Edgar-Preisträger 2008: John Hart – Der dunkle Fluss

September 30, 2009

Hart - Der dunkle Fluss

Bereits John Harts Debüt „Der König der Lügen“ wurde in den USA mit Lob überschüttet und für zahlreiche renommierte Preise nominiert. Unter anderem für einen Edgar als „Bestes Debüt“. Sein zweiter Roman „Der dunkle Fluss“ erhielt dann, angesichts der starken Konkurrenz etwas rätselhaft, den Edgar als „Bester Roman“.

Denn als Kriminalroman funktioniert „Der dunkle Fluss“ kaum. Die Geschichte von dem des Mordes angeklagten und vor Gericht freigesprochenen Sohn Adam Chase, der nach Jahren in der Fremde in seine alte Heimat zurückkehrt, dort gleich in etliche Verbrechen, den dorfinternen Konflikt um den geplanten Bau eines Kraftwerks und alte Familiengeschichten verwickelt wird, ist nicht neu.

Das wäre nicht weiter schlimm, wenn John Hart dem Genrefan einige überraschende Wendungen präsentieren würde. Aber die Geschichte entwickelt sich sehr vorhersehbar. Denn selbstverständlich hält die Gemeinde ihn immer noch für den Mörder. Immerhin war seine Stiefmutter die Hauptzeugin der Anklage und er wurde von den Geschworenen nur mangels Beweisen freigesprochen. Weil mit seiner Ankunft die Verbrechensrate explosionsartig steigt, ist für die Einheimischen klar, dass er für diese Überfälle und Morde verantwortlich ist. Auch für den ermittelnden Polizisten ist er der Hauptverdächtige. Chase will seine Unschuld beweisen und beginnt auf eigene Faust den Mörder seines Jugendfreundes zu suchen.

Diese Mördersuche ist für John Hart allerdings nur der dürftige rote Faden, um sich ausführlich episch geschilderter Südstaatenatmosphäre und den Gefühlen seines Erzählers Chase zu widmen. Denn die Familie Chase, alter Südstaatenadel, erinnert dabei an das Personal eines Tennessee-Williams-Stücks. Entsprechend viel kann über sie erzäht werden.

Die Handlung bewegt sich dagegen höchstens im Schneckentempo voran zu der, angesichts der wenigen Verdächtigen, gar nicht so überraschenden Enttarnung des Mörders.

Als Kriminalroman ist „Der dunkle Fluss“ uninteressant und nicht Edgar-würdig.

Aber als Symptom für den Trend zu „literarischen Kriminalromanen“ ist er paradigmatisch. Es gibt eine Kriminalgeschichte, die ein Pulp-Autor mit mehr Wendungen auf 150 Seiten erzählt hätte. Zusätzlich gibt es ein Drama über eine reiche, dysfunktionale Familie und eine Coming-of-Age-Geschichte. Immerhin erfährt Chase erst jetzt, was in seiner ach so heilen Familie alles im Argen liegt.

Menschen, die sonst keine Krimis lesen dürfen sich freuen, dass die Familiengeschichte dank der Krimibeigabe spannender als gewohnt ist und ohne schmutzige Worte auskommt.

Krimifans dagegen können „Der dunkle Fluss“, trotz des Edgars, ignorieren. Sie verpassen nichts.

John Hart: Der dunkle Fluss

(übersetzt von Rainer Schmidt)

Bertelsmann, 2009

384 Seiten

19,95 Euro

Originalausgabe

Down River

Thomas Dunne Books, 2007

Hinweise

Homepage von John Hart

Meine Besprechung von „Der König der Lügen“ (The King of Lies, 2006)


TV-Tipp für den 30. September: Der Tod kennt keine Wiederkehr

September 30, 2009

Das Vierte, 22.00

Der Tod kennt keine Wiederkehr (USA 1973, R.: Robert Altman)

Drehbuch: Leigh Brackett

LV: Raymond Chandler: The long goodbye, 1953 (Der lange Abschied)

Philip Marlowe hilft seinen Freund Terry Lennox aus der Klemme. Er soll seine Frau umgebracht haben.

Bitterböse Abrechnung mit dem amerikanischen Traum und einem Marlowe (Elliot Gould), der als Relikt durch die Story gestossen wird. – Eine der besten Chandler-Verfilmungen!

Leigh Brackett (1915 – 1978, Schriftstellerin, außerdem schrieb sie die Drehbücher zu „Tote schlafen fest“, „Rio Bravo“, „El Dorado“, „Krieg der Sterne: Das Imperium schlägt zurück“) sagte zu ihrer und Altmans Vorstellung von der Figur Marlowe: „Ich sehe Marlowe so, wie Chandler ihn sah, als Verlierer. Aber ein wirklicher Verlierer, nicht der falsche Gewinner, den Chandler aus ihm machte. Ein Verlierer auf der ganzen Linie….Goulds Marlowe ist ein Mann von simpler Redlichkeit, Ehrlichkeit, Vertrauen und vollständiger Integrität. Alles, was wir machten, war, ihn von den Attributen eines falschen Helden zu befreien. Chandler Marlowe wusste immer mehr als die Polizei. Er konnte zu Brei geschlagen werden, aber er kam immer irgendwie ungeschoren davon. Nur aufgrund bloßer Kraft der Persönlichkeit, professioneller Sachkenntnis und Frechheit war er im Vorteil. Wir meinten ´Solch ein Mann besitzt keinen Vorteil. Er wird rumgestoßen. Die Leute nehmen ihn nicht ernst. Sie wissen nicht, was mit ihm los ist, und es kümmert sie auch nicht´. Also wurde aus dem harten Typ Marlowe ein Gefoppter.“ (Take One)

Pflaum dazu: „Altmann hat Marlowe so gründlich demystifiziert, dass dem Zuschauer in jedem Moment bewußt ist: dieser Mann übernimmt sich, und es ist allein eine Frage der Zeit, bis sich das rächt. Der Held Raymond Chandlers ist nie gefährdeter, nie sterblicher gewesen als in The long goodbye; Altman hat dem Roman auf seine Weise die realistische Dimension zurückgegeben, die er, unter anderen Vorzeichen, einmal hatte“ (Hans Günther Pflaum in Robert Altmann, Hanser Reihe Film 25)

Mit Elliott Gould, Nina van Pallandt, Sterling Hayden, Mark Rydell, Henry Gibson, David Carradine (Cameo), Arnold Schwarzenegger (eigentlich auch ein Cameo-Auftritt)

Hinweise

Thrilling Detective über Raymond Chandler und Philip Marlowe

Wikipedia über Raymond Chandler (deutsch, englisch)


