Ian Rankins Version von „Ocean’s Eleven“

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Nach der Pensionierung von Inspector John Rebus hat sein Erfinder Ian Rankin Zeit, andere Dinge auszuprobieren. Er schrieb ein Serial für die New York Times, eine Oper, Comics, eine kurze Geschichte für ein Leseförderprojekt und man hörte immer wieder etwas von Filmprojekten. Außerdem schrieb Rankin 2008 für die Buchveröffentlichung einen stark erweiterte Version seiner „New York Times“-Fortsetzungsgeschichte „Doors Open“. Die deutsche Ausgabe erschien jetzt, wenige Monate nach der Originalausgabe, als „Der Mackenzie Coup“ bei uns.

Mike Mackenzie ist ein gelangweilter siebenunddreißigjähriger Millionär, der sich für Gemälde interessiert. Zusammen mit seinem Bankberater Allan Cruikshank von der First Caledonian Bank und dem kurz vor der Pensionierung stehenden Kunstprofessor Robert Gissing beschließen sie, einige Bilder zu befreien. Denn die First Caledonian Bank und die National Gallery von Schottland haben viele ihrer Bilder in von vor der breiten Öffentlichkeit verschlossenen Bankräumen und in Lagerhallen. Eine Bilderbefreiung aus der Bank ist zu schwierig, aber Gissing hat einen todsicheren Plan (der natürlich schief geht), wie sie am „Tag der offenen Tür“ aus einer Lagerhalle der National Gallery einige Bilder klauen können.

Selbstverständlich ist so ein Diebstahl nichts für drei Amateure. Sie benötigen professionelle Hilfe, die in Gestalt des lokalen Gangsterbosses Chib Calloway kommt. Mackenzie kennt ihn von der Schule und Calloway beginnt sich gerade für Gemälde zu interessieren. Dass er gleichzeitig Ärger mit einem Chapter der skandinavischen Hell’s Angels hat, die von ihm das immer noch ausstehende Geld für eine Drogenlieferung wollen, und einige Gemälde sehr wertvolle Tauschobjekte sind, erhöht seine Lust, sich an dem Coup zu beteiligen.

Allerdings werden sie von Anfang an von Detective Inspector Ransome, der Calloway hinter Gitter bringen will, beobachtet.

„Der Mackenzie Coup“ ist ein Caper-Krimi und selbstverständlich sind die bekannten Genreversatzstücken von schwieriger Planung, plötzlichen Komplikationen bei der Durchführung, anschließenden Verwicklungen, inclusive Gewalttätigkeiten und Verrat, und überraschender Schlusspointe vorhanden. Aber im Gegensatz zu Donald Westlake, der unter seinem Namen die Dortmunder-Serie und als Richard Stark die Parker-Serie schrieb, platziert Ian Rankin sich in seinem neuen Roman etwas unglücklich zwischen Comedy-Crime und Hardboiled. Denn gerade im direkten Vergleich mit Donald Westlake fallen die Schwächen von „Der Mackenzie Coup“ eklatant auf. Für ein Comedy-Crime-Werk ist „Der Mackenzie Coup“ viel zu ernst, fast schon humorlos, erzählt. Aber für eine richtige Hardboiled-Geschichte ist der Roman dann letztendlich doch zu soft und vorhersehbar. Außerdem sind die Motive der Kunstdiebe für Rankins ernsten Tonfall zu dünn. Mackenzie, zum Beispiel, macht mit, weil er von seinem Leben als Frührentner gelangweilt ist. Seine beiden Freunde, ebenfalls ehrbare Bürger, tun’s, weil sie denken, dass die Öffentlichkeit die Gemälde sehen sollte. Dass sie nach dem Diebstahl die Bilder nur bei sich zu Hause bewundern können und damit eigentlich ihre Aktion ad absurdum führen, stört sie nicht. Für keinen von den dreien ist Geld das Motiv.

In „Der Mackenzie Coup“ ist nach dem jedenfalls vorläufigem Ende der Rebus-Serie vor allem eine Lockerungsübung. Ian Rankin wechselt die Seiten und erzählt eine Gangstergeschichte, die ohne große Änderungen auch vor einigen Jahrzehnten hätte spielen können. Es ist ein Nebenwerk, das nichts über Ian Rankins nächsten Roman sagt.

Ian Rankin: Der Mackenzie Coup

(übersetzt von Ditte und Giovanni Bandini)

Manhattan, 2009

384 Seiten

17,95 Euro

Originalausgabe

Doors Open

Orion Books, 2008

Hinweise

Homepage von Ian Rankin

Deutsche Homepage von Ian Rankin (Goldmann-Verlag)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Rebus’s Scotland – A personal journey“ (2005)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Eindeutig Mord – Zwölf Fälle für John Rebus“ (A good hanging, 1992)

Meine Besprechung von Ian Rankins “Ein Rest von Schuld“ (Exit Music, 2007)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Im Namen der Toten” (The Naming of the Dead, 2006)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Die Seelen der Toten“ (Dead Souls, 1999)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Der diskrete Mr. Flint“ (Watchman, 1988)



Bonushinweise


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3 Responses to Ian Rankins Version von „Ocean’s Eleven“

  1. […] Meine Besprechung von Ian Rankins „Der Mackenzie Coup“ (Doors Open, 2008) […]

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