Cover der Woche

Juni 30, 2009

Keene - Willkommen zu Hause

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TV-Tipp für den 30. Juni: Zwischen Wahn und Wirklichkeit

Juni 30, 2009

ARD, 22.45

Zwischen Wahn und Wirklichkeit (D 2009, R.: Victor Grandits)

Drehbuch: Victor Grandits

Seit „Einer flog übers Kuckucksnest“ wissen wir, wie es in der Irrenanstalt aussieht. Jedenfalls vor Jahrzehnten.

Die 75-minütige Doku gibt einen Einblick in die aktuelle Arbeit des St.-Hedwig-Krankenhauses. In der Psychiatrischen Universitätsklinik der berliner Charité versuchen die Psychiater und Pfleger eine manisch-depressive Studentin, einen schwer depressiven IT-Spezialisten, einen obdachlosen Drogensüchtigen, der an einer Psychose mit Wahnvorstellungen leidet und eine Transsexuelle, die früher selbst als Krankenpfleger in der Psychiatrie gearbeitet hat, einen Journalisten und Grafikdesigner, der unter Zählzwang leidet und eine 26-jährige, die bereits zum 27. Mal in der Psychiatrie ist, zu heilen.

Hinweis

ARD über die Doku (u. U. auch in der Mediathek)


Alter Scheiß? John Godey: Abfahrt Pelham 1 Uhr 23

Juni 29, 2009

Godey - Abfahrt Pelham 1 Uhr 23Godey - The Taking of Pelham 123

In wenigen Tagen startet Tony Scotts Remake von John Godeys 1973 erschienenem Bestseller „The Taking of Pelham 123“ und wenn Hollywood glaubt, dass die alte Geschichte gut genug für ein Remake (schließlich wurde der Roman bereits 1974 verfilmt) ist, könnte der Roman auch nach 35 Jahren immer noch lesenswert sein. Denn im Gegensatz zu anderen Remakes, wie „Der Schakal“ (nicht nach Frederick Forsyths Roman) oder „Shaft“ (nicht nach Ernest Tidymans Roman), wurde sich dieses Mal anscheinend an Godeys Geschichte gehalten.

Sie ist so einfach, wie effizient: Während der Rush Hour kapern vier Gangster eine U-Bahn. Sie fordern eine Million Dollar (Uh, im Film wegen der Inflation zehn Millionen). Wenn sie nicht innerhalb einer Stunde das Geld haben, stirbt die erste Geisel. Lieutenant Clive Prescott beginnt ziemlich erfolglos mit den Verhandlungen. Denn diese Gangster verhandeln nicht, aber sie haben anscheinend mit allem gerechnet. Naja, fast. Denn in der U-Bahn sitzt ein wie ein Hippie aussehender Zivilpolizist und die New Yorker Polizisten halten überhaupt nichts von Verhandlungen. Sie würden das Problem gerne wie früher lösen: stürmen, die Gangster abknallen und den Tod der Geisel in Kauf nehmen. Der Fahrdienstleiter würde die Typen, die seine U-Bahn gekapert haben und den ganzen Fahrplan durcheinander bringen, am liebsten auf den Mond schießen.

John Godey erzählt diese, dank genauer Recherche, mit vielen Fakten angereicherte Geschichte aus über zwei Dutzend verschiedener Perspektiven: aus der der Geiselnehmer, der Geisel, der Verhandler, dem Bürgermeister, den Medien, undundund. So entsteht neben der Geschichte der Geiselnahme auch ein Porträt von New York in den frühen Siebzigern: die Menschen stürmen neugierig zur U-Bahnstation Grand Central, sie sind wegen der Verspätungen verärgert, sie sind wütend auf die Polizei und den Bürgermeister und fast jede Handlung hat, in der Hochzeit der verschiedenen linken Bewegungen, eine politische Bedeutung.

Nur, und das macht Godeys Thriller, neben der glänzenden Recherche und dem atemlosen Wechseln zwischen den verschiedenen Handlungsfäden und Perspektiven, auch heute noch so lesenswert: den Gangstern ist die Politik (die Befreiung vom weißen Unterdrücker und vom Kapitalismus) herzlich egal. Sie wollen nur das Geld. Sie haben ihren Plan von dem großen Ding perfekt ausgearbeitet – bis dann Zufälle und menschliche Schwächen die Planungen über den Haufen werfen.

Derzeit ist die deutsche Ausgabe nur antiquarisch erhältlich. Die Originalausgabe ist mit dem Plakatmotiv des Remakes überall erhältlich.

