angenehm distanziert-ironische Tonfall von Dan Kavanagh, mit dem er seine Charaktere und Sohos Halbwelt beschreibt. Es sind die, besonders wenn sie gerade ein Verbrechen begehen, bemerkenswert gesitteten Verbrecher (die Einbrecher entschuldigen sich für die Unannehmlichkeiten; der Boss entschuldigt sich für das Fehlverhalten seiner Angestellten und legt wie ein biederer Beamter Akten über die in seinem Revier arbeitenden Polizisten an) und die Welt des käuflichen Sex und der Pornobranche in den späten Siebzigern in London, als AIDS noch unbekannt war. Duffy stolpert bei seinen Ermittlungen von einer Peepshow zur nächsten, von einem Pornokino zum nächsten und findet auch einige Pornomagazine. Das ist eine in Zeiten des Internets und des Heimkinos schon lange untergegangene Welt. Die Aufklärung der Erpressung ist dagegen, wie man schon nach dem Titel „Duffy“ vermuten kann, nebensächlich.

In den folgenden Jahren schrieb Kavanagh drei weitere Duffy-Romane, die auch eine Chronik Englands in den achtziger Jahren und literarische Spiele mit dem Genre sind. Danach hörte Kavanagh auf zu schreiben. Als Julian Barnes schrieb er eifrig weiter und bis heute verhallten die Bitten der Fans nach einem neuen Duffy-Abenteuer. Dabei wäre es sicher interessant (aber vielleicht auch enttäuschend) zu sehen, wie es einem dreißig Jahre älterem Duffy im heutigen London geht.

Bis dahin kann wieder Duffys erster, immer noch lesenswerter Auftritt gelesen werden. Er liest sich heute noch so vergnüglich, wie damals.

Dan Kavanagh: Duffy

(Neu übersetzt von Willi Winkler)

Ullstein, 2008

240 Seiten

8,95 Euro

Originalausgabe

Duffy

Jonathan Cape, London, 1980

Deutsche Erstveröffentlichung

Ullstein, 1981

(übersetzt von Bernd Jost)

Spätere deutsche Veröffentlichungen

Haffmans Verlag, 1988

Rowohlt Verlag, 2000

Süddeutsche Zeitung (Kriminalbibliothek Band 40), 2006

(immer übersetzt von Willi Winkler)

Anmerkung

Es ist unklar, ob die alte Haffmans-Übersetzung von Winkler genommen wurde oder ob Winkler diese überarbeitete oder sogar eine vollkommen neue anfertigte.

Duffys Ermittlungen

Duffy (Duffy, 1980)

Airportratten; Schieber-City (Fiddle city, 1981)

Grobes Foul; Abblocken (Putting the boot in, 1985)

Vor die Hunde gehen (Going to the dogs, 1987)

Hinweise

Homepage von Dan Kavanagh

Homepage von Julian Barnes (Duffys geistigem Vater)

Contemporary Writers über Julian Barnes

Thrilling Detective über Duffy


TV-Tipp für den 30. Januar: Training Day

Januar 30, 2009

RTL II, 22.15

Training Day (USA 2001, R.: Antoine Fuqua)

Drehbuch: David Ayer

Grandioser Copthriller mit Denzel Washington und Ethan Hawke.

Wiederholung: Samstag, 31. Januar, 00.35 Uhr (Taggenau! Bzw. direkt im Anschluss.)

Hinweis

Alle weiteren Fakten hier.


TV-Tipp für den 29. Januar: Wild at Heart

Januar 29, 2009

Arte, 21.00

Wild at Heart – Die Geschichte von Sailor und Lula (USA 1990, R.: David Lynch)

Drehbuch: David Lynch

LV: Barry Gifford: Wild at Heart: The Story of Sailor and Lula, 1984

Sailor und Lula flüchten vor einem Detektiv und einem Killer, die beide im Auftrag von Lulas durchgeknallter Mutter reinen Tisch machen sollen. Und dann treffen sie auf den Gangster Bobby Peru und dessen Komplizin Perdita Durango.

Lynchs wildes Roadmovie, ausgezeichnet mit der Goldenen Palme in Cannes, ist ein hemmungslos übertriebener Trip durch einen Alptraum namens Amerika. Ein Meisterwerk.

Barry Gifford schrieb später das Drehbuch für den Lynch-Film „Lost Highway”. Außerdem publizierte er neben seinen Romanen, wie „Perdita Durango“, lesenswerte Sachbücher, wie „Out of the past“ über den Film Noir.

Im Anschluss: „Es war einmal… Wild at Heart“ (F 2008, Doku über den Film)

Mit Nicolas Cage, Laura Dern, Diane Ladd, Willem Dafoe, Isabella Rossellini, Harry Dean Stanton, Crispin Glover

Wiederholung: Freitag, 6. Februar, 00.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage von Barry Gifford

Homepage von David Lynch

Deutsche David-Lynch-Seite

Wikipedia über David Lynch


R. i. P. John Updike

Januar 28, 2009

R. i. P.: John Updike (18. März 1932 – 27. Januar 2008)

John Updike war kein Krimiautor, aber einer der großen Erzähler des zwanzigsten Jahrhunderts. Mit seinen fünf „Rabbit“-Romanen schrieb er eine präzise Chronik des mittelständischen Amerikas zwischen 1960 und 2002.  „Die Hexen von Eastwick“ wurde mit Jack Nicholson, Michelle Pfeiffer, Susan Sarandon und Cher verfilmt. Sein vorletzter Roman war 2006 „Terrorist“ über einen arabischen Attentäter im heutigen Amerika. Sein letzter Roman „The Widows of Eastwick“, eine Fortsetzung der „Hexen von Eastwick“, erschien 2008 und soll im Juli als „Die Witwen von Eastwick“ auf Deutsch bei Rowohlt erscheinen.

Er war der klügste, versierteste Schilderer jener amerikanischen Mittelklasse, die wir, lange bevor wir sie in den USA besuchen konnten, bereits von den Reklameseiten in der Zeitschrift Life kannten.

Er hatte die Welt beschrieben, wie sie ist, und er bekam dennoch den Applaus dieser Welt. (Arno Widmann, FR)

Updike erlag, wie sein Verleger Alfred A. Knopf mitteilte, einem Lungenkrebsleiden.

Die dpa-Meldung über Updikes Tod gibt es im Tagesspiegel. Nachrufe gibt es in der New York Times (ap), Huffington Post, Süddeutsche Zeitung (allgemeiner Nachruf), Nachruf von Willi Winkler in der SZ, Frankfurter Rundschau (Arno Widmann) und Frankfurter Allgemeine Zeitung (Patrick Bahners).


