Dreimal spaßiges Mörderfangen mit Adrian Monk

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Er ist manisch. Panisch. Genial. Er sieht Kaffeeflecken auch ohne die Hilfsmittel eines gesamten CSI-Labors. Er lässt an einem Tatort die Autos neu einparken und er schlägt schon mal vor, die Leiche vom siebten in den sechsten oder achten Stock zu verlegen.

Er ist Adrian Monk. Ehemaliger Ermittler der Polizei von San Francisco und, seit dem bis jetzt nicht aufgeklärtem Tod seiner Frau Trudy, von der Arbeit freigestellt. Allerdings hilft er der Polizei bei besonders kniffeligen Fällen und seine Assistentin Natalie Teeger hilft ihm die größten Gefahren des Alltags, beginnend bei dem Schütteln von Händen (nur möglich mit anschließender Desinfektion), zu meistern. Die von Andy Breckman erfundene TV-Serie mit Tony Shalhoub ist seit Jahren auch bei uns ein Erfolg und die auf der Serie basierenden Romane von Lee Goldberg verkaufen sich wie geschnitten Brot. Dabei können die Monk-Romane auch sehr gut ohne die Serie bestehen und Goldberg kann sich in den Büchern Freiheiten erlauben, die das Budget einer Serienfolge sprengen würden. Denn nach dem Hawaii-Ausflug fliegt Monk in „Mr. Monk in Germany“ nach Deutschland und in „Mr. Monk und seine Assistentinnen“ kann er sich nicht zwischen seiner neuer Assistentin Natalie Teeger und seiner ersten Assistentin Sharona Fleming entscheiden.

Nachdem Natalies Tochter Julie bei einem Basketball-Spiel der Arm gebrochen wird (und Monk den Trainer der gegnerischen Mannschaft als Mörder überführt), treffen sie im Krankenhaus auf die dort arbeitende Sharona. Ihre Ehe ging wieder einmal in die Brüche, sie kehrte zurück an die Westküste und ihr Mann Trevor ist in Los Angeles als Mörder von Ellen Cole inhaftiert. Die Beweise sprechen gegen ihn und Monk ist aus durchaus eigennützigen Gründen nicht an Ermittlungen interessiert. Dennoch kann Natalie ihn aus ebenso eigennützigen Gründen überzeugen, den Fall zu übernehmen. Während der Ermittlungen trifft er auf den Bestsellerautor Ian Ludlow (ein Pseudonym von Lee Goldberg), der dem LAPD bei den Ermittlungen geholfen hat. Monk empfindet für den Konkurrenten und dessen formelhaften Krimis nur tiefste Verachtung.

Zurück in San Francisco stürzt Monk sich in einen anderen Fall. Am Strand wurde die Leiche eines nackten Mannes gefunden, der offensichtlich von einem Alligator ermordet wurde. Aber in San Francisco gibt es in freier Wildbahn keine Alligatoren. Lt. Randall Disher holt seinen Schreiblehrer Ian Ludlow als externen Berater. Monk ist über diese Konkurrenz in seinem Revier überhaupt nicht begeistert.

In „Mr. Monk und die Außerirdischen“ nimmt Lee Goldberg sich die zahlreichen Treffen von Serienfans vor, die dort verkleidet erscheinen und eine Serie kultisch verehren. Das bekannteste Beispiel dürfte „Raumschiff Enterprise“ sein. „Beyond Earth“ erinnert dagegen eher an „Kampfstern Galactica“. Es ist eine erfolglose Siebziger-Jahre-Kult-Science-Fiction-Serie, die treue Anhänger hat und demnächst als rundumerneuerte Serie ausgestrahlt werden soll. Die alten Fans sind stinkig über den Verrat am Original und dass ihr Guru Conrad Stipe, der Erfinder der Serie, das „Beyond Earth“-Erbe für einige Dollar an junge, gierige Hollywood-Produzenten verscheuert, die sich einen Dreck um das Original scheren.

