„Long Weekend“ an einem paradiesischen Strand

Peter (Jim Caviezel) und Carla (Claudia Karvan) wollen ein romantisches Wochenende an einer abgeschiedenen Bucht verbringen. Es ist vor allem ein Versuch, ihre kriselnde Beziehung wieder zu kitten. Aber schon auf der Fahrt zum Strand zeigt Regisseur Jamie Blanks, wie Peter ein Tier überfahrt und eine Zigarette achtlos wegwirft. Damit ist, auch für Nicht-Genre-Junkies, klar, dass die beiden in der Einöde nicht nur Beziehungsstress haben, sondern auch gegen die Natur kämpfen müssen.

Trotzdem fällt „Long Weekend“, ein Remake des gleichnamigen australischen Semi-Ökohorrorklassikers von Colin Eggleston, für das Everett De Roche ebenfalls das Drehbuch schrieb, nicht einfach in die Subkategorie der Die-Natur-rächt-sich-am-Menschen-Horrorfilme. Denn die eher zahme und diffuse Bedrohung von außen (gut verstärkt durch die beunruhigende Musik von Jamie Blanks) kann auch immer als ein Sinnbild für die Beziehung von Peter und Carla gesehen werden. Sie bewegen sich im Kreis. Sie fahren, als sie auf der Hinfahrt den Strand suchen, immer wieder am gleichen Baum vorbei. Am nächsten Tag bewegt der Baum sich auf rätselhafte Weise. Sowieso scheinen in Bäume geritzte Pfeile, die Peter und Carla immer wieder im Kreis herumführen, im australischen Busch ein ganz schlechter Wegweiser zu sein. Sie können über bestimmte Dinge nicht sprechen. Sie misstrauen sich – obwohl sie einmal glücklich miteinander waren. Sie sehen die schönen Seiten der Natur (Jamie Blanks hat Bilder vom Wilsons-Promontory National Park aufgenommen, die nach einer großen Leinwand verlangen.). Aber sie verstehen die Natur nicht. Sie will vor allem wieder zurück in die Zivilisation. Er ist der junge Flegel, der den ersten Tag – quasi als Freizeitbeschäftigung – mit dem sinnlosen Fällen eines Baumes beginnt. Aber er hört mittendrin mit dem Fällen auf. Später schießt er ebenso grundlos auf Fische und Vögel und, sobald die Wellen es zulassen, will er eine Runde surfen.

Diese Story ist für einen Spielfilm einfach zu statisch und vorhersehbar. Die Attacken der Natur gegen den Menschen sind zu selten. Meistens ist es eine eher diffuse Bedrohung, die verschieden interpretiert werden kann. Auch zwischen Peter und Carla geschieht zu wenig. Denn für uns Zuschauer ist bereits in den ersten Minuten offensichtlich, dass diese Beziehung zu Ende ist. Nur sie wissen es noch nicht und ihre Versuche, die Beziehung zu kitten, sind höchstens halbherzig.

Deshalb wirkt das Zwei-Personen-Stück „Long Weekend“ wie ein auf Spielfilmlänge gedehnter Kurzfilm.

Als Bonusmaterial gibt es eine geschnittene Szene (ein Robert-de-Niro-ähnlicher Monolog von Jim Caviezel), den deutschen und den amerikanischen Trailer, ein vierzigminütiges Produktionstagebuch (mit einem sehr informativem Audiokommentar von Jamie Blanks) und einen uninteressantem Audiokommentar von Jamie Blanks, Everett De Roche, Jim Caviezel und Claudia Karvan. Denn außer gegenseitigem Lob gibt es fast nichts zu hören.

Long Weekend

Long Weekend (Long Weekend, Australien 2008)

Regie: Jamie Blanks

Drehbuch: Everett De Roche

mit Jim Caviezel, Claudia Karvan

DVD

Sunfilm

Laufzeit: 84 Minuten

Bild: 16:9 (1:2,35)

Sprachen: Deutsch, Englisch (5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Production Diary, Outtake, Audiokommentar, deutscher und englischer Trailer, Wendecover

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Bluray-Disc: Interview mit Jamie Blanks zu „Long Weekend“ (Achtung: es wird auch über das Ende des Films diskutiert)

Bereits gesehen: Interview mit Jamie Blanks zu „Long Weekend“ und seinen anderen Filmen

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