TV-Tipp für den 28. Januar: Mogadischu (Dokumentation)

Januar 28, 2009

Arte, 21.00

Mogadischu (D 2008, R.: Maurice Philip Remy)

Drehbuch: Maurice Philip Remy

Irgendwie klingt das schon fast nach Drittverwertung: Nach dem überzeugendem Doku-Drama „Mogadischu“ (Remy schrieb das Drehbuch) und der 45-minütigen Doku (ebenfalls von Remy) gibt es heute eine spielfilmlange Doku, in der auch geschnittene Szenen aus dem Spielfilm gezeigt werden.

Aber bei Arte ist es natürlich nicht so einfach:

„Autor des Fernsehfilmdrehbuchs und des Dokumentarfilms ist Maurice Philip Remy. Mit ihm wagte ARTE nun ein ungewöhnliches Experiment. Auf der Basis von über 100 Stunden gedrehtem Filmmaterial für „Mogadischu“ … sowie der in jahrelanger Arbeit zusammengetragenen Materialien für den Dokumentarfilm erarbeitete Remy für ARTE ein Doku-Drama.

„Das sind einfach traumhafte Voraussetzungen“, so Remy, „die Outtakes aus einer Sechs-Millionen-Produktion für ein Doku-Drama verwenden zu können. Wir zeigen keine Dialoge und haben vor allem distanzierte Szenen ausgewählt; aber selbst das ist einfach unglaublich packend und authentisch!“

Zu sehen sind auch zahlreiche Szenen, die im Fernsehfilm nicht gezeigt werden. Außerdem Filmaufnahmen und Interviews, die in der kurzen Dokumentation keinen Platz gefunden haben. Einige der Gesprächspartner haben zum ersten Mal vor einer Kamera über die dramatischen Ereignisse vom Oktober 1977 gesprochen, so die Chefstewardess Hannelore Brauchart oder die Witwe von Flugkapitän Jürgen Schumann, der sich in Aden für seine Passagiere geopfert hat. Außerdem kommen weitere Geiseln zu Wort, Politiker des Bonner Krisenstabs, Vertreter des Auswärtigen Amtes und der Kommandeur der GSG 9, General Ulrich Wegener.“ (Arte)

Der Filmfan wünscht sich jetzt eine DVD mit dem Spielfilm und Remys kurzer und langer Dokumentation. Denn die derzeit erhältliche Spielfilm-DVD „Mogadischu“ hat als Bonusmaterial nur ein kurzes Making-of und das ist kein Grund, die DVD zu kaufen.

Wiederholungen
Samstag, 31. Januar, 14.00 Uhr

Dienstag, 10. Februar, 01.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Arte zu „Mogadischu“

Meine Besprechung von Timo Kortners „Mogadischu – Das Entführungsdrama der Landshut“ (2008, Buch zum Film)


Cover der Woche

Januar 27, 2009

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TV-Tipp für den 27. Januar: Sein oder Nichtsein

Januar 27, 2009

RBB, 23.35

Sein oder Nichtsein (USA 1942, R.: Ernst Lubitsch)

Drehbuch: Edwin Justus Mayer (nach einer Geschichte von Ernst Lubitsch und Melchior Lengyel)

Polen 1939: eine drittklassige Theatergruppe voller engagiert sich nach dem Einmarsch Hitlers mehr schlecht als recht gegen die Nazis.

In den USA war der Film ein Flop und auch den Kritikern gefiel er nicht. In Deutschland war zum Kinostart 1960 das Echo wesentlich positiver und heute ist „Sein oder Nichtsein“ ein Klassiker.

„Eine der größten und kühnsten Satiren der Filmgeschichte überhaupt, weil sie die furchtbarsten Schergen des 20. Jahrhunderts in der ganzen Lächerlichkeit ihres Apparats und ihrer Selbstdarstellung bloßstellt, ohne ihre Schrecken zu leugnen.“ (Susanne Weingarten in Alfred Holighaus, Hrsg.: Der Filmkanon)

Unter den zahlreichen ernsten Filmen, wie „Leo und Claire“ und „Der neunte Tag“, zum heutigen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus ist „Sein oder Nichtsein“ das witzige, nicht minder aufklärerische Gegenmittel. Der You-tube-Clip zeigt die ersten Minuten des Films in der deutschen Version.

Mit Carole Lombard, Jack Benny, Robert Stack, Felix Bressart, Lionel Atwill, Stanley Ridges

Hinweise

The Cinema of Ernst Lubitsch

Wikipedia über Ernst Lubitsch

Deutsches Filminstitut über Ernst Lubitsch

TCM über „To be or not to be“


Dreimal spaßiges Mörderfangen mit Adrian Monk

Januar 26, 2009

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Er ist manisch. Panisch. Genial. Er sieht Kaffeeflecken auch ohne die Hilfsmittel eines gesamten CSI-Labors. Er lässt an einem Tatort die Autos neu einparken und er schlägt schon mal vor, die Leiche vom siebten in den sechsten oder achten Stock zu verlegen.

Er ist Adrian Monk. Ehemaliger Ermittler der Polizei von San Francisco und, seit dem bis jetzt nicht aufgeklärtem Tod seiner Frau Trudy, von der Arbeit freigestellt. Allerdings hilft er der Polizei bei besonders kniffeligen Fällen und seine Assistentin Natalie Teeger hilft ihm die größten Gefahren des Alltags, beginnend bei dem Schütteln von Händen (nur möglich mit anschließender Desinfektion), zu meistern. Die von Andy Breckman erfundene TV-Serie mit Tony Shalhoub ist seit Jahren auch bei uns ein Erfolg und die auf der Serie basierenden Romane von Lee Goldberg verkaufen sich wie geschnitten Brot. Dabei können die Monk-Romane auch sehr gut ohne die Serie bestehen und Goldberg kann sich in den Büchern Freiheiten erlauben, die das Budget einer Serienfolge sprengen würden. Denn nach dem Hawaii-Ausflug fliegt Monk in „Mr. Monk in Germany“ nach Deutschland und in „Mr. Monk und seine Assistentinnen“ kann er sich nicht zwischen seiner neuer Assistentin Natalie Teeger und seiner ersten Assistentin Sharona Fleming entscheiden.

Nachdem Natalies Tochter Julie bei einem Basketball-Spiel der Arm gebrochen wird (und Monk den Trainer der gegnerischen Mannschaft als Mörder überführt), treffen sie im Krankenhaus auf die dort arbeitende Sharona. Ihre Ehe ging wieder einmal in die Brüche, sie kehrte zurück an die Westküste und ihr Mann Trevor ist in Los Angeles als Mörder von Ellen Cole inhaftiert. Die Beweise sprechen gegen ihn und Monk ist aus durchaus eigennützigen Gründen nicht an Ermittlungen interessiert. Dennoch kann Natalie ihn aus ebenso eigennützigen Gründen überzeugen, den Fall zu übernehmen. Während der Ermittlungen trifft er auf den Bestsellerautor Ian Ludlow (ein Pseudonym von Lee Goldberg), der dem LAPD bei den Ermittlungen geholfen hat. Monk empfindet für den Konkurrenten und dessen formelhaften Krimis nur tiefste Verachtung.

