TV-Tipp für den 1. März: Misery

Februar 28, 2009

Kabel 1, 00.00

Stephen King’s Misery (USA 1990, R.: Rob Reiner)

Drehbuch: William Goldman

LV: Stephen King: Misery, 1987 (Sie)

Des Schriftstellers Alptraum (hilflos ans Bett gefesselt in den Händen eines fanatischen Fans), des Zuschauers Vergnügen. Eine der besten Verfilmungen des Grandmasters der Mystery Writers of America.

Kathy Bates erhielt für ihre furchterregende Darstellung der helfenden Krankenschwester den Oscar, den Chicago Film Critics Association Awards und den Golden Globe als beste Schauspielerin.

Mit James Caan, Kathy Bates, Richard Farnsworth, Lauren Bacall, Frances Sternhagen

Hinweise

Homepage von Stephen King

Mein Porträt zu Stephen Kings Geburtstag

Meine Besprechung von Stephen Kings/Richard Bachmans „Qual“ (Blaze, 2007)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Nachgelassene Dinge“ (The things they left behind) in Ed McBains „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2005)


KrimiWelt-Bestenliste März 2009

Februar 28, 2009

Fünf Neueinsteiger gab’s in der Februar-Liste der KrimiWelt und auch die  März-Liste der KrimiWelt hat fünf Neueinsteiger:

1 (9) Richard Stark: Keiner rennt für immer

2 (-) Jan Costin Wagner: Im Winter des Löwen

3 (5) Stefan Kiesbye: Nebenan ein Mädchen

4 (8) Åsa Larsson: Bis dein Zorn sich legt

5 (-) John Farrow: Eishauch

6 (10) Tom Rob Smith: Kolyma

7 (-) Roger Smith: Kap der Finsternis

8 (7) Christine Lehmann: Nachtkrater

9 (-) Zoran Drvenkar: Sorry

9 (-) Philip Kerr: Das letzte Experiment

Le Carré, Dexter und Rankin sind draußen. Richard Stark ist, was mir als Westlake-Fan natürlich gefällt, ganz vorne. John Farrow liegt auf meinem Zu-lesen-Stapel, aber 600 Seiten sind auch eine ganze Menge Holz.

Nächsten Monat dürfen wir dann wahrscheinlich Michael Connelly (Echo Park), Edward Bunker (Lockruf der Nacht – guter Pulp) und Andrea Maria Schenkel (Bunker – tja, nun) begrüßen.

Gerne würde ich Joe R. Lansdale (Der Teufelskeiler – grandiose Erzählung), Duane Louis (Letzte Order – Highspeed-Thriller), Jefferey Deaver (Der Täuscher), Walter Mosley (Cinnamon Kiss) und Garry Disher (Beweiskette – der mit dem Ned-Kelly-Preis ausgezeichnete Hal-Challis-Roman) auf der Liste entdecken. Aber das wird wahrscheinlich nichts.

In Klammern ist die Platzierung des Vormonats.


Neue TV-Krimi-Buch-Tipps online

Februar 28, 2009

Verdammt viele Bilder gibt es in den aktuellen TV-Krimi-Buch-Tipps. Unter anderem zu diesen Werken:

In den kommenden beiden Wochen gibt es einige selten gezeigte Krimiverfilmungen, eine Premiere und Kommissar Brunetti sorgt dafür, dass in Venedig kein Verbrecher seiner gerechten Strafe entkommt.
Immer wieder sehenswert ist Rob Reiners Stephen-King-Verfilmung „Misery“, Sidney Lumets Edwin-Torres-Verfilmung „Tödliche Fragen“, Michael Ciminos Robert-Daley-Verfilmung „Im Jahr des Drachen“, Milton Katselas unterschätzte James-Mills-Verfilmung „Der einsame Job“, Sydney Pollacks James-Grady-Verfilmung „Die drei Tage des Condor“ und Raoul Walshs Western-Adaption „Vogelfrei“ von W. R. Burnett „High Sierra“.
Selten gezeigt und immerhin einen Blick wert sind David Caffreys Colin-Bateman-Verfilmung „Starkey“, José Giovannis „Verdammt zum Schaffot“, Graham Theakstons Stephen-Leather-Verfilmung „Bombenleger“ (auch wenn die deutsche Fassung übel gekürzt ist), Claude Chabrols Lucie-Faure-Verfilmung „Die verrückten Reichen“ und Bill Dukes Chester-Himes-Verfilmung „Harlem Action – Eine schwarze Komödie“. Als Premiere gibt es vom bewährten Brunitti-Team die Alexandra-von-Grote-Verfilmung „Kommissar LaBréa – Tod an der Bastille“.


