„Incognito“ oder Ein Superschurke im Zeugenschutzprogramm

Februar 28, 2010

Zack Andersen hasst sein Leben als Bürogehilfe im Rathaus in irgendeinem sich in der amerikanischen Provinz befindendem Kaff. Der Höhepunkt seines Lebens ist ein Quickie mit Amanda von der Buchhaltung während der Weihnachtsfeier. Allerdings ist er als Weihnachtsmann verkleidet und sie hält ihn für jemand anderes.

Zack ist auch jemand anderes. Bevor er ins Zeugenschutzprogramm gesteckt wurde, war er Zack Overkill und er machte seinem Namen alle Ehre. Zusammen mit seinem Bruder hinterließen sie mit ihren Verbrechen und den Kollateralschäden eine Spur der Verwüstung. Jetzt ist Zack mit Drogen ruhiggestellt und er lebt ein Leben, das er früher verachtete.

Als Zack die Pillen absetzt, erwachen seine früheren Kräfte wieder und er setzt sie auf seinen nächtlichen Streifzügen ein. Aber nicht, um Verbrechen zu begehen, sondern um Verbrecher zu bestrafen. Zack wundert sich zwar etwas, dass er jetzt die Arbeit der Polizei übernimmt, aber das verkloppen von Räubern gefällt ihm.

Schnell erfahren seine früheren Freunde von seinen nächtlichen Streifzügen und sie schicken einige Männer los, die den Verräter finden und bestrafen sollen.

Zack Andersen/Overkill ist die neueste Schöpfung des genialen Autors Ed Brubakers und seines ihn kongenial ergänzenden Zeichner Sean Phillips. In ihrer ersten Zusammenarbeit „Sleeper“ ließen sie einen guten Menschen Böses tun, indem sie ihn als Undercover-Agent in ein weltumspannendes Gangsterimperium einschleusten und mit der Zeit gefiel Holden Carver das Leben als Verbrecher immer besser.

Incognito“ liest sich in weiten Teilen wie die Umkehrung von „Sleeper“. Wieder wird ein Mann gezwungen ein Leben zu führen, das er nicht führen will. Wieder spielt sich dieser Kampf des Helden um seine Unabhängigkeit vor dem Kampf verschiedener Verbrecher- und Regierungsorganisationen ab, die in ihrem Handeln über dem Gesetz stehen. Und wieder hat der Held und einige weitere wichtige Charaktere Superkräfte. Oh, und wieder ist die Geschichte als eine sich abgeschlossene Reihe von Comicheften entworfen.

Aber es gibt in „Incognito“ auch den Blick des kleinen Mannes, der in anderen Superhelden-Comics (wozu auch „Sleeper“ gehört) höchstens als Staffage manchmal das Bild füllt. Es gibt Szenen aus dem Berufsleben, dem Strafvollzug und Gespräche mit Arbeitskollegen über Verschwörungstheorien, die für Zack keine Theorien, sondern Teil seines alten Lebens sind.

In „Incognito“ erzählt Ed Brubaker wieder von einem Mann, der sein Leben leben will. Eine feine Lektüre.

Ed Brubaker/Sean Phillips: Incognito 1 – Stunde der Wahrheit

(übersetzt von Claudia Fliege)

Panini Comics 2009

164 Seiten

19,95 Euro

Originalausgabe/enthält

Incognito, Heft 1 – 6

Icon Comics/Marvel Comics, Dezember 2008 – September 2009

(später auch gesammelt in einem Buch erschienen)

Hinweise

Homepage von Ed Brubaker

Blog von Sean Phillips

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips” “Criminal 1 – Feigling” (Criminal 1: Coward, 2007)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ “Criminal 2 – Blutsbande” (Criminal 2: Lawless, 2007)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Criminal 3 – Grabgesang“ (Criminal 3: The Dead and the Dying, 2008)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Colin Wilsons “Point Blank” (Point Blank, 2003)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ “Sleeper 1 – Das Schaf im Wolfspelz” (Sleeper: Out in the cold, 2003)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ “Sleeper 2 – Die Schlinge zieht sich zu” (Sleeper: All false moves, 2004)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips‘ „Sleeper 3 – Die Gretchenfrage“ (Sleeper 3: A crooked line, 2005)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips‘ „Sleeper 4 – Das lange Erwachen“ (Sleeper 4: The long walk home, 2005)


TV-Tipp für den 28. September: Dexter – Staffel 2

Februar 28, 2010

RTL II, 22.20

Dexter: Verflucht/Einfach loslassen (USA 2007, R.: Tony Goldwyn, Marcos Siega)

Drehbuch: Daniel Cerone, Clyde Phillips

Erfinder: James Manos Jr.