Zurück in San Francisco stürzt Monk sich in einen anderen Fall. Am Strand wurde die Leiche eines nackten Mannes gefunden, der offensichtlich von einem Alligator ermordet wurde. Aber in San Francisco gibt es in freier Wildbahn keine Alligatoren. Lt. Randall Disher holt seinen Schreiblehrer Ian Ludlow als externen Berater. Monk ist über diese Konkurrenz in seinem Revier überhaupt nicht begeistert.

In „Mr. Monk und die Außerirdischen“ nimmt Lee Goldberg sich die zahlreichen Treffen von Serienfans vor, die dort verkleidet erscheinen und eine Serie kultisch verehren. Das bekannteste Beispiel dürfte „Raumschiff Enterprise“ sein. „Beyond Earth“ erinnert dagegen eher an „Kampfstern Galactica“. Es ist eine erfolglose Siebziger-Jahre-Kult-Science-Fiction-Serie, die treue Anhänger hat und demnächst als rundumerneuerte Serie ausgestrahlt werden soll. Die alten Fans sind stinkig über den Verrat am Original und dass ihr Guru Conrad Stipe, der Erfinder der Serie, das „Beyond Earth“-Erbe für einige Dollar an junge, gierige Hollywood-Produzenten verscheuert, die sich einen Dreck um das Original scheren.

Vor einer Fan-Convention wird Stipe erschossen. Der Mörder war als Mr. Snork verkleidet und tauchte im Gewühl der verkleideten Fans unter. Stottlemeyer bittet Monk, den Täter unter den Fans zu finden.

Als Monk die „Beyond Earth“-Fans zum ersten Mal sieht, möchte er die offensichtlich verrückten Besucher sofort alle verhaften. Denn sie laufen mit Elefantenrüsseln im Gesicht, Vierfach-Brüsten und angeklebten Schwänzen herum, verkaufen dreißig Jahre alte Frühstücksflocken und reden in der intergalaktischen Sprache Dratch.

Einen weiteren Schock erleidet Monk, als er erfährt, dass sein Bruder Ambrose (der niemals sein Haus verlässt) mehrere „Beyond Earth“-Bücher geschrieben hat und bei den Fans ein geachteter Experte ist. Er entdeckt auf dem Überwachungsvideo, dass der Mörder kein „Beyond Earth“-Fan ist, weil er Kostümteile aus verschiedenen Staffeln trug.

Das interessante Buch ist für uns Deutsche natürlich „Mr. Monk in Germany“. In den vergangenen Jahren war Lee Goldberg öfters in Deutschland. Vor allem mit „Action Concept“ (Alarm für Cobra 11) entwickelte er Projekte. Er gab mehrere Seminare und schrieb den okayen „Action Concept“-Film „Fast Track, No Limits“ (Arbeitstitel war wahrscheinlich „The Fast and the Furious – Berlin Drift“). Dafür war er öfters in Lohr und Berlin.

Monks Psychiater Dr. Charles Kroger nimmt im beschaulichen Lohr an einer Konferenz teil. Monk kann allerdings ohne seine regelmäßigen Sitzungen bei Dr. Kroger nicht leben. Er verfolgt ihn nach Deutschland. Natalie, die sich für Monks von Dr. Kroger initiierten Hawaii-Ausflug rächen will, nutzt die Gelegenheit für einen ungeplanten Urlaub.

Während sie Lohr für eine Märchenstadt hält, ist es für Monk die Hölle. Es ist alles krumm und schief. Überall ist Natur. Die Häuser wurden vor Jahrhunderten aus Holz und Lehm gebaut. Die Kinder erpressen Schutzgeld. Kurz: Unordnung und Bakterien überall.

Da trifft es sich gut, dass Monk auf dem Marktplatz einen Mann mit sechs Fingern entdeckt. Der Mörder seiner Frau Trudy hat auch sechs Finger. Auf der Konferenz trifft er den Sechfingrigen wieder. Es ist Dr. Martin Rahmer, der Leiter der Konferenz.

Außerdem entdeckt Monk, dass ein Selbstmord in einem Mehrfamilienhaus ein gut getarnter Mord an einem Enthüllungsjournalisten war. Er will den Mörder finden.

Während seiner Ermittlungen muss Monk einen Abstecher nach Berlin machen. Er hält – zur Überraschung für alle Berliner, die mal wieder in einen Haufen Hundescheiße getreten sind – die Hauptstadt für perfekt.

„Wir haben das Paradies gefunden“, seufzte er glücklich.

„Diese Bauten haben überhaupt keinen Charakter oder irgendwelchen Charme“, widersprach ich. „Sie sind rein funktional.“

„Sie sagen das, als ob es etwas Schlechtes wäre“, erwiderte Monk. „Alle Gebäude passen perfekt zusammen.“

„Das ist ja das Problem“, widersprach ich. „Mann kann ja kaum eins vom anderen unterscheiden.“

„So sollten alle Städte aussehen“, meinte Monk.

„Und wo bleibt die Individualität?“

„Ich bin ein großer Freund der Individualität, solange sie nicht irgendwie hervorsticht“, erklärte er.

Auch mit den, in der Chronologie, gut geplotteten Monk-Büchern vier, fünf und sechs hält Lee Goldberg das Niveau der vorherigen Bände. Einerseits verkürzen sie für die Fans der Serie das Warten auf neue Folgen, andererseits können sie auch gut als witzige Privatdetektivromane bestehen. Denn auch wenn Monks Verhalten immer seltsamer wird (Teilweise ist es sogar ein Rätsel, wie er überhaupt vor die Tür gehen kann, wenn er nicht durch eine Drehtür gehen kann, auf Pflastersteinen einen Veitstanz aufführt oder wegen einer verlorenen Socke die Polizei alarmiert.), steht er natürlich in der Tradition der großen literarischen Detektive von Sherlock Holmes über Hercule Poirot hin zur, hm, Parodie Nero Wolfe (um nur einige bekannte Namen zu nennen). Seine Gehilfin Natalie Teeger reportiert schnoddrig die Fälle und die beiden Polizisten Captain Leland Stottlemeyer und Lt. Randall Disher halten loyal zu ihrem bestem Aufklärer, der viele Fälle bereits während der Besichtigung des Tatortes löst. Denn obwohl für sie die Lösung überraschend ist, ist sie für Adrian Monk von Anfang an offensichtlich.