TV-Tipp für den 28. Februar: Zur Sache, Schätzchen

Februar 28, 2009

BR, 23.20

Zur Sache, Schätzchen (D 1968, R.: May Spils)

Drehbuch: May Spils, Werner Enke (als Peter Schlieper), Rüdiger Leberecht

Ein Geburtstagsfilm für die am 2. März 1944 geborene Uschi Glas, den sich auch Cineasten ohne Bauchschmerzen ansehen können. „Zur Sache, Schätzchen“ erzählt von einem Tag im Leben zweier junger Männer, die in Schwabing den Tag hineinleben. Sie gehen ins Freibad, machen Frauen an, erzählen Geschichten und bekommen etwas Ärger mit der Polizei.

„Ich habe noch keinen Film der neuen deutschen Welle gesehen, in dem so viel Freiheit anwesend war. Freiheit, zu der auch die Ahnung gehört, dass sie am Ende doch nicht zu verwirklichen ist.“ (Peter W. Jansen, Filmkritik, 1968)

Damals war der Film ein Kassenknüller. Heute gilt die doch etwas behäbige und gar nicht mehr so provokante Komödie als einer der Klassiker des Neuen Deutschen Films. Das Paar Spils/Enke konnte später nie mehr an den Erfolg anknüpfen. Ihr letzter gemeinsamer Film war 1984 „Mit mir nicht, du Knallkopp“.

Mit Werner Enke, Uschi Glas, Henry van Lyck, Inge Marschall, Helmut Brasch, Rainer Basedow, Martin Lüttge

Hinweise

Deutsches Filminstitut über „Zur Sache, Schätzchen“

Wikipedia über „Zur Sache, Schätzchen“

Deutsche Welle über „Zur Sache, Schätzchen“ (via Spiegel/Eines Tages)

3sat über „Zur Sache, Schätzchen“


Die Nominierungen für den Agatha 2008

Februar 27, 2009

Die meisten Autorinnen sagen mir nichts, von einigen habe ich schon gehört, aber vom Ruf her sind für mich die von Malice-Domestic vergebenen Agatha-Preise einfach zu Cozy.

Deshalb ohne weitere Worte: die Nominierungen für den Agatha Award 2008:

Best Novel

• Six Geese A-Slaying, von Donna Andrews (Minotaur Books)

• A Royal Pain, von Rhys Bowen (Penguin Group)

• The Cruelest Month, von Louise Penny (Minotaur Books)

• Buckingham Palace Gardens, von Anne Perry (Random House)

• I Shall Not Want, von Julia Spencer-Fleming (Minotaur Books)

Best First Novel

• Through a Glass, Deadly, von Sarah Atwell (Berkley Trade)

• The Diva Runs Out of Thyme, von Krista Davis (Penguin Group)

• Pushing Up Daisies, von Rosemary Harris (Minotaur Books)

• Death of a Cozy Writer, von G.M. Malliet (Midnight Ink)

• Paper, Scissors, Death, von Joanna Campbell Slan (Midnight Ink)

Best Non-fiction

• African American Mystery Writers: A Historical and Thematic Study, von Frankie Y. Bailey (McFarland & Co.)

• How to Write Killer Historical Mysteries, von Kathy Lynn Emerson (Perseverance Press)

• Anthony Boucher, A Bibliography, von Jeff Marks (McFarland & Co.)

• Edgar Allan Poe: An Illustrated Companion to His Tell-Tale Stories, von Dr. Harry Lee Poe (Metro Books)

• The Suspicions of Mr. Whitcher, von Kate Summerscale (Walker)

Best Short Story

• “The Night Things Changed,” von Dana Cameron (from Wolfsbane and Mistletoe, edited von Charlaine Harris and Toni L.P. Kelner; Ace)

• “Killing Time,” von Jane Cleland (Alfred Hitchock Mystery Magazine, November 2008)

• “Dangerous Crossin,” von Carla Coupe (from Chesapeake Crimes 3, edited von Donna Andrews and Marcia Talley; Wildside Press)

• “Skull and Cross Examination,” von Toni L.P. Kelner (Ellery Queen Mystery Magazine [EQMM], February 2008)

• “A Nice Old Guy,” von Nancy Pickard (EQMM, August 2008)

Best Children’s/Young Adult

• Into the Dark, von Peter Abrahams (HarperCollins)

• A Thief in the Theater, von Sarah Masters Buckey (American Girl)

• The Crossroads, von Chris Grabenstein (Random House

Children’s Books)

• The Great Circus Train Robbery, von Nancy Means Wright

(Hilliard and Harris)

Der Preis wird am 2. Mai verliehen.