LV: Jeff Lindsay: Darkly Dreaming Dexter, 2004 (Des Todes dunkler Bruder; – für die zweite Staffel dann eher Charakter von Dexter)

Ehrlich gesagt, damit habe ich schon nicht mehr gerechnet: nachdem die erste „Dexter“-Staffel quotenmäßig ein Flop war, hätte ich keine fünf Cent auf weitere „Dexter“-Episoden im frei empfangbaren deutschen TV gewettet. Aber die Jungs von RTL II wagen einen zweiten Versuch, zu einer Uhrzeit die stark nach Resterampe aussieht. Denn die zwölf Episoden der zweiten Staffel werden nach dem Spielfilm versendet und das kann dann schon etwas später werden. Nächsten Sonntag mordet Dexter von 22.55 Uhr bis 01.00 Uhr.

In der zweiten Staffel muss Dexter Morgan (Forensiker bei der Polizei von Miami und Serienkiller mit okayer Opferauswahl) herausfinden, warum an den Stränden von Miami Leichensäcke mit seinen Opfern liegen.

Inspiriert wurde die in den USA sehr erfolgreiche Serie von Jeff Lindays schwarzhumorigen Romanen. „Des Todes dunkler Bruder“ (Darkly Dreaming Dexter, 2004), „Dunkler Dämon“ (Dearly Devoted Dexter, 2005) und „Komm zurück, mein dunkler Bruder“ (Dexter in the Dark, 2007) erschienen bei Knaur und sind natürlich lesenswert. „Dexter by Design“ (2008) ist noch nicht übersetzt.

Mit Michael C. Hall (Dexter Morgan), Julie Benz (Rita Bennett), Jennifer Carpenter (Debra Morgan), David Zayas (Angelo Batista), Lauren Vélez (Lt. Maria LaGuerta), James Remar (Harry Morgan), Erik King (Sgt. James Doakes), C. S. Lee (Vince Masuka), Jaime Murray (Lila Tourney)

Hinweise

Homepage von Jeff Lindsay

Showtime-Homepage zu „Dexter“

The Rap Sheet über „Dexter“

Wikipedia über „Dexter“ (deutsch, englisch)

Kriminalakte über „Dexter – Staffel 1“ und „Dexter“ auf der Comic Con


KrimiWelt-Bestenliste März 2010

Februar 27, 2010

Alles Neu macht der März stimmt nicht ganz, aber mit sechs Neueinsteigern ist die Bestenliste der KrimiWelt für den Frühlingsmonat März vom Wandel geprägt:

1 (-) Roger Smith: Blutiges Erwachen

2 (1) James Ellroy: Blut will fließen

3 (2) Jo Nesbø: Leopard

4 (8) Angelo Petrella: Nazi Paradise

5 (10) Wolfgang Schorlau: Das München-Komplott

6 (-) Carol O’Connell: Such mich!

7 (-) Pablo de Santis: Das Rätsel von Paris

8 (-) Kwei Quartey: Trokosi

9 (-) Paulus Hochgatterer: Das Matratzenhaus

10 (-) Olen Steinhauer: Der Tourist

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.


TV-Tipp für den 27. Februar: Zeugin der Anklage

Februar 27, 2010

NDR, 23.15

Zeugin der Anklage (USA 1957, R.: Billy Wilder)

Drehbuch: Larry Marcus, Billy Wilder, Harry Kurnitz

LV: Agatha Christie: The Witness for the Prosecution, 1933 (Kurzgeschichte, ursprünglich erschienen in „The Hound Of Death And Other Stories”, Zeugin der Anklage)

Hat Leonard Vole eine reiche Witwe erschlagen? Für Staranwalt Sir Wilfried hängt alles von der Aussage von Voles Frau Christine ab.

Prototyp aller Gerichtsfilme und immer noch weitaus spannender als die jüngeren Gerichtsthriller (obwohl die Pointe bekannt sein dürfte), mit – in glänzender Spiellaune – Marlene Dietrich, Charles Laughton, Tyrone Power.

Das Drehbuch war für einen Edgar nominiert. „Die zwölf Geschworenen“ gewann ihn.

Hinweis

Offizielle Agatha Christie-Homepage

Wikipedia über „Zeugin der Anklage“ (deutsch, englisch)


Neue TV-Krimi-Buch-Tipps online

Februar 26, 2010

Bei den Alligatorpapieren sind die, wie immer von Alligator-Alfred wunderschön bebilderten, TV-Krimi-Buch-Tipps online. Ansehen!

Und was gibt’s die nächsten Tage im TV?