Neben den Fällen und den Witzen beschäftigt Goldberg sich auch immer mit ernsteren Themen, wie Verantwortung, Zugehörigkeit zu Gruppen (besonders in „Mr. Monk und die Außerirdischen“) und dem Umgang mit missgestalteten Personen (in „Mr. Monk in Germany“).

Lee Goldberg: Mr. Monk und seine Assistentinnen

(übersetzt von Caspar D. Friedrich)

Panini Books, 2008

336 Seiten

9,95 Euro

Originalausgabe

Mr. Monk and the two Assistants

Obsidian 2008

288 Seiten

Lee Goldberg: Mr. Monk und die Außerirdischen

(übersetzt von Caspar D. Friedrich)

Panini Books, 2008

336 Seiten

9,95 Euro

Originalausgabe

Mr. Monk in outer space

Obsidian, 2008

304 Seiten

Lee Goldberg: Mr. Monk in Germany

(übersetzt von Caspar D. Friedrich)

Panini Books, 2008

336 Seiten

9,95 Euro

Originalausgabe

Mr. Monk goes to Germany

Obsidian, 2008

288 Seiten

Anmerkungen

Die deutschen Namen in „Mr. Monk in Germany“, wie Stoffmacher, Geschier und Schust, sind störend undeutsch.

Selbstverständlich schreibt Goldberg im Original nicht „seufzte glücklich“, „widersprach“, „meinte“, sondern immer nur „said“, „said“, „said“.

Hinweise

Homepage von Lee Goldberg

USA Network über „Monk“

Thrilling Detective über Adrian Monk

Meine Besprechung von Lee Goldbergs „Mr. Monk und die Feuerwehr“ (Mr. Monk goes to the Firehouse, 2006)

Meine Besprechung von Lee Goldbergs “Mr. Monk besucht Hawaii“ (Mr. Monk goes to Hawaii, 2006)

Meine Besprechung von Lee Goldbergs “Mr. Monk und die Montagsgrippe“ (Mr. Monk and the Blue Flu, 2007)


TV-Tipp für den 26. Januar: Nachtschicht: Blutige Stadt

Januar 26, 2009

ZDF, 20.15

Nachtschicht: Blutige Stadt (D 2009, R.: Lars Becker)

Drehbuch: Lars Becker

In ihrem sechsten Einsatz jagt das Team des KDD (Kriminaldauerdienst, oder die Nachtschicht der Hamburger Polizei) einen Killer, der sich „Q“ nennt und als erstes einen türkischen Reiseunternehmer hinrichtet. Die Spur führt zum Revierleiter Neumann.

„Nachtschicht“ ist eine der wenigen Serien, für die sich die TV-Gebühren lohnen.

Mit Armin Rohde, Barbara Auer, Minh-Khai Phan-Thi, Uwe Kockisch, Maja Maranow, Sibel Kekilli, Pierre Semmler, Simon Schwarz

Hinweise

ZDF über „Nachtschicht“

Tagesspiegel über „Nachtschicht: Blutige Stadt“

taz über „Nachtschicht: Blutige Stadt“


Sonntägliche Gedankensplitter: U und E, Elephant, Razzies und Frederik Pohl

Januar 25, 2009

Nachdem alle über Suhrkamp, unterhaltende und ernste Literatur und literarische Krimis reden, gibt’s hier einige unsortierte Anmerkungen:

Die Unterscheidung zwischen U und E halte ich für Quatsch, weil sie analytisch nichts bringt. Denn die Unterscheidung müsste dann an der Grenze verlaufen ob ein Buch unterhält oder nicht unterhält. Die zweite Unterscheidungsmöglichkeit wäre zwischen „ernst“ und „nicht ernst“ (also witzig).

Ich denke allerdings, dass kein E-Autor sagt: „Ich will meine Leser nicht unterhalten. Sie sollen sich langweilen. Sie dürfen nicht lachen. Das Lesen muss für sie Arbeit sein. Eine Qual. Wie auch das Schreiben für mich eine Qual war.“

Oder dass ein Kritiker sagt: „Das Lesen war anstrengend. Ich musste mich durch das Buch quälen. Also ist es gute hohe Literatur.“

Sinnvoller ist die englische Unterscheidung zwischen Genre- und Mainstreamliteratur. Dabei muss die Genreliteratur bestimmte Regeln und Anforderungen erfüllen, die die Mainstreamliteratur nicht erfüllen muss. In einem Krimi muss ein Verbrechen vorkommen. In einem Western Pferde und Cowboys. Ein Science-Fiction-Roman muss in der Zukunft spielen. Ein Fantasy-Roman – nun, ich glaube Sie verstehen es. (Ausnahmen bestätigen die Regel).

„Literarischer Krimi“ übersetze ich spontan als „Krimi, der keiner ist, langweilt und das Genre nicht ernst nimmt“.

Wenn ich „mehr als ein Krimi“ lese, gehen bei mir ebenfalls die roten Lichter an. In jedem Fall bedeutet es zuerst einmal „Finger weg!“.

Die Suhrkamp-Kultur (Wurde der Begriff nicht von Henscheid und der Neuen Frankfurter Schule geprägt?) assoziiere ich vor allem mit den wissenschaftlichen Büchern und dem wunderschön einheitlichen Layout.

Die Romane waren dagegen, jedenfalls soweit meine Erinnerung reicht, immer schon ein Mix aus der E-Literatur in all ihren Schattierungen (wie Martin Walser, Thomas Bernhard, Max Frisch, Hermann Hesse, Bodo Kirchhoff, Raymond Queneau und Flann O’Brien.) und U-Literatur. Ich sage nur Isabel Allende (Das Geisterhaus). Zur Verfilmung gab’s dann auch den aus anderen Verlagen bekannten Schnickschnack.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Verlagen hat Suhrkamp über Jahrzehnte ein Image aufgebaut, es gepflegt und viele Werke über eine sehr lange Zeit verfügbar gehalten. Spontan fällt mir nur noch Diogenes ein.

Und nun zu etwas anderem:

Gestern habe ich (endlich) den 2003 mit der Goldenen Palme ausgezeichneten Film „Elephant“ von Gus Van Sant gesehen. „Elephant“ ist Van Sants meditative Beschäftigung mit dem Amoklauf von zwei Schülern in der Columbine High School. In langen Einstellungen verfolgt er einige Schüler durch die Gänge der Schule und zeigt sie bei alltäglichen Beschäftigungen. Dazu gibt es das übliche Teenager-Geplapper und meditative Musik. Als Musikfilm entfaltet „Elephant“ daher einen ganz eigenen Sog. Als Spielfilm – nun, einen normalen Spielfilm wollte Gus Van Sant sowieso nicht drehen. Das Dokumentarische in den unverbrauchten Gesichtern der Jugendlichen und dem Schulgebäude ist als Blick in eine für uns fremde Welt dank der langsam durch die Schule gleitenden Kamera und der Musik sehenswert.