TV-Tipp für den 27. Februar: Das Begräbnis

Februar 27, 2009

3sat, 22.25

Das Begräbnis (USA 1997, R.: Abel Ferrara)

Drehbuch: Nicholas St. John

New York, 1935: Eine Mafiafamilie versammelt sich zur Trauerfeier eines erschossenen Sippenmitgliedes. Noch während der Feier veranlasst Don Ray Tempio die blutige Rache an dem Mörder. Aber im Gegensatz zu den normalen Mafiafilmen reden hier die Frauen mit.

Damals war Abel Ferrara eine große Nummer. „Das Begräbnis“ ist einer der düstersten US-Gangsterfilme. Er „ist kein Mafia-Epos geworden, sondern in seiner relatien Kürze ein Musterbeispiel von präzischer Montage, ökonomisch inszenierter Handlung, karger Lichtgebung und einer Farbdramaturgie, die alles Bunte ins Dunkle verbannt. In seiner Dichte wie eine klassische Tragödie.“ (Fischer Film Almanach 1997)

Mit Christopher Walken, Christopher Penn, Isabella Rossellini, Annabella Sciorra, Vincent Gallo, Gretchen Mol, Benicio Del Toro


„Bunker“ – Andrea Maria Schenkels dritter Streich

Februar 26, 2009

schenkel-bunker

Andrea Maria Schenkels „Tannöd“ war ein Überraschungserfolg, wurde von der Kritik abgefeiert und erhielt etliche Preise. Auch mir gefiel der dünne Roman, obwohl ich die hymnischen Lobesarien für übertrieben hielt, gut. Bei ihrem zweiten Roman „Kalteis“ wiederholte sich das Spiel. Ich dagegen (Sonst noch jemand?) hielt das Werk für ein einziges Desaster.

Daher fragte ich mich vor der Lektüre ihres dritten Romans „Bunker“, ob er eher an „Tannöd“ oder eher an „Kalteis“ anschließt.

Nach der Lektüre halte ich „Tannöd“ für den berühmten Ausrutscher. Denn „Bunker“ ist zwar besser als „Kalteis“, aber es ist trotz der Kürze von knapp 120 Seiten eine viel zu lang geratene Kurzgeschichte. Während in einer Kurzgeschichte auf wenigen Seiten eine Situation beschrieben werden kann, muss auf über 100 Seiten – besonders bei einem Zweipersonenstück wie „Bunker“ – etwas zwischen den beiden Charakteren geschehen.

Doch hier versagt Andrea Maria Schenkel vollkommen. „Bunker“ liest sich wie ein aus zwei nur sehr lose miteinander verbundenen Monologen bestehendes Theaterstück.

Dabei ist die Prämisse so einfach wie vielversprechend: ein Mann entführt eine Frau. Er hält sie gefangen. Zwischen ihnen entwickelt sich eine Beziehung.

Natürlich ist diese Situation einer Geiselnahme (auch wenn es genügend Beispiele aus der Realität gibt) vor allem eine Laborsituation, in der idealtypisch zwei verschiedene Weltanschauungen aufeinanderprallen.

Allerdings begründet Schenkel diese Laborsituation, höflich formuliert, sehr schräg. Denn der bis zum Ende namenlose Entführer will eigentlich nur den Safe in einem Geschäft leer räumen. Als die Angestellte Monika ihm den Schlüssel für den Safe nicht geben kann, entführt er sie.

– Warum? Wäre es nicht vernünftiger, einfach abzuhauen?

– Er ist in sie verliebt. Er wohnt ihr gegenüber und beobachtet sie abends heimlich. Er ist sogar bei ihr eingebrochen und hat ein Kinderbild von ihr geklaut.

– Ah, dann war der Überfall ein Vorwand, um sie zu entführen.

– Äh, nein. Ich glaube nicht. Ich meine, wenn er sie nur hätte entführen wollen, dann hätte er es doch auch irgendwo machen können, wo es wahrscheinlich keine Zeugen und keine Videokameras gibt.