Also,

der Auftakt zwischen einem „Tod auf dem Nil“ und dem „Lawinenexpress“ lässt uns alle Wetterextreme von der heimischen Couch miterleben. Danach gibt’s Billy Wilders Agatha-Christie-Verfilmung „Zeugin der Anklage“ (in einem wohltemperiertem Gerichtssaal), Jacques Derays Derek-Raymond-Verfilmung „Mörderischer Engel“, Jean Renoirs Emile-Zola-Verfilmung „Bestie Mensch“, Claude Pinoteaus Francis-Ryk-Verfilmung „Ich – Die Nummer eins“, Lynda La Plantes „Heißer Verdacht“ und „Der Preis des Verbrechens“, Jean-Luc Godards „Peter Cheney“-Verfilmung „Alphaville“ (in der ungekürzten Fassung), Phillip Noyces Graham-Greene-Verfilmung „Der stille Amerikaner“, Alfred Hitchcocks Francis-Iles-Verfilmung „Verdacht“ und seine Ethal-Lina-White-Verfilmung „Eine Dame verschwindet“ und, als TV-Premiere, die Jack-Ketchum-Verfilmung „Blutrot“.


Kleinkram

Februar 26, 2010

Der Court Reporter hat eine Liste von 50 lesenswerten englischsprachigen Blogs für Krimifans erstellt.

Feine Liste.

(Nachtrag: 13. Mai 2013: Der Originallink funktioniert leider nicht mehr. Vielleicht gibt es ja irgendwann ein Update.)

Die Trauerrede von David Parker auf seinen Vater Robert B. Parker:

(…) Bob Parker, was my father. He hated to be referred to as „my dad“. He was my father. „My dad“ always struck him (and me) as half-assed, slangy, casual–not befitting the grandeur of the office. He was very serious about being a father and believed it to be a great and marvelous undertaking. Oh, I called him „Dad“ when we were together but when I spoke of him it was always as „my father“.

We all know of his passion for social justice, civil rights and noblesse oblige, and because these traits are enshrined in his work, it’s easy to take them for granted. But we’ve only to remember how hard-won they were. In building his character, he had to reject the narrow-minded and bigoted conservatism of his parents and his parochial upbringing. A larger life beckoned him. He dared to eat the peach. He rode away from his mundane origins on a kind of daft confidence that allowed him to transform himself as needed but without losing his center. In contrast, I didn’t have to reject his values to build my character. I wanted to be like him. (…)

Lesenswert.

Bei „The Hollywood Interview“ gibt es

– zwei Interviews mit William Friedkin (French Connection, Exorzist, Leben und Sterben in L. A.). Eines von 1997 anläßlich seines Remakes von „Die zwölf Geschworenen“; eines von 2007 anläßlich der DVD-Ausgabe von „Cruising“ (ein Polizeifilm mit Al Pacino)

– eines mit Anthony Hopkins (vor allem über Hannibal Lector und „Red Dragon“)

Spiegel Online unterhält sich mit Ulli Lommel vor allem über seine Zeit mit Rainer Werner Fassbinder und Andy Warhol, aber kaum über die vielen von ihm gedrehten (Horror-)Filme, wie „Die Zärtlichkeit der Wölfe“, „The Boogeyman“ und die vielen Direct-to-Video(DVD?)-Filme der vergangenen zehn Jahre.

Bei Spinetingler gibt es einige (eher nichtssagende) Bilder aus der Ken-Bruen-Verfilmung „The Guards“ (Jack Taylor fliegt raus) und einen Hinweis auf die Homepage zur TV-Serie.

Die nächste Ausgabe der telefonischen Mord(s)beratung ist am Samstag, den 27. Februar, von 20.05 Uhr bis 22.00 Uhr. Das immer aktuelle Thema ist „Wirtschaftskrimis: Mörder, Manager und Millionen“.

Mal hören, was die Experten empfehlen. Außer der Gründung einer Bank.


TV-Tipp für den 26. Februar: Manhattan Murder Mystery

Februar 25, 2010

ZDFneo, 20.15

Manhattan Murder Mystery (USA 1992, R.: Woody Allen)

Drehbuch: Woody Allen, Marshall Brickman

Als eine Nachbarin in ihrem noblen New Yorker Mietshaus überraschend stirbt, glaubt Carol Lipton (Diane Keaton), dass sie ermordet wurde und sie beginnt, mit einem befreundeten Krimiautor, den Mörder zu suchen. Ihr Mann Larry (Woody Allen) ist davon überhaupt nicht begeistert.

Eine Krimikomödie von Woody Allen, bei der sich für die die Wortgefechte vom „Dünnen Mann“ inspirieren ließ und auch sonst lustvoll im Fundes des klassischen Hollywood-Krimis wühlte. Cineasten können also einiges entdecken.

So unverhohlen publikumsfreundlich war Woody Allen lange nicht mehr.“ (Fischer Film Almanach 1995)

Sein nächster Film war „Bullets over Broadway“.

mit Woody Allen, Diane Keaton, Anjelica Huston, Alan Alda, Jerry Adler, Ron Rifkin, Zach Braff (sein erster Spielfilm), Frank Pellegrino (dito, später war er bei den „Sopranos“)

Hinweise

Wikipedia über „Manhattan Murder Mystery“ (deutsch, englisch)

Mann beißt Film über „Manhattan Murder Mystery“

Woody Allen in der Kriminalakte


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