Neue TV-Krimi-Buch-Tipps online

September 29, 2009

Alligator-Alfred (frisch erholt, gebräunt und wohlernährt von seinem Urlaub) hat sich die neuen TV-Krimi-Buch-Tipps geschnappt, gnadenlos aufgebretzelt und online gestellt. Ich bin sprachlos und liefere hier nur die ersten Zeilen:

Die filmischen Höhepunkte der kommenden Tage sind Billy Wilders „Das Privatleben des Sherlock Holmes“, Joseph Sargents John-Godey-Verfilmung „Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123“ (pünktlich zum Kinostart läuft mal wieder das Original), Shane Blacks Brett-Halliday-Verfilmung „Kiss Kiss Bang Bang“, Robert Altmans Raymond-Chandler-Verfilmung „Der Tod kennt keine Wiederkehr“, Ladislao Vajdas Friedrich-Dürrematt-Verfilmung „Es geschah am hellichten Tag“, Jules Dassins Eric-Ambler-Verfilmung „Topkapi“ und Martyn Friends fast unbekannte Jim-Lusby-Verfilmung „Die Spur des Verräters“.
Außerdem läuft die schon lange nicht mehr gezeigte, auf einem wahren Fall basierende Politsatire „Der Fall Lucona“.


Cover der Woche

September 29, 2009

Gardner - Perry Mason solves the Case of the Cautious Coquette


TV-Tipp des Tages: Kiss Kiss Bang Bang

September 29, 2009

Tele 5, 22.30

Kiss Kiss Bang Bang (USA 2005, R.: Shane Black)

Drehbuch: Shane Black

LV: Brett Halliday: Bodies are where you find them, 1941

Zuerst stolpert Einbrecher Harry Lockhart auf seiner Flucht vor der Polizei in einen Vorsprechtermin und erhält prompt eine Filmrolle. Als er über eine Hollywood-Party stolpert, trifft er seine Jugendliebe Harmony Faith Lane und, als er zwecks Rollenstudium, mit einem knallharten PI Gay Perry (schwul) durch die Straßen Hollywoods schlendert, stolpern sie alle in einen undurchsichtigen Komplott, der direkt aus einem Film der Schwarzen Serie stammen könnte.

Köstliche Liebeserklärung an die Pulps, der natürlich nur lose auf dem Mike-Shayne-Roman basiert, aber dafür ausführlich Chandler zitiert (Zwischentitel, Voice-Over,…).

first significant neo-noir of the twenty-first century” (Alexander Ballinger/Danny Graydon: The Rough Guide to Film Noir, 2007)

mit Robert Downey Jr., Val Kilmer, Michelle Monaghan, Corbin Bernsen, Rockmond Dunbar

Wiederholung: Mittwoch, 30. September, 02.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Kiss Kiss Bang Bang“

Spike: Interview mit Shane Black (17. Oktober 2005)

Drehbuch „Kiss, Kiss, Bang, Bang“ von Shane Black (Fassung vom 21. November 2003)


Brenner, back in action

September 28, 2009

Haas - Der Brenner und der liebe GottHaas - Brenner-Box

Der Herr Simon sitzt in einem Tankstellenshop und brütet vor seinem Kaffee. Still, introvertiert und lange. Als er schließlich zu seinem Auto zurückkehrt, ist sein Passagier, die zweijährige Helena, verschwunden und knappe 200 Seiten später hat es einige Tote gegeben und der Brenner einen weiteren Fall aufgeklärt.

Seinen siebten Fall.

Nach einer mehrjährigen Pause.

Die ersten sechs Brenner-Fälle erschienen innerhalb weniger Jahre zwischen 1996 und 2003. Am Ende von „Das ewige Leben“ ließ Wolf Haas sogar den Erzähler der Brenner-Romane sterben, weil er, so Haas in einem Interview, mit dem Brenner fertig war. Doch nach einer sechsjährigen Pause, in der er andere Romane veröffentlichte, hatte er wieder Lust auf seinen Privatdetektiv gehabt und schrieb „Der Brenner und der liebe Gott“.

Und die neue Geschichte, quasi die Ösi-Variante von „Transporter 2“, hat es in sich. Denn Brenner arbeitet inzwischen als Fahrer für die Familie Kressdorf. Sie ist eine Ärztin, die mit Abtreibungen ihr Geld verdient. Ihr Mann ein bekannter Bauunternehmer, der gerade ein großes Bauprojekt plant, in das – immerhin sind wir in einem Krimi – auch hochrangige (und entsprechend korrupte) Politiker involviert sind. Und der Eigentümer des Hauses, in dem die Abtreibungsklinik residiert, führt einen Kleinkrieg gegen die Ärztin. Denn er ist ein fanatischer Abtreibungsgegner.

Brenner hat also, nachdem er nach dem ersten Viertel des Buches von dem introvertierten Chauffeur Herr Simon wieder zu dem introvertierten Privatdetektiv Brenner wird, eine reichhaltige Auswahl an Verdächtigen. Weil er immer noch etwas langsam, aber sehr hartnäckig ist, gibt es am Ende mehrere Tote und einen handfesten Skandal, der mit österreichischer Lässigkeit unter den Teppich gekehrt wird.

Das klingt jetzt nach dem typischen Chaos der früheren Brenner-Romane, bei denen die Geschichte kaum nacherzählt werden kann. Denn diese war oft sehr dünn und sollte besser nicht zu genau auf Logik und Wahrscheinlichkeit überprüft werden. Wegen der Sprache und den Abschweifungen mit einem Hang zur Alltagsphilosophie waren die Romane dennoch eine gute Unterhaltung für einen langen Abend.

In „Der Brenner und der liebe Gott“ ist die Geschichte dagegen ein ziemlich geradliniger Privatdetektiv-Krimi, der in dem typischen Haas-Sound erzählt wird. Weil die Geschichte dieses Mal sogar nachvollziehbar und in sich schlüssig ist, ist der siebte Auftritt von Simon Brenner auch der bislang beste Brenner-Krimi von Wolf Haas.

Aber auch der beste Brenner-Roman ist nur halb so gut wie die Verfilmungen der Brenner-Romane „Komm, süßer Tod“, „Silentium!“ und „Der Knochenmann“ des Teams Murnberger/Hader/Haas mit dem grandiosen Josef Hader in der Hauptrolle.