Er sperrt sie in einer einsam gelegenen Mühle in der nur durch eine Falltür zu erreichende Dachkammer ein.

– Dachkammer? Nicht Bunker?

– Der kommt später. Kurz. Sie ist meistens in der Kammer eingesperrt und kann sich dort frei bewegen.

– Oh, dann haut sie ihm gleich etwas über die Rübe und –

– Nein, nein. Sie tut nichts. Jedenfalls nicht am Anfang. Und später auch nicht. Nicht jede Frau ist eine Lara Croft oder Terminatrix.

Sie fragt sich, warum sie entführt wurde. Der Entführer redet nicht mit ihr, pflegt sie dafür aber ziemlich liebevoll.

Schenkel lässt den Entführer und das Opfer Teile der Geschichte erzählen und springt in der Chronologie etwas herum. Das sorgt auf den ersten Seiten, weil nicht klar ist, wer gerade spricht und an welcher Stelle in der Chronologie wir uns befinden, vor allem für Verwirrung. Beide sprechen in dem gleichen Stream-of-Consciousness-Stil. Dankenswerterweise werden diese Gedanken in verschiedenen Schriften präsentiert. Sie kann zunehmend weniger zwischen Wahn und Wirklichkeit unterscheiden. Er erinnert sich dagegen an seinen gewalttätigen Vater und wie der Vater seine Mutter in der Dachkammer einsperrte.

Wer einen irgendwie gearteten Machtkampf zwischen den Beiden erwartet, wird enttäuscht. In „Bunker“ versucht keiner den anderen zu besiegen oder von irgendetwas zu überzeugen. Dafür sind der Entführer und sein Opfer zu sehr mit sich selbst beschäftigt und haben keine für die Geschichte wichtigen Ziele.

Zwischenruf Andrea Maria Schenkel: Es geht (…) um Einsamkeit. Es ist ein Kriminalfall im weitesten Sinne, wir wissen am Anfang des Buches nicht, was der Mann mit der Frau zu tun hat, bis sie anfängt, nachzudenken, warum er sie entführt hat.

– Einsamkeit? Nur weil beide allein sind? Weil sie nicht miteinander reden? Weil sie dem Entführer einen falschen Grund für die Entführung unterschiebt?

Am Ende wird’s dann etwas chaotisch (wegen Spoilergefahr wird darüber nichts verraten). Eine Person landet mit einer Stichwunde im Bauch auf einem OP-Tisch (das ist kein Spoiler, denn Schenkel führt diesen dritten Handlungsstrang bereits auf Seite 16 ein) und wir fragen uns, wie die Polizei zur Scheune kommen konnte. Aber das ist wahrscheinlich wie mit der Kavallerie im Western: am Ende kommt sie und sammelt die Leichen auf, während die Zuschauer schnell die Reste von Bier und Popcorn vernichten.

Während mit dem Auftauchen der Kavallerie der Autor am Ende seiner Geschichte ist, bleibt am Ende von Andrea Maria Schenkels „Bunker“ die berühmte Frage, was uns der Autor damit sagen wollte, offen.

Deshalb könnte „Bunker“ (ein wegen des Handlungsortes doch sehr irreführender Titel) als zwanzigseitige Kurzgeschichte, in der eine Frau von einem Mann entführt wird, der ihr nichts über seine Gründe verrät, eine spannende Studie des plötzliche über eine gewöhnliche Person hereinbrechenden Schreckens sein.

Als Roman bleibt vor allem die unlogische Prämisse (Was will der Entführer? Geld, Sex, Macht? Einen Mutterersatz?) und die Abwesenheit jeglicher Dynamik zwischen dem Entführer und seinem Opfer im Gedächtnis. Kein Konflikt. Kein Drama. Keine Spannung. Nur Langeweile und die mäßig interessante Frage, warum die Geschichte in der Vor-Euro-Zeit spielt.

Andrea Maria Schenkel: Bunker

Edition Nautilus, 2009

128 Seiten

12,90 Euro

Hinweise

Homepage von Andrea Maria Schenkel

Zeit online: Interview mit Andrea Maria Schenkel (19. Februar 2009)

Frankfurter Rundschau: Interview mit Andrea Maria Schenkel (26. Februar 2009 – wieder wird ihr neuer Roman nur gestreift)

Meine Besprechung von Andrea Maria Schenkels „Kalteis“ (2007)


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