TV-Tipp für den 5. Juli: Mordrezepte der Barbouzes

SWR, 23.55 (Filmbeginn Saarland: 00.00; Rheinland-Pfalz: 00.35)

Mordrezepte der Barbouzes (F 1964, R.: Georges Lautner)

Drehbuch: Albert Simonin, Michel Audiard

Mehrere Geheimagenten verfeindeter Nationen finden sich auf dem Landhaus eines in einem Bordell verstorbenen Waffenhändlers ein. Jeder will die wertvollen Waffenpatente aus dem Nachlass des Waffenhändlers haben.

Überdrehte Parodie auf Geheimdienste, deren Arbeit und das Genre des Spionage-Thriller. Nette, vollkommen unlogische Unterhaltung für einen verregneten Nachmittag oder eine schlaflose Nacht.

Wolf Donner war nicht amüsiert: „Georges Lautner hat viele schlechte Filme gemacht, diese Kriminalkomödie ist nicht besser…Lautner putzt das [die Handlung, A. d. V.] auf mit intellektuellen Anspielungen auf verschiedene Filme und Genres, auf den autoritären Gabin, auf de Gaulle und den Gaulismus. Klischees werden ironisiert und werden wieder zu Klischees, Ideologiekritik ist bestenfalls aufgesetzt, denn was er zu denunzieren angibt, dem fällt Lautner selbst zum Opfer. Am Ende wird Francis (Ventura) zum Helden stilisiert, der sich aufreibt im Kampf für die Papiere, keine nationale Phrase verschweigt, dafür zwar kein Geld bekommt, aber die Ehre der Franzosen rettet.“ (Die Zeit) – Hm, klingt nach Bond.

Gert Schulte dagegen sehr: „Der Regisseur hat, ohne sich in optische Abenteuer zu stürzen oder irgendeiner Art von ´Neuen Welle´ anzuvertrauen, einen fast unvorstellbaren Wirbel an Turbulenz entfesselt. Wenn die Boxhiebe fallen, fliegen die Getroffenen durch die Türen oder durchs Fenster in den Schloßteich hinunter, um gleich darauf erneut den Gegner zu stellen. Hier wird wahrhaftig mit Entsetzen Scherz getrieben und die Wichtigtuerei der Geheimdienste vergnüglich bloßgestellt. Ein Film,…der intellektuellen wie anspruchslosen Besuchern Spaß machen müsste.“ (film – Eine deutsche Filmzeitschrift, Mai 1965)

Albert Simonin (1905 – 1980) war neben Auguste Le Breton der Begründer des modernen französischen Kriminalromans. Sie verwandten in ihren Romanen die französische Umgangssprache und lieferten präzise Studien des Gangstermilieus. Simonins Grisbi-Romane und die Hotu-Trilogie gehören zu den Klassikern, die dem Polar zu seiner unverwechselbaren Sprache verholfen haben. – In Deutschland sind seine Bücher derzeit nicht erhältlich. Die Verfilmungen seiner Romane (z. B. „Wenn es nacht wird in Paris“, „Die Millionen eines Gehetzten“) und Drehbücher (z. B. „Lautlos wie die Nacht“) werden regelmäßig gezeigt.

Mit Lino Ventura, Mireille Darc, Bernard Blier

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