Sehr interessant fand ich die Film-Besprechung von Robin Detje in der „Zeit“:

„Elephant“ bestätigt einige Grundregeln des Erzählkinos, die bei klugen Menschen aus guten Gründen unbeliebt sind: Mit den Herzen der Zuschauer spielt man nicht. Man versäumt nicht ungestraft, eine moralische Haltung zu seinen Figuren und ihren Handlungen einzunehmen. Das Leben wird nicht wahrhaftiger abgebildet, wenn man es ungestaltet und undramatisch abbildet. Was man dabei erhält, ist nicht die bessere Kunst im Dienste eines wirklicheren Lebens, sondern eine undramatische Abbildung.

Man liebt solche Handwerkerregeln als kluger Mensch nicht. Man glaubt schließlich, dass die Gefühlsverkäufer der Kulturindustrie ihr Geld meist damit verdienen, auf unserem Einfühlungsvermögen Klavier zu spielen und uns die Taschentüchlein in die feuchten Händchen zu zaubern. Und dass man sich dagegen wehren muss. Kontrollverlust kann schließlich nicht gut sein! So zieht man sich wie Gus van Sant zurück ins Trotzkämmerlein der „Avantgarde“.

Und nun zu etwas vollkommen anderem:

Die Razzie-Nominierungen sind draußen. Unser Mann für Hollywood, der Uwe Boll, ist auch dabei. Mehrmals. Aber auch die anderen haben sich ihre Nominierungen redlich verdient.

Und nun zu vollkommen vollkommen anderem:

Frederik Pohl bloggt!

Pohl ist der Vater (Oder Großvater? Immerhin ist er Jahrgang 1919.) des intelligenten, satirischen S-F-Romans. Er wurde mehrfach mit dem Hugo- und Nebula-Award ausgezeichnet.

„Pohl ist seit über 50 Jahren einer der bedeutendsten SF-Autoren und passt Stil und Themen der jeweiligen Zeit an.“ (David Pringle: Das ultimative Science-Fiction-Lexikon, 1996)

Meine erste Begegnung mit Pohls Werk war „Der lautlose Krieg“ (The cool war, 1979); eine brüllend komische Satire über die 2020 an Energienot leitende Welt und einem Reverend der Unitarier-Kirche, der plötzlich im Fadenkreuz von Geheimdiensten und Untergrundorganisationen steht und mit einer wichtigen Mission, von der er nichts versteht, betraut wird.

Alles weitere über Frederik Pohl könnt ihr auf seiner Homepage, Wikipedia, Phantastik-Couch, und, für den schnellen Überblick über sein umfangreiches Werk, Fantastic Fiction nachlesen.

(Dank an James Reasoner für den Hinweis.)


TV-Tipp für den 25. Januar: Mord im Orient-Express

Januar 25, 2009

Das Vierte, 20.15

Mord im Orient-Express (GB 1974, Regie: Sidney Lumet)

Drehbuch: Paul Dehn

LV: Agatha Christie: Murder on the Orient Express, 1934

Millionär Ratchett wird im Orient-Express ermordet. Der Zug bleibt im Schnee stecken und der Mörder muss noch im Zug sein. Hercule Poirot befragt die Passagiere.

Starbesetzer Edelkrimi mit Albert Finney (als Hercule Poirot), Lauren Bacall, Martin Balsam, Ingrid Bergman, Jacqueline Bisset, Jean-Pierre Cassel, Sean Connery, Sir John Gielgud, Anthony Perkins, Vanessa Redgrave, Michael York, Richard Widmark (als Leiche). Wolf Donner meinte: „Kulinarisches Kino, angenehm überflüssig und verwirrend nutzlos.“ (Donner in Die Zeit)

Hinweise

Homepage von Agatha Christie

Krimi-Couch über Agatha Christie

Wikipedia über Agatha Christie


TV-Tipp für den 24. Januar: Tatort: Finale am Rothenbaum

Januar 24, 2009

NDR, 20.15

Tatort: Finale am Rothenbaum (D 1991, R.: Dieter Kehler)

Drehbuch: Frank Göhre

Gangster entführen einen Tennis-Champion. Damit das Spiel weitergehen kann, müssen Stoever und Brockmöller ihn befreien.

Spannender (jedenfalls aus der Erinnerung an die Erstausstrahlung) und eher selten gezeigter Stoever-Tatort. Bei dem Tennis-Champion Andi Behrens denken wir natürlich immer noch sofort an Boris Becker.

Mit Manfred Krug, Charles Brauer, Christina Plate, Knut Hinz, Manfred Lehmann

Hinweise

Homepage von Frank Göhre

Meine Besprechung von Frank Göhres „Der letzte Freier“ (2006)

Meine Besprechung von Frank Göhres „Zappas letzter Hit“ (2006)

Meine Besprechung von Frank Göhres „St. Pauli Nacht“ (2007, überarbeitete Neuausgabe)

Meine Besprechung von Frank Göhres „MO – Der Lebensroman des Friedrich Glauser“ (2008)

Meine Besprechung von Frank Göhres „An einem heißen Sommertag“ (2008)


Ein anderer Blick auf Kinky Friedmans neuen Roman

Januar 23, 2009

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Als Leser verbringe ich einige Stunden mit einem Buch. Der Übersetzer verbringt einige Monate (in seltenen Fällen sogar einige Jahre) mit einem Buch. Das schärft den Blick für die Qualitäten und versteckten Fallen einer Geschichte. Gunnar Kwisinski, der Übersetzer des neuesten Kinky-Friedman-Romans „Der Gefangene der Vandam Street“, schrieb mir eine Mail zu meiner Besprechung des Romans, die ich euch nicht vorenthalten will. Denn die von ihm erwähnten Punkte eröffnen einen anderen Blick auf den Roman (und lassen mich über die Frage nachdenken, wie Serienhelden altern können):

Der Gefangene ist ein gutes Buch, sehr gut konstruiert und durchgearbeitet – aber natürlich anders als die frühen Kinkys.

Es geht um Alter, Krankheit, angewiesen sein auf andere. Und zwar von Anfang an. Schwerhörigkeit bei McGovern (die durch ein Hörgerät zu beheben wäre), Krankheit (natürlich kinkytypisch die erfundene, überzogene Malaria), Krankenhaus, Rollstuhl, Umgang mit Rollstuhlfahrern.

Dann in der Wohnung. Allein und auf andere angewiesen. Die alten Kumpel und Chaoten sind aber auch alt geworden, kriegen nicht mehr viel auf die Reihe, sind genervt voneinander und vertragen ihre Drogen auch nicht mehr so richtig. Was früher noch locker und witzig war, ist jetzt ein ziemliches Elend. Nach einer durchzechten Nacht sind die eben nicht mehr leicht verkatert, sondern sie liegen schlaff im Hauseingang rum. Und die Witze …(Katzenscheiße) sind auch nicht mehr so komisch wie früher, als alle mitgekifft haben.

