Cover der Woche

März 30, 2009

molsner-und-dann-hab-ich-geschossen


TV-Tipp für den 31. März: Rififi

März 30, 2009

ARD, 00.35

Rififi (F 1954, R.: Jules Dassin)

Drehbuch: René Wheeler, Jules Dassin, Auguste le Breton

LV: Auguste le Breton: Du rififi chez les hommes, 1953

Kaum draußen aus dem Gefängnis plant Toni zusammen mit seinen Freunden Jo und Mario den Einbruch in ein Juweliergeschäft. Der Einbruch gelingt. Dann kommt ihnen eine rivalisierende Bande auf die Spur.

Mit „Rififi“ begründete Dassin das Caper-Movie: ein Film, bei dem die Planung und Durchführung eines Einbruches mit Mittelpunkt steht. „Dassins Film wirkt ein wenig wie die Synthese aus seinen eigenen realistischen Kriminalfilmen aus Hollywood, das er der antikommunistischten Hexenjagden McCarthys wegen hatte verlassen müssen, und den französischen Filmen aus der Tradition des Poetischen Realismus. Dabei potenziert sich der Pessimismus so sehr wie die Stilisierung: In einer halbstündigen Sequenz, in der der technische Vorgang des Einbruchs gezeigt wird, gibt es weder Dialoge noch Musikuntermalung. Die technische Präzision, die fast ein wenig feierlich zelebriert wird und in der die Männer ganz offensichtlich ihre persönliche Erfüllung finden, mehr als in der Freude über die Beute, steht dabei im Gegensatz zu ihrem fast ein wenig melancholischen Wesen.“ (Georg Seeßlen)

Mit Jean Servais, Carl Möhner, Robert Manuel, Robert Hossein, Perlo Vita (Pseudonym von Dassin)

Hinweise

Filmforum über „Rififi“

Noir of the Week über „Rififi“

Criterion Confessions (James S. Rich) über Jules Dassin und „Rififi“

Kriminalakte: R. i. P. Jules Dassin


Das Warten hat sich nicht gelohnt

März 30, 2009

werremeier-trimmels-letzter-fall

Zuerst müssen einige mögliche Missverständnisse geklärt werden:

1) Mir gefallen die Trimmel-Romane und auch die oft gleichzeitig entstandenen Verfilmungen sehr gut. Sie bilden eine immer noch spannende Chronik der Siebziger Jahre in Deutschland. Sie bieten einen vorzüglichen Einblick in den Justizapparat und stellen auch heute noch aktuelle Fragen. Außerdem sind sie einfach spannende Kriminalromane.

2) Auch ich habe bedauert, dass Trimmel-Erfinder Friedhelm Werremeier nach dem Ende der Trimmel-Tatorte (das kurze Nachspiel mit einem anderen Schauspieler und in einem kürzeren Format fand ich schon damals verzichtbar und heute dürfte sich, dank fehlender Wiederholungen, niemand mehr daran erinnern) auch als Romanautor verstummte.

3) Auch ich habe mich lange auf einen neuen Trimmel-Roman gefreut. Besonders nachdem Werremeier schon vor zehn Jahren sagte: „Der Trimmel wird ein andermal wieder auftauchen, später, sehr viel später, in einem umfangreichen, ultimativen Roman. Denn alle Trimmel, die ich geschrieben habe, denen fehlte etwas. Es müsste irgendeine Klammer geben, die alles umfasst, womit ich im Laufe meines Lebens konfrontiert war, alle Freuden und auch die persönlichen Tragödien.“

4) Der Lektor ist nicht für den Text verantwortlich. Die letzte Instanz ist der Autor. Der Lektor kann nur beratend zur Seite stehen. Vorschläge für einen besseren Text machen. Aber wenn der Autor nicht einsichtig ist, dann ist es eben so. Bei „Trimmels letzter Fall“ werden im Impressum zwei Lektoren genannt, die sicher nicht vor Ehrfurcht sprachlos waren. Friedhelm Werremeier wollte anscheinend ihre Ratschläge nicht annehmen. Ich kann mir jedenfalls keinen Ratschlag vorstellen, der „Trimmels letzter Fall“ zu einem schlechteren Werk gemacht hätte.

