Der Lone Ranger ruft wieder: „Hi-Yo, Silver!“

Matthews - Cariello - The Lone Ranger 1

In den USA ist der Lone Ranger ein Volksheld. Naja, vielleicht nicht mehr bei den heutigen Teenagern. Obwohl diese mit dem Comic „The Lone Ranger“ von Autor Brett Matthews und Zeichner Sergio Cariello mit dem edlen Gesetzeshüter ihre Bekanntschaft machen konnten. Aber bei den Älteren schon. Denn der „Lone Ranger“ hatte seinen ersten Auftritt 1933 im Radio. Später dann auch im Film, Fernsehen, Comics und Büchern. Bei uns wurden einige „Lone Ranger“-Filme in den frühen Achtzigern in der Reihe „Western von gestern“ verbraten.

Der „Lone Ranger“ ist vor allem ein eindimensionaler Kinderheld, an den Erwachsene sich gerne erinnern. Denn der „Lone Ranger“ ist edel, ritterlich, höflich, rücksichtsvoll, gesetzestreu, Nichtraucher, Abstinenzler und bei der Jagd nach den Bösewichtern immer darauf bedacht, diese nicht verletzten und, wenn er doch als letztes Mittel Gewalt anwenden muss, dann versucht er dies für die Bösewichter möglichst schmerzfrei zu tun. Selbstverständlich verwendet er auch keine Kraftausdrücke. Ja, die Erfinder des Lone Rangers, Fran Striker und George Trendle, formulierten sogar einige Statuten für den Ranger, der für das jugendliche Publikum ein Vorbild sein soll.

In ihrer ursprünglich auf sechs Hefte geplanten Neubelebung des „Lone Rangers“ hielten sich Brett Matthews und Sergio Cariello an diese Regeln. Allerdings erneuerten sie sie teilweise für ein zeitgenössisches Publikum. Das wird besonders deutlich in den an einen Italo-Western erinnernden Breitwand-Panels von Cariello. Die Perspektiven sind oft extrem. Die Gewalt auch. Bei den Schusswechseln spritzt das Blut wie in einem Hongkong-Actionfilm. Der einäugige Killer scheint direkt einem Italo-Western entsprungen zu sein; die maskierten Bösewichter aus einem Horrorfilm. Cariellos Bilder haben nichts von der Putzigkeit älterer Comics und sie sind so ausdruckstark, dass Matthwes die Dialoge auf ein Minimum beschränken kann.

Im ersten „Lone Rangers“-Sammelband „Für immer und ewig“ erzählen sie, wie Texas Ranger John Raid zum Lone Ranger wird. Zusammen mit seinem Vater, seinem Bruder und weiteren Rangers gerät er in einen Hinterhalt, den nur Raid schwerverletzt überlebt. Er wird von dem Indianer Tonto gepflegt. Sie werden Freunde. Raid setzt als offiziell Toter eine Maske auf (Naja, eine Augenbinde ist nicht gerade eine gute Maske, aber beim „Spirit“ hat’s auch gereicht.) und wird zum Lone Ranger, der den Tod seiner Freunde rächen will und am Ende seine Bestimmung findet.

In den USA waren die ersten „Lone Ranger“-Hefte von Brett Matthews und Sergio Cariello bereits nach dem ersten Heft so erfolgreich, dass Matthews und Carriello mit dem Erzählen weiterer „Lone Ranger“-Abenteuer beauftragt wurden. Außerdem wurde die Serie 2007 unter anderem für einen Eisner Award als „Beste Serie“ nominiert.

Die deutsche Ausgabe hat ein sehr informatives Nachwort von Christian Endres und mehrere Skizzen von Sergio Cariello, in denen er zeigt, wie sich die verschiedenen Charaktere vom ersten Entwurf bis zum Endergebnis veränderten.

Der Schlachtruf des „Lone Rangers“ „Hi-Yo, Silver!“, mit dem er sein Pferd antreibt, ertönt jetzt auch wieder in Deutschland.

Brett Matthews (Text)/Sergio Cariello (Zeichungen): The Lone Ranger 1 – Für immer und ewig

(übersetzt von Marc-Oliver Fritsch)

CrossCult 2009

144 Seiten

19,80 Euro

Originalausgabe

The Lone Ranger – Volume 1: Now and Forewer

Classic Media/Dynamite Entertainment 2007, 2009

Hinweise

Wikipedia über „The Lone Ranger“

Internet Archive: The Lone Ranger (Filme und Comics)

National Film and Sound Archive: The Lone Ranger

Fanseite zu „Western von Gestern“

Noch eine „Western von Gestern“-Fanseite

Comic Book Resources: Interview mit Brett Matthews zu „The Lone Ranger“ (30. Juni 2009)

Sergio Cariello: Blog

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