Der Krimi: Der alte, kranke Kinky kann nicht raus. Die anderen glauben dem alten kranken Knacker nicht (der ja auch früher noch Drogen genommen hat). Die kleine Welt um ihn herum wird chaotisch und unangenehm, mit dem Fernglas ist auch nicht viel zu sehen. Kinky flüchtet sich in melancholische Erinnerungen an bessere Jugendtage mit Eltern, Kolibris, etc, und seine alte große Liebe.

Dann sieht er was. Sehr konsequent „Häusliche Gewalt“. Er will eingreifen, kann aber nicht. Er schickt andere, die können und oder wollen auch nicht mehr wie früher. Die Polizei ist von wirren Alten sowieso genervt, außerdem sei häusliche Gewalt alltäglich und ja nicht so schlimm. Dass gerade der hilflose auf Hilfe im Haus angewiesene Kinky sich mit häuslicher Gewalt beschäftigt ist auch nur folgerichtig.

Auch der Freund von außen (der noch nicht von dem älter werdenden Kinky genervt ist) reagiert nur für kurze Zeit wirklich wohlwollend. Irgendwann muss er auch wieder weg.

Am Ende kann unser Held das Opfer nicht retten, weil er nicht mehr die Kraft dazu hat. Und auch weil das Opfer ihn nicht ernst nimmt. Dem jungen, vor Energie sprühenden Kinky wäre das nicht passiert. So ist es nur folgerichtig. Erst Wochen (Monate?) später erkennt er, dass er tatsächlich recht hatte, aber auch da will es in der schnelllebigen, für junge Menschen gebaute Stadt keiner mehr wissen.

So, und wenn man das vor der Folie der alten Kinkys liest, ist es ein längst nicht mehr so witziges Buch, das andere Themen als die frühen behandelt und einen ganz anderen Charakter hat, aber gewiss nicht schlecht ist. Kinky kämpft immer noch für Außenseiter – aber eben für andere.

Alle trauern den alten Kinky-Krimis nach, es wäre aber ja noch schöner, wenn Kinky sich nach 20 Jahren nicht verändert hätte. Das Alterswerk (sogar mit ironischem Metadiskurs, ob es denn „literarischer“ wäre – auch das gehört dazu), ist erst einmal anders. Und das müsstest du als Kritiker ernst nehmen. Wenn das dann erst einmal benannt ist – und der Roman nicht nur als schlecht und „früher war er besser“ tituliert wurde – kann man darüber sprechen, ob es wirklich gelungen ist (ich finde das schon) und was einem besser gefällt. Mein Hauptkritikpunkt wäre dann, dass man die alten Kinkys als Folie braucht, um diesen so richtig genießen zu können.Aber mit dieser Folie wird das Ganze dann auch wieder komisch.

Das Problem liegt aber immer noch darin, dass Kinkys Romane eben nicht wie Literatur oder „anspruchsvolle Krimis“ behandelt werden, sondern sich alle leichte, lockere Unterhaltung davon versprechen und sich ärgern, wenn diese Erwartungshaltung nicht erfüllt wird.


Meine Tops und Flops 2008

Januar 23, 2009

Sie wurden lange angekündigt und sind jetzt (wunderschön bebildert) online bei den Alligatorpapieren.

Und ich bereite schon die nächste Spurensuche vor. In ihr werden mehrere Sammlungen von Kurzgeschichten und Kurzromane (Novellen? Längere Kurzgeschichten? Hmhm.) vorgestellt.


TV-Tipp für den 23. Januar: Oliver Stone’s W

Januar 23, 2009

Pro 7, 22.25

Oliver Stone’s W (USA 2008, R.: Oliver Stone)

Drehbuch: Stanley Weiser

Biopic über den unbeliebten Amtsvorgänger von Barack Obama. Die meisten Kritiker waren nicht allzu begeistert vom neuesten Werk des filmischen Aufklärers Oliver Stone („Platoon“, „JFK“, „Nixon“, „Natural Born Killers“). Zu brav. Zu unwitzig. Zu staatstragend. Halt ziemlich genau das Gegenteil vom grandiosen Trailer (untermalt von den „Talking Heads“) und den Erwartungen des Publikums.

Aber in einigen Jahren wird der Kassenflop (in den USA ; bei uns dürfte er dagegen für lange Zeit den Rekord für die schnellste TV-Auswertung eines Spielfilms halten) als die offizielle Bush-Biographie durchgenudelt werden. Denn die Leistungen der Schauspieler werden allgemein gelobt und nette Biopics gehen im Puschenkino immer.

Mit Josh Brolin, Elizabeth Banks, James Cromwell, Ellen Burstyn, Richard Dreyfuss, Scott Glenn, Stacy Keach, Thandie Newton, Jeffrey Wright

Auch bekannt als “W. – Ein missverstandenes Leben” (DVD-Titel)

Wiederholung: Samstag, 24. Januar, 03.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „W.“

TimesOnline: Stanley Weiser über „W.“



Der etwas andere Psychologe: Eddie „Fitz“ Fitzgerald

Januar 22, 2009

„Cracker“, bei uns auch bekannt unter dem etwas dämlich-harmlosen Titel „Für alle Fälle Fitz“, ist einer der seltenen Glücksfälle der TV-Geschichte, die in England allerdings häufiger vorkommen als in Deutschland. Denn Anfang der neunziger Jahre gab ein Sender das Okay für eine damals bahnbrechende Serie, die auch heute – wie die jüngst erschienene „Für alle Fälle Fitz“-Komplettbox zeigt – nichts von ihrer Faszination verloren hat. Bereits in den ersten Minuten, wenn Robbie Coltrane als Dr. Eddie „Fitz“ Fitzgerald verspätet (er musste noch die Rennergebnisse erfahren) eine improvisierte Vorlesung an der Uni hält, wird ein einmaliger Charakter präsentiert. Er brüllt die Namen der großen abendländischen Denker und schleudert deren Werke in den Hörsaal. Danach fordert er die verblüfften Studierenden zum selber Denken auf und verlässt den Saal.

Entweder schaltet man danach ab, oder man will mehr über diesen Charakter erfahren, dessen Privatleben ein einziges Chaos ist. Er ist ein Trinker, Spieler und Choleriker. Seine Ehe ist in den ersten „Cracker“-Folgen schon in – höflich formuliert – ernsten Schwierigkeiten und es wird noch schlimmer. Aber er ist auch ein ausgezeichneter Psychologe, der gnadenlos in den Wunden seiner Gegner herumbohrt.