Vor einer Fan-Convention wird Stipe erschossen. Der Mörder war als Mr. Snork verkleidet und tauchte im Gewühl der verkleideten Fans unter. Stottlemeyer bittet Monk, den Täter unter den Fans zu finden.

Als Monk die „Beyond Earth“-Fans zum ersten Mal sieht, möchte er die offensichtlich verrückten Besucher sofort alle verhaften. Denn sie laufen mit Elefantenrüsseln im Gesicht, Vierfach-Brüsten und angeklebten Schwänzen herum, verkaufen dreißig Jahre alte Frühstücksflocken und reden in der intergalaktischen Sprache Dratch.

Einen weiteren Schock erleidet Monk, als er erfährt, dass sein Bruder Ambrose (der niemals sein Haus verlässt) mehrere „Beyond Earth“-Bücher geschrieben hat und bei den Fans ein geachteter Experte ist. Er entdeckt auf dem Überwachungsvideo, dass der Mörder kein „Beyond Earth“-Fan ist, weil er Kostümteile aus verschiedenen Staffeln trug.

Das interessante Buch ist für uns Deutsche natürlich „Mr. Monk in Germany“. In den vergangenen Jahren war Lee Goldberg öfters in Deutschland. Vor allem mit „Action Concept“ (Alarm für Cobra 11) entwickelte er Projekte. Er gab mehrere Seminare und schrieb den okayen „Action Concept“-Film „Fast Track, No Limits“ (Arbeitstitel war wahrscheinlich „The Fast and the Furious – Berlin Drift“). Dafür war er öfters in Lohr und Berlin.

Monks Psychiater Dr. Charles Kroger nimmt im beschaulichen Lohr an einer Konferenz teil. Monk kann allerdings ohne seine regelmäßigen Sitzungen bei Dr. Kroger nicht leben. Er verfolgt ihn nach Deutschland. Natalie, die sich für Monks von Dr. Kroger initiierten Hawaii-Ausflug rächen will, nutzt die Gelegenheit für einen ungeplanten Urlaub.

Während sie Lohr für eine Märchenstadt hält, ist es für Monk die Hölle. Es ist alles krumm und schief. Überall ist Natur. Die Häuser wurden vor Jahrhunderten aus Holz und Lehm gebaut. Die Kinder erpressen Schutzgeld. Kurz: Unordnung und Bakterien überall.

Da trifft es sich gut, dass Monk auf dem Marktplatz einen Mann mit sechs Fingern entdeckt. Der Mörder seiner Frau Trudy hat auch sechs Finger. Auf der Konferenz trifft er den Sechfingrigen wieder. Es ist Dr. Martin Rahmer, der Leiter der Konferenz.

Außerdem entdeckt Monk, dass ein Selbstmord in einem Mehrfamilienhaus ein gut getarnter Mord an einem Enthüllungsjournalisten war. Er will den Mörder finden.

Während seiner Ermittlungen muss Monk einen Abstecher nach Berlin machen. Er hält – zur Überraschung für alle Berliner, die mal wieder in einen Haufen Hundescheiße getreten sind – die Hauptstadt für perfekt.

„Wir haben das Paradies gefunden“, seufzte er glücklich.

„Diese Bauten haben überhaupt keinen Charakter oder irgendwelchen Charme“, widersprach ich. „Sie sind rein funktional.“

„Sie sagen das, als ob es etwas Schlechtes wäre“, erwiderte Monk. „Alle Gebäude passen perfekt zusammen.“

„Das ist ja das Problem“, widersprach ich. „Mann kann ja kaum eins vom anderen unterscheiden.“

„So sollten alle Städte aussehen“, meinte Monk.

„Und wo bleibt die Individualität?“

„Ich bin ein großer Freund der Individualität, solange sie nicht irgendwie hervorsticht“, erklärte er.

