Neu im Kino: Duplicity – Gemeinsame Geheimsache

April 30, 2009

Duplicity – Gemeinsame Geheimsache (Duplicity, USA 2009)

Regie: Tony Gilroy

Drehbuch: Tony Gilroy

Nach Agententhriller (die “Bourne”-Serie) und Politthriller (“Michael Clayton”) ist er jetzt bei der romantischen Thriller-Komödie mit Screwball-Elementen angelangt: zwei Industriespione, die eine Liebe-Hass-Beziehung (ersteres persönlich, letzteres beruflich) pflegen, beschließen, ihre Bosse um einige Millionen zu erleichtern. Aber können sie sich trauen? Und können sie mit dem Geld entkommen?

Die Kritiken tendieren zu einem leichten „ich hätte mehr erwartet“, aber zwei Stunden gepflegte Unterhaltung sind garantiert. „Mit viel doppelbödigem Charme und herausragendem Ensemble macht Tony Gilroy aus der Agentenromanze einen wunderbaren Film.“ (Thomas Klein, tip 10(2009)

Mit Julia Roberts, Clive Owen, Tom Wilkinson, Paul Giamatti, Ulrich Thomsen (als Big Swiss Suit; – was einiges über die Größe der Rolle aussagt)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Duplicity“


Charlie Stross über Ideen; Allison Brennan übers Verkaufen, James Ellroy über den ganzen Rest

April 30, 2009

S-F-Autor Charlie Stross beantwortet die 100.000-Dollar-Frage „Wie kommst du zu deinen Ideen?“:

Generating ideas isn’t some mystical talent that you have to be born with: it’s a skill you can develop. The first step is to throw your net far and wide, and see what comes back to you. I spend a couple of hours every day skimming news sources (most of them on the web, this century) (…)

But grabbing tidbits from the zeitgeist is only the first step. The second step is to try to fit them together in new and interesting patterns. This is free-form brainstorming, and it’s something I tend to do at the pub, when I’m not busy drinking beer.

Dann erzählt er uns von einer neuen Idee, die er kürzlich hatte und wie sie weiterentwickelt werden könnte und schließt mit der für alle, die Angst vor Ideenklau haben, desillusionierenden Bemerkung:

Ideas, hah. The real challenge in this line of work is being able to weed the productive ones from the chaff, to decide which you’re going to spend the next six to nine months turning into something that people will pay for.

Krimiautorin Allison Brennan hat sich eine Gedanken über das Verkaufen von Büchern und wie wichtig die schriftstellerische Qualität dabei ist, gemacht:

The story has to resonate in some way for readers to pick up the next book and the next book. The story has to deliver on the story promise.

If it’s a romance, it has to have a happily ever after.

If it’s a mystery, the crime has to be solved.

If it’s horror, it has to be scary.

If it’s comedy, it has to be funny.

James Ellroy hat hier anscheinend einen grandiosen Auftritt hingelegt.  Die schlechte Nachricht ist, dass er noch (?) nicht online zum Beispiel bei YouTube ist. die gute Nachricht ist, dass sein neues Buch „Blood’s a rover“ für den 22. September angekündigt ist.


TV-Tipp für den 30. April: Fantastische Geschichten

April 30, 2009

Die Hessen präsentieren: „Eine Nacht für Fantastische Geschichten“

HR, 00.05

Fantastische Geschichten (USA 1985 – 1987)

Von Mitternacht bis 6.30 Uhr können wir 16 Folgen der von Steven produzierten, halbstündigen Mysteryserie „Amazing Stories“ sehen:

Die Notlandung (The Mission, R.: Steven Spielberg, mit Kevin Costner, Kiefer Sutherland)

Der ungeliebte Lehrer(Go to the Head of the Class, R.: Robert Zemeckis, mit Christopher Lloyd, Mary Stuart Masterson)

Geistreich (Boo!, R.: Joe Dante)

Das Phantom im Spiegel (Mirror, Mirror, R.: Martin Scorsese, mit Sam Waterston, Helen Shaver, Dick Cavett, Tim Robbins – Seine einzige TV-Regie.)

Der Wettbewerb (Miss Stardust, R.: Tobe Hooper)

Der Geisterzug (Ghost Train, R.: Steven Spielberg, mit Lukas Haas)

Verliebt in die Kunst (Vanessa in the Garden, R.: Clint Eastwood, mit Harvey Keitel, Sondra Locke, Beau Bridges – Seine einzige TV-Regie.)