Wolf Haas: Der Brenner und der liebe Gott

Hoffmann und Campe, 2009

224 Seiten

18,99 Euro

Wolf Haas: Die 6 Brenner-Romane (im Schuber)

Hoffman und Campe, 2006

48 Euro

Die Ermittlungen von Brenner

Auferstehung der Toten (Rowohlt, 1996)

Der Knochenmann (Rowohlt, 1997)

Komm, süßer Tod (Rowohlt, 1998)

Silentium! (Rowohlt, 1999)

Wie die Tiere (Rowohlt, 2001)

Das ewige Leben (Hoffmann und Campe, 2003)

Der Brenner und der liebe Gott (Hoffmann und Campe, 2009)

Die Verfilmungen

Komm, süßer Tod (Aus 2000)

Regie: Wolfgang Murnberger

Drehbuch: Wolfgang Murnberger, Wolf Haas, Josef Hader

mit Josef Hader, Simon Schwarz, Barbara Rudnik, Michael Schönborn, Bern Michael Lade, Nina Proll, Wolf Haas

Silentium! (Aus 2004)

Regie: Wolfgang Murnberger

Drehbuch: Wolfgang Murnberger, Wolf Haas, Josef Hader

mit Josef Hader, Simon Schwarz, Joachim Król, Maria Köstlinger, Udo Samel, Jürgen Tarrach, Rosie Alvarez, Johannes Silberschneider, Karl Fischer, Christoph Schlingensief, Herbert Fux, Wolf Haas

Der Knochenmann (Aus 2009)

Regie: Wolfgang Murnberger

Drehbuch: Wolfgang Murnberger, Wolf Haas, Josef Hader

mit Josef Hader, Simon Schwarz, Josef Bierbichler, Stipe Erceg, Birgit Minichmayr, Christoph Luser, Dokra Gryllus

Das ewige Leben (Aus 2011 – geplant)

Regie: Wolfgang Murnberger

Drehbuch: Wolfgang Murnberger, Wolf Haas, Josef Hader

Hinweise

Lexikon der deutschen Krimiautoren über Wolf Haas

Krimi-Couch über Wolf Haas

Wikipedia über Wolf Haas

Planet Interview: Interview mit Wolf Haas (zum Film „Silentium!“ und den Brenner-Romanen, 12. Februar 2005)

Vienna: Interview mit Wolf Haas (28. August 2009)

Kriminalakte über „Komm, süßer Tod“ und „Der Knochenmann“


TV-Tipp für den 28. September: Burn Notice

September 28, 2009

Vox, 22.05

Burn Notice: Kaltgestellt (USA 2007, R.: Jace Alexander)

Drehbuch/Erfinder: Matt Nix

Covert intelligence involves a lot of waiting around. Know what it’s like being a spy? Like sitting in your dentist’s reception area twenty-four hours a day. You read magazines, sip coffee, and every so often, someone tries to kill you.“ (die ersten Worte von Michael Westen in „Kaltgestellt“)

Nachdem in den letzten Jahren das Krimifernsehen fast nur aus „CSI“- und „Law & Order“-Klonen bestand, ist die ironische PI/Agentenserie „Burn Notice“ eine höchst willkommene Abwechslung. Denn in ihr werden keine Morde aufgeklärt.

US-Geheimagent Westen muss, nachdem er verbrannt ist, in Miami bleiben. Wenn er die Stadt verlässt, wird er von seinen früheren Bossen umgebracht. Weil sie auch seine Bankkonten gesperrt haben, muss er sich mit verschiedenen Jobs, die seinen Fähigkeiten entsprechen, über Wasser halten. Seine einzigen Freunde sind seine Ex-Freundin und IRA-Terroristin Fiona („A spy is just a criminal with a government paycheck.“), der Ex-Agent und Schürzenjäger Sam („You know spies. Bunch of bitchy little girls.“) und seine kettenrauchende Mutter, die ihrem Sohn einige sehr schlecht bezahlte Aufträge verschafft und auch sonst gerne seine Hilfe in Anspruch nimmt.

Michael Westen is Jim Rockford and MacGyver filtered through Carl Hiaasen.“ (LA Weekly)

Matt Nix erhielt für diese Folge den Edgar.

Mit Jeffrey Donovan (Michael Westen), Gabrielle Anwar (Fiona Glenanne), Bruce Campbell (Sam Axe), Sharon Gless (Madeline Westen)

Hinweise

USA Network über „Burn Notice“

Vox über „Burn Notice“

Wikipedia über „Burn Notice“ (deutsch, englisch)

Thrilling Detective über Michael Westen

Kriminalakte über „Burn Notice“

Bonus


Deutscher Fernsehpreis 2009 verliehen

September 27, 2009

Jetzt isser verliehen. Die Nominierungsliste war ja nicht so toll, aber immerhin:

– „Mogadischu“ ist bester Film

– „Der Lehrer“ ist beste Serie (hm, acht halbstündige Episode, die vor der Ausstrahlung zwei Jahre im Archiv lagerten; aber bei der Konkurrenz war es für die Jury wohl die Wahl des kleinsten Übels. Ich sage nur „Lasko“.)

– Josef Hader ist bester Schauspieler

– Senta Berger ist beste Schauspielerin

– ZDF-Wahlforum ist die beste Informationssendung/Moderation (Hab nur einige Minuten von dem Dreistünder gesehen und war nicht begeistert. Soll die Diskussionsrunde mit von der Leyen, Gabriel, Niebel, Özdemir, Pau und Söder wirklich das Beste gewesen sein, was die Sender zur Bundestagswahl auf die Beine stellen konnten? Ich hoffe nicht.)

Alle Preisträger hier.


TV-Tipp für den 27. September: Die verfilmten Kriminalromane

September 26, 2009

ZDF, 22.15

Fred Vargas: Es geht noch ein Zug von der Gare du Nord (F/D 2009, R.: Josée Dayan)

Drehbuch: Emmanuel Carrère

LV: Fred Vargas: L’homme aux cercles bleus, 1991 (Es geht noch ein Zug von der Gare du Nord)

In Paris hinterlässt ein Unbekannter Kreidekreise mit bedrohlichen Botschaften an einen Victor. Kommissar Adamsberg ahnt schlimmes.

mit Jean-Hugues Anglade, Jacques Spiesser, Charlotte Rampling, Jean-Pierre Léaud

Tele 5, 22.15

Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123 (USA 1974, R.: Joseph Sargent)

Drehbuch: Peter Stone

LV: John Godey: The taking of Pelham One Two Three, 1973 (Abfahrt Pelhalm 1 Uhr 23)

Spannender Thriller über die Entführung einer New Yorker U-Bahn.