Diese Verhöre, in denen Fitz eine unangenehme Wahrheit nach der nächsten ausposaunt, sind für die mit ihm im Raum Anwesenden die reinste Folter. Denn Fitz nimmt nicht nur den Verdächtigen gnadenlos in die Zange, sondern er benutzt auch die anwesenden Polizisten, indem er intime Details (meistens wahr, selten erfunden) über sie ausplaudert. Der Originaltitel „Cracker“ sagt alles über diese Verhöre, die dank der guten Dialoge von Jimmy McGovern (der Fitz erfand und die meisten Drehbücher schrieb) und den guten Schauspielern zu den Höhepunkten jeder Folgen gehören.

„„I smoke too much.“

Die erste Folge „Mord ohne Erinnerung“ etabliert das Polizeiteam und Fitz mit seinem chaotischen Privatleben. Der Fall ist noch ein Whodunit. In einem Zugabteil wird eine seiner Studentinnen bestialisch erstochen. Als in der Nähe der Bahngleise ein blutbesudelter Mann gefunden wird, der behauptet sein Gedächtnis verloren zu haben, beginnt Fitz ihn zu bearbeiten. Denn offensichtlich ist er der Täter und er simuliert seinen Gedächtnisverlust. In den späteren Folgen ist der Täter dann fast immer von Anfang an bekannt. Es werden die Irrwege der Polizei und die Verhöre von Fitz, in denen er sich an die Wahrheit herantastet, gezeigt. Außerdem wird die Dynamik innerhalb der ermittelnden Polizisten zunehmend wichtiger. Bereits in der zweiten Folge wird einer ihrer Kollegen ermordet.

Den ersten Höhepunkt erreichte der schonungslose Umgang mit den Darstellern in „Kalte Rache“. In dieser Folge beginnt der Arbeiter Albie Kinsella (Robert Carlyle), nach der Beerdigung seines Vaters, als ein pakistanischer Kaufmann auf die sofortige Zahlung des korrekten Preises besteht (letztendlich geht es um vier Shilling), mit einem Rachefeldzug. Er will sich nicht mehr wie Dreck behandeln lassen. Er ersticht den Pakistani.

Sein drittes Opfer ist DCI David Bilborough (Christopher Eccleston), der Teamleiter. In dem „Making of“ erzählt Jimmy McGovern wie es zu diesem Mord an einem der Hauptdarsteller kam. Eccleston fühlte sich nach den ersten drei Folgen als Schauspieler unterfordert. Deshalb wollte er aussteigen. McGovern erzählte ihm dann von dieser minutenlangen Szene: Er verfolgt den Mörder durch mehrere enge Gassen in dessen Wohnung, dort wird er von ihm erstochen und kriecht dann schwer verletzt durch einen scheinbar endlosen Flur auf eine menschenleere Gasse. Dabei berichtet er seinen Kollegen über sein Funkgerät, was er in den vergangenen Minuten über den Täter erfahren hat.

Eccleston kehrte zurück. Und, weil kein Zuschauer vorher wusste, dass Bilborough die Folge nicht überleben wird, waren sie ähnlich schockiert wie Fitz und seine Arbeitskollegen DS Jane ‚Panhandle‘ Penhaligon (Geraldine Somerville) und DS Jimmy Beck (Lorcan Cranitch). Denn, so das eherne Gesetz von TV-Serien, ein Hauptdarsteller stirbt nicht. Jedenfalls nicht so. Und nicht mitten in einer Folge.

In den nächsten Folgen rückten die Konflikte innerhalb des Teams immer mehr in den Mittelpunkt. Beck fühlte sich für den Tod von Bilborough verantwortlich. Er versucht mit seiner Schuld klarzukommen und wird zunehmend zu einem Problem. Penhaligon versucht ihre Beziehung zu Fitz auf die Reihe zu bekommen. Denn nachdem Judith Fitzgerald in der ersten Folge ihren Ehemann verließ, hatte sie Sex mit ihm. In „Männerphantasien“ wird sie während der Jagd nach einem Serienvergewaltiger selbst vergewaltigt. Sie glaubt, dass ihr Kollege Beck der Täter ist.

Bei diesen Spannungen innerhalb des Teams verläuft in „Kalte Rache“ der Übergang von Bilborough zu seinem Nachfolger DCI Charlie Wise (Ricky Tomlinson) reibungslos. In den späteren Folgen wird allerdings deutlich, dass Wise als Chef bei schwierigen Fällen überfordert ist.

„I drink too much.“

Auch in den Mordfällen stehen die zwischenmenschliche Dynamik, die Sehnsüchte, Ängste und seelischen Defekte der einzelnen Charaktere im Mittelpunkt. Die große Politik wird von Jimmy McGovern (und später Paul Abbott) nur selten, Organisierte Kriminalität und Wirtschaftskriminalität nie aufgegriffen. Denn dafür ist der Psychologe Fitz nicht zuständig. In „Mörderische Liebe“ beginnt ein junges Liebespaar eine Mordserie. Sie fühlt sich von der Gesellschaft ausgestoßen. Er ist ein Stotterer. In „Tod eines Knaben“ wird ein Lehrer verdächtigt, einen seiner Schüler umgebracht zu haben. Das Ende der Folge, wenn der Lehrer Fitz alles gesteht, ist schockierend.

In „Teuflische Verführung“ hat eine Teenagerin ein Liebesverhältnis mit dem von ihr bewunderten religiösen Vorsteher einer christlichen Sekte. Als sie der Öffentlichkeit sagen will, dass sie schwanger ist, beschließen die Gemeindoberen das Problem auf nicht gerade christliche Weise zu lösen. Diese Folge über religiösen Wahn (bei ihr) und Bigotterie (bei ihm) gehört zu den schwächeren Folgen.

In „Männerphantasien“ wird ein Serienvergewaltiger gesucht. In „Bruderliebe“ wird eine Prostituierte brutal ermordet. Ein Tatverdächtiger ist schnell gefunden. Aber während er inhaftiert ist, geschieht ein weiterer Mord. Fitz verdächtigt den Bruder des Tatverdächtigen: einen geachteten katholischen Priester. Die Gespräche zwischen den beiden über Schuld, Sühne und Verpflichtungen sind grandios. Es sind elaborierte Katz-und-Maus-Spiele, in denen jeder den anderen zu ungewollten Geständnissen bewegen will.


In „Racheengel“ steht die Liebe zwischen einem etwa Dreißigjährigen zu einem unbeherrschten Heim-Jugendlichen im Mittelpunkt. Ein gemeinsam verbrachter Abend in der Wohnung des Älteren führt zum Tod der Vermieterin.

Auch in „Liebesfalle“ geht es um Liebe. Dieses Mal ist eine Studentin in Fitz verliebt. Sie schreibt ihm verklausulierte Liebesbriefe, begeht Morde und dringt in das Leben von Fitz ein.