Das Monster aus dem Märchenbuch (The Greibble, R.: Joe Dante)

Der Kreative (Gershwin’s Trunk, R.: Paul Bartel, mit Bob Balaban, Paul Bartel, Carrie Fisher)

Der gestohlene Ring (The Wedding Ring, R.: Danny DeVito, mit Danny DeVito)

Versteckte Kamera (Secret Cinema, R.: Paul Bartel, mit Paul Bartel, Griffin Dunne)

Die Himmlischen (Guilt Trip, R.: Burt Reynolds, mit Dom DeLuise, Charles Durning)

Mr. Magic (Mr. Magic, R.: Donald Petrie, mit Sid Caesar)

Der Hellseher (The Amazing Falsworth, R.: Peter Hyams, mit Gregory Hines, Richard Masur – Diese Folge erhielt einen Edgar.)

Was kann bei diesen Namen noch schief gehen?

Hinweise

HR zu den einzelnen Folgen (im Programm auf die Titel klicken; leider hat der Sender keine eigenen Seite eingerichtet)

IMDB zu „Amazing Stories“

Wikipedia über „Amazing Stories“

„Amazing Stories“-Fanseite


Joseph Wambaugh zeigt Hollywoods andere Seite

April 29, 2009

wambaugh-sunset-boulevard

Nach einer zehnjährigen Pause kehrte Joseph Wambaugh 2006 mit „Hollywood Station“ wieder zurück in die Welt des Kriminalromans. Dazwischen schrieb er das Sachbuch „Fire Lover“. Der Vater des modernen Polizeiromans, jedenfalls für die uniformierten Polizisten, erzählte wieder aus dem Alltag der Polizei. Doch während er am Anfang seiner literarischen Karriere aus eigenen Erfahrungen schöpfen konnte, ließ er sich für „Hollywood Station“ (2006), „Hollywood Crows“ (2008) und „Hollywood Moon“ (2009, so die Originaltitel) von Polizisten während vieler Abendessen von ihrer Arbeit erzählen. In „Hollywood Crows“, das jetzt als „Sunset Boulevard“ auf Deutsch erschienen ist, bedankt sich Joseph Wambaugh bei 57 Polizisten. Entsprechend detailliert und kundig, aber auch parteiisch, ist sein Roman über die Officers des Los Angeles Police Department.

Wobei „Sunset Boulevard“ eigentlich kein richtiger Kriminalroman ist. Denn im Mittelpunkt stehen, wie bei einer TV-Polizeiserie, etwa ein halbes Dutzend Polizisten der Hollywood Station und ihre meist absurden Erlebnisse. Sie müssen sich um Kleinigkeiten, wie falsch parkende Autos, mitgenommene Einkaufswagen, Schlägereien, Selbstmörder und Obdachlose kümmern. Kleinkram, der teilweise deutlich unter der Schwelle der Kleinkriminalität liegt. Bei Morden steht der Täter meist neben der Leiche. Da ist ein illegaler Hahnenkampf schon etwas Besonderes. Hollywood-Nate Nathan Weiss (der, wie sein Spitzname verrät, an seiner Schauspielerkarriere arbeitet), das Team Flotsam and Jetsam (Yeah, passionierte Surfer!), die cholerische Gert Von Braun und ihr neuer Partner Doomsday-Dan Applewhite, Ronnie Sinclair und Bix Ramstead vom Hollywood CRO (Crow genannt und für Öffentlichkeitsarbeit in der Gemeinde zuständig), Mitleid-Charlie Gilford und der unbeliebte Chef Jason „Chickenlips“ Treakle sind Wambaughs Helden auf der richtigen Seite des Gesetzes.

Diese letztendlich grundehrlichen Polizisten und ihre tägliche aussichtslose Arbeit gegen die Absurditäten der Straße und den bürokratischen Wahnsinn (den Joseph Wambaugh, wie seine Polizisten, ablehnt) werden einem schnell vertraut. Die Gründe für diesen Wandel hin zu mehr Bürokratie und Kontrolle der Polizei werden von Wambaugh höchstens am Rand gestreift. In Los Angeles waren das der Fall Rodney King, der Rampart-Skandal, die steigende Kriminalität und die durchaus erfolgreichen Anstrengungen des seit 2002 amtierenden Polizeichef William Bratton, den sehr ramponierten Ruf der Polizei von Los Angeles wieder zu verbessern und die steigende Kriminalität zu bekämpfen.