Auch mit den, in der Chronologie, gut geplotteten Monk-Büchern vier, fünf und sechs hält Lee Goldberg das Niveau der vorherigen Bände. Einerseits verkürzen sie für die Fans der Serie das Warten auf neue Folgen, andererseits können sie auch gut als witzige Privatdetektivromane bestehen. Denn auch wenn Monks Verhalten immer seltsamer wird (Teilweise ist es sogar ein Rätsel, wie er überhaupt vor die Tür gehen kann, wenn er nicht durch eine Drehtür gehen kann, auf Pflastersteinen einen Veitstanz aufführt oder wegen einer verlorenen Socke die Polizei alarmiert.), steht er natürlich in der Tradition der großen literarischen Detektive von Sherlock Holmes über Hercule Poirot hin zur, hm, Parodie Nero Wolfe (um nur einige bekannte Namen zu nennen). Seine Gehilfin Natalie Teeger reportiert schnoddrig die Fälle und die beiden Polizisten Captain Leland Stottlemeyer und Lt. Randall Disher halten loyal zu ihrem bestem Aufklärer, der viele Fälle bereits während der Besichtigung des Tatortes löst. Denn obwohl für sie die Lösung überraschend ist, ist sie für Adrian Monk von Anfang an offensichtlich.

Neben den Fällen und den Witzen beschäftigt Goldberg sich auch immer mit ernsteren Themen, wie Verantwortung, Zugehörigkeit zu Gruppen (besonders in „Mr. Monk und die Außerirdischen“) und dem Umgang mit missgestalteten Personen (in „Mr. Monk in Germany“).

Lee Goldberg: Mr. Monk und seine Assistentinnen

(übersetzt von Caspar D. Friedrich)

Panini Books, 2008

336 Seiten

9,95 Euro

Originalausgabe

Mr. Monk and the two Assistants

Obsidian 2008

288 Seiten

Lee Goldberg: Mr. Monk und die Außerirdischen

(übersetzt von Caspar D. Friedrich)

Panini Books, 2008

336 Seiten

9,95 Euro

Originalausgabe

Mr. Monk in outer space

Obsidian, 2008

304 Seiten

Lee Goldberg: Mr. Monk in Germany

(übersetzt von Caspar D. Friedrich)

Panini Books, 2008

336 Seiten

9,95 Euro

Originalausgabe

Mr. Monk goes to Germany

Obsidian, 2008

288 Seiten

Anmerkungen

Die deutschen Namen in „Mr. Monk in Germany“, wie Stoffmacher, Geschier und Schust, sind störend undeutsch.

Selbstverständlich schreibt Goldberg im Original nicht „seufzte glücklich“, „widersprach“, „meinte“, sondern immer nur „said“, „said“, „said“.

Hinweise

Homepage von Lee Goldberg

USA Network über „Monk“

Thrilling Detective über Adrian Monk

Meine Besprechung von Lee Goldbergs „Mr. Monk und die Feuerwehr“ (Mr. Monk goes to the Firehouse, 2006)

Meine Besprechung von Lee Goldbergs “Mr. Monk besucht Hawaii“ (Mr. Monk goes to Hawaii, 2006)

Meine Besprechung von Lee Goldbergs “Mr. Monk und die Montagsgrippe“ (Mr. Monk and the Blue Flu, 2007)

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5 Responses to Dreimal spaßiges Mörderfangen mit Adrian Monk

  1. […] Dreimal spaßiges Mörderfangen mit Adrian Monk […]

  2. Lee Goldberg sagt:

    Thank you for your kind words about my MONK books! I appreciate it.

    Lee

  3. […] Meine Besprechung von Lee Goldbergs „Mr. Monk und seine Assistentinnen“ (Mr. Monk and the two As… […]

  4. […] Adrian Monk. Bei “Talking with Tim” beantwortet Lee Goldberg, der Autor der grandiosen Monk-Romane, einige […]

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