Die ersten neun Fälle wurden in England als jeweils etwa fünfzigminütige Zwei- und Dreiteiler ausgestrahlt. Dabei sind die hundertminütigen Fälle immer etwas zu kurz. 150 Minuten ist dagegen die ideale Länge für einen „Cracker“-Fall. Jimmy McGovern erzählt im „Making of“, dass er jedes seiner Drehbücher kürzen musste.

„Für alle Fälle Fitz“ erhielt zahlreiche Preise. Robbie Coltrane erhielt an drei aufeinander folgenden Jahren den BAFTA Award als bester Darsteller. Die Serie erhielt zweimal den BAFTA Award als beste Serie des Jahres. Im dritten Jahr wurde sie „nur“ nominiert. Die Drehbücher zu „Mörderische Liebe“ und „Bruderliebe“ von Jimmy McGovern erhielten einen Edgar.

„I gamble too much.“

Nach neun Fällen war dann Schluss. Fitz war, zum dritten Mal, glücklicher Vater. Judith lebte wieder bei ihm. Das Ermittlerteam aus „Mord ohne Erinnerung“ existierte nicht mehr. 1996 und 2006 folgten zwei weitere spielfilmlange, Edgar-nominierte Episoden.

In „Weiße Teufel“ bittet ihn die Polizei von Hongkong um Hilfe. Ein chinesischer Unternehmer wurde ermordet. In dieser Folge tritt, von der Stammbesetzung, nur DCI Wise auf. Die Hongkong-Polizistin Janet Lee Cheung nimmt die Rolle von DS Penhaligon ein und Fitz knackt einen weiteren Mörder. „Weiße Teufel“ ist dabei, in unbekanntem Gelände, ein wenig Dienst nach Vorschrift.

In „Nine Eleven“ kehrt Fitz zur Hochzeit seiner Tochter für einige Tage nach Manchester zurück. Schnell wird er in einen Mordfall (der für ihn auch die willkommene Gelegenheit ist, sich vor familiären Verpflichtungen zu drücken) verwickelt. Ein junger Amerikaner wurde nach einer Anti-Bush-Stand-up-Comedy ermordet. Kurz darauf wird ein zweiter US-Amerikaner ermordet.

„Nine Eleven“ verbindet durchaus gelungen den Antiterrorkrieg der USA mit dem Nordirlandkonflikt. Der Mörder Kenny Archer diente als Soldat in Nordirland. Er leidet immer noch an den seelischen Folgen seines Einsatzes, der inzwischen in der Öffentlichkeit nur noch als vernachlässigbares Scharmützel gesehen wird.

Im direkten Vergleich zu den ersten „Cracker“-Episoden sind „Weiße Teufel“ und „Nine Eleven“ ein insgesamt schwacher Nachschlag. Die Fälle sind auf dem Niveau der vorherigen Fälle. Aber in beiden Filmen fehlt die sich über mehrere Episoden entwickelnde Dynamik innerhalb des Teams. In „Weiße Teufel“ und „Nine Eleven“ sind die Ermittler weitgehend austauschbare Charaktere, die in ihren besten Momenten an das alte Ermittlerteam erinnern.

„I am too much.“

Die schön gestaltete Komplettbox der Serie „Für alle Fälle Fitz“ bietet fast 24 Stunden spannende Unterhaltung und sollte in keiner DVD-Krimisammlung fehlen. Denn im Fernsehen werden die einzelnen Folgen kaum gezeigt. Bei der letzten Ausstrahlung kürzte das ZDF die beiden gezeigten Folgen „Mord ohne Erinnerung“ und „Tod eines Knaben“ einfach um über zehn Minuten. Das Bonusmaterial ist kärglich, aber die britische Ausgabe hat noch weniger. Das „Making of“ anlässlich des Drehs von „Nine Eleven“ ist informativ. Der ZDF-Beitrag über die Synchronisation nett.

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Für alle Fälle Fitz – Die komplette Serie

Koch Media

FSK 16

Laufzeit: ca. 1409 Minuten

Bildformat: 1.66:1 (4:3)/1.78:1 (16:9)

Tonformat: Dolby Digital 2.0

Sprachen: Deutsche, Englisch

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial
ZDF-Beitrag über die Synchronarbeiten (8 Minuten)

Making of (47 Minuten mit Untertitel)

Hauptdarsteller

Robbie Coltrane (Dr. Eddie ‚Fitz‘ Fitzgerald)

Barbara Flynn (Judith Fitzgerald)

Kieran O’Brien (Mark Fitzgerald)

Tess Thomson (Katie Fitzgerald)

Christopher Eccleston (DCI David Bilborough)

Geraldine Somerville (DS Jane ‚Panhandle‘ Penhaligon)

Lorcan Cranitch (DS Jimmy Beck)

Ricky Tomlinson (DCI Charlie Wise)

Edward Peel (Chief Super)

Wil Johnson (D.C. Skelton)

Die Fälle von Eddie „Fitz“ Fitzgerald

Mord ohne Erinnerung (The mad woman in the attic, GB1993)

Regie: Michael Winterbottom

Drehbuch: Jimmy McGovern

99 Minuten

Mörderische Liebe (To say I love you, GB 1993)

Regie: Andy Wilson

Drehbuch: Jimmy McGovern

153 Minuten

Tod eines Knaben (One day a lemming will fly, GB 1993)

Regie: Simon Cellan Jones

Drehbuch: Jimmy McGovern

99 Minuten

Kalte Rache (To be a somebody, GB 1994)

Regie: Tim Fywell

Drehbuch: Jimmy McGovern

149 Minuten

Teuflische Verführung (The big crunch, GB 1994)

Regie: Julian Jarrold

Drehbuch: Ted Whitehead

148 Minuten

Männerphantasien (Men should weep, GB1994)

Regie: Jean Stewart

Drehbuch: Jimmy McGovern

149 Minuten

Bruderliebe (Brotherly love, GB 1995)

Regie: Roy Battersby

Drehbuch: Jimmy McGovern

148 Minuten

Racheengel (Best boys, GB 1995)

Regie: Charles McDougall

Drehbuch: Paul Abbott

99 Minuten

Liebesfalle (True romance, GB 1995)

Regie: Tim Fywell

Drehbuch: Paul Abbott

100 Minuten

Weiße Teufel (White ghost, GB1996)

Regie: Richard Standeven

Drehbuch: Paul Abbott

100 Minuten

Nine Eleven (Nine Eleven, GB 2006)

Regie: Antonia Bird

Drehbuch: Jimmy McGovern

109 Minuten

Hinweise

BFI Screen Online über „Cracker“

The unofficial Guide to „Cracker“

Wikipedia über „Für alle Fälle Fitz“


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