Jack Tayler steigt ein

Bruen - Jack Taylor fliegt rausBruen - Sanctuary

Wann hat ein Privatdetektiv ein Verbrechen aufgeklärt?

Noch nie!“

Ed McBain

Auf den ersten vier Seiten ist Jack Taylor noch ein Polizist mit einem Alkoholproblem und einem unbeherrschten Temperament. Dann haut er einem Finanzministerialdirigenten auf’s Maul und „Jack Taylor fliegt raus“. Danach arbeitetet er in Galway als billiger Privatdetektiv, säuft weiter und liest wie blöde. Deshalb vergehen in Ken Bruens erstem Jack-Taylor-Roman auch nur wenige Seiten ohne eine literarische Anspielung oder etwas Namedropping.

Zwischen dem Lesen und Trinken versucht Jack Taylor einen Fall zu lösen. Sarah Hendersons Mutter glaubt nicht an einen Selbstmord. Deshalb soll er soll herausfinden, wer ihre sechzehnjährige Tochter ermordete.

Im Angloamerikanischen Raum hatte Ken Bruen mit „Jack Taylor fliegt raus“ (The Guards) nach mehreren Krimis seinen Durchbruch. „The Guards“ erhielt 2004 den Shamus als bester Privatdetektivroman des Jahres und einige weitere Nominierungen. Seitdem erscheint Bruens Name regelmäßig auf den verschiedenen Nominierungs- und Preisträgerlisten der Krimiszene. Kollegen loben ihn und seine Werke. Die Filmrechte für mehrere Romane sind verkauft. Im Moment werden „London Boulevard“ und „Blitz“, beide hochkarätig besetzt, verfilmt.

Aber ins Deutsche wurden in den vergangenen elf Jahren seine Werke, abgesehen von den zusammen mit Jason Starr geschriebenen Hard-Case-Crime-Büchern, nicht mehr übersetzt. Auch die jetzige Veröffentlichung des bereits 2001 erschienen „The Guards“ ist keine deutsche, sondern eine schweizer Veröffentlichung. Aber dafür hat Harry Rowohlt das Buch übersetzt und wer das Original nicht kennt, kann mit der Übersetzung zufrieden sein.

(Das ist wahrscheinlich das Problem jeder Übersetzung. Wenn einem das Original gefällt, ist die Übersetzung immer nur zweite Wahl. Und Bruen hat einen rasant, lakonisch, schwarzhumorigen Stil, der nur schwer übersetzt werden kann.)

I limped down the road, ready to kill some bastard, adjusted my hearing aid, then turned it off. I’d heard enough for one day.

Hearing aid, limp, you’re wondering what kind of shape I was in?

Take a wild guess.

Ken Bruen, Sanctuary

In Irland erschienen nach „Jack Taylor fliegt raus“ sechs weitere Jack-Taylor-Romane, die am besten chronologisch gelesen werden. Einerseits bezieht Bruen sich immer wieder auf die vorherigen Taylor-Romane, andererseits – und das ist der wichtigere Grund – entwickelt sich Jack Taylor weiter. Er trägt seelische Wunden von den Fällen davon. Er muss sich für seine Taten verantworten. Er hat Schuldgefühle. Er versucht mit seinem Alkoholismus und auch seiner Drogensucht zurecht zu kommen. Er hat eine Beziehung, die in die Brüche geht. Und er wird langsam taub.

In „Sanctuary“, dem bislang letzten Taylor-Roman, erhält er einen von einem Benedictus unterschriebenen Brief, in dem der Unterzeichner die Morde an zwei Polizisten, einer Nonne, einem Richter und einem Kind ankündigt. Superintendent Clancy, Taylors Vertrauter und Intimfeind bei der Polizei, hält den Brief für einen Scherz.

Nach den ersten Morden, die auch eine Verkettung unglücklicher Zufälle sein können, beginnt Taylor mit der ihm eigenen Sturheit diesen Benedictus zu suchen. Dabei erfährt er, dass der Mörder ihm diesen und weitere Briefe schreibt, weil er Taylor für eine vergangene Tat bestrafen will.

Nachdem in einigen vorherigen Taylor-Romanen Taylors desolates Leben im Zentrum stand und der Krimiplot zur Nebensache wurde, konzentriert Ken Bruen sich in „Sanctuary“ wieder stärker auf den Krimiplot und im Gegensatz zu den vorherigen Taylor-Krimis gibt es dieses Mal fast kein literarisches Namedropping. Dafür werden viele Ereignisse aus den vorherigen Taylor-Romanen erwähnt und einiges erscheint jetzt in einem anderen Licht.

Sanctuary“ ist eine würdige Fortsetzung einer der derzeit aufregendsten Privatdetektivserien und „Jack Taylor fliegt raus“ ist ein spannender Einstieg in Bruens Welt.

Harry Rowohlt übersetzt gerade den zweiten Taylor-Roman „The Killing of the Tinkers“.

Ken Bruen: Jack Taylor fliegt raus

(übersetzt von Harry Rowohlt)

Atrium Verlag, 2009

304 Seiten

16 Euro

Originalausgabe

The Guards

Brandon, 2001

Ken Bruen: Sanctuary

Transworld Ireland, 2008

224 Seiten

7,99 Pfund (Transworld-Ireland-Taschenbuch-Ausgabe 2009, circa 10 Euro)

Die Jack-Taylor-Romane

1. Jack Taylor fliegt raus (The Guards, 2001)

2. The Killing of the Tinkers (2002)

3. The Magdalen Martyrs (2003)

4. The Dramatist (2004)

5. Priest (2006)

6. Cross (2007)

7. Sanctuary (2008)

Hinweise

Homepage von Ken Bruen

Thrilling Detective über Jack Taylor

Meine Besprechung der Jack-Taylor-Reihe

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Flop“ (Bust, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Crack“ (Slide, 2007)

Ken Bruen in der Kriminalakte

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9 Responses to Jack Tayler steigt ein

  1. […] 3. Platz: Ken Bruen: Jack Taylor fliegt raus (The Guards) (Atrium) […]

  2. […] gibt es einige (eher nichtssagende) Bilder aus der Ken-Bruen-Verfilmung “The Guards” (Jack Taylor fliegt raus) und einen Hinweis auf die Homepage zur […]

  3. […] • The Guards (Jack Taylor fliegt raus), von Ken Bruen (Minotaur) […]

  4. […] Trailer zur Ken-Bruen-Verfilmung „The Guards“ Ah, hier ist der Trailer zur Verfilmung des ersten Jack-Taylor-Romans „The Guards“ (Jack Taylor fliegt raus) von Ken Bruen: […]

  5. […] Meine Besprechung von Ken Bruens „Jack Taylor fliegt raus“ (The Guards, 2001) […]

  6. […] Meine Besprechung von Ken Bruens „Jack Taylor fliegt raus“ (The Guards, 2001) […]

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