Mit Walter Matthau, Robert Shaw, Martin Balsam, Hector Elizondo, Earl Hindman, James Broderick, Dick O’Neill, Lee Wallace

Hinweise

Kriminalakte über das Remake

Meine Besprechung von John Godeys “Abfahrt Pelham 1 Uhr 23” (The taking of Pelham One Two Three, 1973)


KrimiWelt-Bestenliste Oktober 2009

September 26, 2009

Die Bestenliste der KrimiWelt-Jury für den Oktober sieht so aus:

1 (5) Wolf Haas: Der Brenner und der liebe Gott

2 (1) James Sallis: Dunkle Schuld

3 (8) Tana French: Totengleich

4 (7) Warren Ellis: Gott schütze Amerika

5 (7) Friedrich Ani: Totsein verjährt nicht

6 (-) Ulrich Ritzel: Beifang

7 (-) David Peace: Tokio im Jahr Null

8 (3) Reggie Nadelson: Kalter Verrat

9 (2) Richard Stark: Das Geld war schmutzig

10 (9) Andrew Brown: Schlaf ein, mein Kind

In ( ) ist die Platzierung des Vormonats.

Nach den großen Veränderungen der Vormonate gibt es dieses Mal nur zwei (wenig überraschende) Neueinsteiger und fast nur alte Bekannte. Sallis, Ani, Ritzel, Peace, Nadelson, Stark sind regelmäßig auf der Liste. French auch, aber „Totengleich“ ist erst ihr zweiter Roman. Nur Ellis (ein Mann aus der Comic-Szene) und Brown sind für passionierte Kriminalromanleser neue Namen.

Haas ist zwar für Krimifans ein alter Bekannter, aber weil er in den vergangenen Jahren keine Brenner-Romane schrieb, war er noch nicht auf der KrimiWelt-Bestenliste vertreten.

Und Ken Bruen ist wieder draußen.

Hm, wenn er draußen bleibt, beweisen die deutschen Kritiker immerhin ihre Eigenständigkeit gegenüber England und Amerika.


Shortlist für CWA Ellis Peters Historical Award 2008/2009

September 26, 2009

Die CWA hat die Shortlist für den diesjährigen Ellis Peters Historical Award verkündet:

– Rennie Airth: The Dead of Winter (Macmillan)

– Philip Kerr: If the Dead Rise Not (Quercus)

– Shona MacLean: The Redemption of Alexander Seaton (Quercus)

– Mark Mills: The Intelligence Officer (HarperCollins)

– Andrew Williams: The Interrogator (John Murray)

– Laura Wilson: An Empty Death (Orion Publishing Group)

Am 29. Oktober wird in London der Gewinner bekannt gegeben.


Einige Berichte aus der Welt des Verbrechens

September 26, 2009

Vor einigen Jahren druckten Tageszeitungen auch die Links zu den ihn ihren Meldungen zitierten Berichten ab. Heute geschieht das nur noch manchmal und SpiegelOnline verzichtet meistens darauf.

Deshalb gibt’s jetzt einige Links zu sicher lesenswerten (ich kam noch nicht dazu), brandneuen Berichten aus der Welt der Politik, Wirtschaft und Wirtschaftskriminalität.

Beginnen wir mit der aktuellen Studie von PWC zur Wirtschaftskriminalität:

Betrug, Spionage, Korruption und andere Straftaten haben in den vergangenen zwei Jahren über 60 Prozent der deutschen Großunternehmen getroffen. Gleichzeitig sind die direkten finanziellen Schäden durch Wirtschaftskriminalität drastisch gestiegen. Im Durchschnitt verursachte jedes aufgedeckte Delikt einen Schaden von knapp 4,3 Millionen Euro, während der Vergleichswert im Zeitraum von 2005 bis 2007 bei knapp 1,6 Millionen Euro lag, wie aus der Studie „Wirtschaftskriminalität 2009 – Zur Sicherheitslage in deutschen Großunternehmen“ der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg hervor geht. Die zusätzlichen Aufwendungen für das Schadensmanagement, beispielsweise Anwaltskosten, lagen von 2007 bis 2009 unverändert bei rund 830.000 Euro je Delikt.

„Die direkten Kriminalitätskosten sind aber oft nur die Spitze des Eisbergs. Vor allem bei Korruption, Datendiebstahl oder auch Preisabsprachen wiegt der Schaden für den Ruf des betroffenen Unternehmens mittlerweile schwerer als der messbare finanzielle Verlust“, betont Steffen Salvenmoser, ehemaliger Staatsanwalt und Partner bei PwC.

Weitere Infos und die Studie (kann kostenlos bestellt werden; pdf derzeit nicht vorhanden).

Transparency International hat ihren „Global Corruption Report 2009“ vorgestellt:

Schwerpunktthema des Berichts ist in diesem Jahr die Privatwirtschaft. Dem Bericht zufolge führt das enorme Ausmaß globaler Korruption – Bestechung, Preiskartelle und unzulässige Einflussnahme auf die Politik – zu immensen Kosten und verhindert eine nachhaltige Entwicklung. Der Bericht zeigt, wie korrupte Praktiken den fairen Wettbewerb unterminieren, wirtschaftliches Wachstum hemmen und letztlich die Existenz der Unternehmen gefährden. Korruption führt zudem zu sinkender Arbeitsmoral sowie zu Vertrauensverlust bei Kunden und Geschäftspartnern. Gleichzeitig steigen die Risiken, erwischt zu werden; so müssen Unternehmen wegen korrupter Praktiken allein in den letzten zwei Jahren Milliarden an Bußgeldern zahlen. (…)

Größtes Defizit ist in Deutschland die fehlende Ratifizierung der UN-Konvention gegen Korruption. Hier hat die  große Koalition in der vergangenen Legislaturperiode versagt. Deutschland wird deshalb im November bei der dritten Vertragsstaatenkonferenz in Doha bei den Verhandlungen über weltweite Überwachungsmechanismen nicht gleichberechtigt teilnehmen können. Dies schadet der deutschen Wirtschaft, die ein hohes Interesse an international einheitlicher Korruptions­bekämpfung hat. Weitere regulative Defizite in Deutschland sind das Fehlen eines Korruptions­registers, das Fehlen eines umfassenden Hinweisgeberschutzes und das Fehlen von Transparenz­anforderungen bei der freihändigen und beschränkten Vergabe.

Hier geht’s zum Bericht.

Oh, und hier zu den Wahlprüfsteinen von TI zur Bundestagswahl.