Denn der jetzt erschienene Trimmel-Roman ist ein unlesbares Desaster.

Werremeier springt in der Zeit munter hin und her. Allerdings ist es sinnlos, eine Zeitlinie aufzustellen. Denn da wird (wahrscheinlich) 1988 mit Handys telefoniert. Einmal ist Trimmel noch Polizist, als seine Freundin erschossen wird. Einmal nicht. Er hat eine Beziehung mit einer Psychologin. Wahrscheinlich nach dem Tod seiner Freundin. Aber eigentlich müsste diese Beziehung früher gewesen sein. Undsoweiter.

Auch an Trimmels Alter wird herumgedoktort. Nach den früheren Romanen war Paul Trimmel ein älterer Polizist, der ungefähr 1920 geboren wurde und keine ausformulierte Vergangenheit hatte. Jetzt verpasst Werremeier ihm eine vollkommen überflüssige Vergangenheit, inclusive kindlichem Trauma, und Verjüngungskur.

Trimmel wurde – Halten Sie sich fest! – als Quasi-Waise von einer kommunistischen Jüdin in den Dreißigern aufgezogen. Sie nahm ihn dann auch mit in die Schweiz. Werremeier erzählt das in der epischen Breite und Banalität einer Schmonzette. Dazu passt auch, dass Trimmel panische Angst vor Kakerlaken hat. Doch für die Story ist das unwichtig.

Diese ist, soweit überhaupt erkennbar, krude. Es geht irgendwie um mindestens einen Serienmörder, der sich auch irgendwie an Trimmel rächen will. Und das ganze hat auch irgendwie mit Trimmels Vergangenheit als Polizist und seiner Herkunft zu tun. Diese „irgendwies“ sollen allerdings keine Spoiler vermeiden. Denn dafür ist „Trimmels letzter Fall“ viel zu chaotisch.

Damit auch wirklich niemand mehr einen Überblick über die Geschichte hat, lässt Werremeier fast im Seitentakt neue Charaktere auftreten. Auf zweihundert Seiten stolpert eine gefühlte halbe Hundertschaft durch die Geschichte. Kein Name sagt einem etwas. Dienstbezeichnungen schwanken hin und her, teilweise mit, teilweise ohne den Zusatz „Ex“. Die Verwirrung nimmt zu. Das Interesse am Ende der Geschichte nimmt mit jeder gelesenen Zeile ab.

Die Sprache passt sich dem Niveau an. Es regnet Katzen und Hunde, ein Junge ist happy, Ole Bornsen ist ein blonder Name und fast jeder gesprochen Satz endet mit einem Ausrufezeichen. Etliche Sätze müssen zweimal gelesen werden, bevor der Sinn erfasst werden kann. Dabei war Werremeier jahrelang Polizei- und Gerichtsreporter. Zuletzt für den „Stern“ und dem „Stern“ kann ungefähr alles außer Unlesbarkeit vorgeworfen werden.

Wenn am Ende der Mörder (oder die Mörderin oder die MörderInnen) irgendwie nicht verhaftet werden, ist es auch egal. Denn die Freude, das Werk überstanden zu haben überwiegt eindeutig.

In seinem lesenswerten Nachwort stellt Frank Göhre die alten Trimmel-Romane vor. Den neuen erwähnt er nur noch pflichtbewusst. Weil Göhre einer der Lektoren von „Trimmels letzter Fall“ war,…

Friedhelm Werremeier: Trimmels letzter Fall

(mit einem Nachwort von Frank Göhre)

Pendragon, 2009

232 Seiten

9,90 Euro

Hinweise

Lexikon deutscher Kriminalautoren über Friedhelm Werremeier

Tatort-Fundus über Trimmel

Galerie der Detektive über Trimmel

Rudi Kost über Trimmel

Meine Besprechung von Friedhelm Werremeiers „Taxi nach Leipzig“

Kriminalakte: Einige Zitate aus „Trimmels letzter Fall“


TV-Tipp für den 30. März: Departed – Unter Feinden

März 30, 2009

ZDF, 22.15

Departed – Unter Feinden (USA 2006, R.: Martin Scorsese)