John Godey: Abfahrt Pelham 1 Uhr 23

(übersetzt von Wulf Bergner)

rororo, 1975

208 Seiten

Originalausgabe

The Taking of Pelham One Two Three

G. P. Putnam’s Son, 1973

Deutsche Erstausgabe

Scherz Verlag

Verfilmungen

Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 1-2-3 (The Taking of Pelham 123, USA 1974)

Regie: Joseph Sargent

Drehbuch: Peter Stone

mit Walter Matthau, Robert Shaw, Martin Balsam, Hector Elizondo, Earl Hindman, James Broderick

The Taking of Pelham One Two Three (USA 1998, TV-FilmI

Regie: Félix Enríquez Alcalá

Drehbuch: April Smith

mit Edward James Olmos, Vincent D’Onofrio, Donnie Wahlberg, Richard Schiff, Lorraine Bracco

Die Entführung der U-Bahn 123 (The Taking of Pelham 123, USA 2009)

Regie: Tony Scott

Drehbuch: Brian Helgeland

mit Denzel Washington, John Travolta, Luis Guzmán, John Turturro, James Gandolfini


TV-Tipp für den 29. Juni: Columbo: Etude in Schwarz

Juni 29, 2009

SRTL, 22.05

Columbo: Etude in Schwarz (USA 1972, R.: Nicholas Colasanto, Peter Falk [ungenannt], John Cassavetes [ungenannt])

Drehbuch: Steven Bochco

Erfinder: Richard Levinson , William Link

Dirigent Alex Benedict will nicht auf die unverschämten Forderungen seiner Geliebten eingehen. Also bringt er sie um und tarnt es als Selbstmord. Aber Lt. Columbo mag Selbstmorde, vor allem Selbstmorde von jungen Frauen nicht, und sucht ihren Mörder.

Bochcos Drehbuch war für einen Emmy nominiert.

Und die Besetzung ist auch nicht schlecht.

SRTL zeigt in den kommenden Wochen fast täglich nach 22.00 Uhr eine „Columbo“-Episode. Dabei mischt der Sender bunt alte und neue Fälle. Aber wenn Lt. Columbo am Ende eines Gesprächs sich an der Tür umdreht und sagt „Eine Frage hätte ich noch.“ dann ist die Welt in Ordnung.

mit Peter Falk, John Cassavetes, Blythe Danner, James Olson, Myrna Loy, Pat Morita


TV-Tipp für den 28. Juni: Papillon

Juni 28, 2009

Arte, 20.15

Papillon (USA 1973, R.: Franklin J. Schaffner)

Drehbuch: Dalton Trumbo, Lorenzo Semple jr.

LV: Henri Charrière: Papillon, 1969 (Papillon)

Henri Charrière, genannt Papillon, wird 1931 zu lebenslanger Strafarbeit in der Strafkolonie Bagno auf der Teufelsinsel Cayenne in Französisch-Guayana verurteilt. Er soll einen Zuhälter ermordet haben. Kaum angekommen, denkt Papillon nur an eine scheinbar unmögliche Flucht.

Tolle Verfilmung der beeindruckenden und höchst erfolgreichen Autobiographie von Charrière. Das Nachfolgewerk „Banco“ war dann mehr episodisch.

Anschließend gibt es die spielfilmlange Doku „Steve McQueen – Leidenschaftlich cool!“ (USA 2005)

Mit Steve McQueen, Dustin Hoffmann, Dalton Trumbo (Nebenrolle)

Wiederholung: Dienstag, 7. Juli, 00.05 (VPS 00.10 Uhr, Taggenau!)


KrimiWelt-Bestenliste Juli 2009

Juni 27, 2009

Die Kritiker der KrimiWelt haben für den Sommermonat Juli diese Liste von Krimis, denen sie viele, viele Leser wünschen, ermittelt:

1 (1) Fred Vargas: Der verbotene Ort

2 (2) Leif GW Persson: Sühne

3 (3) Don Winslow: Pacific Private

4 (5) Roger Smith: Kap der Finsternis

5 (-) P.D. James: Ein makelloser Tod

6 (4*) Monika Geier: Die Herzen aller Mädchen

6 (4) Nick Stone: Der Totenmeister

7 (-) Michael Robotham: Dein Wille geschehe

8 (8) Stefan Slupetzky: Lemmings Zorn

9 (-) Garry Disher: Beweiskette

In den Klammern ist jeweils die Platzierung des Vormonats. Geier war im Mai auf Platz 4 und ist ein Wiedereinstieg.

Mit Winslow, Smith, Stone und Disher sind auch einige Krimis für meinen Geschmack dabei. Der Eintritt von Garry Dishers neuem Hal-Challis-Roman war schon lange überfällig.


TV-Tipp für den 27. Juni: Shaft

Juni 26, 2009

RBB, 23.35

Shaft (USA 1971, R.: Gordon Parks)

Drehbuch: Ernest Tidyman, John D. F. Black

LV: Ernest Tidyman: Shaft, 1970 (Shaft, Shaft und das Drogenkartell)

Musik: Isaac Hayes

Privatdetektiv Shaft sorgt in seinem Revier für Gerechtigkeit – und erfreut nebenbei mit seinen Körpersäften die Herzen der Frauen.

Damals war der Film ein Kassenknüller, heute ist er Kult. Dazu trug nicht unerheblich Isaac Hayes‘ cooler Soundtrack bei, der Shaft bei seinen Streifzügen durch das urbane New York begleitete. Politisch ist er nicht. Gordon Parks sagt: „Es ist ein Filmvergnügen für den Samstagabend, das Leute besuchen, die den schwarzen Helden gewinnen sehen wollen.“

Mit Richard Roundtree, Moses Gunn, Charles Cioffi

Wiederholung

HR: Donnerstag, 9. Juli, 23.50 Uhr

Hinweise

Pendragon: Deutsche Shaft-Seite

Mordlust über Ernest Tidyman

Wikipedia über Shaft (Film)

Thrilling Detective über Shaft (Charakter)

Bonus (in mauer Optik)



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