International geht’s weiter mit Statewatch. Ben Hayes hat die Studie „NeoConOpticon – The EU Security-Industrial Complex“ geschrieben:

Despite the often benign intent behind collaborative European ‘research’ into integrated land, air, maritime, space and cyber-surveillance systems, the EU’s security and R&D policy is coalescing around a high-tech blueprint for a new kind of security. It envisages a future world of red zones and green zones; external borders controlled by military force and internally by a sprawling network of physical and virtual security checkpoints; public spaces, micro-states and ‘mega events’ policed by high-tech surveillance systems and rapid reaction forces; ‘peacekeeping’ and ‘crisis management’ missions that make no operational distinction between the suburbs of Basra or the Banlieue; and the increasing integration of defence and national security functions at home and abroad.

It is not just a case of “sleepwalking into” or “waking up to” a “surveillance society”, as the UK’s Information Commissioner famously warned, it feels more like turning a blind eye to the start of a new kind of arms race, one in which all the weapons are pointing inwards. Welcome to the NeoConOpticon.

Hier geht’s zur Pressemitteilung und Telepolis hat mit Ben Hayes über seine Studie gesprochen:

Die EU hat bereits eine Reihe von überwachungsfreundlichen Gesetzen eingeführt, mehr sogar als die USA. Diese Maßnahmen beinhalten die verpflichtende Überwachung von Telekommunikation; die Einführung von Fingerabdrücken in EU-Reisepässen, Visa und Aufenthaltserlaubnissen sowie die Einführung biometrischer Identifikationssysteme; Auswertung und Austausch von Flugdaten; Überwachung finanzieller Transaktionen. Im Rahmen des europäischen Sicherheitsforschungsprogramms hat die EU Aufträge für Forschung und Entwicklung erteilt, (…) Dieses gesamte Programm dient in Wirklichkeit dazu, Europas Polizeibehörden, Sicherheitsdienste, Grenztruppen, Agenturen zum Krisenmanagement und paramilitärische Einheiten mit den neuesten Überwachungstechniken auszurüsten.



TV-Tipp für den 26. September: Die verfilmten Kriminalromane

September 26, 2009

BR, 20.15

Erntedank. Ein Allgäukrimi (D 2009, R.: Rainer Kaufmann)

Drehbuch:

LV: Volker Klüpfel/Michael Kobr: Erntedank, 2004

Kommissar Kluftinger sucht einen Mörder, der sich bei seinen Taten anscheinend von Sagen inspirieren lässt.

Nun haben auch die Allgäuer ihren Regiokrimi im TV. Die Kluftinger-Bücher von Klüpfel/Kobr sind ja schon erfolgreich.

Im Anschluss läuft um 21.50 Uhr das halbstündige “Making of ‚Erntedank’”.

mit Herbert Knaup, Michaela Aspar, August Zirner, Eva Blum

Hinweise

Die Seite von Kommissar Kluftinger

Spiegel Online: Interview mit Volker Klüpfel und Michael Kobr über ihre Romane und die Verfilmung (22. September 2009)

WDR, 20.15

Donna Leon: Venezianisches Finale (D 2003, R.: Sigi Rothemund)

Drehbuch: Kathrin Richter, Ralf Hertwig

LV: Donna Leon: Death at La Fenice, 1992 (Venezianisches Finale)

Wer hat Dirigent Wellauer umgebracht? Commissario Brunetti ermittelt.

Bei dem ersten Auftritt von Uwe Kockisch und Julia Jäger soll sich die Spannung in Grenzen halten.

Eine vernichtende Rezension des Buches von Ekkehard Knörer gibt es auf der crime-corner-Seite.

ARD, 23.15

Mankells Wallander: Tödliche Fracht (S/D 2005, R.: Anders Engström)

Drehbuch: Cilla Börjlind, Rolf Börjlind

LV: Henning Mankell (Treatment)

Kommissar Wallander und seine Tochter Linda suchen die Mörder von neun, in einem LKW-Container gefundenen, toten Flüchtlingen aus dem Mittleren Osten. Die erste Spur führt zu einem Kloster.

Neunter Fall der auf dreizehn Folgen angelegten Serie mit dem neuen Wallander.

Mit Krister Henriksson, Johanna Sällström

RBB, 23.35

Coma (USA 1978, R.: Michael Crichton)

Drehbuch: Michael Crichton

LV: Robin Cook: Coma, 1977 (Koma)

Die Ärztin Susan Wheeler hat einen schrecklichen Verdacht: ihre Vorgesetzten versetzen Patienten ins Koma und betreiben mit ihren Innereien einen schwunghaften, illegalen Organhandel. Ein Geschäft, das sie sich von Susan Wheeler nicht vermiesen lassen wollen.

Ungemein spannender, perfekt inszenierter und geschnittener Thriller“ meint der Filmdienst, im Einklang mit anderen Kritiken, über den okayen Thriller aus der bösen Welt der Mediziner, mit einem großartigen Richard Widmark, einem herrlich hilflosen Tom Selleck und die beiden Hauptdarsteller sind auch nicht zu verachten. Der medizinische Hintergrund, immerhin schrieb ein Arzt den Roman und ein anderer inszenierte den Film, ist dagegen nicht so wichtig.

Mit Geneviève Bujold, Michael Douglas, Elizabeth Ashley, Rip Torn, Richard Widmark, Lois Chiles, Tom Selleck

Hinweise

Kriminalakte: Nachruf auf Michael Crichton

Homepage von Michael Crichton

Krimi-Couch über Robin Cook

ZDF, 01.45

Der Todesrächer von Soho (D/E 1972, R.: Jess Frank, eigentlich Jesus Franco)

Drehbuch: Art Bernd, Jess Frank

LV: Bryan Edgar Wallace: Death Packs a Suitcase, 1961 (Der Tod packt seinen Koffer; andere Quellen nennen „The Corpse Packs His Bags“, aber über dieses Werk sind keine weiteren Angaben auffindbar; einige nennen eine ungenannte Kurzgeschichte von Bryan Edgar Wallace als Vorlage, aber in Wirklichkeit wurde wahrscheinlich nur der Name Wallace für die Werbung benutzt)

Ein Polizist und ein Krimiautor ermitteln gemeinsam in einer Mordserie. Die Spur führt ins Rauschgiftmilieu.

Nun, Herr Franco liefert die vertraute Qualität – und Arthur Brauner (der als Art Bernd auch am Drehbuch mitschrieb) schloß als Produzent das Kapitel „Wallace“ ab.

Die Musik schrieb Rolf Kühn.

Mit Fred Williams, Horst Tappert, Barbara Rütting, Wolfgang Kieling, Rainer Basedow, Elisa Montes, Siegfried Schürenberg

ZDF, 03.00

Die Hölle am Ende der Welt (F/I 1971, R.: Jean Herman)

Drehbuch: Jean Herman, Henri Charriére

Marco, zwei Komplizen und Stripperin Popsy Pop wollen in Venezuela Diamanten klauen. Allerdings hat Popsy Pop eigene Pläne.