Drehbuch: William Monahan

Cop Billy Costigan ist Undercover-Agent in der Organisation des Mafiapaten Frank Costello. Gangster Colin Sullivan ist bei der Polizei der Top-Maulwurf für Costello. Beide steigen in den feindlichen Organisationen stetig auf. Da erhalten Costigan und Sullivan von ihrem Boss den Auftrag, den Verräter in den eigenen Reihen zu finden.

„Departed – Unter Feinden“ ist, wie Genre-Junkies wissen, das grandiose US-Remake des ebenso grandiosen Hongkong-Thrillers „Infernal Affairs“ (von Andrew Lau und Alan Mak). Monahan verlegte die Geschichte nach Boston, orientierte sich bei dem Mafiapaten an dem legendären Whitey Bulger und zeichnete ein Porträt der amerikanischen Gesellschaft. Die schwächsten Szenen des Remakes sind die weinigen, direkten Übernahmen von Szenen aus dem Original.

Beide Filme sind stilistisch überzeugende Werke über Freundschaft, Loyalität und Verrat.

Monahans Drehbuch erhielt einen Edgar, einen Oscar, den Preis der Writers Guild of America und war für den Golden Globe nominiert (um nur einige zu nennen). Der Film wurde für zahlreiche Preise nominiert und erhielt auch den Oscar für den besten Film des Jahres

Die nächste Zusammenarbeit von Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio, die Dennis-Lehane-Verfilmung „Shutter Island“, startet weltweit Anfang Oktober.

Mit Leonardo DiCaprio, Matt Damon, Jack Nicholson, Mark Wahlberg, Martin Sheen, Ray Winstone, Vera Farmiga, Alex Baldwin

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Departed – Unter Feinden“

Drehbuch „The Departed“ von William Monahan

Collider: Interview mit William Monahan (Februar 2007)

Bonushinweis

Das ZDF zeigt morgen Abend um 00.20 Uhr das Original „Infernal Affairs – Die achte Hölle“ (HK 2002)


TV-Tipp für den 29. März: Monsterland

März 29, 2009

Arte, 22.25

Monsterland (D 2008, R.: Jörg Buttgereit)

Drehbuch: Jörg Buttgereit

Nach dem verzichtbaren „King Kong“-Film von 1976 zeigt Arte zum Abschluss des Themenabends „Monster“ eine spielfilmlange Doku von unserem Jörg, der die Idole seiner Jugend, Kollegen und Fans von Monsterfilmen besucht.

Mit Rick Baker, Joe Coleman Gregory Nicotero, Kenpachiro Satsuma, Teruyoshi Nakano, Shinya Tsukamoto, Paul Gavins

Wiederholungen

Samstag, 4. April, 00.55 Uhr (Taggenau!)

Freitag, 10. April, 00.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweis

Arte zur Doku (und über den Themenabend)


Die KrimiWelt-Bestenliste April 2009

März 28, 2009

Da hab ich mich letzen Monat mit meinen Tipps für die Aprilliste der KrimiWelt aber mächtig geirrt. Kein Connelly. Kein Bunker. Keine Schenkel. Kein Disher. Kein Mosley. Lansdale, Deaver und Louis, wie erwartet, ebenfalls nicht. Stattdessen empfehlen die Kritiker der KrimiWelt diese Werke für den österlichen Geschenkkorb:

1 (1) Richard Stark: Keiner rennt für immer

2 (2) Jan Costin Wagner: Im Winter der Löwen

3 (-) Jörg Juretzka: Alles total groovy hier

4 (7) Roger Smith: Kap der Finsternis

5 (5) John Farrow: Eishauch

6 (-) Oliver Bottini: Jäger in der Nacht

7 (3) Stefan Kiesbye: Nebenan ein Mädchen

8 (4) Åsa Larsson: Bis dein Zorn sich legt

9 (9) Zoran Drvenkar: Sorry

10 (-) Uta-Maria Heim: Wespennest

Schön, dass Richard Stark immer noch auf Platz eins ist. Wagner, Juretzka (der kann gar nicht schlecht sein) und Farrow liegen auf meinem Lesen-Stapel.

