PI Spenser will April Kyle – wieder einmal – helfen

Spenser war schon immer auch ein Sozialarbeiter. In „Early Autumn“ (Finale im Herbst) übernahm er die Erziehung von Paul Giacomin. Er entwickelte sich prächtig. Bei April Kyle war das etwas schwieriger. In „Ceremony“ (Einen Dollar für die Unschuld) sollte er sie suchen. Weil April Kyle nicht zu ihren Eltern zurückwollte, schickte er sie nach New York zu Patricia Utley. Die Edelprostituierte nahm sich des Mädchens an. In „Taming a Sea-Horse“ (Wer zähmt April Kyle?) musste er April wieder helfen und jetzt betritt sie sein Büro und bittet ihn um Hilfe.

Seit gut zwei Jahren betreibt sie in Boston ein Edelbordell. Vor kurzem tauchten zwei Männer bei ihr auf und wollten ein Viertel von ihrem Geschäft. Spenser und sein Kumpel Hawk nehmen sich die Schläger vor und erfahren von ihnen, dass sie von Ollie DeMars geschickt wurden. DeMars kann Spenser allerdings nur verraten, dass er von einem Unbekannten beauftragt wurde und er, bis er eine Gefahrenzulage von ihm erhält, nichts tun werde.

Spenser ruft einige seiner Freunde. Die sollen das Bordell beschützen, während er DeMars‘ Auftraggeber sucht.

Hundert Dollar Baby“, der 34. Fall für Privatdetektiv Spenser, unterscheidet sich natürlich kaum von den vorherigen Fällen. Es ist wie ein Abend mit einem alten Freund oder die neue Folge einer langlebigen TV-Serie. Die meisten Gags sind bekannt oder Variationen bekannter Witze, wie die Frotzeleien zwischen Spenser und Hawk. Der schwule Teddy Sapp, einer ihrer schlagkräftigen und furchtlosen Freunde, ist dagegen eine echte Bereicherung. Aber er verschwindet ziemlich schnell wieder aus der Geschichte. Spensers Freundin Susan Silverman scheint immer weniger zu Essen. Spenser verdrückt währenddessen Mahlzeiten für eine halbe Fußballmannschaft. Dabei unterhalten sie sich über Liebe, Sex, Prostitution (Wird die Frau entwürdigt? Oder der Mann? Kann es überhaupt glückliche Huren geben?) und April Kyles Psyche. Immerhin ist Susan Therapeutin und diese Gespräche gehören zu einem Spenser-Roman einfach dazu. Genau wie ihr gemeinsamer Hund Pearl.

Das Plotting ist ebenfalls gewohnt nachlässig. So ist ziemlich offensichtlich, wer Ollie DeMars umgebracht hat und wer hinter allem steckt. Dieses Mal betont Ich-Erzähler Spenser sogar öfters, dass er von allen belogen werde und bei seinen Ermittlungen einfach nicht voran komme. Das liegt allerdings weniger an dem komplizierten Plot, sondern eher an Robert B. Parkers Arbeitsstil. Denn er schreibt die Spenser-Geschichten, neben den Jesse-Stone-, Sunny-Randall- und Virgil-Cole/Everett-Hitch-Romanen, in einem atemberaubenden Tempo. Dieses Jahr veröffentlichte Parker vier neue Romane. Dabei entwickelt er den Plot während des Schreibens und er macht, so sagt er, keine Überarbeitungen. Das führt bei „Hundert Dollar Baby“, wieder einmal, zu einem ziemlich zähen Mittelteil. Auch der Mord an Ollie DeMars bringt kaum Schwung in Spensers sich über mehrere Monate erstreckenden Ermittlungen.

Aber Robert B. Parkers entspannter Schreibstil gefällt immer noch. Und mit zweihundert Seiten ist das Buch auch schnell gelesen.

Robert B. Parker: Hundert Dollar Baby

(übersetzt von Emanuel Bergmann)

Pendragon, 2009

208 Seiten

9,90 Euro

Originalausgabe

Hundred-Dollar Baby

G. P. Putnam’s Sons, 2006

(Anmerkung: Angekündigt als „Dream Girl“)

Hinweise

Homepage von Robert B. Parker

Mein Porträt der Spenser-Serie und von Robert B. Parker

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Die blonde Witwe“ (Widow’s walk, 2002)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der stille Schüler“ (School Days, 2005)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der gute Terrorist“ (Now & Then, 2007)

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2 Responses to PI Spenser will April Kyle – wieder einmal – helfen

  1. […] Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Hundert Dollar Baby” (Hundred Dollar Baby, 2006) […]

  2. […] habe zuletzt über seinen ‘neuesten’ Spenser-Roman „Hundert Dollar Baby“ (Hundred Dollar Baby, 2006) geschrieben (dort gibt es auch einige weitere […]

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