Drehbuchautor und Hauptdarsteller Henri Charriére ist vor allem für seine erfolgreich verfilmte Biographie „Papillon“ bekannt. Dies ist sein einziger Auftritt als Schauspieler.

Langweiliger Abenteurfilm mit Henri Charriére, Claudia Cardinale, Stanley Baker

auch „Popsy Pop“


Wer zur Hölle ist Ben Hecht?

September 25, 2009

Hecht - Von Chicago nach Hollywood

Ben Hecht dürfte nur den Menschen etwas sagen, die bei Spielfilmen auch auf die Namen der Macher achten. Denn Hecht schrieb die Drehbücher zu „Scarface“, „Angels over Broadway“ (auch Regie), „Berüchtigt/Weißes Gift“ (Notorious), „Ich kämpfe um dich“ (Spellbound), „Der Todeskuss“ (Kiss of Death) und „In einem anderen Land“ (A farewell to arms). Bei „Vom Winde verweht“ (Gone with the wind) arbeitete er ungenannt am Drehbuch mit (In „Von Chicago nach Hollywood“ schreibt er, dass er es innerhalb einer Woche schrieb. Aber wer kann schon einem professionellem Lügner blind vertrauen?). Für viele andere Hollywood-Filme, wie „Engelsgesicht“, „Der Fremde im Zug“, „Das Ding aus einer anderen Welt“, „Rope – Cocktail für eine Leiche“, „Der Fall Paradin“ und „Gilda“, machte er im Abspann nicht genannte Überarbeitungen des Drehbuchs. Er schrieb mehrere Theaterstücke, wie das mehrfach verfilmte Theaterstück „Extrablatt“ (The Front Page), und zahlreiche Erzählungen.

Bevor er in Hollywood sein Geld verdiente, arbeitete er in Chicago als Reporter. Er erzählt in dem speziell für Deutschland zusammengestellten Sammelband „Von Chicago nach Hollywood“, wie er Reporter wurde, wie er (oft am Rand der Legalität) Bilder für Artikel besorgte, wie er seine ersten spektakulären Geschichten frei erfand und dann doch zum seriösen Reporter wurde. Diese Erlebnisse verarbeitete er in „The Front Page“ und zahlreichen Gangsterdramen, wie dem Stummfilm „Underworld“ und dem Gangsterfilm-Klassiker „Scarface“. Nach seinen Jahren in Chicago war er kurz in New York und schrieb Theaterstücke und Kurzgeschichten. Da erreichte ihn, als er sich ohne einen Cent in seinem Zimmer verkrochen hat, ein Telegramm von Herman Mankiewicz: „Was hälst du davon, für dreihundert Dollar pro Woche für Paramount Pictures zu arbeiten? Alle Auslagen werden dir erstattet. Dreihundert Dollar sind aber noch gar nichts. Millionen kannst du hier scheffeln, und deine einzige Konkurrenz sind Idioten. Lass dir das nicht entgehen!“ Hecht packte seine Koffer und zog an die Westküste.

Im zweiten Teils des Buches gibt es ein kleines Panoptikum der in Hollywood versammelten Persönlichkeiten und das fast sechzigseitige Stück „Eine sündhafte Frau“.

Das ist der Titel eines Drehbuchs von Daisy Marcher. Ein mächtiger Hollywood-Produzent, der das Drehbuch nur zufällig liest (normalerweise liest er keine Drehbücher) will dieses „Meisterwerk“ verfilmen. Als Marchers Agent Orlando Higgins erfährt, dass sie ein neunjähriges Kind ist, beschließt Higgins allen diese Tatsache zu verschweigen und treibt so seine Provision auf astronomische Höhen. Denn ganz Hollywood ist verrückt nach Daisy Marcher.

Diese Burleske ist wahrscheinlich ein ausführliches Treatment für den von Ben Hecht inszenierte Film „Woman of Sin“, der Teil des Double-Features „Actor’s and Sin“ ist.

Gerade hier hätte Helga Herborth in ihrem Nachwort über die Herkunft der verschiedenen Texte und den Wahrheitsgehalt aufklären können. Aber sie beschränkt sich im Wesentlichen, um wenige biographische Information ergänzt, auf ein Nacherzählen der bereits gelesenen Texte.

Aber diese Texte von Ben Hecht sind ein wahres Lesevergnügen. Flott formuliert, pointiert, sarkastisch, ironisch und kein Jota veraltet erzählen sie Geschichten aus der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts.

Ben Hecht: Von Chicago nach Hollywood – Erinnerungen an den amerikanischen Traum

(ausgewählt, aus dem Englischen und mit einem Nachwort von Helga Herborth)

Berenberg, 2009

152 Seiten

19,00 Euro

Erstausgabe (wahrscheinlich, aber unbestätigt, weil das Impressum der Neuausgabe in diesem Punkt unklar ist)

Geschichten aus Chicago und Hollywood

Wolke Verlag, 1989

Hinweise

Wikipedia über Ben Hecht (deutsch, englisch)

Kirjasto über Ben Hecht


TV-Tipp für den 25. September: Die verfilmten Kriminalromane

September 25, 2009

ZDF Theaterkanal, 19.40

Anwalt Abel: In tödlicher Gefahr (D 1999, R.: Olaf Kreinsen)

Drehbuch: Fred Breinersdorfer

Fanny soll ihren Mann umgebracht haben. Aber Anwalt Abel glaubt an ihre Unschuld.

Mit Günther Maria Halmer, Peter Sattmann, Nina Hoger

Hinweise

Homepage von Fred Breinersdorfer

Meine Besprechung von Fred und Léonie Breinersdorfers „Das Hurenspiel – Ein Fall für Abel“ (2006)

Eins Festival, 21.40

Back Fire – Eine Mutter sieht rot (F 1984, R.: Alain Bonnot)

Drehbuch: André G. Brunelin, Marie-Thérèse Cuny, Alain Bonnot

LV: Gérald Moreau: Nathalie ou la Punition, 1979

Annie Girardot sieht rot – und die Polizei sieht schweigend zu.

Schnörkelloser französischer Selbstjustiz-Thriller.