In dieses pointiert erzählte, meist wahnsinnig komische, episodische Sittenbild des polizeilichen Alltags webt Wambaugh die Minigeschichte des Scheidungskrieges zwischen der wunderschönen, intelligenten Margot Aziz und ihrem Mann, den Nachtclub-Besitzer Ali Aziz. Sie kämpfen um das gemeinsame Vermögen und das Sorgerecht für den im ganzen Buch nie auftauchenden Sohn. Dafür sind sie letztendlich auch bereit, den anderen zu töten. Der Kleinkriminelle Leonard Stilwell spielt dabei eine wichtige Rolle. Aber diese Geschichte ist, wenn man „Sunset Boulevard“ mit einer TV-Polizeiserie vergleicht, so wichtig wie ein vernachlässigbarer folgenübergreifender Plot.

„Sunset Boulevard“, das sich wie ein langes Gespräch eines Haufens gutgelaunter Polizisten liest, ist ein meist schwarzhumoriger, faktenstrotzender Bericht aus dem Polizeialltag im heutigen Los Angeles. Inwiefern die früheren Romane des Grandmasters der Mystery Writers of America wirklich besser sind (wie einige Kritiker behaupten) oder in der Erinnerung verklärt werden (was ich für sehr wahrscheinlich halte), kann in wenigen Wochen mit der Neuauflage von Wambaughts drittem Roman „Die Chorknaben“ (The Choirboys) überprüft werden.

Joseph Wambaugh: Sunset Boulevard

(übersetzt von Rainer Schumacher)

Bastei Lübbe, 2009

384 Seiten

8,95 Euro

Originalausgabe

Hollywood Crows

Little, Brown and Company, 2008

Hinweise

Homepage von Joseph Wambaugh

Homepage zum Roman „Hollywood Crows“

Bookreporter: Interviews mit Joseph Wambaugh (28. März 2008, 17. Mai 2002)

Orchard Press Mysteries: Interview mit Joseph Wambaugh (2008)

Kacey Kowards Show: Audiointerview mit Joseph Wambaugh (2. April 2008)


TV-Tipp für den 29. April: Die üblichen Verdächtigen

April 29, 2009

Kabel 1, 22.30

Die üblichen Verdächtigen (USA 1995, R.: Bryan Singer)

Drehbuch: Christopher McQuarrie

„Wer ist Keyser Soze?“ fragen sich einige nur scheinbar zufällig in eine Gefängniszelle eingesperrte Verbrecher und, nach einem Massaker im Hafen von San Pedro, auch ein Zollinspektor. Er lässt sich von dem einzigen Überleben erzählen, wie es zu dem Blutbad im Hafen kam.

Nach zwei Stunden gibt es die überraschende Enthüllung.

„Einer der intelligentesten Thriller des Jahres.“ (Fischer Film Almanach 1997)

McQuarries Drehbuch erhielt unter anderem den Edgar und den Oscar.

Mit Kevin Spacey, Chazz Palminteri, Stephen Baldwin, Gabriel Byrne, Benicio Del Toro, Kevin Pollak, Pete Postlethwaite, Suzy Amis, Giancarlo Esposito, Dan Hedaya, Paul Bartel, Louis Lombardi

Hinweise

Drehbuch „The Usual Suspects“ von Christopher McQuarrie

Wikipedia über “The Usual Suspects”

Bereits um 20.15 Uhr zeigt Kabel 1 “American Beauty” (USA 1999, R.: Sam Mendes). Ebenfalls mit Kevin Spacey.


Cover der Woche

April 28, 2009

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Kleinkram: Criminale-Programm, Internetsperre, Darwyn Cookes „The Hunter“ (Vorschau)

April 28, 2009

Das Programm zur diesjährigen Criminale (6. bis 10. Mai in und um Singen am Hohentwiel) ist online.

Ich wollte nichts dazu sagen, aber unsere Sarah Palin, Familienministerin Ursual von der Leyen, redet hier so konfus über das Bekämpfen von Kinderpornographie im Internet und den von ihr eingebrachten Gesetzesentwurf, dass ich mich danach fragte, was denn eigentlich in dem Entwurf drin steht und ob sie wirklich meint, was sie das sagt.

Wesentlich kompetenter ist dagegen Johnny Haeusler (Spreeblick) zum gleichen Thema. Die anderen 3sat-Interviews sind auch sehenswert.

Und nun etwas erfreuliches: Hier gibt es einen kleinen Vorgeschmack auf Darwyn Cookes Version von Richard Starks erstem Parker-Roman „The Hunter“ (Point Blank, Jetzt sind wir quitt).

Sieht ziemlich gut aus.


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