Andrea Maria Schenkel scheint ja wirklich in Ungnade gefallen zu sein.

Nächsten Monat könnte dann endlich „Crack“, die zweite und noch bessere Zusammenarbeit von Ken Bruen und Jason Starr auf die Liste gehoben werden. Joseph Wambaugh, Ian Rankin, Robert Hültner, Jeff Lindsay und Kenneth Abel (der hat mal den Deutschen Krimipreis erhalten) wären sicher auch eine Überlegung wert.

In Klammern ist die Platzierung des Vormonats.


Die Nominierungen für den Scribe Award

März 28, 2009

Die International Association of Media Tie-In Writers hat die Nominierungen für den diesjährigen Scribe Award veröffentlicht. Der Scribe Award wird an Werke vergeben, die auf Filmen, TV-Serien und Spielen basieren. Also den „Büchern zum Film“.

Die Nominierten:

Best General Fiction Original

BURN NOTICE: THE FIX von Tod Goldberg

CRIMINAL MINDS: FINISHING SCHOOL von Max Allan Collins

CSI: HEADHUNTER von Greg Cox

Best General Fiction Adapted

DEATH DEFYING ACTS von Greg Cox

INDIANA JONES AND THE KINGDOM OF THE CRYSTAL SKULL (Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels) von James Rollins

THE TUDORS: KING TAKES QUEEN von Elizabeth Massie

THE WACKNESS von Dale C. Phillips

X-FILES: I WANT TO BELIEVE von Max Allan Collins

Best Speculative Fiction Original

GHOST WHISPERER: REVENGE von Doranna Durgin

RAVENLOFT: THE COVENANT, HEAVEN’S BONES von Samantha Henderson

STARGATE SG-1: HYDRA von Holly Scott & Jamie Duncan

STAR TREK: TEROK NOR, DAY OF THE VIPERS von James Swallow

Best Speculative Fiction Adapted

HELLBOY II: THE GOLDEN ARMY (Hellboy 2: Die Goldene Armee) von Bob Greenberger

THE MUTANT CHRONICLES von Matt Forbeck

STAR WARS – THE CLONE WARS: WILD SPACE von Karen Miller

UNDERWORLD: RISE OF THE LYCANS von Greg Cox

Best Young Adult Original

DR. WHO: THE EYELESS von Lance Parkin

PRIMEVAL: SHADOW OF THE JAGUAR von Steven Savile

DISNEY CLUB PENGUIN: STOWAWAY! ADVENTURES AT SEA von Tracey West

Best Young Adult Adapted

IRON MAN: THE JUNIOR NOVEL von Stephen D. Sullivan

THE DARK KNIGHT: THE JUNIOR NOVEL von Stacia Deutsch und Rhody Cohen

JOURNEY TO THE CENTER OF THE EARTH 3D von Tracey West

Grandmaster

Keith R. A. DeCandido

Der Scribe Award wird auf der Comic-Con in San Diego (23. – 29. Juli 2009) verliehen.

Die beiden Special Gaming Scribes warden auf der GenCon in Indianapolis (13. – 16. August 2009) verliehen. Nominiert sind:

Special Gaming Scribe – Best Original

EBERRON: THE INQUISITIVES, THE DARKWOOD MASK von Jeff LaSala

DRAGONLANCE: DEATH MARCH von Jean Rabe

EBERRON: THE DOOM OF KINGS von Don Bassingthwaite

WARHAMMER: ELFSLAYER von Nathan Long

Special Gaming Scribe – Best Adapted

THE WORLD OF WARCRAFT: BEYOND THE DARK PORTAL von Aaron Rosenberg und Christie Golden

THE MUTANT CHRONICLES von Matt Forbeck

METAL GEAR SOLID (Metal Gear Solid) von Raymond Benson

(Dank an Lee Goldberg für die Informationen.)


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