MDR, 00.02

Coma (USA 1978, R.: Michael Crichton)

Drehbuch: Michael Crichton

LV: Robin Cook: Coma, 1977 (Koma)

Die Ärztin Susan Wheeler hat einen schrecklichen Verdacht: ihre Vorgesetzten versetzen Patienten ins Koma und betreiben mit ihren Innereien einen schwunghaften, illegalen Organhandel. Ein Geschäft, das sie sich von Susan Wheeler nicht vermiesen lassen wollen.

Ungemein spannender, perfekt inszenierter und geschnittener Thriller“ meint der Filmdienst, im Einklang mit anderen Kritiken, über den okayen Thriller aus der bösen Welt der Mediziner, mit einem großartigen Richard Widmark, einem herrlich hilflosen Tom Selleck und die beiden Hauptdarsteller sind auch nicht zu verachten. Der medizinische Hintergrund, immerhin schrieb ein Arzt den Roman und ein anderer inszenierte den Film, ist dagegen nicht so wichtig.

Mit Geneviève Bujold, Michael Douglas, Elizabeth Ashley, Rip Torn, Richard Widmark, Lois Chiles, Tom Selleck

Hinweise

Kriminalakte: Nachruf auf Michael Crichton

Homepage von Michael Crichton

Krimi-Couch über Robin Cook

ZDF, 00.15 (Teil 1)

ZDF, 01.45 (Teil 2)

Frederick Forsyth: Das schwarze Manifest (USA 2005, R.: Charles Martin Smith)

Drehbuch: Adam Armus, Nora Kay Foster

LV: Frederick Forsyth: Icon, 1996 (Das schwarze Manifest)

Moskau in den Neunzigern: Im Auftrag des britischen Botschaftrs soll Ex-CIA-Agent Jason Monk dem rechtsradikalen Populisten Igor Komarov das Handwerk legen.

Freie Verfilmung des gleichnamigen Buches von Frederick Forsyth. Gut besetzt, vor Ort gedreht und vom ZDF sicher nicht grundlos immer im Nachtprogramm versteckt.

Mit Patrick Swayze, Patrick Bergin, Michael York, Annika Peterson, Ben Cross, Jeff Fahey, Joss Ackland

Auch bekannt als “Icon – Das schwarze Manifest”

Hinweis

Fanseite über Frederick Forsyth

Kriminalakte: Nachruf auf Patrick Swayze


Neu im Kino: Die Entführung der U-Bahn Pelham 123

September 23, 2009

Die Entführung der U-Bahn Pelham 123 (The Taking of Pelham 123, USA 2009)

Regie: Tony Scott

Drehbuch: Brian Helgeland

LV: John Godey: The Taking of Pelham One Two Three, 1973 (Abfahrt Pelham 1 Uhr 23)

In New York nehmen Gangster die Passagiere einer U-Bahn als Geisel. Sie fordern binnen einer Stunde 10 Millionen Dollar Lösegeld. Ein Fahrdienstleiter beginnt mit den Verhandlungen.

Jetzt – immerhin sollte der Thriller ursprünglich Ende Juli starten – ist das nur wenig upgedatete Remake des 1973er-Thrillers endlich auch bei uns zu sehen. Denn Autor John Godey hat sich eine ebenso einfach, wie spektakuläre Story ausgedacht. Da musste Brian Helgeland nur der Story folgen und aus den vielen im Buch auftretenden Charakteren (die so auch ein Bild der US-amerikanischen Gesellschaft in den frühen Siebzigern entstehen lassen) die für einen Film wichtigen auswählen.

mit Denzel Washington, John Travolta, Luis Guzmán, John Turturro, James Gandolfini

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Die Entführung der U-Bahn Pelham 123“

Meine Besprechung von John Godeys „Abfahrt Pelham 1 Uhr 23“ (The Taking of Pelham One Two Three, 1973)

The Taking of Pelham 123“ in der Kriminalakte

Bonushinweis

Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123“ (USA 1973) läuft im TV:

Tele 5, Sonntag, 27. September, 22.15 Uhr

Tele 5, Dienstag, 29. September, 01.50 Uhr (Taggenau!)


TV-Tipp für den 24. September: Die verfilmten Kriminalromane

September 23, 2009

Arte, 14.45

16 Uhr 50 ab Paddington (GB 1961, R.: George Pollock)

Drehbuch: David Pursall, Jack Seddon

LV: Agatha Christie: 4.50 from Paddington, 1957 (16 Uhr 50 ab Paddington)

Miss Marple beobachtet in einem vorüberfahrenden Zug einen Mord. Die Polizei glaubt der schrulligen alten Frau nicht. Deshalb klärt sie den Fall alleine auf.

Erster Miss Marple-Film, der den Plot mit reichlich britischem Humor würzte.

Mit Margaret Rutherford, Arthur Kennedy, Stringer Davis

ARD, 00.50

Killer – Tagebuch eines Serienmörders (USA 1996, R.: Tim Metcalfe)

Drehbuch: Tim Metcalfe

LV: Thomas E. Gaddis/James D. Long: Killer: A Journal of Murder, 1970

Produktion: Oliver Stone

Widmung: „For Sam Peckinpah“

Auf Tatsachen beruhender Spielfilm über Carl Panzram (bravourös gespielt von James Woods), dem ersten bekannten Massenmörder der USA. Er wurde 1929 wegen Mordes an 21 Menschen hingerichtet.

Differenziertes Drama, das allerdings immer auf dem Niveau eines gehobenen Fernsehspiels bleibt.

Hinweis

Mark Gado auf der Crimelibrary über Carl Panzram


Ein Blick hinter die Kulissen der Gerichtsmedizin

September 23, 2009

Tsokos - Dem Tod auf der Spur

Michael Tsokos ist ein richtiger Spielverderber. Bereits auf den ersten Seiten seines Sachbuchs „Dem Tod auf der Spur“ verweist er all unser TV-erprobtes Wissen über Gerichtsmediziner in das Reich der Legenden.

Denn sie nehmen die Obduktion nicht mit Taschenlampen oder in dunklen Obduktionssälen vor, hören dabei keine laute Musik (je nach Alter: Punk, Rock oder Klassik, aber nie Volksmusik), sie lagern ihre Brötchen nicht bevorzugt neben entnommen Organen und sie sind keine spleenige Gesellen mit einem makaberen Humor, sondern sie sind ganz normale Menschen, die an ordentlich ausgeleuchteten Arbeitsplätzen arbeiten.

Auch ihre Fälle sind eher nicht CSI-spektakulär.

Die meisten der von Tsokos in „Dem Tod auf der Spur“ geschilderten zwölf Fälle, in die er als Gerichtsmediziner involviert war, sind, entsprechend der Häufigkeit der nicht-natürlichen Todesursachen, Suizide und tödlich verlaufende Unfälle. Zum Beispiel wenn jemand mit einer brennenden Zigarette einschläft oder betrunken durch die Winternacht stolpert.

Sie werden bei jedem Tod, der auf den ersten Blick kein alters- oder krankheitsbedingtes Ableben ist, gerufen. Dann müssen die Gerichtsmediziner herausfinden, wie der Tote gestorben ist. Tsokos schildert nüchtern, wie sie bei einer Obduktion die einzelnen Spuren zu einem Bild formen. Dabei gibt es auch bei scheinbar klaren Fällen, wie dem Tod der siebenjährigen Jessica, immer wieder Überraschungen. Als sie starb war sie schwer unterernährt. Die erste Vermutung war, dass sie verhungerte. Aber die Obduktion ergab, dass sie an ihrer letzten Mahlzeit starb.

Selbstverständlich schildert Michael Tsokos, der Leiter des Instituts für Gerichtsmedizin der Charité und des Landesinstituts für gerichtliche und soziale Medizin in Berlin, in seinem locker geschriebenen Buch auch einige Fälle, die CSI-würdig sind.

Da gibt es einen tödlich verlaufenden Jagdunfall, bei dem die Spuren zunächst in alle Richtungen deuten. Oder ein fahrendes Auto explodiert auf einer Landstraße. Auf dem Rücksitz ist ein Toter, aber von dem Fahrer fehlt jede Spur. Ein anderer Autofahrer wird, ebenfalls auf einer Landstraße, enthauptet in seinem Auto gefunden. Und es gibt auch eine Variation der Geschichte des Mannes, der vom Himmel fiel.

Neben den reinen Fällen beschreibt Tsokos auch, wie eine Obduktion vonstatten geht. Er liefert Hintergrundinformationen über die verschiedenen Todesarten. Er erzählt, eher knapp, wie die verschiedenen forensischen Wissenschaftler und die ermittelnden Polizisten zusammenarbeiten und was die moderne Wissenschaft zur Aufklärung von Verbrechen leisten kann.

Denn die Quantensprünge in der Wissenschaft in den letzten Jahrzehnten haben auch dazu beigetragen, dass es heute Serien wie „CSI“ gibt, in denen nicht mehr die Arbeit von Polizisten, sondern die von Wissenschaftlern im Mittelpunkt steht.

Und so schließt sich der Kreis: die Innovationen in der Wissenschaft führen zu populären TV-Serien, die wiederum das Interesse an Sachbüchern darüber befördern und so die Erkenntnisse aus der Wissenschaft auch einem Nicht-Fachpublikum zugänglich machen.

Michael Tsokos (unter Mitarbeit von Veit Etzold und Lothar Strüh): Dem Tod auf der Spur – Zwölf spektakuläre Fälle aus der Rechtsmedizin

Ullstein, 2009

240 Seiten

8,95 Euro

Hinweise

Berliner Zeitung: Interview mit Michael Tsokos (6./7. Juni 2009)

Seite des Instituts für Rechtsmedizin der Charité

Seide des Landesinstituts für gerichtliche und soziale Medizin, Berlin


TV-Tipp für den 23. September: Die verfilmten Kriminalromane

September 23, 2009

3sat, 11.30

Polt muss weinen (A/D 2001, R.: Julian Roman Pölsler)

Drehbuch: Susanne Freund, Julian Roman Pölsler

LV: Alfred Komarek: Polt muss weinen, 1998

Wer ermordete den allseits unbeliebten Weinbauern? Landgendarm Polt ermittelt.

Komareks erster Polt-Krimi erhielt 1999 den Glauser. Sein neuer Polt-Krimi „Polt.“ erschien vor wenigen Tagen im Haymon Verlag.

Mit Erwin Steinhauer, Hans Clarin

Arte, 14.45

Rendezvous mit einer Leiche (USA 1988, R.: Michael Winner)

Drehbuch: Anthony Shaffer, Peer Buckman, Michael Winner

LV: Agatha Christie: Appointment with death, 1938 (Der Tod wartet)

Hercule Poirot klärt während einer Urlaubsreise in Israel den Mord an einer reichen Amerikanerin auf.

Trotz der guten Besetzung ein Langweiler.

Mit Peter Ustinov, Lauren Bacall, John Gielguld, Carrie Fisher, Piper Laurie, David Soul, Nicholas Guest

MDR, 22.05

TATORT: Money! Money! (D 1998, R.: Peter Ristau)

Drehbuch: Fred Breinersdorfer

Dorsey organisert ein Kettenspiel. Als seine Partnerin Angie umgebracht wird, ermitteln Erhlicher und Kain im Milieu krimineller Geschäftemacher.

Im Vergleich zu den Post-2000-Ehrlicher-Filmen wird dieser schwache Ehrlicher immer besser. Denn er hat eine sauber entwickelte Handlung und weist ohne einen allzu erhobenen Zeigefinder auf kriminelle Abzocker hin.

Mit Peter Sodann, Bernd Michael Lade, Ulrich Noethen, Julia Jäger

Hinweise

Homepage von Fred Breinersdorfer

Meine Besprechung von Fred und Léonie Breinersdorfers „Das Hurenspiel – Ein Fall für Abel“ (2006)

SWR, 23.00

Coma (USA 1978, R.: Michael Crichton)

Drehbuch: Michael Crichton

LV: Robin Cook: Coma, 1977 (Koma)

Die Ärztin Susan Wheeler hat einen schrecklichen Verdacht: ihre Vorgesetzten versetzen Patienten ins Koma und betreiben mit ihren Innereien einen schwunghaften, illegalen Organhandel. Ein Geschäft, das sie sich von Susan Wheeler nicht vermiesen lassen wollen.

Ungemein spannender, perfekt inszenierter und geschnittener Thriller“ meint der Filmdienst, im Einklang mit anderen Kritiken, über den okayen Thriller aus der bösen Welt der Mediziner, mit einem großartigen Richard Widmark, einem herrlich hilflosen Tom Selleck und die beiden Hauptdarsteller sind auch nicht zu verachten. Der medizinische Hintergrund, immerhin schrieb ein Arzt den Roman und ein anderer inszenierte den Film, ist dagegen nicht so wichtig.

Mit Geneviève Bujold, Michael Douglas, Elizabeth Ashley, Rip Torn, Richard Widmark, Lois Chiles, Tom Selleck

Hinweise

Kriminalakte: Nachruf auf Michael Crichton

Homepage von Michael Crichton

Krimi-Couch über Robin Cook


Cover der Woche

September 22, 2009

Hunter - ...und schließ ihm beide Augen zu


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